Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
      gebiurlich Adj.
      gebiusche stN.
      gebiute
      gebiuwe stN.
      gebiuʒe stN.
      gebiʒ stN.
      geblâs stN.
      geblæsede stF.
      geblerre stN.
      gebletze stN.
      geblicket Part.-Adj.
      geblüede stN.
      geblüemet Part.-Adj.
      gebluot Part.-Adj.
      gebogen swV.
      geborc stMN.
      geborngot stM.
      gebornheit stF.
      gebornwërden stN.
      geborstet Adj.
      gebot stN.
      gebotbrief stM.
      gebouge Adj.
      geböugic Adj.
      geböume stN.
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gebiurlich - geböume    


gebiurlich Adj. 1 ‘bäuerlich’
2 ‘grob, unfreundlich’
   1 ‘bäuerlich’ gebûrlîch gewant [im Gegensatz zum ritterlichen] Kchr 4809; daz kint er [Fischer] an den arm nam: / sîn wîp gie im allez mite / nâch gebiurlîchem site / ze klôster Greg 1113; das die gebawer von Loberth [...] alle gebauerliche dinst selber thun sollen UrkPreuss 3,16 (a. 1338)    2 ‘grob, unfreundlich’ wand er [Gott] ist also sere verwunt von irer [der gottliebenden Seelen] minne, das er aller dingen hat verzigen mere denne drissig jar, [...] uf das er si moͤhti durkússen und mit sinen blossen armen umbevahen. woͤltestu hie an gedenken, wie moͤhtestu also gebúrlich wesen, du muͤstest im gegen drissig jaren zem tage eine stunde [des Gebets] geben Mechth 6: 1,112

MWB 2 167,26; Bearbeiter: Plate

gebiusche stN. zu bûsch ‘Beule, Schwellung’ (bzw. ‘Schlag, der eine Beule bewirkt’): redet ieman dar wider, / dem slâhet ein gebiusche [den schlagt grün und blau] HBirne 161; sins swertes ort wart strichen / dem tier so groz gepuͤsche WhvÖst 11779

MWB 2 167,41; Bearbeiter: Plate

gebiute → gebiete, gebiet stFN.

MWB 2 167,47;

gebiuwe stN. gebû

MWB 2 167,48;

gebiuʒe stN. ‘Schlag, Stoß’ jener trût der vrouwen muoz ein gepiuze hân. / [...] ez gât im an den lîp NibB 1886,2; die Deutung von hsl. gebuze (C), gepvͤze (B), gepoͮze (A) usw. als sonst nicht bezeugtes gebiuze ist unsicher; vgl. Lachmann, Anm. zu den Nib. (1823,2)

MWB 2 167,49; Bearbeiter: Plate

gebiʒ stN. im Reim auf itwîz Erz III . 1 ‘Mundstück des Zaumzeugs’
2 ‘Beißkorb, Maulkorb’
   1 ‘Mundstück des Zaumzeugs’ nym daz gebis [...] unde lege is dem pherde in den munt Albrant 3,53; der zoum was geworht alsam, / [...] von silber was daz gebiz Flore(S) 2870; lupatum: gebis, gebiss VocOpt 26.010    2 ‘Beißkorb, Maulkorb’ chamus: gebis, gebiss VocOpt 26.009. – übertr.: in zorn slint den itwis [schlucke die zornige Entgegnung, Schmähung herunter] , / lege dem munde einen gebiz. / tumbe kunheit versitze, / daz ist zuht und witze ErzIII 36,264; wie dik hast du dien anzennenden vienden isninú gebiss in geschlagen [ frenum silentii imposuisti ] und sú unmechtig gemachet mit dinem vroͤlichen lobe Seuse 252,8

MWB 2 167,55; Bearbeiter: Plate

geblâs, geblæse stN. ‘Säuseln’, mit (dem) ~ ‘säuselnd, einschmeichelnd’ sprechen: er [der Teufel] hatte sich verpflichtet / daz er nicht Adam spreche, / wen her vil liechter breche / daz wiep, wen si krenker was. / mit gerune, mit geblas / senfte er ver Even zu / sprach TvKulm 258; von dem raben [...] der hatte in sinem monde einen kese, / zu dem der fuhß sprach mit dem geblese: / o rabe, das dich got huͤde, / ich bijt dich, sienge mir ein liet durch dine guͤde! Pilgerf 7685

MWB 2 168,5; Bearbeiter: Plate

geblæsede stF. ‘Aufblähung’ suedemo manne [...] rodent beide die chinne [l. chnie?] mit dere diche geblasede [ si amba genua (l. gena?) rubea habuerit solida cum inflatione ] Capsula 15

MWB 2 168,15; Bearbeiter: Plate

geblerre stN. ‘nutzloses Gerede, Geschwätz’ nieman sol ez [dieses Buch] hân vür ein geblerre, / wenne ez ist wîten unde verre / gesament in der heiligen schrift Renner 15935. 17071; MinneR368 132

MWB 2 168,19; Bearbeiter: Plate

gebletze stN. ‘leeres Geschwätz’ heiz in, daz er ze schuole gê, / lerne diu buoch nâch unser ê / unt tuo sich sînes gebletzes abe, / unt daz er got vor ougen habe, / sô altet er mit êren KvFuss 2953; Jôsêp von Aramathî, / der seit uns starchiu mære / von dem verchêrære / dem ez sô lästerlîche ergie, / daz er vor gerihte hie / verteilet und erhangen wart. / er seit von sîner ûfvart / und gebletzes dannoch mê KvHeimUrst 1507; MinneR410 359. – derber, spottender Ausdruck des Dichters für seine Lieder (NeidhWb): wâ bî sol man mîn geplätze hinne vür erkennen? / hie envor dô kande man iz wol bî Riuwental Neidh WL 24:7,1; Wîerât [...] diu hœret mîn geplätze gerne ebd. WL 5:1,10

MWB 2 168,24; Bearbeiter: Plate

geblicket Part.-Adj. blicken swV. 1. ‘(durch Läuterung) zum Glänzen gebracht, glänzend’ einen vierdunk gutes geplicktes silbers BgRIglau 300,18; vierczehen geplickte mark SchöffIglau 209

MWB 2 168,38; Bearbeiter: Plate

geblüede stN. ‘Blüte’ dô sach ich ir [Gartenblumen] geblüede brehen / gegen der sunnen vaste LvRegSyon 2177

MWB 2 168,43; Bearbeiter: Plate

geblüemet Part.-Adj. blüemen swV. 2. 1 als Epitheton ornans: ‘geschmückt, herrlich, gepriesen, preiswürdig’
2 rhetorisch, ‘mit Redeblumen geschmückt’
   1 als Epitheton ornans: ‘geschmückt, herrlich, gepriesen, preiswürdig’ nun wil von husse schaiden / ains geblümten künges barn. / gott müsse üns den held bewarn GTroj 177; der geblümtte junge man ebd. 6455; die gebluͤmten fuͤrsten wert WhvÖst 18602; hail mich, gebluͤmter got PrGeorg(Sch) 5,218. 11,42; PrGeorg 65,7    2 rhetorisch, ‘mit Redeblumen geschmückt’ der knappe was ouch rederîch, / geblüemet schône und hübeschlîch / was alle sîne rede gar HvFreibTr 1302; noch Quintilkani und Tullii lecczien und noch den geblumeten worten [ post Quintiliani et Tullii lectionem ac flores rhetoricos ] Cranc Vorr. Dan 271,15; wenn ich zu tichten han gedacht / gepluemtew wort Suchenw 16,9

MWB 2 168,46; Bearbeiter: Plate

gebluot Part.-Adj. ‘aufgeblüht, blühend’, → blüejen swV. 3. daz her sie gruenet und vrischet / mit sines heren geistes towe / glich der grunekeit der owe, / swenne die blumen sint geblut HeslApk 21519 (das Glossar vermutet wohl nicht richtig ‘verblüht’)

MWB 2 168,62; Bearbeiter: Plate

gebogen swV. bogen 1 ‘sich biegen, beugen’. die andern [Haubtsünden] muͤssent ir [der Hoffahrt] gebogen [sich ihr unterwerfen] GeistlStreit A 106

MWB 2 169,4; Bearbeiter: Plate

geborc stMN. das borgen (des Gläubigers) ûf jmdn. ‘Herleihen an jmdn.’, hier ‘(mit der) Hoffnung auf Wiedervergeltung’ hab ouch der andrin besorc, / want ûf dich [Gott] was ir geborc NvJer 25131

MWB 2 169,8; Bearbeiter: Plate

geborngot stM. ‘geborener Gott’ werde sun, als ich sun bin, geborngot Eckh 5: 46,7

MWB 2 169,13; Bearbeiter: Plate

gebornheit stF. ‘das Geborensein’ der vater ist würkende und der sun ist lîdende; und daz ist von der eigenschaft der gebornheit Eckh 2:279,1; daz ich bin nâch gebornheit, daz sol sterben und ze nihte werden ebd. 2:503,4; den segen Esau, / dar zu di irste gebornheit [Erstgeburt] Brun 3218

MWB 2 169,15; Bearbeiter: Plate

gebornwërden stN. ‘das Geboren-, Gezeugt-Werden’ des vaters sprechen ist sîn gebern [ generare ] , des sunes hœren ist sîn geborn werden [ generari ] Eckh 2:53,5; daz gebern der güete und geborn-werden in dem guoten ist al ein wesen, ein leben ebd. 5: 9,14

MWB 2 169,21; Bearbeiter: Plate

geborstet Adj. ‘borstig’ sint geborstet alsam diu swîn StrKarl 9530

MWB 2 169,27; Bearbeiter: Plate

gebot stN. 1 zu bieten : ‘Gabe, Angebot, Gebot’
1.1 allg.
1.2 im Spiel: ‘der Wurf oder Zug, den der Gegner überbieten muss’
1.2.1 eigentl.
1.2.2 übertr. auf die Aktionen im ritterlichen Kampf
2 zu gebieten
2.1 ‘Auftrag, Befehl’
2.1.1 allg.
2.1.2 rechtl. besonders
2.1.2.1 ‘Ladung (vor das Gericht)’ (vgl. → gebieten unter 5.1 )
2.1.2.2 ‘Aufgebot’
2.1.2.3 ‘(gerichtl. ) Mahnung, Leistungsaufforderung’
2.1.2.4 ‘(bei Verstoß gegen ein Gebot angedrohte) Geldstrafe’
2.1.2.5 ‘(gebotene) Pfändung, Beschlagnahme’
2.1.2.6 ‘(gebotene) Forderung (Abgabe, Dienst o.ä.) irgendeiner Art’
2.1.3 als Gebietende erscheinen leit, minne, tugent, zuht usw., meist umschreibend
2.2 ‘Vorschrift, Satzung, Gesetz’
2.3 ‘Verfügungs-, Herrschafts-, Befehlsgewalt’
2.3.1 allg.
2.3.2 rechtl.
2.3.3 Wendung got tuot sîn gebot mit jmdm. = got gebietet über jmdn. ‘beruft jmdn. aus dem Leben ab’ (vgl. → gebieten 2 )
2.4 ‘(von Gott gegebene) Ordnung, Einrichtung der Welt’
   1 zu bieten: ‘Gabe, Angebot, Gebot’    1.1 allg.: vrowe, daz vergelt iu got. / daz ist ein sæliclich gebot [Erbieten] / iuwer werden süeze RvEGer 3098; swer ouch ûf ein pfant bietet daz ûf dem markte gêt, und im daz umbe daz selbe gebot belîbet, und er die pfennige niht gît umbe daz selbe pfant, der ist umb ein frävel komen StRMeran 420    1.2 im Spiel: ‘der Wurf oder Zug, den der Gegner überbieten muss’ (Haupt, Anm. zu Er 876. 884 ) oder ‘Einsatz’ (Schönbach, Anm. zu WernhSpr 65,2 )    1.2.1 eigentl.: ich hete ein spil sô guot, daz ich gewinnes mich versach: / ich leite dâ steine und ouch gebot: [...] ich leite ie willeclîche dâ des holzes einen spân WernhSpr 65,2 ("jeder Spieler hat ein Stück Holz zur Hand, aus dem er einen spân schneidet, den er dann als Zeichen für den Einsatz [...] auf den Tisch legt", Anm. z. St.)    1.2.2 übertr. auf die Aktionen im ritterlichen Kampf: dar nâch sô wart daz spil gegeben / mit manegem viurînen slage / von vruo unz hin nâch mittem tage, / daz in der gebote zeran Er 884. – (daz / sîn) ~ legen (vgl. oben WernhSpr ): do leit ouch Erek sin gebot dar under, / daz vil lihte gahens galt wol viere JTit 2189,2; ahy, wie siz da ruͦrten / baidenthalb mit den slegen! / si begunden diu gebot legen, / des maniger vil riwich wart Dietr 9145; Er 876; Georg 1219; Rab 841,3    2 zu gebieten    2.1 ‘Auftrag, Befehl’    2.1.1 allg.: der künec mîn hêrre heizet mich / sîn wort hie sprechen, nu muoz ich / hin ziu leisten sîn gebot Tr 15433; swelchem brvͦder man swêrev vnd vnmuglichev dinch enphilhet, der sol daz gebot mit aller semphte vnt gehorsam enphahen BrMün 68; so sol der bischof [...] si [Gläubiger von Kreuzzugsteilnehmern] twingen mit geistlichem gebote dar zvͦ [Erlass der Schuldzinsen] UrkCorp (WMU) 93,20    2.1.2 rechtl. besonders    2.1.2.1 ‘Ladung (vor das Gericht)’ (vgl. → gebieten unter 5.1): ist ieman [...] dar [ lanttegedinc ] gebotten, div gebot svln stete sin SchwSp 54a; er werde dann vorhin mit billichen geboten berufet an das gericht StRSchlettst 43; vnd der vribote sal eme gebietin drv gebot dri tage nach einandir UrkCorp (WMU) 1161AB,4 u.ö.; versaezz er daz selb gepot auch, so sol der chlager sein chlag behabt haben OberBairLdr 8; virstundi abir he dir giboti dru, so sal he wetti sex phennigi Mühlh 168,30. – ‘(durch Ladung einberufene) Versammlung’ die knehte ouch, die in der [...] weber zuͦnfte sint [...], die ensullent under in kein sunder gebot machen UrkSpeyer 391,31 (a. 1336)    2.1.2.2 ‘Aufgebot’ swer oͮch rehte gînoz ist des antwerkes [...], der sol zallen ernsten ir gebottes vnd ir banîer [Fähnleins] warten UrkCorp (WMU) 80,32    2.1.2.3 ‘(gerichtl. ) Mahnung, Leistungsaufforderung’ wer aber, daz ern versumte zu gebene, biz daz man ime dru gebot getete, so wer er die buͦzze schuldik WeistErf 10 (a. 1289); die also mit dem gebotte inrent den v tagen verschuldet sint StBZürich 56    2.1.2.4 ‘(bei Verstoß gegen ein Gebot angedrohte) Geldstrafe’ was ouch iederman gebotten wird [...] ze buwen oder ze machen, das sol [...] die selbe person [...] tuͦn. teͣt aber ieman des nit, so sol vnser gerichtsschriber [...] vff die selben vngehorsamen person vmb das gebotte clagen vnd das gebott an gnad uon inen ziechen StRBern 1/2:287,19    2.1.2.5 ‘(gebotene) Pfändung, Beschlagnahme’ daz die vurginantin burgar sulen [...] dez offenbarlich vuriegen [...], daz shie kein gibot haben oder sulen duͦn vber der stifte oder vber der phaffen guͦt UrkCorp (WMU) 680,7    2.1.2.6 ‘(gebotene) Forderung (Abgabe, Dienst o.ä.) irgendeiner Art’ her mûz niechein gebot, noch herberge, noch bede, noch dînst, noch chein recht uffez lant sezzen, ez en willekore daz lant SSp(W) 3:91,3; das [...] keyner vnsir ampleut vff das selbe guet keynerley gebot, notbete, stewer [...] setze sollen DRW 3,1264 (WasungenUB.; a. 1348, kopial)    2.1.3 als Gebietende erscheinen leit, minne, tugent, zuht usw., meist umschreibend: daz ich ze vriunde hân erkorn / mîne tôtvîendinne, / dazn ist niht von mînem sinne: / ez hât ir [der personif. gedachten Minne] gebot getân Iw 1657; er was in leides gebote Greg 2607; mir wunscht manic werder man / durch sîner zühte gebot / sæld und heiles umbe got RvEGer 6387; nach siner tugende gebot / sprach er zv gote sin gebet PassI/II 204,81; von des [Gottes] milte gebote ebd. 204,87; hierher?: einer suche gebot / lac ir in deme houbete, / die sie also betoubete / und tet ir inneclichen we PassIII 379,28; rein umschreibend: diu mâze wag im rehte kunst / gên dirre welte und ze gote / nâch des wunsches gebote RvEBarl 1150    2.2 ‘Vorschrift, Satzung, Gesetz’ uns ist ein gebot gegeben / über [bei Strafe des Verlusts von] guot und über leben, / daz sich hie vor wîp noch man / neme deheinen gast an / ûzerhalp dem bürgetor Iw 6143; ir [Eva] erloubet unser hêrre got / obez, bluomen unde gras, / swaz in dem paradîse was, / [...] wan einez daz er ir verbôt [...] : / daz brach si und brach gotes gebot Tr 17945; und zwâre sît daz Engeltrût / hât übergangen mîn gebot, / sô muoz si darben KvWEngelh 3717; wir verbieten ouch [...] swer ditze gebot vͦberget [...] UrkCorp 2345,29. diz sint diu zehen gebot, / diu uns gebôt der wâre got Freid 174,2; nu satzter aber ein gebot PassIII 70,6. 70,15; obgeschriben unser gebote und satzunge StRWerth 10; die gesetzet und och gebot, die wir iuch darûber gesetzet, gebotten und gemachet haben UrkFriedb 117 (a. 1332); unserm gepot und gesetz StRBrünn 376; daz wir [...] den satz vnd daz gebot gesetzit haben UrkWürzb 40,145 (a. 1337); UrkMoselQ 170,12 (a. 1338). swelh kneht niht gedingt ist ain viertail aines iares [...], der ist in der burger gepot [friedensrechtl. Bestimmungen für die Stadtbürger] niht; der muͦz ain [...] unfuͦge als ain gast pezzern NüP 99    2.3 ‘Verfügungs-, Herrschafts-, Befehlsgewalt’    2.3.1 allg.: dô was daz liut einvaltic, / daz twanc er [Jupiter] in sîn gebot; / durch daz wart er genant ein got, / daz er was krefticlîche / kunst und guotes rîche RvEBarl 9953; vrouwe Marîne und grâve Adân [...] der gebot wârn undertân / ouch tûsent rîter unverzaget Wig 10800; got, / in des gewalt vnd des gebot / der himel vnd dvͥ erde stat OsterSpM 7,33; ich sicher [ergebe mich] in iuwer gebot: / wan [...] ich sigelôs bin Iw 7563; dar zuo hânt ir engelkœre drîe, / die mit willen leistent iuwer gebot Walth 79,13. – jmdm. ze gebote stân / ze jmds. gebote stân (häufig, nur mit persönl. Subj.): mit lîbe und mit guote / stüenden sî im ze gebote Iw 5143; der undervoit sal ouch zu der burger gebote sten an allen sachen, an allem geheize, iz si groz oder kleine StRFreiberg 221,29; von den wart her gesundert / ritter sibenzen hundert / unde drizig tusent man, / di im zu gebote musten stan WOsw 30; des was ich herzeclîche vrô / unde stuont ze sînem gebote, / und begunde sterken in an gote. / einvalteclîche tet ich daz RvEBarl 653; daz ir den heiligin touf / intpfât [...] unde zu gebote stât / der rômischen kirchin dort NvJer 3606; swaz lebt daz stêt zunserm gebot, / alsô hât uns geêret got WälGa 8557; her, der vurweser ist dez volches, di czu seinem gepot stent StRBrünn 377    2.3.2 rechtl. : der selbe rihter [der sich der Rechtsverweigerung schuldig gemacht hat] hat dehein gebot fvͥrbaz vber nieman ze gebietenne. niemand ist sins gerihtes schuldig ze svͦchenne SchwSp 84b; min herre [...] habe wol czu gebiten sien hobeluten [...] vnd sien frihen luten, anders en hait he kein geboit in dem gerichte, sunders eine volge, ob he der czu noit bedarf WeistGr 3,339 (a. 1347); man teylet dem stift [...] da gebot [Gerichtsbarkeit] vnd geleite, wasser und weyde ebd. 3,363 (a. 1341)    2.3.3 Wendung got tuot sîn gebot mit jmdm. = got gebietet über jmdn. ‘beruft jmdn. aus dem Leben ab’ (vgl. → gebieten 2): jnde vnse here god sijn gebot mit eme dede, ei [= ê ] er dat voluuͦrde UrkCorp (WMU) 1076,39    2.4 ‘(von Gott gegebene) Ordnung, Einrichtung der Welt’ gotes gebot niht übergât / wan der mensche, den er geschaffen hât; / vische, vogele, würme und tier / hânt ir reht baz danne wir Freid 5,11; [Homosexualität] ist wider sin [Gottes] gebot / vaster denne dehein sunde StrKD 158,450; RvEBarl 9459. – Naturgesetz, natürlicher Trieb: nâch sînem rehte er [Sternenhimmel] umbe gât, / nâch der natûre gebote, / als im geordent ist von gote RvEBarl 9431; [Neigung zum Ehebruch] ist von natûre gebote / beidiu an wîben unde an mannen. / diu natûre sî verbannen, / diu daz reht alsô verkêret / und niwan unreht lêret StrKarl 3772

MWB 2 169,29; Bearbeiter: Plate

gebotbrief stM. ‘Schriftrolle mit den zehn Geboten’ (übers. phylacterium ‘Gebetsriemen’ mit zwei Kapseln zur Aufnahme der Rollen): und alle ire werc wirken si darumme, ûf daz si gesehin werden von den lûten, wan si breiten ire gebotbrîfe und grôzen ire soume EvBeh Mt 23,5

MWB 2 172,9; Bearbeiter: Plate

gebouge Adj. ‘biegsam’ des uolkis herticheit / uil gebouge wart Pilatus 1,379; als dem stale, der [...] uf dem anehowe / wrde gebouge ebd. 1,9

MWB 2 172,15; Bearbeiter: Plate

geböugic Adj. ‘gebogen, biegsam’ gebougec wâren sîne brâ [Wimpern] / und senfter waege hie und dâ WvRh 6234; sîn hende wâren wolgetân / linde und gebougec ebd. 6369. 1421; alsô gebougik worden sîne ûzzeren krefte von dem uberguzze der innewendegen krefte HvFritzlHl 15,14

MWB 2 172,18; Bearbeiter: Plate

geböume stN. ‘Menge, Gesamt von Bäumen, Baumbestand’, vor allem von fruchttragenden Bäumen: lilie unde div rose und div zitlose / wͦhsen da ze goͮme undir dem edelem geboͮme GenM 9,4; vnd súln dem gotzhús, swenne der wingart ze vruht kvnt vnd das geboͤme, den win halben [...] vnd das obs halbs [...] v́f der hofstat entẃrten UrkCorp (WMU) 842,24; daz gebovme daz da truoc / menger hande fruhte Martina 127,110. 112,111; in deme september vor sant Michaheles dage, so alles gebǒme sine fruht git ElsLA 179,11; lûte alsam ein donnerslac / der spaltet daz geböume KvWEngelh 4817. 5439; KvWPart 603; alles edel gestaine, / gebom und allú kruter SHort 201; GTroj 20611

MWB 2 172,24; Bearbeiter: Plate