geiʒhût, geizehût
stF.
‘Ziegenfell’
swer zwivel habe an der vallinden sucht
[...], der neme den sichen
[...] vnde lege in an eine nuwe geizhut. vellet he
denne, so ist iz di vallende sucht SalArz
34,44;
swer sitzet vf den houestetten, die geisehúte gebent UrkCorp (WMU)
244A,13.
244A,8;
UrkGlar(St)
1,1:61,1
(um 1350);
HvBurg
674
MWB 2 305,37; Bearbeiter: Tao
geiʒîn
Adj.
‘von der Ziege (stammend), Ziegen-’
[sie] worhten ez [das Gewebe] ze
ware / ein teil uone geizzineme hâre VMos
56,3;
belze, kursene, deckelachen sulen nit anders sîn wenne von
schêfînen unde von geiz vellen, doch sal man niemanne geben geizene vel, wan dem,
der sie eischet StatDtOrd
39,2;
gip im zu ezzene geizin uleisch SalArz
45,54;
geizîn bachen habent si vil EnikWchr
27527;
diu genvwene [zerstoßene] agrimonia
mit der geizzinun milche machot daz daz hâr wahset Ipocr
29;
BenRez
17;
Barth
136,9;
SalArz
18,50;
BdN
359,35;
einen geizinen kese niuwen BenRez
40;
dem di druse rinnen, der nem geisin bone ebd.
43
(vgl.
geiʒebône
);
der di herten druse hab, der nem geizinen mist ebd.
54;
Barth
142,6.
– im Ggs. zu buckîn:
man sol auch kain puckeins noch gaysseins flaysch unter den pencken verkauffen
UrkEichst
2,153
(a. 1319)
MWB 2 305,44; Bearbeiter: Tao
geiʒkæse
stM.
‘Ziegenkäse’
Aristotiles spricht, daz gaizkæs zuo nihtiu guot sei
BdN
127,27
MWB 2 305,62; Bearbeiter: Tao
geiʒ-, geiʒekorter
stN.
‘Ziegenherde’
díu ménige fidelium auditorum íst gelîh démo gêizcórtare
Will
55,7;
dîn váhs ist sámo gêizzocórter, dáz der gêt ûffe démo bérge
Galaad ebd.
55,1;
gaizzekorter TrudHL
47,10.
47,22
MWB 2 306,1; Bearbeiter: Tao
geiʒlëbere
stF.
‘Ziegenleber’
nim ein geizlebere SalArz
39,3;
sut geizlebere in wazzer ebd.
39,11
MWB 2 306,6; Bearbeiter: Tao
geiʒmëlc
M.
‘Ziegenmelker’ (Vogelart):
die [Vögel] haizent ze latein
caprimulgi, daz spricht ze däutsch gaizmelk, dar umb, daz si in der hirten ställ
vliegent und sitzent auf der gaiz äuter und saugent die milich dar auz, und von dem
raub swint daz äuter und die gaiz verplindent BdN
206,22
MWB 2 306,8; Bearbeiter: Tao
geiʒmilch
stF.
‘Ziegenmilch’
gip im [...] gummi arabicum mit geiz
milch SalArz
51,19.
51,20;
so ist geismilch gesunt MNat
6,34;
gaizmilch ist der pesten nâtûr nâch weibes milch
BdN
127,26
MWB 2 306,15; Bearbeiter: Tao
geiʒmist
stM.
‘Ziegenmist’
daz [
ladanum
] ist gar
schatzpær, aber man velscht ez mit gaizmist und mit sölchen swarzen dingen, diu man
wol kewen mag BdN
89,12
MWB 2 306,19; Bearbeiter: Tao
geiʒouge
swN.
‘Auge, das dem Ziegenauge ähnlich ist’
und welher gaizaugen hât nâch der varb, der ist ain tôr
BdN
43,25
MWB 2 306,23; Bearbeiter: Tao
geiʒstîc
stM.
‘Ziegenpfad’
eins [sc. lêhen
] auf dem gaistæig, daz hat
der tvltherre von mir UrkCorp (WMU)
2616,24
MWB 2 306,26; Bearbeiter: Tao
geiʒvël
stN.
‘Fell einer Ziege’
belze, kursene, deckelachen sulen nit anders sîn wenne von
schêfînen unde von geiz vellen, doch sal man niemanne geben geizene vel, wan dem,
der sie eischet StatDtOrd
39,1.
– im Ggs. zu bocksvel:
swer loͤset ein phunt [als Geldbetrag
einnimmt] von zin, von pfepher [...], der
git iiij denarios [...], von schaffveln, geisveln vnd
boksveln oͮch alsvil UrkCorp (WMU)
248AB,23,16
MWB 2 306,29; Bearbeiter: Tao
geiʒvëllîn
stN.
‘kleines Ziegenfell’
sô gêt ir mit iuwem hâr umbe oder mit eim geizvelline, wie die ermel wol
gestênt oder der sleiger oder daz gebende PrBerth
1:415,7
MWB 2 306,38; Bearbeiter: Tao
geiʒvenichel
stM.
‘Berg-Laserkraut’ (Laserpitium siler, vgl. Marzell
4,328f.):
von dem gaizvenichel [Überschr.] .
siler montanum haizt gaizvenichel BdN
419,31
MWB 2 306,42; Bearbeiter: Tao
geiʒvuoʒ
stN.
‘Ziegenfuß’
dannoch nim geizine clan. ich meine daz hurnine daz an geiz
vuzen ist SalArz
28,16;
in dem andern [Ärmel] ligen sol / ein geizfuoz und
ein schære Helbl
1,189;
daz daz selb tier oben als ain mensch sei und hab ain scharpf
stirn mit hörnern und hab gaizfüez BdN
157,24.
– als Name einer Person:
sprach Geizfuoz Helbl
13,171
MWB 2 306,46; Bearbeiter: Tao
geiʒwolle
swF.
‘Ziegenwolle’
lêre si [die Schüler] denne ein argument / oder ein
ander parlament, / mit dem si gar sich selber triegen / und üm geizwollen wöllen
kriegen Renner
17572
MWB 2 306,54; Bearbeiter: Tao
gejac
stM.
‘Jagdbeute’
alse der man wider chom, / sîn gejac geviel im aller vil wol
Kchr
6907
MWB 2 306,58; Bearbeiter: Tao
gejaget
stN., stM.
→
gejegede
stN.
MWB 2 306,60;
gejâhërren
swV.
‘zu etw. jâ herre sagen’
wê dir geschehe, dû smetzer, [...] smeicher
[...]! dû machest mit einem herren, daz ein lant dâ von
unsælic wirt mit dînem ‘jâ, herre’; [...] unde
sô dû hiute ein bœsez gejâherrest, sô tuot er morne ein zwirunt bœserz
PrBerth
1:214,21
MWB 2 306,61; Bearbeiter: Tao
gejâr
stN.
‘Jahr’
dis gesach des geiares, do es was von Cristes geburte mͦ ccͦ
lxxͦx
UrkCorp (WMU)
N170,9
MWB 2 307,3; Bearbeiter: Tao
gejege
stN.
‘Jagd’
die fürsten und die herren / die hetten sich verritten gar / auf dem gejeg vil
ferren / nach dem gewild durch mangen tan Virg (St)
489,10
MWB 2 307,6; Bearbeiter: Tao
gejegede, gejeide,
gejeit
stN.
gejaget
stM.
UrbBayS
4,53.
1
‘Jagd’
2
‘Jagdrecht; Jagdgebiet’
3
‘Jagdbeute, Wild’
4
‘Meute von Jagdhunden’
1
‘Jagd’
des gejeides meister NibA
881,3;
ein jäger âne gejägedes list KvHeimHinv
1;
an daz (ein) ~ rîten:
NibB
1029,3;
Tr
14930;
Seifrit
7418;
HeidinIV
721.
– mit Präp.:
so vertiliget er [der Löwe] daz spor mit dem
zagele, daz man in iht vahe an dem gejagede [Hs.
geiaide
]
MillPhys
4,4;
KvWLd
32,341;
JTit
6020,4;
Ottok
9829;
künc Artûs was da heime niht: / er was ûz an daz gejeit
Wig
584;
(bildl.:)
ir ieglîch [Kämpfer] hete funden / an dem
gejeide sînen bern [d.h. den würdigen Gegner]
Bit
11879;
so beschiht mir als einem rehlin, daz
[...] in einem starken gejegde ist und mit
flúhtigen wenken sich uf enthaltet Seuse
216,14;
swer mit gejegede kunde Tr
14357;
KvWTroj
24310;
uf einis gejegedis vart RvEWchr
19806;
wol uff, herr, uff daz gejægt Teichn
487,93;
von dem geiegede [Überschr.]
StatDtOrd
28,9;
daz man in solde geben / den prîs von dem gejeide
NibB
942,3
(statt des Gen., vgl.:
prîs des jeides NibA
884,3
);
eins tages ez alsô kam, / daz im der herzog nam / ein
wîle ze gejeide Ottok
40366.
– als Gen.- oder Akk.-Obj. bestimmter Verben:
dits gejægde rich / wart da kostlich / erhaben in die
wilde WhvÖst
18883;
do wolte der kunig jagen, [...] do ward daz
gejegede uf den wolf gelan WolfdD(H)
171,3;
er minnet das gejegde alzu sere mit den hunden
Lanc
303,25;
er leite sîn gejegede nider [brach die Jagd
ab]
Tr
17620;
swenne er gejeides phlæge / und ûf einer warte læge Helmbr
885;
der havbtman vischet avch in allen seven vnd rinnoten wassern vnd treibt
den geiaid in dem wildpan UrbBayS
4,53.
daz gejaid versitzen
MüOsw
2407;
daz gejait verbieten, verlouben
WeistÖ
9:409,13
(14. Jh.).
– übertr. für ‘Eifer, Streben’
zumme dritten mâle gibit der heilige geist der vornunft ein sicher wirken
und enpurnit si in eime gejegede, blôze wârheit zu suchene HvFritzlHl
129,34
2
‘Jagdrecht; Jagdgebiet’
he gap in ouch eine mil umme die stat vri gejeyde, vogele und tyr, mit den
hunden UrkSchlesSt
278
(a. 1217);
umbe den kriek, den wir han [...] umbe duͦ
gerihte ze Karbach, ze Birkenuelt, ze Wisentuelt, umbe das geiegede in der
Mennbiegen UrkCorp (WMU)
504,44;
daz wir dem edelen manne [...] zu ainem rechten lehen
verlyhen haben daz vederspyl vnd daz geyaide zwischen Marteinsperg vnd vber Pontalt
UrkGraub
5:9,7
(a. 1328 kopial);
ez [
daz guͦt
] sei verlihen oder
vnverlihen, ez sein ækcher, wis, wismat, vischwaid, geiaide, voͤrst, holtz,
swaig [Viehweide]
UrkCorp (WMU)
2291,17
3
‘Jagdbeute, Wild’
dô wart sîn rîch gejeide allen Burgonden kunt NibA
882,4;
sun, brinch mir her dinez geiegedez PrSchw
1,158;
alse der man wider chom, / sîn gejac [Laa.
gejaget, gejeit
] geviel im aller vil wol
Kchr
6907;
WhvÖst
4800;
Seifrit
7063
4
‘Meute von Jagdhunden’
swer den hunt [im Wappen] vüeren wil, / der sol im
niht enblanden vil, / daz er vüer gar ein gejeit WälGa
10463;
im weri als einem wilden tierlin, daz usser sinem loch ist
und mit gejegde umbgeben ist Seuse
103,12.
– bildl., hierher oder zu 1:
von dem gejegede wurt der hirtz [d.h. der
Mensch] billichen zuͦ gotte gejaget
Tauler
52,34
MWB 2 307,10; Bearbeiter: Tao
gejegeze
stN.
1
‘Jagd’
2
‘Jagdrecht’
1
‘Jagd’
es enwart nye frauw die also sere mynnet gejegcz zu wald als
sie det Lanc
6,33;
uber ein kurcze wil darnach kam Lancelot ußer dem wald von
dem gejegs ebd.
111,25;
es beschach daz der kúnig eines moles uf daz geiegez waz gefarn ElsLA
682,15.
193,14;
der keiser Ludewig reit an eim gejegetz in eim walde ClosChr
70,11;
die bredie [...] seit von dem
minnenturste noch gotte und von dem gejegetze, wie der mensche gejaget wurt mit den
hunden maniger leige bekorungen Tauler
50,26.
– unsicher, ob hierher:
dar an [an den Tannenbaum] hing er die hǒbter
von allen den tyeren die er in sime geiegeze
[Jagdrevier?] fing ElsLA
479,14
2
‘Jagdrecht’
[dass] ich [...] den bineflug
[Recht zur Imkerei] vnde das geiegetze vnde swas ich
zvͦ lehenne von dem herzogen habe [...], han
verluhen hern Friderich von Winestein, deme vogete UrkCorp (WMU)
N279,6
MWB 2 308,10; Bearbeiter: Tao
gejeide, gejeit
stN.
→
gejegede
MWB 2 308,29;
gejeithof
stM.
‘Jagdhof’
Etzele mit al den sînen / Biterolf den rîchen / [...]
bâten daz er næme [...] zeim jeithove Stîrelant. /
[...] nie gejeithof alsô rîchen / gap deheines küneges
hant Bit
13298
MWB 2 308,30; Bearbeiter: Tao
gejeitschuoch
stM.
‘Jagdschuh’
er sol auch geben zwen geiaitschuoch, di pesten, als man si von pochvellen
gemachen mag UrbBayJ
527
MWB 2 308,34; Bearbeiter: Tao |