Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   geleitgëlt - gelîben    


geleitgëlt stN. nur geleite-, -de(s)-. ‘Geleitgeld, Schutz-, Straßenzoll’ daz wir die lantstrazen alle [...] und ouch alle kouflude schuͦren und beschirmen sullen [...], vormitz doch deme geleidesgelde, daz man uns davon schuldig ist UrkMosel 2:291,2 (a. 1334); und hat auch binnen dem genanten geleyde [Geleitgebiet, s. geleite stN. 2.2.2 ] nieman kein geleyde zu geben oder kein geleydegeld zu nemen, denn unser herr von Menze WeistGr 1,534 (a. 1324); als er sin geleydegeld syme zolner zuͦ Dilnheim gegebin hatte UrkWetzl 1,664 (a. 1349); den zol und das geleitegeld DRW 3,1596 (Würdtwein, Subs. IV 284; a. 1337); UrkFriedb 214 (a. 1357)

MWB 2 324,55; Bearbeiter: Bohnert

geleithaft Adj. ‘Geleitgeld (geleite 2.2.1) betreffend’ ist aber, daz ein gast verzollet ein geleitehaft gut [ein Gut, von dem Geleitgeld zu zahlen ist] StRFreiberg 237,28

MWB 2 325,5; Bearbeiter: Bohnert

geleitic Adj. ‘gelenkig, geschmeidig’ sîn [Jesus] ganc was nit unstaete / noch ungestüemer taete / und was geleitec doch genuoc WvRh 6412; sîn vinger wâren [...] / geleitec ebd. 6382; ir wâren driu hundert, / der ros geleitic [leicht zu lenken] unde snel UvZLanz 645

MWB 2 325,9; Bearbeiter: Bohnert

gelême Adj. ‘bieg-, schmiegsam’ wie Lehm (leim; vgl. PfälzWB 3,174 gelehm); übertr. ‘zahm’ sus wart der arge lewe guͦt, / geleme sam ein junges [La. junger ] wider: / er stracte sich vor ime nider, / weibezelen [schweifwedeln] er began Elis 3229

MWB 2 325,15; Bearbeiter: Bohnert

gelende stF. (oder stN.?) Koll. zu lende F. ‘Nieren(gegend)’ got durch svchit din [l. diu ] hercin vnd di gelende [ scrutans corda et renes Ps 7,10 ] BrHoh 7

MWB 2 325,20; Bearbeiter: Bohnert

1gelende stN. Koll. zu lant. ‘Land, Gefilde’ er wolde / in dem heiligen gelende / hie sînes lebens ein ende / haben Kreuzf 8013; [die Schnabelmenschen waren] so schnell und so behende / das sy uff dem geleinde / erluffen [...] alls, daz da loffes pflag GTroj 15990; Hätzl 1:20,6

MWB 2 325,24; Bearbeiter: Bohnert

2gelende stN. zu lenden swV. ‘Landung’, gelende nemen ‘landen’ ein koufschif [...] sîn gelende dâ genam Tr 2154; dô si zÎrlande kâmen, / ir gelende dâ genâmen, / [...] Tristan den anker werfen bat ebd. 8676. 15566; KvWPart 3010. 12785; KvWTroj 7248 u.ö. vil maniger vf dem griesz / von Gaweins henden / nam vnselig gelende. / hie hatt der turnoy ein ende Krone 18584

MWB 2 325,30; Bearbeiter: Bohnert

gelender stN. Koll. zu lander . ‘Stangenzaun, Geländer’ swer gen dem chorn gelanter, tulle oder zaun hat, der sol daz chorn da mit befriden StRMünch 285,13; Hätzl 2:33,38

MWB 2 325,38; Bearbeiter: Bohnert

gelenke Adj. ‘gelenkig, biegsam, geschickt’ gelenke reht als einem kinde / wâren im [dem toten hl. Franziskus] der glider bein LvRegFr 4081; ein wîbel vil gelenke / nam mîn dâ [in der Badstube] mit dienste war Helbl 3,30. 1,1252; ich gevriesch nie kunder / sô starc noch sô gelenke Schrätel 107; die [ wizen beine ] lagen so gelenke ufem ors zebeiden siten JTit 5449,1; PrLpz(L) 36,5; PassI/II 367,19. 225,69; Freudenl 152. – übertr.: dri ecke sint der sele bi, / snel und gelenke, behende, die sint tiur Frl 7:9,12. – mit Dat. ‘folgsam’ diu Êre [...] was den rehten vuogen zam, / gelenke guoten dingen unt missewende widerbrühtec ie RvZw 77,6; Frl 5:10,3; FrlSuppl 12:206,59

MWB 2 325,42; Bearbeiter: Bohnert

gelenke stN. Koll. zu lanke . 1 ‘Lendengegend, Taille’
2 ‘Gelenk’
3 ‘Gewandtheit’
4 ‘Wendung, Verlauf’
   1 ‘Lendengegend, Taille’ si [Röcke der Frauen] wâren gefischieret vil / mit zwein gürteln an der krenke, / ob der hüffe ame gelenke Parz 232,30; irn gesâht nie âmeizen, / diu bezzers gelenkes pflac, / dan si was dâ der gürtel lac ebd. 410,3; KLD:BvH 1:3,4    2 ‘Gelenk’ der ander [ arzet ] diu gelenke, / diu sêric werdent oder wunt, / mit ander künste macht gesunt HvBer 7227; diu wât zuo den gelenken / stuont wol nâch im geschræmet KvWTroj 2980; gezieret wol zen orten / und mit gesteinten borten / an den gelenken umbenât ebd. 7485; Brun 4372 (iunctura femorum Ct 7,1). 5379; Minneb 195    3 ‘Gewandtheit’ ir sult [...] der vetre werc gedenken, / die sie taten mit gelenken Macc 1940. – bildl.: waz er [Dichter] dines [Maria] lobes grueze / schone mit gelenke / [...] kunde schallen Rumelant 3,53b; [Hochmeister Karl von Trier] konde mit gelenkis bunt / sô wol sîn rede machin, / daz sîne widdirsachin / in joch gerne hôrten NvJer 24095    4 ‘Wendung, Verlauf’ diz habe ouch ein gelenke / daz sich unser prîs iht krenke UvEtzWh 1995; des endes ouch gedenke / und suech ein gut gelenke, / daz der arme mensch zu ruͤ / kume uz der sunden dru TvKulm 652; Hiob 1311

MWB 2 325,56; Bearbeiter: Bohnert

gelenket Adj. ‘mit einem gelenke (Taille) versehen’ von Tenabroc [...] / stuont dâ Clârischanze ein süeziu magt, [...] / als ein âmeize gelenket Parz 806,26

MWB 2 326,18; Bearbeiter: Bohnert

gelenklîche Adv. ‘gelenkig, mit Leichtigkeit’ die [Reiter] sach man [...] / uͤberwerfen unde wenden, / die orss gelenchleich prauchen Suchenw 8,105

MWB 2 326,22; Bearbeiter: Bohnert

gelenze stNM. überw. glenz(e). ‘Frühling’ ver: glentz VocOpt 56.034; wenne die zit des gelenczes aller krefteklichest die natur des menschen zuͦ vnkúschekeit beweget ElsLA 178,7; wenne der glencze ist warm vnd fúhte ebd. 178,24. 180,1. – bildl.: von dem hilmenschen [himmlischen] glenze Martina Überschr. vor 249,69; daz glenze in glanzer wete / wirt zehimel iemer stete / fri vor allem vngewitter ebd. 250,51 u.ö.

MWB 2 326,26; Bearbeiter: Bohnert

gelenzezît stN. ‘Frühlingszeit’ diz kvrze glenze zit / hie der welte frode git Martina 250,43

MWB 2 326,35; Bearbeiter: Bohnert

gelërnic Adj. ‘gelehrig, leicht und eifrig lernend’ wol gelernic und vernünftic / was der süeze fürste junge. / arâbischer zunge / mit lêre gie er vaste nâch UvEtzWh 3680; der jung herr gar gelernig was: / alles das man vor im loss, / das chund er pas alczu handt / denn dye andern alsandt Seifrit 601; WernhMl 827; sîn sin was âne zil / gelernic unde verstanden AristPhyll 79. – von Tieren: under den vierfüezigen tiern ist daz fräwel vil gelerniger wann daz mändel BdN 116,9; daz die hund gelernigiu tier sein zuo allen spiln ebd. 125,3. 3,10

MWB 2 326,37; Bearbeiter: Bohnert

gelëse stN. ‘Text’ die grossen buch und ir geles / tunt rehte meister schriben Physiogn 38; di wort und ir geles [Einsetzungsworte der Eucharistie] JvFrst 2086; Jesus weste al geles [auf ihn bezügliche Schriftstellen] / und swaz im zûkunftic was ebd. 3928

MWB 2 326,48; Bearbeiter: Bohnert

gelest Part.-Adj. glesten

MWB 2 326,54;

gëlf, gëlpf Adj. Adv. auch gelp MarHimmelf . 1 ‘helltönend, laut’
2 ‘glänzend, strahlend’
3 ‘gelb’
4 ‘munter, fröhlich’
5 ‘übermütig’
   1 ‘helltönend, laut’ diu [...] vogellin / uͦbeten also gelpfen braht [...], / daz holz berck unde tal / in geliche gegen gal Ainune 84    2 ‘glänzend, strahlend’ diu sunne liehter unde gelpfer ist danne wir dâ sehen PrBerth 1:391,26; MarHimmelf 1165; ein pfelle, gelpfer danne ein gluot Wig 10544; NibB 798,2(La.); JTit 990,2; ûz iegelîchem orte schein / ein alsô gelpfer rubîn Iw 625; Er 1562; Hawich 4334; ê wâren im vür wâr / diu ougen gelph unde klâr Greg 3436. 3391. – von Blüten, Blumen: in [den anger ] hete wol des meigen schîn / mit gelpfer bluot geschœnet KvWTroj 9613. 16223; vil bluomen blâ und gelfe Loheng 5680; KvWLd 7,3; TvKulm 34. liehte bluomen unde gras / hânt ir gelfen unde ir wünneclichen schîn verlorn KvWLd 12,3. 7,47; des vil liehten meigen bluot / gelpf in dîn herze glîzet KvWTroj 15697; MarHimmelf 1173; – von Farben: grüener danne ein gras / oder iht daz gelfe grüene hât KvHeimHinv 393; in gelpfer wîze Helbl 7,449; ieslich varwe ist gelfer in ir blüenden niuwe Marner 5,33; KvWTroj 10486. diu welt was gelf [lag in glänzendem Licht] , rôt unde blâ Walth 75,25    3 ‘gelb’ daz har [...] / noh gelpfer vil danne wahs Martina 219,26; der groze lowe gelf [: welf ] [...] mit der megde spilte ebd. 177,73    4 ‘munter, fröhlich’ gelpher tumber liute reit mit ir genuoc Kudr 12,1; vil manic gelfer man Bit 8789. 2447; subst.: vil gelfer fuor dar under Kudr 673,4. wie dû dînen gelphen muot / mit leide verkiusest Er 8105; daz dû dînen gelphen lîp / solt als unlange hân ebd. 8167; unheil was mir gevære. / des habe ich selten gelfen sanc HartmKlage 1713; iron.: gelphez lop RvZw 74,12    5 ‘übermütig’ haiden di gelfen / habent uns scaden getan Rol 6536; Teichn 521,40; sô mugen elliu wîp / [...] tragen gelpfen muot / gegen ir manne NibB 673,3; dû muost [...] wider mich sô gelfer worte enkelden Neidh SL 20:6,2; Ottok 76879

MWB 2 326,55; Bearbeiter: Bohnert

gëlf, gëlpf stM. Pl. Kchr 16265. 1 ‘Brüllen, Bellen’
2 ‘Geschrei; Tumult, Lärm’
3 ‘Ausgelassenheit, Fröhlichkeit’
4 ‘Verwegenheit, Kühnheit, Übermut’
4.1 allg.
4.2 übertr.;
   1 ‘Brüllen, Bellen’ der [ lewe ] sinen toten welffe / mit sinem luten gelffe / lebendig machet Minneb 3488; Frl 3:17,1; der hunt, / des gelff kan wilt erkriegen FrlSuppl 11:208,4; Mügeln 381,8    2 ‘Geschrei; Tumult, Lärm’ michel wart ir gelpf, / von bûhurt und von springen, / von tanzen und von singen Kchr 180. 10054; vil michel wart der ir gelpf; / diu ougen si in ûz prâchen ebd. 14273; jener vûr mit gelfe / und hâte ein mehtigez her Eilh(L) 66; in disme schalles gelfe RvMunre 624; ir gelf, ir lut ist: ‘crona, künig, cröne’ Frl 1:8,5; Herb 1575. 5327; EbvErf 592; Rab 507,6. – ‘Kampfgeschrei, Schlachtruf’ ouch huoben di juden ir gelpf, / si bliesen ir wîchorn Kchr 10061; mit freyden vnd mit gelffe / ben ich kommen dy czuͦ hilffe KarlElegast 1482; GTroj 18444. 13617. 19015; SAlex 1434; GrRud Cb 19; UvZLanz 8349; Alph 1339    3 ‘Ausgelassenheit, Fröhlichkeit’ unz wir von schimpfes gelfe / hin zu dem ernste kumen PassIII 25,31; Vät 15648. 4452; daz si [gemarterte Heilige] gar zu gelfe / alle dise not vertruc. / swie vil man iren lib gesluc, / daz duchte sie ein gelucke PassIII 342,96. sint waren mit gelfe / die burgere vomme troste GrRud F 49; dô er was mit gelfe LBarl 15620. – ‘Spott, Hohn’ als si [Götzenpriester] zu ubeleme gelfe / [...] sin [hl. Dionysius] wolden ramen PassIII 551,10; so sul wir [...] / den licham [...] / schenden lesterlich genuc / und werfen in ein vuwer. / da sal im werden tuwer / allerhande helfe, / untz er nach unsem gelfe / verbrinnet PassI/II(HSW) 11580    4 ‘Verwegenheit, Kühnheit, Übermut’    4.1 allg.: haiden uermezen / ilten zu irn rossen [...]. / Roͮlant sach si zu uarn; / er sprach: ir gelph ist inoch so groz Rol 5241; die zît [unterdessen] wart disen recken in gelfe vil gedreut NibB 430,1; Terramêr [sein Heer zum Kampf aufrufend] mit gelpfe sprach Wh 44,1; HBirne 414; do nach valschem gelfe / der ungetruwen iuden diet / unseren herren verriet PassIII 215,4. 502,34; Kchr 16265; UvZLanz 3769; des wart Wellis benomen / der hoemoet mit dem gelpe Karlmeinet 494,23; auf ein Tier bezogen: in [Jäger] zerreiß der ber in zornes gelfe Mügeln 59,10. wa nu di mir [König Marsilie] heluen wellen, / daz wir die gesellen [Roland und seine Kampfgefährten] / ir gelphes widerprengen [davon abbringen] Rol 5701; StrKarl 6755; des [eines im Zweikampf besiegten Gegners] gelf der wart von im gesant / vil verre Bit 2550. – unsicher, ob hierher: ir [Maria] lîbes burde [d.h. Leibesfrucht] / nie bekuchet wurde / von deheines mannes gelphe Wernh 3683    4.2 übertr.; ‘übermütige Tat’ daz [Siegfried anzugreifen] was ein grôz übermuot [...]. / ez ist mir immer swære / daz ir den gelf habet begân Bit 12885. – ‘übermütige Worte, Reden’ [Rüdiger kommentiert die kampflustigen Reden der Berater Gunthers, dem er als Bote Krieg angekündigt hat:] möht ich dem gelfe entwîchen, / daz tæte ich [...]. / swie vil ich hœre der übermuot, [...] sô sol iu wesen widerseit Bit 6646. – ‘übermütiger Mensch’ man list von einem grozzen gelf [l. graffen gelf? vgl. Teichn 158,40. 603,32 (App.)] , / der waz ungerecht von jugent Teichn 158,32

MWB 2 327,31; Bearbeiter: Bohnert

gëlfe, gëlpfe stF. 1 ‘Glanz’
2 ‘Anmaßung, Übermut’
   1 ‘Glanz’ zuo der lûterkeit unde zuo der schônheit noch zuo der gelpfe die diu sunne hât, dâ kan sich niht zuo genôzen hie in dirre werlte PrBerth 1:539,29; von golde glîzet dîn wât, / diu maniger gelfe varwe hât KvHeimHinv 266    2 ‘Anmaßung, Übermut’ in übermuotiger gelfe / von Francrîch Philip sprach Ottok 32755. 47374; in maniger gelfe / der burgære jach, / swaz im der tiuvel vor sprach, / daz lobt er unde swuor ebd. 33589; ich bite dich sundir gelfe Brun 6968

MWB 2 328,31; Bearbeiter: Bohnert

gëlfen, gëlpfen stV. (IIIb) 1 intr.
1.1 von Tieren, ‘bellen, heulen, brüllen’
1.2 von Menschen
1.2.1 ‘schreien, rufen’ , subst. Inf.
1.2.2 ‘prahlen, übermütig reden’
2 tr.
2.1 ‘etw. laut aussprechen, ein Lied laut singen’
2.2 ‘etw. (wâfen, direkte oder indirekte Rede) rufen’
3 refl., ‘über etw. (Gen.) fröhlich sein’
   1 intr.    1.1 von Tieren, ‘bellen, heulen, brüllen’ sin bracke begunde gelfen WolfdD 798,1. 822,1; funff hundert hunde, / di machten ungefugen schal: / diser galph, diser pal HvNstAp 8795; kumt aber nicht der louwe sinem welfe / mit siner stimm in rechter stund zu helfe, / ab er ouch darnach [später] gelfe, / das hilfet nicht, es blibet tot Mügeln 278,11    1.2 von Menschen    1.2.1 ‘schreien, rufen’, subst. Inf.: Jesus schrei mit lûter stimme [...], / daz gelfen in di hôhe brach JvFrst 10125. 6028; FrSchw 5306    1.2.2 ‘prahlen, übermütig reden’ si [Feinde] gelfent nie sô vaste, / ich wil ez mînem gaste / volbringen an sîn êre [dass ich den Kriegszug nicht, meinem Gast zu Ehren, durchführen würde] Bit 5147; ich sol noch mit iu gelfen [Reizworte wechseln] / und vehten Virg 891,6. – subst. Inf.: din gelfen / ist mir ein wint PassIII 679,86; HeslNic 3460; so gelaub ich deiner wort gelffen FrSchw 4258    2 tr.    2.1 ‘etw. laut aussprechen, ein Lied laut singen’ und darnach [nach einer Vision] do kam sy wider, und sait mit beschaidnen wortten alles das sy vor gezaiget [mit Gebärden angedeutet] hat und das sy nit gelfen mocht Stagel 68,22; [Maria,] der lob [...] ich gelfe Mügeln 157,11; wê mir dis gedœnes / daz mir dur den lîp / und dur diu ôren dringet: / [...] si gelfent sînen [des Schenken] sanc tac unde naht / in dirre gazzen KLD:UvW 4:1,9    2.2 ‘etw. (wâfen, direkte oder indirekte Rede) rufen’ ich pring dich hie in todes pein, / das du must waffen gelfen Virg(St) 738,6; ir maug unnd man gunden gelffen / ‘wir seyen von hertzen fro [...].’ FrSchw 5096. – subst. Inf.: wir erhuͦben ain ander gelffen: / er solt mit uns keren zuͦ lannd FrSchw 1808; hoͤr meiner wort gelffen: / durch dich trag ich mein leben fail ebd. 4308    3 refl., ‘über etw. (Gen.) fröhlich sein’ ir list si [Ratte] nuͤt konde helffen. / dez sich der her gelffen / [...] gar froͤlich begunde. / sterben muost do duͤ ratte Ratte 34

MWB 2 328,42; Bearbeiter: Bohnert

gëlfheit, gëlpfheit stF. ‘Glanz’ dem vanken in dem viure / sölher gelpfeit ie gebrast Wh 33,21

MWB 2 329,17; Bearbeiter: Bohnert

gëlfrôt Adj. Adv. ‘glänzend rot, purpurrot’ (in Übers. von lat. coccin(e)um): ist iz daz uwir sunde sint gelfrot, si werden gewyeset als ein sne Cranc Jes 1,18. – adv.: di man des heres sint gelfrot gecleidit Cranc Na 2,3. – subst.: swenne du dich wirdist cleyden mit gelfrote Cranc Jer 4,30

MWB 2 329,19; Bearbeiter: Bohnert

gëlfwort, gëlpfwort stN. Pl., ‘lebhafte’ oder ‘vermessene Worte, Rede’ vil manic hoverede hoh, / die sich gen frúntschaft niendert zoh, / von in baiden [den verfeindeten Herzögen] gischach. / itweder mit gelphworten [La. geltworten ] sprach RvEWh 350

MWB 2 329,25; Bearbeiter: Bohnert

gelîben stV. ‘ruhen, aufhören’ die Criechen nie geliben [ruhten nicht eher] , / unz si in hin ze Pulle vertriben Kchr 15984

MWB 2 329,31; Bearbeiter: Bohnert