g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche 1gelende stN. 2gelende stN. gelender stN. gelenke Adj. gelenke stN. gelenket Adj. gelenklîche Adv. gelenze stNM. gelenzezît stN. gelërnic Adj. gelëse stN. gelest Part.-Adj. gëlf Adj. gëlf stM. gëlfe stF. gëlfen stV. (IIIb) gëlfheit stF. gëlfrôt Adj. gëlfwort stN. gelîben stV. gelîbet Adj. gelîch Adj. gelîche Adv. gelîche stF. gêlîche Adv. gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
1gelende
stN.
Koll. zu lant.
‘Land, Gefilde’
er wolde / in dem heiligen gelende / hie sînes lebens ein
ende / haben Kreuzf
8013;
[die Schnabelmenschen waren] so schnell und so behende /
das sy uff dem geleinde / erluffen [...] alls, daz da
loffes pflag GTroj
15990;
Hätzl
1:20,6
MWB 2 325,24; Bearbeiter: Bohnert
2gelende
stN.
zu
lenden
swV.
‘Landung’,
gelende nemen
‘landen’
ein koufschif [...] sîn gelende dâ
genam Tr
2154;
dô si zÎrlande kâmen, / ir gelende dâ genâmen, /
[...] Tristan den anker werfen bat ebd.
8676.
15566;
KvWPart
3010.
12785;
KvWTroj
7248
u.ö.
–
vil maniger vf dem griesz / von Gaweins henden / nam vnselig gelende. / hie
hatt der turnoy ein ende Krone
18584
MWB 2 325,30; Bearbeiter: Bohnert
gelender
stN.
Koll. zu
lander
.
‘Stangenzaun, Geländer’
swer gen dem chorn gelanter, tulle oder zaun hat, der sol daz
chorn da mit befriden StRMünch
285,13;
Hätzl
2:33,38
MWB 2 325,38; Bearbeiter: Bohnert
gelenke
Adj.
‘gelenkig, biegsam, geschickt’
gelenke reht als einem kinde / wâren im [dem toten hl.
Franziskus] der glider bein LvRegFr
4081;
ein wîbel vil gelenke / nam mîn dâ [in der
Badstube] mit dienste war Helbl
3,30.
1,1252;
ich gevriesch nie kunder / sô starc noch sô gelenke Schrätel
107;
die [
wizen beine
] lagen so gelenke ufem
ors zebeiden siten JTit
5449,1;
PrLpz(L)
36,5;
PassI/II
367,19.
225,69;
Freudenl
152.
– übertr.:
dri ecke sint der sele bi, / snel und gelenke, behende, die sint tiur
Frl
7:9,12.
– mit Dat. ‘folgsam’
diu Êre [...] was den rehten vuogen zam, / gelenke
guoten dingen unt missewende widerbrühtec ie RvZw
77,6;
Frl
5:10,3;
FrlSuppl
12:206,59
MWB 2 325,42; Bearbeiter: Bohnert
gelenke
stN.
Koll. zu
lanke
.
1
‘Lendengegend, Taille’
2
‘Gelenk’
3
‘Gewandtheit’
4
‘Wendung, Verlauf’
1
‘Lendengegend, Taille’
si [Röcke der Frauen] wâren
gefischieret vil / mit zwein gürteln an der krenke, / ob der hüffe ame gelenke
Parz
232,30;
irn gesâht nie âmeizen, / diu bezzers gelenkes pflac, / dan
si was dâ der gürtel lac ebd.
410,3;
KLD:BvH
1:3,4
2
‘Gelenk’
der ander [
arzet
] diu gelenke, / diu
sêric werdent oder wunt, / mit ander künste macht gesunt HvBer
7227;
diu wât zuo den gelenken / stuont wol nâch im geschræmet
KvWTroj
2980;
gezieret wol zen orten / und mit gesteinten borten / an den
gelenken umbenât ebd.
7485;
Brun
4372
(iunctura femorum
Ct 7,1).
5379;
Minneb
195
3
‘Gewandtheit’
ir sult [...] der vetre werc gedenken, / die sie
taten mit gelenken Macc
1940.
– bildl.:
waz er [Dichter] dines
[Maria] lobes grueze / schone mit gelenke /
[...] kunde schallen Rumelant
3,53b;
[Hochmeister Karl von Trier] konde mit gelenkis bunt
/ sô wol sîn rede machin, / daz sîne widdirsachin / in joch gerne hôrten
NvJer
24095
4
‘Wendung, Verlauf’
diz habe ouch ein gelenke / daz sich unser prîs iht krenke UvEtzWh
1995;
des endes ouch gedenke / und suech ein gut gelenke, / daz der arme mensch zu
ruͤ / kume uz der sunden dru TvKulm
652;
Hiob
1311
MWB 2 325,56; Bearbeiter: Bohnert
gelenket
Adj.
‘mit einem gelenke (Taille) versehen’
von Tenabroc [...] / stuont dâ
Clârischanze ein süeziu magt, [...] / als ein âmeize
gelenket Parz
806,26
MWB 2 326,18; Bearbeiter: Bohnert
gelenklîche
Adv.
‘gelenkig, mit Leichtigkeit’
die [Reiter] sach man
[...] / uͤberwerfen unde wenden, / die orss
gelenchleich prauchen Suchenw
8,105
MWB 2 326,22; Bearbeiter: Bohnert
gelenze
stNM.
überw. glenz(e).
‘Frühling’
ver: glentz VocOpt
56.034;
wenne die zit des gelenczes aller krefteklichest die natur des menschen
zuͦ vnkúschekeit beweget ElsLA
178,7;
wenne der glencze ist warm vnd fúhte ebd.
178,24.
180,1.
– bildl.:
von dem hilmenschen [himmlischen] glenze
Martina
Überschr. vor 249,69;
daz glenze in glanzer wete / wirt zehimel iemer stete / fri vor allem
vngewitter ebd.
250,51
u.ö.
MWB 2 326,26; Bearbeiter: Bohnert
gelenzezît
stN.
‘Frühlingszeit’
diz kvrze glenze zit / hie der welte frode git Martina
250,43
MWB 2 326,35; Bearbeiter: Bohnert
gelërnic
Adj.
‘gelehrig, leicht und eifrig lernend’
wol gelernic und vernünftic / was der süeze fürste junge. / arâbischer zunge /
mit lêre gie er vaste nâch UvEtzWh
3680;
der jung herr gar gelernig was: / alles das man vor im loss, / das chund er
pas alczu handt / denn dye andern alsandt Seifrit
601;
WernhMl
827;
sîn sin was âne zil / gelernic unde verstanden AristPhyll
79.
– von Tieren:
under den vierfüezigen tiern ist daz fräwel vil gelerniger
wann daz mändel BdN
116,9;
daz die hund gelernigiu tier sein zuo allen spiln ebd.
125,3.
3,10
MWB 2 326,37; Bearbeiter: Bohnert
gelëse
stN.
‘Text’
die grossen buch und ir geles / tunt rehte meister schriben
Physiogn
38;
di wort und ir geles [Einsetzungsworte der
Eucharistie]
JvFrst
2086;
Jesus weste al geles [auf ihn bezügliche
Schriftstellen] / und swaz im zûkunftic was ebd.
3928
MWB 2 326,48; Bearbeiter: Bohnert
gelest
Part.-Adj.
→
glesten
MWB 2 326,54;
gëlf, gëlpf
Adj.
Adv.
auch gelp
MarHimmelf .
1
‘helltönend, laut’
2
‘glänzend, strahlend’
3
‘gelb’
4
‘munter, fröhlich’
5
‘übermütig’
1
‘helltönend, laut’
diu [...] vogellin / uͦbeten also gelpfen
braht [...], / daz holz berck unde tal / in geliche gegen
gal Ainune
84
2
‘glänzend, strahlend’
diu sunne liehter unde gelpfer ist danne wir dâ sehen PrBerth
1:391,26;
MarHimmelf
1165;
ein pfelle, gelpfer danne ein gluot Wig
10544;
NibB
798,2(La.);
JTit
990,2;
ûz iegelîchem orte schein / ein alsô gelpfer rubîn
Iw
625;
Er
1562;
Hawich
4334;
ê wâren im vür wâr / diu ougen gelph unde klâr Greg
3436.
3391.
– von Blüten, Blumen:
in [den anger
] hete
wol des meigen schîn / mit gelpfer bluot geschœnet KvWTroj
9613.
16223;
vil bluomen blâ und gelfe Loheng
5680;
KvWLd
7,3;
TvKulm
34.
–
liehte bluomen unde gras / hânt ir gelfen unde ir
wünneclichen schîn verlorn KvWLd
12,3.
7,47;
des vil liehten meigen bluot / gelpf in dîn herze glîzet
KvWTroj
15697;
MarHimmelf
1173;
– von Farben:
grüener danne ein gras / oder iht daz gelfe grüene hât
KvHeimHinv
393;
in gelpfer wîze Helbl
7,449;
ieslich varwe ist gelfer in ir blüenden niuwe Marner
5,33;
KvWTroj
10486.
–
diu welt was gelf [lag in glänzendem Licht] ,
rôt unde blâ Walth
75,25
3
‘gelb’
daz har [...] / noh gelpfer vil danne wahs
Martina
219,26;
der groze lowe gelf [: welf
]
[...] mit der megde spilte ebd.
177,73
4
‘munter, fröhlich’
gelpher tumber liute reit mit ir genuoc Kudr
12,1;
vil manic gelfer man Bit
8789.
2447;
subst.:
vil gelfer fuor dar under Kudr
673,4.
–
wie dû dînen gelphen muot / mit leide verkiusest Er
8105;
daz dû dînen gelphen lîp / solt als unlange hân ebd.
8167;
unheil was mir gevære. / des habe ich selten gelfen sanc HartmKlage
1713;
iron.:
gelphez lop RvZw
74,12
5
‘übermütig’
haiden di gelfen / habent uns scaden getan Rol
6536;
Teichn
521,40;
sô mugen elliu wîp / [...] tragen
gelpfen muot / gegen ir manne NibB
673,3;
dû muost [...] wider mich sô gelfer worte enkelden
Neidh
SL 20:6,2;
Ottok
76879
MWB 2 326,55; Bearbeiter: Bohnert
gëlf, gëlpf
stM.
Pl.
Kchr
16265.
1
‘Brüllen, Bellen’
2
‘Geschrei; Tumult, Lärm’
3
‘Ausgelassenheit, Fröhlichkeit’
4
‘Verwegenheit, Kühnheit, Übermut’
4.1 allg. 4.2 übertr.;
1
‘Brüllen, Bellen’
der [
lewe
] sinen toten
welffe / mit sinem luten gelffe / lebendig machet Minneb
3488;
Frl
3:17,1;
der hunt, / des gelff kan wilt erkriegen FrlSuppl
11:208,4;
Mügeln
381,8
2
‘Geschrei; Tumult, Lärm’
michel wart ir gelpf, / von bûhurt und von springen, / von
tanzen und von singen Kchr
180.
10054;
vil michel wart der ir gelpf; / diu ougen si in ûz prâchen
ebd.
14273;
jener vûr mit gelfe / und hâte ein mehtigez her Eilh(L)
66;
in disme schalles gelfe RvMunre
624;
ir gelf, ir lut ist: ‘crona, künig, cröne’ Frl
1:8,5;
Herb
1575.
5327;
EbvErf
592;
Rab
507,6.
–
‘Kampfgeschrei, Schlachtruf’
ouch huoben di juden ir gelpf, / si bliesen ir wîchorn
Kchr
10061;
mit freyden vnd mit gelffe / ben ich kommen dy czuͦ hilffe
KarlElegast
1482;
GTroj
18444.
13617.
19015;
SAlex
1434;
GrRud
Cb 19;
UvZLanz
8349;
Alph
1339
3
‘Ausgelassenheit, Fröhlichkeit’
unz wir von schimpfes gelfe / hin zu dem ernste kumen PassIII
25,31;
Vät
15648.
4452;
daz si [gemarterte Heilige] gar zu gelfe / alle
dise not vertruc. / swie vil man iren lib gesluc, / daz duchte sie ein gelucke
PassIII
342,96.
–
sint waren mit gelfe / die burgere vomme troste
GrRud
F 49;
dô er was mit gelfe LBarl
15620.
–
‘Spott, Hohn’
als si [Götzenpriester] zu ubeleme gelfe /
[...] sin [hl.
Dionysius] wolden ramen PassIII
551,10;
so sul wir [...] / den licham
[...] / schenden lesterlich genuc / und werfen in
ein vuwer. / da sal im werden tuwer / allerhande helfe, / untz er nach unsem
gelfe / verbrinnet PassI/II(HSW)
11580
4
‘Verwegenheit, Kühnheit, Übermut’
4.1
allg.:
haiden uermezen / ilten zu irn rossen [...]. /
Roͮlant sach si zu uarn; / er sprach: ir gelph ist inoch so groz
Rol
5241;
die zît [unterdessen] wart
disen recken in gelfe vil gedreut NibB
430,1;
Terramêr [sein Heer zum Kampf
aufrufend] mit gelpfe sprach Wh
44,1;
HBirne
414;
do nach valschem gelfe / der ungetruwen iuden diet / unseren herren
verriet PassIII
215,4.
502,34;
Kchr
16265;
UvZLanz
3769;
des wart Wellis benomen / der hoemoet mit dem gelpe Karlmeinet
494,23;
auf ein Tier bezogen:
in [Jäger] zerreiß der ber in
zornes gelfe Mügeln
59,10.
–
wa nu di mir [König
Marsilie] heluen wellen, / daz wir die
gesellen [Roland und seine Kampfgefährten] /
ir gelphes widerprengen [davon abbringen]
Rol
5701;
StrKarl
6755;
des [eines im Zweikampf besiegten Gegners]
gelf der wart von im gesant / vil verre Bit
2550.
– unsicher, ob hierher:
ir [Maria] lîbes
burde [d.h. Leibesfrucht] / nie bekuchet wurde
/ von deheines mannes gelphe Wernh
3683
4.2
übertr.;
‘übermütige Tat’
daz [Siegfried anzugreifen] was ein grôz
übermuot [...]. / ez ist mir immer swære / daz ir
den gelf habet begân Bit
12885.
–
‘übermütige Worte, Reden’
[Rüdiger kommentiert die kampflustigen Reden der Berater
Gunthers, dem er als Bote Krieg angekündigt hat:] möht ich
dem gelfe entwîchen, / daz tæte ich [...]. / swie
vil ich hœre der übermuot, [...] sô sol iu wesen
widerseit Bit
6646.
–
‘übermütiger Mensch’
man list von einem grozzen gelf [l.
graffen gelf? vgl. Teichn 158,40. 603,32
(App.)] , / der waz ungerecht von jugent
Teichn
158,32
MWB 2 327,31; Bearbeiter: Bohnert
gëlfe, gëlpfe
stF.
1
‘Glanz’
2
‘Anmaßung, Übermut’
1
‘Glanz’
zuo der lûterkeit unde zuo der schônheit noch zuo der gelpfe die diu sunne
hât, dâ kan sich niht zuo genôzen hie in dirre werlte PrBerth
1:539,29;
von golde glîzet dîn wât, / diu maniger gelfe varwe hât
KvHeimHinv
266
2
‘Anmaßung, Übermut’
in übermuotiger gelfe / von Francrîch Philip sprach
Ottok
32755.
47374;
in maniger gelfe / der burgære jach, / swaz im der tiuvel
vor sprach, / daz lobt er unde swuor ebd.
33589;
ich bite dich sundir gelfe Brun
6968
MWB 2 328,31; Bearbeiter: Bohnert
gëlfen, gëlpfen
stV. (IIIb)
1 intr. 1.1 von Tieren, ‘bellen, heulen, brüllen’
1.2 von Menschen 1.2.1
‘schreien, rufen’ , subst. Inf. 1.2.2
‘prahlen, übermütig reden’
2 tr. 2.1
‘etw. laut aussprechen, ein Lied laut singen’
2.2
‘etw. (wâfen, direkte oder indirekte Rede)
rufen’
3 refl., ‘über etw. (Gen.) fröhlich sein’
1
intr.
1.1
von Tieren, ‘bellen, heulen, brüllen’
sin bracke begunde gelfen WolfdD
798,1.
822,1;
funff hundert hunde, / di machten ungefugen schal: /
diser galph, diser pal HvNstAp
8795;
kumt aber nicht der louwe sinem welfe / mit siner stimm
in rechter stund zu helfe, / ab er ouch
darnach [später] gelfe, / das hilfet nicht, es
blibet tot Mügeln
278,11
1.2
von Menschen
1.2.1
‘schreien, rufen’, subst. Inf.:
Jesus schrei mit lûter stimme
[...], / daz gelfen in di hôhe brach
JvFrst
10125.
6028;
FrSchw
5306
1.2.2
‘prahlen, übermütig reden’
si [Feinde] gelfent nie sô vaste, / ich wil
ez mînem gaste / volbringen an sîn êre [dass ich den Kriegszug
nicht, meinem Gast zu Ehren, durchführen würde]
Bit
5147;
ich sol noch mit iu gelfen [Reizworte
wechseln] / und vehten Virg
891,6.
– subst. Inf.:
din gelfen / ist mir ein wint PassIII
679,86;
HeslNic
3460;
so gelaub ich deiner wort gelffen FrSchw
4258
2
tr.
2.1
‘etw. laut aussprechen, ein Lied laut singen’
und darnach [nach einer Vision] do kam sy
wider, und sait mit beschaidnen wortten alles das sy vor gezaiget
[mit Gebärden angedeutet] hat und das sy nit
gelfen mocht Stagel
68,22;
[Maria,] der lob [...] ich
gelfe Mügeln
157,11;
wê mir dis gedœnes / daz mir dur den lîp / und dur diu ôren dringet: /
[...] si gelfent sînen [des
Schenken] sanc tac unde naht / in dirre gazzen KLD:UvW
4:1,9
2.2
‘etw. (wâfen, direkte oder indirekte Rede)
rufen’
ich pring dich hie in todes pein, / das du must waffen gelfen
Virg(St)
738,6;
ir maug unnd man gunden gelffen / ‘wir seyen von hertzen fro
[...].’ FrSchw
5096.
– subst. Inf.:
wir erhuͦben ain ander gelffen: / er solt mit uns keren
zuͦ lannd FrSchw
1808;
hoͤr meiner wort gelffen: / durch dich trag ich mein leben fail
ebd.
4308
3
refl., ‘über etw. (Gen.) fröhlich sein’
ir list si [Ratte] nuͤt konde helffen. / dez
sich der her gelffen / [...] gar froͤlich begunde. /
sterben muost do duͤ ratte Ratte
34
MWB 2 328,42; Bearbeiter: Bohnert
gëlfheit, gëlpfheit
stF.
‘Glanz’
dem vanken in dem viure / sölher gelpfeit ie gebrast
Wh
33,21
MWB 2 329,17; Bearbeiter: Bohnert
gëlfrôt
Adj.
Adv.
‘glänzend rot, purpurrot’ (in Übers. von lat.
coccin(e)um):
ist iz daz uwir sunde sint gelfrot, si werden gewyeset als ein
sne Cranc
Jes 1,18.
– adv.:
di man des heres sint gelfrot gecleidit Cranc
Na 2,3.
– subst.:
swenne du dich wirdist cleyden mit gelfrote
Cranc
Jer 4,30
MWB 2 329,19; Bearbeiter: Bohnert
gëlfwort, gëlpfwort
stN.
Pl., ‘lebhafte’ oder ‘vermessene Worte,
Rede’
vil manic hoverede hoh, / die sich gen frúntschaft niendert
zoh, / von in baiden [den verfeindeten Herzögen] gischach.
/ itweder mit gelphworten [La. geltworten
]
sprach RvEWh
350
MWB 2 329,25; Bearbeiter: Bohnert
gelîben
stV.
‘ruhen, aufhören’
die Criechen nie geliben [ruhten nicht
eher] , / unz si in hin ze Pulle vertriben Kchr
15984
MWB 2 329,31; Bearbeiter: Bohnert
gelîbet
Adj.
‘mit einem Leib versehen’
der [König Agors] ist so stark gelibet, / daz er
niht vride noch suͤne gen vieren [Gegnern] gert,
wan er si widertribet JTit
5606,1;
daz nu niem chumpt zu den tagen [so lange lebt
(wie Adam und andere alttestamentliche Personen)] , / da von muez
er unrecht sagen / der uns [heutige Menschen] als di alten
schreibet, / seint sey waren paz geleibet Teichn
427,80
MWB 2 329,34; Bearbeiter: Bohnert
gelîch, gelîche,
gelich
Adj.
1 adj. 1.1 ohne Erg.; 1.1.1
‘gleich, ähnlich’
1.1.2
‘eben, gerade’
1.1.3
‘ausgeglichen, ebenmäßig’
1.1.4 bildl. von einer Waage, ‘sich gleichbleibend;
gerecht’
1.1.5 etw. ist jmdm.
‘etw. macht für jmdn. keinen Unterschied; etw. ist jmdm.
gleichgültig, egal’
1.1.6
al gelîch i.S.v. ‘jeder, alle(samt)’
1.1.7
‘rasch, sofortig’
1.2 mit Angabe einer Vergleichsgröße im Dat., Instr. ( diu ) oder Gen.
( des ), ‘jmdm./einer Sache gleich, ähnlich; entsprechend,
gleichkommend’
1.2.1 mit Dat. 1.2.2 mit Instr. 1.2.3 mit Gen. 1.3 mit (zusätzlicher) Angabe eines tertium comparationis; 2 subst. 2.1 mit Gen. oder Dat.d.S. 2.2 mit Poss.-Pron. oder Gen. des Pers.-Pron., mîn, dîn gelîche usw.
‘der jmdm. (einer Sache) gleich ist, gleichkommt: meines-,
deinesgleichen usw.’
2.3
gelîchen eine
‘ohne (seines-, ihres)gleichen’ (vgl. ein
1.2.4.2 ) 2.4
den gelîchen tuon, als
‘so tun, als ob’
2.5 N., ‘etwas Ähnliches, Gleiches’ ; 2.6 N., ‘Gleichnis’
2.7 anders
1
adj.
1.1
ohne Erg.;
die Vergleichsgröße ist in einer Pl.-Form enthalten, mit und
koordiniert (z.B.
Walth
18,10
(nach C);
Parz
117,5
) oder implizit gegeben; überw. attr. (präd. z.B.
Walth
18,10
(nach C);
LvRegFr
3189;
RvZw
67,12
)
1.1.1
‘gleich, ähnlich’
die stimme gap in [singenden
Vögeln] widere / mit gelîchem galme der walt
Iw
619;
nû rôt und danne bleich / wart si [...] / ze
gelîcher wîse als ich iu sage Er
1716;
wir [Menschen jedes Standes] wahsen ûz
gelîchem dinge Walth
22,9;
singent ir [Volcnant] einz, er
[Walther] singet driu, / ir sît gelîch als
ars und mâne ebd.
18,10
(nach C);
Beda spricht, daz diu selb slang [im
Paradies, Gn 3,1
] ain junkfrawenantlütz hab
gehabt, dar umb, daz si mit gleicher gestalt Evam zämt und zuolocket
BdN
270,27;
vnd sv́n si beidenthalb allewege gelichen schaden han
UrkCorp (WMU)
2767,12;
daz diz war sie vnd stete blibe, dar vmbe sint zwene gliche briefe
geschriben ebd.
N359,19.
879W,9;
Barth
130,28
1.1.2
‘eben, gerade’
si weizte in vf einen wech, / da lag ein glicher stech
FabelCorp
37,230
1.1.3
‘ausgeglichen, ebenmäßig’
der ist ains geleichen leibs
[...], der ain mitel hât zwischen lang und kurz
und zwischen mager und vaizt BdN
50,21;
die küen, die gleichez flaisch habent, niht ze vil
noch ze wênig ebd.
49,26.
43,11.
51,3;
sîn ûzer lîp was getân, / als ich nû geseit hân. / sô was sîn innerz
leben gar / gelîche unde wandels bar LvRegFr
3189
1.1.4
bildl. von einer Waage, ‘sich gleichbleibend;
gerecht’
er was [...] / der milte ein glîchiu wâge
AHeinr
66;
Rab
910,3;
Dietr
2338.
9971;
swer al der werlde werdikeit / gein eines wîbes wirde ûf eine gelîche
wâge leit RvZw
39,2;
ein wâge [...], / diu glîche sî unt unveiles
muotes ebd.
67,12;
Neidh
WL 23:6,10
1.1.5
etw. ist jmdm. ~
‘etw. macht für jmdn. keinen Unterschied; etw. ist jmdm.
gleichgültig, egal’
ir was gelîch naht unt der tac: / ir herze niht wan
jâmers phlac Parz
117,5;
sweme ir [...] welt geben / ûr tohter und ûr
rîche, / daz is mir al gelîche En
9612.
– ähnlich: jmdm. ist umbe etw. ~ :
was sol mir nu krone und kunigrich, / mir ist umb alle welte ere /
hinnen fur iemer glich SalMor
355,5
1.1.6
al gelîch i.S.v. ‘jeder, alle(samt)’
(unsicher, ob hierher oder zu gelîche Adv.
1.1):
sî betten al gelîche / arme unde rîche JJud
769.
477;
die nâmen al gelîche niwan ir zweier war
NibB
297,2.
373,2
u.ö.;
daz wizzent algelîche MF:Rugge
Leich 2,6.
Leich 4,3;
En
5253
1.1.7
‘rasch, sofortig’
din leven it is leider engestlich, / want dine sunden, inde dine pinen
merrent sich. / dit inwere niet so guͦt alse de geliche doit, / want
so wrde doch minre dine noit Lilie
10,36;
an dem sal man nicht vristen, / man sule im sunder schemen / gelich
sin halbez gut nemen PassIII
70,20
1.2
mit Angabe einer Vergleichsgröße im Dat., Instr. (diu) oder Gen.
(des), ‘jmdm./einer Sache gleich, ähnlich; entsprechend,
gleichkommend’
1.2.1
mit Dat.:
unz daz der edele tôre / wart gelîch einem môre / an
allem sînem lîbe Iw
3348;
ez was ein küneginne gesezzen über sê, / ir gelîche
enheine man wesse ninder mê NibB
326,2;
daz niemen kunde / ein gewæfen dem gelîche / vinden
alsô rîche Wig
5615;
alsus man sîne reise den wisewazzern dicke gelîche siht RvZw
185,6.
–
dâ was ir hâr und ir lîch / sô gar dem wunsche
gelîch Iw
1334;
sîn tât dem prîse ist gar gelîch
Parz
717,28;
die zwêne dem lône wâren gelîch, / den minne
etswenne nâch dienste hât Wh
249,20;
disiu rede ist wunderlîch / sist iedoch der wârheit gelîch
Aneg
1192;
sô daz ir site und ir sin / was gelîch der
marcgrâvin Parz
403,30.
773,29.
– umschreibend:
werde unser zweier kindelîn /
[...] einem man gelîch Parz
55,29;
so ir wænt daz ende habe genomn / iwer kumber
grœzlîch, / alrêrst strîte ist er gelîch ebd.
562,6;
MF:Kürenb
2:5,4;
KLD:GvN
26:3,10;
ähnlich:
Volkêr der snelle zôch nâher ûf der banc / einen
videlbogen starken, vil michel unde lanc, / gelîch einem swerte, vil
scharpf unde breit NibB
1785,3
1.2.2
mit Instr.:
daz was diu vil gelîch / als ob in erbarmôte Aneg
1495;
KvWLd
32,129
(Konjektur)
1.2.3
mit Gen.:
vasten, barvuoz gân und ander dinc des glîche, daz
pênitencie heizet Eckh
5: 244,6
1.3
mit (zusätzlicher) Angabe eines tertium comparationis;
im Gen.:
der heidn unt der getoufte / wârn mir strîtes al
gelîch Parz
495,29;
geburt unde guotes rîch; / des alles wâren si gelîch
Wig
5203;
daz daz sîdîn gewant / daz si [...] / zuo ir
kinde hete geleit / unde disses gastes kleit / gelîche wæren begarwe / der
güete und der varwe Greg
1949;
BdN
226,32.
– durch eine Präp.-Gruppe:
glîch antlütze und glîchez vel / Anfortas bî sîner
swester truoc Parz
813,2;
simia haizt ain aff. daz ist ain tier dem menschen
gar geleich nâhent an allen gelidern BdN
158,21;
SchwSp(W)
6,9
2
subst.
2.1
mit Gen. oder Dat.d.S.:
diner froͤd ward nie gelich KvHelmsd
4388;
ain goͤttlich kron, der nie ward glich ebd.
4731
2.2
mit Poss.-Pron. oder Gen. des Pers.-Pron., mîn, dîn gelîche usw.
‘der jmdm. (einer Sache) gleich ist, gleichkommt: meines-,
deinesgleichen usw.’
diu was [...] schœne und alsô
rîche / daz ich wæn ir gelîche / in dem lande iht wære Wig
2469;
daz man dinin gilichin / nimag findin LobSal
39;
daz er der werlte widerstuont [zuwider war] , /
als alle sîne gelîchen [vom Aussatz Befallene] tuont
AHeinr
136;
stritis tu wider dinen gelichen
[...]. / stritis tu wider den, der dir zu starc is
[...]. / stritis tu wider einen cranken
Elmend
A 735;
swer des uberredet wirt mit siben siner gelichen oder siner tiurern, daz
er einen mainen eit gesworn hab, dem sol man die hant abslahen
UrkWittelsb
1,148
(um 1255);
UvZLanz
3021.
8451;
Er
2759;
HartmKlage
253;
WernhMl
12425.
–
den weisen [Edelstein der
Reichskrone] ie vil hôhe wac / der keiser und daz rîche, /
dur daz nie sîn gelîche / wart under manigem steine KvWTroj
22.
– mit Angabe eines tertium comparationis durch eine
Präp.-Gruppe:
an manheit sîn gelîche / der was ninder in der schar
Wig
2857;
do lepte nieman sin gelich / an tugenden und an
sælikait WernhMl
88;
KvHelmsd
392
2.3
gelîchen eine
‘ohne (seines-, ihres)gleichen’ (vgl. ein
1.2.4.2):
diu [Maria] ie stuont gelîchen
eine SM:EvS
1: 1,7
2.4
den gelîchen tuon, als
‘so tun, als ob’
er az vil mæzlichen / vnd tet den gelichen / als er fleisch
genuͦzte Albert
449
2.5
N., ‘etwas Ähnliches, Gleiches’;
ohne Erg.: des gelîches
‘des-, dergleichen’
das ist so heimelichú suͤssekeit
[...], das ich des gliches nit weis
Mechth
3: 1,130;
der tot unde hunger unde turst unde endrü ding dez
glichez [
et alia huiusmodi
]
ThvASu
86,30.
36,3;
Tauler
272,28;
Eckh
3:148,6.
– mit Dat.:
dem [Land des Königs
Artus] was eht niht gelîch, / unde ist ouch unmügelîch /
daz im [...] / iemer iht glîches werde
Iw
2662;
dar umbe sprichet ein meister: man envindet kein tier, ez enhabe etwaz
glîches dem menschen Eckh
2:228,5.
– mit Gen., des (selben) gelîch/-e(n)
‘Derartiges, Desgleichen’
und alsus tuot got: jâ, alsô süeze, daz alliu disiu werlt des glîch
niht geleisten enmac Eckh
2:44,8;
daz ouge, daz ôre, diu zunge, diu hant und des glîche
ebd.
5: 109,15;
des selben gelich mag hie beschechen
WernhMl
14217;
Seuse
469,16.
501,17;
UrkCorp (WMU)
380,36;
– mit Gen. des Pers.-Pron. oder Poss.-Pron.
‘seines-/ihresgleichen’
diu katz hât ir gleiches
[...] liep BdN
152,4;
ein gelîchez vindet sîn gelîchez PrBerth
2:143,2;
PrGeorg
321,25
(s.a. TPMA 5,44f.)
2.6
N., ‘Gleichnis’
so wil ich ein gut geliche / uch sagen von dem hemelriche
Brun
11326;
vnd das pewärt er mit ainem geleichen vnd sagt,
[...]
Schachzb
96,44;
als man merken mac bî glîchem Eckh
2:603,4;
LvRegSyon
3913(Hss.);
WernhMl
14473
2.7
anders:
der guͦte [...] nimmet
[...] gelich [gleichmäßiges,
unbeschwertes Leben] und ungelich
[Mühsal] und lot sich do inne gotte
Tauler
116,16
u.ö.;
daz geschiht dem verklerten geist, der verlúrt ungelich
und gelich [Ungleichheit und Gleichheit]
ebd.
121,3
u.ö.
MWB 2 329,43; Bearbeiter: Bohnert
gelîche, gelîch,
gelich
Adv.
auch -en (
PrSchw
2,31;
HeslApk
1990.
11216
).
1
‘auf gleiche Weise, nach gleichem Maße’
1.1 ohne Erg. 1.2 mit Angabe einer Vergleichsgröße im Dat. (meist dem ), Instr.
( diu ) oder Gen. ( des, der ), vereinzelt durch eine
Präp.-Gruppe 1.2.1 mit Dat. 1.2.2 mit Instr. 1.2.3 mit Gen. 1.2.4 mit Präp.-Gruppe 2
gelîche tuon
‘sich einen Anschein geben, sich stellen’
3
‘ausgewogen, gerecht’
4
‘sogleich, sofort’
5
‘nahe, angrenzend’
1
‘auf gleiche Weise, nach gleichem Maße’
1.1
ohne Erg.
(die Vergleichsgröße ist in einer Pl.-Form enthalten, mit und
koordiniert oder implizit gegeben):
naht unde tac / unser strît vil nâch gelîche wac
Parz
30,16.
238,23;
dîn erbe und ouch daz mîne sulen gelîche ligen
NibB
114,1;
nu wuͦsen glich in einer plege / zwa juncfrouwen here / nach
furstlicher ere Elis
898;
si truoc einen roc wîten, / von zwein samîten / gesniten
vil gelîche, / eben unde rîche Wig
748.
3439.
8833;
sô daz ir lop gelîche ob allem lobe schône als ein crône swebt RvZw
34,6;
daz ein man minne ein wîp vor allen wîben gar / und daz si denne glîche
var KLD:Hawart
3:4,6;
daz vnse sune geleite, zolle vnd jarmerkete mit einander geliche teilen
sullen UrkCorp (WMU)
1062,10.
319,9;
wenne der môn geleich [geradewegs,
völlig] gegen der sunnen über ist, sô ist er vol
BdN
65,6;
Elis
3855.
5645.
– häufig in der Stellung hinter al
(Belege mit unflekt. al, die auch adj. Auffassung zulassen,
s. unter gelîch Adj. 1.1.6):
und lobten alle gelîche / den rîter und die hôchzît
Wig
1684;
ez bluot allez gelîche, / bluomen unde boume ebd.
638.
11439
u.ö.;
daz man [...] daz cruce
[...] predigete [...]
/ den luden allen gliche / uber alle cristen riche Elis
4143.
4289.
4525;
En
3689.
4132.
– ein Adj. oder Adv. näher bestimmend:
dise sorgen beide / die tâten im gelîche wê
Iw
1535;
ir [Frauen] stimme sint
gelîche hel Parz
116,7;
swer in hazte od wol enpfienc, / den was er al
gelîche holt ebd.
289,21.
589,24;
nement och zwene brvͦder zwo swestern vnd nimt der dritte
brvͦder ein vromdez wip, iriv chint sint doch geliche nahen sippe
SchwSp
7b;
Elis
1686;
MNat
6,28;
Komp.:
alles daz man hievon gesprechen mag, daz enhat nút
worheit an ime, sunder es ist gelicher gelogen denne warheit
Tauler
114,28.
– mit Vergleichssatz:
do gebârte sî gelîche / als sî mit bœsem mære / zuo
im gesendet wære Iw
2218;
Lucas ewangelista [...] malet ez
[ein Bild der hl. Maria] wol geliche, /
rechte als die tugenderiche / gestalt was PassIII
200,25.
– mit Angabe eines tertium comparationis durch eine
Präp.-Gruppe:
[Elisabeth und Hermann sind] beide an eren glich
gemuͦt Elis
1484
1.2
mit Angabe einer Vergleichsgröße im Dat. (meist dem), Instr.
(diu) oder Gen. (des, der), vereinzelt durch eine
Präp.-Gruppe
1.2.1
mit Dat.:
du gebârest vil gelîche / einem man des werdekeit /
ist mit mæren harte breit Parz
767,6;
müet sî daz sî mîn enbirt / und daz sî mir gelîche swirt
[dass sie ebenso wie ich Schmerzen empfindet]
ZwBüchl
654;
ich wil sî gelîch der sunnen mezzen, / die siht man allenthalp
gelîchen KLD:WvMezze
2:3,8;
Wig
3996.
11704;
Elis
2850.
–
ez was nâch Kûdrûnen Hartmuoten wê; / dem tet er wol gelîche mit
allen sînen mâgen Kudr
748,3;
doch hal er tougenlichen daz / und tet niht dem
gelîche KvWTroj
10271;
nu tuot schiere dem gelîch Wh
52,26;
Parz
60,13.
808,25.
– mit Vergleichssatz (als/ sam/
wie):
si varent wol dem gelîche, sam ez sî Rüedegêr
NibB
1180,3;
ich muoz iemer dem gelîche spehen, / als der mâne
tuot MF:Mor
3: 1,4;
SM:Te
8:1,4;
Wig
833;
bes. dem gelîche tuon
‘sich so verhalten, als ob’, teilw. nur
umschreibend:
ir tuot dem gelîche und sît in der gebære, / sam diu edele Kûdrûn
iu vil guoten helden sippe wære Kudr
1244,3;
sô gebâre ich dem gelîche, / als ich sî maniger vreuden rîche
Walth
120,30;
und komen grôze winde [...] also dc dc
schefelin [...] dem gelichen tet wie ez
woͤlte undergan [
Mt 8,24
]
PrSchw
2,31;
KvWTroj
17056.
16994;
SM:Te
4:2,9;
ähnlich:
er tet dem gelîche schîn, / sam im leidete daz
leben Ottok
64855.
– ebenso mit daz-Satz:
der lac wol dem gelîche [sein Lager
war dem gemäß] , / daz Matusales sîn
vater [erg. was
]
Wh
98,16;
si tet benamen dem gelîch, / daz si betrüebet
wære KvWTroj
22576.
26340;
dô si dem tâten niht gelîch, / daz si belîben
wolden Ottok
630;
Wh
129,6.
446,24;
Kudr
619,4
1.2.2
mit Instr.:
wer weiz, ern sî vil tugende rîch: / er gebâret diu
gelîche wol Tr
4085.
135.
15914;
wie stâtz um disiu armen wîp? / in sint die site und
der lîp / gestalt vil wol diu gelîch, / wæren sî vrô und rîch, / sî wæren
harte wol getân Iw
6269;
En
1542;
Walth
70,18;
Mai
49,31.
– mit Vergleichssatz:
des antwurte im her Îwein / diu gelîche als er
wær verzaget Iw
6621.
753;
der marter zeichen [Christi Wundmale] /
[...] zierten den lîp [des hl.
Franziskus] diu glîche / sam von dem wîzen esterîche /
glîzent swarziu steinelîn LvRegFr
4094;
WälGa
477;
JTit
5622,1.
–
diu ~ tuon, daz
‘sich so verhalten, dass/als ob’
diu gelîche hân ich [Lavinia]
[...] getân, / daz Ênêas
[...] / mîn kleinôde
[Minnepfand] nie gewan En
12219;
LvRegFr
449;
der wint sluoc sî [Beaflor in ihrem
Schiff]
[...] verre ûf des meres wâc
[...]. / er tete an ir diu gelîch, / daz im
ist niht unmügelich Mai
50,25
1.2.3
mit Gen.:
die mit Gâreln wârn geriten, / des gelîche jâhen
[sprachen ebenso, sagten das Gleiche]
PleierGar
18869;
OsterSpM
2,33;
und anderweit gînc her [Besitzer des
Weinberges] ûz umme sexte und nône stunde und tet des
glîch [d.h. mietete Arbeiter]
EvBeh
Mt 20,5
u.ö.
– mit Vergleichssatz:
sie gebâren der gelîch, / sam sie unser niht
entsitzen sich Kreuzf
5119.
6101;
als si [Mönche und Priester] von
anegenge ie wâren, / des gelîche siht man si wol gebâren Renner
18014
1.2.4
mit Präp.-Gruppe:
dô nam er an sich / sehzec gesellen, die er gelich / zuo ime
[wie sich, in seine Farben] kleite Er
2873.
1911
2
gelîche tuon
‘sich einen Anschein geben, sich stellen’
dû hâst ir [deiner Arme und Hände] anderen vlîz
[d.h. pflegst sie anders (besser)] / an dîner
heimelîche / dan dû hie tuost gelîche Greg
2934
3
‘ausgewogen, gerecht’
vnd schuͦln beder tayl schydelevt loben [...],
daz si sprechen vmb alle chryͤge, schaden vnd gebresten
[...], so si geleychist mvͦgen [so
gerecht wie möglich]
UrkCorp (WMU)
N594,4
4
‘sogleich, sofort’
inde dat sine sele zuͦ deme vremeden gelich me wart gebunden, / in
einer vile curter stunden, / wan si da vore were zuͦ deme alden vrunde
Lilie
60,25.
60,37
5
‘nahe, angrenzend’
ouch lâgen im gelîche / zwei rîchiu künicrîche
Wig
10494
MWB 2 332,11; Bearbeiter: Bohnert
gelîche
stF.
1
‘Gleichnis’
1.1 (für etwas [ des , von etw., dannen ]) ein
~ haben, sagen, geben u.ä. 1.2 etw. in/mit ~ hân
‘gleichnishaft, bildhaft begreifen’
2
‘Ähnlichkeit, Gleichheit’
3
‘Erscheinung, Gestalt’
4
‘Ebenbild’
5
‘Billigkeit, Angemessenheit’
6 als Übers. des lat. astronom. Terminus aequans , hier nach dem
Zusammenhang wohl i.S.v. ‘Norden’ ?
1
‘Gleichnis’
1.1
(für etwas [des, von etw., dannen]) ein
~ haben, sagen, geben u.ä.:
vnde dez hain wir aine gelichi vf ertriche, iehint die maistire:
[...]. ze gelichir wiz ist ez ze himilriche
PrGeorg(Sch)
21,136;
nu merche aine gelichi, die git uns ain wise man ebd.
34,42;
dannen sage ich dir ain [La.
eine
] gelîche Kchr
9071;
LBarl
5595.
– mit Angabe des Vergleichsgegenstandes (an,
bî):
dez merckint aine gelichi an der creature PrGeorg(Sch)
22,85;
da uon git er uns aine gelichi bi deme honige ebd.
28,128
1.2
etw. in/mit ~ hân
‘gleichnishaft, bildhaft begreifen’
si [Maria] marchte
[...] / wie man sy [die hl.
Schrift] konde wol verstan, / inwarhait und ingelichi
han [in wörtlicher und bildhafter Bedeutung
verstehen]
WernhMl
836;
der wissagen propheczien / sprachen von dir, Marien, /
mit figuren mengen, die / si mit gelichi hettent ie
[...], / das an dir vollekomen ist ebd.
14744
2
‘Ähnlichkeit, Gleichheit’
als vil gelichi zwen mugent han / die von ainer muͦter
sint / geborn sament, gelichú kint WernhMl
13382;
ez sint drú ding dú an sich ziehent. daz erst ist glichi, alz ich da vor
gesprochen han daz ain ieglich ding sin gelichez zuͦ im zúhet PrGeorg
321,25;
di himelesche Jerusalem [
ist
] gelich
eime clostere und hant eine niftelschaft und sunderliche heimliche zu samene durch
di geliche dez lebenez HlReg
51,5;
PrGeorg(Sch)
18,112;
Eckh
1:329,4
3
‘Erscheinung, Gestalt’
der hailig gaist kam offenbar / uf Ihesus hoͮbet von
hymel dar / inainer wissen tuben glich WernhMl
6791.
6807
4
‘Ebenbild’
ain wiss tuͦch nam Ihesus, / dar an er sich do
strahte, / sin bild gelich da machte: / das tuͦch sin gelichi
vieng [das hl. Mandylion (Christusbild von Edessa der Abgar-Legende,
s. LexMA 6,189)]
WernhMl
7637
5
‘Billigkeit, Angemessenheit’
nach geliche und rechte [
Selonc ce que
[...] droit et equité sera
]
Pilgerf
1083
6
als Übers. des lat. astronom. Terminus aequans, hier nach dem
Zusammenhang wohl i.S.v. ‘Norden’?
[Heiden,] di do wonen in manchin endin der werlde, in
landin [...], di do gelegin sint kegin dem ufgange der
sunnen unde nidirgange, kegin dem mittage unde der glich MarcoPolo
1,8
MWB 2 334,7; Bearbeiter: Bohnert
gêlîche
Adv.
→
gæhelich
MWB 2 334,51; |