gelîchsamen
swV.
‘jmdn. mit jmdm. (Dat.) vergleichen’
der disu min wort hoͥrt vnde sv tvͦt, den
glichsamon [
similabo
] ich eime wisen man der
da het gezimbirt vffin den stein [
Mt 7,24
]
BrEng
Prolog
MWB 2 344,58; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsât
stF.
‘Heuchelei, Verstellung’
daz diu gotis burch ieht irslichen werde mit der glîchsâte.
daz sulin diu wachenden ougen bewarn TrudHL
115,1;
der [
tugende
] aller
anegenge ist gedult in allen dingen. daz ander ist gehôrsame mit guͦter
einmuͦte [...]. daz dritte daz ist diemuͦt
âne gelîchsâte ebd.
60,2.
94,32.
– personif.:
dâ uehtent die âchuste mit den tugenden.
[...] dâ uihtet in [den
Menschen] diu glîhsât, daz siu uerwerthe die durnahten wârhait
TrudHL
114,8
MWB 2 344,63; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenære
stM.
1
‘Heuchler’
2
‘Schmeichler’
1
‘Heuchler’
glichsner das sint alle die die eins redent vnt ein anders tuont PrWack
56,475(App.);
under die wâren gotes boten / sint trugenâre komen
[...]. / in der toufe hêre / sint gelîhsnâre
Kchr
3452;
dô leiten si den man / ir kutten eine an, / als er irs orden
bruoder wære. / hin slichen die glîhsenære Ottok
41044;
ein kündiger glîchsenær Helbl
5,42;
AvaLJ
54,6.
145,2;
VMos
29,29.
39,9;
PrOberalt
129,38;
ReinFu
K,2252;
RvZw
141,6;
HvBurg
3276;
BdN
170,32
u.ö.
– oft Übers. von lat. hypocrita:
dat einre hande luden sint, die heizent ypocrite, dat ist gelichsemere
Lilie
8,4;
waz vorsûchit ir mich, ir glîsnêre? EvBeh
Mt 22,18
u.ö.;
PsM
Per 2,14;
SchlierbAT (LS)
1,88;
Hiob
6374;
Tauler
186,22
( Mt 6,2)
– für lat. pharisaeus:
in der czit gyngen czu Jhesu meistere unde glissenere
EvBerl
22,17.
4,10;
Symon der glîhsenære Ottok
57570;
der glissenere / secte [
haeresis
pharisaeorum
]
HistAE
5465;
PrSchw
1,84
( Lc 18,10)
PrGeorg
22,33;
Teichn
300,124
u.ö.
2
‘Schmeichler’
parasitaster, adulator: glichsenere Gl
4:217,6;
SummHeinr
2:174,394;
man siht die glîchsenaͤre / den gewaltigen komen ze maͤre, / die
valsch sind unde lügelich, / und wellent dâmit lieben sich / und von den gewaltigen
lob empfân Ammenh
16379
MWB 2 345,9; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenærin
stF.
‘Heuchlerin’
glîchsener unde glîchsenerin, dich bekennet der almehtige got vil wol, in
swelher glîchsenheit dû dich erzeigest PrBerth
1:62,4
MWB 2 345,35; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenen
swV.
1 intr. ‘heucheln’ , subst. Inf. 2 tr. ‘erheucheln, vorgeben’
1
intr. ‘heucheln’, subst. Inf.:
so streipht man denn andren liuten ir guot ab mit gilen und mit glichsnen und
mit mengerhant listen PrEngelb
205,146;
sanctus Paulus [...] nennet die
houptsünde sus: [...], / gelîchesen,
zouber [La. glihsenen, zavberen
] , trügeheit
RvEBarl
4035
2
tr. ‘erheucheln, vorgeben’
si gelîchsente grôz ungehabe / [...]
gelîch einem wîbe, / diu ze solhen nœten gât [d.h. gebären
wird]
Tr
1920
MWB 2 345,39; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenerîe
stF.
nur glis(s)-, vgl. aber fnhd. gleichsnerei neben
gleisnerei (FWB 6,2352f.).
‘Heuchelei’
alsô schînet ouch ir [
Pharîsei
]
wêrlîchen den lûten von bûzin gerecht, abir von binnen sît ir vol glîsenerîe und
ungerechtikeit EvBeh
Mt 23,28;
hoffart, scharffekeit, vppige ere, ruͤmonge, vngehorsamkeit,
widerstellonge, versteynonge, glissenerie vnd klapperie Pilgerf
Bildbeischrift vor 7339. vor 7990.
8035.
Bildunterschr. nach 9107
MWB 2 345,48; Bearbeiter: Bohnert
Gelîchsenhart
stM.
fiktiver Personenname, ‘Heuchler’
Schindengast und Lügenhart / und sîn bruoder Trügenhart, / Smeichart, Swerolt,
Glîchsenhart, / [...] pflegent des hofes naht und tac
Renner
9073
MWB 2 345,57; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenheit
stF.
‘Heuchelei, Verstellung’
also schinent ir avch von vzzen den menschen gerehte, aber
inwendik sit ir vol glichsenheit vnd bosheit [
pleni estis hypocrisi
et iniquitate
Mt 23,28
]
EvAug
58,5;
vor kündiclîcher glîhsenheit / sol man sich sêre hüeten RvZw
141,6
u.ö.;
techanîe, bistuom und abbatîe / kan nu erwerben gîtikeit / mit schôn gemâlter
glîchsenheit Renner
806
u.ö.;
er [Gott] tuet dike einez als in einer
geleihsenheit [gleichsam unter dem Vorgeben] als ob er
dich von im werfen und treiben wolle: do ker dich nit an. gelaub mir, ez ist sein
meinung, daz du im dester zertlicher und güetlicher tuest AdelhLangm
93,32;
Spec
120,7;
RvEBarl
8087(La.);
PrBerth
1:61,36ff.;
PrSchw(St)
5,72;
Schachzb
74,28.
83,98.
–
die cristenlichen gelichsenheit [das vorgebliche
Christentum] , / die er [Kaiser Julian der
Apostat] vor des an im truc, / mit aller craft er von im sluc
PassI/II
356,65.
– personif.:
sô füert die fünften schar bereit / Misstriu unde Glîchsenheit, / Unmâze,
Trunkenheit dâ bî Helbl
7,538.
7,569.
7,700;
ketzerîe, rüemen, tratzen, [...], / stolzieren und
bœsiu glîchsenheit, / [...]: / diz ist der hôchferte
ingesinde Renner
294
MWB 2 345,61; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenisse
stF.
‘Heuchelei, Verstellung’
daz ist wârheit, swenne ich daz offenbâre, daz ich in mînem herzen hân, und
spriche daz [...] sunder glîchsenisse und sunder bedahtheit
Eckh
2:167,1;
er [der ketzer
] gêt durch kein guot her
[in die Kirche] , niur durch gelîchsenüsse
PrBerth
2:50,14
MWB 2 346,21; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenlich
Adj.
‘heuchlerisch’
hütet ivch von dem schribern [...].
di da frezzent di hüser der witiben. in glichsenlicher valscheit in langem
gepete [
qui devorant domos viduarum simulantes longam
orationem
Lc 20,47
]
EvAug
194,12
MWB 2 346,27; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenunge
stF.
1
‘Einbildung, bloße Vorstellung’
2
‘Schmeichelei, Streben nach Begünstigung’
1
‘Einbildung, bloße Vorstellung’
[Christus hat die menschliche Natur nicht nur geistig, sondern auch
sinnlich-körperlich angenommen; eine andere Auffassung] enwere
nihtes niht anders denne ein glichsenunge der infleischunge [
fictio
quaedam incarnationis
]
ThvASu
46,1
2
‘Schmeichelei, Streben nach Begünstigung’
adulacio, ambicio: gesilchsnunge [l.
gelichsnunge
]
GlGerm
18,66
MWB 2 346,32; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsetzel, gelîchsetzler
stM.
eine Art Zähne:
daz dreierlai zend sein: [...] der
andernlai zend sint geleichsetzel [
dentes
continui
] , als des menschen, des pferds und des affen zend,
dar umb daz si geleich nâch ainander gezinelt stênt BdN
14,3;
diu tier, die gleichsetzler [
dentes
equales
] habent [...], als diu
rinder ebd.
14,19
MWB 2 346,41; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsîn
stN.
‘das Gleich-, Ähnlichsein’
glîcheit daz enist niht ein. [...] ez
[d.h. das Eine, die Einheit] gibet mir einsîn in der
êwicheit, niht glîchsîn [
unitas dat michi unum esse, non similem
esse, s. Anm. z.St.]
Eckh
1:216,7
MWB 2 346,48; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsîtic
Adj.
‘gleichseitig, gleichlange Seiten habend’
der aryel [Opferherd auf dem Altar des
Jerusalemer Tempels] hatte czwelf elin in dy lenge und czwelf elin
in dy breyte. ja was er viereckecht und glichsytig [
quadrangulatum
aequis lateribus
]
Cranc
Ez 43,16
MWB 2 346,53; Bearbeiter: Bohnert
gelîchteilunge
stF.
‘gleichmäßige Verteilung’
[Ritter werden auf zwei Turnierparteien verteilt:] dô wart
gelîchteilunge schîn, / wan si begerten harte / daz ietweder parte / zweitûsent
ritter an sich züge KvWTurn
280
MWB 2 346,59; Bearbeiter: Bohnert
gelîchunge
stF.
1
‘das Gleichsein oder -werden’ , nicht immer deutlich zu unterscheiden 2
‘Verhältnismäßigkeit’ , Übers. von lat.
proportio 3
‘Vergleichung’
4
‘seelisches Abbild eines Dinges’
1
‘das Gleichsein oder -werden’, nicht immer deutlich zu
unterscheiden:
daz si [die Seele] im
[Gott] wirt also gelich, / daz deu selbe gelichunge /
hier wirt ain ainung MvHeilGr
1403;
daz kumet von temperunge / vierleige vuchtenunge. / daz ir glichunge
[Ausgleichung] were / hat got
[...] geschicket arzedie und rat Secret
1493;
die sel ist aller sach ein geleichung KvMSel
195;
PrGeorg
143,12;
Eckh
5:259,8.
–
~ des tages unde der naht
‘Tag- und Nachtgleiche’, Übers. von lat.
aequinoctium:
do seind zwai equinoctia, ‘geleichung des tages und der nacht’
Sphera
71,31.32.35
2
‘Verhältnismäßigkeit’, Übers. von lat.
proportio:
aber daz ewig leben ist ein fürtreffendes ende der glichung
der menschelichen naturen [
finis excedens proportionem naturae
humanae
]
ThvASu
196,34;
ebd.
278,2
(Pl.)
3
‘Vergleichung’
wan in der zcênden regulen [der X. Kanontafel] ir
îclîches eigene spruche [das Sondergut jedes
Evangelisten] alleine sin bescriben, sô mac bî dem kein glîchunge
[
comparatio
] sîn daz alleine ist
[d.h. es können keine Vergleichs-, Parallelstellen angegeben
werden]
EvBeh
4
4
‘seelisches Abbild eines Dinges’
sy [Seele] ist da zü genaturt, das sy
enphaͤcht aller sach gleichung in irr verstantnüsse KvMSel
196;
der sêl kraft, die dâ haizt fantastica oder imaginaria, daz ist
als vil gesprochen sam deu pilderinne, dar umb daz si aller bekantleicher ding pild
und geleichung in sich samnet BdN
4,26
MWB 2 347,1; Bearbeiter: Bohnert
gelîchverwic
Adj.
‘(gleichfarbig:) gleichmäßig gefärbt, einfarbig’
des paumes zäher ist scheinig und weizlot und ist leiht und
gleichvirbich [
gutta [...] aequaliter
colorata
]
BdN
358,5
MWB 2 347,31; Bearbeiter: Bohnert
gelîchwirdicheit
stF.
‘Gleichwürdigkeit’,
in verdienunge / daz verdienen der ~
‘Verdienst, das dem Lohn äquivalent ist’ als Übers. des lat.
Terminus der Rechtfertigungslehre meritum condigni (dafür auch
gelîche wirdikeit der verdientheit [ ThvASu
340,21]):
dar umbe so vellet die zuonemunge der gnaden under die
verdienunge der glichwirdikeit ThvASu
342,14.
342,5
MWB 2 347,35; Bearbeiter: Bohnert
gelîchzeichen
stN.
‘Beispiel, Gleichnis’
du hast uns gegeben in ein gleichzeichen der welt [
posuisti
nos in similitudinem gentibus
Ps 43,15
]
PsMb
30(Glossar)
MWB 2 347,43; Bearbeiter: Bohnert
gelide
stN.
‘Gliederbau, Körper’
ich enweiz wer ein maget wære, / diu schœnste die ich ie gesach. /
[...] ir gelide was hêrlich Flore(S)
3561;
das beste guͦt / das
sy [Natur] fúrmocht [...], /
das tett sy [...] / an ir
[Marias] gelide und an ir lip WernhMl
905
MWB 2 347,47; Bearbeiter: Bohnert
gelidemâʒe
stF.
‘Beschaffenheit der Glieder, des Körpers, Wuchs’
er was ain vil schoͤn man, / von rechter glidmauß ganntz; / sein lib
het niendert kain schrantz FrSchw
2469
MWB 2 347,53; Bearbeiter: Bohnert
gelidemæʒe
stN. Pl.
auch -er.
‘Gliedmaßen, Glieder’
sente Paulus sprichit: diz houbit und dise gelidimese sint ein lichame
Parad
22,1;
der [
man
] was lam unde gebrechlich an
allen sinen geledemezin Köditz
90,26;
daz der mensch gesunt lîp und ganze gledemêzer [erg.
habe
]
Eckh(S)
21,17
MWB 2 347,57; Bearbeiter: Bohnert
gelider
stN.
chlider Teichn
322,96.
‘Gesamtheit der Glieder, Gliederbau, Körper’
ein jêric lam, [...] daz sunder meil /
wêr [...], / nicht blint nicht krum an dem gelider
JvFrst
193;
ab im wart rinnen der sweiz / von allem sîme gelider ebd.
3703.
3848.
8019;
des valle wir vîrstunt gar dar nider / mit des lîchnams allem
gelider [
toto corpore
] , / nâch der
lenge gelîche gestrackt / und di bein von uns gerackt [...]
/ und êren sô daz vrône krûze ebd.
7328.
– umschreibend:
ûf richte er sich wider / und brûchte sîner knî gelider
JvFrst
3428
MWB 2 347,63; Bearbeiter: Bohnert
gelidere
stN.
Koll. zu lëder.
‘(gewöhnlich aus Leder gefertigter) Überzug des Sattels’
daz dâ [am Sattel] solt sîn daz gelidere, / daz was
ein pfeller guoter slaht Flore(S)
2802;
das gelider was ein pfeller dicke, / von golde dar uff gestricke
TristMönch
389
MWB 2 348,10; Bearbeiter: Bohnert
gelidet
Adj.
wol gelidet
‘mit guten, starken Gliedern versehen, von kräftigem Körperbau’
Antenor der was harte lanc, / smal vnde doch niht kranc, /
wol gelidet, wol gestalt Herb
3223;
[Achilles hat] grozze lide feste, / [er
ist] vzzer mazze wol gelidet ebd.
2985.
3086;
alsam ein löuwe ist er gebrust / und als ein hiune wol
gelidet KvWTroj
29563
MWB 2 348,16; Bearbeiter: Bohnert |