gemietunge
stF.
Bed. unklar ‘Vermietung, Pachtung’ oder ‘gemietete
Wohnung’
conducto [l. conductio
] : gimietunge
Gl
1:754,31
(BStK558)
MWB 2 430,60; Bearbeiter: Helmich
geminne
Adj.
‘liebenswürdig, vertraut, lieb’
daz geminne gotes kint PassI/II
118,12;
friunden, fremden, kunden / was si zallen stunden / mit herzen und mit sinne /
gevellec und geminne WvRh
1602.
13288;
Marjodô [...] was Tristande dô /
gevriunt unde geminne Tr
13467;
Helbl
7,910;
FvSonnenburg
54,3.
– mit explizierendem Nebensatz:
sît des was Brangæne unde Îsolt / von herzen und von sinne /
sô getriuwe und sô geminne, / daz nie niht under in beiden / ir dinges wart
gescheiden Tr
12944.
– subst.: ‘Vertraute, Geliebte’
die gemuͦten, die geminnen, ich pruͤfe niht ir varwe JTit
4039,1
MWB 2 430,63; Bearbeiter: Helmich
geminne
stF.
‘Vertrauen, Zutrauen’
do er [Constantinus] des wart
inne, / er gewann zü got geminne Märt
28180
MWB 2 431,12; Bearbeiter: Helmich
geminnesam
Adj.
‘von Liebe geleitet, liebevoll’
lernet dise tugende [...] daz fünfte miltikeit, daz
sehste geminnesam sîn PrBerth
2:237,13;
Loadicze bedutet / ›unsen herren geminnesam‹
[...] wen dar lute waren inne / die getruweliche minne
/ zu irme gote trugen [vgl. Col. 2,1 ff.]
HeslApk
6371
MWB 2 431,15; Bearbeiter: Helmich
geminnic
Adj.
‘von Liebe erfüllt, freundlich’
swenne wir sin vleisch ezzen / und trinken sin wares blut, /
also geminnigen mut HeslApk
3086;
swedir sie krank sin oder stark / oder sie gut sin oder ark,
/ geminnic oder wolfvrezic [bissig wie ein Wolf]
ebd.
21927.
2011.
8288
MWB 2 431,21; Bearbeiter: Helmich
geminniclîche
Adv.
‘von Liebe erfüllt, freundlich’
der wol gezogene Tristan / saz unde spilte vür sich an / sô
schône und sô höfschlîche, / daz in gemeinlîche [La.
geminnecliche
] / die vremeden aber an sâhen
Tr
2274
MWB 2 431,27; Bearbeiter: Helmich
gemirre
stN.
→
gemerre
MWB 2 431,32;
gemischede
stN.
‘Gemisch’
confusionis: gimiscido Gl
1:670,62
(BStK637);
ob man ladanum mischt mit dem kraut, daz dâ haizt mastix. ob
man daz gemischt legt inwendig und auzwendig an daz zandflaisch und an die zend, sô
werdent die zend gevestent BdN
89,33
MWB 2 431,33; Bearbeiter: Helmich
gemischunge
stF.
‘(Ver-)Mischung’
confusionis: gimiscunga Gl
1:670,62
(BStK681)
MWB 2 431,39; Bearbeiter: Helmich
gemiure
stN.
Koll. zu
mûre
.
1
‘Mauer, Mauerwerk’
2
‘(steinernes) Gebäude, Gemäuer’
1
‘Mauer, Mauerwerk’
der rat ist uͤber ein komen [...] das niemer
enhain u̍berschutz ze Zu̍rich gemacht sol werden noch gebuwen gegen
strazen noch gassen, von holze noch von gemu̍re StRZürich(B)
141,28;
[Salomo] umbe murte werliche / mit núwen muren al die
stat. / er gebot [...] das alte gemúre brechin nidir / und
abir darnah muren widir RvEWchr
32095;
[der Weingarten] was umbzogen mit gemúr KvHelmsd
1809;
UrkCorp (WMU)
1995,14
2
‘(steinernes) Gebäude, Gemäuer’
daz in dem gemiure [in der Burg] /
nieman triute genesen Iw
7810.
– nicht eindeutig von 1 zu trennen:
[er] stat [...] vor einer alten
zergangnen stat. die graben sint vervallen und daz gemúre riset gar sere, denne daz
noch hin und her die hohen spitze dez alten gezimbers hoh uf
gagent [aufragen]
Seuse
217,7;
Er
252;
GTroj
20593.
– Sprichwort (?):
swer dem gelucke sô trût, / daz er grôziu gemiwer bût /
ûf mollen unde weichen grunt, / dem ist diu lêre unkunt
[...]
Ottok
80325.
– bildl.:
sih an daz schoͤn lebend gemúre der himelschen
Jerusalem, wie dú durlúhten steine der stat vorhin beschniten und gewúrket sint
Seuse
367,22.
440,18;
der tôt ir leben dô brâht heim in sîn gemiure Loheng
5977
MWB 2 431,41; Bearbeiter: Helmich
gemme
F.
→
gimme
stswF.
MWB 2 432,1;
gemose
stN.
Koll. zu
mos
, auch gemuse, gemüse, gemuͦze,
gemöse.
‘Moor, Sumpfland’ (s.a.
gemuore
):
so die sunne etswa in ein rotes gemúsche schinet vnde sich der
rote toͮm [Dunst] erhebet in den luft
Lucid
57,9.
58,3;
daz ergat niemer wen da daz gemuͦze und daz rote mer [La.
gemoͤre vnd toͤtez wazzer
] swebit
Lucid(H)
27,7;
ausserhalb der stat leyt / ain gemöß und ain gehag
HvNstAp
8912;
das landt [Parthia] het gar vestew slos /
[war fest verschlossen] von pirg und von
gemuͤss Seifrit
3586.
4403;
in Syrfen er di herfart fŭr, / gemuse, greben unde mŭr, / haid und gehag man
nicht enliez Suchenw
7,184
MWB 2 432,2; Bearbeiter: Helmich
gemsche
swF.
→
gamʒ
stswF.
MWB 2 432,15;
gemüeje
stN.
‘Mühe, Kummer’
die geizze noch die kuͤge / tuͦnt mir kein gemuͤge; /
enten, huͤnre, gense / tuͤnt mir kein gedense
[Bedrängnis]
KgvOdenw
13,72
MWB 2 432,16; Bearbeiter: Helmich
gemüejede
stF.
‘etw., das Leid, Kummer verursacht’
ích hábe gisúndôt in nîde, in úrbûnste, in hâzze
[...], in uîantscéften, in áller sláhte gimuogide, unde
tarehafti, in áller wíderwârti mînes nâhisten BambGlB
144,18
MWB 2 432,20; Bearbeiter: Helmich
gemüese
stN.
Koll. zu
muos
.
‘Speise, Brei’
dem czem [Hs.
chindel
] vil pas ein ringe speis / von gemues in solher
weis: / ain huͦn und ain begozzebrot [mit heißem Fett
beträufeltes Brot]
Teichn
533,46;
dat ander gerichte sal sijn eyn gemuͦse mit guͦden visschen
UrkKölnZunft
1:57,5
(a. 1344)
MWB 2 432,25; Bearbeiter: Helmich
gemüese (?)
Subst.
übers. afrz. faisceau
‘Bündel’ (s.a.
getrüese
):
an des paradises konnigrich [...] uch
[dem Pförtner] gehoret zu zu besehen waz ieclicher
drage da, / ee er kome bij die porte nahe. / allerhande getruesse, / groß und cleine
burden und gemuesse / vor uch muß man nider legen, / uff dun und uß den
felden [Falten] legen Pilgerf
1123
MWB 2 432,31; Bearbeiter: Helmich
gemüet
Part.-Adj.
→
müejen
swV.
MWB 2 432,39;
1gemüete, gemuote
stN.
auch gemochte, Kollektivbildung zu
muot
(vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,329, Splett AWB, 1,2:641),
zunehmender Gebrauch im Mhd. (vgl.
gemuot, gemüet1
Adj.).
Gesamtheit der Gedanken und Empfindungen, je nach Kontext auch speziell
‘Sinn, Verstand, Gedanke, Gefühl, Geist, Stimmung’
1 Sg. 1.1 Denken und Empfindungen eines Einzelnen 1.1.1 allg. 1.1.2 Gemütszustand und Gemütslage in bildhaften Wendungen 1.1.2.1 als Subj. 1.1.2.2 als Obj. 1.1.2.3 mit Präp. 1.1.3 spez.: ‘Absicht, Willen, Verlangen nach etw./ jmdm.’
(oft mit refl. Verb) 1.1.3.1 als Subj. 1.1.3.2 als Obj. 1.2 Denken und Empfindungen mehrerer Personen 2 Pl. 2.1 Denken und Empfindungen eines Einzelnen
1
Sg.
1.1
Denken und Empfindungen eines Einzelnen
1.1.1
allg.:
swer was an gemüete starc und dâ bî kranc an lîbe Loheng
4427;
deme guten wellere / was sin gemuͦte svere
GrRud
Hb 38;
so kumt die lihtekeit
[Leichtfertigkeit] mines gemuͤtes und
verwiset mir mine unstetekeit Mechth
7: 6,8;
wîbes güete / gît mir fröiden rîch gemüete
KLD:UvL
31: 3,6;
sol mîn fröidesiech gemüete / und mîn sendez herze
erwendet sîn, / daz tuo mir ein wîp mit güete KLD:GvN
29: 1,3.
–
dîn rîterlîch gemüete / und dînen
vlæteclîchen [schönen] lîp, / den möht ein
sældehaftez wîp / immer gerne minnen Wh
342,14;
sîn geistlîch gemüete, / sîn reiniu manlîch
güete, / sîn gebærde und sîn leben / kund im der liute vriuntschaft
geben RvEBarl
13707;
dis tier hat ein edel gemuͤte
Mechth
4: 18,40;
fleüschlich pegierde naigent die sele zue den
verwärttenlichen wol gelüssten des viechlichen gemuetes
HvHürnh
7,2.
–
hertzgung ist ein willige geneigung des gemuͤtes zvͦ
lustlichen dingen RvBib
91,24;
ir herze und ouch ir sin und ir gemüete ie
valscher tât entseite SM:JvR
1: 12,6;
animus: gemuet VocOpt
2011;
daz enpfinden des gemüetes daz misset sîn
underwîlen Eckh
5: 224,10;
unser gemüete in allen unsern werken ebd.
5: 247,8;
EvAug
125,13;
EvWM
217
1.1.2
Gemütszustand und Gemütslage in bildhaften Wendungen
1.1.2.1
als Subj.:
er begreif sô grôzen haz, / daz sîn gemüete in
zorne bran RvEBarl
8419.
11953;
ir gemiete enzindet daz hertze min WolfdD
61,4;
es liebet snel und stürzet snel die güte, /
getruw es ist, unstet doch sin [des im Sternbild des
Zwillings Geborenen] gemüte, / snel lischt sins zornes
glüte, / wie heiß der grim enphenget si Mügeln
304,10;
von ir güete stîget mîn gemüete
KLD:UvL
39: 2,6;
mîn gemüete swebet hô SM:KvL
15: 2,1;
so mag dan mîn gemüete / nit stille stên
SM:Had
36: 2,5;
von dem gebrechen ir gemûte beswêret wurde
StatDtOrd
98,17.
–
daz ledige gemüete
[Ungebundenheit der Seele] vermac
alliu dinc Eckh
5: 190,7
1.1.2.2
als Obj.:
daz ist geist der guote, der zuntet unser gemuote
AvaLJ
212,2;
er mag als ofte und alse vil / sîn gemüete
zegiezen / mit einzelen vliezen Tr
19451;
ir gewizzen und ir güete / hœhent daz gemüete
Wig
10467;
daz si liebe guote mitten in mîn herze möhte
sehen, / dar inne mîn gemüete spehen, / wes ich mit gedanken gen ir
hulden spil KLD:UvL
14: 4,7.
–
nu wichit uwers gemotis. [lasst ab
von Eurem Zorn] / vnde gebit die stangin diesim
man Roth
1685.
– in Verbindung von Verben mit Präp.:
schœnez lieb gar minneklich, / sliuz ûf dîn
gemüete SM:UvB
1: 3,2;
diu süezze güete mang gemüete / so suoz
durgât SM:Had
53: 2,2
1.1.2.3
mit Präp.:
sô sende den heiligen geist / mir in mîn gemüete
RvEBarl
8559;
[Gott] zespreitet di hochvirtigen in dem
gemüet sins herzen [
mente cordis sui
Lc. 1,51
]
EvAug
125,13;
nu denchet dar an vnd nemet ez in eur
gemuͤte Konr
23,105;
minne den herren dinen got vz alle dinem herzen.
vnd vz alle dinre sel. vnd vz alle dinen chreften. vnd vz alle dinem
gemüet EvAug
159,14;
der sîniu werk tæte ûz einem glîchen gemüete
Eckh
5: 210,14;
dise juncvrowe was [...] gotechtic von
gemute HvFritzlHl
155,16;
PrOberalt
30,26;
Herb
8345
1.1.3
spez.: ‘Absicht, Willen, Verlangen nach etw./ jmdm.’
(oft mit refl. Verb)
1.1.3.1
als Subj.:
wa hin sin gemute sich lenket
Physiogn
121;
Constantinis gemode / sich uerwandelode
Roth
3013;
œheim, dîn gemüete / hât sich ze gar verkêret
Wh
157,10
1.1.3.2
als Obj.:
er mohte sin gemuote / zuo ime niht cheren
AvaLJ
55,4;
swer an rehte güete / wendet sîn gemüete, / dem
volget sælde und êre Iw
2;
ô muoz ich dienstlîchez varen / unt rîterlîch
gemüete / iwer wîplîchen güete / ze dienste immer kêren
Parz
431,9;
Tannh
2,51
1.2
Denken und Empfindungen mehrerer Personen:
zwei verliebte seind ja nur ein gemuͤht und eine seele EvBeh
Mt 22,37
2
Pl.
2.1
Denken und Empfindungen eines Einzelnen:
alle zerströute sinne des menschen und gemüete diu
werdent hier inne [
in dem sacramente
]
gesament und geeiniget Eckh
5: 265,7
MWB 2 432,40; Bearbeiter: Helmich
2gemüete, gemuote
stN.
Etymol. problematisch (vgl. Splett, AWB 1,2:641, Etymol.Wb.d.Ahd. 4,329), als
Subst. zu Adj. ahd. gimuoti (s.u.
gemuot, gemüet2
Adj., vgl. W. Braune, Gemüt, in:
PBB 43 (1917), S. 356-359).
‘Einigkeit, Versöhnung’
– überw. in rhfrk. Rechtstexten in Verbindung mit gëben
‘eine Befreiung bewilligen, Zustimmung geben’
swenne men denselben burgen oder ethelicheme vnder in gemvte git,
swederthalben ez si, so sulent si, so daz gemute gat, sich an dieselbe stat
entworten ane manen UrkEls
2,16
(a. 1278);
unser herrn meister und rat schöffel und amman sint übereinkommen uf den eit,
das man keim uszburger kein gemüte geben solle, er sol sin burgrecht leisten also
reht ist UrkStraßb
4(2):171,13
(a. 1322).
–
so soll er rümen in ahttagen one alles gemüte und ziel DRW
4,203
(HagenauStatB.; a. 1346)
MWB 2 434,1; Bearbeiter: Helmich
gemüetic
Adj.
vgl.
gemuot3
Adj.,
muote
stF.
‘unerschrocken, voller Mut’
das selbe land beschlossen waz / da Melopar gemüttig sasz /
allen werden rittern. / ich waiss daz man nie bittern / argen ungetrüwen man /
dorfte by den tagen an / werlichen beschowen GTroj
11328
MWB 2 434,18; Bearbeiter: Helmich
gemüeticheit
stF.
vgl.
gemüetic
Adj.
‘Unbekümmertheit’
es si an zuͦ vil klaffende oder an zu vil trinckende
oder an zuͦ vil essende oder an zuͦ vil gemuͤtekeit oder an
zuͦ vil bekúmbernisse Tauler
128,10
MWB 2 434,24; Bearbeiter: Helmich
gemüeticlîche, gemuoticlîche
Adv.
vgl.
gemuot, gemüet2
Adj.
‘einfühlsam, innig’
in enr entsunkenheit luht im in von got also: froͤwent
úch wol gemuͦteklich, ellú lidendú gelassnú menschen Seuse
93,9;
drie neis viere jungling des himelschen ingesindes
[...] viengen an mit im ze singen
[...] und sungen so wol gemuͤtklich, daz es als
suͤsseklich erschal ebd.
112,3.
21,12
MWB 2 434,29; Bearbeiter: Helmich
gemüetlich
Adj., Adv.
vgl.
gemuot, gemüet2
Adj.
‘einvernehmlich, gefestigt’
ez wart dâ von in beiden [Iwein und
Gawein] / ein vil gemüetlich scheiden, / und sazten sich ze ruowe
hie Iw
7248.
–
dâ was weder man noch wîp / alsô gemüetlîch gemuot, / ez müeste durch die
vrowen guot / und durch den herren weinen RvEGer
4815.
–
‘mit innerer Bereitschaft’
wesenliche andaht das ist ein gemuͤtlich anhangen
gottes mit einem bereiten gemuͤte Tauler
84,15.
303,26;
ein ‘gemuͤtliches hangen’, vnd wirt daz gesachet von einem
wundrunne RvBib
53,19.
100,20
MWB 2 434,37; Bearbeiter: Helmich
gemüffe
stN.
‘Spottlust, aufmüpfiges Verhalten’ (s.a.
mupfen
):
ir etelîcher möhte sîn gemüffe gerner lâzen, / dem sîn gämelîche zimt als
einem, der wil toben Neidh
WL 11:3,3
MWB 2 434,49; Bearbeiter: Helmich |