Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gêmuoticheit - genâdenhûs    


gêmuoticheit stF. gâchmuotecheit

MWB 2 436,39;

gemuotsam Adj. vgl. 1,2gemuot, gemüet Adj. ‘zugewandt, ergeben’ der sun ist dem vater gemutsam / wander jme ist gehorsam / vnde er allis des vater willen / gerne wil irvullin Glaub 239

MWB 2 436,40; Bearbeiter: Helmich

gemürde stN. ‘mörderisches Kampfgemenge’ sô wil der selbe küng den tiufel ûz der helle twingen. / dâ hebt sich ein gemürde von KLD:  Schulm 3:2,3

MWB 2 436,44; Bearbeiter: Helmich

gemuse stN. gemose

MWB 2 436,48;

gemutzet Part.-Adj. gesmutzet

MWB 2 436,49;

gemʒe swF. gamʒ stswF.

MWB 2 436,50;

gemʒinc stM. zu gamʒ . ‘Gamsbock’, hier spottend für einen ungestümen Menschen: er ist ein gemzinc under jungen wîben. / er ist ein ridewanzel, / in dem geu vortanzel Neidh SL 22:6b,3

MWB 2 436,51; Bearbeiter: Helmich

gên Präp. gegen

MWB 2 436,55;

gên Wurzelverb. gân

MWB 2 436,56;

genaben swV. gnaben

MWB 2 436,57;

genâchbûre swstM. zu nâchgebûre . ‘Nachbar’ wirt er mit czeuchnusse uberwunden mit genachpuren oder mit eim gesworn, er enthaupt in StRBrünn 357

MWB 2 436,58; Bearbeiter: Helmich

genâchbûret Part.-Adj. ‘benachbart’ und der von Lutringe Gîselbreht, / an den man beide manheit unde ellen speht, / swie in waere manic heiden genâchbûret Loheng 5236

MWB 2 436,62; Bearbeiter: Helmich

genâdære stM. ‘Gnade Erweisender’ herre hailant, Christ, hailære aller diete, erlosare dirre werlt, du bist ain baremherzer gnadare und minnare alles manchunnes, du hast gnuoch dike vertragen meine schulde unze her SeckauBrev 171

MWB 2 437,1; Bearbeiter: Diehl

genâde stF. auch swF. (z.B. zu der ewigen gnaden unde zu dem ewigen libe VatGeb 70 und als Personifikation, s.u. 5 , M. UrkHeilbr s.u. 2.5 ); oft in mehrgliedrigen Ausdrücken wie ~ unde rëht (s.u. 2.6 ). 1 Gnade Gottes
1.1 Gottes Gnadenfülle, seine den Menschen erwiesene Milde, Güte und Barmherzigkeit
1.2 die von Gott dem Gottessohn, der Gottesmutter und den Heiligen verliehene Gnade
1.3 den Verstorbenen gewährte Aufnahme in das himmlische Gottesreich (vgl. 3 )
1.4 zît der genâden als Bezeichnung des Weltalters post legem, sub gratia (zwischen Jesu Geburt und dem Jüngsten Gericht,
1.5 in der Demutsformel ‘von Gottes Gnaden’ als Legitimierung der Ausübung eines Herrscheramtes (seit dem 13. Jh. in Anlehnung an I Cor 15,10)
1.6 Gnadengaben materieller Art
2 auf das Verhältnis von Menschen untereinander bezogen
2.1 ‘freundliche Gesinnung, Wohlwollen, Milde’
2.2 Verschonung von Gewalt für Abhängige, Gegner oder Verurteilte (vgl. 2.6 ) ‘Barmherzigkeit, Milde’
2.3 von Minnenden erhoffte ‘Zuneigung, Erhörung’
2.4 ‘Vertrauen zu jmdm., Neigung zu etw.’
2.5 erteiltes Vorrecht, Privileg
2.6 in mehrgliedrigen Ausdrücken (vgl. auch unter 3 ‘vride und ’ )
3 ‘Ruhe; glückliche, günstige Umstände’ (vgl. 1.3 )
4 in Gesprächssituationen
4.1 formelhaft
4.1.1 dankend i.S.v. ‘Euch sei Dank, danke’
4.1.2 bittend i.S.v. ‘bitte’
4.2 in festen Wendungen (häufig mit Verben des Sprechens), wohl angelehnt an gratias agere ‘jmdm. Dank sagen’
5 als Personifikation
6 Phras. (vgl. TPMA 5,110ff. mit zahlreichen weiteren Belegen, auch zu ~ unde rëht [vgl. 2.6 ])
   1 Gnade Gottes    1.1 Gottes Gnadenfülle, seine den Menschen erwiesene Milde, Güte und Barmherzigkeit: vater der gnaden SiebenZ 83; parmherziger got, lâ dein genâd erscheinen! BdN 294,22; nu manet in, der an deme chrûce gemartert wart, daz er sich hiute genædeclîchen durch sine genade uber unsere nôt erbarme Spec 104,25. er hêt in gotes gnâde ergeben / beidiu sêle unde leben Wig 6199; so bevelhet hivte iwern lip vnde iwer sele in die gnade des almæhtigen gotes Spec 33,17; wer solte gote missetrûwen? / er hât mir an dirre stunt da leben / nâch sînen genâden gegeben Kchr 12406; ane bete wir in [den Gott der Christen] wellen / unde leben an sinen gnaden. / die cristinheit welle wir entphahen Rol 723. – Gnadenerweis: ouch tete im got aine michele gnade Rol 7017; Parz 781,4; dâ danct er unserm herren / der gnâden, diu im was geschehen Ottok 18451; Mechth 6:37,13. – im Hinblick auf die Vergebung der Sünden: [die Sünderin] ergab sich da schuldich allir ir sundin unde suͦchte da gnâde Spec 87,18; ich armer, der in seinen sünden allzeit grôzer genâd bedarf BdN 450,8; der sele arzt, lesch ab der sünden brende / und strich genaden salben, / [...], in unsers herzen wende Mügeln 322,11. – metonym. für Gott selbst: daz bezeichenot daz, daz er [Christus] ein warez lieht was / unde diu oberesten gnade an anegenge unde an ende ze ware AvaLJ 17,6. 51,5; der du gnad ist, der hat avir bigunnin / unsirmo herzin einis brunnin; / der mag unsich alli gireinin, / ob wir di sundi luttirlichi weinin SuTheol 249. – ‘(durch Gott gegebene) Fähigkeit’ das si [...] erfullet wart des heiligen geistes, der gab ir do die genade, das si die heilige scrift vollicliche chvnde vnd chvmftigiu dinch weste Konr 9,24; daz er [...] erfuͤlt wart von dem hiligen geist der im so getan genad und chunst gab, daz er die hiligen schrift vollichlich chunde und si geistlich verstunde PrOberalt 19,32    1.2 die von Gott dem Gottessohn, der Gottesmutter und den Heiligen verliehene Gnade: ir [Marias] einborn svn, den si gebar an dirre naht ze troste vnde ze gnaden aller dirre werlte Spec 21,20; tochtir Daujdis, / wec des ewigen libis, / irretumis ende, / todis ufirstende, / dv bist di lebinde burn adre [Quell] , / uze dir der rinne floz allir gnade Litan 294; ave Maria, / du bist genaden plena MarseqS 32; BdN 246,6; nv hat in [den hl. Nikolaus] der almehtige got da ze himel vber allez sin güt geseczet, das ist diu ewige genade, die er immer an ende von der beschoude des almehtigen gotes hat Konr 21,81; Stephan der was vol gnaden vnde warheit vnde tet mænik zaichen ebd. 25,24; der gvͦte sant Johannes, [...], den sv́lt ir hǐte vnde zallen ziten wol loben vnde eren vnde sv́lt ǐch [l. iuch ] hinz sinen gnaden enpfelhen Konr 3 W1,214    1.3 den Verstorbenen gewährte Aufnahme in das himmlische Gottesreich (vgl. 3 ): ze der genade min [Gottes] [interl. zu in requiem meam ] PsM 94,11; diu genade ist daz paradise Wahrh 15; mit susgetanime lebine so garnote er [Johannes der Täufer] daz himelriche unde die gnâde Spec 82,24; in dem liehte nam in vnser herre Iesus Christus ze sinen gnaden ebd. 30,15; die sint datz himel in den genaden und in der ewigen ruͦe mit dem almachtigen got PrOberalt 103,23. êwige genade ‘ewige göttliche Gnade und Ruhe im Himmelreich, das ewige Leben’ di marterære guot, / di mit ir tode / di ewigen genade / habent erworven umbe got HimmlJer 283; Abrahams schozz, daz ist diu ewig ruwe und diu ewig genade PrOberalt 117,21; da [ an dem jungisten tage ] die rechten von den unrechten gescheiden werdent: die rechten zuͦ den ewigen genaden, die unrechten ze der ewigen helle ebd. 86,25; do uirschiet der gotis schalc. / do wart sin sele / uon engelen den heren / uile wole intfangen / [...]. / die uuͦrten in zware / in die ewigen gnade, / in die hiemelischen wunne Ägidius 1720; Rol 221. zuo (êwigen) genâden varn euphem. für ‘sterben, ins Himmelreich aufsteigen’ Johannes, du solt von disen arweiten varen hintz den ewigen genaden und hintz der wirtscheft die du mit dinen bruͤdern immer mer haben solt in dem himelriche PrOberalt 21,22; sô virschiet er unt fûr zû den êwigin gnâdin PrMd(J) 341,8. 351,28; so moͮzzen wir uaren, einweder ze den ewigen genaden oder ze den ewigen ungenaden Spec 108,4; Gen 2976    1.4 zît der genâden als Bezeichnung des Weltalters post legem, sub gratia (zwischen Jesu Geburt und dem Jüngsten Gericht, vgl. vnder der nuwen e der gnade Lucid 118,12 ): von der zit siner [Christi] geburt in dise werlt so haizzet ez diu zit der genaden PrOberalt 74,33. 13,23; sît / dô got in der gnâden zît / durch uns mensche wart genant / und uns ze trôste gesant RvEBarl 10732. 165; der vil edel margarîte / bî dir [Maria] in der gnâden zîte / funden wart, der dich so vrîte, / daz man dir vil guotes giht SM:EvS 1: 9,10; alsô tailt unser frawe die zeit der genâden und der ungenâden, wann si hât uns prâht die zeit der genâden und hât vertilgt die zeit der ungenâden BdN 68,7. – ähnl. tage der genâden: dô got in der gnâden tagen / was mensch unde got genant RvEBarl 14050. 10831    1.5 in der Demutsformel ‘von Gottes Gnaden’ als Legitimierung der Ausübung eines Herrscheramtes (seit dem 13. Jh. in Anlehnung an I Cor 15,10): wir Heinrich von gotes genaden pischof ze Eysten SpitEich 1,2; WüP 7a,2; Albrecht von gotes gnaden lantgreve zu Duringen UrkMühlh 121 (a. 1282); wier Ottacker chunich von gotes genaden czu Pehem StRBrünn 375    1.6 Gnadengaben materieller Art: di genade sint so mancvalt, / so si an den buochen stant gezalt, / von den brunnen, / die in paradyse springent: / honeges rinnet Geon, / milche rinnet Vison, / wines rinnet Tigris, / oles Eufrates VEzzo 87; alles daz unser herre dem menschen ze genaden geit, daz enschol der mensch nicht verwerffen und schol den almæchtigen got loben siner genaden PrOberalt 128,9; in dem selben lande [ Armenia ] / fisch, flaisch, wein und prot: / der wein ist weiß und rot. / da ist aller gnaden vil: / es hatt der man da was er will HvNstAp 7239    2 auf das Verhältnis von Menschen untereinander bezogen    2.1 ‘freundliche Gesinnung, Wohlwollen, Milde’ er [Jakob] bat an sine [Labans] genade / umbe sine tohter Rachele VMos 25,8; ich volge dir gerne sprach Dietherich / sv wer so genade sochit ane mich / he uindit sie ob iz got wil Roth 1382. – ‘Unterstützung, Beistand’ ich man’ iuch der genâden, und ir mir habt gesworn, / do ir mir zuo Etzeln rietet, [...], / daz ir mir woldet dienen an unser eines tôt NibB 2149,1. Mîlîus der burcgrâve / manete Rômære der genâden, / di si im gelobet hêten Kchr 7713    2.2 Verschonung von Gewalt für Abhängige, Gegner oder Verurteilte (vgl. 2.6 ) ‘Barmherzigkeit, Milde’ Raap bat si [die Kundschafter (vgl. Jos 2,1f.)] mit flize / [...] ob si mit gewalte dar widere chomen / daz si ir genade gefingen [ihr gegenüber Gnade (misericordia) walten ließen; vgl. Jos 2,12f.] VMos 63,20; di heiden sich do irgaben / in des keiseres genade [Verfügungsgewalt] . / do toufte si der biscof Rol 350; daz er an min gnade sich / ergap WhvÖst 9545; ir sult durch iuwer triuwe an mir [Kriemhild] genâde begân. / lât mir nâch mînem leide daz kleine liep geschehen, / daz ich sîn schœne houbet [Siegfrieds] noch eines müeze sehen NibB 1067,4; uberwinde ich uch dann, so hört kein gnade darzu, ich slag uch zuhant das heubt abe! Lanc 626,27; sie [die aufständischen Bürger] sulen kuͦmen gande wullin inde barevuͦz [...] jnde sulen gnaide da suͦchin des erchibischouis UrkCorp (WMU) 42A,30. ûf ~ ‘(im Vertrauen) auf Barmherzigkeit, Wohlwollen’ (die ins Ermessen eines anderen gestellt sind): von dem erbe sol man alrêrste gelten dem gesinde ir verdientez lôn, als in gebürt, unz an den tac daz ir herre starp, [...]. swer ûf genâde gedienet hât, der muoz den erben genâden manen SpdtL 100,4; DvASchr 344,15; ich bin ûf gnâde her komen. / herre, ich hân von iu vernomen / die milte und die vrümekheit Iw 4537. âne ~ ‘unbarmherzig, ohne Nachsicht’ wer sich aber da widersetzet, also daz er niht backen wil, der sol die stat am nehesten tage darnach rumen ein gantzez iar 10 mile von der stat an gnade mit wibe und mit kinden WüP 89,47. 37,4; der falsch müncz haisset machen [...] jst er aber ein gemainer man, so sol man in verprennen an gnad StatTrient 124; achten, wie ir minneklicher lîb / ân genâde mich verderbet sô! SM:JvW 4: 4,2. das er synen fynt haßse on gnad und on allerhande barmherczikeit Lanc 62,15    2.3 von Minnenden erhoffte ‘Zuneigung, Erhörung’ mîn sanc wil genâde suochen / an dich, güetlîch wîp MF:Wolfr 6: 3,1; saeleclîch ez mir ergie, / dô diu schoene mich in ir genâde vie MF:Reinm 32: 5,4; si ist so guot, / tuot sî genâde an mir, so wirt mîn trûren kranc SM:WvT 1: 3,4; SM:Ro 3:3,8; ich bin gebunden / in ir ginâde: wil si, sô wirde ich irlôst SM:Had 25: 3,6; lieze sie mich gnâde vinden, / seht, sô fröite mîn gemüete, / daz mir wurde ir rôter kus KLD:GvN 37: 3,4; diu milte maget Ade: / diu hete sîn genâde [Zuneigung zu ihm] / gevangen dô siun êrst sach UvZLanz 2174; swaz mînes rehtes an iu sî, / dâ sult ir mich lâzen bî: / dar zuo mîn dienst genâden gert Parz 87,3    2.4 ‘Vertrauen zu jmdm., Neigung zu etw.’ dô hate he grôze gnâde zu disen erzeten [...] unde bat si hulfe HvFritzlHl 206,38. 224,12; do begert si von irem lieben herren und boten sant Johansen, zuͦ dem si sunder gnad hate, daz er ir biht horte Seuse 102,8; sy hat och sunderlich gnad ze andaͤchtigen suͤssen gebetten Stagel 46,20; EbnerMarg 19,16. 22,17; wer nicht genaden hat / von ainem menschen guts czesagen, / der sol auch des posen dagen Teichn 619,78; die herze, die da vol sint boser genaden vnd gedanken PrLpz(L) 56,35    2.5 erteiltes Vorrecht, Privileg: vnde verzihen vns aller der gnaden [ renunciamus [...] litteris seu indulgentiis ] , die wir haben UrkCorp (WMU) 145B,25; dis genade vnd disen brief gaben wir ze Nuͦrnberch ebd. 3127,8; swer wider disen unsern genaden tuͦt oder hernach tæt, der schol daz wizzen, daz der unreht tuͦt UrkHeilbr 44,6 (a. 1322); daz wir [...] dem goczhaus [...] die gnad haben getan [...], daz si den walt [...] reutten sullen UrkEnns 5,414 (a. 1325); wier gewen in auch di genad, daz auf allem dem guet [...] di lantrichter chain recht [...] haben schullen StRBrünn 385; daz wir [...] den muͤnsaͤrn ze Regenspurch von besundern genaden erchant haben und auch erchennen alle di recht und gewonhait, di si [...] gehabt habent StRRegensb 122. nâch ~ ‘nach Ermessen’ swer dise sætze [...] vber vert, der sol daz nah vnsern genaden bezzern vnd wandeln UrkCorp (WMU) 614A,28; so git er dem munzmeister fiunf schillinge nah gnaden ze galtnusse StRAugsb 21,20. 25,3; entrinnet im daz mensche, so mvͦz er ienem bezzeren, dez daz mensche waz, nach gnaden SchwSp 152a; wan wer da frevelt, der sol daz bessern nah unsern oder unsers amptmans gnaden UrkFriedb 117 (a. 1332). – selten bereits ‘Ablaß’ so suln sie wissen, dc wir in tvͦnt alle die gnade, die men tet hiebevor an der grozer mervert [dem Kreuzzug] UrkCorp (WMU) 93,27    2.6 in mehrgliedrigen Ausdrücken (vgl. auch unter 3 ‘vride und ~ ’): vmme den grabin, den sy habin gehabit von gnadin vnde gabe der furstin UrkBresl 133 (a. 1334); fürste von Berne, ich suoches dînen rât, / helfe unde genâde: mîn dinc mir angestlîchen stât NibB 1899,4; es ist ein gesaczt recht in des konig Artus lant, ob ein frauw oder jungfrauwe sucht hilff und gnad an einen ritter, das er ir gnad und hilff thu Lanc 577,34; daz dû ez lâzest, herr mîn, / in genâden und in hulden sîn EnikWchr 15328; dz wir, noch nieman von unsrer stat [...] unser hulde und genade versagen, wan umbe totslag und bluͦtrunse UrkBern 5,304 (a. 1322); UrkNAltaich 1,457 (a. 1310); ovch hat vns vnser herre, der herzoge, in sin genad vnd in sinen schérm also genomen UrkCorp (WMU) 174,11; UrkEnns 5,128 (a. 1314); das di chorhern und der stift in des richs gnaden, friedt und schirme sin sollen StRMosb 545; hierher oder zu 3. (?) ze schirme vnd ze gnaden [ ad defensionem et conmodum ] beidv́ v́ns vnd vroͤmden UrkCorp (WMU) 26A,19; wa ich iu beuilhe mine muntadele ziweren triwon vnde zeiueren gnaden Trauformel 48; Gen 1478; Sîvrit, lât iu bevolhen sîn / ûf triuwe und ûf genâde den lieben bruoder mîn NibB 374,2. – in Verbindung, aber auch Absetzung bzw. Gegensatz zu rëht (s.a. 2.2 ; vgl. zum Hintergrund auch H. Kuhn, minne oder reht, in: ders., Dichtung und Welt im Mittelalter, Stuttgart 1969, S. 105-112 und H. Hattenhauer, "Minne und Recht" als Ordnungsprinzipien des mittelalterlichen Rechts, in: ZRG Germ.Abt. 80 [1963], S. 325-344): diu genade temperet nu daz reht, / ze sune ist worden der chneht Vateruns 47; gnâde ist bezzer danne reht Iw 172; bî rehte got genâden phligt, / vür daz reht genâde wigt RvEBarl 4191; für reht ich genâden ger KLD:BvH 17: 5,3; PrLpz(L) 34,23; lihet aber der herre von gnaden vnde nvͥt von rehte in allen daz lehen, so svln si die gewer mit ein ander han SchwSp 189b; das sol er alles enpfan von gnaden und nit von rehte Mechth 4: 9,7    3 ‘Ruhe; glückliche, günstige Umstände’ (vgl. 1.3 ): sô man oder wîb al die wochen gemûe sînen lîp, / daz si an deme sunnentaga gnâde unt reste haben Gen 231. 2839; sage dîner frowe, maget, / daz si mit gnâden sî / und von allen sorgen frî. / ih bin ir stêtige frûnt SAlex 6575; ich suoche einen man, / unz ich den niht vunden hân, / sô muoz ich gnâde und ruowe lân Iw 5946; als got dem lande do gebot / ruͦwe und gnade RvEWchr 10062; des küneges mâge und dienestman / die vuoren ze hove alle dan / mit den lantvrouwen / die niuwen genâde [Glück] schouwen Er 9765; ob er haben wolde / fürbaz genâde und gemach Ottok 24910. – ‘Gelingen, Erfolg’ er [der Smaragd] mêrt reichtum und gibt gnâd in allem geschäft [ persuasiones in omni negotio facit ] und macht den menschen genæm in seinen worten BdN 459,22. 64,15. – in Verbindung mit vride: sei wir des enein worden durch scherm des landes und ze schaffen vride und gnade MGHConst 3:265,18 (a. 1281); ze vride vnd ze gnade [ pacem affectantes et quietem ] der stat vnd der gemeinde UrkCorp (WMU) 26A,21; ‘ich wæne, daz ich deste baz / vride unde genâde vinde / bî disem lantgesinde.’ / ’vride unde genâde’ sprach Îsôt / diu müezen dich an dînen tôt / mit wernden êren bringen!’ Tr 9545. 8889; Alexander hîz ubir al sagen / fride unde gnâde SAlex 3892. ze genâden gân (von der Sonne) ‘untergehen’ da die sunne under ir gesidel [La. czu gnaden ] solt gan SalMor 267,1; da die sunne under den gesiedel schiet [La. czu gnaden ging ] ebd. 663,4    4 in Gesprächssituationen    4.1 formelhaft    4.1.1 dankend i.S.v. ‘Euch sei Dank, danke’ hêr, iwer genâd daz ir uns tuot / iwer helfe sô grœzlîche Parz 389,22; iane mag ich [Anna] niht gewenchen, / ihen muze liden swaz du [Gott] wil. / [...] / din gnade, herre, suaz du begast! Wernh D 512; doch sult ir des gewis sîn, / ersleht iuch mîn her Iweret, / ir habent imer mîn gebet / und mînen vaterlîchen segen.’ / ‘iwer genâde’ sprach der degen UvZLanz 3920; genâde sîner dienste, die er mir enboten hât NibB 1443,1; genâde, vrouwe, dirre gebe Wig 6118. ‘kint’ sprâchen si ‘got segene dich; / ze sælden müezest dû gevarn!’ / ‘genâde, und got müez iuch bewarn!’ / sprach aber der guote Tristan Tr 2784; große gnad, sprach sie, das ir mir woltent helffen zu also großer nott also als es uch nu stett Lanc 197,16    4.1.2 bittend i.S.v. ‘bitte’ gnâde, Abraham, lâ mich / erbarmen, herre vater, dich / und sende Lâzarum alher RvEBarl 3415 vgl. auch: rieff er an yn gnad, so forcht er das die lut alle gefrieschen und hetten yn ummer fur ein zagen Lanc 32,8. – oft im Minnesang: genâde, vrouwe! ich mac dir niht gestrîten MF:Reinm 46: 2,5; MF:Mor 25:2,7; ach, genâde, ein sælig wîb, / ach, genâde, ein küniginne, / ach, genâde, ein süezze frowe mîn! / ach, genâde, ein süezzer lîb, / lieb mîns herzen, trôst der sinne, / trût, lâ mich in dînen hulden sîn! SM:KvL 14: 5,1; dô sprach der ritter wol gezogen / ‘genâde, vrowe hêre, / durch got und durch dîn êre / und durch dîn adelîche site / geêre mich des ich dich bite UvZLanz 1763    4.2 in festen Wendungen (häufig mit Verben des Sprechens), wohl angelehnt an gratias agere ‘jmdm. Dank sagen’ wir sagen got gnade unde danch, / wir loben gotes ere mit libe unde mit sele AvaJG 29,5; her nam di siben brôt und di fische, gnâde tuͦnde und brach si [ gratias agens fregit ] EvBeh Mt 15,36; dô wart im von dem gruoze wol gehœhet sîn muot. / er neig ir minneclîchen, genâde er ir bôt NibA 292,1; genad begund der ritter iehen / und sait den vrowen allen danch Suchenw 30,134. – mit Gen.d.S. oder Obj.-Satz zur Angabe des Grundes: dar nach sprichet der cor: ›deo gracias.‹ da mite sage wir gote gnade aller der gnade, die er mit vnz begangen het Lucid 103,10; des saget er ir gnâde und danc Iw 1223; Wig 137; SM:Te 8:3,4; UrkCorp (WMU) N98,11; daz si ime gnâde sagitin, daz er in geholfin hete PrMd(J) 346,25; Lanzelet dô seite / genâde sîner vriundîn, / daz siu sô dicke tæte schîn / ir wîplîche güete UvZLanz 7821    5 als Personifikation: da gnade also hatte geredt, / gedisputieret unde gestraffet, / nature hait ir geantwert Pilgerf 1699. 222 u.ö.; hoert, hoert ieman Genâden? / hoert, ob in [den Hund, der Gnade personifiziert (vgl. 171,6)] ieman hôrte! Hadam 168,1; Er 7070    6 Phras. (vgl. TPMA 5,110ff. mit zahlreichen weiteren Belegen, auch zu ~ unde rëht [vgl. 2.6 ]): bî gewalte sol genâde sîn MF:Fenis 7:1,3; wan es ist ein altgesprochen wort, / das man dike hat gehôrt: / gewalt der sülle gnâde hân Ammenh 7375 (weitere Belege dazu vgl. TPMA 4,462 s.v. ‘gewalt’); swâ genâde wonet, dâ sol man si suochen Tit 60,1; nâch gnâden und nâch minnen; / sus sol man suone gewinnen Freid 150,14; al diu werlt niht enkan / ze gnâden bringen einen man; / ern well dan selbe gerne dar Freid 135,23; kein schulde wart sô michel nie / dan hœre zuo genâden teil KvWHvK 227; KvWPart 8857; Lit.: 2RGA 12,240-247; 2HRG 2,424-430

MWB 2 437,6; Bearbeiter: Diehl

genædelich Adj., Adv. ‘gnädig, barmherzig, nachsichtig’ dirr verschmaͤcht, herr, man ich dich. / erbarm dich gnaͤdlich úber mich! KvHelmsd 4014; so suͦlin wir den burgeren van Kolne guͦd inde genetlich gerethe duͦn UrkCorp (WMU) 69A,28. 21A,29; die gnade, alse si der wille gottis selber ist, etwaz gnedelich [ gratis ] machende oder begabende ThvASu 56,16; sô müeste der inner mensche [...] sich halten nâch dem gnædelîchen wesene, von dem er gnædelîchen enthalten [gehalten] ist Eckh 3:134,16; RvBib 96,13

MWB 2 442,57; Bearbeiter: Diehl

genædelîchkeit stF. ‘Gnade, Barmherzigkeit, Güte’ (übers. lat. indulgentia): dy michil czal der gutir des husis Israhel, daz er in gegeben hat nach syner genedelichkeit und nach der menige sinir barmherzikeit Cranc Jes 63,7; in sinir liebe und in sinir genedelichkeit hat er sie irlost ebd. Jes 63,9

MWB 2 443,4; Bearbeiter: Diehl

genædelîn stN. Dimin. zu genâde. ‘geringes Maß an Gnade, kleine Gunst’ (hier spöttisch): die Mâze scheident sie [die Tugenden bei der Begegnung mit Frou Karitas ] hindan, / swenne in ein gnædelîn / tuot ein kleine fröude schîn, / sô tuont sie reht alsam sie toben LvRegSyon 2981

MWB 2 443,10; Bearbeiter: Diehl

genâdelôs Adj. auch genâdenlos ( GFrau 1793 ). ‘ohne Gnade, vollkommen (von Gott) verlassen’ do si gotes niht erkante / vnd mit dem gnadelosen man / uon gote uallen began Wernh D 2865; daz din begirlichú gegenwertikeit von mir alles úbel an lib und an sel vertribe, und die gnadlosen winkel mines herzen mit sinen sundern gnaden rilich durchgiesse Seuse 395,25. arm vnde gnaden los / vf einer dil er vz swam, / vnz er doch zv stade quam Herb 17111; dâ bî hân ich eine klage, / [...] / daz ein wîp sô lange haldet wider mich ir strît, / der ich vil gedienet hân / ûf genâdelôsen wân [ohne Hoffnung auf ihre Huld] Neidh WL 23:1,7

MWB 2 443,16; Bearbeiter: Diehl

genâdelôse stF. ‘Gnadenlosigkeit, Gottverlassenheit’ es [das Herz] brichet dú tor uf, hinder dien goͤtlich leben verborgen ist, daz sint die fúnf sinne. es beroͮbet blugkeit [Schüchternheit] und bringet baltheit, gnadlosi und gottes vroͤmdi, des inren menschen lawkeit und des ussern tragkeit Seuse 221,13

MWB 2 443,29; Bearbeiter: Diehl

genâden swV. 1 ‘jmdm. gegenüber vergebend, gnädig, wohlwollend sein’ (überw. von Gott, oft in der Bitte um Gnade für Verstorbene, meist mit Dat.d.P.)
2 ‘danken’
2.1 ‘jmdm.’
2.2 ‘für etw.’ (mit Gen.d.S.)
2.3 ‘jmdm. für etw.’
2.3.1 mit Gen.d.S.
2.3.2 mit Obj.-Satz oder präp. Erg.
2.4 subst.
   1 ‘jmdm. gegenüber vergebend, gnädig, wohlwollend sein’ (überw. von Gott, oft in der Bitte um Gnade für Verstorbene, meist mit Dat.d.P.): du abe herre genade mir [interl. zu tu autem domine miserere mei ] PsM 40,11; so dir gnade der got Abrahames PfJud 15; herre, in den himelen, gnade vns, behalt vns Spec 47,17; warer got gedriet, / din ewicheit genade mir Frl 5:1,11; do mein hausfrauwͤ frau Ofmey wart der erd bestatt, der got muͤez gnaden UrkCorp (WMU) 3281,18; daz sie dan hern Anselmes mines wirtes, deme got genade, [...] gehuͤknisse begen ebd. 319,13. Blanschefliure, der muoter dîn / und dînem vater Canêle, / den genâde got zer sêle / und geruoche in beiden samet geben / daz êweclîche lebende leben! Tr 4304. Brangæne, sæligiu maget, / nu helfet unde genâdet ir / iuwerre vrouwen unde mir! Tr 12121; daz ir helft und rât / und genâdet mir vil armen Ottok 73775. – bei der Minnewerbung ‘erhören’ gnâde, vrowe, mir, / der sunnen gan ich dir, / sô schîne mir der mâne MF:Veld 3:1,10. – selten mit Akk.d.P.: do der her kom, sie sprach: ‘ich bit, / her, du genad mich.’ GrAlex 215; er sprach: ‘her, genad mich. / Darius diener pin ich / und hon daz zaichen dein / an mir.’ ebd. 1981    2 ‘danken’    2.1 ‘jmdm.’ er gnâdôt ime duo, sîn oppher brâht er ime sâ Gen 1674; Alexander der genâdete in SAlex 4819. er gnadit in vnde neic dare Herb 1208; diu frouwe gnâte im unde neic Eracl 755. nû gnâdet im ûf sînen vuoz Iw 4780; mit manegem vuozvalle / gnâdeten si im sêre ebd. 5441; Lambegus gnadet im und knyet nyder fur yn Lanc 89,34. – selten mit Dat.d.S.: dô daz diu frouwe gesach, / si neic tiefe ze gote / und gnâdete sînem gebote / mit herzen und mit worten StrDan 1736    2.2 ‘für etw.’ (mit Gen.d.S.): des gnâdet er vlîziclîchen EnikFb 1925    2.3 ‘jmdm. für etw.’    2.3.1 mit Gen.d.S.: des gnadeten ime die livte, / beide wip vnd man Ägidius 136; des genâdet er im gnuoc / mit worten und mit muote Iw 5686; des gnâter im und bevalch sich got Wig 4430; di genâdeten alle sêre / Lanzelet der êre UvZLanz 5367; sêr genât er im des guotes / und des genædigen muotes Ottok 5773    2.3.2 mit Obj.-Satz oder präp. Erg.: got er gnâdôte daz er in sô sciere erhôrte Gen 978; zuo der gienc er sitzen / und gnâdet ir vil sêre, / daz sî sô manege êre / dem hern Îwein sînem gesellen bôt Iw 2723; umb irn mantel niuwen / genât siu minneclîche / der küniginne rîche, / diu ir die gâbe sande UvZLanz 6191; [er] gnadet ir sere das sie yn von lesterlichem tode erlößt hett Lanc 192,1. 481,30    2.4 subst.: daz gnâden wart vil manecvalt, / daz er dâ hôrte von in zwein [dem Burgherrn und seiner Frau] Iw 5100; gnade! gnadens ez ist zit HvNstGZ 7174; [er] tet daz mit einem genadene und bevelhene in ire miltekeit Seuse 37,16

MWB 2 443,36; Bearbeiter: Diehl

genâdenarm Adj. ‘gnadenfern, gottverlassen’ so ich mich selben als gnadenarm vant und ich von mime grossen gebresten nút getorste hin fúr komen zuͦ dem tisch, da liep von liebe sunder mittel gespiset wirt Seuse 428,6

MWB 2 444,29; Bearbeiter: Diehl

genâdenbære Adj. ‘gnadenbringend, gnadenvoll’ (lat. gratia plena, vgl. Salzer, Sinnbilder, S. 565ff.): die priester schone enphiengent / Mariam und giengent / ze der vil werden maget schar / und befulchen si mit trúwen dar, / umb das dú gnaden bære / da ir gespile wære WernhMl 725

MWB 2 444,34; Bearbeiter: Diehl

genâdengunst stF. ‘Gewogenheit, Wohlwollen’ dignatio: gnâdengunst, geruchunge VocAbstr 372

MWB 2 444,40; Bearbeiter: Diehl

genâdenhalben Adv. ‘auf Seiten der Gnade’ ich wil genadenhalben stan / und gelaub ich doch an ayn got Teichn 280,210

MWB 2 444,42; Bearbeiter: Diehl

genâdenhûs stN. ‘Gnadenhaus’ (übers. lat. propitiatorium in der Beschreibung der Bundeslade [ Ex 25,17-22]; vgl. LThK 2,794f.; hier bezogen auf die gesamte Bundeslade ?): iz waren di zwene cherubin, / di uf deme genadenhuse ho / stunden so wir lesen in Exodo Brun 4461. 4463

MWB 2 444,45; Bearbeiter: Diehl