gesatznissede
stF.
‘Verordnung, Bestimmung’
constitutum: gisazinussida Gl
4:48,34
(BStK1020)
MWB 2 530,17; Bearbeiter: Graën
gesatzunge
stF.
vgl.
gesetzunge
.
‘Satzung, Gesetz, Festsetzung’
er [...] sol das recht gehabt haben volkomen von
gemain rechten [...] vnd mag kain gesaczung da wider
stan [
jure communi uel statuto aliquo non
obstante
]
StatTrient
173
MWB 2 530,19; Bearbeiter: Graën
gesæʒe
swM.
‘Eingesessener, Einwohner’
[es ist festgesetzt, dass man] dekeinen man,
[...] ze Rapoltzwilr ze einem geseßem oder ze einem
pfalburger empfahen sol UrkRapp
219,22
(a. 1313);
wa dehein vsser, er sy vssburger oder gast, deheinen burger oder gesessen ze
Bern anloͮfft frevenlich vnd den schlachen wil StRBern
1:222,23
MWB 2 530,24; Bearbeiter: Graën
gesæʒe, gesëʒ
stN.
nicht klar zu unterscheiden, ob Basis stV. oder swV.;
s.a.
sæʒe
stN.,
bisëʒ
stN. 2.3.
1
‘Sitzgelegenheit’
2
‘Wohnsitz’
3
‘(Feld-)Lager, Belagerung’
4
‘Einfassung’
5
‘Situation, Lage der Dinge’
6
‘Sitzung’
7
‘Gesäß’
1
‘Sitzgelegenheit’
daz volc im do machen liez / ein geseze PassIII
657,91;
Lanc
264,35;
hin zu gesesze er sich geliez EvStPaul
3951.
4887;
HeslApk
9687;
Hiob
556.
– die Gesamtheit der Sitze:
mit tiurem pfellel vollen breit / daz gesæze was bereit ErnstD
2410;
PfzdHech
231,5;
Suchenw
25,125
2
‘Wohnsitz’
in der burch [...] havitin ir gesez inne / Chaldêi
die grimmin Anno
10,23;
rîcheit sich in ir gesæze zôch Er
1585;
dô sach man sich dî Tartren gar / mit irre menige vil rêze / irhebn ûz irme
gesêze / kegn den Sarrazînen NvJer
22123;
daz der mensch besæzze / daz himelische gesæzze [das
Paradies]
LebenChristi
46.
–
‘Gebäude, Anwesen, Besitz’
hus vnde palas / vnde swaz da gesezis was, / von blute ez
allez vol floz Herb
16217.
18129.
– näher bestimmt:
daz gesêz [der Gerichtssitz des
Pilatus] Lithostrotos / was genant JvFrst
6849;
daz gesaͤs ze Weidenholtz [...] vnd was
dar zue gehoͤrt UrkCorp (WMU)
288,24.
937,34;
das gesez von Loͧppon StRBern
2:30,33;
UrkThurgau
7,858
(a. 1330);
UrkEichst
2,254
(a. 1336);
sin geseze, da he inne wonet, daz da heizet der Romer UrkFrankf
2,158
(a. 1322)
3
‘(Feld-)Lager, Belagerung’
diu gezelt und ouch die hütten spien man an daz gras / anderthalp des Rînes,
dâ daz gesæze was NibA
1455,2;
rîchlîche herbergeten dise / ûzerhalbe des gesezzes an die
wise Wh
240,6;
die Crichen hetten manige list / zv dem gesetze erdacht
Herb
14135;
nu het der soldân des gedâht, [...]
daz er [...] belêge die / cristen in ir gesezzen, sie /
mohten sich sîn mit nihte / erwern Kreuzf
6346;
ein stat hiez Artânâ. / die besaz der künec sâ. / Crâteren
[...] hiez er des gesæzes phlegn RvEAlex
18666.
RvEWchr
25026.
30561;
[es ist vereinbart, dass die geislichen
luͥte
] die burg Usponnen bedachtlich nit
suͥllent angriffen mit brant, noch mit gesessuͥ StRBern
3:141,20;
KvWTroj
38898;
UvZLanz
7129.
6791;
Wig
10772;
Kudr
726,1
4
‘Einfassung’
[ein Mann] legete [die
Reliquien] reine / in silberin geveze: al umme daz geseze / von
holze was gemachet wol PassIII
414,56
5
‘Situation, Lage der Dinge’
do marcte daz geseze / der iunge ritter PassIII
489,68
6
‘Sitzung’
sprach er vor uns im andern gesäß, daß ihm an vorgemeldtem hofe
[...] zugehöre alle gerechtigkeit UrkRapp
111,3
(a. 1277)
7
‘Gesäß’
salbe daz gesæz vaste mit der salben Barth
153,13
MWB 2 530,31; Bearbeiter: Graën
gesâʒelîchen
Adv.
‘besonnen, gemessen’
[wenn jmdm.Unrecht geschehen ist] so solte der mensche
mit minneklicher senftmuͤtikeit guͤtlichen und gesasselichen recht
ilen wie er eime einen minneklichen dienst getete Tauler
381,16
MWB 2 531,17; Bearbeiter: Graën
geschæchet
Part.-Adj.
‘geschacht’, heraldisch die Bezeichnung für die Rasterung einer
Fläche in mehrere gleichgroße quadratische Plätze (Schachbrettmuster),
vgl.
underschackieren
und
geschâchzabelet
:
des helm, schilt, decke und wâpenroc / was geschæchet blâ unde golt
UvLFrd
277,23
MWB 2 531,22; Bearbeiter: Graën
geschâchzabelet
Part.-Adj.
‘im Schachbrettmuster’
niden was der esterich / von marmelsteine gemaht. / diu mûre
was der selben slaht. / geschâzavelt genôte, / wîz unde rôte, / wârn die steine
gevieret UvZLanz
4107;
diu mûr ist marmelsteine / geschachzabelt kleine / rôt, grüen, wîz und gel
PleierGar
2732;
HeidinII
216;
geschâchzabelt stuont daz gemiure [...] von liehtem
mermelsteine ErnstD
2026;
JTit
6226,4.
– heraldisch ‘geschacht’ (s.a.
geschæchet
):
ein geschâchzabelten arn / von rôter und von wîzer varbe /
sach man [...] wæjen von dem winde Ottok
7265
MWB 2 531,28; Bearbeiter: Graën
geschaf
stN.
auch gescheffe, geschepf, geschöpf.
1
‘Geschöpf, Schöpfung’
2
‘Werk, Tätigkeit’
3
‘Gestalt’
1
‘Geschöpf, Schöpfung’
sich huop ein niuwer jâmer sider, / dâ von ir ougen gâben
saf. / daz süeze minneclîch geschaf, / ir antlütze begozzen wart Wh
251,8;
ein gewaldiger got, der da je was / ubir alle di gesceffe di da
sint Litan
175;
der selb war got der hat geschaffen mit sinem
goͤtlichem gewalt himel und erd und alle geschepf PrOberalt
54,38.
114,2;
das geschöpf [...] / das er
[Gott] in der ersten wochen / hat beschaffen
Teichn
693,52;
Parz
319,15;
SHort
1410
2
‘Werk, Tätigkeit’
von einem appele er gesouc / dur des tubelis gescaf / daz vil bittere saf
Glaub
811;
so daden sunder wan / de zwey hundert wael gedaen / de mit Karll woulden usser
lande. / ere eickelich do hem rande / ind bereiten vaste alle ire geschaff
KarlGalie
1766.
– hierher oder ‘Auftrag’ (vgl.
geschaft
stN. 3 und
gescheffede
4):
daz chome von der fleischacker rat oder von irm geschephe DRW
4,453
(Tomaschek, Wien; a. 1340)
3
‘Gestalt’
vrouwe Alma, / din gescheffe [
statura
Ct 7,7
] glichet sich dem palma / und den wintrubeln dine
breste Brun
11804
MWB 2 531,40; Bearbeiter: Richter
geschaffen
Part.-Adj.
zu
schaffen
stV.
1
‘erschaffen’
2
‘beschaffen, gestaltet’
1
‘erschaffen’
ez ist ein ungeschaffin geist, daz ist got, und ein geschaffin geist der da
fluzit fon deme ungeschaffinen geiste, daz ist der engil und di sele Parad
65,29;
geschaffene geist versincken und versmeltzen in dem
ungeschaffenen geiste gottes [im innigsten Gebet]
Tauler
68,7;
als verre als si geschaffen und creaturen sint ebd.
278,14;
Eckh
5:13,2;
der geist der ist von gote komen
[...] und nam in gote sin gesprinc / boben alle
geschaffene dinc HeslApk
19920.
6425.
–
‘von den Umständen bestimmt’
ez was in sô geschaffen Er
6630;
waz si geschaffen [vom Schicksal bestimmt] , daz
muez’ geschehen MinneR30a
24
2
‘beschaffen, gestaltet’
wie was er geschaffen? Lanc
551,2;
Seuse
201,17;
nu han ich dir geseit, wie disu welt geschafin ist vnde wie
sie geteilet ist Lucid
39,6;
ir lîp was sô minnesam / geschaffen wol und schône
Eracl
2015;
EnikWchr
12475;
ein lützel grande was si da, / smal geschaffen anderswa
Tannh
3,46;
daz ist übel geschaffen Ottok
14958.
– mit Vergleich:
trut herzeliche vrouwe, / din hals ist geschaffen an
schouwe / alsam der turm Davidis Brun
248;
WernhMl
9608;
geschaffen als ein leitestap RvEAlex
4173;
RvEWchr
2981;
iz ist um di schrift also geschaffen, / als um ein elich
wip Brun
953
MWB 2 531,63; Bearbeiter: Graën
geschaffenheit
stF.
‘Kreatürlichkeit, Wesenhaftigkeit’
der gereht [...] ist ein gerehter
mensch, genomen nah siner geschafenheit Seuse
157,15;
da ist er [der Mensch] iez in siner
gebresthaftigen geschafenheit, da er wol bedarf ellú schedlichú mitel ze miden
ebd.
158,1.
162,28.
174,8;
also als der mensche was eweklichen in gotte got in siner
ungeschaffenheit, also sol er mit siner geschaffenheit sich al zemole wider in
tragen Tauler
262,33.
69,19
u.ö.;
allez, daz geschaffen oder geschepflich ist, daz ist niht, und disem ist verre
und vremde alliu geschaffenheit und alliu schepflichkeit Eckh
2:88,9;
sô sol dîn herze beslozzen sîn vor aller geschaffenheit und solt got nemen,
als er in im selber ist ebd.
1:275,2.
1:94,3.
1:95,1
MWB 2 532,26; Bearbeiter: Graën
geschaffenwësen
stN.
‘Geschaffen-Sein’
ouch enhæte got die werlt nie geschaffen, ob geschaffen-wesen
niht enwære geschaffen [ auch hätte Gott die Welt nie geschaffen, wenn
Geschaffen-Sein nicht mit Erschaffen eins wäre]
Eckh
5: 44,3
MWB 2 532,41; Bearbeiter: Graën
geschaft
stF.
1
‘Schöpfung, Geschöpf’
2
‘Gestalt, Beschaffenheit’
3
‘Geschlechtsorgan’ (s.a.
geschaft
stN. 4 und
gescheffede
3 )
1
‘Schöpfung, Geschöpf’
oberestiu magenchraft, / vater aller diner geschaft, / scouwe an
dine christenheit! BenGeb
2;
schepfære über alle geschaft Wh
1,3;
sus sol der welte geschaft / ougen
[zeigen] dir die gotes kraft RvEBarl
6163
u.ö.;
die gescaft [...]. die got zuͦ
sin selbes pilide gescaffen hete JPhys
23,11;
KLD:Kzl
16:9,11;
Lucid
149,10.
– ein einzelnes Geschaffenes, ‘Erfindung’
ouh gedahter [er, Salomo, dachte sich
aus] ein geschaft, / ein insigil, mit dem er twang / die
tievele RvEWchr
32436
2
‘Gestalt, Beschaffenheit’
Dauid was uil lutzeler gescaft Rol
8847;
ir [tausender Menschen] lîbes bilde
ist an geschaft / in mange wîs gesundert KvWLd
25,87;
waz wirde und hôher êre got hât geleit an reiniu wîp! / ir nam
der ist sô hêre / daz keiner crêatiure geschaft / mac wesen ir gelîch
KLD:Kzl
2: 12,4;
Flore(S)
470;
RvEWchr
32667
3
‘Geschlechtsorgan’ (s.a.
geschaft
stN. 4 und
gescheffede
3):
do sâtzte im got êine ê, daz er sich hiezze besnîdin an siner
geschaft unde die gewonheit liezze sînen âftirchomin Spec
15,31;
wirt daz wîp sô siech, daz si des dunchet, daz ir der lîp
aller sî ersworn, unde [...] geswillet ir diu geschaft. des
siechtuomes mahtû schiere helfen Barth
133,4.
133,11
MWB 2 532,46; Bearbeiter: Richter
geschaft
stN.
1
‘Geschäft, Tätigkeit, Schaffen’
2
‘(Rechts-)Geschäft, Abmachung’
3
‘Auftrag’
4
‘Geschlechtsorgan’ (s.a.
geschaft
stF. 3 und
gescheffede
3 )
1
‘Geschäft, Tätigkeit, Schaffen’
sîn [Josaphats] leben und al sîn geschaft / was
über menslîche kraft LBarl
15796
2
‘(Rechts-)Geschäft, Abmachung’
diser ordinunge vnde gischaftis sint gezuͤge vnd burgen
[...]
UrkCorp (WMU)
1235,34.
790,43.
–
‘Auflage, Bedingung’
vnd haben daz vorgenant guet auf gegeben dem erberen prelat abt Chunrad
[...] mit allen gschaft, also beschaidenleich, daz
Wernhart vnd sein erben alleu jar dienen ein halbez phunt wachses UrkCorp
864,19
3
‘Auftrag’
tuostû daz geschaft mîn, / ich wil dir holt mit triuwen sîn
EnikWchr
A II,1043;
ez sol auch nieman richten uber dhein widem
[Schenkung] an unser geschaͤfft
UrkSalzb
4,380
(a. 1328);
swer auch die sind, er sei arm oder reich, der wider unser geschæft
[...] icht unbillichen redente StRVilsh
89
4
‘Geschlechtsorgan’ (s.a.
geschaft
stF. 3 und
gescheffede
3):
sô dem manne sîn geschaft wê tuo, daz der zagel heizet, sô der
vaste geswillet, sô nim phepher unde ingeber [...] unde
bint daz umbe die geswulst Barth
138,22
MWB 2 533,7; Bearbeiter: Richter
geschaftlîche
Adv.
‘schicksalhaft’
fatale: cascaftliho Gl
2:282,50
(BStK665)
MWB 2 533,29; Bearbeiter: Richter
geschal
stMN.
‘lautes Rufen, Lärm’
si sont sich ziehen von allem geschalle und sont losen irs herren stimme
PrGeorg
73,17;
dô Moyses alsô sêre / die götlîchen êre / bat und die juden
alle / mit gebet und mit geschalle, / des erhôrt er ir aller bet
EnikWchr
8376;
sy heden mit swerten soulch geschall / alda innen gemachet KarlGalie
1415.
13452;
MorantGalie
2940;
ReinFu
S2,980.
– unklar, vgl. ze schalle wërden
‘ins Gerede kommen’ (ausführlich zur Stelle
K. Stackmann: Mhd. geschal in der Teichner-Rede 576. ZfdA 141 (2012), S.
472-477):
wen der ber wirt ain geschal / daz er ain mensch hat
verderbt Teichn
576,174
MWB 2 533,31; Bearbeiter: Richter
geschamic
Adj.
‘beschämend, Schande bringend’
pudenda: schamiges [La. geschemiges
]
gelide VocClos
Pu13
MWB 2 533,44; Bearbeiter: Richter
gescharen
swV.
→
schërnen
MWB 2 533,47;
geschaz
stM.
‘Abgabe, Steuer’
von der sazunge di da gischach schuoschen
[zwischen] bischof Heinriche syme stifde vnde dir
stat vnde din buͦrgeren von Wormezen: gischaz oder vngelt
[Ungeld, Verbrauchssteuer] zusezene, alsi di briue
sagent di dar vber giscriben sint UrkCorp
604,38
MWB 2 533,48; Bearbeiter: Richter
gësche (?)
F.
‘klaffende Öffnung’, vgl. Anm.z.St.:
den trachen he an dem schilde trûg, / dâr dorch he selhe gescen slûg / daz ez
den voit gar vordrôt Demantin
6750;
wî dâr di gesce wart getragin / ûf den gezîredin schilt! ebd.
7962
MWB 2 533,54; Bearbeiter: Richter
geschechen (?)
V.
unklar, vielleicht ‘etw. beschädigen’
die trunkenheit [...] machet einen also kuͦn,
/ daz er allein hundert bestuͦn, / der vor ein stoch nit torst geschechen, /
der will dann alls sin leit rechen / und limet als ein wilder per TrunkenhG
7;
vgl.
der vor eyn bock nit dorfft stechen TrunkenhK
7
MWB 2 533,59; Bearbeiter: Richter
gescheffe
stN.
→
geschaf
MWB 2 534,1;
gescheffede, geschepfede, geschefte
stFN.
auch gescaffede, geschopfede, geschepfte, geschæft.
Wegen des Nebeneinanders von Affrikata (pf) und Frikativ (f)
in der Wortgruppe schaffen/schepfen nicht immer klar zu trennen von →
geschaft
stF. und stN.
1
‘Schöpfung, Erschaffung’
1.1 häufig ‘Geschöpf, Wesen’
1.2
‘Gedeihen, Sprießen’
2
‘Beschaffenheit’
2.1
‘Gestalt, Aussehen’
2.2
‘Eigenschaft’
3
‘Geschlechtsorgan’
4
‘Tätigkeit, Aufgabe’
5
‘Geschäft, Handel’
6
‘Rechtsgeschäft, rechtliche Regelung’ , häufig
‘Testament’
1
‘Schöpfung, Erschaffung’
nu du mir geseit hast uon deme schópher, nu solt du mir sagen
uon der gescóphede dez himels vnde der erde vnde uon den dingen, die got dar inne
geschaphen hat Lucid
4,14;
ubeler tyfel / nu ist dir [durch die Verlockung
zur Ursünde] uil libe an miner gescefte irgân VMos
10,5;
SuTheol
85;
scephære allere gescephede [interl. zu creator omnium
elementorum
]
PsWindb
73,Oratio
1.1
häufig ‘Geschöpf, Wesen’
ich gloͮbe an got vater almahtigin, der dir schephâr
ist himilis vnde der erde vnde aller der geschephidi Spec
1,3;
an die geschepfte [Marrien, ein
Ungeheuer] lief er dô. / ouch was ir sô ger an in / daz si von
dem slage hin / niht entweich den er tet Wig
6994;
wann ain gescheppfd erschlecht ir geleichenn
HvHürnh
21,3;
KLD:Kzl
2:11,18;
StrKD
66,90
1.2
‘Gedeihen, Sprießen’
íh gîenk ín dén núz garton: dáz íh gesâhe
[...] óbe dér uvîngarto in blûode uuâre: unte dîe
rôton épfele uuâren in gescáffede [
si floruisset vinea et
germinassent mala punica
Ct 6,10
]
Will
107,4
2
‘Beschaffenheit’
2.1
‘Gestalt, Aussehen’
sîn geschepfede und sîn wât / die gehullen wunneclîche in
ein: / si bildeten under in zwein / einen ritterlîchen man Tr
11098;
ir gescheffede was riche, / beide hie vnd da
Herb
3286;
[Odysseus sieht ein Mischwesen, oben Gott, unten
Mensch:] da enzwischen was ez ein, / als ez disen zwen, / weder
got noch man, / hete ein svnderen gescheffede an ebd.
18219;
vnser herre [...] erschinet den
guͦten in der geschopfede als er erschein in monte Synai
Lucid
139,2;
HvHürnh
46,6;
VAlex
242
2.2
‘Eigenschaft’
sin drittiu gescepfide ist. daz diu lewin daz welf totez
erwirfet JPhys
1,24;
do nechant er si zewâre / an nehainer ir gescefte, / swi
er die frowen ofte / ê gesehen habete Kchr
12058;
sîne [des Rosses] vüeze und
sîniu bein / diu behielten ouch vil wol in ein / al ir geschepfede unde ir reht
Tr
6669;
TrudHL
97,32
3
‘Geschlechtsorgan’
hât man niht geziuge [Nachweis seines
Alters] , sô sol man den knaben mit disen dingen überziugen:
[...] man sol im grîfen zwischen diu bein oberhalp
sîner geschäfte, vindet man dâ kleinez hâr, daz ist der
[...] ziuge SpdtL
104,1
4
‘Tätigkeit, Aufgabe’
von etelicher becv́mbernisse, da mit wir das herce vor
bekvmbert haben mit rede oder mit gedenken oder mit geschepfede
DvAStaff
124;
der maister vnd die brvder svlen sich alain mit dem
geschaͤft des spitals kvmeren SpitEich
35,5.
7,9;
du [Ahab, III Rg 21] trûrest umb ein
kleine geschäfte BuchdKg
54,9;
NibC
1502,2;
StatDtOrd
71,18
u.ö.;
HvHürnh
1,3.
–
‘Auftrag’
der vorgnanten taiding [...] sin wir fvͤnf
[...] von vnser beder herren wegen von irem
geschaͤfte vnd gehaizze vberain chomen UrkWittelsb
2,254
(a. 1317);
durch des geschefte und gebot Ottok
47442;
ein edel grâve dolde / von sînem geschefte [auf des Königs
Betreiben] den tôt Tund
1679;
UrkCorp (WMU)
3458,32;
hierher ?:
ob der richter den XIIer bvrgern wider ist irs gebotes vnd ir geschæftes,
daz schulen si bereden mit dem richter StRBurgh
185
5
‘Geschäft, Handel’
daz sie [die Ordensmitglieder] ouch
unerloubeten gewin unde gescheffede
[
negotiationes
] niht urboren
StatDtOrd
52,31;
den swarzen swalbenstain schol man auch in ainem leineinn
tuoch tragen, der ist den läuten guot, die geschäfts pflegent, sam kaufläut
BdN
440,20;
er mêrt reichtum und gibt gnâd in allem geschäft ebd.
459,22
6
‘Rechtsgeschäft, rechtliche Regelung’, häufig
‘Testament’
swas die welt geschäfftes mit einander hat, das sol man haißen schriben
UrkGraub
2,168
(a. 1301);
swâ ein mensch âne geschäfte stirbet,
[...] swaz diu hinder in lânt guotes
[...], daz sol man antwurten dem herren der des landes
herre ist SpdtL
109,11;
ist awer daz der nicht weib und chinder hat, der da stirbet, und vurschaidt an
gescheft seins guetes [
sine testamento et ordinatione rerum suarum
decedit
]
StRBrünn
353;
PrBerth
2:195,30;
UrkHohenz
3,79
(a. 1341);
StRAugsb
59,34.
145,14
MWB 2 534,2; Bearbeiter: Richter
gescheffic
Adj.
‘tätig, produktiv’
daz ime ze senfte und ze vromen / und ze heile möhte komen, /
dâ was si spâte unde vruo / betrehtic unde gescheffec zuo Tr
7924;
ir wizzet selbe aller beste, wie lügenheit unde trügenheit an iuwerm koufe
gescheffic ist PrBerth
1:150,11;
LvRegFr
3197;
Tauler
177,21
MWB 2 535,24; Bearbeiter: Richter
geschefnisse, geschepfnisse
stN.
(F.
Eckh
3:25,2
)
auch gescheppenisse,
gescafnisse,
geschípnísse (
Athis
Ab 2
), geschoͤpfnisse;
s.a.
gescheftnisse
.
1
‘Geschöpf, Geschaffenes, Schöpfung’
2
‘Gestalt, Beschaffenheit’
3
‘Erschaffung’
4
‘Geschäft, Angelegenheit’
1
‘Geschöpf, Geschaffenes, Schöpfung’
alle di dinc, di gescefnisse sint Glaub
220;
din sele vnsvndeklich ist vnde ein geistliche gesheifnisse vnde ist gesazt
vnde gemachit ein frowa vber alle vnsvndekliche creaturin SalHaus
31,30;
sine [Gottes] gescheppenisse Lilie
26,36;
Übervart
511,16;
HeslApk
1037
2
‘Gestalt, Beschaffenheit’
daz ros daz was wunderlîch, / irre und vil strîtich, / snel
und starc von gescafnisse SAlex
274;
die crone wart gesehen mit geistlichen oͮgen der
minnenden sele in der ewigen ewikeit und wart bekant ir geschoͤpfnisse
Mechth
7: 1,11.
3:9,49;
[das Kind im Mutterleib] enpfæhet eine ander
geschepfnisse von der sêle und eine ander varwe
[Aussehen] nâch dem lebene der sêle Eckh
3:25,2;
SalMark
75;
Parad
100,21
3
‘Erschaffung’
nû sprichet man von drîerleie geschepfnüsse. man sprichet, daz geburt sî
geschepfnüsse Eckh(Pf)
534,8
u.ö.;
bekenntnisse daz he di creature irkennit, enist nicht di sache des
geschepnisses der creature, mer sin wille, wan da fon daz he si wil, so sint si
Parad
97,23
u.ö.;
SalHaus
41,19;
HlReg
73,27
4
‘Geschäft, Angelegenheit’
swer vorne den pfluk het / und sich wider umme set / zu der
werlde geschefnisse, / der hat den himel nicht gewisse HeslApk
7687;
daz dirte buch wiset uz wi om [Ludwig] sente
Elyzabeth vortruwet wart, unde di grozen trucht der hochzit unde andir erbar
geschefnisse daz sich dar undir vorlif Köditz
2,7.
31,32
MWB 2 535,31; Bearbeiter: Richter
gescheftbrief
stMN.
‘schriftliches Testament’
wer abir, daz ain man ain gescheft tet, vnd daz nicht vorbrift vurde pei seim
lebentigen leybe, so schol der furmund [...] mit den
totpezleuten [Testamentszeugen] , als vil als er ir
gepeten het zu gezevknusse seins geschefz, ain gescheft brief machchen mit der
totpezleuten sigel StRPrag
43;
ich lazze eu wizzen, daz ich noch einen chleinen geschefft brief han
UrkRegensb
529
(a. 1341)
MWB 2 535,63; Bearbeiter: Richter |