Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gesêlen - gesemene    


gesêlen swV. ‘eine Seele verleihen’ zwô geburt sint an den lûten: / in der mûter ein sich birt, / daz wûcher [Kind] dâ gesêlet wirt, / ein ander dar ûz in di welt JvFrst 2660. – Part.-Adj. ‘beseelt’ alliu fäuhten wehst wenn der môn wehst, si sei an gesêlten dingen oder an ungesêlten dingen BdN 65,31; er [der Blitz] tœd ander gesellteu dinch wenn er si trift, ez sei paum oder tier ebd. 94,4; nu sprich ich megenbergær, daz die wundermenschen [ die ze latein monstruosi haizent (486,4)] zwaierlai sint: etleich sint gesêlet und etleich niht ebd. 486,19 u.ö.

MWB 2 552,61; Bearbeiter: Diehl

gesêlgeræte stN. s.a. sêlgeræte . ‘Güterübertragung an eine Kirche gegen das Versprechen ständiger Fürbitte im Gebet’ (vgl. LexMA 7,1680): an dem guete, daz her Burchart von Gingen der ritter den herrun von Kaishain zem geselraete hat gegeben UrkWürtt 9,26 (a. 1289)

MWB 2 553,9; Bearbeiter: Diehl

gesêliget Part.-Adj. ‘beseelt’ in einer andern wis so werdent die geselichten [ animata ] ding fürbraht, unde in einer andern wis die ungeselichten [ inanimata ] ThvASu 258,8

MWB 2 553,15; Bearbeiter: Diehl

1geselle swF. ‘Gefährtin, Begleiterin’ er [Adam] wolt die sculde wellen ûf sîne gesellen [Eva] , / er wânt sô inbrâste der sculde râche Gen 394

MWB 2 553,19; Bearbeiter: Diehl

geselle swM. auch gesille ( Brun A 4,25 ). 1 meist unter Gleichberechtigten (oft in der Anrede), ‘Gefährte, Begleiter’ (auch als Teil des ritterlich/  adeligen Gefolges)
1.1 allg.
1.2 näher bestimmt durch den Kontext
1.2.1 bezogen auf Mitglieder der Tafelrunde
1.2.2 in Freundschaftsverhältnissen
1.2.3 ‘Begleiter’ auf Reisen (vgl. z.B. reisegeselle , wëcgeselle )
1.2.4 im Kampf ‘Kampfgenosse’ (vgl. z.B. kampfgeselle , schiltgeselle , wîcgeselle )
1.2.5 bezogen auf Liebespartner ‘Geliebter’ (vgl. z.B. minnegeselle , slâfgeselle , trûtgeselle swF., swM. )
1.2.6 in Rechtszusammenhängen
1.2.6.1 in einem Gremium, z.B. Fürstenkollegium, städt. Rat (vgl. râtgeselle )
1.2.6.2 ‘Teilhaber’
1.2.6.3 ‘Komplize, Mittäter’
1.2.7 Tiere als Begleiter des Menschen
1.3 verhüllend für ‘Penis’
1.4 pejorativ, ironisch
1.5 bezogen auf das Miteinander von Tieren, Pflanzen etc.
1.6 bildl.
2 selten in deutlich hierarchischem Bezug ( geselle als Begriff des Handwerks setzt sich erst später durch, vgl. 2 HRG 2,282-286)
3 sprichw. (vgl. TPMA 4,413-426)
   1 meist unter Gleichberechtigten (oft in der Anrede), ‘Gefährte, Begleiter’ (auch als Teil des ritterlich/  adeligen Gefolges)    1.1 allg.: dîe síh ána zúcchent. daz sîe dîna geséllen sîn. unte sínt ábo dîna uîende Will 13,11; die triwe hat vil groze kraft / under ungesippen gesellen Rennew 13695; mvest dv dich niht avch derbarmen dines gesellen [ conservi tui ] als ich avch dins derbarmick bin EvAug 44,10; die ime gerne wâren undertân, / die wolde er doch ze gesellen hân StrDan 65; her Remus da, / der kvnic von Sytenenia. / sine gesellen waren wol gezogen, / siben grafen, vier herzogen, / manic ritter milde Herb 4007; jung und alt sin nút verdros / und hettent bi im froͤde gros. / dar umb hett es gesellen vil / nach loͮffende mit kindes spil WernhMl 4669; sus si Tristan geleitet / ze hove [...], / mit allem sînem dinge / sînen gesellen ebengelîch, / ebenziere und ebenrîch Tr 4989. únser herre wil alle únser arbait mit úns tragen und wil des rainnen mentschen geselle sin in allen sinen arbaiten PrGeorg 26,11. 61,5. 211,32; ‘wol dan, gotes gesellen [Kreuzritter] !’ / sprach von Tolus der byshof Rennew 13946; ich truwe des taufes gesellen [bezogen auf christl. Kämpfer] , / sie helfen mir daz paradys / ervehten ebd. 13746. [Gott sagt] var hin, Luzifer, in dei helle / mit allen dînen geselle PassSpW 33; [Luzifer ruft] wol her gesellen / alle aus der helle ebd. 36. darumb wil ich mit uch geselle sin an der suchung Lanc 576,32. 589,26. – in Absetzung von anderen Bindungsverhältnissen: wanu liebe gesellen, / wanu frunt unt mage? Rol 3184; Parz 680,19; UvZLanz 6313; geselle und geswistergit, dis roten fruht hat dir din frúnt und din himelscher herr gesendet Seuse 31,33; sie waren alle verzaget, / sine gesellen vnde sine geuerten Herb 12491; sîn geselle Riwalîn / âne ander ingesinde sîn Tr 657; gespilen unde gesellen ebd. 16431; im was manic ritter komen, / muotwillære [Freiwillige] und gesellen UvZLanz 2829; ich pin für ungevelle / iwer geleite und iwer geselle, / für ungelückes schûr ein dach / bin ich iu senfteclîch gemach Parz 371,6; ir wart myn gut geselle und myn meister [Lehrer] Lanc 175,15. 481,20    1.2 näher bestimmt durch den Kontext    1.2.1 bezogen auf Mitglieder der Tafelrunde: dar kâmen vünf vürsten rîch, / gesellen der tavelrunder Wig 11412; ir herren, die gesellen heißent von der tafelrunde Lanc 496,25. 543,18 u.ö.    1.2.2 in Freundschaftsverhältnissen: wir werden noch guͦte gesellen. / mit umbeslozzenen armen / si chusten ein ander Rol 2218; do klaugete Achilles / Patrocun [Hs.] sinen gesellen Herb 6075; in welher wîse der mensche mac nemen, als im gebürt, zarte spîse und hôhiu kleit und vrœlîche gesellen, als im die anehangent nâch gewonheit der natûre Eckh 5: 255,5    1.2.3 ‘Begleiter’ auf Reisen (vgl. z.B. reisegeselle , wëcgeselle ): sîme wekvertigen gesellen unde sîme wirte, dâ he gerherberget ist, unde sîme gaste [...], deme sal der man helfen SSp(W) 3:78,7; gwinet mir gesellen, / die mit mir faren wollen Herb 2221; Parz 721,9; welch man durch aventür in fremde lande stafft, / der prüfe den gesellen und geselleschaft / uf spil, uf langen wegen, in engem huse Mügeln 64,2. bistû sô tump, geselle, / daz du wænest, daz ich welle / mit dir gân in den tôt? RvEBarl 4877    1.2.4 im Kampf ‘Kampfgenosse’ (vgl. z.B. kampfgeselle , schiltgeselle , wîcgeselle ): do erhalte sich der biscof: / uf spranger inoch / zehelue sime gesellen Rol 6671; Hagen unde Gelpfrât ein ander liefen an. / des hulfen ir gesellen, daz in wart strîten kunt getân NibB 1611,4; in selben und sîne gesellen / die sîne schilde [Schilde mit seinem Wappen] truogen, / diene kunde niht genuogen, / swaz si der heiden valten Wh 406,2; Rîâl, der künic von Jeraphîn, / er und die gesellen sîn / punierten under der vînde schar Wig 11086    1.2.5 bezogen auf Liebespartner ‘Geliebter’ (vgl. z.B. minnegeselle , slâfgeselle , trûtgeselle swF., swM. ): vrowe, [...] diu zwei wort [...] / friunt und geselle, diu sint dîn, / sô sî vriundinne unde vrowe mîn [des Minners] Walth 63,30; got willekomen, herre, / mîn friunt, geselle, lieber man KLD:UvL 36: 1,2; KvWLd 15,39; Tr 14621; sus vuorte si mit minnen / ir gesellen an guot gemach, / dâ im allez guot geschach Wig 5244; si wurden gesellen, / als in diu minne geriet UvZLanz 4672. – auch bezogen auf den Ehepartner ‘Gatte, Ehefrau’ (vgl. êgeselle ): swâ man unde wîp, / habent guot unde lîp, / schœne sinne unde jugent, / [...] / werdent diu gesellen / diu kunnen unde wellen / ein ander behalten Iw 8143; ze hern Îwein sprach sî dô / ‘geselle unde herre, / ich gnâde dir vil verre / unsers werden gastes ebd. 2665. 2339; einen mantel truoc si [Japhite] zobelîn, / bedaht mit einem pfelle, / den hêt ir ir geselle [Roaz] / verre brâht über sê Wig 7433. – auf Frauen bezogen (vgl. geselle1 swF.): er wolte di sculde wellen / an Even sinen gesellen VMos 8,25; der sande dô zetal / nâch des kuniges gesellen: / sîner swester gellen [Nebenbuhlerin] , / die hiez er füern von dan Ottok 74485; er hiez einen hafen pringen / und darin pley gewinnenn / und das darin wellenn, / und hiez den gottes gesellenn [die Hl. Juliana] / in dye walle des pleyes seczenn Märt 3148; kum, fraw zart, kum, fraw, kum, [...] oder schatz von mynem hertzen / [...] lose mich von der marter! / ey truter geselle zarter, / [...] bis gein mir barmhertzig! Minneb 2618; Parz 44,16; Wig 7706    1.2.6 in Rechtszusammenhängen    1.2.6.1 in einem Gremium, z.B. Fürstenkollegium, städt. Rat (vgl. râtgeselle ): siben vürsten berieten sich mit den andern herren; si sprachen alle, si wolten in’s gewern, also daz si daz riche mit einander heten unde gesellen dar ane wæren BuchdKg(M) 190,32; mich habent flîziclich / die fursten her geladen [...] / zeinem tac, den die gesellen / durch des rîches nôt haben wellen Ottok 70908; SchwSp 63b; vnde wir [...] gin des, dat wir ratlude warin vnde eyndreichtich wordin bit vnseme obirmanne [...] duͦsir beschribenin muͦtsuͦnin [...] vnde hain vnse jngesigille [...] an dusen brief gehangin [...] jch Ernest vnde Thomas, wan wir jngesigille nit enhain, so lazin wir vns genuͦgin bit vnsir gesellin jngesigille UrkCorp (WMU) N282,13    1.2.6.2 ‘Teilhaber’ das wir haben erloͮbit Burchart dem Tvrner, Heinrich Wolleben, [...] vnd allen iren gesellen ze den silberbergen ze Sukendal [...], das si einen graben mit wasser ze den selben bergen vuͤren UrkCorp (WMU) 658,24; sucht euch einen andern gesellen / der mit euch kunne bestellen / und mit euch in die grube varn ErzIII 56,485; PrBerth 1:216,23; ein iglich vischer der marcht reht hat. gibt zu sent Merteins messe ein schilling pfenning. hat er ein gesellen der gemein mit im hat, der gibt als vil RbHohenlohe 30; StRAugsb 222,26; UrkCorp (WMU) 1169,3    1.2.6.3 ‘Komplize, Mittäter’ sprichet aber er, er si sin geselle dran [beim Diebstahl] , vnd er hieze in ez stelen SchwSp 105a; gesellen drey / chomen gegangen an ein stat / da sew phlagen missetat Teichn 321,56. 686,64; wenn daz unkrût übergât / daz guote, wenn der bœse hât / gesellen: des muoz schaden hân / beide vrouwen unde man Boner 10,37; PrNvStr 273,34    1.2.7 Tiere als Begleiter des Menschen: lewe, mîn geselle, stant an den rucken mîn: / ich wil unz an mîn ende dîn nôtgeselle sîn WolfdB 723,3; gar michel unde kreftic was / der selbe wunneclîche hunt. / [...] / sus wart er mîn geselle / und ich zehant der sîne dâ KvWPart 17878. Trieg [der allegorische Hund] ist ein valsch geselle / und kan sich doch erzeigen / als ob er helfen welle / geselliclîche und dienen gar für eigen Hadam 450,1; MinneR505 352    1.3 verhüllend für ‘Penis’ dô sich nu diu minne niht lenger mohte verheln, / do begund sich sîn geselle vil bald her für steln WolfdB 87,4; ich greif an ir hendelîn, / ouf riht sich der eilfte vinger mîn: / ich fuͤrte sie in mîn zelle, / ich sprach, iz wêre mîn geselle PassSpW 228    1.4 pejorativ, ironisch: swer vaste nu getrinken mac / die langen naht biz an den tac / und dem der lîp wirt nimmer wan, / der ist ze der werlde ein frumer man / und heizet ein guot geselle Renner 10307; daz man arm lauͤt da speiz, / schuller, phaffen, ander gesellen, / alle dw ez nemen wellen Teichn 171,5    1.5 bezogen auf das Miteinander von Tieren, Pflanzen etc.: diͤ viol muͦz sin der liljen geselle, / dat si der stolzheit wint niͤt’n velle MarlbRh 127,39; die zugochsen habent ain grôz sänftikait zuo irn gesellen BdN 159,26; nieman kan des sumers wunne volzellen. / schœn sint sîn gisellen, / vîol, rôsen, bluomen, klê, / boume bluot, loup, gras SM:Had 29: 1,8    1.6 bildl.: des rôten rîters ellen / næm den prîs zeime gesellen Parz 278,26; sîn manheit hete grôzen zorn / ze gesellen vür hôhen muot erkorn Wh 317,20; zucht, tugent, trew und wârhait sint auz der welt gevarn und habent vier swær gesellen hinter in gelâzen: unzucht, untugent, untrew und valschait BdN 319,24; die wile ein man in des gelückes spiegel sehe, / ich rate, er spehe, / wie sich darin gestelle / siner sicht geselle [sein Spiegelbild] Frl 5:89,4. – in Genitivkonstruktion: si heten sich selben uertailet, / alle di der untriwen geselle waren Rol 8997; durch dine vröude bidden ich dich: / gesel diner vröuden mache mich! MarlbRh 40,18. swer nu des hasen geselle sî [sich wie der Hase aufführt] / und ûf der wortheide / hôchsprünge und wîtweide / mit bickelworten welle sîn Tr 4638    2 selten in deutlich hierarchischem Bezug (geselle als Begriff des Handwerks setzt sich erst später durch, vgl. 2HRG 2,282-286): Remus [...] waz ain armer dienstman. / Remulus in ze gesellen nan. / er ward im under tenig genüg GTroj 24952. – meist ‘Hilfsgeistlicher, Gefährte eines Geistlichen’ vnd sint des gezv́ge [...] her Herman, her Chvͦnrat von Brugge, des tegans gesellen UrkCorp (WMU) 1180,27; vnd swer dizen briefe leze, der pharrer ald sin geselle, das der bitte min ebd. N678,22; her Henrich eyn prior zu dem male zu Keppil unde her Reynhart sin geselle UrkSiegen 92 (a. 1319); alle die pfaffen und ir gesellen, di zu demselben gotshaus gehörent, si sein wertleich [l. werltl ] oder gaistlich UrkEnns 6,240 (a. 1337)    3 sprichw. (vgl. TPMA 4,413-426): wir haben gehœret lange wol, daz man den man bî sînem gesellen dicke erkennen sol RvZw 183,2; des gesellen ger ich nicht, / der vâret, ober mich strûchen siht, / daz er mich nider drucke / und niemer ûf gezucke Freid 64,8; nû wizzet, daz gesellen drî / vor hazze niemer werdent frî ebd. 63,22; wizzet daz gesellen drî / von hazze nimmer werden frî Renner 14543; swer den man erkennen welle, / der werde sîn geselle Freid 64,4; du hâst doch vil gehoeret, / daz man von boesen gsellen dicke sieche Hadam 279,6

MWB 2 553,22; Bearbeiter: Diehl

2geselle swF. ‘Gesellschaft’ got selve namen sy [die Fliehenden] in ir geselle / ind leissen sich up die capelle, / van der capellen zo der linden neder HagenChr(G) 1863

MWB 2 556,46; Bearbeiter: Diehl

gesellelôs Adj. ‘allein, ohne Gefährten’ nû diuhte mich diu genendekeit / lobelîch unde grôz, / daz er âne wâfen blôz / und gesellelôs ze velde kam Er 2506

MWB 2 556,50; Bearbeiter: Diehl

gesellen swV. ‘jmdn. zum gesellen machen; jmdn. mit jmdm./etw. verbinden, zusammentun’ 1 tr.
1.1 ohne Erg.
1.2 mit Erg.
1.2.1 mit Dat. ‘jmdm. beigeben, verbinden. hinzufügen’
1.2.2 mit präp. Erg. zuo
2 refl. ‘sich zusammentun, verbinden (mit jmdm./etw.)’
2.1 ohne Erg.
2.2 mit Erg.
2.2.1 mit Dat.
2.2.2 mit präp. Erg. zuo
3 mit Dat.
4 Part.-Adj. ‘zusammen, in Gesellschaft’
   1 tr.    1.1 ohne Erg.: wiltu in zorne biegen / dich und niht sin gesellet, / so wiße fur war: daz vellet / min freuden gewelb gar der nider Minneb 2483; minne ez [das Wild] minnneclîcher vil gesellet Hadam 33,4; offt ein man ein weib gesellet [heiratet] / die da nieman wol gevellet Teichn 112,97; nu geselle wir deu zwai [Gradwerte] , so machent si vil nach aht und virzig grad; und benem wir die zal neunzig graden, so beleibent zwen und virzig grad KvMSph 32,3. – mit Ersparung des Obj.: gelük ist manigem rich, / manigem ist ez arm / [...] / ez gesellet vnd vellet, / ez endet vnd saumet Krone 6061    1.2 mit Erg.    1.2.1 mit Dat. ‘jmdm. beigeben, verbinden. hinzufügen’ swen dû dir gesellest, / dem biutez sô mit guote, / mit geselleclîchem muote, / daz er dîn dienest [Vasall] gerne sî Tr 5136; wir suln in iuwer gebot / beidiu lîp unde leben / eigenlîchen immer geben, / alsô sî wir iu geselt. / schaffet mit uns swaz ir welt KvHeimUrst 1373; etleich maister sprechent, daz sechs mäuslein [Muskeln] in dem menschen sein, zwai in den henden, zwai in den armen und zwai in den painen. den sechsen gesellent etleich noch vier stuck BdN 20,5; BrZw 43; daz sie den wolf gesellent / dem lamme glich unders joch HeslApk 21930. – ‘jmdn. jmdm. zur Frau geben’ [König Rudolf] darnach gesellete di tochtir sin durch sûne kunig Ottackeris sune nâch êlîchim rechte NvJer 18083; nâch Krists geburt zwelf hundert jâr / und niun und vierzic zelt, / dô wart si geselt / dem marcgrâven ze konen Ottok 1206    1.2.2 mit präp. Erg. zuo: maht du disen strît gestellen / und zeinander uns gesellen KLD:BvH 17: 5,9; daz uns diu minne gisellet / zuo dien die arbeit kellet [quält] SM:Had 17: 1,9; ich bin zuͦ úch geselt, / ich tuͦn alles das ir woͤlt FrSchw 6563; di han ich gesellet in min riche / zu minen engelen Brun 8903. – bildl.: got herre, la mich niht begraben / noch gesellen zu der erden Vät 28677. – hierher oder anzusetzen als gesellenen (vgl. Glr.z.St.): die der burde / ab in legen wellent. / si heten gern mich gesellent / zuo ir untriwen Ottok 40173    2 refl. ‘sich zusammentun, verbinden (mit jmdm./etw.)’    2.1 ohne Erg.: dô sach man sich gesellen die helde küene unde guot NibB 1803,4; dô geselleten sich die diebe / und nâmen unde stâlen Eracl 4006; wolden ouch die vil unstæten / sich gesellen, daz lobt ich KLD:UvL 23: 7,2; ungeluck und unhail / hatt sich hie gesellet HvNstAp 6639; sun, dû solt bî den werden sîn / [...] / der man ist nâch den sinnen mîn / dar nâch als er gesellet sich Winsb 23,4; ez ist ein alte lere / daz sich der man gesellet / als sin leben ist gestellet Rennew 9837    2.2 mit Erg.    2.2.1 mit Dat.: wie sich die minnende sele gesellet gotte und sinen userwelten lieben Mechth 2: 24,1; wanne er sich geselt dem satjar KvMSph 8,5. 29,17    2.2.2 mit präp. Erg. zuo: sich gesellete man wider man / zo sime gelichen Roth 1578; der kvnic von morlande / gesellete sich zv siner schare Herb 4729; die schar hânt sich gesellet / mit hazze zein ander Wh 380,6; hey sîn lîp iu wol gevellet. / ir habt iuch zim gesellet Parz 133,22; zer freude er sich gesellet ebd. 649,22; sælde hât sich zir gesellet, / sî hât kiusche, zuht und reinen muot SM:KvL 16: 3,7. sy weltte sich gesellen / zü im willenklichen an GTroj 11620    3 mit Dat.: [durch bescheidenes Wesen] chumpt er zu dem ding / daz der preis auf in gevellet, / daz im yeder man gesellet / und in gern hat fuͤr guͤt Teichn 333,44    4 Part.-Adj. ‘zusammen, in Gesellschaft’ sus giengin sie gesellit Athis C* 76; sus wâren diu zwei conterfeit, / stætiu linge und wernde leit, / gesellet an dem einen man Tr 5083; manlich man und wîplich wîp gesellet KLD:Kzl 12: 3,9; amomum ist ain paum, [...] und ist vol trauben sam ain weinreb und pringt sâmen gar dick [eng] zuo einander gesellt BdN 356,18

MWB 2 556,54; Bearbeiter: Diehl

gesellenen (?) swV. gesellen 1.2.2

MWB 2 558,5;

gesellenhûs stN. ‘Häuser für den Hofstaat’ [die Bienen] habent auch die art, daz si des êrsten dem volk hausent, und dar nâch den künigen, und ist, daz si grœzers gelükes wartent, alsô daz si swärmen wellent, sô machent si auch gesellenhäuser [contubernacula] BdN 290,22

MWB 2 558,6; Bearbeiter: Diehl

gesellenschaft stF. geselleschaft

MWB 2 558,12;

gesellenwîse (?) Adv. Ansatz fraglich (vgl. Anm.z.St.) ‘als Gesellen, Gefährten’ dû solt der ritter pflegen / unde lîhen unde geben. / dû solt haben gesellen wîs [Hs. solt sy haben gesellen weyß ] / dâ von gewinnestû hôhen prîs Wigam(B) 4319

MWB 2 558,13; Bearbeiter: Diehl

geselleschaft stF. selten gesellenschaft ( SHort ). Zusammensein von Personen (meist unter Gleichberechtigten) 1 ‘Gemeinschaft, Gesellschaft’
1.1 allg.
1.2 als Freundschaft
1.3 bezogen auf Minne und Ehe
1.4 ‘Komplizenschaft’
1.5 ‘Zusammenkunft’
2 ‘Gruppe, Gemeinschaft, Vereinigung’
2.1 allg.
2.2 näher bestimmt durch den Kontext
2.2.1 auf Reisen ‘Begleitung’
2.2.2 in Krieg und Kampf ‘Gefolge, Kriegerschar’
2.2.3 unter Tieren
2.2.4 durch rechtl. Zusammenhänge definierte Gemeinschaften (weitere Differenzierungen und Belege vgl. DRW 4,503-511)
2.2.4.1 wirtschaftliche Teilhaberschaft
2.2.4.2 gewerbliche Zusammenschlüsse wie Zünfte, Gilden u.ä.
2.2.4.3 geistliche Gemeinschaften, Kongregationen
2.2.4.4 als Bündnis, Eidgenossenschaft, Schwurgemeinschaft
2.2.4.5 städtische Kollegien
3 übertr./ bildl.
4 sprichw.
   1 ‘Gemeinschaft, Gesellschaft’    1.1 allg.: diu swert si in die scheide / mit ganzem vride stiezen; / mit triuwen si gehiezen / ein ander rehte geselleschaft Wig 7203; der junge süeze Lîfrenîs / mit aller tât, in alle wîs / er im geselleschaft erbôt HvFreibTr 95; di zwen ritter tugenthafft / schwuren da gesellschaft HvNstAp 17757; wie salic div sele ist, div daz garnet, daz si dort der heiligen engele gesellescaft besizzet Spec 140,6; kan ich [meinem werden swestersuon ] manlîch dienst tuon, / durch sippe und durch geselleschaft [als Genosse der Tafelrunde] Parz 649,15; künec unde gesinde hæten in [Tristan] / in guoter geselleschaft Tr 3489; sins wirtes zwen sún die machten im gesellschafft die nacht Lanc 632,26. 595,28; so ist er schuldig, [...] mit allen den, die in mit herberge oder mit wielicher geselleschaft inpfahint UrkCorp (WMU) 1653,13; Plinius spricht, des adelarn federn gemischt mit anderr vogel federn unwirdischent von nâtûr dar ab und frezzent si und leident ir gesellschaft niht BdN 167,12. – ‘Anteil, Beteiligung’ (vgl. 2.2.4.1 ): er ervolget sie ußen der stat und schwur gesellschafft an der suchung Lanc 589,24; [die Ratsleute] gebieten, setzen und machen, daz kein kieser keinen boͤsen heller wehseln sol oder kauffen noch daran geselleschaft oder gemeinschaft haben sol WüP 63,4. 32,4; wan der etwaz sieht, der hat geselleschaft [ consortium ] mit dem, daz er sicht ThvASu 320,31    1.2 als Freundschaft: ez was ie under in zwein / ein geselleschaft [Freundschaft] âne haz Iw 2621; daz er daz durch geselleschaft / unsers niwen herren / und dem lande zêren / geruoche wider geben Ottok 43360    1.3 bezogen auf Minne und Ehe: dô het der helt unverzaget / enpfangen durch liebe kraft / unt durch wîplîch geselleschaft / kleinœtes tûsent marke wert Parz 12,6; er leistir geselleschaft, / er kürzet ir die stunde / etswenne mit dem munde / und underwîlen mit der hant Tr 19192. mannes ~ u.ä., ‘Beischlaf’ das si von mannes geselleschaft / niht moͤhtin werden berhaft RvEWchr 4922; do twang er si mit sinir kraft / der súntlichin geselleschaft, / wan er notzogte si / und lag ir an ir willin bi ebd. 29156; min swester sin gesellenschaft / nit inder e versmahen sol SHort 6904; StatDtOrd 80,15; dâ von wirst dû swanger ân mänleich gesellschaft BdN 61,5; swanger [...] ân des mannes gesellschaft ebd. 150,25    1.4 ‘Komplizenschaft’ ob ein brûder engegen den meister oder sînen obersten geselleschaft oder bôsen rât gehabet hat [ contra [...] superiorem conspirasse ] unde darane er wirt funden StatDtOrd 83,24    1.5 ‘Zusammenkunft’ zu brûtloften unde zu rittersamnungen unde zu anderen gesellescheften unde zu cafspilen [Schauspielen] StatDtOrd 50,33; gienge der selbe uf eine geselleschaff, di der gemeine und dem rathe wolde widersetzig si, dar umme gibt he und ein ieclich sin kumpan sechs phunt DRW 4,510 (NMittThürSächs.; a. 1300)    2 ‘Gruppe, Gemeinschaft, Vereinigung’    2.1 allg.: da ist div heilige gesellischaft der himelischin burgâre Spec 77,16; von frouwen grôz geselleschaft Parz 581,6; ein groß geselschafft von mönchen Lanc 618,1; des wazzers natûre / vergaz der vliezenden kraft, / unde wart der geselleschaft [die Juden beim Zug durch das Rote Meer] / ein mûre an beiden sîten RvEBarl 2218; Jacob von Vlme vnd Juͤtlin sin elich wirtin, gesezzene juden ze Wirtzburk, [...] bekanten da vor vns mit gesampter hant [...] fuͤr sich vnd alle ir geselleschaft [Anhang] UrkWürzb 45,154 (a. 1346); daz iht angenomen werde die geselleschafte [ consortium ] der drier personen [in der Trinität] ThvASu 316,3    2.2 näher bestimmt durch den Kontext    2.2.1 auf Reisen ‘Begleitung’ do daz schif bereit wart, / do hette sich Iason zv der fart / vnde Ercules der helt gemeit / mit guter geselleschaft bereit, / so sie sie beste funden / vnde erkisen kvnden Herb 308. 18310; der wirt sprach das vierczig ritter mit im riten musten die mit im aldar komen waren, und musten im geselschafft thun Lanc 627,24. 280,31; man solde yn gebin di kost alle den wek us mit ir geselschaft MarcoPolo 2,21    2.2.2 in Krieg und Kampf ‘Gefolge, Kriegerschar’ nu was Artûs der künic hêr / [...] / mit aller der geselleschaft / und mit der grôzen heres kraft / ze Dôdône UvZLanz 9253; waz er [der Anführer] der vînde rûrte / und erreit, die mûsten nider, / niht was, daz ouch wider / mohte wesen sîner geselleschaft Kreuzf 7509; daz sie [die vom Kampf Ermüdeten] möhten ruowe hân / unz [während] ein geselleschaft gestrite, / diu ander aber ûz gerite RvEAlex 6979; her Mathis myt synre geselschaff, / die eme got zo helpen gaff, / saich men vromelichen stryden HagenChr(G) 4760; UrkEnns 6,57 (a. 1332)    2.2.3 unter Tieren: ez [das Wild] mac sich küelen in geselleschefte Hadam 223,5; tauben habent auch die art, wenn si ain irrvliegend tauben vindent, die nement si in ir gesellschaft BdN 181,6    2.2.4 durch rechtl. Zusammenhänge definierte Gemeinschaften (weitere Differenzierungen und Belege vgl. DRW 4,503-511)    2.2.4.1 wirtschaftliche Teilhaberschaft: ez sol auch nieman kein geselleschaft uzwart han WüP 25,8; van Wilhelme van Huͦntzgassen inde Hermanne deme Vieschere inde iere geselleschaf sal vͦnse here duͦen, alse de suͦne brief spricht UrkCorp (WMU) 83,17; ez schol ouͤch dhein flaschawer [Fleischhauer, Schlachter] mit dheinem rindertryber geschelleschaft haben, und schullen zu dheinez mannez chauffe gen noch reden StRRegensb 9; dat eynich unser borgere von Andernache geselschop hette mit eyme vremden koufmann DRW 4,508 (CDRhMos; a. 1346); PrBerth 1:216,26; wa fuͤr ist denn geselschaft swern? / ez ist nun ain wider tailn. / wo sich zwen ze ain ander sailn, / daß muß dick der drit bewain Teichn 579,26    2.2.4.2 gewerbliche Zusammenschlüsse wie Zünfte, Gilden u.ä.: swer an offenrre bewertir bozheît schuldic ist und îme dar umbe sin zunft genomen wirt, daz gebieten wir inen uffen ir eît, daz si in nîemer zir gîselleschefte lazen komen UrkBasel 1:316,11 (a. 1264); wir geben in [den Münzern] auch dheinen gewalt, daz sie iemant zu ir gesellschaft zu dem muͤnssampt welen und nemen, dann di es durch recht an erbet StRRegensb 122; wer ouch, daz ein man [im Bergbau] buwete mit eynre gesellschaft, is were eyn herre, eyn ritter, eyn knecht UrkSchles 20,30 (a. 1342)    2.2.4.3 geistliche Gemeinschaften, Kongregationen: Annun mine tohter, die śu zuͦ ir geselleschaft ir ordens enphangen habent UrkCorp (WMU) 2316,20; der zu dirre êrsamen brûderschefte geselleschaft wirt entphangen, dem sol man die billichen cît der probacione verlîhen StatDtOrd 51,7; BrHoh 61; man sol auch wizzen, daz sich ain bruͦderschaft und ain gesellschaft gesaemnot het zuͦ sant Jacobs capell StRAugsb 249,8    2.2.4.4 als Bündnis, Eidgenossenschaft, Schwurgemeinschaft: das wir [...] lütte und gȗt des benempten gotzhuses in unsren schirm und geselschafft unsers burgrechts hand enphangen UrkBern 2,628 (a. 1265); auch der warhæit geleich ist, daz ir geselleschaft den landen ze Bairen vnd ze Swaben an dem fride schedelich sei UrkCorp (WMU) 2829,10; die burger gemeinlich bekennen offinlich an disem brieve, daz wir mit rate, willin und guͦnste aller geselleschefte, die bi uns geseszin sint, armer und richir, den satz und daz gebot gesetzit habin WüP 9,5; allen andern stetten, irrnn aytgnossen und diͤ mit in geselleschaft haben MGHConst 8:418,12 (a. 1347)    2.2.4.5 städtische Kollegien: der dheine gabe nymet von gerichts wegen [...] der sol ußgeworfen werden von irer geselschaft [der Ratsherren] und ewiclich in derselben stett rete nyemermer kummen StRSchlettst 42    3 übertr./ bildl.: zvͦ wem dv dich mit minne twingest, in des gelichniste wirst dv zehant von der minnen geselleschaft verwandelt DvAStaff 159; jeht Rennewart al balde / als guoter schœne, als guoter kraft, / und der tumpheit geselleschaft Wh 271,24; si [die wahre Minne] git staͤtekait der tugend, ewiges leben, ewig saͤlikait, ewig vroͤde, rihtuͦm âne gebresten, minneklich geselleschaft PrGeorg 143,4; so sprichit sant Augustinus: ‘vride ist ain lutirkait der sinnen, ain senftkait des muͦtis, ain ainualtkait der minne, ain bant der minne, ain geselleschaft der liebi.’ PrGeorg(Sch) 8,32    4 sprichw.: guotiu geselleschaft bringet frumen, / von bœser siht man schaden kumen Renner 15747; ein spruch was bi den alten: / geselleschaft, die bosheit kan, / von der wirt houbetsiech ein man Frl 7:33,17

MWB 2 558,18; Bearbeiter: Diehl

geselleschaftswern stN. geselleschaft 2.2.4.1

MWB 2 561,1;

geselleslich Adj. ‘freundschaftlich, verbunden wie ‘Gesellen’ tuͦ wol, ruͤme dich des niht! / habe gesellesliche pfliht / mit den die getrúwe sin! RvEWh 3422

MWB 2 561,2; Bearbeiter: Diehl

gesellic Adj. ‘verbunden, zugetan’ si wâren aller sache / gesellic und gemeine Greg 287; den armen milde unde gutig, rittern unde rittirmezigin lutin gesellig unde hogelich Köditz 19,18; Elis 3260; sîn wîb, dî im was wordin / an der ê gesellic NvJer 8550; KvWEngelh 797; her nach so wirt der mensche [...] von minsamer [liebevoller] wandelunge mit allen menschen gemein und gesellig Tauler 176,14; hierher (Ausfall von ge- häufiger im Text, vgl. Glossar): das löblich volk ze inndia gehorsames unnd selliges [ unanimen ‘einmütig’] HvHürnh 11,7. – ‘gesellig, lebenslustig’ (?): des man in [den verlorenen Sohn] hin und her zoch / zuͦ dirr und derr geselleschaft. / wie gesellig und wie tugenhaft / er wær, so daz da wirt gesait, / so wart von im ez gar berait / swaz da was ze gebende SHort 4016

MWB 2 561,6; Bearbeiter: Diehl

gesellich Adj., Adv. adv. -lîchen. ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, freundschaftlich’ 1 Adj.
2 Adv.
   1 Adj.: ie lieber dir, ie leider mir! / din geselliche gunst / ist mir ein ungemaches brunst, / und din vientlicher zorn / ist mir zu eime troste erkorn PassIII 123,17; ane geselliche pflicht / gienc er alleine hinden na MarLegPass 22,56. – ‘gesellig, lebenslustig’ nach mime rate gevellich / sal er [der Sohn] uch sin vil gesellich Macc 9572    2 Adv.: Ortwîn der küene bî vrou Uoten reit / vil geselleclîchen [La. gesellichen ] NibB 583,2; wenne [...] der valken zwên sint [bei der Jagd] , sô vliegent si geselleich, ainer auf, der ander nider pei der erd BdN 188,13

MWB 2 561,23; Bearbeiter: Diehl

gesellicheit stF. 1 Verbundenheit, Gemeinschaft (als Bestandteil adelig-höfischen Lebens das Teilen einer Lebensweise, Handlung oder Haltung; aber auch freundschaftlich)
1.1 allg.
1.2 direkt bezogen auf das Beizusammensein mit anderen, ‘Gesellschaft’
1.3 rechtl. ‘Teilhaberschaft’
2 ‘gesellschaftsfähiges Benehmen, Höflichkeit’ (vor dem Hintergrund von 1 )
   1 Verbundenheit, Gemeinschaft (als Bestandteil adelig-höfischen Lebens das Teilen einer Lebensweise, Handlung oder Haltung; aber auch freundschaftlich)    1.1 allg.: daz er gelobte sunder / den von der tavelrunder / sîn rîterlîch gesellekeit Parz 308,29; dô weinden durch gesellekeit / mit ir manc juncfrouwe clâr ebd. 431,20; mit ganczer gar ainhellikait / und guͦter gesellekait WernhMl 6062; da rittent do die ritter nach, / der was zwai hundert nach der zal. / die hatent sich oͮch úber al / gezwaiget mit gesellechait [paarweise verbunden] RvEWh 6025    1.2 direkt bezogen auf das Beizusammensein mit anderen, ‘Gesellschaft’ daz sim êre bæren / mit rede und mit gesellekeit Tr 3391; Gyburc diu künegîn / bat al diu juncvrouwelîn, / daz si in næmen in ir gesellekeit, / und daz si im semften gar sîn leit Wh 296,17; diu künegîn in dem venster lac, / diu der gesellekeite phlac ebd. 243,18; magez mit iweren hulden sîn, / ich priche iu nu gesellekeit [lasse euch allein] Parz 402,11; er bat den wirt gesellekeit, / "lât mit mir ezzen dise magt." ebd. 550,14. 784,25; hern Adam [...] / und ain weib aus ertreich / aͮn natürleich gesellchait Teichn 464,813. die unervorhten / [...], dies marcrâven leit / sô truogen mit gesellekeit, / daz si nâmen gelîche phliht / der vlüstebæren geschiht Wh 235,10; der vürste et selbe vierde reit: / niht mêre was ir gesellekeit ebd. 246,4; der gesellikeit / und der grôzen triwe / danct im der soldan niwe Ottok 47654; friuntschaft und gesellikeit / erbôt in der soldan ebd. 47990. ~ leisten, tuon ‘Gesellschaft leisten’ Artûs bat sîner swester suon / gesellekeit dem künege tuon Parz 221,8; der von Salzpurc selbe wart / zuo der reis bereit. / dem teten gesellikeit / von Gurke bischolf Johan [...] Ottok 17398; er leiste ir wol gesellekeit; / wan er nam sich ir senede leit / vil inneclîche mit ir an Tr 1433; ich gevolg iu wol ze vuoz, / gesellekeit ich leisten muoz Wh 131,30    1.3 rechtl. ‘Teilhaberschaft’ sal der R., sine erben [...] in der stat alle burgerliche rechte haben, beyde an koufen vnd verkoufen vnd an ander gesellikeit DRW 4,503 (CDWarm; a. 1348)    2 ‘gesellschaftsfähiges Benehmen, Höflichkeit’ (vor dem Hintergrund von 1): Heimrîch durh gesellekeit / bat Rennewarten sitzen dort / ûf den teppich an der tavelen ort Wh 274,2; mir wære gesellekeit unkunt, / soldet ir mîn garzûn sîn ebd. 131,26; ir enwedriu dâ niht vergaz, / ir gesellekeite / wârns ein ander vil bereite Parz 763,3; manger in der schuzzel wandelt / und smucket daz beste in sinen munt: / dem ist gesellikeit unkunt, / der sinen genozen uberizzet Jüngl 572

MWB 2 561,36; Bearbeiter: Diehl

geselliclich Adj., Adv. adv. auch -lichen; auch gesellencliche. ‘wie unter Gefährten üblich, freundschaftlich verbunden’ nû wil ich in niht eine lân / und wil im geselleschaft / mit geselleclîcher kraft / leisten RvEBarl 14948; daz ich iu gerne leiste / gesellenclîche stæte UvZLanz 2717; do die getrúwen baide / mit geselleclichem sitten / als bi an ander rittent RvEWh 7035; SM:UvS 34:1,4; do bat in der geselle durch geselleklich trúwe Seuse 143,21; er nam geselliclîche / den herren Gâwein bî der hant Wig 685; Tr 6959; sie [Maria und Joseph] wonten sament, daz ist wâr, / geselleclîchen manec jâr, / daz dar under disiu meit / nie verlôs ir kiuschecheit WvRh 7549; wann ein ainvaltiger man / guͤt gesellen wil pey im han, / so nem nur ein schon weib / dw da hab ein tumen leib / und geselchleich [umgänglich] ist und chlug: / so gewint er gesellen genueg Teichn 432,75. – in der Minne, ~ ligen u.ä. für den Beischlaf: sôn sulet ir der künigîn / ze bette noch ze tische sîn / geselleclîch Tr 15391; sus kunden sî dô vlehten / ir munde, ir bruste, ir arme, ir blankiu bein. / [...], / geselleclîche als si lâgen MF:Wolfr 1: 3,8; geselliclicher umbevanc / mit blanken armen sunder wân tuot senede herze hôhgemuot SM:UvS 7: 2,1. – ‘gemeinsam, zusammen’ zwêne ûz erwelte man, / die sach man geselleclîchen bî den künegen gân NibB 1807,2; Parzivâl niht eine [allein] lac: / geselleclîche unz an den tac / was bî im strengiu arbeit Parz 245,2; ain iegleich visch, der des raubs lebt, der swimt gesellicleich, sam der hecht BdN 243,8

MWB 2 562,25; Bearbeiter: Diehl

geselliclîcheit stF. ‘Gemeinschaft’ bœse wort und freidikeit / ist [gilt als] schimpflich gesellikeit [La. geselliclicheit ] Renner 17090

MWB 2 562,57; Bearbeiter: Diehl

geselligen swV. tr. ‘zum Gesellen machen, vereinigen’ (mit Dat.): [er] sol niht geselliget werden [ sociari ] den die in dem chore singent BrAlt 43. 53. – mit präp. Erg.: jst daz auch ieman pfaffen [ si quis clericorum ] mit sämlicher begird gesellegt wil werden zü dem kloster BrAlt 60; daz si [die Gerechtigkeit] fureint vnd geselligot ist mit dem obrosten goͤtlichen gemvͤte vnd mit im ewig frvntschaft het RvBib 175,24. 176,7. – refl.: also süllen si [die Gäste] sich geselligen in dem fride [ socientur in pace (im Friedenskuss)] BrAlt 53; wie die minnende sele sich geselleget gotte und sinen userwelten lieben Mechth 2: Reg. 37

MWB 2 562,60; Bearbeiter: Diehl

geselligunge stF. ‘Gesamtheit, Vereinigung’ so sol er [der fremde Mönch] niht allein enpfangen werden zü der geselligung der sämenung [ congregationi sociandus ] BrAlt 61

MWB 2 563,9; Bearbeiter: Diehl

gesellinne stF. ‘Gefährtin, Begleiterin’ er vorte ouch mit minnen / ir gesellinnen, / die wichaften amazones Herb 14592; sîn gesellîn diu hæt ime benomen / beidiu zwîvel unde wân Tr 14012; SM:Wi 1:4,7; Vät 29321; ich gruͤsse dich vroͮwe, liebú Maria, / das du bist ein gesellin der heligen engelen hie und in gottes riche Mechth 7: 19,7; des landes frowe mit ir gesellin oder dv́ kvnigin oder ir tohter och mit ir gesellin UrkCorp (WMU) 287,5. – Inhaberin eines bestimmten Klosteramtes (vgl. SchweizId 7,730, nur Stagel ): sy was fil jar gesellin ze dem fenster und so sy denn erst in den crútzgang kam, so hat sy vergessen was sy gesechen ald gehoͤrt hat Stagel 61,21. 40,32. 62,8

MWB 2 563,13; Bearbeiter: Diehl

gesemede stN. ‘Versammlung, Menge, Gruppe’ (vgl. gesamene ): in mitten dirre menige / so was groz gesemede / di hizen leuite VMos 78,17; alle dî dî imme rîche wâren / unde ander manige helde / dî quâmen ze dem gesemde JJud 192. – von Geistlichen: clerum: gisemidi Gl 1:784,47 (BStK632); ebd. 1:784,47 (BStK558)

MWB 2 563,27; Bearbeiter: Diehl

gesemene stN. gesamene

MWB 2 563,34;