gesihticlich
Adj., Adv.
adv. auch -lîchen.
‘sichtbar’
he hait geschaffin di gesichticlichin und unsichticlichen dinc Parad
32,18;
daz du an dinem libe glantz / gesichticlich macht an dir haben
Minneb
547;
dô fuor er gesihticlîche / in daz himelrîche LBarl
14516;
er wart gevangen / vnde an daz cruce erhangen / vnde erstunt von todes not /
vnde sich gesichtenclichen bot / den iungeren daz han ich gesaget PassI/II
120,10;
Marner(W)
7:22,12;
TrudHL
79,6;
Seuse
295,22
MWB 2 568,30; Bearbeiter: Helmich
gesihtlich
Adj., Adv.
‘sichtbar, leibhaftig’
daz dû vil ungetrûwe zage / dich lâzest hier gesihtlîch sên! EbvErf
2305;
dô der bischof alsus lac, / in unmuote er slâfes phlac, / sîn bruoder keiser
Heinrîch / erschein im dâr gesihtlîch ebd.
2608;
súllen wir komen in ein bekentnisse der unsichtlicher dinge,
so muͤssen wir úber tretten die gesichtlichen ding Tauler
239,23.
357,28;
Seuse
427,9
MWB 2 568,40; Bearbeiter: Helmich
gesimeʒe
stN.
‘Gesims’ (vgl. LexMA 4, 1401f.):
uf der tresilkamir
[Schatzkammer]
[...] von dem
obirsten gesimse in dem ingange der nuwin phorten des husis des herren
Cranc
Jer 36,10;
die ziegel alle glûden / von arabischem golde. / darumbe stûnd ein dolde / von
posten und viôlen [Fiale] , / wintburgelîn
[Wimperg] , gargôlen
[Wasserspeier] , / gesimse darunder Erlös
443
MWB 2 568,48; Bearbeiter: Helmich
gesimeʒet
Part.-Adj.
‘mit einem vorstehenden Zierrand, Sims versehen’
da giengen in aht porten / gesimset und gestainet WhvÖst
15427;
versimzet und verspinnelt [La. gesumptzet vnd
gespinnelt
] die kanzel warn alumbe / vil schone dar uf
gezinnelt JTit
417,1;
vnd sind dy veld geuiert vnd das pret aussen vnd ynnen gespengt vnd gesimpt
tzw ainer tzir des spils Schachzb
113,23
MWB 2 568,56; Bearbeiter: Helmich
gesin
stM.
zu
sin
.
nur in älterer Überlieferung belegt, ‘Verstand, Bewusstsein,
Besinnung’
got gab im den gesin / daz er den esel zeiner chrippe treip
AvaLJ
13,2;
ih enhân gesunt noh gesin: / ih pin ein lamiu durftigîn
Kchr
2651;
si nehabent gesin noch gedanch ebd.
8181;
dû ir îgelicher daz ersach, / daz in dî juden îlten nâch, / sî lîzen gewant
unde gezelt, / [...] / sî vluhen alle âne gesin JJud
1686;
VEzzo
53;
VMos
33,3;
AHeinr
315
MWB 2 569,1; Bearbeiter: Helmich
gesinde
stN.
(stM.
MargAntiochII
88
)
auch gesint, aus ahd. gasindi.
1
‘Gefolgsleute, Begleiter, Gefährten’ (s.a.
ingesinde
stN.) 2 zu einer Haus- oder Hofgemeinschaft Gehörende (vgl. 2 HRG 2,319-325,
LexMA 4,1402f.) 2.1
‘Familie’
2.2
‘Dienerschaft, Gesinde’
1
‘Gefolgsleute, Begleiter, Gefährten’ (s.a.
ingesinde
stN.):
wer leitet nu die lieben schar? / wer wîset diz gesinde?
Tr
4797.
15599;
Irmschart und Heimrîch / dâ kômen mit grôzem gesinde: / vier
vürsten, ir zweir kinde, / siben tûsent ritter oder mêr Wh
142,25;
darnach solt ir myn [der
Königin] ritter sin und von mym gesinde Lanc
345,34;
der tiuvel unde die gîtigen unde die ketzer unde die wider den heiligen geist
dâ sündent, daz ist allez éin kumpanîe und éin gesinde PrBerth
1:245,19;
Iw
5934;
Wig
3720.
11290.
–
‘ich urteile, als ich vinde’, / sprach er zu sim gesinde
[Jünger Jesu] , / mit sant Johannes ich ez wol
beziugen wil Frl
9:21,8.
– in Verbindung mit himelisch:
[Maria] is ruom allis himiliscis gisindis
WernhvN
259;
in den alten zîten / vor aller slahte liuten / do erwelete im daz gotes
kint / in sîn himelischen gesint / ein juncfrowe guote, / sante Margarête
MargAntiochII
88.
– im Kampf oder Streit
(s.a.
vuoʒgesinde
,
reitgesinde
):
dô was ouch daz gesinde ze strîte hêrlîchen gar
NibB
196,4.
177,3;
die von ir gesinde dâ / ze velde lâgen erslagen, / die
hiezen si ze grabe tragen Tr
5612;
weliche stat die andern also manti umbe ein gesinde, die sol dem gesinde
halben kosten und schaden geben, die wil ez in irme dienste ist UrkBasel
4:55,23
(a. 1326).
– übertr.:
der tôt der suochte sêre, dâ sîn gesinde was. / der von
Bechelâren dô langer einer niht genas NibB
2224,3;
der jeger [...] gesach zehant
dar inne / daz gesinde der minne: / niwan ein wîp und einen man
Tr
17438;
galander unde nahtegal / die begunden organieren, / ir
gesinde salûieren ebd.
17356;
füeret in eht gegen dem galgen unde gegen des galgen
gesinde [
die erhangenen unde die
erslagenen
]
PrBerth
1:395,7;
KLD:UvL
13:2,2.
– Paarformel:
dû erlâst dîns nîdes niht / daz gesinde noch die geste
Iw
143;
von gesinde noch von gesten / wart geherberget / sô
wunneclîchen alse hie Tr
600.
2
zu einer Haus- oder Hofgemeinschaft Gehörende (vgl. 2HRG 2,319-325,
LexMA 4,1402f.)
2.1
‘Familie’
in der arche obene was mit sinem gesinde Noe / er und sine gemahele, sine
snur und ir winige GenM
28,17;
die dritten die dir bî den füezen sint bezeichent, daz ist dîn gesinde,
daz under dir ist: kint und hûsfrouwen PrBerth
2:129,39;
BuchdKg
25,12
2.2
‘Dienerschaft, Gesinde’
der butil der in sal abir nicht gebietin deme gesinde in irs herrin hus
UrkCorp (WMU)
1161A,35
u.ö.;
vil grôze klage man dâ vant / under dem gesinde
Wig
5236.
2727.
leigen unde alle der
gesinde [
familia
] , dî dâheime
wonent StatDtOrd
106,16.
115,14;
von dem erbe sol man alrêrste gelten dem gesinde ir
verdientez lôn SpdtL
99,22;
man sol daz gesinde behalten biz zem drizegesten, daz si sich die wile
besteten SchwSp
15b;
des vicetuͦms gesinde, die zu irme brode gen und die in irme huse
slafen, uber die sulen si richten WeistErf
23
(a. 1289);
SAlex
2896
MWB 2 569,10; Bearbeiter: Helmich
gesinde, gesint
stswM.
aus ahd. gasindo und gasint.
‘Angehöriger eines Gefolges, Diener, Begleiter’
(s.a.
ingesinde
swM.):
der tiufel durch ubermuot wesen wolte same got, / unt er in
verwiez daz er in ab deme himele stiez, / jouch sîne gesinden alle sant in die helle
Gen
266;
pharao daz zeichen gesach, ez doͮhte in ungemach, / er hiez im gewinnen
di zwene gotes gesinde GenM
138,3;
sît daz ich
[
Eckewart
] alêrste iuwer gesinde wart, / sô hân
ich iu mit triuwen gedienet NibB
1283,2.
411,1;
der wirt, der danne des badhovses phleger ist, sol chainen christen baden ze
chainer stunde, der niht ir [der Juden] gesinde ist,
burger noch gast noch ledigen man UrkCorp (WMU)
1331,13;
UvZLanz
3033;
Wernh
1566.
–
er hiez in geben wagene mit guote geladane, / dâ man ûffe
fuorte wîb unte chint jouch anderen gesint Gen
2471.
– übertr.:
der tievel [...] fuoret di
[Verdammten] mit grimme zuo anderen sinen gesinden /
in den ewigen tot AvaJG
27,4;
fröiden schîn treit ûzzerthalb der welte vor mîn lîb
[...]
[während innerlich Trauer herrscht] sô bin ich der welt
gesinde SM:Te
11: 1,7
MWB 2 570,6; Bearbeiter: Helmich
gesindelach
stN.
‘Gesindel’
do funden sie niht wen [...] vnde
arme gesindelehe, / vnfletic vnde vnwehe Herb
1577
MWB 2 570,29; Bearbeiter: Helmich
gesindelîn
stN.
Dimin. zu
gesinde
.
‘(kleine) Dienerschaft, (kleines) Gefolge’
dâ liez er [der Pfaffe Amis] nieman inne sîn / wan
sich und sîn gesindelîn StrAmis
2068
MWB 2 570,32; Bearbeiter: Helmich
gesinden
stV.
→
sinden
, sinnen
MWB 2 570,36;
1gesinden
swV.
zu
senden
swV.
‘etw./ jmdn. entsenden, zu etw./ jmdm. schicken’, meist
übertr.:
swaz man ie von minne las / und von liebe vindet, / daz hâten hie gesindet /
sî beide in ir sinne Reinfr
3882;
als er [Gott] daz mensche vindet,
/ dar nach er ez gesindet / zu himel oder zu helle Rennew
35904.
– mit zusätzl. Dat.:
swer hie dîne [Maria] gnâde vindet, /
dem wirt dort got sô gelindet, / daz er in im sâ gesindet / über sîn erweltez guot
SM:EvS
1: 6,7
MWB 2 570,37; Bearbeiter: Helmich
2gesinden
swV.
zu
gesinde
.
‘sich zu etw./ jmdm. gesellen, sich etw./ jmdm. anschließen’
dâ ich liute vinde, / ze den ich mich gesinde
Tr
2530;
roup unde brant und mange untât / mit hazze went zuo nîde sich
gesinden KLD:Kzl
16: 20,12;
als man von dem reichen vindet / der sich in dew hell
gesindet Teichn
180,56;
Martina
272,28.
– mit zusätzl. Dat.:
si giengen da behinden / sumeliche blinden / und wolden sich gesinden / den,
die ougen haten PassIII
446,86.
394,70;
RvEBarl
6618.
– mit Adv.:
ein burcman von Oukain / [...] wolde intzogin / der
irre der abgote / und des wâren gots gebote / mit dînste sich
înbindin [anschließen] / und cristinlîch gesindin
NvJer
22211
MWB 2 570,47; Bearbeiter: Helmich
gesindevater
stM.
‘Hausherr, für das Gefolge Fürsorge Tragender’
und die knehte des gesindevateres [
pater
familias
] di gîngen zuͦ [...]
ime EvBeh
Mt 13,27
MWB 2 570,61; Bearbeiter: Helmich
gesinne
Adj.
‘gesinnt, besonnen’
Îsôt diu wol gesinne, / diu gesinne küniginne
Tr
15469;
wie bin ich gesinne, daz ich von ir niht enkan / mînen muot gescheiden?
KLD:Sachs
3:2,5;
ich wart an ir nie valsches inne, / sît ich sî sô liep gewan. / mîn herze ist
ir ingesinde [La. ir gesinne
] / und wil ouch
staete an ir bestân MF:Hausen
11:2,7
MWB 2 571,1; Bearbeiter: Helmich
gesinne
N.
unklar, ob deverbal oder Koll.
‘Gedanken, Erkenntnis’ (hier: ‘kontemplative
Erleuchtung’):
nu sule wir beginnen / mit tifen gesinnen / ein rede duten jouch
besten / von dere himeliscen Jerusalem HimmlJer
2;
daz was Johannes evangelista, / der uber die gotes bruste /
vile suze linete unz er inslif; / sin gesinne [La.
gesiune
] waren tif ebd.
38
MWB 2 571,8; Bearbeiter: Helmich
gesinnen
stV.
→
sinnen
MWB 2 571,16;
gesinnet
Part.-Adj.
‘gesinnt, einen bestimmten sin habend’
ir [
elliu wîp
] hazzet,
daz iuch minnet. / wie sît ir sus gesinnet, / wie minnet ir sô harte / der dinge
widerwarte Tr
9882.
4924;
sô was Dêîdamîe / vil anders dâ gesinnet KvWTroj
29023;
der nagel enpfindet niht, wenn man in versneit, dann an der
stat, dâ er dem flaisch ist zuogesellet; daz ist dar umb, daz er der gesinten kreft
der sêl niht hât BdN
21,19
MWB 2 571,17; Bearbeiter: Helmich
gesint
→
gesinde
stswM,
gesinde
stN.
MWB 2 571,26;
gesippe
Adj.
‘verwandt’ (s.a.
sippe
Adj.)
1 bezogen auf Blutsverwandtschaft 2 übertr.
1
bezogen auf Blutsverwandtschaft:
din mvter vnde min vater also na / vnder in gesippe sint, /
sie sint beide eins mannes kint Herb
5947.
5953;
manic kint sînen vater möhte verderben, / wenne ofte gar nâhe gesippez bluot /
vergozzen wirt üm irdisch guot Renner
21251
u.ö.
– mit Dat.:
Môrolt dîn bruoder der was dir / nâher gesippe danne mir
Tr
10650;
dei loͮte urageten in [Isaak] sare wie
gesippe im daz wip wære GenM
48,9
2
übertr.:
des kuniges lant Agrippe hiez, Ladamus des richen, / der manheit so gesippe,
daz si von sinem herzen nie gewichen JTit
5315,2.
5530,2;
nît und zorn sint in [
unkiusche und
hôchfart
] gesippe / von des alten slangen rippe
Renner
4357.
14321;
krus har der hochvart ist gemeit, / auch gesipp ist im
[dem Kraushaarigen] die girickeit
Physiogn
126
MWB 2 571,27; Bearbeiter: Helmich
gesippe
swMF.
‘(Bluts-)Verwandte(r)’ (s.a.
sippe
swMF., vgl. LexMA 7,1934):
durch waz die ungemagen [Unverwandten] die gesipten
[La. gesippen
] under dringen, / an ellen,
an kraft die wagen? JTit
4135,1;
[der Antichrist] wirt in unfuͤre / mit
boͤsem uber huͤre / von zwein gesippen geborn, / an alle
duͤgent ein hage dorn HvNstGZ
5036;
o muter, mir vergib, / das ich dich zele zu gesipp
Mügeln
164,2;
Neidh
WL 35:6d,13;
Hiob
6494.
9435
MWB 2 571,44; Bearbeiter: Helmich
gesippe
stN.
‘(Bluts-)Verwandschaft’
alle die, die avch der vater nimt zi gzvgen vor dem rihter vber alle die sache
[...], die schvln des niht vberich werden weder durch
gesippe noch durch tekain sache, si gestan den dem vater der worhait
UrkCorp (WMU)
3110,15
MWB 2 571,53; Bearbeiter: Helmich
gesippede
stF.
‘(Bluts-)Verwandte’
von unkivschekeit koment drizehen sivnde. [...] dv
zwelftiv heizit vnkivschekeit began mit e livten, oder mit gesipiden, oder mit
gevetirden, oder mit goetiden, oder mit megeden, oder mit wittewen, oder mit
geislichen livten Bihteb
35;
et requirebant eum inter cognatos et notos: vnd suͦchten in vnder ir
frúnden vnder gesippiden vnd vnder den bekanten EvAlem
55(L 2,44)
MWB 2 571,59; Bearbeiter: Helmich
gesippeschaft
stF.
s.a.
sippeschaft
.
‘(Bluts-)Verwandtschaft’
an im [Christus] wart der natûre kraft / in wernde
[andauernde] wirde erhoehet und erniuwet: / geselle
und gesippeschaft / des toufes ê versigelt und vertriuwet Boppe
1:11,13
MWB 2 572,4; Bearbeiter: Helmich
gesite
Adj.
vgl.
gesitet
.
‘geartet, beschaffen’
nu bin ich sô gesitte, / hæt ich hie guot und êre, / daz næm
ich vür daz mêre SM:UvS
31: 1,9;
also ist got nicht gesitt: / er wil daz man in lob und pitt
Teichn
40,79;
man merkt kuntlich an den oͮgen wie ein hertz gesitt
ist Seuse
481,5;
WhvÖst
1854;
Mügeln
330,3.
– oft in Verbindung mit rëht, wol:
hie von sô wart si wol gesite Tr
8024;
ein mildez herze er hât, / semftmûtic, wol gesit
Kreuzf
359;
KvWEngelh
5116;
KvWTroj
16055
u.ö.;
ein wol gesitter muͤt Teichn
68,2;
ein recht gesiter man ebd.
376,33.
– subst:
diu stolze und diu wol gesite / si gieng im sitelîche mite
Tr
11085;
daz man ze Troye sende / die clâren und die wol gesiten
[
Esîonâ
]
KvWTroj
17925;
KvWPant
1576
MWB 2 572,9; Bearbeiter: Helmich
gesite
stM.
‘Brauch, Gewohnheit, Sitte’
die burgêre [von Riga] santen dar / rasche helde an
die schar; / pilgerîme vûren mit, / daz was von alder ir gesit LivlChr
11863;
diu edeln tuoch der altar / bereiten si gar älliu dar / unde zierten si dâ
mite / nâch der hôchgezîte site [La. hochgezite
gesitte
]
WvRh
1114
MWB 2 572,24; Bearbeiter: Helmich |