geslinge
stN.
‘Kriechtiere, Gewürm’ (als Übers. von lat.
reptile):
an deme tage wil ich in stiften eine sune mit deme tyre des
veldis unde mit den vogelin der luft und mit deme geslinge der erden
Cranc
Os 2,18;
du machest di lute als di vische des meres und als das
geslynge, das do nicht vursten hat ebd.
Aba 1,14.
Ez 38,20
MWB 2 576,37; Bearbeiter: Richter
geslipfere
stN.
‘schlüpfriger Weg, Sumpf’ (als Übers. von lat.
lubricum):
hirumme wirt ir weg als eyn geslippere in vinstirnisse, want
si werden getriben doran und vallen Cranc
Jer 23,12;
si habin gesenkit dich in den phul und in eyn geslippir dyne
vuze ebd.
Jer 38,22
MWB 2 576,44; Bearbeiter: Richter
gesliunen
swV.
unpers. ‘eilen’
jenez sint choufliute, / die trîbent soumære, / die tragent alsô swære, / daz
in niht wol geslûnen mac KvFuss
1573
MWB 2 576,50; Bearbeiter: Richter
gesliunigen
swV.
als Übersetzung von accelerare
‘eilen’
gemanichvaltet sint unchrefte ire. nah diu geslunigten si iz
[viele Schmerzen erleiden die, die (falschen Göttern)
nachlaufen]
PsWindb
15,4;
neige ze mir ore din, geslunige daz du errettes mih ebd.
30,3
MWB 2 576,53; Bearbeiter: Richter
gesloufe
stN.
‘Kleidung’ (zu
sliefen
stV.):
ey bit Franciscum, daz er dir / uz dem warmen gesloufe / sin sweiztropfen
verkoufe PassIII
518,11;
nu bit in koufe [bitte ihn, zu kaufen] / hoe
kleider, gut gesloufe / von richer kost, ich wil ez gelden Schampiflor
320.
269
MWB 2 576,59; Bearbeiter: Richter
gesloufic
Adj.
‘geschickt, raffiniert’
ez gêt nu in die erne / vil schœner dirne fîn. /
[...] / darzuo gêt manig geile / dar mit ir tochterlîn;
/ daz kumt iu ouch ze heile, / went ir gesloufig sîn SM:Had
22: 1,8
MWB 2 577,1; Bearbeiter: Richter
gesloʒ
stN.
‘Umschließung’
ein stein behende / gebrochen wart ane hende / uz eines berges
gesloz Daniel
775
MWB 2 577,6; Bearbeiter: Richter
gesloʒʒe
stN.
‘Gefüge (des Körpers), Körperteil’
arbaiten [...] tzwinget zesamen die
geschlos des leibes [
constringit compages
] unnd
zerlät die überflüssigen feuchte HvHürnh
31,2;
[übermäßiger Weingenuss] chrenkchet dy zamfügung vnd di
geslöss des leichnams vnd der glider [
debilitat catenas corporis et
iuncturas
]
ebd.
52,9
MWB 2 577,9; Bearbeiter: Richter
gesmac
Adj.
s.a.
wolgesmac
1
‘(wohl-)schmeckend, lecker’
2
‘duftend, wohlriechend’
3 übertr.
1
‘(wohl-)schmeckend, lecker’
ez [der Wein] ist louter vnd dünne, / gesmach vnd
ræze, / vnd sint sein wæze [Duft] / süez vnde starch
Krone
2513;
siner tugende sinnen / minnest was gemezzen / uf trinken und uf ezzen, / wie
diz und daz si gesmac PassIII
401,79;
diu langen air sint paz gesmach und pezzer ze ezzen wan die
sinweln BdN
193,30
u.ö.;
PrBerth
1:432,14.
– bildl.:
dû lebentigez, dû kreftigez, wünneclîchez, gesmachez, dû himelischez brôt
[Jesus]
DvASchr
376,28;
behaltent wir ir [der
Bekenner] lere, so werden wir dem almehtigen got suͤzz
vnd gesmach, sam das ezzen wirt von dem salcz Konr
21,49.
19,85
2
‘duftend, wohlriechend’
der [Garten] was nach
walsamen [Balsam] gesmach HvNstAp
13061
3
übertr.:
die gemvͤtte, dv̍ fleischliche sorge iagent vnd tribent,
mv̍gent nu̍t begriffen die gesmakken vnd svͤssen wisheit
[übers. non comprehendunt sapidam
sapientiam
]
RvBib
148,19.
– von Rede ‘wohltönend, -klingend’
ir rede was süeze unde gesmach Serv
625;
gelouben nâch der kristenheit, / gotes vorht, rein arbeit, / dâ lât iuch
nieman wîsen abe, / swie gesmacke rede er habe BuchdRügen
1456;
PassI/II
234,36
MWB 2 577,16; Bearbeiter: Richter
gesmac
stM.
1
‘Geruch, Duft’
2
‘Geschmack’ (selten klar von 1 zu trennen) 3
‘Schmecken, Geschmackssinn’
4 übertr. ‘Gefallen, Wohlfühlen’
1
‘Geruch, Duft’
[Engel und Heilige besuchen die Seelen im Fegefeuer] vnde
tróstent sie mit guteme lufte oder mit guͦteme gesmacke, vnze sie ze gotes
gnaden coment Lucid
126,11;
der bradem [Dunst] / gelîchet disem
gesmacke [Duft des Paradieses] niht, / der âne aller spîse
phliht / dem lîbe solhe vreude gît KvHeimUrst
1957;
den [Überlebenden] tet sô wê der
gesmach [Gestank auf dem Schlachtfeld] , / daz si dâvon
vil nâch / verloren heten den lîp Ottok
30248;
das gewelib oben / was [...] von holcz aloe, / das
gefault nymmer mer / und gibt gar edeln gesmach Seifrit
7213;
Eracl
1235;
Krone
21353.
– übertr.:
dú sele [...] ist saͤlig dú da gemenget
ist mit dem guͦten gesmake der tugende PrGeorg
259,20
2
‘Geschmack’ (selten klar von 1 zu trennen):
als an gesmacke er [Jesus am Kreuz] den
[mit Galle vermischten Wein] versuchte, / zu dranke
er sin da niht geruchte [
cum gustasset noluit bibere
Mt 27,34
]
EvStPaul
2061;
sô habent die spîse ûf ertrîche niht mêre danne niun hande gesmac
PrBerth
1:220,13;
das or empfacht das gethoͤn vnd die zung den geschmack Eckh
2:472,2;
Parad
56,21;
HvHürnh
52,6
3
‘Schmecken, Geschmackssinn’
jâ hât ieglîch man und wip / vümf tür in sînem lip: / ein ist gesiht, diu
ander gehœrde, / diu dritte wâz, diu vierde gerüerde, / die vümften ich gesmac heiz
WälGa
9453;
die dru sint auch ahtbere: / Enpfinden, Richen und Gesmag
HvNstGZ
923;
SuTheol
104
4
übertr. ‘Gefallen, Wohlfühlen’
zuͦ Jherusalem alleine wer wol sin [des
gottsuchenden Menschen] gros trost und gesmack und gevallen
Tauler
83,30;
[diesen Sündern] ist recht geschehen als den lúten die
boͤse magen hant, [...], das si enkein guͦt
spise gessen enmúgen, und der gesmak ze aller guͦter spise ist in vergangen,
und ob sie och essent, es ensmaket in nút ebd.
136,18
MWB 2 577,41; Bearbeiter: Richter
gesmaclich
Adj.
‘wohlschmeckend’, übertr.:
der contemplierer mvͦs gemechlich vnd staffelich zuͦ nemende vf
gan [...] in dem gesmachlichen enphindenne der wurchlichen
beschoͮde [
in saporoso gustu contemplationis
practicæ
]
RvBib
60,9
MWB 2 578,14; Bearbeiter: Richter
gesmahte
stF.
‘Duft, Geruch’
daz rou sî alsô sêre / daz sî hâte lützel ahte / umbe der bluomen gesmahte /
noch deheiner slahte spil Flore(S)
5682
MWB 2 578,19; Bearbeiter: Richter
gesmeckede
stF.
‘Geruch’, ‘Wahrnehmung’
da sint ôuh míte uirtuosi et misericordes. dîe mít operibus
uirtutum reddunt de se fraglantiam bonę opinionis. also dîe tîuron sálbon dîe quékke
[La. gesmêccheda
] des gûotes stánkes
Will
70,9
MWB 2 578,22; Bearbeiter: Richter
gesmeiʒe
stN.
‘Kot, Dreck’
von kraft der wurze waze, uz paradis betowet, / pfligt daz tier der maze, daz
iz nach gelwer bluͦmen bletern schowet, / swan iz sin gesmeize von im reret
JTit
1681,3;
die veivaltern [Schmetterlinge]
setzent sich auf den klê und [...] daz edel taw
verunrainent si mit irm gesmaiz, wan dâ wahsent würmel auz BdN
291,31.
274,16
MWB 2 578,27; Bearbeiter: Richter
gesmelze
stN.
‘Metallschmelze, Legierung’
der gîtige unde daz unrehte guot [...]: daz kan
nieman gescheiden, als wênic als man zin unde kupfer iemer gescheiden mac; wan des
tuon sich alle die meister abe [sie verzichten darauf] ,
die hiute lebent unde die von gesmelze ie kunst gelernten PrBerth
1:225,9;
electrum et piropus: gesmelce Gl
3:359,32
(BStK927);
electrum metallum auro clarius fulgens mixtum ex auro et argento, auro
argentoque preciosus id est gesmelze, gesmide SummHeinr
2:271,55
u.ö.
– meist ‘Verzierung aus geschmolzenem Metall,
Emaille’
umb den helm ein lîste gie / von golde zweier vinger breit; /
oben was dar in geleit / mit gesmelze ein adamas Wig
7388.
778;
golt, silbir und als edil er [Erz]
/ das decheinis gesmelzis schin / mohte edilrre uf der erde sin
RvEWchr
28265;
sin edel hoch geslechte, [...] / daz was geschriben
rechte in rotez golt mit gruͤnen schriften kluͦgen / und stuͦnt
ouch sunder in dem helm ergraben / mit gesmelze wæhe JTit
1684,4;
VMos
82,1;
Rol
3288;
SpeyrerP
60.
– bildl.:
der von Eschenbach / sie [
diu wort
]
schôn floriert mit rîcher witz gesmelze Loheng
7636
MWB 2 578,35; Bearbeiter: Richter
gesmîde
stN.
auch
gesmey GrAlex
5862;
gesmît [:gît] WälGa
7779.
1
‘Metall’
2
‘Schmiedearbeit, metallenes Gerät’
2.1
‘Rüstung, Waffe’
2.2
‘Metallbeschlag, Zierrat am Reitzeug’
2.3
‘Schmuck, Geschmeide’
1
‘Metall’
daz góld tûrer íst dánne dechêin ánder gesmîde
Will
52,20;
PrOberalt
32,15;
Vulkânus ist ein hôher got, / des gewalt in sîn gebot /
betwungen daz gesmîde hât, / daz sich nâch sînem willen lât / smiden unde giezen
RvEBarl
9723;
von dem gesmeid. daz ist nu daz sibend stuck des puoches, in
dem wir sagen wellen von dem gesmeid. wan daz ist sibenlai: golt silber gunderfai
kupfer zin plei und eisen BdN
474,2
u.ö.;
Orosius [...] schreibt von ainem giesmaister des
gesmeides Schachzb
33,81;
MNat
12,21;
Renner
17591.
– bildl.:
die selbe rede ist niht gesmidet / von wilder wort
gesmyde Minneb
4641
2
‘Schmiedearbeit, metallenes Gerät’
alle die missehellunge, die die smide hetten wider die cremere vmbe daz sú
sporen veile hattent vnd ander gesmide UrkCorp (WMU)
2948,38;
bi dén selbin zitin do / hat alda der heidene hant / der
Israheliten lant / betwungin als eiginliche / das man do inir riche / niendir ubir
al ir lant / smit noh dehein gesmide vant RvEWchr
23268
2.1
‘Rüstung, Waffe’
ne weder schilt noch gesmide / neschirmit in dem libe /
minere denne der swam [sie boten soviel Schutz wie ein Pilz (s.a.
Friedrich, PhrasWB S. 390 s.v. swam)]
Rol
4467;
da wapent sych swinde der kune Wolffart, / an leyt er sin gesmyde
Alph
1573;
ouch ist dehein gesmîde / daz den wurm snîde / wan diu
glävîe eine Wig
4771;
ich [die personif. Hoffart]
machen den weg an der spitzen, / an den swerten und den senssen / und an allem
anderm gesmyede / die gemacht sint die lude zu doden mide Pilgerf
7641;
KvWTroj
4086.
31015;
Rab
972,5
2.2
‘Metallbeschlag, Zierrat am Reitzeug’
nu heizet iu bereiten iuwer pfertkleit! /
[...] / si heten noch gesmîde, daz man dâ vor reit
/ bî Sîfrides zîten NibB
1268,1;
swa irre frowen ros spranc, / ir gereite
[Reitzeug] als von schellen clanc / vnde ander ir
gesmide Herb
14507;
wol hundert ritter wol gekleit / ûf schœnen pferden bî mir riten. / ir
kleider wâren wol gesniten / und allez ir gesmîde guot UvLFrd
259,5;
Er
2025.
1444;
Athis
D 112;
Krone
7769
2.3
‘Schmuck, Geschmeide’
an dem einleften tage [...] zerget
vil sciere, da diu werlt mit ist gezieret, / golt unde silber unde ander manech
wunder, / [...], daz gesmide der frouwen
AvaJG
13,4;
uile manich edele wib / zierte wole ir lib / mit phellel
unde mit sidin, / mit guldinim gesmide Rol
670;
man sant in klainot dar / und manig stoltzes geschmeyde,
/ gott und edel seyde, / silber und auch edel gestaine HvNstAp
11428;
Tr
16711;
Mügeln
253,11
MWB 2 578,58; Bearbeiter: Richter
gesmîdekünstler
stM.
‘Alchemist, Metallurg’
sein [des Quecksilbers] rauch ist
den glidern gar schad [...], und alsô verderbt ez mangen
goltsmit und mangen gesmeidkünstler, die alchimiste haizent, wan ez ist ain
ursprinch alles gesmeids in der erden BdN
477,4;
wenn man ez [Auripigment] erhœhen
wil, daz ze latein haizt sublimari, sam die gesmeidkünstler wol wizzent, sô benimt
man im der dünst ebd.
477,32
MWB 2 579,46; Bearbeiter: Richter
gesmîdezierde
stF.
‘Halsschmuck, Geschmeide’, s.a.
halszierde
:
dîn hals ist gesmîdezêrde [
collum tuum sicut
monilia
Ct 1,9
]
TrudHL
23,14;
dîn háls. ist sámo smîdezîereda. [La. gesmîde
zêreda
]
Will
17,1
MWB 2 579,55; Bearbeiter: Richter
gesmîdic
Adj.
‘formbar, leicht zu schmieden’
der junge starke degen guot / vant [...] einen helm
wol geslagen / von gesmîdigem stâle Bit
2149
MWB 2 579,60; Bearbeiter: Richter
gesmûse
stN.
‘Gerede’
daz vns der edil [Jesus] brehte / zvo sines vater
hvse / der himilschen cluse / von dirre welte gruse / und ir valschin gesmvse
Martina
82,90
MWB 2 579,63; Bearbeiter: Richter
gesmutzet (?)
Part.-Adj.
(oder gemutzet [Vorschlag des Hrsg.], zu
mutzen2
; s.a.
smitzen
‘beschmieren’).
‘geschminkt, herausgeputzt’
och zuͦ der predie von der stat /
[...] / geslichen sam die pfawen / kunt vil der tiefel
clawen [gemeint: eitle Leute] / gesmútzet, uf
gespitzet dar, / dur daz man ir da næmi war, / gevarwet und geweschen
SHort
5305
MWB 2 580,3; Bearbeiter: Richter
gesnabel
Adj.
‘mit einem Schnabel versehen’ (von dem Volk der
Kranichschnäbler):
uns ist von mæren worden kunt, / [...] waz herzog
Ernest nôt erleit, / waz er unt grâve Wetzel der gesnablen diet versneit RvZw
162,5;
daz gesnabel her Reinfr
20343
MWB 2 580,11; Bearbeiter: Richter
gesnapperen
swV.
‘(mit dem Schnabel) klappern, schwatzen’ (vgl. DWB 9,1173 und
snappen
swV.):
der [Lesertypus] hat des storches orden, / der vil
gesnapert uber sich PassI/II(HSW)
42149
MWB 2 580,17; Bearbeiter: Richter
gesnære
stN.
‘Geschwätz’
maniger rüemet sich grôzer dinge / daz er künne und müge volbringe, / und hât
mit schalle grôz geschrei, / [...] / waz sol sôgetân valsch
gesner? Renner
21308
MWB 2 580,21; Bearbeiter: Richter
gesnæren
swV.
‘schwatzen’
sô hât er [Gott] uns niwan eine zunge gegeben. dâ
mite sîn wir gemant, daz wir niht ze vil gesneren suln unde gebrehten PrBerth
1:159,13;
dû gesnerst sô vil mit der einigen [mit der einen
Zunge] , daz dir wê wart daz dich dîn muoter ie getruoc an dise
werlt ebd.
1:159,19;
swer [...] bî den dingen uns wil versuochen / waz wir
reden ze den mêren, / daz er hin wider müge gesneren Renner
15098
MWB 2 580,25; Bearbeiter: Richter |