gesuochære
stM.
auch geschuchere.
‘Wucherer’
dû weist vil wol, lihest dû im [dem armen Menschen]
niht, daz er dir nihtes niht bræhte. dâ von solt dû sîn sus ouch niht nemen
[weder Zinsen noch die allerkleinsten Geschenke (ein Ei) für das
Leihen nehmen] , oder dû bist ein rehter gesuocher PrBerth
1:281,26;
jch [einer der Teufel] pflig der wucherer / vnd der
geschucherer / die haben vngefuges gelt / [...] / sie
wollen sich vber die armen / nymmer nicht erbarmen. / daz kan ich in wol gelten
Luzifer
5,42;
PassSpW
198;
Helbl
8,980;
nach x jaren mag der gesuch nit geuordert berden, vnd der gesuchrer verleust
sein recht, vnd der schuldiger oder gelter des gesuchs wirt ledig gesagt
StatTrient
143
MWB 2 615,48; Bearbeiterin: Baumgarte
gesuochede
stN. oder stF.
‘Suchen, Streben’
waz ist daz, daz den menschen jaget arg wisen zu
suͦchen [den Menschen antreibt, schlechte Gewohnheiten
anzunehmen] ? daz ist gesuͦchd einer gnuͤgde; die
vindet man allain in dem lassene, nút in den argen wisen Seuse
166,9
MWB 2 615,63; Bearbeiterin: Baumgarte
gesuome
stN.
→
gesiume
MWB 2 616,5;
geswachlich
Adj. , geswächlîche
Adv.
‘gering, schwach’
swelich wip rehte bekort [fühlt] / geswachlicher
minnen hort / die muos durch not gewinnen / froeide MinneR302
237
Müller [BMZ 2,2,766a] ändert in geswaslicher
‘heimlich’, das sonst nicht adj. belegt ist →
geswâslîche
; vgl. aber adv.:
sô vil, sôs ie kunden / [...] /
geschaden der vînde lande / geswâslîch [La.
geswechlich
] und verstolne Tr
18779
MWB 2 616,6; Bearbeiterin: Baumgarte
geswægerlich
Adj.
‘durch Verschwägerung verbunden’ (vgl.
swâger
):
habet ir nû dise drîer hande sippe vermiten, fleischlîche sippe unde
geswægerlîche sippe unde die geistlîchen sippe [Paten, bzw.
Patenkinder] , dannoch muost dû zweier hande liute vermîden
[bei der Ehe ausschließen]
PrBerth
1:315,23.
1:312,31
MWB 2 616,15; Bearbeiterin: Baumgarte
geswanze
stN.
→
geswenze
MWB 2 616,22;
geswarme
stN.
→
geswerme
MWB 2 616,23;
geswæse
Adj. , geswâse
Adv.
‘in einem nicht öffentlichen
Bereich’
1 adj. ‘allein’
2 i.d.R. adv. ‘in aller/der Stille, vertraulich, heimlich’
1
adj. ‘allein’
bi so michilir menige gebaret er gelich einem helide, / so er indir was
geswæse [wenn er irgendwo allein war] so het er mit got
sin gechose, / so bevalch er sele unde sin an unsiren trohtin GenM
77,36;
mit unbezeichnetem Umlaut:
sô er was geswâse sô hête er mit gote sîn gechôse
Gen
1869
2
i.d.R. adv. ‘in aller/der Stille, vertraulich, heimlich’
Adam unt Eva si burgen sich geswâse / fone gotes gesihte, des
dwanc si diu forhte ebd.
375.
2721;
van der herschafft de he all / da sach in dem pallase / offenbaer neit gedwase
[l. geswâse, vgl. Anm. zu 27,56] , / dat
waer zo lanck zo saen KarlGalie
7059;
also Galya Karll van Vranckriche / do hoerde wandelen heymeliche / da nedene
vur erem palase, / so sprach sy stille ind gedwase / zo Floretten ebd.
4624.
11428;
er [Judas] saget in vil geswase: / ‘swen ich
kusse, der ist Crist.’ HeslNic
602;
HeslApk
11265;
indes wart ir
[Elisabeth]
[...]ein hus
gemaht / von holze unde ouch von erden: / hi vone ir solde werden / eine otmudec
case [Hütte] , / da inne si geswase / mit ir ingesinde
bleib Elis
6668;
sa nu di frouwe lobesam / zu huse von der kirchen quam / wider in ir kase, /
di reine vil geswase / nuzte ein lutzel spise ebd.
5206
MWB 2 616,24; Bearbeiterin: Baumgarte
geswæse
stN.
‘Stilles Örtchen, Abtritt’ (vgl. ge-swæse Adj.,
geswâsheit
stF. 2,
swâs
, swâshûs, -kamer):
das du mure zwischen den huͥsern bi dem geswêse beiden huͥsern
gemeine si UrkZürich
7,317
(a. 1303);
secessus [Abgeschiedenheit, Abtritt] : gesuese vel
ganc GlHerrad:Komm
80
secessus: gisuasi / gesuasheit vel ganc SummHeinr
1:264,210.
2:82,105;
cloace: gisuasi / gesuasgenge ebd.
1:257,86
(vgl.
geswâsganc
und
ganc
11)
MWB 2 616,50; Bearbeiterin: Baumgarte
geswaseht
Adj.
→
geswechseht
MWB 2 616,59;
geswâsganc
stM.
‘Abort, stilles Örtchen’
(vgl.
geswâse
,
geswæse
und
ganc
11):
cloace: gesuasgenge SummHeinr
1:257,86;
Gl
3:124,34
(BStK461)
MWB 2 616,60; Bearbeiterin: Baumgarte
geswâsheit
stF.
1
‘Geheimes, Vertrauliches’
2
‘Stilles Örtchen, Abtritt’ (
geswæse
,
geswâsganc
)
1
‘Geheimes, Vertrauliches’
an di list han si [die falschen
Ratgeber] sich geflizen: / di geswasheit wollen si wiczen. / da mit
beginnent si dich twingen, / so mustu all ir liet singen Elmend
A 136.
A 876.
A 568.
–
wel dir der aller besten maistere zwêne, / die nû sîn in
allem rîche, / und nim den ainen tougenlîche / in dîne geswâshait
[zieh ihn ins Vertrauen (später dann den anderen, um die
Ergebnisse zu vergleichen)]
Kchr
3787
2
‘Stilles Örtchen, Abtritt’ (
geswæse
,
geswâsganc
):
secessus: gisuasi / gesuasheit vel ganc SummHeinr
1:264,210;
dâ rach got sîne cristenhait: / tôt saz er
[Arius] in ainer geswâshait, / daz gewaide was von im
gevallen Kchr
13476
MWB 2 616,63; Bearbeiterin: Baumgarte
geswâslich
Adj.
→
geswachlich
MWB 2 617,13;
geswâslîche, geswæslîche
Adv.
auch -lîchen; adj. Gebrauch nur vermutet (vgl.
geswachlich
); vgl. auch
geswellîche
.
‘heimlich, vertraulich’
swaz der man wil began, / da sol er reht zuo han; / swie
geswæslichen er ez tuot, / da ist daz reht vil guot. / wand ez ist got wol chunt, /
e wir geruoren den munt VRechte
452;
TrudHL
74,16;
geswâslîche er abe nam / den brief derm an dem zeine
[Pfeilschaft] quam En
10931.
6590;
mit roube und mit brande / geschaden der vînde lande /
geswâslîch und verstolne Tr
18779.
10697;
ir houbet begreif sie sân / und sprach ir geswâslîchen zuo
Eracl
3695;
der tovgenliche svndot vnde tovgenliche zebihte chvmet dvrch gotes forhte, der
wirt ovch tovgenliche lebinde. der ist geswasliche erstorbin, der ist geswasliche
irstandin PrWack
7,64.
7,57.
–
‘allein, für sich’, auch ‘nicht in der Öffentlichkeit,
in vertrautem Kreise’
di tabele, dâ si zô saz, / sô si geswêslîchen az, / di was
von elfenbeine, / gezîret mit gesteine SAlex
5900;
dô wart her Wâlwein / mit den drîn des enein, / daz si
niemannes biten / und geswæslîchen riten / gegen der âventiure
UvZLanz
6246.
1367;
wise alt herrin [...] di in gesvesliche
trostin [
secrete consolentur
]
BrHoh
27
u.ö.
MWB 2 617,14; Bearbeiterin: Baumgarte
geswâstuom
Subst.
‘Abgeschiedenheit, abgeschiedener einsamer Ort’
secretum a circumstantibus petiit kesuastuom Gl
2:264,32
(BStK637);
Gl
2:264,33
(BStK665)
MWB 2 617,38; Bearbeiterin: Baumgarte
geswechseht (?)
Adj.
Bed. und Form unklar. FWB 6,1385 setzt
geswaseht
‘umzäunt, eingezäunt’(zu
geswâse
) an; auch eine Anbindung an
swechern
in Sinne von ‘im Ertrag
herabgesetzt’ oder ‘bei den Abgaben zurückgestuft’
o.ä. (von Grundstücken) wäre denkbar (vgl. SchweizId 9,1744):
in disen hof hortent siben huobe, der ist eine halbe geschwehseht
WeistGr
5,429
(um 1300)
MWB 2 617,42; Bearbeiterin: Baumgarte
geswelle
stN.
‘Schwelle’ (Koll. zu
swelle
):
do sie [die Seele] trat uber das geswel / und da
was eingegangen, / mit lautem schrei in der hel / wart sie greulich enpfangen
SeeleLeichn
577
MWB 2 617,50; Bearbeiterin: Baumgarte
geswellîche, geswelliclîche
Adv.
‘zornig’ (stehen in der En -Hs. H für wohl
richtiges (ge)swâslîche [vgl. Hs. B und En (FSch)WB S.
159]):
geswâslîche [Laa. geswelliche, geswasliche,
beswigenliche
] und stille / vernam her ir willen
En
2667;
swâslîchen [La. geswellecliche
] her
geriet / mit den sînen holden ebd.
1972;
geswâslîche [Laa. geswelliche,
wisliche
] sie dô sprach / zû ir swester Annen ebd.
1450
MWB 2 617,54; Bearbeiterin: Baumgarte
geswende
stN.
‘Schwende, gerodetes Land’
daz lehen uͦf dem obern geswent, daz gilt dreu phunt vnd ein halben
frishinch, daz lehen uͦf dem nidern geswent gilt vier phunt vnd ein halben
frishinch, daz oͤde lehen uͦf dem nidern geswent gilt sehs phunt
UrkCorp (WMU)
2856,43.
– als Ortsname:
locum ipsum [...] cum omnibus pertinentiis suis,
[...] possessiones in Minkendorf,
[...] in Geswente UrkHeil
1,42
(a. 1210)
MWB 2 617,63; Bearbeiter: Richter
geswenke
Adj.
‘wendig’
[ich kann] daz ors [...] gein
poynders hurte twingen. / würd ich ze vuoze ûf erden brâht sô ist mir der lîp
geswenke Loheng
517
MWB 2 618,8; Bearbeiter: Richter
geswenze
stN.
1
‘aufwendige Kleidung’ (vgl.
swanz
,
swenzel
,
swenzelîn
) 2
‘tänzerische Beweglichkeit’ (oder ironisch zu
1 ?)
1
‘aufwendige Kleidung’ (vgl.
swanz
,
swenzel
,
swenzelîn
):
die [eitle Mädchen] loufent hin, die loufent her, /
ob ieman dâ sî der ir ger / oder der ir geswenze lobe Renner
411
2
‘tänzerische Beweglichkeit’ (oder ironisch zu
1?):
die pilgerîne [Herzog Ernst und Wetzel] in ir
geswanze / nâch den fideln süeze tanze / an wîzer hant dâ trâten ErnstD
5501
MWB 2 618,12; Bearbeiter: Richter
geswër
stN.
(selten auch M., z.B.
SalArz
43,10.
55,4;
F.
OvBaierl
82,2.
82,4;
sw.
BdN
110,27.
392,4
u.ö.);
auch
gisuur Volucr(W)
351
(als geswür anzusetzen?).
‘Geschwür, Schmerz’
tegelîches fiebers sêr / het ein kint, [...], und
zwei geswer LvRegFr
4624;
her hate ein geswere an sîme beine; dô wolde iz ime der arzet ûz burnen mit
eime îsene HvFritzlHl
215,22;
geswer ist ouch ein smerze, / des nieman sol sîn gerent. / ich trage ein
swerndez herze, / daz ist siuften wegen worden swerent Hadam
472,1;
PrBerth
1:154,26;
Seuse
68,28.
– übertr.:
d(er) nit ist [...] daz wirsiste
geswer / daz t(ri)bet uns ze allen meinen [Unrecht]
VMos
39,20.
– meist in medizinischen Texten:
di wurzeln gesoten in wine vertribet di bosen geswer, di bosen
geswlst unde bosen druse [Beulen]
Macer
22,6;
is ist ouch gut zu dem geswer bi den oren ebd.
7,7;
pappiln [...] brechent di gesver di
uon blute sin SalArz
10,58;
ein geswer in dem houbte daz heizet litargia ebd.
112,10
u.ö.;
daz wazzer, daz gesigen ist [...]
durch der veigenpaum aschen, [...] öffent und waicht die
herten apostem und die geswern BdN
322,33;
Barth
133,4;
OvBaierl
44,8;
VocOpt
43.114
MWB 2 618,20; Bearbeiter: Richter
geswer (?)
stMN.
unklar:
auch sol chein fischer seinen lachs uff das eys legen vnd behaldenn an dem
geswer; ab er das tete, der sol denn selben lachs gar zu pusse vorliesen
StRPrag
85
MWB 2 618,44; Bearbeiter: Richter
geswërbe
stN.
→
geserwe
MWB 2 618,48;
geswerme
stN.
auch geswarme.
‘Schwarm, Horde’ (Koll. zu
swarm
):
di ander du warne, / hi ist des tiueles geswarme, / daz si
sich wafen schiere Rol
3380;
der tiuel hat uz gesant / sin geswarme unt sin her ebd.
5739;
StrKarl
6801
MWB 2 618,49; Bearbeiter: Richter |