gevanclich
Adj.
‘wie ein Gefangener, gebunden, unfrei’
der ellenden juden vart / gevangen fuor gên Babilôn, / wan sî twinclîchen
unschôn / drîstunt zwênzc und zehen jâr / dâ beliben offenbâr / in gevanclîcher art
Reinfr
26741;
mit gevanclîcher pfliht ebd.
25112
MWB 2 657,13; Bearbeiterin: Czajkowski
gevancnisse, gevencnisse
stFN.
auch givenkinissi (
Mühlh
150,2
).
1
‘Gefangenschaft’
1.1 übergehend zu ‘Gefängnis’
1.2
‘seelische Gefangenschaft’
2 phras.: (jmdm.) gevencnisse sichern
‘sich jmdm. ergeben, sich für gefangen erklären’ (nur
Lanc , s.a. Friedrich, PhrasWB , S. 164)
1
‘Gefangenschaft’
im [Gawan] was gevancnusse leit, /
die frou Ginovêr dolte, / dier dâ mit strîte holte Parz
387,6;
die dirti eapht [l. ehaft
‘rechtlich anerkannte’] noit, daz is givenkinissi daz
ein man von umi selbin nicht virdinit inhabi noch virsculit Mühlh
150,2;
Lanc
585,23.
–
‘Gefangennahme’
[sie] wuntin dâ inmanc [unter
ihnen] / einin Prûzin [...]. von des
gevengnisse / wart der Pruzîn houbitman / sô gar betrûbit NvJer
14388;
allen den schaden, den si in diseme vrluge hant getan phaffen vnd
geistlichen luten mit robei, mit brande, mit gevancnizzen UrkCorp (WMU)
N14,30
1.1
übergehend zu ‘Gefängnis’
alle, die mit vͦnseme heren gevangin worden, die sal die stat los
inde quit lazen van ierme geuenkenisse UrkCorp (WMU)
78,19;
unde ist ouch, daz die schult sô ungevûge ist oder sie
iener sô lange hat getrîben oder sô ofte in schult ist gevallen,
[...], daz billich ist, daz man in
[...] êweclîche in gevancnisse beslîze
StatDtOrd
86,2;
die jungfrauw vom lack [...]
gedacht lang wie sie die zwey kint ußer des konig Claudas gefengniß brecht
Lanc
50,8.
80,33;
Daniel
4385.
– übertr.:
eya min allerliebste gevengnisse, da
ich [die Seele] inne gebunden bin, ich danken
dir [dem Körper] alles Mechth
7: 65,19
1.2
‘seelische Gefangenschaft’
wis diemuͦte, sô zuͦhet dich unde loͮset dich mîn
gvͦte uon der geuancnusse unde uon der uerherde des tieuueles
TrudHL
105,23;
die not, die wir lident in des tiueles geuancnisse
Lucid
109,10;
Tauler
77,13
2
phras.: (jmdm.) gevencnisse sichern
‘sich jmdm. ergeben, sich für gefangen erklären’ (nur
Lanc , s.a. Friedrich, PhrasWB , S. 164):
seht hien myn schwert off, ich sicher uch gefengniß
Lanc
164,1;
‘nu sichert mir gefengniß!’ sprach er,
‘oder ich slag uch zuhant uwer heubt ab.’ ebd.
182,3
u.ö.
MWB 2 657,19; Bearbeiterin: Czajkowski
gevancnissede
stF.
‘Gefangenschaft’
zaige dîne geuancnusse [La.
gevuancnuste
] unde dînen presten mit dîner
riuweclicher gehugede unde mit dîner emzigen flêhte mîneme gewalte. er mach dich wol
irledigen TrudHL
105,14
MWB 2 657,57; Bearbeiterin: Czajkowski
gevangen
swM. (subst. Part.-Adj.)
auch gefanger, gevangener.
‘der Gefangene’
Parzivâl der werde degn / hiez der gevangen schône pflegn /
unz an den dritten morgen Parz
208,24;
nie gevangener wart gederret / in gevenkniße so swinde / als
ich Minneb
2558;
swa der lantman her in kumt, den sol enhein burger vahen eim anderen lantman
zeliebe, noch angrifen [...]. und sol den gevangen
unschadehaft machen und wider geben al sin guͦt StRZürich(B)
48,3;
du müst mein gefanger sein GrAlex
5229.
5301;
UrkCorp (WMU)
1393,29;
Lanc
332,23.
477,14.
– übertr.:
vrouwe Minne, ich muoz sîn / dîn gevangen Wig
8111;
Mechth
1:28,9;
KLD:GvN
48:3,5;
die armen súnder und die guͦten und die gevangenen des
vegfúrs Tauler
165,24.
76,32;
HvNstAp
3324;
HvBurg
4159
MWB 2 657,62; Bearbeiterin: Czajkowski
gevangenlîche
Adv.
‘wie ein Gefangener’
ein ieglich dinc von banden strebt, / daz gevangenlîche lebt Freid
129,26;
so ergib ich mich ân allen strît / gevangenlîche in dînen rât
Wh
159,29
MWB 2 658,14; Bearbeiterin: Czajkowski
gevangenschaft
stF.
‘Gefangenschaft’
in der selben gevangenschafft / was im ains mals in schlaffes kraft / wie er
ain reben vor im sehe KvHelmsd
413
MWB 2 658,18; Bearbeiterin: Czajkowski
gevangenschi (?)
stF.
auch gevengesche;
evtl. zu
gevancnisse
/-genisse mit sch statt
s, vgl. Frnhd. Gr. § 54,4.
‘Gefangenschaft, Gefangennahme’
ich troͤst úch an disem brief, daz ich um die gevangenschi
[...] úch noch úweren burgern
[...] leit noch schaden niemer getuͦn
UrkBern
6,119
(a. 1334);
umbe die selben gevengesche und umbe daz gehalten der gevangen únser burgern,
und umbe rat und helfe der gevengesche ebd.
5,136
(a. 1319);
ouch heissen wir, daz die vorgenanden gevangen urvechte tuͦn sun
vu̍r sich und alle ir friunde an allen var die burgern von Lvcerron umbe die
gevengenschi niemer leit ze tuͤnne UrkBasel
3:225,41
(a. 1298)
MWB 2 658,22; Bearbeiterin: Czajkowski
gevanger
swM.
→
gevangen
MWB 2 658,36;
gevar
Adj.
meist verbunden mit einem Adv., z.B. wol ~
(vgl.
wolgevar
), swarz ~ , übel ~
, häufig in
bildlichen Vergleichen (als, nâch etw. ~ ).
‘farbig, aussehend, beschaffen’
Genelun erbleichte, / er wart uile uͦble geuare
Rol
1432;
si was niht frouwenlîch gevar Parz
312,15.
85,2;
der strauz hât federn gevar als ain habich oder ain valk
BdN
223,8;
im was houbt und lîp gemein / als einem tôten mann gevar
EnikWchr
3909;
PassIII
39,18;
der [Topas] ist uil tivre / er ist
geuar nach deme fievre / unde sin scim ist uone golde VMos
60,17;
SalArz
115,45.
– besonders auf die Farbe bezogen:
[Wangen] von der rosin rotin durchschine / gevar alse
rubine Athis
A* 20;
ouch rich ditze mort alsô, / daz der Unger wazzer gar /
werde nâch bluot gevar Ottok
78407;
sîn hâr was im brûn gevar Wh
59,9;
Parz
435,26;
Wig
6552.
– subst.:
des harnes uarbe wirt uon der hitze, oder uon der kelde. von
der hitze wirt ir geuar, von der kelde wirt ir misseuar SalArz
110,49
MWB 2 658,37; Bearbeiterin: Czajkowski
geværde
stFN.
überwiegend in Rechtstexten;
auch gîe-, guͦ-, gæverde, gewerde, gefardt
u.ä.
‘Betrug, böse Absicht, Hinterlist, Nachstellung’ (s.a.
gevære
stFN.)
1 meist in präp. Wendungen 1.1 formelhaft: âne (alle, allez, allerhande, aller slahte) ~
‘ungefährdet, aufrichtig’
1.2 in Paarformeln 2 außerhalb präp. Wendungen
1
meist in präp. Wendungen:
swer durch geværde ditz buoch / lese, der habe gotes vluoch
SpdtL
79,22;
[wir wollen die Rechtspflege] niht lazzen durch liebe,
durch leide, durch vorhte, durch miete oder durch dehein anderley geverde, also
muͤzz uns got helffen WüP
10,13;
es enwaͤre denne, daz der totslach geschehen waͤre mit
gevaͤrde UrkHohenz
1,96
(a. 1286);
UrkCorp (WMU)
2822A,25;
swer tages oder nahtes ein arembrvst træt ze geværd in der stat oder an der
gazzen, der geit vns dreizzich pfvnt pfenning UrkWittelsb
2,208
(a. 1312);
RvEWchr
25965
1.1
formelhaft: âne (alle, allez, allerhande, aller slahte) ~
‘ungefährdet, aufrichtig’
swanne sis [des Wassers] bedurfen ane gîeverde
UrkCorp
1262,36;
vnd das dis stete vnd vestu standu vnd blibe von vns vnd von vnsern erben
ane alle gewerde ebd.
2433,11;
an allez geverde ebd.
1764,29;
alsuͦs sol man sweren ieder man arm und riche, daz
er alle die gesetzede stete halte [...] an allerhande
geverde WüP
7k,11;
ane allerslahte geverde ebd.
95,4.
–
âne mit Gen.:
und suͤlen die mezzer swern zen heiligen daz
si mezzen ane gaeverdez StRAugsb
52,8.
–
mit kainer ~
:
wer aber daz daz kain burger daruber tæht frevelichen
oder wurbe mit kainer geverde, mohten in dez die burger beweren mit drien
erberen mannen StRAugsb
14,22
1.2
in Paarformeln:
an geuaͤrd vnd an all vbel liste StRRegensb
26;
daruf verzihen wir vor uns unde vor alle unser burgere lutderliche und
abbetalle mit disme geginwurtegen briefe ane alrehande geverde und ane alrehande
argeliste UrkWorms
2:44,9
(a. 1311);
daz diz gedinge von vns [...] steit blibe baidiu
fur criech vnde fur alle geverde UrkCorp (WMU)
3450,15;
man sol ovch an dirre schidvnge miden alle geverde vnd allen arcwan ebd.
N165,36;
UrkOtterb
381
(a. 1331)
2
außerhalb präp. Wendungen:
item ob ein saltner thuet gefardt [
fraudem
commiserit
] in seyner salterey StatTrient
153;
ob ainem geschicht von lust / daz er gaistlicher
gevaͤrden pfleg, / dem wer [gewähre] ich der friung
weg Teichn
576,37;
SpdtL
87,13;
JvKonstanz
2246;
Ottok
27026
MWB 2 658,57; Bearbeiterin: Czajkowski
gevâre
stF.
‘Absicht, schaden zu wollen’
dô sprach Rüdegêr der degen / ze Brünhilt der rîchen
‘[...] ich wæn mîn rücke iht werde heil / in
einem halben jâre.’ / ‘ich tete ez âne vâre [La. on
gfare
] ’ / sprach des edelen küneges wîp Bit
12596
MWB 2 659,39; Bearbeiterin: Czajkowski
gevære
Adj.
auch gevere, gevâre.
‘(jmdm.) nachstellend, versessen (auf etw.); feindselig’
1 präd. 1.1 meist mit Dat.d.P. 1.2 mit Dat.d.S. 1.3 mit Gen. 2 attr.
1
präd.
1.1
meist mit Dat.d.P.:
man was den vrouwen wîlent sô gevære, / [...], /
ein küssen von ir rôten munde / het man ir gerner abe verstoln / denne alle ir
ungerische voln RvZw
222,7;
huete dich, wan er [der Teufel]
gevare / allen gueten leiten ist! HvBurg
3154;
er [Baaza] slug tot Jehu alda. / des wart im
got gevere HistAE
2775;
war vm ir sint gefer / dem wibe, die gewirket hat / an mir eins guden
werkes dat? [
quid molesti estis mulieri
Mt 26,10
]
EvStPaul
1614;
an dir sô müez mir swinden / der minne haz. / diu ist mir
gevære; / dâ von mîn gemüete / ist nû vil fröiden lære. / guot wîp, wende daz
KLD:UvL
6: 3,9;
JMeissn
B1:5,18;
NvJer
27096.
27355;
Seuse
81,8.
– in vergleichender Konstruktion, auch mit Präp.
(gegen):
doch was der werde Cyprian / gegen dem ungestalten
Kolkan / verr mer gevëre / denn er dem wilde [das Cyprian
ursprünglich jagte] wëre HvNstAp
4597.
– mit Inf. mit zuo:
vnd redte er [Jesus] von Iudase dis /
[...], / der zu verraden yn gefer / was
EvStPaul
12086
1.2
mit Dat.d.S.:
swer uns [
diu arme
diet
] von dem gemache schiet, / den wir heten unz her, /
der was diser stat [Wien] êr / gehaz und gevære
Ottok
65985
1.3
mit Gen.:
an swelhem dinge er sich versach / daz
sîn [Tristans] vröude wære, / des was er
[Herzog Gilan] gevære / und leite sînen vlîz dar
an Tr
15784.
13852;
mînes ungelingen vreut er sich [...]: / der ist
mînes schaden zallen zîten vlîzic und gevære Neidh
WL 20:1,10;
[Räuber,] die sinis guͦtis weren / girig und
vil gevere RvEWchr
25239;
WälGa
10418;
HvBurg
698.
5193;
Ottok
82658
2
attr.:
weder ist ir lob billicher dem, der lieb, leit mit vreide / wol treit, oder
dem, der durch daz lon nicht komt in not gevere? Frl
5:105,6
MWB 2 659,44; Bearbeiterin: Czajkowski
gevære
stN.
auch gefer.
‘Hinterlist, Betrug’ (s.a.
geværde
), überwiegend in präp. Konstruktionen:
getar aver man daz niht bereden [beweisen] , ez sei
gever da pei gewesen UrkCorp (WMU)
2872,11;
durch dez spotes gevere / worde du Herodi gesant
HvNstGZ
2562;
wer uf dem wege in gefer / dir nicht engan, das er im selber
meinet, / des geselleschaft nicht lenger ger Mügeln
64,7.
225,2;
do sprach der kunig werder man, / ich hab es nicht ze gevere
getan HvNstAp
12604;
Suchenw
30,234.
– formelhaft: âne (alles) ~
‘ohne Hintergedanken, aufrichtig’
wer liebet sich dem schimphe / mit tzuͤchten ân gevære? Suchenw
2,21;
er muos aver bereden, daz er di hantvest ân gevær floren hab RbRupr
142;
urloup ze dem keiser wart genumen, / dise viere und gelobten wider kumen / ân
allez gevaer, dâ in was hin bescheiden Loheng
3763;
HvNstVis
379;
BairFreibr
6.
– in Paarformeln:
scham unde tzucht was ye sein hort, / pei reinen spruchen ware wort / ân
valsch und ân gevere, / daz ist nu leider swere Suchenw
6,59;
UrkCorp (WMU)
2899,25
MWB 2 660,17; Bearbeiterin: Czajkowski
geværic
Adj.
‘hinterlistig, feindselig, gefährlich’, mit Dat.:
swer disen zwein geværic sî / und wone mit valscher huote bî, / der werde
zeinem steine KLD:HvM
5:1,10;
nu wer dich, man, vertrîp daz kint [Kleinmut] : swie
kleine ez sî, ez ist dir doch geværec KLD:LvS
8:2,4;
do er dich mit mir sande / durch vnse viande / die vns durch arch geverech sin
PassI/II
37,66;
KarlGalie
11584;
Wernh
3218.
D 3043;
Märt
12088.
–
‘nachstellend’
derselben frawen ward lieb ain ritter, der hies Mündus, vnd der gye ir tag vnd
nacht nach vnd was iren ern geuärig mit worten vnd mit gehaissen Schachzb
89,43;
dennoch wiͤrs iz [l. ist
(e)z
] umb den toren / der unserm herren Jesu Christ / seiner
praut [einer Nonne] gevaͤrig ist / und im die
verswachen chan Teichn
258,132;
Ottok
44866
MWB 2 660,39; Bearbeiterin: Czajkowski
geværlich
Adj., Adv.
auch -lîchen; überwiegend in Rechtstexten.
‘in böser Absicht, gefährlich’, adv. auch
‘widerrechtlich’
wir wîp bedurfen alle tage / daz man uns tumbe rede vertrage;
/ wand sî under wîlen ist / herte und doch ân argen list, / geværlich und doch âne
haz Iw
7683;
SpdtL
168,18;
ez ist ouch gesetzet, swer den andern âne wâfen sleht, roufet, wirfet oder
stôzet geværlîchen unde vrevellîchen, der sol unde muoz als dicke daz geschiht einen
mânot von der stat sîn unde gît ein pfunt heller, dem anklager als vil und dem amman
sîniu reht StRDinkelsb
95;
swer den andern geværlichen haim svͦchet
[...], der geit dem rihter fvͤnf pfunt vnd sehzick
pfennig UrkWittelsb
2,51
(a. 1294);
WüP
82,3
MWB 2 660,55; Bearbeiterin: Czajkowski
gevatere, gevater
swMF.
‘Verwandter, Freund, Gevatter/-in’ (oft als Anrede):
ez warn zwene zimberman, / den an ir chunste niht zeran, / si
wærn harte meisterlich. / gevatern hiezzen si sich / und warn gesellen dar zu
StrKD
63,4;
ein gevater gein irer gevatern / beginnet snatern über den gatern
Renner
18373;
louf ze miner gevatern Reiher
275;
wahter, trut gefatter min, / [...]: wie stot es vmb
min kindelin? WolfdD
185,3.
254,2;
daz ich dem ersamen meinem lieben gevattern probst
[...] erloubt han einen hof ze paun UrkPölt
222
(a. 1308);
StatDtOrd
51,1;
Wildon
2,182.
–
‘Taufpate, -patin’
conpater: gevatere Gl
3:427,53
(BStK926);
StRAugsb
133,27;
ez sol auch ze kainer kintauffe niht mer gen denne vier frawen unde die
gevattern und auch niht mer manne denne vier man und die gevatern NüP
148;
StRRotenb
492;
SchwSp
165b;
Rennew
9269.
– zur wechselseitigen Bezeichnung zwischen Taufpaten und
Kindseltern:
des kint dû [aus der Taufe] erhaben hâst der ist dîn
gevater PrBerth
1:313,26;
er [Reinhart] sprach [zu
Ysengrin] : ‘gevater, [...] / redet
min pate [Ysengrins Sohn] tvmpliche, / daz ist niht
wunder, deswar, / von dev er treit noch daz garze
har [Flaumhaar] .’ ReinFu
K,546
u.ö.
MWB 2 661,6; Bearbeiterin: Czajkowski
gevaterinne
stF.
hier -în.
‘Gevatterin’, Frau aus der Bekanntschaft:
sî sprach: ‘gevaterîn, ir sult gân, / ich wil ouch triuten mînen
man.’ Wildon
2,243
MWB 2 661,31; Bearbeiterin: Czajkowski
gevaterlich
Adj.
‘wie es sich für einen Paten/ eine Patin gehört’
nu machet aber niwe / di gevaterlichen triwe / und helfet
mir, daz ich iwer chunst / und iwer gevaterlichen gunst / dar an geniezzen muze!
StrKD
145,312.
63,25;
die kinde si [die hl. Elisabeth] zuͦ gotten
[Patenkindern] nam / daz si in von gevaderschaft / zu
druwen were ime behaft; / daz si die [um so]
beldeclicher, / di me verbundenlicher / gevaterlicher wise / den armen brechte ir
spise Elis
2367
MWB 2 661,35; Bearbeiterin: Czajkowski
gevaterschaft
stF.
‘Gevatterschaft’, auf Patenschaft oder Freundschaft beruhende
Beziehung:
di kinde si zuͦ goten [Patenkindern] nam /
daz si in von gevaderschaft / zu druwen were ime behaft Elis
2363;
ein ungebeten gevaterschaft / diu wert wan siben naht unt vürbaz hât si keine
craft [zum rechtlichen Hintergrund vgl. Roethes
Anm.z.St.]
RvZw
168,1.
– in epischen Konflikten zur Betonung, dass ohne Rücksicht auf persönliche
Bande gekämpft wird:
ze bêder sît die helde gar / âne gevaterschaft da sint
Wh
386,1;
Parz
78,7;
iedoch ein alt gevaterschaft zergienc alsam in heizer sunne rifen JTit
1965,4;
dâ würde gevaterschaft entrant / sô sich die poinder vlæhten
/ und nâch gewinne dæhten Wig
8448.
10965;
Ottok
17218.
–
‘Tauffestlichkeit’
swer ain gevaterschaft hat, der sol datz dem wein nicht mer gebn dann zwelf
pfenning seinen gevatern StRMünch
198,16
MWB 2 661,45; Bearbeiterin: Czajkowski
gevæʒe
stN.
md. gevêʒe.
‘Gefäß, Geschirr’
jn welchin czitin man den wyn sulle tvn in andir gevese
Pelzb
119,28.
136,19;
he saz / uf sinir burge do er az, / und di an deme geseze / sahen sin geveze /
daz iz was von holzce PfzdHech
210,27;
HeslApk
9688;
MarcoPolo
22,14;
ain geväz, daz gemacht ist auz rehtem nâtürleichem gunderfai
BdN
478,13;
RvMunre
141
MWB 2 661,63; Bearbeiterin: Czajkowski
gevaʒʒede
stN.
Riemen, mit dem man einen Greifvogel hält:
hie sult ir hœren mære / wie dem gevazzede wære / daz an dem sparwære
lac Bit
7042
MWB 2 662,7; Bearbeiterin: Czajkowski
gevêch
Adj., Adv.
auch gevê; selten gevêhe (
Reinfr
5486
), gevach (
NvJer
15035;
TvKulm
748
); zur Zuordnung von
gevâch
zu gevêch vgl. DWB 4,1,1,2059.
‘feindselig, feindlich’
des sint sî [die boesen
] vil deste mê
gevê, / des darf doch niemen ruochen, / wan si suochen birn ûf den buochen
MF:Veld
7:2,5;
nu sihich [Abner] wol,
[...] / das ih als ein unwerdir hunt / Davide und
aldén sinin / muͦz widirzeme schinen, / geveh und ungeneme, / unwert
und widirzeme, / das niht geschehe wan durh
dich [Ysboset] ! RvEWchr
27325.
19118;
Athis
C 35.
– jmdm./etw. ~
sîn:
ez ist ein grôze wunder: / die ich alre sêrste minne, / diu was mir ie gevê
MF:Hausen
14:3,3;
die juden loucken des durch nit, / si sint der warheit gevech
HeslApk
9877;
er wânde si wær im gevêch, / durch daz er si unrehte zêch, / unt wânde ir
hulde hân verlorn KvFuss
517;
UvZLanz
879;
Ottok
9831.
– mit Präp.:
der edil gotis degin wis [Abraham]
/ wart der lant lútin nah gebur / zwischent Cades unde Sûr, / das er nie
wart gein in gevech RvEWchr
4974;
si im truͦgin steten haz / und wider im waren sere
geveh ebd.
19148.
– subst.:
er begunde wachen unde erschrac, / alse die gevêhen dicke tuont StrKarl
11525
MWB 2 662,10; Bearbeiterin: Czajkowski
gevêchschaft
stF.
auch gevêhschaft.
‘Fehde, Feindschaft’
waͤre ouch, das dehain burger von der statt ze Bischofscelle ziehen
welti, [...] es sige von gevechschaft alder von andren
sachen, der het sin gewalt UrkThurgau
5,342
(a. 1350);
ez waͤr dann, das sù sich erkandint, das ez von gevêhschaft oder von
siechtagen, ald der stat êhaftigi not waͤr StRStGall
36,28;
ob ain gevêhschafft gen im ald von im uffgestanden waͤr ebd.
52,38
MWB 2 662,35; Bearbeiterin: Czajkowski
gevëder
Adj.
auch gevider.
‘gefiedert, mit Federn versehen’
er fuorte schenkel unde bein / bî sînem rosse ûf unde nider, / als ob si wæren
wol gevider / und als ein valke flücke KvWTroj
39480;
gevedere schâchblicke [geflügelte
Räuberblicke] / die vlugen dâ [beim Anblick der
schönen Isolde] snêdicke Tr
10957;
Zacheus, sam er waͤr gevider, / kam bald von dem bom
nider SHort
7657.
1789;
MinneR 37
7
MWB 2 662,44; Bearbeiterin: Czajkowski
gevëderen, gevëdern
swV.
auch gevideren.
‘Federn bekommen’
etlich went fúr varen und went fliegen e daz si geviderent
PrGeorg
182,11;
wer stæte ruowe welle hân, / der sol ân vliegen sich begân. / wer aber ân
vliegen nicht wil sîn, / der volge doch dem râte mîn, / und beit unz er gevedre wol
Boner
64,49
MWB 2 662,53; Bearbeiterin: Czajkowski |