Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
      gewahst stF.
      gewahstuom stM.
      gewaht stM.
      gewalke stN.
      gewalt Adj.
      gewalt stFM.
      gewaltære stM.
      gewaltærinne stF.
      gewaltbrief stM.
      gewaltelîn stN.
      gewalten V.
      gewalterîche Adj.
      gewaltesære stM.
      gewaltesen swV.
      gewaltheit stF.
      gewaltic Adj.
      gewalticheit stF.
      gewalticlich Adj., Adv.
      gewaltigære stM.
      gewaltigærinne stF.
      gewaltigen swV.
      gewaltlich Adj., Adv.
      gewaltmeister stM.
      gewaltnëmære stM.
      gewaltroubunge stF.
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gewahst - gewaltroubunge    


gewahst stF. gewahsede

MWB 2 685,17;

gewahstuom stM. hier bezogen auf ubera tua (Ct 7,7) ‘deine Brüste’ (vgl. gewahsede ): dîn geuuást [Gestalt] íst glîch déro pálmon: únte dîne spúnne [La. gewasduom ] sínt glîch dén uuîntrûbon Will 121,1

MWB 2 685,18; Bearbeiter: Diehl

gewaht stM. ‘Erwähnung’ (zu gewahen ): da got sinen vluoch tuot, / da vellet er den hochmuot, / daz sin wirt dehein gewaht; / da zergat tage unde naht / allez geliche Hochz 751; die verworhtin muozin die hellenot / lidin mit sere, / kein gewaht wirt ir mere LAntichr 1160

MWB 2 685,23; Bearbeiter: Diehl

gewalke stN. ‘Kampf, Streit’ (zu walken stV.): ouch sant er mit im [dem Ordensritter Hermann Balk] , als ich las, / vîrzic brûdre ûzirwelt / unde manchin rischin helt / zu strîtis gewalke NvJer 5675

MWB 2 685,29; Bearbeiter: Diehl

gewalt Adj. ‘mächtig’ er [Joseph] ist uber al Egiptelant ein fiztuom gwalt. / geweltichlîchen er phleget al des ter chunich habet Gen 2494; ich bin der gotes sun / und han der dinge wol gewalt [La. und aller dinge wol gewalt ] ; / min craft ist also manicvalt / daz mir nicht widerstet Pass I/II (HSW) 20177; des lonte ir [Marthe] ouch der gute got / mit richen tugenden genuc, / do sich ir leben hin getruc / uf ein heilic alder / unde si ie gewalder / von tage zu tage an ir wart Pass III 337,28; Mügeln 26,15. – hierher oder zu gewaltære ?: nu was diu ein [Tochter des Königs] elter, / des wolt si sein gewelter, / do der vater vervuor Krone 7923

MWB 2 685,34; Bearbeiter: Diehl

gewalt stFM. 1 (auf Legitimation basierende) Verfügungsgewalt über Menschen und Güter in den verschiedenen Lebensbereichen (entspr. lat. potestas ), ‘Macht, Herrschaft’
1.1 in religiösen Zusammenhängen
1.1.1 auf Gott bezogen
1.1.2 bezogen auf den Teufel
1.1.3 einer der neun Engelchöre
1.1.4 bezogen auf heidnische Götter
1.2 bezogen auf Naturphänomene
1.3 in gesellschaftlichen Zusammenhängen (zur rechtl. stark differenzierten Verwendung vgl. DRW 4,675-697)
1.3.1 herrschaftliche Gewalt
1.3.2 ‘Herrschaftsbereich’ (nicht immer deutlich von 1.3.3 zu trennen)
1.3.3 im weitesten Sinne ‘Verfügungsgewalt’ (nicht immer deutlich von 1.3.2 zu trennen)
1.3.3.1 ‘Befugnis’
1.3.3.2 bezogen auf rechtliche Vormundschaft
1.3.3.3 ‘Amtsgewalt’
1.3.3.4 ‘Schutz, Obhut, Verwahrung’
1.3.3.5 im Sinn von ‘Eigentum, Besitz’
1.3.4 ‘Vermögen, Befähigung zu etw.’
2 negativ wahrgenommene, meist außerhalb einer Legitimation stehende Macht (häufig in negativ konnotierten Verbindungen, entspr. lat. violentia ), ‘Gewalttat, Gewalttätigkeit’
3 phras. (vgl. ausführlicher Friedrich, PhrasWB , S. 164f.)
3.1 ~ unde gewer(de) zur Bezeichnung von Verfügungsgewalt und Besitz
3.2 sprichw. (häufig in Verbindung mit genâde oder rëht , vgl. ausführlicher TPMA 4,459-469 )
   1 (auf Legitimation basierende) Verfügungsgewalt über Menschen und Güter in den verschiedenen Lebensbereichen (entspr. lat. potestas), ‘Macht, Herrschaft’    1.1 in religiösen Zusammenhängen    1.1.1 auf Gott bezogen: daz den gewæren namen drin / ein gewalt ân underscheit / mit drin namen sî bereit RvEBarl 10807; des vater und des sunes und des heiligen geistes ist ein natur, ein gewalt, ein gotheit, ein wille, ein werch PrOberalt 110,36; owi, Jesu, wie michel din tugende vnd din gewalt ist Konr 10,139; ich geben mich an des almehtien godes gewalt, / wande mine sunden sinth so manichfalt, / dat ich si alle nith nemach genennen SüklU 9    1.1.2 bezogen auf den Teufel: [Christus] si ledigot von des tiufels gewalt mit sinem hern pluͦt Konr 20,9; bitz du, groze vrowe, quemes / ind dem vinde sin gewalt benemes MarlbRh 37,6; des Endecristes gewalt ist also gros, das nieman ist sin genos Mechth 4: 27,125    1.1.3 einer der neun Engelchöre: er gab iegelichem chôre sînen namen: / einen namete er engele, den anderen hôchengele, / den dritten gestuole, den vierden hêrscefte, / den vinften namete er gewalte, den sehsten fursten, / einen namete er cherubîn, den anderen sêraphîn Gen 11; di ordenunge dar enmiten / in dru sich ouch geteilt hat, / als der gotliche rat / uf sin lob sie hat gehaft: / gewalt, vursten, herschaft Pass I/II (HSW) 37030    1.1.4 bezogen auf heidnische Götter: Vulkânus ist ein hôher got, / des gewalt in sîn gebot / betwungen daz gesmîde hât RvEBarl 9722. 9813    1.2 bezogen auf Naturphänomene: owê, winter, dîn gewalt wil uns aber twingen KLD: GvN 1: 1,1; der natûre grôz gewalt RvEBarl 6529; sô hêt der stern kreft und ander crêatûr kain gewalt gehabt über den menschen BdN 489,3. 428,4    1.3 in gesellschaftlichen Zusammenhängen (zur rechtl. stark differenzierten Verwendung vgl. DRW 4,675-697)    1.3.1 herrschaftliche Gewalt: imperium: gewalt vel gebot SummHeinr 2:341,01.09; genuoge liute hânt den site, / daz sie vil lobent und schône lebent, / sô sie ze grôzem gwalte strebent; / als sie in denne erstîgent, / daz sie von den êren nîgent / mit maneger slahte missetât Eracl 1850; dû scolt dir einen wîsen man suochen, / der nâh dir daz lant habe in sîner gewalt, / deme daz liut sî undertân Gen 2054; allen den den got geriht und andern gewalt hât gegeben ûf ertrîche SpdtL 149,20; swer lant unt liute hât gewalt, / der sî den slehten sleht, den manicvalden manicvalt RvZw 98,4; Persen ist mir undertân, / Parthis unde Indiân / di stênt an mîner gewalt SAlex 5677; so sol er daz selbe lehen von nieman anderm han wan von der herschefte, und sol enkain unser erbe gewalt hain daz selbe lehen ieman anderm ze lihene UrkZürich 7,65 (a. 1298). – bezogen auf die Macht der Minne: diu Minne nie gewan / grœzern gewalt an deheinem man Iw 1608; minne, dîn gewalt ist wît. / minne, ich bin dir undertân: minne, wis gewaltic mîn KLD:GvN 22: 4,6; minne ist sô gewaltec / daz ir dienent elliu lant: / ir gewalt ist manecvaltec KLD:UvL 30: 3,3; o minnebant, din suͤssú hant hat den gewalt, si bindet beide jung und alt Mechth 5: 30,7; frouwe guot, du hâst gewalt: / minne dienet dir vür eigen SM:JvW 3: 2,7; ir güete kêre mirz ze guote, / die mîn herze und al den lîp / âne valsch in ir gewalt betwungen hât SM: UvS 15a: 1,5    1.3.2 ‘Herrschaftsbereich’ (nicht immer deutlich von 1.3.3 zu trennen): er was geheizen Omin. / wîten ginc der gwalt sîn, / michil was sîn heriscraft SAlex 100; din gewalt wirt also wit, / daz dir in ertriche / nechein kuninc ne mac gelichen TrSilv 501; ich wil mich dâ hin neigen / dâ sîn gewalt ende hât / und mîner sêle wirdet rât Wig 8184; aller schatz under erde vergraben tiufer denne ein pfluoc gât, der gehœret zuo dem küniclîchen gewalt SSpAug 116,17; ein iklich man, der hus unde hof hat, der hat gewalt unde vride also verre, alse sine troufe vellet, daz da nimant gesten noch gevarn mac wider sinen willen StRFreiberg 33,23    1.3.3 im weitesten Sinne ‘Verfügungsgewalt’ (nicht immer deutlich von 1.3.2 zu trennen)    1.3.3.1 ‘Befugnis’ Zenophilus, min geselle, / wir sulen des sendes phlegen. / den gewalt hat uns geben / der riche keiser Constantin TrSilv 693; des küneges marschalc von Îrlant, / in des gewalt und in des hant / ez allez stuont, stat unde habe Tr 8730; die frauw hatt die burg in ir gewalt Lanc 204,20; er sol sô er aller baldeste mac ze dem rihter komen, unde sol sich in des rihters gewalt mit sînem lîbe ergeben SpdtL 140,6; die râtman haben die gewalt, daz sie richten uber [...] vnrechte wage vnde vnrechte schephele vnde uber vnrecht spisekovf vnde uber meynkouf UrkBresl 18 (a. 1261); welcheme brûdere von dem meistere oder von dem, der den gewalt von deme meistere hat, bevolhen wirt die sorge der sîchen StatDtOrd 33,13; wer aus der gewalt heirat, den pezzert mein frau [die Äbtissin des Klosters] nach genaden WeistGr 6,183 (14. Jh.)    1.3.3.2 bezogen auf rechtliche Vormundschaft: darzuͦ sprach er [Gott beim Schöpfungsakt] si [die Frau] solte wesen undir mannes gewalte / und allis dinges undirtan swaz ir gebute der man GenM 18,20; die zeit und der sun in dez vater gewalt ist, so mag er ân dez vater willen und wort sein erbtail niht versetzen noch verchumbern noch anwerden noch verchauffen StRMünch 284,3. – jmd., der gerichtlich durch einen Vormund vertreten wird: hat ein man gesinde, iz si knecht oder mait, di in sinem brote sin, he habe si gemietit und ungemiettit, di heizen sin gewalt, also daz he vor si klagen unde antwerten mac, ab he wil StRFreiberg 257,9; ist, daz ein man pfandunge irteidinget uf einen vormunden unde uf sine gewalt ebd. 147,15 u.ö.    1.3.3.3 ‘Amtsgewalt’ mir hat der kvnic riche / disen gewalt verlihen, daz er [bezogen auf gewalt ] si min. / ich sol hie ebtessinne sin ReinFu K,2145; dirre rat hat ouch den gewalt dise gesetzede ze bezzerne unde ze beswerene mit allen den dingen, damite dise selbe setze stete blibe WüP 7m,2; ez sullen oͧch die schephen, di iezund sind, sitzen in dem gewalt und sûllen allen den gewalt haben, den schephen durch reht haben sûllen UrkFriedb 115 (a. 1331); ein rihter niht mag schuldig wesen, / das er gen gote manslegig sî, / ob im der gewalt wonet bî, / das er über das bluot ze rihten hât Ammenh 5474; einen stab in seiner [des Büttels] hant. dô ist mit bezaichent der gewalt, den er von dem gericht hât, und sein ampt RbRupr 58. – daraus abgeleitet ‘Beauftragter, Stellvertreter’ da sant an einem morgen / der senat sin gewalt / das man in [Tarquinius] sold verderben, / ersterben Mügeln 355,4; tue wir des nicht, so schol in der herzog in Osterreich oder sein gewalt unsers guets als vil in antwurten da von si gerichten werden ir schadens gar und ganz mit unserm gueten willen an alle chlag und an allez furbot UrkPölt 340 (a. 1341); UrkHohenz 3,177 (a. 1348). 3,128 (a. 1344); StRFreiberg 78,13    1.3.3.4 ‘Schutz, Obhut, Verwahrung’ so schult ir ivch mineme trehtine beuelhin mit libe unde mit sele unde schult in vil innechliche bitten, daz er ivch in sinem gewalte habi unde daz er ivch bewâre uor deme leidigem viande Spec 83,5; sælde, vreide, herze, lîp / hât ich einem wîbe in ir gewalt gegeben SM:UvS 19: 1,4; sô sal man denselben schaz bewaren mit drîn slozzen unde mit drîn sluzzelen, der sol einer sîn in des meisteres gewalt, der ander in des grôzen commendûres gewalt, der dritte in des trisêreres gewalt StatDtOrd 97,32; ist dâ nieman der sich sîn [des Erbes] underwinde, sô sol es sich der herre underwinden mit sînen boten, unde sol daz guot in sîner gewalt haben jâr und tac unvertân, unde sol warten ob sich ieman dar zuo ziehe SpdtL 109,19. 125,5; SSpAug 210,20; OberBairLdr 35. – ‘Gefangenschaft, Geiselhaft’ des wart der rîter sigehaft. / in sîn gewalt muos er sich geben Wig 2137; Parz 287,29; he gaf sich in des vinds gewalt, / he ded im manschaf in sin hende MarlbRh 17,32; wir wollen uch die in uwern gewalt geben die uch diß gethan hant Lanc 97,36. 68,5. mich hânt gedanke manicvalt / sô genomen in ir gewalt, / daz ich beswæret sêre bin RvEBarl 13830    1.3.3.5 im Sinn von ‘Eigentum, Besitz’ das ditz puech den ungeleübigenn zehannden köme und ze dem gewalt [ ad potestatem ] der hochvertigen HvHürnh 3,9; nu bint unser secke ûf, und in swelches gewalte du in [den Becher] vindest den tœte BuchdKg 24,4; daz lêhen [des Geächteten] wirt dem herren ledic, [...], daz eigen dem küniclîchen gewalt, ob er niht erben hât SpdtL 119,8; wan, der sînen willen und sich selber læzet, der hât alliu dinc gelâzen als wærlîche, als sie sîn vrî eigen wæren und sie besezzen hæte in ganzem gewalte Eckh 5: 195,6    1.3.4 ‘Vermögen, Befähigung zu etw.’ pei dem gewalltt der verstandenhait [ apud potentiam intellectus ] ist nichtes nichtt müelich und alle ding sint wissenlich auf dem weg der weschaidenhait HvHürnh 26,6; ich han enheinen gewalt denne alleine, das ich súndegen mag Mechth 2: 24,60    2 negativ wahrgenommene, meist außerhalb einer Legitimation stehende Macht (häufig in negativ konnotierten Verbindungen, entspr. lat. violentia), ‘Gewalttat, Gewalttätigkeit’ stîg und wege sint in benomen: / untriuwe ist in der sâze, / gewalt vert ûf der strâze, / fride und reht sint sêre wunt Walth 8,25; KvWLd 2,47; beide gewalt vnde vnrecht Herb 2675; daz sî den kempfen bringe dar / der sî gewaltes bewar Iw 6034; doch ist ez alsô dar komen von gewalt unde mit getwancsal, daz ez nu reht ist SpdtL 134,12; haimsuche, diupstal, vraefel unde allen gewalt StRAugsb 13,18; owê gewaltes, den sî an mir begât! MF:Reinm 11: 5,16; die guotes vil / hânt mit rîcheit manicvalt: / die vürhtent weltlîchen gewalt, / und maneger arbeit überkraft / von ir guote und vîentschaft RvEBarl 5236; BdN 361,17. – oft in der Wendung mit ~ ‘mit Kraft, Gewalt’ mit gewalte niemen erwerben mac die maget NibB 57,1; [dass] in der ungefüege stich / mit craft und mit gewalte / zuo der plânîe valte KvWTurn 219; Herb 18136; he inwolliz dannin vuri mit unrechtir giwalt Mühlh 154,19; da brachen sie den vride an im unde an sime gute unde roubeten im daz abe mit gewalt oder stalen im daz abe dupliche StRFreiberg 134,6; deu frauwe hiet iez in ir gewalt gehabt, vntz sis der bischolf entwert mit gewalte [lat. sine iure ] UrkEnns 3,194 (a. 1252); trûren mit gewalte hât gankert in mîns herzen grunt KLD:BvH 9: 3,1. – ‘Heeresmacht’ der vil süezzen, der ich diene, / singe ich disen sang vor Wiene, / dâ der künig lît mit gewalt SM:KvL 5: 5,6; ô Terramêr durh Tybalt / ze Oransche kom mit dem gewalt / und iuch des hers vluot besaz Wh 252,12; Galahut sant im zwenczig tusent ritter. sie kamen mit großem gewalt den konig zu beschútten Lanc 237,13. mit ~ nëmen: wer dem ander sin tuͤr ufstoͤzzet und sin kannen abe brichet oder ander sin guͦt nimt, raublich oder dieplich, frevelich oder mit gewalt, bi naht oder bi tage WüP 40,3; daz er die schonen Elenam / zv crichen mit gewalt nam Herb 3518; sie namen Troylun mit gewalt. / doch werte sich der degen balt ebd. 5116; Athis D 43; diu gewaltærinne Minne / diu was ouch in ir sinne / ein teil ze sturmelîche komen / und hæte ir mit gewalte genomen / den besten teil ir mâze Tr 964; so wolt er komen und die kint mit gewalt nemen und yn beiden ir lip thun nemen Lanc 63,29    3 phras. (vgl. ausführlicher Friedrich, PhrasWB , S. 164f.)    3.1 ~ unde gewer(de) zur Bezeichnung von Verfügungsgewalt und Besitz: der selbe hat das gut land / in gewalt und in gewer HvNstAp 4364; ich wil die vil guoten flêhen umbe ein ding daz ich doch hân / in gewalt und in gewer KLD:BvH 17: 1,3; KvWSchwanr 475; daz ich den selben hof inne haben sol in gewalte vnd in gewer UrkCorp (WMU) 1121,11; demi man [...], die diz guit in giwalt undi giwerin heit Mühlh 120,5; swer ein guot in gewalt und in gewerde hât âne widersprâche vierzic jâr [...], daz ez der mit rehte iemer mêre haben sol PrBerth 1:574,18    3.2 sprichw. (häufig in Verbindung mit genâde oder rëht, vgl. ausführlicher TPMA 4,459-469 ): wan es ist ein altes wort, / das man ofte hat gehôrt: / swâ unadel gewaltes pfligt, / unart vil dik dem angesigt Ammenh 9687; weistu wol daz gnâde bî gewalte zimt? KLD:Rub 15B:3,7 (vgl. → genâde 6); ouch hand ir, waͤn ich, dik gehôrt, / das vor mir ist gesprochen ein wort: / pfersichboum, [und] unrehter gewalt, / das die [beide] kûme werdent alt Ammenh 9087; gewalt witzen an gesigt, / daz sprichwort wart bewæret dâ Ottok 31213

MWB 2 685,47; Bearbeiter: Diehl

gewaltære stM. gewalt Ausübender, Mächtiger’ wider arke noch alter / noch si niekein gewalter HeslApk 11812

MWB 2 689,44; Bearbeiter: Diehl

gewaltærinne stF. gewalt Ausübende, Mächtige’ (vgl. gewaltigærinne ): diu gewaltærinne Minne / diu was ouch in ir sinne / ein teil ze sturmelîche komen / und hæte ir mit gewalte genomen / den besten teil ir mâze Tr 961

MWB 2 689,47; Bearbeiter: Diehl

gewaltbrief stM. ‘Urkunde zur Erteilung einer Vollmacht’ si habent uns auch eingeantwort dy zwen gewalt brief, die in uber die egenant pflegnüsse in Kerenden von dem egenanten erwelten ze einem byschoff und dem capitel ze Bamberg geben waren UrkLudw 184 (a. 1337)

MWB 2 689,52; Bearbeiter: Diehl

gewaltelîn stN. Dimin. zu gewalt : tumpliche tuͦt er, der sich kegen sinen rechten herren setzet. / gewalt gesiget vil gerne an gewalteline Meissner 16:2,8; swâ sich gewalt gewaltelînen [Pl. (oder sw. Dat. Sg., vgl. Anm.z.St.)] / lât übercriegen unt die sînen RvZw 282,10

MWB 2 689,58; Bearbeiter: Diehl

gewalten V. zu walten stV. (VII) (überw. mit Gen.), auch sw.; gegenüber dem Simplex erweitertes Bedeutungs- und Konstruktionsspektrum unter dem Einfluss des Subst. gewalt und seiner Ableitungen (vgl. DWB 4,1,3,5097ff.). ‘Macht haben, Gewalt ausüben, verfügen (über jmdn./etw.); etw. in der Gewalt haben, besitzen’ 1 ohne Obj.
2 mit Obj.
2.1 mit Gen.
2.2 mit Akk.
2.3 mit Dat.
3 mit Präp.-Obj.
   1 ohne Obj.: sie wellent gewalten mere / durch werltliche ere Warnung 857; der zepter [das Z. der zur Regierung Berufenen] wil gewalten, / recht und unrecht zerspalten Frl 9:8,7    2 mit Obj.    2.1 mit Gen.: nieman ne mach sînen lîb / vor ime [dem Pferd Bucephalos] gesunt behalden, / swes iz mûz gwalden [den es in seine Gewalt bekommt] SAlex 357; wirde ich [Isaac] des wînes vrô daz ich gewalte mîner worto, / sô wil ich dich [Jakob] wîhen Gen 1121; Agomennonem sie baten, / daz er des hers gewilde / vnd diz folc an in gehilde Herb 2863; er spranc winsterhalben an ir wîzen hant: / houbet unde hals gie im vil vaste entwer, / dem gelîche, als der des lîbes niht gewalten mac Neidh WL 34:7,3; ich weiz wol daz groͤzerr tugent / uf erde nie kein wip gewielt [besaß] Rennew 10665; er sî gewesen sunder meil / der sunden, wan ungarbez teil / sîn nî gewalte JvFrst 1821    2.2 mit Akk.: der stein vortribet die gicht / und daz leben uf heldet, / also treit und geweldet / Jhesus Crist sine cristenheit HeslApk 21528; seit er denn nicht gewalten mag / daz gelukch untz auf sein end / noch daz ungelukch von hend / werffen mag Teichn 443,12; wie mag uns iemen gewalten [unter Druck setzen] / daz wir lân tugent unde got? WälGa 5208; RvZw 272,4. duo hiez er si wisen / zuo dem vronem paradyse, / [...] / unt ub siu daz behielten, / vil maneger gnaden si gewilten [teilhaftig werden] VEzzo 86; lebe unt tuͦ, / als dein vater habe getan! / der hat als ein getriwer man / unser ê behalten. / wir tuͦn dich noch gewalten / vil werltlicher eren Jüdel 186    2.3 mit Dat.: sît minne kraft hât sô vil / daz sî gewaltet [überwältigen] swem sî wil / und alle künege die nû sint / noch lîhter twinget danne ein kint Iw 1568    3 mit Präp.-Obj.: waz wider got gewalten wil, / daz wirt von in [dem Engelchor ‘Potestates’] vertriben Suchenw 41,1168; jr enwellent mit ir [Enite] gewalten, / so hat sie verdienet das, / daz an ùch mynne und der hasz / nymer sich geparierret Krone 24560; ist ez [das Pferd] des mundes ungehalten [ungezäumt ?] , / son mahtû niht mit im gewalten: / ez treit dich vil lîhte an die stat, dâ dû ungerne bist RvZw 265,5

MWB 2 690,1; Bearbeiter: Diehl

gewalterîche Adj. ‘machtvoll, kräftig’ Ninus der krefteriche man / so sere wahsen do began / das er wart der herste, / der rihste und der erste / der mit gewalterichir hant / begunde twingin do dú lant / uz wendig sinir marche zil RvEWchr 3414

MWB 2 690,51; Bearbeiter: Diehl

gewaltesære stM. auch gewaltscher. gewalt Ausübender, Mächtiger’ der gewaltesære, / der vrouwen kempfe Tr 11027; die sênatôren von der stat / und die gewaltesære / enwolten niht der mære / gelouben daz der reine Krist / in himel unde ûf erden ist / gewaltic iemer âne zil KvWSilv 2071; ir röuber und ir unrehten gewaltesære, die dâ arme liute verderbent unde verdruckent mit ir unrehtem gewalte PrBerth 1:260,37. 1:90,2. – einer der Engelchöre: nu fuor Marîa hôher baz, / bî daz si bekomen was / ze dem vierden chôre, der / geheizen ist Gewalteser WvRh 15326. 13055; dú driheit der anderen schar [der zweiten Hierarchieebene der Chöre] , die herscher, kreftger und gewaltscher Seuse 243,18; RvEGer 347(La.)

MWB 2 690,56; Bearbeiter: Diehl

gewaltesen swV. Intensivum zu gewalten ‘überwältigen’ swaer den andern beschadeget in sime chorn, ist daz bi der naht, wirt er daran begriffen, daz heizzet ein diupstal, mag er den gewaltsun, so sol man in in den stok legen StRAugsb 172,3

MWB 2 691,7; Bearbeiter: Diehl

gewaltheit stF. ‘Kraft, Macht’ er tet gualtheit in arme sinem [ fecit potentiam in brachio suo ] . er zefuorte die ubermuoten in dem muote hercen ire WindbCant 140

MWB 2 691,12; Bearbeiter: Diehl

gewaltic Adj. 1 ‘mächtig, gewaltig’
1.1 positiv
1.1.1 attr.
1.1.2 überw. präd.
1.1.2.1 ohne Erg.
1.1.2.2 mit Gen. ‘Macht, Vollmacht über jmdn./etw. habend’
1.1.2.3 mit Akk.
1.1.2.4 mit präp. Erg. (meist über )
1.2 selten bereits negativ
2 ‘einer Sache teilhaftig’ (mit Gen. oder präp. Erg.)
3 ‘fähig’
4 ‘kräftig, groß’
5 subst.
   1 ‘mächtig, gewaltig’    1.1 positiv    1.1.1 attr.: sin geweldegiv godeheit PfJud 20; nim in dine hant al mine sinne, / allergeweldigst keiserinne! MarlbRh 2,36; wa ich iw erwette den rethen munt [Vormund] , den gewerten munt, den gewaltigen munt Trauformel 6; ain prelat oder ain gewaltiger wertlich herre SpitEich 21,12; ein gewaltig man / dem ein lant waz undertan Teichn 38,21; dem rihter und den gewaltigen liuten [ maiores natu et optimates III Rg 21,8] die in der stat wâren BuchdKg 55,3; RvEWchr 11425; das solt den wol ain bÿschafft [Beispiel] geben / die hie hand ain gewaltig leben [als Mächtige] KvHelmsd 500; daz Dietmar [...], geweltich seiner sinn [seiner Sinne mächtig] vnd seiner witze, [...] hat gegeben [...] sein havs UrkCorp (WMU) 3093,8. – in rechtl. Zusammenhängen ‘ermächtigt, bevollmächtigt’ da sal he din sculteizin zu ladi edir sienin giwaldigin botin Mühlh 118,9. 130,11; daz bezugit man wol mit im, wen he gewaldiger richter ist unde sin gerichte von dem konige hat StRFreiberg 223,22; UrkIndersd 47 (zw. 1294-1300); mach der selbe gerihten vor vnserm rihter oder vnserm gewaltigem amptmanne UrkCorp (WMU) 2383,13. 2653,25; RbHohenlohe 301; biz er gewaltiger chuͤnich und chroͤnt wirt datz Ach MGHConst 5:23,1 (a. 1314). 6,1:412,38 (a. 1328); di sache vnd di ansprache vmb aigen vnd vmb lehen vnd vmb gewaltige [auf Vollmacht beruhende] gewer UrkCorp (WMU) 631,15    1.1.2 überw. präd.    1.1.2.1 ohne Erg.: vil gewaltich ist unser trehtîn Gen 55; frouwe, minne ist sô gewaltec / daz ir dienent elliu lant KLD:UvL 30: 3,1; swâ rîcher man gewaltic sî, / dâ sol doch gnâde wesen bî Freid 40,13; da tet im chunt der kelner / das er nymer gewaltig waͤr [kein Amt mehr habe] , / er wer nu gesetzt ab Teichn 685,82    1.1.2.2 mit Gen. ‘Macht, Vollmacht über jmdn./etw. habend’ der des lantes ist geweltich Gen 2248; wer was gewaldigere, / [...], / lûtis unde burge SAlex 3841; Ottok 86288; hei wan muoste ich ir alsô gewaltic sîn, / daz si mir mit triuwen waere bî MF:Mor 5: 2,3; kein sperwer sô gewaltec / wart nie der cleinen vogellîn KvWTurn 1120; der oitmoedege mynsche der is godes also geweldich as hey syns selues is Eckh 1:235,11; Tauler 348,9. 374,35; vnd sont gewaltig sin ze richtende, swer ins clagit UrkCorp (WMU) 1262,2; 254,25. – bezogen auf Vormundschaft: stirbt ein man ân geschaeft und laet hie hawsfrawen und chint, so sol diu witub der chind und dez guͦtz gewaltich sein StRMünch 347,1. – bezogen auf Beischlaf: dâ von wart ich ir gwaltic, daz si mich niht ensach. / swie sêre si sich werte, sô wart si doch mîn wîp OrtnAW 173,2; ir herren, ich [Lot, vgl. Gn 19,8] han zwo toͤhtera. die mannes noch nie gewaltech wurden die nement und begant iu mit in swie ier wellent PrSchw 1,24; ein junger phaffe [...] gelobete unser vrowen sinen magetum und reine zu blibene, also daz er nummer wibes lip wolde gewaldik werden HlReg 2,25    1.1.2.3 mit Akk.: swaz ritter ich gewaltec bin, / die müezen alle dar in StrAmis 579    1.1.2.4 mit präp. Erg. (meist über): so sal ouch ein man an sehen welch element an im gewaldic si SalArz 48,28; der tuvil wart ubir unsich giwaltig SuTheol 119; ouh wâren kuninge creftich / hêr unde mehtih / ubir manige diet gwaldich SAlex 55; ich [der König der Ameisen] laze dich [Reinhart Fuchs] in disem walde min / vber tvsent bvrge gewaltic sin ReinFu K,2062; RvEBarl 15198; HagenChr (G) 190    1.2 selten bereits negativ: daz dar vmbe dhain vͤbel oder dhain gwaltiger oder hæizzig chrieg nimmer vf gestê UrkCorp (WMU) 2793,33; Paulus hat vil geweltiger vnd strenger tyranne gestroffet vmb ire missetat ElsLA 416,13    2 ‘einer Sache teilhaftig’ (mit Gen. oder präp. Erg.): si [Kriemhilt] gedâht’ ouch maniger êren von Nibelunge lant, / der si dâ was gewaltic NibB 1392,2; das in al unse vestin offin und bereyt und gewaldik solle sin [zur Verfügung stehend] UrkSchlesFürst 1:158,28 (a. 1341). – überw. in den Wendungen jmdn. ~ tuon, machen ‘jmdm. Macht verleihen (über etw.), jmdn. einer Sache teilhaftig werden lassen’ und scolt dû mich wîhen, dîne sâlde mir verlîhen, / geweltich tuon dînes erbes, ê dû ersterbest Gen 1145; swaz von erzenîe mac geschehn, / des tuot si [Cundrîe] mich [Arnîve] gewaltec wol Parz 579,27; sô sol der rihter [...] die vrauwe ir guotes gewaltic tuon, des si ê ungewaltic was SpdtL 121,11; daz sie di dri vor genanten buͤrge vnserm nachkomen nimmer geantwuͤrten oder gewaltik tuͤn UrkCorp (WMU) 2664,34; UrkErf 2,43 (a. 1327); StRFreiberg 27,5. er machet in gewaltic / in sinem riche maniger grozen eren Rol 3662; daz ich dich minir gnade also gewaldic mache Parad 42,26; als ob der keyser ytzunt quem / und mich by miner hende neme / und mich macht gewaltig / der lande manigvaltig Minneb 4715; habend uns und unsern rätte baidenthalben gwaltig gemacht über alle ihre sache ain müne oder ein recht zu sprechen DRW 4,706 (Foffa.; a. 1322); UrkCorp 1062,36. ich wil dich setzen gewaldic in mîme rîche HvFritzlHl 256,13    3 ‘fähig’ er [Gott] waz geweltich ze machen den wein von nichte; der an dem angeng der werlt elliu dinch von nicht geschuf PrOberalt 36,30; also bin ich geweltich auf ze sten von dem tode ebd. 53,15; waz rumest du dich in der ubele du da geweltich bist ze dem unrehte PsM 51,3; wan ich [Johannes der Täufer (vgl. Mt 3,9)] sage ivch. wan got ist gewaltich [ potens ] von disn steinen ze chücken di sün Abrahe EvAug 4,21    4 ‘kräftig, groß’ dar inne wâre gewaltiger ganch Gen 691; alsus wart daz chint Alexander / beide listich unt geweltich unt balt VAlex 223; das er mit gewaltiger hant nit gestochen hett Lanc 608,1; daz er selber mit seiner hant ain snuor in ain geweltigez feur würf BdN 278,10; Platearius spricht, daz opobalsamum die pesten und die geweltigisten kraft hab [ optimam et potentissimam habet virtutem ] , wan ez ist haiz und trucken ebd. 359,23    5 subst.: die geweltigen diser werlt PrOberalt 170,33; daz dw gewaltigen und dw reichen / selber hordent und nicht gebent Teichn 399,6; he hat diͤ geweldgen [ potentes Lc 1,52] nider gesat / ind diͤ otmuͤdgen in diͤ hoge stat MarlbRh 76,9; EvAug 125,14; KvHeimHinv 1043; so solt man dem gewaltigistem gehorsam sein RechtssA G16,11. – Bevollmächtigter: wær aber er ein gwaltich, der ez verchauffet, der sol zweier pfunt schuldich sin dem geriht UrkCorp (WMU) 1796,25. – einer der Engelchöre: der erste kor von den der heisset potestates. und der ander principatus. und der dritte dominaciones. dise drije heissent die gewaltigen und die fúrsten, und die heissent die herren Tauler 374,33

MWB 2 691,16; Bearbeiter: Diehl

gewalticheit stF. 1 ‘Gewalt, Machtfülle’
2 ‘Vergewaltigung’
   1 ‘Gewalt, Machtfülle’ erweche gualticheit dine [ excita potentiam tuam ] PsWindb 79,3. 70,18; wir loben dich, herre, das du úns hast beschirmet mit diner gewaltekeit Mechth 1: 6,9. 7: 37,21; ich [Pilatus] han dw gewaltichait / daz ich dich [Jesus] wol leben lazz / oder setz in dodez sazz Teichn 406,46    2 ‘Vergewaltigung’ das eine’, sprach sij, heißet geweldikeit [afrz. raptus ] , / das ander der unkuscheit mit sime geslechte deit, / das dritte der jungfrauwen entblumonge, / das vierde mit eins andern wibe umb gan Pilgerf 10817

MWB 2 693,24; Bearbeiter: Diehl

gewalticlich Adj., Adv. adv. auch -lîchen. 1 positiv ‘machtvoll, kräftig’
1.1 selten attr. oder präd.
1.2 überw. adv.
2 negativ ‘gewaltsam’
   1 positiv ‘machtvoll, kräftig’    1.1 selten attr. oder präd.: er quam geriten in ir lant / mit gewalticlicher hant / und mit sô starker herescraft KvWSchwanr 160; von rîcher hêrschaft, / die mit gewalteclîcher kraft / muosten ez beschirmen ie ebd. 13010 daz ein kint von mir komen sol, / daz wirt gewalticlîch / in dem künicrîch EnikWchr 19875; WernhMl 2312    1.2 überw. adv.: under wegen er bedwanc / manige burch unde lant / gewaldichlîche ze sînen handen SAlex 2201; niemir du [Marsilie] widir chere / unze du al Francriche / sam gewalticliche / in dine gewalt gewinnest Rol 3750; Parz 266,23; Wig 8602; Ottok 1997; minne, du hâst mich uberkomen / gewalteklîh gên der frowen mîn SM:JvW 4: 5,2; KLD:Kzl 7: 2,7; Mechth 5: 9,3; der wild [Kichererbse] ist pezzer und haizer und læt sich paz däwen und würkt gewelticleicher wan der haimisch BdN 389,13; do machoten siu ez hern Cvͦnraten dem Schaze wider ze lipgedinge gewaltichliche [verfügungsberechtigt] ze niezen unz an sinen tot UrkCorp (WMU) 559,17. – steigernd ‘außerordentlich’ nû süllen wir [...] / von dem künig heben an, / wie der dar nâch rîchsen began. / er was gewalticlîch starc; / er het goldes, silbers manic marc EnikWchr 26681; sust ist daz kint noch sicherlich / gewalticlich gewaltig / mit eren manigvaltig / dez huses da zu Freudenberg Minneb 3801    2 negativ ‘gewaltsam’ mir [Marsilie] ist liebir daz ich ersterbe, / denne mich die Karlinge / so gewalticlichen dwingen Rol 5236; unser habe, / die man uns hie wil brechen abe / gewalticlîche und âne reht KvWSchwanr 621; also, daz des vorgenanten herren sun von Hohenloch, her Cvͦnrat, in het gewalteclich entwert der buͤrge ze Bvͤetert UrkCorp (WMU) 2930,4; swer dem andern sin trinkchen gewaltichlichen uz trait [entwendet] , der sol [schuldet] dem rihtær zwen und sibenziͤkch phenning ebd. 3452,24; etsliche ungetruwe / haben von bosme gebruwe / besezzen gewaldecliche / gar unserre vetre riche Macc 6601

MWB 2 693,35; Bearbeiter: Diehl

gewaltigære stM. gewalt Ausübender, Mächtiger’ 1 positiv
2 einer der Engelchöre
3 negativ
   1 positiv: si jehent daz nû her sül chomen / ein starc gewaltigære. / waz ob sich unser swære / mit dem selben endet? KvHeimUrst 1823; die tûfel wunderte aber mêr, / wer der gewaltigêre, / der êren konic, wêre Erlös 5032; daz er [Jesus] zeigte, daz sin vater were ein gewaltiger [ ostenderet patrem suum esse auctorem ] , von dem er ouch ewiclichen fürgegangen waz nach der gotlichen naturen ThvASu 110,34; welher daz nit tet, richer oder armer, gewaltiger oder ungewaltiger, der sol und muͦz dieselben pen, [...] nach siner schuld zwivalt liden StRNördl 22    2 einer der Engelchöre: die sehsten sint ahtbere, / heizzent Gewaltigere HvNstGZ 8021; Tauler 375,12    3 negativ: er [Ysaia] saget angeslîchiu mære / von den gewaltigæren: / die sint in ir trunkenheit / zuo den sünden vil bereit LBarl 3730; abir von den tagin Jôhannis des toufêres sô lîdet di craft daz rîche der himele, und di gewaldigêre roubin iz [ violenti rapiunt illud ] EvBeh Mt 11,12; Hiob 15146; wirdet ein man uberloufen in sime huse [...] von gewaldigeren oder von luten, [...] di da triben unrechte gewalt StRFreiberg 169,38

MWB 2 694,12; Bearbeiter: Diehl

gewaltigærinne stF. gewalt Ausübende, Mächtige’ diu gewaltærinne [La. gewaltigerinne ] Minne, / diu was ouch in ir sinne / ein teil ze sturmelîche komen / und hete ir mit gewalte genomen / den besten teil ir mâze Tr (M) 959

MWB 2 694,36; Bearbeiter: Diehl

gewaltigen swV. auch geweltigen. 1 ‘jmdn./etw. überwältigen, in seine Gewalt bringen, beherrschen’
1.1 mit Akk.d.P.
1.2 mit Akk.d.S.
2 überw. in Rechtstexten ‘jmdm. etw. in seine Gewalt geben, jmdn. in seinen Besitz einweisen’
2.1 mit Akk.d.S. und Dat.d.P.
2.2 mit Gen.d.S. und Akk.d.P.
   1 ‘jmdn./etw. überwältigen, in seine Gewalt bringen, beherrschen’    1.1 mit Akk.d.P.: wan diz mer noch in deme libe unbe gat / vnde mich so geweldigit hat / daz ich widir vweris herren man / negeine gote rede ne kan Roth 1027; wer zemit das wilde dier wende dez menshen wisheit? [...] wer geweldiget daz wilde tyer wen dez menshen vndersheit? SalHaus 33,19; lîhteclîche er sich hete gelâzen überwinden unde gewaltigen mit den sünden DvAOff 12; ‘so slag ich uch dot!’ sprach Hestor. ‘das mag wol geschehen’, sprach Persides, ‘so ir mich nu gewaltigent.’ Lanc 440,5. – auch ‘jmdm. Gewalt antun’ is aber daz ez sô ergêt, / daz mich gewaldeget oder slêt / der herzoge Turnûs En 11732; daz [...] etliche gent mit liehten verborgen under iren menteln mit swerten, langen messern [...] unde die lûte gewaltigent unde ubergriff duͦnt UrkSpeyer 444,22 (a. 1347)    1.2 mit Akk.d.S.: also wir in [die christlichen Kämpfer den Heiden] entwichen, / so richtent si uf Mahmeten, / so geweldigent si lant unde stete Rol 922 u.ö.; der rauch [...] betrüebt die gaist, daz der sêl kreft si nicht gewaltigen mügent in irn werken BdN 8,29. er [der Bär] geweltigot im den arm, / daz flaisc er ime allez abe brach Rol 3077    2 überw. in Rechtstexten ‘jmdm. etw. in seine Gewalt geben, jmdn. in seinen Besitz einweisen’ Margareta missa fuit in possessionem dicte hereditatis, id est wart geweldigit UrkPrivR 109,4 (a. 1284). – hierher?: procurator [...] nomine procuratorio pro eisdem institutus seu introductus sit potentia, que vulgariter gewelget appellatur RegErzbKöln 4,378 (a. 1326)    2.1 mit Akk.d.S. und Dat.d.P.: alle irdische krone / geweltige ich dir [Roland dem Kaiser Karl] ze Rome Rol 1849; dat wir [...] si ouch ind ire erfnâmen an dat vurschreven erve ind gût brengen ind dôin schrîven ind geweldigen nâ rechte ind gewôenden der steede van Cölne UrkPrivR 149,25 (a. 1349)    2.2 mit Gen.d.S. und Akk.d.P.: sint [danach] sie der richter der vrowen vormunde, und gewaldige sie von gerichtes halben ires gûtes, des sie entweldiget was SSp (W) 1:41; zu hant dar nâh sal her in gewaldige sîner gewere ebd. 2:25,1; ich [Claudas] sol uch [Ban] machen ein gut teiding: geweltiget mich der burg, und ich geb sie uch wiedder off solch rede das ir zuhant werdent myn man und alles uwer lant habent von mir zu lehen Lanc 3,37

MWB 2 694,41; Bearbeiter: Diehl

gewaltlich Adj., Adv. ‘mächtig, gewaltig’ sin [Japhet, vgl. Gn 9,27] rîche / uil gewaltliche VMos 14,29; er ne gehugte sines gewaltis [der König von Ninive, vgl. Ion 3,6] , da er die gewaltlichen gotheit erchanti Spec 63,6; die mit gewalteclîcher [La. gewaltlicher ] kraft / muosten ez beschirmen ie RvEBarl 13010; uns here [unser Herr] hat geweltlich gevaren, / he hat zestört der stolzen scharen MarlbRh 76,5

MWB 2 695,26; Bearbeiter: Diehl

gewaltmeister stM. ‘städt. Bediensteter mit polizeilichen und richterlichen Funktionen’ we darweder deit, [...], de gilt zein marck ze boissen, half der stede inde half den geweldemeysteren UrkKöln (St) 1:50,13 (a. 1341) u.ö.

MWB 2 695,35; Bearbeiter: Diehl

gewaltnëmære stM. ‘jmd., der zum Mittel der Gewalt greift’ vnd also ist ez vmb einen dieb oder rauber oder vmb einen gewaltnemer vnd twinger, die sind auch daz guͦt schuldig wider ze geben RechtssA V26,157

MWB 2 695,40; Bearbeiter: Diehl

gewaltroubunge stF. ‘gewalttätiger Raub’ alle gewaltroubunge ist mit gelodem [ omnis violenta praedatio cum tumultu ] Cranc Jes 9,5

MWB 2 695,45; Bearbeiter: Diehl