g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezîte Adv. gezît|zal stF. 1geziuc stM. 2geziuc stM. geziucbære Adj. geziucheit stF. geziuclich stN. geziucnisse stFN. geziucrëht stN. geziucsal stN. geziucsalunge stF. geziucsame stF. geziucschaft stF. geziucvol Adj. geziucwîn stM. geziuge swM. geziuge stN., geziugede stN. geziugeden swV. geziugelîn stN. geziugen swV. geziugunge stF. geziune stN. gezobelet Part.-Adj. gezoc stMN. gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gezîte
Adv.
‘frühzeitig, rasch’
Malfer, du bist gevlogen / zu gezite von dem neste
Rennew
12683;
wir son och dc cruͥze Iehsu Cristi gezît an uns nemen dc uns der zît
iht zerrinne PrSchw
2:104;
Kolmas
121,11(La.);
der herzoge Muralan / er rief uil
gezit [sogleich] : / ‘wir haben hi ain sconez
uolcwic!’ Rol
4565;
PrBerth
1:36,2.
1:36,34
MWB 2 762,42; Bearbeiter: Richter
gezît|zal
stF.
‘Zeitrechnung, Kalenderrechnung’
Julius der keiser vort / regnirte funf iar und erst vant / bisextum schaltiar
genant. / er ouch machte durch gesuch / van der gezitzal ein gut buch HistAE
5636
MWB 2 762,49; Bearbeiter: Richter
1geziuc
stM.
1
‘Zeuge, Zeugenaussage’ (differenziert zum Verwendungsspektrum s. WMU 1,741 und
DRW 4,838-844, dort zusammen mit geziuge swM. behandelt) 1.1
‘Zeuge’ (s.a.
geziuge
swM.), übertr. Verwendung schwer zu scheiden
von
1.2
1.2
‘Zeugnis, Aussage, Beweisführung’
1.3 Gesamtheit der Zeugen 2 vom Alten und Neuen Testament
1
‘Zeuge, Zeugenaussage’ (differenziert zum Verwendungsspektrum s. WMU 1,741 und
DRW 4,838-844, dort zusammen mit geziuge swM. behandelt)
1.1
‘Zeuge’ (s.a.
geziuge
swM.), übertr. Verwendung schwer zu scheiden
von
1.2
:
ditz chavfes vnd ditz dinges gezevg vnd gewer pin ich StiftZwettl
295;
du solt wider den ebenmenschen dîn / niht valscher gezuͤg wesen!
Ammenh
5217;
‘der getrúw gezúg er lúget nit’,
sprichet her Salomon [Prv 14,5]
PrGeorg
322,13;
des hân ich leider vil geziuge, / die mir gestênt daz ich niht liuge
Renner
9205;
Leoncius / und [...] Karînus, /
die welle wir ze geziuge haben KvHeimUrst
1523;
NibB
2204,4;
SalArz
4,15.
–
lebend(ig)er ~
:
mvgent aber sie vns des niht ermanen weder mit prieven noch mit
lebintigen gezivgen UrkCorp (WMU)
3275,28;
wir sprechen daz briefe bezzer sin danne gezivge. wan sterbend gest so
belibent briefe immer me stete. ditze hainzent [l.
haizent
] hantveste. da hilfet ein toter
gezivc als ein lebender SchwSp
21b.
– Gott als Zeuge:
âne geziuge ich [Belacane]
des niht bin, / mit den ichz sol bewæren noch: / die rehten wârheit wizzen
doch / mîne gote und ouch die sîne [Isenharts]
Parz
27,4;
dc wissent vurwar, dc wir nie deheinen dienst anders gemeindent
[auffassten] , des nemmen wir got zi
gezv́ge UrkCorp (WMU)
N6,26.
– übertr.:
die sunnen und den manen / und al ir undertanen / die setz ich zu
gezuge, / daz ich nu niht enluge HeslNic
1041.
4719;
das aigen sol [...] des gerichts gezeug sein,
daz er des kamphs verwettet hab UrkÖsterrErbl
58,18
(a. 1237);
den brief, der dort verborgen lit, / der ein gezuc ist uber mich
Pass I/II (HSW)
16669;
lât diz vingerlîn / einen geziuc der rede sîn
Iw
2946;
di warheit ist mir ein gezuch Brun
263;
RvZw
167,6
1.2
‘Zeugnis, Aussage, Beweisführung’
der [
burgrave
] mag
im [dem verhinderten Zeugen] wol erlauben ane
gaeverde, daz der gesellen [Teilhaber] einer, dem ez
chunt ist, den geziuch volfuͤre an siner stat StRAugsb
223,19;
diser sache ze einen vrchund vnd ze einen gezevge, vnd ovch ze einer
vestnunge gib ich [...] dise brief UrkKlostern
1,87
(a. 1303);
valschen gezuc haben sie / getan uf die vrowe hie /
swechende ire wirde Daniel
7727;
dune solt kein valsch urcunde noch valschen gezuͦk uf den
ebencristen sprechen PrLpz
25,27;
swelch man wil einen gezuk mit gezuge brechen StRFreiberg
116,15;
Kchr
8985.
9031;
ThvASu
84,20;
Iw
1729
1.3
Gesamtheit der Zeugen:
den geziuc [Gruppe von sechzig
Zeugen] hiez si [Helena, Mutter
Konstantins] an den rinch gân Kchr
9877;
vgl.:
dô sprach der bâbes [Silvester
I.] hêre: / ‘frowe, wir vernæmen ê gerne, /
[...] wi vil des geziuges von rehte sul sîn’.
/ dô ubersprah sich diu chunigîn [Helena] : /
‘ich wil sehszec bewærte man / alle an mînem ziuge hiute hân
[...] ’ ebd.
9884
2
vom Alten und Neuen Testament:
di bvͦch aber werdin gilesin der gotlichvn orthabunge
so des alten gizivgis so des niwen BrZw
9.
73
MWB 2 762,54; Bearbeiter: Richter
2geziuc
stM.
→
geziuge
stN.
MWB 2 763,50;
geziucbære
Adj.
‘als Zeuge zulässig’ (vgl.
ziucbære
):
hat aber der, der bezugen sal, drier manne nit, so mag er selber der dritte
sin, ab er anders ein gezugbar man ist KlKsr
1,20;
sal daz bezugen selbe dritte gezugberer dinstlute vor dem keiser ebd.
3,33.
1,18;
Ber. der rihter, Volmar der Rûteler vnd ander erbare lûte, die wol gezûcbaire
sint UrkCorp (WMU)
1893,12
MWB 2 763,51; Bearbeiter: Richter
geziucheit
stF.
‘Beglaubigung, Zeugnis’
diu arke, diu Noes was, / [...], / gegeben hât
geziucheit / der blüenden drîvaltecheit / an Jêsu gotes sune sô zart, / der von der
magt geborn wart WvRh
3712
MWB 2 763,59; Bearbeiter: Richter
geziuclich
stN.
‘Hoden’ (vgl.
geziugelîn
):
von des mannes gezeuglich und von seiner ertznei
[
de infirmitate testiculorum et eius remedio
(Überschrift)] des mannes gezeuglich ist das vierd tail des leibs.
wann sich darein gesamet überflüssigkait, das soltu erkennen pei disenn zaichen: die
pegirde schlewet [ermattet]
HvHürnh
47,1
MWB 2 763,63; Bearbeiter: Richter
geziucnisse
stFN.
auch -nusse, -nust,
sw. (?) -nissin (
das eine das sol sin ein gezúgnissin von gotte
Tauler
346,20.
346,19
).
1
‘Aussage, Bezeugung, Zeugnisleistung’
2
‘Beglaubigung, Bestätigung, Beweis’
3
‘(neuer) Bund, (Neues) Testament’
4 zur Übers. von commemoratio bzw. memoria
1
‘Aussage, Bezeugung, Zeugnisleistung’
was er [der vom Himmel Gekommene] gehoret vnd
gesiht, / gezugnisse er dar uber giht / vnd sin gezugede nieman nymt
[
et quod vidit, et audivit, hoc testatur: et testimonium
ejus nemo accipit Io 3,32]
EvStPaul
11354;
wer uͤberwunden wirt mit suben erberr mann und gelaubheftigen, daz er
valsch gezeugnuzz hat getan, dem werd die zunge abgesniten UrkBabenb
2:291,42
(a. 1244);
er [der Sünder beim Jüngsten Gericht] sit ouch sin
samwiczekeit, / di geczugnis ken ém treit, / daz er recht und redelich / si
vortumet endelich TvKulm
6154;
ewangelist Johannes / sach ez, und ist gezuc des; / war ist
sin gezucnisse / in rechter bedutnisse Daniel
5269;
EvPass
233,1;
StRAugsb
175,1;
UrkCorp (WMU)
462,16.
–
‘Zeugenanhörung’
Gewißen [personif.] leret
guͤte ding. / da von stet sie an den ring [beim Jüngsten
Gericht] / und ist ein gezug den nieman / in
gezuͤgnisse verwerfen kan HvNstGZ
6755
2
‘Beglaubigung, Bestätigung, Beweis’
des ist dyser brieff verinsigelt mit unserm und unserß
cappitels insiegel zcum gezeugnuß und warer urkunde aller vorbescribene dinge
WüP
8,29;
dar umme gebin wir ze ainer geziugnûst disen brief vnder vnserm insigel den
burgern von Ezzelingen UrkHohenz
1,127
(a. 1312);
[die Zeugen] haben alle mit einandir czu einem
geczugnisse dirre rede unse ingesigele gehenget an disen brief UrkFreiberg
1:48,32
(a. 1312);
mag er es nút worten [kann der Geist nicht in Worte
fassen, was er geschaut hat] , so sol er tvͦn als Moyses,
wenne er wider kumet von der geselschaft gotes zvͦ der sel vnd zvͦ dem
libe vnd bringe etwas zeichenon vnd gezúgnissi [
aliqua
signa et testimonia
] , daz er in dem lande des liechtes
was RvBib
11,17;
und [der Prior] tet
daz [Geld an arme Leute verteilen] mit guͦter
gezúgnúst und mit widerrechnung sinen obren Seuse
146,27;
NvJer
1984.
– i.S.v. ‘Zeuge’
du bist ich und ich bin du. / des ist geziucnuͤsse
nu / Venus, Amor und Cupido, / die warn bi dem rat also, / da mit wir so
verainet sin WhvÖst
3020
3
‘(neuer) Bund, (Neues) Testament’
daz ist min lichnam daz für ivch gegeben wirt. daz tvet in
minre gehüchnüsse. [...]. ditz ist der chelich des niven
gezivchnüsses in minem blut [
Hic est calix novum testamentum in
sanguine meo Lc 22,20] daz vmb ivch vergozzen wirt
EvAug
198,13;
dirre kelch ist eyn nuwe geczuknisse in myme blute daz vor
uch gegozzen wirt EvBerl
60,30
4
zur Übers. von commemoratio bzw. memoria:
daz ist / min licham, der rehter frist / fur uch gegeben wirt. vnd ir / auch
zu gezugnisse ez dunt mir [
hoc facite in meam
commemorationem Lc 22,19 ( EvAug 198,11 übers. an
dieser Stelle mit gehügenisse)]
EvStPaul
10083;
diz ist myn licham der vor uch gegebyn wirt, diz tun ich in
myme geczuknysse EvBerl
60,29;
war ez kum / geseit, diz ewangelium, / daz ez in al der werlde birt / vnd
uffentlich gekundet wirt, / daz zu gezugnisse ez getan / sie [die Frau
in Bethanien, die Jesus salbte] habe [
quod hæc
fecit in memoriam ejus Mt 26,13]
EvStPaul
1627
MWB 2 764,6; Bearbeiter: Richter
geziucrëht
stN.
Rechtsbestimmungen für die Zeugenschaft:
die warheit sal sin in drier lute munde, die also sint als sie der keiser hat
usgescheiden in dem gezugrecht KlKsr
1,20;
wen man zihet eines dingez, des er sich entschuldigen sal mit dem eyde, an dem
sal man merken, ab er sy ein solich man, der biz dar gelebt habe nach dez riches
bescheidenheit, als von den luten in dem gezugreht ist usgetragen ebd.
1,41
MWB 2 765,7; Bearbeiter: Richter
geziucsal
stN.
‘Beglaubigung, Zeugnis’
ich bin auch sunderlich erfröet, das dir die ewige warhait sunderbar gezugsal
gegeben hat in diner inwendigkait HvNördlBrf
41,19
MWB 2 765,16; Bearbeiter: Richter
geziucsalunge
stF.
‘Beglaubigung, Zeugnis’
so haben wir disen gegenwertigen briͤf verinsigelt und bevestet mit
unserm insigel, daz dar an hanget, zu gezuͤgsaluͦnge und
urkuͦnde der warheit hier uͦber UrkHohenl
2:281,22
(a. 1329)
MWB 2 765,20; Bearbeiter: Richter
geziucsame
stF.
‘Beglaubigung, Zeugnis’
dauon bestêtent die wizigen lúte ir sache, die gehúgde
bedurfen mit gezúgsamj, schrifte vnde brieven UrkCorp (WMU)
876,38.
1645,37;
vnd dar umbe ze einer gewaren gezúgsami, vnd stetem urkúnde,
geben wir dem vorgenanden Vͦlr. vnd sinen erben von vns vnd vnsren erben
disen brief mit vnsrem ingesigel besigelten UrkEidgen
197
(a. 1312).
156
(a. 1296);
UrkAargau
1,2 Brugg:16,8
(vor 1309);
wer daz eigen also koͮfte old verphantte mit guͦter
gezuͥgsami, der ist sin wol sicher StRBern
1/2:54,29.
–
mit lebender gezîvgsami [mündlicher Zeugenaussage]
unde gesworren eiden UrkCorp (WMU)
364,9
MWB 2 765,25; Bearbeiter: Richter
geziucschaft
stF.
‘Beglaubigung, Zeugnis’
so haben wir im ze einer gezivkschaft gegeben disen brief UrkCorp (WMU)
788,16.
3368,20.
–
‘Zeugnisleistung, Zeugenvernehmung’
wirt dem [einer Partei vor Gericht]
ein geziuch ertailt uf einen tak und gat dem [der als Zeuge aussagen
soll] ein ander unmuzze under hant, daz er bi der geziuchscheffte
niht mak gesin, der sol gan zu dem burgraven [...], der mag
im wol erlauben ane gaeverde, daz der gesellen einer, dem ez chunt ist, den geziuch
volfuͤre an siner stat StRAugsb
223,16.
–
‘Zeugenschaft, Zeugenfähigkeit’
unde [verurteilte Diebe und Räuber]
sint auch verworfen ze aller geziugschaft SpdtL
119,4
MWB 2 765,39; Bearbeiter: Richter
geziucvol
Adj.
‘reichhaltig’
wande mite dem herren ist diu barmherce unde geziuchuolliu mit ime urlosunge
[interl. quia apud dominum misericordia et copiosa apud eum
redemptio
]
PsWindb
129,7
MWB 2 765,53; Bearbeiter: Richter
geziucwîn
stM.
‘Wein als Zeugengebühr’
vinum testimoniale, quod gezuichwin vulgariter dicitur UrkArnsb
62
(a. 1262)
MWB 2 765,58; Bearbeiter: Richter
geziuge
swM.
‘Zeuge’ (vgl.
1geziuc
):
ir sit aber gezivgen dirr dinge EvAug
208,20.
69,11;
des neme ich alle diße ritter zu gezugen das ich uch vor yn
diß gesaget und gekundet han Lanc
326,4;
man vint auch vor gerichte / valsch getzeugen sunder spot Suchenw
21,131.
8,204;
diz sint der andirn gezugin namin: her Heinrich von Hvͦmlinkon
[...]
UrkCorp (WMU)
35,2;
StRBrünn
391;
StatDtOrd
55,5;
HvBurg
6045.
– übertr. ‘Zeugnis, Beglaubigung’
daz ich iu geseit hân, daz ist wâr; des setze ich iu die wârheit ze einem
geziugen und mîne sêle ze einem pfande Eckh
1:44,7;
dar vber hab wir im vnsern prief gebn ze gezevgen mit vnserm hangentem insigel
UrkCorp (WMU)
525,20;
jch [...] gib in dor vber disen prief zu einem offen
gezevgen, vnd zu einer ewigen bestetigunge ditz dinges versigelten mit meinem
jnsigel UrkCorp
1322,2
MWB 2 765,61; Bearbeiter: Richter
geziuge
stN.,
selten geziuc
stM.
(z.B.
Gen
1498;
Krone
27174;
BdN
271,1;
ElsLA
282,23
)
1
‘Zeug’
1.1
‘Material, Stoff’
1.2
‘Ausstattung, Ausrüstung’
1.2.1 Ausrüstung eines Ritters 1.2.2
‘Gerätschaft, Werkzeug’
1.3
‘Erzeugnis, das Geschaffene’ (s. Freytag, SuTheol. S. 54) 1.4
‘Gefolge, gerüstete Schar’ (vgl.
gezoc
) 2
‘Hoden’ (übers. lat. testiculus , vgl.
geziuclich
und
geziugelîn
)
1
‘Zeug’
1.1
‘Material, Stoff’
der von altem geziuge ein niuwez hûs mahte; daz ist meisterlîcher denne
von niuwem DvAOff
16;
diz hvs ist von dvreme gezivge, wene daz holz ist kvmin von dem berge
Libano SalHaus
31,14;
si nâmen ziegel unde ander geziuge unde begunden wurchen
[...] / einen michelen turn Gen
776;
Anno
10,15;
StRAugsb
34,9;
HvFreibTr
730
1.2
‘Ausstattung, Ausrüstung’
jaithunde und vedirspil / und andirs gezûgis vil, / daz man zu hêrschaft
nante NvJer
4074;
die [bischöflichen] swertvegere
[...] sullent ouch vegen
[reinigen] des jagere gezuc
[
venabula
]
StRStrassb
76,111;
jô vinde ich [Odysseus] wol
Achillen / mit dem geziuge wîplich [vgl. V.
27480-501] , / des ich habe gewarnet mich / und den ich hân
gefüeret her KvWTroj
27619.
6857;
es was kosper ir klaid, / reich was ir gezeuge
HvNstAp
7191;
WhvÖst
11144;
Krone
14159.
–
‘Sprechwerkzeug’
wie aber der teufel daz gemachen moht, daz diu slang
menschleicheu wort sprach, daz ist uns verporgen, wir wellen dann sprechen,
daz diu selb slang halsâdern und andern gezeug hab gehabt in dem hals und in
dem haupt sam ain mensch, dâ mit si geschikt wær zuo mensleichen worten
BdN
271,1
1.2.1
Ausrüstung eines Ritters:
swaz sô daz ros und ouch den man / ze rittere
geprüeven kan, / der geziuc was aller sêre rîch / und alsô rîch, daz
iegelîch / einem künege wol gezæme Tr
4585;
jr sint wol so mannhafft, / [...] / das ir
wol getùrret / mit gar glichem gezùge / uf ritter vrlùge / besteen
Krone
26925.
27174;
BdN
265,34;
Kudr
1103,4.
– von Kriegsmaschinen und militärischer Ausrüstung:
trîböcke, blîden, katzen, / tarrande,
lœdingære / dur schedelîche swære / gezimbert wurden ûf die vart.
/ gefüllet und geladen wart / mit dem geziuge manic kiel
KvWTroj
23583;
MarcoPolo
35,11.
73,7
1.2.2
‘Gerätschaft, Werkzeug’
der nach grozzen vischen gat / und des gezeuges niht
enhat, / daz zegrozzen vischen gehoret; / der æffet sich und toret
StrKD
37,100.
2,47;
chain arbait / mag man nicht gewurchen entricht, /
hat man gutez gezeuges nicht Teichn
324,202.
351,42;
mache eyn hol in den stam mit dem geczoyge, das dor czu
si bequeme Pelzb
120,24;
BdN
475,7;
ElsLA
282,23;
Ottok
65673.
–
ander fuoge [andere Künste/
Fertigkeiten als der Gesang] durfen alle râtes und
geziuges wol KvWLd
32,309;
tambûren, harpfen, gîgen / bedürfen ouch geziuges
wol. / swaz künste man eht öugen sol, / die müezen hân gerüste, / mit
dem si von der brüste / ze liehte künnen dringen KvWTroj
127.
104
1.3
‘Erzeugnis, das Geschaffene’ (s. Freytag, SuTheol. S. 54):
er [Gott] was meistir undi
wercman, / sin gizuch was vil lussam SuTheol
36
1.4
‘Gefolge, gerüstete Schar’ (vgl.
gezoc
):
dô ime die boten gesageten welihen geziug er habete, /
daz er mit vierhundert mannen ingagen ime wolte rîten, / Jacob ime daz ervorhte
Gen
1498.
1725;
von dannan ritten sie vil gedrate, / vnd ir gezùg ging jne vor
Krone
29111.
26102
2
‘Hoden’ (übers. lat. testiculus, vgl.
geziuclich
und
geziugelîn
):
und ist, das er unnderwegenn lät dise ertznei, so mag er
vallen in siechtume der man getzeug [
dolorem
testiculorum
] unnd der lungel HvHürnh
47,3;
[Haarausfall ist zu beobachten] mêr an den mannen wan an
den frawen und an den mannen, die maiden sint und ir gezeug niht habent, und daz ist
von der kelten an den paiden BdN
7,30
MWB 2 766,15; Bearbeiter: Richter
geziugede
stN.
‘Zeugnis’
Iohannes ein gezugede git, / in dem er rufet vnd quit
[
testimonium perhibet Io 1,15]
EvStPaul
10941;
was er [der vom Himmel Gekommene] gehoret vnd
gesiht, / gezugnisse er dar uber giht / vnd sin gezugede nieman nymt
[
Et quod vidit, et audivit, hoc testatur : et testimonium
ejus nemo accipit Io 3,32]
ebd.
11355
MWB 2 767,21; Bearbeiter: Richter
geziugeden
swV.
‘etw. herstellen, errichten, anpflanzen’
vnd sun oͮch da niemer me weder boͮme, stude noch bender noch
andern bu gezv́gdon noch gehan, der des conuentes gvͦte von
Oͤtenbach schedlich si UrkCorp (WMU)
1151,5
MWB 2 767,28; Bearbeiter: Richter
geziugelîn
stN.
auch gezeugel.
‘Hoden’ (übers. lat. testiculus, s.a. geziuge stN.
2 und
geziuclich
):
der sâm auz dem rehten gezeuglein ist kreftiger wan der auz
dem denken BdN
39,27;
ain cappân [...] ist ain han, der
seinr gezeuglein beraubt ist ebd.
196,21;
daz man die hanen oft beraub irr gezeugel wenn si dreier jâr
alt sein ebd.
197,28;
er [Bdellium, Bedolachharz] hailt
krefticleich ains töbigen hundes piz oder ander wunden oder des mannes gezeuglein
ebd.
358,16
u.ö.
MWB 2 767,33; Bearbeiter: Richter
geziugen
swV.
1
‘erzeugen (er-)schaffen’ (s.v.a.
ziugen
) 2
‘Zeugnis ablegen, bezeugen, verkünden’ (zur. differenzierten rechtl. Verwendung vgl. DRW 4,844-846) 2.1 abs. 2.2 mit präp. Erg./ Pron.-Adv. 2.3 mit Akk. 2.3.1 Akk.d.S. 2.3.2 Akk.d.P. 2.4 mit Gen. d.S.
1
‘erzeugen (er-)schaffen’ (s.v.a.
ziugen
):
wie geben oich vnseme herren deme bischoue zwei thusent marc silbers,
alsogetanes silbers, des man eine lotige marc mit einer marc vnd eime lote gezvge
mac UrkCorp (WMU)
1616B,22;
[ich] hân daz ze liehte brâht / ze tiutsche von latîn: /
als verre der sin mîn / mohte geziugen [zu Stande
bringen]
Ottok
21.
–
er ist mensch an allen schach [Raub] , / den der
psalm gecrönet sach / mit eren und mit czirde, / und siner hoen wirde / er
geczuget undertan / alle ding di wesen han TvKulm
5037
2
‘Zeugnis ablegen, bezeugen, verkünden’ (zur. differenzierten rechtl.
Verwendung vgl. DRW 4,844-846):
2.1
abs.:
der kleger mac vregen: wenne he gezugen wolle StRFreiberg
106,10.
84,22;
in mac he alliz nicht burgeri gihabi, so mac he woli enin
gast dazu neimi, die umi [ihm] helfi gizugi
Mühlh
135,23.
164,13;
dy do trinkin wyn, di vorspricht [schmäht] man
unde vornichtit [missachtet] si, ouch mogin si nicht
geczugin MarcoPolo
62,24;
darvmb bit ich [der Reiche in der
Hölle] dich vater Abraham. daz dv in [den armen
Lazarus] sendest in mins vaters hus. wan ich han fünf brüeder.
daz er in gezivge. daz si avch iht komen in di stat dirr tormentorum der pein
EvAug
181,16
2.2
mit präp. Erg./ Pron.-Adv.
–
~
ûf mit Akk.d.P. ‘gegen jmdn.’
iz inmac niemin uf in gizuigi Mühlh
102,7.
101,17;
SpdtL
206,17.
–
~
von mit Dat. ‘über etw./jmdn.’
der [Johannes] quam durch
daz geczucnysse, daz her geczugete von dem lichte EvBerl
5,30;
wen aber der troster kumt den ich uch sende, der
geist der warheit der von myme vater kumt, der sal geczugen von mir ebd.
70,2.
95,2.
–
~
(dar)ane
‘über etw.’
swaz unser vrowe e beiach / und klagete uber disen man, / da wolle wir
ir gezugen an, / wand wir horten unde sân Pass III
476,54
2.3
mit Akk.
2.3.1
Akk.d.S.:
diz gezûget diz buch der aposteln HvFritzlHl
158,32.
32,30;
daz wir wizzen daz reden wir. vnd daz wir sehen daz
gezivgen wir EvAug
214,14.
216,3;
swaz ouch die schephenen gehalden oder geziugen, daz sal die richtere
mit in halden vnde geziugen UrkCorp (WMU)
51(7),28;
Mühlh
107,22.
106,2.
–
~
ûf/ wider mit Akk.d.P. ‘gegen jmdn.’
horstu nicht wy vil dese uf dich geczugen?
EvBerl
50,10;
und antwortes du nicht zuͦ den dingen di dise wider dich
gezcuͦgen? EvBeh
Mt 26,62.
– mit Obj.-Satz:
wir geczwgen offenbar, / daz en [ihn
(Jesus)] eyn reyne mayt gebar MarSp
303;
EvAug
164,18;
ich binß zuhant bereit zu gezugen off dinen lip
das du verrettery zu mir hast gesprochen und untruwe Lanc
31,34
2.3.2
Akk.d.P.:
du darfst auch nit fragen me / wo Jhesus si? und wo
er ge? / bist du nit in dugenden laz, / so maht du in
gezeugen [bekennen] baz / den do truͤg
ein reine magt HvNstGZ
4168.
– mit doppeltem Akk.:
antwurtestv nihtes niht zv dem daz dise dich
gezivgent? EvAug
69,15
2.4
mit Gen. d.S.:
ich erziuges [La.
geziuges
] nû genuoc Iw
1967
MWB 2 767,43; Bearbeiter: Richter
geziugunge
stF.
1
‘Bezeugung, Zeugnis’
2
‘(Altes oder Neues) Testament, Bund’
1
‘Bezeugung, Zeugnis’
mit zwein gezûgen zem minsten sol ælluͥ gezûgunge beschæhin. die suln
daz ding sagin, als es ist ergangen UrkCorp (WMU)
248A,47;
dv dritte livgi ist, ob dv ie gelivge, das dv mit falscher gezivgvnge iemanne
sin gvot ab gewnnest Bihteb
52;
SpdtL
221,7
–
‘Verkündigung, Bekenntnis’
das alles [Vorausdeutungen auf die Jungfrau
Maria] wurkte gottes gaist / mit siner gnaden vollaist /
zeainer gezúgunge / dirre mægde junge, / als ir an mænigem ende me /
dú schrift gicht zúge inder alten e WernhMl
1767.
6811;
in der czit gap Johannes geczugunge von dem heren unde rif
sprechende: dirre ist der von deme ich gesprochen han EvBerl
1,23;
NvJer
1995.
–
‘Bestätigung, Beweis’
das sie ze eime vrkvnde vnd zeͥ einer gezúgvnge ir
ingesigele henken an disen brief UrkCorp (WMU)
1154,21;
vil ander wunder me beschach /
[...] umb gezúgung och da bi, / so das da
mit bewæret si / das er gelúpt erfúllet het / die er den
wissagen tet / so lange vor mit troste schin, / das er úns welt
kúnftig sin WernhMl
2935
2
‘(Altes oder Neues) Testament, Bund’
daz ist myn blut der nuwyn geczugunge, daz vor manchen wirt
uz gegozzen EvBerl
55,27;
aber wr [l. vür
] di dri
lezzen ainiv von der altun gizivgunge gihugilic werde gisproc [
sed
pro ipsis tribus lectionibus una de Veteri Testamento memoriter
dicatur
]
BrZw
10;
vier lezzen von der nivwen gizivgunge ebd.
11
MWB 2 768,39; Bearbeiter: Richter
geziune
stN.
‘Ein-, Umzäunung’ (Koll. zu
zûn
, vgl. zur Wendung
gezimber
2.1
):
nâh deme herwête sal daz wîb nemen ire morgengâbe; - dar zû hôret
[...] gezûne und gezimbere SSp (W)
1:24,1;
gezûne und gezimbere und veltgênde vihe ebd.
1:20,1
MWB 2 769,4; Bearbeiter: Richter
gezobelet
Part.-Adj.
‘mit Zobelpelz versehen’
[das Gewand] was lanc unde breit, /
[...] / gezobelt breit ûf den vuoz Er
1999;
ane hâte si geleit / einen mantel hermîn: / [...] /
vil wol gezobelt vür die hant ebd.
8944.
1572;
Ginovere diu künegîn / diu liez ir milte wesen schîn. / siu
gab ze dem anpfange / mentel vil lange, / gezobelt wol unz an die hant
UvZLanz
5737;
PleierMel
651
MWB 2 769,9; Bearbeiterin: Baumgarte
gezoc
stMN.
(z.B.
daz gezoc Parz
669,14;
der gezoc Tr
5330
)
unterschiedliche Substantive zur Wortfamilie →
ziehen
1 eine Gruppe i.d.R. von Menschen, die umherzieht, meist jmdm. folgt, ‘Gefolge,
Tross, Heer’
1.1 allg. umher-, nachziehende Menschenmenge 1.2 adelige Männer und Frauen begleitendes Gefolge, Tross von Gefolgsleuten und Ausrüstung 1.3
‘Heer’
1.4
‘Ausrüstung, Kleidung’ (vgl.
geziuge
1.2 ) 2 gewaltsames Handeln 3
‘Verzögerung, Aufschub, Zögern’
4 die gerichtliche Zuständigkeit betreffend 4.1 Gerichtszug von der landesherrlichen Gerichtsbarkeit zur höheren Instanz (der
dem König unterstellten Reichsgerichte), ‘Appellation’ ( 2 HRG 1,268-271) 4.2
‘herrschaftliche/ gerichtliche Zugehörigkeit’
5
‘Freizügigkeit’ ( 2 HRG 1,1787-1791)
1
eine Gruppe i.d.R. von Menschen, die umherzieht, meist jmdm. folgt, ‘Gefolge,
Tross, Heer’
1.1
allg. umher-, nachziehende Menschenmenge:
der den Israhêls gezoc / mit fünf brôten spîset, / der selbe mich ouch
wîset Georg
3220;
do sú [Maria an
Lichtmess] nahte der ussren porte der stat, so
fúrlúf er [lief er voraus] in sines
herzen begirde sú alle, und lúf ir engegen mit dem gezoge aller
gotesminnenden herzen Seuse
29,19;
also beraitent sú [
die
búschoff und die fúrsten gar,/ phariseser,
schriber
] sich, / die vaigen morder, uf die
vart [Jesus gefangen zu nehmen] , / ain gros
gezog [feindlicher Mob oder zu 1.2. ?]
mit inen wart WernhMl
8406.
– von Hunden (hier übertr.):
also [wie der der Jagdmeute entronnene
Hirsch] tuͦt der mensche, also er sich mit der
helffe unseres herren lidig gemachet alles dis gezoges der grossen und der
kleinen hunde Tauler
53,11
1.2
adelige Männer und Frauen begleitendes Gefolge, Tross von Gefolgsleuten und
Ausrüstung:
manec soumær muose tragn / kappeln unde kamergewant. /
manec soum mit harnasche erkant / giengen ouch dar unden, / helm oben drûf
gebunden / bî manegem schilde wol getân. / manec schœne kastelân / man bî
den soumen ziehen sach. / rîtr und frouwen hinden nâch / riten an ein ander
vaste. / daz gezoc wol eine raste / an der lenge was gemezzen
Parz
669,14;
nv riten si mit meren hin / fvͥr daz gezelt, da
dvͥ kvͥnegin / erbeizet vnd der froͮwen gezok
TürlArabel
*A 309,19
Tr
5330;
RvEWchr
33267;
KvWTroj
19789;
WernhMl
3314;
DvASchr
313,3.
– mit der Erwartung eines großen, standesgemäßen Gefolges
spielend:
sîn harnasch gap nâch roste schîn. / dô sîn gezoc sô
kleine / was, vil schiere al eine / er ân die ritter gar gestuont
Wh
140,19;
ir gezoges was niht mêre, / niwan diu magt hêre / und die einen zwêne
man, / und daz ein soumære mit in dan / truoc: vrouwen Herrâten kleit
KlageB
4213.
–
‘Begleitung, Gesellschaft’
siu [
ein wîsiu
merminne
] hete zehen tûsint / vrowen in ir lande, /
dernkeiniu bekande / man noch mannes gezoc UvZLanz
199
1.3
‘Heer’
do im die boten sageten welich gezoch er habete, / daz er mit uierhundirt
mannen engegen im wolde gahen / Jacob daz eruorhte GenM
63,28
u.ö.;
chünch Terramer / gewaltichlich fuͤr über mer / gegen Franchrich
hin mit ritterschaft [...] für Orens den palas hon /
zoch sin gezog wol drizig tag / gar milen breit Hirzelin
11;
nu hoͤret wen der herzoge / hie fuͦrt in
siner schar gezoge! / nach kayserlichen rehten / er hie da wolt vehten
WhvÖst
16630.
–
‘Heereszug, Aufgebot’
wenne aber der [...] von Friburg von dez
lantfrides gezoge wider hein komet, dar umbe su̍llent in die von
Friburg nu̍t angriffen UrkBasel
4:56,33
(a. 1326);
NvJer
2653
1.4
‘Ausrüstung, Kleidung’ (vgl.
geziuge
1.2):
die mæren helde küene / fuorten ritterlich gezoc. / dâ schein vil manic
wâpenroc / der mit golde was durchweben KvWEngelh
2657;
daz got truc priesterlichen rok, / daz dutet menschlich
gezok / und des truben vleisches cleit, / daz got uber die gotheit / zoch als
einen gewebenen rok HeslApk
1834
2
gewaltsames Handeln:
–
‘handgreifliche Auseinandersetzung’
swelich burger gienge in eine thauerne uf ein gezok [
qui
tabernam intrat propter hoc ut aliquem ibi molestet
]
StRNordh
1,58;
den kezzil dô man solde tragin / von eime bercvride sâ / zu dem anderin,
unde dâ / nam der gezoc den urhab NvJer
12505;
die da waren inne, / gerne sie vz wolden. / die dar vzze
wesen solden, / die wolden gerne dar in. / des wart gezoc vnder in
Herb
14452;
ein ioste da geschach: / Menelaus, der stach / vf hern
Parisen. / vf Vlixen den wisen / hurte Polidamas. / Menestus da bi was, / von
Athene der herzoge, / der quam zv dem gezoge ebd.
12916.
11528.
–
‘gewalttätiger Übergriff, Misshandlung’
‘stet, her munch’, sprachen sie, / ‘ir sult daz pfert
uns lazen hi! / wir wollen uch nicht morden; / dar an wir uwern orden / ein teil
wollen eren. / ir muget von hinnen keren / gesunt, sunder valsch gezoc’
Pass I/II (HSW)
15795;
di wile sie mit im in der stat / vientlich triben ir gezoc Pass
I/II (HSW)
6439.
– hierher oder zu 1.2
‘(schlechte) Gesellschaft, Gefolge’ (?):
nu vugete sichz uf einen tac, / daz er nach duplicher art / nach rechter
schult begriffen wart / und geworfen in den stoc. / durch sin velschlich gezoc /
wart im verteilt sin leben Pass I/II (HSW)
13502;
du [Heidenkönig] bist des herzen leider blint /
alsam die blinden gote sint, / zu den mich twinget din gezoc ebd.
29355.
–
ze ~ kommen/ bringen
‘zu Schaden kommen/ bringen’
mit sime sper quam er gerant / vnde stach in vf des
schildes rant / so vzzer mazzen sere, / daz er gefallen were / vnde komen zv
gezoge, / wenne der hinder satelboge, / da er ane behafte / vnd entsaz dem
schafte Herb
5166;
er sprach, ez ensolde nieman zv gezoge / kvmen vmb sulche
tat ebd.
17493;
von Athene der herzoge. / der brachte der bruder einen zv
gezoge. / er stach Odiniam, / daz er vf die erden quam ebd.
5742
3
‘Verzögerung, Aufschub, Zögern’
nu quam er [die Grille] her gevallen / uf des guten
mannes [des hl. Franziskus] roc; / sunder allez gezoc /
sweic er stille unde saz Pass III
526,72;
ein roc und ein kappe, / diz was allez sin gewant. / er teilte alda entzwei zu
hant / die habe ane allez gezoc. / den armen gab er hin den roc / und tet die kappe
an also bloz ebd.
608,95
4
die gerichtliche Zuständigkeit betreffend:
4.1
Gerichtszug von der landesherrlichen Gerichtsbarkeit zur höheren Instanz (der
dem König unterstellten Reichsgerichte), ‘Appellation’ (2HRG
1,268-271):
de gezuk ad regem UrkBresl
254
(a. 1261);
vnd das man nach der vrteil, dú von Cume har wider gescriben ist,
dem, der da gewunnen hat, ze Friburg rihten sol, vnd sol ime der gezog niht
schaden, der von dem gerihte ze Cume geschehen ist UrkCorp (WMU)
2369,31;
das gerihte was min, der gezog, dvͥ satzunge vnd entsatzunge vnd
ellvͥ dvͥ reht, dvͥ in dem selben dorfe sint UrkRapp
222,34
(a. 1314);
die banherren höret an zwing und bahn [Bann] und
der gezog zu Heiterheim UrkEls
2,108
(a. 1314)
4.2
‘herrschaftliche/ gerichtliche Zugehörigkeit’
jch spriche ouch vmbe Ansoltzheimes wip, mv́gent die von Andelahe
sv́ besetzen mit dem gezoge, daz si in irn gezog hoͤret
[...], dez svlnt sv́ geniessen
UrkCorp (WMU)
1953,45
5
‘Freizügigkeit’ (2HRG 1,1787-1791):
der gezog ist, dc ein ieglicher mac ziehen von eime herren zv den andern
UrkCorp (WMU)
645,28.
3570,15;
die miszhelle, die da warent in dem lande zwu̍schent den herren umb ein
gemeinen gezug UrkBasel
4:89,5
(a. 1331).
– übertr. freies Umherziehen (der Biene):
baide her und ouch hine / vliuget diu bine wol nútze, /
úber hor und uber phfútze, / úber stain und úber
stoc, / untz daz ir naturlich gezoc / si bringet uf schoͤne bluͦme
Pass I/II (HSW)
42190
MWB 2 769,17; Bearbeiterin: Baumgarte |