gezwîge
stN.
Koll. zu
zwîc
. ‘Zweigwerk’ hier in einer Rechtsformel zur
Übergabe von Grundbesitz statt üblicherem zwîc (vgl. DWB
4,1,4,7244):
die burg halbiu vnd dieselbe stat halbiu, mit luͦten vnd mit
guͦten, [...], an welden, an velde, ane wasen, an
gezwige, vnd mit aller zuͦ gehoͤrde UrkHohenb
348
(a. 1339)
MWB 2 775,36; Bearbeiterin: Baumgarte
gezwîgen
swV.
→
zwîdigen
MWB 2 775,43;
gezwinglîchen
Adv.
→
getwinclîchen
MWB 2 775,44;
gezwinlîn
stN.
‘Zwilling’ (vgl.
zwinelinc
):
dîne zwô bruste die sint gelîch zuain chitzin der rêchgaize
diu gezwinlîne sint TrudHL
50,25
MWB 2 775,45; Bearbeiterin: Baumgarte
gezwint
stF.
Bed. unklar (Glr.z.St.: instrumentum):
die sele hat von nature die gezwinnt vnd die maht, got zu bekennen vnd zu
minnen [
Anima namque habet facilitatem vel facultatem et
instrumentum cognoscendi et diligendi deum ex natura
]
Gnadenl
3:A2,116
MWB 2 775,48; Bearbeiterin: Baumgarte
gezwitter
stN.
‘zwiefacher Widerhall’ (Anm.z.St.):
dô wart in der selbin naht / [...] / ein sô grûwlich
gedummere / vornumin [...] / und ein dunre slûge / mit
grôzim ungewittere, / daz von des luites [l.
lûtes
] gezwittere / quam al daz her in
enggiste [
quia venti in modum tonitrui tam horribiliter
mugiebant, quod preter timorem, qui per hoc hominibus fuit
incussus...
]
NvJer
24787
MWB 2 775,54; Bearbeiterin: Baumgarte
geʒʒechîn
stN.
Dimin. zu
gaʒʒe
‘Gässchen’
of dem orte [am Ende] dez gessechens, daz
nít dorch get [eine Sackgasse ist]
UrkMainz
2,175
(a. 1347)
u.ö.
MWB 2 775,62; Bearbeiterin: Baumgarte
geʒʒelîn
stN.
Dimin. zu
gaʒʒe
‘Gässchen’
doch brant daz selbe geßelin wider daz waßer wol halber abe ClosChr
95,23. 22;
UrkCorp (WMU)
2323,35
u.ö.;
viculus: doͤrffelin oder geßelin VocClos
Vi26
MWB 2 776,1; Bearbeiterin: Baumgarte
gëʒʒen
stV.
d.i. ge-ëʒʒen
→
ëʒʒen
MWB 2 776,6;
gheheel
Adj.
→
geheil
MWB 2 776,7;
gibe
Adj.
nur in der Wendung gib unde gæb belegt ‘gültig, im Umlauf’ (von
Münzen; vgl.
gibic
,
gæbe
2, gæbic,
genge
2.2, gengic
1):
viͤrzehen hvndert pfvnt Regenspvrger pfenning, die danne gib vnd gæb
sint UrkWittelsb
2,77
(a. 1295);
UrkObAltaich
164
(a. 1320)
MWB 2 776,8; Bearbeiterin: Baumgarte
1gibel
stM.
auch givel (s.u. 1.2); zu ahd. gibili stNM; zu
den ungeklärten etymologischen Bezügen zu ahd. gibillia swF. vgl. Kluge, S.
357; semantische Überschneidungen mit
gëbel
(3) zu ahd. gebal
stM.
1 bautechnisch: wohl ‘(vordere) Giebelmauer, Frontseite’ (vgl. AWB 4,249, FWB
6, 2119), wohl auch freistehende Mauer (vgl. 1.1 ) 1.1 in Kölner Urkunden: die Mauer (Wand), die von der Frontseite abgehend zwei
Nachbarhäuser trennt oder ihnen gemeinsam ist (vgl. Glossar
UrkKölnSchr S. 2,309) 1.2
‘Giebelöffnung’
2 auch allg. (übertr.?) der höchste Punkt
1
bautechnisch: wohl ‘(vordere) Giebelmauer, Frontseite’ (vgl. AWB 4,249, FWB
6, 2119), wohl auch freistehende Mauer (vgl. 1.1)
1.1
in Kölner Urkunden: die Mauer (Wand), die von der Frontseite abgehend zwei
Nachbarhäuser trennt oder ihnen gemeinsam ist (vgl. Glossar
UrkKölnSchr S. 2,309):
paries qui dicitur givel UrkKölnSchr
1,107;
murus dividens in fronte (givel) domum Udelrici Suevi et domum Cunize et
Rudolfi ex dimidia parte pertinet ad domum Udelrici ebd.
1,36
u.ö.
1.2
‘Giebelöffnung’
des ahtent manige liute niht, / die man noch ir getreide siht / sô lange
behalten, biz daz die wibel [Käfer] / oben ûz
fliegent ze dem gibel: / den belîbent die hülsen ân den kern / und gebent ez
dennoch hin ungern Renner
5212
2
auch allg. (übertr.?) der höchste Punkt:
–
‘Baumwipfel’
[auf einem Fisch (vermeintliche Insel), der abtaucht]
er wand er moͤht entrinnen / uf des baumes gibel / des meres
ungezibel [den Untieren des Meeres]
WhvÖst
1065.
–
‘der Gipfel (der Vollkommenheit)’
swer mit schatze mæzze / disen yrdischen
gibel [Maria] / hoch vnz an den himel / mit
guldeinen spelten, / dein tohter moht er niht vergelten Wernh
A 697;
in der úberweslichen drivaltekait der
úbergegoͤteten gotheit, in dem togenlichen,
úberunbekanten, úberglestigen, aller hoͤhsten gibel da
hoͤrt man mit stillsprechendem swigene wunder Seuse
190,15
MWB 2 776,14; Bearbeiterin: Baumgarte
2gibel
stM.
→
gibelîn
MWB 2 776,47;
gibelîn, gibelinc
stM.
auch gibel und gebbelîn; zu dem italianisierten Schlachtruf
der Anhänger des staufischen Kaisers ‘
Waiblingen
’:
‘
ghibellino
’ (gegen die Welfen/ Guelfi); seit der 1.
Hälfte des 13. Jh.s im ital. politischen Wortschatz Bez. für jmdn. mit einer
kaiserfreundlichen und papstfeindlichen Haltung (vgl. LexMA 4,1435-38).
‘Ghibelline’
in Italiâ / dî partîen wesin sâ / gelfin unde gibbelîn NvJer
1482.
26753.
1486;
BuchdRügen
233.
229;
Ottok
160
u.ö.;
Ammenh
7329.
–
man die gibling dô sach / die gelfen slahen ûs der stat Ammenh
7338
u.ö.;
Suchenw
9,192.
14,90.
–
wolt er kumen, im hülfen gibel und gelfe Loheng
3510
MWB 2 776,48; Bearbeiterin: Baumgarte
gibelinc
stM.
→
gibelîn
MWB 2 776,61;
gibelwant
stF.
auch gebelwant (vgl.
gëbel
3).
‘(vordere) Hauswand an der Giebelseite, Giebelmauer’
der rise truͦg ein stange - die waz zwelf kloftern lang - / zuͦr
hant vnd zuͦn armen ein schilt, [...] / einer gebel
wende waz er wol gelich WolfdD
1335,3;
von stachel waz sins schiltes rant, / braitt als ain gibel
wand GTroj
5410
MWB 2 776,62; Bearbeiterin: Baumgarte
gibic
Adj.
nur in der Wendung gibic unde gæbic belegt ‘gültig, üblich, im
Umlauf’ (von Münzen; vgl. gæbic,
gæbe
2,
genge
2.2, gengic
1):
der vor gnant Weichart oder sein hausvrow [...]
dienen [als Abgabe leisten] schulln
[...] ze rechtem purchrecht aller iaerichleichen
[...] an sand Jorgen tag drey schilling Wienner mvnz,
di zo den selben taegen gibich vnd gaebich sind UrkHohenf
393
(a. 1338);
UrkCorp (WMU)
N718,11
MWB 2 777,5; Bearbeiterin: Baumgarte
gîbitze
M.
auch giwicz.
wohl den Ruf nachahmende Bez. für die Vogelart ‘Kiebitz’ (vgl. Suolahti,
Vogelnamen, S. 264-67; der Glossierung onocrotalus [s.u.] wird häufig →
hortumel
‘Rohrdommel’, aber auch andere Vogelarten zugewiesen):
onocrotalus: giwicz Gl
3:25,32
(BStK875);
mîn herze gert niht touben, / brâchvogel, gîbitz, stâren, /
[...] / ez wil ouch anders keines vogel vâren; / wan
mit dem reigervalken gên den lüften / wil ez êt immer klimmen / nâch ir, der lob kan
nieman übergüften Hadam
528,2;
er kranch [Kranich] , er storch, er elbiz
[Schwan] , / er eul, er gouch, er gibiz, / er wergel
[Würger] , er grezel
[Leinfink] , er widehopf! / sol ich in zihen bi sinem
schopf? Jüngl
258
MWB 2 777,14; Bearbeiterin: Baumgarte
gickelen, gickeln
swV.
‘kichern, giggeln’ lautmalerische Iterativbildung (vgl. DWB 4,1,4,7316 und
7323 s.v. gicksen; Schmeller stellt das Verb zu gickel
‘inneres Beben, Zucken’, vgl. Schmeller, BWB 1,883f. s.v. gigkeln
und gigkel):
ein touber spottet oft eines stummen, / ein alter tôre eins jungen tummen, /
ein lamer gickelt ûf den krummen Renner
16138
MWB 2 777,29; Bearbeiterin: Baumgarte
gickelvêch
Adj.
‘buntscheckig, bunt durcheinander, kunterbunt’
iuch genüeget niht, daz iu der almehtige got die wal hât verlân an den
kleidern, wellet ir brûn, wellet ir sie rôt, blâ [...]. man
muoz ez iu ze flecken zersnîden, hie daz rôte in daz wîze, dâ daz gelwe in daz
grüene; sô daz gewunden, sô daz gestreichet; sô daz gickelvêch PrBerth
1:396,29;
auf der kykelvehen wyse bei einem chleinen wazzer Mühldorf
K 41;
nu werdent halp edel knehte / von Geppen und von Ruoprehte / geborn, die tuont
vil rehte / nâch gickelvêhem geslehte Renner
1662;
geistlich leben ist niht gar veste, / êlich leben hât fremde geste, / pfaffen
leben ist gickelvêch ebd.
6027;
Neidh
SL 21:7,5.
WL 29:8d,1
MWB 2 777,37; Bearbeiterin: Baumgarte
gickelvêchroc
stM.
unklar, ob Syntagma.
‘buntes Obergewand’ (vgl.
roc
):
polimita: gigilvehroch [La.
gicgelveherroch
] vel multicolor tunica SummHeinr
2,31,14
MWB 2 777,52; Bearbeiterin: Baumgarte
gickengouch
stM.
→
gucgouch
MWB 2 777,56;
giechhalme
swM.
→
jochhalme
MWB 2 777,57;
gief
stM.
md. gîf (
Secret
159;
Hiob
7678
), deshalb Interferenz mit →
gif
stM. möglich (s.u.
Hiob
14998
).
‘Dummkopf, Schwachsinniger, Narr’
sie sprach san: / ‘[...] er [der
Scholar, Liebhaber] hat vür den zantswern / mir geschriben einen
brief.’ / also afte sie den gief [
‘Trottel’, ihren Ehemann]
Frauenlist
558;
ReinFu
K,866;
RvMunre
720;
HBirne
185;
in ungedanken dô entslief / der selbe bôse verstocte gief EbvErf
2600;
HistAE
410;
Vät
2377;
ir gewonheit si des twanc, / daz si so nacket liefen / gelich den tummen
giefen Pass I/II (HSW)
35436;
HvFreibTr
5115;
minen knecht ich zumir ryf / durch helfe, der als eynen
gyf [Bettler ?] / mich versmete und mir nicht gab /
antwurte nach [l. noch
] der helfe
stab [Iob 19,16 und Komm. des N. de Lyra]
Hiob
7678.
– unklar, ob hierher oder zu
gif
i.S.v. ‘Gierschlund’
Cetus der visch / hoffet er sulle verwinden / alle vysche und
verslinden / den er volget; und sy vlyn / und ken des meres stade czyn, / da das
wazzer ist nicht so tyf / das da swimmen muge der gyf Hiob
14998
MWB 2 777,58; Bearbeiterin: Baumgarte
giefen
swN.
Bed. unklar, möglicherweise ‘grobschlächtiges, dummes Betragen’ (zu
gief
) und/ oder das Hervorbringen von Lauten mit offenem
Mund, ‘Schreien, Lärmen’ (zur gemeingerm. Wurzelbed. ‘klaffen, offen
stehen’ vgl. DWB 4,1,4,7343f.):
hie mit si gen im liefen mit hatschen [Äxten] und
mit kuͤlen. / ir guften und ir giefen gap solchen doz, iz mohte drab
ergruͤlen / mangem JTit
2738,2
MWB 2 778,15; Bearbeiterin: Baumgarte |