gimme
stswF.
(M.
Brun
6887
)
auch gemme ( MarlbRh ,
GTroj
17087
), gomme (
Lilie
15,14
) und gumme (
VocClos
Ge19
).
‘Edelstein, Juwel, Stein mit besonderen Kräften’, oft mit Hervorhebung des
Strahlens oder des Wertes:
si furten gut gesmide / uon golde unt uon gimmen
Rol
7881;
abeston [ein edler Stein] –
mir ist kunt – / wann das die gimme wirt entzunt, / so mag sie fort in keiner
stund / verleschen wint noch wages art Mügeln
137,2;
gemma: gumme oder luter edelstein oder berbolle VocClos
Ge19
1 als Verzierung von Schmuckstücken, Kleidung, (Aus-)Rüstung, (sakralen) Gegenständen, Bauten u.ä. 2 übertr.
1
als Verzierung von Schmuckstücken, Kleidung, (Aus-)Rüstung, (sakralen)
Gegenständen, Bauten u.ä.:
umbe sinen [Herzog Geneluns] hals
lac / ein bouch vile waehe [kunstvoller Reif] ; / daz werc
was seltsaene / uzzer golde unde uzzer gimme Rol
1580;
Tr
10966;
HeslApk
8071;
sie brâhten im [...] einen mantel
alsô edele, / sô chunich under dieseme himele / von phelel
[Seidengewebe] noch von gimme / nie neheinen mohte
gewinnen VAlex
631;
von gimmen KvWSchwanr
431;
gewieret was des schiltes rant / mit liehtebæren gimmen
KvWTurn
559;
der inner [Altar] waz mit sinnen /
mit gimmen und mit golde / geziret als her solde HeslApk
11795;
VMos
56,17;
die mure sint al umbe mit golde gewieret, / sint mit aller
slaht vare gimmen wole gezieret Himmelr
4,8;
– im Vergleich:
einer megde wart ich dô gewar / noch lûterr denne ein gimme Virg
600,10;
Wigam (B)
2635;
Spec
97,20
2
übertr.:
diz buͦch ist genant ‘aurea gemma’. / daz kit
‘guldine gimme’. / bezeichenet ist vns hie bi, / wie ture diz
buͦch si Lucid
1,10;
ein iwelich wort sal alse ein gomme, zuͦ diner cronen cuͦmen
Lilie
15,14;
sîne hende [des toten Franziskus] , /
[...] / schône stuonden al gezieret, / mit gimmen wol
geparrieret: / ich mein diu zeichen der wunden, / die si dâran stênde funden
LvRegFr
4395.
– als Metapher für einen herausgehobenen Rang:
got, des himelriches gimme, / so mit siner stimme / wirt sprechen
Erz III
6,497;
himelischiu chuniginne, / dirre werlte gimme
MarseqS
13;
owol du herre Roͮlant, / voget der Karlinge, /
durchsoteniu [geläuterte] gimme, / aller riter ere
Rol
5978;
auch als Beiname:
iz was Johannes der gimme, / der sich eine rufende stimme
/ nante in di wustenunge Brun
6887.
– mit Gen.-Attr., als Metapher für die vollendete Ausprägung einer
Eigenschaft:
Floræte, / diu wîbes êre ein spiegelglas / und rehter
güete ein gimme was Tr
1908;
von Maria:
liechte magit, magitumis gimme Litan
197;
aller kûschheit ein gimme Wernh
292.
– im Sprichw.:
da werfen sie die gimmen, /
[...], / vor die bruchstinkenden [nach
Unrat stinkenden] swin HeslApk
15856
MWB 2 792,2; Bearbeiterin: Baumgarte
gimmengolt
stN.
‘reines Gold’
siben suele [...] / uf geschozen silbervar, / gimmen
golt di simze klar TvKulm
1426;
und ab ich zu dem richen solde, / zu dem roten gymmen golde /
sprach: ‘du bist min hoffenuge’ [Iob 31,24] , /
[...] / so kume mit syner brache
[Brachliegen, hier: ohne Ernte/ Gewinn sein? vgl. Iob
31,38] / uber mich her gotes rache! Hiob
11804.
10851
MWB 2 792,55; Bearbeiterin: Baumgarte
gimmentrehtic
Adj.
unklar, ob Kompositum oder Syntagma.
‘edelsteintragend’
die seligen bichtere / da waren vil gewere, / geloubic und
durchnechtic / und waren gimmen trechtic / und pînten
[mühten] lib, geist und lide HeslApk
14900
MWB 2 792,63; Bearbeiterin: Baumgarte
gimmîn
Adj.
‘aus Edelstein(en)’
die Kriechen dô begunden / graben unde funden / manic vaz gimmîn, / guldîn
unde silberîn, / geworht von werke reine, / geziert mit mangem steine
UvEtzAlex
21161;
er [der König Darius] truoc ûf ein
hüetelîn [hier für die Krone] / daz was allez gimmîn,
/ ein blâwe lîste ez umbevie / diu wol gesteinet drumbe gie RvEAlex
5480
MWB 2 793,4; Bearbeiterin: Baumgarte
gimpel
stM.
auch gümpel.
‘Zipfel’
– frei herabhängender Teil einer →
wimpel
(eines um Kopf und Kinn gewundenen
Schleiers):
irem kinn dem hat sie hoch gepunden, / die gimpel gend ir in den mundt all
nach dem hofesitt Neidh (S)
2,98 c37:2,2.
– euphem. ‘Penis’ als Bestandteil der spielerisch ablautenden Wortbildung →
gimpelgempel
MWB 2 793,12; Bearbeiterin: Baumgarte
gimpelgempel
stM.
auch gúmpel gempel, gumpel-gempel, gympen
gæmpel und gimpel gampel.
1
‘Penis’
2
‘Geschlechtsverkehr’
1
‘Penis’
do si den gimpel gempel / in die hant genam, / si sast in an das wempel, / er
druht in durh die gram [l. gran
]
Neidh (S)
1,467 c201:5,1.
1,467 c201:4,10
2
‘Geschlechtsverkehr’
sie gewan ein kindt, das hies man Lempel. / also lert er sie den gimppel
gemppell Neidh (S)
1,377 c71:2,7.
– meist den ~ singen (zu Neidharts doppeldeutiger
Kombination von ~ als Geschlechtsverkehr und Tanz vgl. Harding, Dancing
Terms, S. 107-9):
tohterlin, tustuͦ den ganch, / der daz gympen gæmpel
[La. der daz gimpel gampel, der uns den
gimpelgampel
] sanch, / der hat sich vermezzen, und
werd im din ein blich [Blick] , / er leg dir sinen
strich [Fallstrick]
Neidh (S)
1,169 R 23:5,2;
do man den gúmpel gempel sanck, / do stund so hoch der mein
gedanck, / der ist nu so gar verdorben ebd.
2,89 c35:1,1.
1,169 c24:5,7
MWB 2 793,19; Bearbeiterin: Baumgarte
gimpels|dierne
F.
Konjektur →
gimpelstirne
,
gaffelstirne
MWB 2 793,38;
gimpel|stirne
F.
wohl Variante zu →
gaffelstirne
(die Ausgabe konstruiert aus den Laa. gimpel
stirne, gapelstirne, tampildirne das Wort
gimpels-dirne):
unreine gimpelsdirne, / der tiuvel var dir in dîn hirne Sibote
539
MWB 2 793,40; Bearbeiterin: Baumgarte
gin
stN.
Pl. giner.
‘Maul, Rachen’
der mensch hât den klainsten munt under allen tiern nâch
seiner grœzen, aber diu andern tier habent weit giner und prait und der
mensch hât ainen engen sinbeln munt BdN
12,32
MWB 2 793,45; Bearbeiterin: Baumgarte
gine|glapf
stM.
Bed. unklar; vielleicht ‘jmd., der ohne Sinn und Verstand das Maul (zu weit)
aufreißt’ (vgl.
ginen
und die Familie um (er)glaffen,
(ver)glaben):
swer schimpfet, der ist ein gineglapf Renner
16181
MWB 2 793,50; Bearbeiterin: Baumgarte
ginen
swV.
auch gienen (
Helbl
2,1350
), vgl.
geinen
.
1
‘das Maul aufsperren’
2
‘(mit offenem Maul) gieren’ , auch ‘sich begehrend zuwenden’ , mit präp.
Erg. mit an (
1
‘das Maul aufsperren’
vil schiere er [der Hund, der seinem Spiegelbild im Wasser das
Stück Fleisch wegnehmen will] ginen began / und wolt daz stük
begrîfen: / dô muoste im daz entslîfen, / daz er in dem munde hât Boner
9,14;
Erz III
190,67;
LvRegFr
2449;
Virg
174,8;
Tund
756.
– Part.Präs.:
ez [das Krokodil] hât kain
zungen und hât ain weit ginendez maul unz an diu ôrn. ez wegt den obern
kinpacken und den undern niht BdN
233,11
2
‘(mit offenem Maul) gieren’, auch ‘sich begehrend zuwenden’, mit präp.
Erg. mit an (
VEzzo
259
), gegen/ gen (
BdN
249,26;
Seuse
47,18.
411,17
), nâch (
Seuse
361,22;
PrBerth ), ûf (
RvEBarl
4658;
Lilie ) oder abh. Nebensatz:
alsô ginest dû an dem jungesten tage nâch der frezzerîe vor aller der werlte
PrBerth
1:468,39;
übertr.:
wen sie [die Hölle] ginet biz
an den iungesten dac, wie sie die selen verslinden múge
Lucid
9,3.
– Part.Präs.:
de unmeziche mut, / de imer ginende is uppe dat unseliche guͦt
Lilie
21,8;
wir [...] zerspreiten
únser turstigen adren wit uf ginende von grosser begirde gen dir,
usklinglender gnadenricher brunne [Christus]
Seuse
92,18;
mit allen unsern sinnen und kreften und hertzen und
ginender begerunge Tauler
122,11
MWB 2 793,55; Bearbeiterin: Baumgarte
ginezunge
stF.
‘aufgesperrter Rachen’ (vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,336 s.v. ginazzen,
ginazzunga):
ringo [...] hinc rictus: ginezvnga Gl
3:256,6
(BStK461)
MWB 2 794,17; Bearbeiterin: Baumgarte
ginge
swM., stF.
‘Hoffnung, Zuversicht’ (vgl.
gingen
swV.):
in betwanc diu minne: / sô tet im wol der ginge, / wê tet im misselinge
Reinfr
2655;
sô lît doch in der bruste / diu fröude hôhes gingen ebd.
1123.
3321
u.ö.;
almachtiger zarter got, / [...] min
hail, min trost, min ginge! WernhMl
290
u.ö.;
vnde sicher von der ginge des widerlonis der gotlichvn si
nahvolgent vroͮdende sih [
et securi de spe retributionis
divinae subsecuntur gaudentes
]
BrZw
7;
da mite wir betúten, daz wir nach grozer ruwe ginge
haben zuͦ dem ewigen libe Lucid
96,12;
ob mir nach miner ging beschicht Gnaistli
269
u.ö.;
JMeissn
B:1,1,18.
B:1,8,11
MWB 2 794,21; Bearbeiterin: Baumgarte
gingebëre
swM.
→
ingebër
MWB 2 794,34;
gingelgimpf
Subst.
Bed. unklar., (bei Harding, Dancing Terms, S. 109 unter →
gimpelgempel
behandelt als lebhafte Bewegung der
Füße):
wie sein schord / und misericord [dolchartige
Stichwaffe] / sein geschliffen. / da bei seinen fússen /
singen mússen gingelgimpf Neidh (S)
2,25 c8:6,26
MWB 2 794,35; Bearbeiterin: Baumgarte
gingen
swV.
‘hoffen, erwarten’ (vgl.
ginge
stM.):
div dinch, der wir gingen, daz ist vnsir herre, wan er wil selbe vnsir lon sin
PrGeorg (Sch)
21,20;
von den bruͦdern di nit verre inwec varint: der
bruͦder, der um ieclich antwurt wir gisant vnde dem tag wirt ginget
widerkomin [
qui ... ea die speratur
reverti
] zim munster, nit er giturre uzirtalb ezzin
BrZw
51
u.ö.
MWB 2 794,41; Bearbeiterin: Baumgarte
ginglapf
stM.
→
gineglapf
MWB 2 794,49;
ginnen
V.
durch Synkope und Assimilation entstandene vorsilbenlose Form zu
beginnen
(vgl. 2
5Mhd. Gr. § L 55, Anm.;
s.a. die Belegübersicht bei Haupt, Erec, 2. Ausg. 1871, S. 327-29); sw. Prät.
gunde, vereinzelt st. gan (
Mai
26,28 La.
).
‘beginnen’
ob iemant kumt her in mein lant, / und ir den ginnet fahen, / des solt du mir
zu pusse stan Virg (St)
522,10.
524,6;
des ser erschrak der frosche schar / und gunden sich durch
forcht zu grunde laßen Mügeln
65,8
u.ö.;
er gvnde si vil lern EvAug
91,11;
si gvnnden in ze biten ebd.
87,8
u.ö.;
FrlSuppl
5:220,11;
der muot im dô entslîfen began [La. gan
]
Mai
26,28
MWB 2 794,50; Bearbeiterin: Baumgarte
ginneren
swV.
→
inneren
MWB 2 794,63;
gînolf
stM.
vgl. auch
giemolf
.
jmd., dem der Mund offen steht (zu
ginen
), der den Mund zu voll nimmt ‘Vielfraß, Saufbold,
Gierschlund’
frâzheit, überezzen und übertrinken, als dise slünde, die dâ verswelhent
[verschlingen] friunt, êre und guot
[...] wan er hât sîn gewont, daz er ze allen zîten
ginolf wil sîn PrBerth
2:171,33
MWB 2 795,1; Bearbeiterin: Baumgarte
ginôt
M.
‘Aufreißen des Mundes, aufgesperrter Rachen (?)’ (vgl. AWB 4,274):
rictus: ginôd Gl
4:92,44
(BStK626);
rictibus: ginodun ebd.
4:158,12
(BStK391)
MWB 2 795,8; Bearbeiterin: Baumgarte
ginunge
stF.
‘klaffende Öffnung, Abgrund, Rachen’
si [die Hölle] heizet ouch Baratrum,
daz ist swarce ginunge. wen sie ginet biz an den iungesten dac, wie sie die selen
verslinden múge Lucid
9,3
MWB 2 795,11; Bearbeiterin: Baumgarte
giplîn
stN.
Dimin. zu erst später belegtem
gippe
stswF. ‘langes oder kurzes Oberkleid in der Art
eines Wamses oder einer Jacke’ aus afrz. gipon (vgl. Kühnel,
Kleidung, S. 89; FWB 6,2188 und Anm.z.St.; zumindest teilsynonym →
joppe
, →
schanz
; s.a.
gippentuoch
):
nû sage mir: kême ein grôzer herre zuo dir, der dich von dem tôde
erlœset hette, und von grôzer liebi die er zuo dir hette sô wêre er komen und
hette ein schenzelîn, ein giplîn, an geleit, daz er deste mê sich dir gelîchete und
deste baz dir heinlich möhte sîn PrNvStr
262,33
MWB 2 795,16; Bearbeiterin: Baumgarte
gippe
stF.
‘Gabe’ (vgl.
gëbe
,
gift
):
Alexander und Philippe / lebten so kristenliche, daz in got stiure gap mit
richer gippe JTit
6119,2;
sin edel art di gippe im gap, so daz unpris ie wart verderbet ebd.
1457,2;
sin tot im jamers gippe gap ebd.
2871,2
u.ö.
MWB 2 795,28; Bearbeiterin: Baumgarte
gippengappen
V.
ablautendes Wortspiel ‘geben’
‘ich kan iu niht gezeigen / des mînen guotes mêr / wan Riuwental mîn
eigen; / daz brâht mîn muoter her. / frouwe, daz wil ich iu gippen gappen’
‘herre, daz sult ir iu hippen happen’ Neidh (HW)
66,27
MWB 2 795,33; Bearbeiterin: Baumgarte |