gleif
Adj.
‘schief, schräg’, zum Bedeutungsspektrum vgl. Röll, JTit., S. 26f. und
Etymol.Wb.d.Ahd. 4,482:
kleiner unde grozer cristallen geliche den huͤten, / gleifer unde
rozer. di balsam daruz brunnen, sam si gluͤten JTit
409,2.
– phras. (?):
uz dem bette er do trat / und ructe genzlich in der zit / bette und stro hin
besit / und machte ein ummegenge gleif [einen schlechten Tausch (?,
Glr.z.St.)] . / sin herin tuch er begreif / und breitte ez uf die
erden Pass III
606,51
MWB 2 822,31; Bearbeiter: Helmich
gleif
stM.
‘Schräge, Wölbung’
dâmit er [Jesus] an dî sîte greif / berûrnde der
wundin gleif, / dî im ê Longînus stach NvJer
22579;
swaz slege ûf den wurm gie, / [...] swie vaste er was
mit slegen snel, / dô erdâhte er in dem sin, / daz er sich hinden rihte an in, / dâ
die schuopen heten gleif / von dem umbesweif Heidin III
1437
MWB 2 822,41; Bearbeiter: Helmich
gleifen
swV.
vgl.
ergleifen
,
vergleifen
.
1 intr. ‘vom Weg abkommen, hin und her irren’
2 tr. ‘abschrägen’ ; Part.-Adj. geleift, gleift
‘schräg, abgeschrägt’
1
intr. ‘vom Weg abkommen, hin und her irren’
Reddîn / unde Mertîn von Golîn / [...] wurden irre /
ein teil in dî virre / von der wege kunde; / und dô sî lange stunde / gerittin
[d.i. gerieten
‘begannen’
] alsô gleifin / und in der wûste streifin / einiz
her, daz andre dar, / zu jungist wurdin sî gewar / drîer Prûzin NvJer
14461
2
tr. ‘abschrägen’; Part.-Adj. geleift, gleift
‘schräg, abgeschrägt’
er maz dy lenge des gebuydis [...]
und den tempil den innirstin und dy hallin des ruymis und dy swellin und dy
geleyftin venstir [
fenestras obliquas
] und dy
philer alumme an dren wendin Cranc
Ez 41,16.
Ez 41,26;
gleyfte venstir ebd.
Ez 40,16
MWB 2 822,48; Bearbeiter: Helmich
gleim, glîme
stswM.
aus ahd. gleim, gleimo und glîm, glîmo ( ‘derjenige, der
glänzt’, Entwicklung zur Tierbezeichnung, vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,485 u.
490).
‘Leuchtkäfer, Glühwurm’
cicendula: glimo SummHeinr (Ho)
4,70;
cicendula: gleime Gl
3:355,16
(BStK927);
Volucr (W)
349;
alsô mag auch scarabeus haizen ain gleim. daz würmel hât die
art, daz ez gleizet wenn ez vleugt oder gêt und ist als ain klaineu muk
BdN
297,23;
Ottok
7901.
– sprichw.:
glîmen nahtes sint genême / und sint des tages widerzême Renner
18281
MWB 2 822,62; Bearbeiter: Helmich
gleimel, glîmel
stN.
Dimin. zu
gleim
, glîme.
‘Leuchtkäfer, Glühwürmchen’
cicendula ist der vliegen geslähtes, die scarabei haizent,
und haizt cicendula ze däutsch ain gleimel BdN
297,21
MWB 2 823,9; Bearbeiter: Helmich
gleimelîn
stN.
Dimin. zu
gleim
.
‘Leuchtkäfer, Glühwürmchen’
glis [Haselmaus, Siebenschläfer] vel cicendula vel
nitedula [Haselmaus] : glemilin Gl
3:673,2
(BStK287)
MWB 2 823,13; Bearbeiter: Helmich
glene
stswF.
nur Lanc , kontrahiert aus glevîne, glevene ( →
glavîn
stF.).
‘Wurfspieß, Speer’ (zur Sache vgl. LexMA 4,1494):
da er [Lambegus] off geseßen was,
da hieß im Claudas ein glene reichen, die ein scharpff ysen hett wol schnidende, der
schafft was groß und starck Lanc
110,11;
[ein Ritter] stach Claudas off syn bruͦst mit
einer glenen, das sie alle zurstuͦb und Claudas zuhant in onmacht viel ebd.
66,17;
im uß wol mit zwenczig mannen mit schilten und mit glenen off
ir ahseln geworffen. sie Phariens komen sah, da reyt
100,35
u.ö.
MWB 2 823,17; Bearbeiter: Helmich
glenenstücke
stN.
auch glene-.
‘Lanzenspitze’
ein gewunt ritter, der bracht zwey glenstúck in
synem libe steckende Lanc
233,24;
diß ist der der dem ritter die glenenstuck ußer dem lib zoh
ebd.
139,9;
nochdan bleib er siczen uff sim roß und zoh das glenestuck
ußer sim libe ebd.
591,23
u.ö.
MWB 2 823,29; Bearbeiter: Helmich
glen|îsen
stN.
(vgl.
glavînîsen
stN.).
‘eiserne Lanzenspitze’
der siech ritter stach den andern so sere das im das glenysen
durch den schilt ging und durch den halßberg Lanc
193,23.
135,7.
144,6
MWB 2 823,35; Bearbeiter: Helmich
glenste
stF.
vgl. auch
glanst
stM.,
glast
stM.,
glunst
stM.
‘Glanz, Schimmer, Leuchten’
ich hoffe ich wolle der sî / der dâ blîbe mit dî, /
[...] / mîn zarter engel, / mîn rôsen sprengel, / mîner
lîbe glenste MinneR 27
291;
o keiser, cristentumes berg, / in minen glesten [La.
glensten
] wirstu stan MügelnKranz
313;
MWB 2 823,39; Bearbeiter: Helmich
glensten
swV.
mit Rückumlaut.
‘glänzen, leuchten, strahlen’
got selbe erliuhtet die burch [...], /
si nebedarf liehtes des sunnen [...] dere sternen hat si
rat jouch anderre liehtvazze, / von reinem golde glenstet ein ieglich ire gazze
Himmelr
4,6;
ein bilde eins tags fur mich wischt. /
[...] daz waz so uzzermoßen clar; / ez schein, es
brant, es glanst, es gleizz Minneb
5487.
– Part.:
ave, schoner leittestern, / di mit glenstender macht / dem sundere luchtes in
der nacht / in sinen nebel sunden Pass I/II (HSW)
18047
MWB 2 823,46; Bearbeiter: Helmich
glenster
stM.
→
glanster
MWB 2 823,57;
glensteren, glenstern
swV.
vgl.
glansteren
,
glinsteren
.
‘glänzen, leuchten, strahlen’
dar schinet goldin wol der stein, / uz dem die vunken
glenstern, / kegen ir herzen venstern HeslApk
21855;
zu den venstern, / die glich dem vure glenstern ebd.
6334
MWB 2 823,58; Bearbeiter: Helmich
glensterlîn
stN.
Dimin. zu
glanster
stM.
‘Fünkchen’
alle sunde in meinem lohen / sint also schir verblohen, / alz ain clainez
glensterlein / verlischet mitten in dem Rein Syon
453
MWB 2 823,63; Bearbeiter: Helmich
glenzære
stM.
Spottname des Goldschmieds:
goltsmid: glenczer, / [...] /
satler: mach gesmeidig, / kaufman: neydig Teichn
600,9
MWB 2 824,3; Bearbeiter: Helmich
glenze
stF.
vgl.
glanz
stM.
‘Glanz, Schimmer, Leuchten’
er [ein Adler aus Gold] brahte michel fùwre / der
sonnen an irem liehten schin; / als sie sich an die glentze sin / an dem morgen frùw
wand, / so wart in dem land / von liehte sollich wonne, / als ob es mit al brùnne
Krone
15742;
her [Merkur] schînet wol durch sîne
[der Wolken] trüebe. / swen er wil, daz er sich
selben reche, / ûf daz man im wol ze sîner liechten glenze spreche Rumelant
(R)
6:5,11;
sin [des Minnekindes] paniͤr
daz sy frisch und nuͤwe, / mit glentze wol durch stecket
Minneb
2951.
–
dise differentze ist helle und himelriche, / die vinster und di glentze
JTit
2406,2.
– übertr. auf strahlende Schönheit, Vollkommenheit:
mit dirre penitenze was er vil nach erblichen / an siner wirde glenze, doch
was im werdicheit do niht entwichen JTit
4752,2
MWB 2 824,6; Bearbeiter: Helmich
glenze
stNM.
→
gelenze
MWB 2 824,23;
glenzelîn
stN.
Dimin. zu
glenze
stF.
‘Glanz, Schimmer, Leuchten’
trüegen si [die jungen Mädchen] mentel oder hüllen
an, / wie sölten denne die jungen man / ûf den ahseln die schilte gesehen, / der
glenzelîn sol der minner spehen? Renner
418
MWB 2 824,24; Bearbeiter: Helmich
glenzen
swV.
Kausativbildung zu
glinzen
stV.; auch glanzen (z.B.
WhvÖst , SHort ).
1 tr. (auch mit Refl.-Pron.) ‘etw./jmdm. Glanz verleihen, etw./jmdn. glänzend
machen, erleuchten’
2 intr. ‘glänzen, leuchten, schimmern’
2.1 eigentl. 2.2 übertr.
1
tr. (auch mit Refl.-Pron.) ‘etw./jmdm. Glanz verleihen, etw./jmdn. glänzend
machen, erleuchten’
in dir so wart daz ewig leben / tzeitig fuͤr des suͤnder not, /
des glentzet dich der margen rot Suchenw
41,266.
–
‘sich schmücken’
svz vertriben si die stvnt / hie mit springen, da mit
tanzen; / svmelich sich kvnden glanzen / vnd reidez har mit rosen pflanzen
TürlArabel
*A 300,30.
*R 305,30
2
intr. ‘glänzen, leuchten, schimmern’
2.1
eigentl.:
ob tusent, tusent sunnen zeschirben weren gestucket / und also
gluͤnde brunnen sich heten uf ir wapenkleit geflucket, / solch glesten
sach man glenzen, glotzen, glitzen JTit
866,3;
dô flugen banier unde van, / dô glanzten hie spiez, dort der schilt. / mit
scharpfen swerten wart gespilt KvWEngelh
2713;
der munt, des hœr ich jehen, / dar ûz man glenzen
und enbrehen / wîz unde blanke zene sach KvWTroj
3038;
graz / von dem súessen tow naz, / dar in die
sunne glentzen SHort
5375.
6973;
daz gestuͤl von golde, / dar uz manic crisolde /
glantzt WhvÖst
15449.
2311.
–
bî den rôten rôsen / glenzent vîol blâ
KvWLd
7,26;
ein varwe / [...], / diu glenzet unde lachet
/ von dime antlitze güetlich KvWGS
588;
WhvÖst
10127.
– subst.:
nâch disen worten süeze / die lampen und diu glasevaz / erlâschen
alliu, wizzent daz; / ir glenzen unde ir schîn verdarp KvWPant
1247
2.2
übertr.:
triuwe und êre glenzent deste vaster, / daz mein unde
laster / gebent trüeben schîn KvWLd
31,64;
da von din lop so glantzt / neben dem gestirne
WhvÖst
2118.
– Part.-Adj. ‘glänzend, funkelnd’
wie werdent die wunden und dú zeichen so
inbrunstklich glenzende, dú hie von miner minne enphangen sint
Seuse
241,11.
– subst. Part.-Adj. und subst. Inf.:
luͦge, du sihst es nút reht an: daz
glentzent ist in uswert geslagen, aber daz smertzent ist in inwert
Seuse
413,10;
den stain hân ich geleicht unserr frawen glenzen
BdN
464,31
MWB 2 824,30; Bearbeiter: Helmich
glenzezît
stN.
→
gelenzezît
MWB 2 825,6;
glenzic
Adj., Adv.
‘glänzend, strahlend, leuchtend’
man legte im [Jesus] an an der stat
/ ein glenzic kleit, ein wîze wât JvFrst
6592.
– übertr.:
got selb [...] macht sie so gentzig,
/ daz ir lip so glentzig / ist gestellet engel var Minneb
4460;
galander heißet der vogel zart: / nach dem heißet irs namen
sprengel / vin galanderischer engel. / der nam durch spehe litze / erdenket wart ir
glitze; / wann der ist so glentzig clar ebd.
3383
MWB 2 825,7; Bearbeiter: Helmich
glenzieren
swV.
‘glänzen, schimmern, leuchten’
sîn wâpencleit durliuhtic gar / ersach der künec reine / mit
golde und mit gesteine / glenzieren durch des stoubes melm KvWTurn
867;
der lantgrâv ûz Düringen [...] fuorte
ein wâpencleit geslaht / und einen schilt von lâsûr blâ. / darûz sach man glenzieren
dâ / einen löuwen vîentlich ebd.
480.
381
MWB 2 825,16; Bearbeiter: Helmich
gleselîn
stN.
Dimin. zu
glas
.
‘kleines Glasgefäß’
si [Tarsia] trug mit ir ain
glëselein, / da was inne rotter wein HvNstAp
15227;
do nam der iúngeling ein klein gleselin mit wasser und gos uf das
fúr ElsLA
11,12
MWB 2 825,24; Bearbeiter: Helmich
glesîn
Adj.
zu
glas
stN.
‘gläsern’
ouh funden si zwâren / einen sarc glesen SAlex
3554;
da sah Lancelot durch ein glesin venster große flammen in
eim gewelb under der erden Lanc
616,4;
ein glesîn vingerlîn Tr
16870;
allez daz geschirre daz zuͦ dem alter gehorte solte glesin sin
ClosChr
17,11;
nu merchet daz man sumelichiv vaz shephet mit dem atem. als elliv glezeiniv
vaz PrLeys
16,8;
Neidh
WL 9:2,4;
BdN
359,9.
HvNstGZ
658.
–
~
mer (vgl. mare vitreum PL 26,19C-20A):
die offinbârunge fûrit în blicze und dunreslege und siben geiste durch
loufinde, und daz glêsine mer EvBeh
6.
–
~
gelücke:
ê daz wir âne swaere sîn des lîbes und des herzen, / wan vindet ê daz glesîn
glücke, / daz hât kranke veste. / swanne ez uns under diu ougen spilt und schînet
aller beste, / sô brichet ez vil lîhte in klein stücke MF:Gottfr
1:2,9
(vgl. A. Götze, Zu Gottfrieds Spruch vom gläsernen Glück, in: PBB 60
(1937), S. 186f.).
MWB 2 825,29; Bearbeiter: Helmich
gleste
stF.
swF. ( KLD:WvB ); s.a.
glenste
stF., (vgl. auch
glast
stM.,
glanst
stM.).
‘Glanz, Schein, Schimmer’
ez taget unmâzen schône, / diu naht muoz abe ir thrône, /
[...] / der tac wil in besitzen nuo. / der trîbet abe
ir vesten / die naht mit sîner glesten KLD:WvB
3:1,6;
got [...] hat versuchet mynen mut, /
recht als eyn golt in heyzer glut / versucht wirt hin uf diz leste / und in mancher
glute gleste Hiob
9404;
der ougen gleste Mügeln
204,10;
KLD:Namenlos
a,46,27;
KvMSph
1,22;
diu sunnebernde vensterlîn, / diu habent mir in daz herze mîn
/ ir gleste dicke gesant Tr
17135;
HvNstAp
13346.
– übertr. auf strahlende Schönheit, Vollkommenheit:
wen si wenen sitzen veste / in der richen salden gleste
Hiob
1830
MWB 2 825,48; Bearbeiter: Helmich |