goedertieren
Adj., Adv.
mnl., md. (vgl. MNW 2, 2026ff.).
‘edel, von hoher nobler Art’
ich sage uch, vrouwe goedertieren, / men sal in drierhante
manieren / al gerechte mynne dragen MinneR 336
359.
– adv. ‘gesittet’
gezogen ind goider teiren / saich men sy volgen iren baneiren HagenChr
(G)
3449
MWB 2 843,55; Bearbeiter: Hansen
goffe
swstF.
auch guffe ( Athis , Rennew ).
‘Hinterbacke’ (v.a. des Pferdes):
sîn [Tristans] ors
[...] was rîch und offen / zer brust und zuo den
goffen, / starc ze beiden wenden, / erwünschet zallen enden Tr
6664;
die beidinthalb sich wertin / mit spern und mit swertin / die
uil dicke besuffin [eindrangen] / den ors in den guffin
Athis
B 118;
er [Turpin] warf in
[Abysse] unwerde / dem rosse uber di goffen
[hinten vom Pferd]
Rol
5515;
doch sluoc her Wernhart Priuzelîn / dem Weisen daz ros sîn /
mit einem kolben an die stirn, / daz ez [...] hinder sich
ûf die goffe saz EnikFb
3471;
Rennew
2700;
Lanc
149,3.
– vom Menschen:
clunes: goffun SummHeinr
2:6,105
u.ö.;
clunis: goffe VocOpt
1.227
MWB 2 843,61; Bearbeiter: Hansen
goffelstirne
swF.
→
gaffelstirne
MWB 2 844,12;
gogel
Adj.
‘ausgelassen’
1
‘froh, vergnügt’
2
‘zügellos, übermütig’
3
‘lächerlich’
1
‘froh, vergnügt’
jâ wil ich [alte Frau beim Reigen] hiure sîn vil
gogel. / seht an mîne sîten [Körperseite, Taille] junc; /
diu tuot manegen geilen sprunc Neidh (HW)
50,15;
daz volc was ûf dem anger gogel UvEtzAlex
3414;
wirt ie min herze gogel, / so ist zware leides vogel / in im nu uz gebrüetet
MinneR 49
1
2
‘zügellos, übermütig’
si [die Zunge] ist ein vngezamter vogel. / in
swelhem munde si ist so gogel. / daz er sei nicht gehaimen chan Frgm 2
188;
do wart diu wirtin so gogel / daz si darzuo [zum
Essen] komen bat / ir niftel, muomen an der stat Vriolsh
22;
der siner unfuge ist so gogel [sorglos] , / daz er
alle die untugent hat, / die im elich hirat understat, /
[...], / der gebe mir billich ein pfunt Jüngl
264.
–
‘überheblich’
sîn [Poydjus] helm mit listen
was geworht / ûz dem steine antraxe. / grôz koste ringe wac
se [großer Aufwand dünkte sie wenig] , / sîn volc
hôchgemüetic [La. hochmuͦtik
]
und gogel Wh
377,3
3
‘lächerlich’
wer dann singt und lacht, / man spricht: ‘wie gogel
sich der macht!’ Teichn
640,60;
münch und nunnen sicht man [zur
Fastnacht] scherczen, / alte weib und alte man, / da dez nieman
hiet ain wan / daz icht tumhait in in waͤr, / daz wirt gogel und sinn
laͤr ebd.
471,18
MWB 2 844,13; Bearbeiter: Hansen
gogel
stM.
auch stF. ( Teichn ).
‘Albernheit, Unfug’
der welt gogel / den tribent junge luͤte
WhvÖst
4350;
und waz der vater paz derchant / in einem graben
[l. graven
] rokch weit / denn dw
suͤn, da wunder an leit / von reinischait [rheinischer
Mode] , von maniger gogel Teichn
352,69;
ez macht och frowen stetten muot / so si wist das er [der
Mann] behuot / was vnd in ir dienst belaib / vnd anders kainen
gogel traib MinneR 451
139.
240
MWB 2 844,39; Bearbeiter: Hansen
gogel-
s.a.
goukel
-
MWB 2 844,49;
1gogelen
swV.
‘hin und her schwingen, flattern’ (vgl. auch DWB 4,1,5,675 sowie
gogen
und
gugen
):
man sach dâ wunder gogelen / von tieren und von vogelen / ûf
manegem helme veste Wh
403,23.
– wohl hierher:
do dise rotte breiten werlichen gen in
[Artus] zogeten, / ir vreuden vetach [die
Schwingen ihrer Freude] weiten, ich wen, die hoͤhe gen den
luften vlogeten, / e daz man ouch den adelar sach vliegen /
[...]. also gelac ir hoher vreuden gogelen / von dem
aren, den Artus da bringet JTit
4540,2
MWB 2 844,50; Bearbeiter: Hansen
2gogelen
swV.
‘schreien, krächzen’ (von Vögeln):
man horte in [einen sprechenden Vogel] sprechen
dicke, / [...]: / hilf heiliger Thoma! / diz horte man in
dicke gogeln Pass III
61,29;
ir [der Vögel] schrien und ir gogelen / was gegen im
[Franziskus] manigerleie ebd.
525,86
MWB 2 844,61; Bearbeiter: Hansen
gogelheit
stF.
‘Zügellosigkeit, Übermut’ (nur bei Neidhart vom Wesen der Bauern, vgl. auch
gogelwîse
und
gogelvuore
):
ouch het iuch iuwer gogelheit von iuwern sinnen brâht Neidh
WL 23:5,13;
nû wil ich den œden gouchen urloup geben, /
[...], / unde enwil niht mêre singen von ir gogelheit
ebd.
WL 30:9b,3.
WL 22:2c,3.
WL 22:5,10;
daz wær frouwen Geppen leit. / êst verlorn / swaz man ir ze friedel biutet
dannen, / die dâ pflegent der gogelheit Neidh (HW)
17,23.
– spez. ‘Überheblichkeit, Selbstgefälligkeit’
dû bist der gogelheit sô sat, / daz dû wil, swar sich dîn houbet neige / durch
minne bet, / daz dir iemen iht versage Neidh
WL 14:4,7;
Neidh (HW)
49,15
MWB 2 845,3; Bearbeiter: Hansen
gogellich
Adj.
‘ausgelassen’
jârlanc wirft der jungen vil / ûf der strâzen einen bal. / dast des sumers
êrstez spil; / dâ mit hebent sî den schal [La. der selbe
gogelliche schal
]
Neidh (HW)
41,3
MWB 2 845,17; Bearbeiter: Hansen
gogelmære
stN.
‘lächerliche Erzählung, Posse’ (vgl.
gogel
Adj. 3):
waz man e von recken laz, / daz ist von im ain gogel mer
Teichn
586,113
MWB 2 845,21; Bearbeiter: Hansen
gogelrîche
Adj.
‘übermütig, dreist’
ai, wie huß er achtet sich, / wenn er an dem tancze get, / und das er fraw
Meczen mit dem spigel an der hende het, / so bestúnd er vierczig wol, er ist
so gogelreich Neidh (S)
2,43 c14:4,10
MWB 2 845,24; Bearbeiter: Hansen
gogelroc
stM.
→
gugelroc
MWB 2 845,29;
gogelsat
Adj.
‘übermütig, dreist’
dâ ich ie genâden bat, / dâ verstiez mich mîner stat / ein gebûwer gogelsat
Neidh
WL 25:7,5
MWB 2 845,30; Bearbeiter: Hansen
gogelvuore
stF.
auch gogen-.
‘Zügellosigkeit, Übermut’ (vgl.
gogelheit
):
ich muß auch von den túmen toren singen, / die zu gogelfur haben
pflicht Neidh (S)
2,128 c45:7,4;
und wolt ir gogelfur erkennen, / so siczt und seit ein frolich man, / ich hilf
euch [Neidhart] mit gemach hin dan, / wolt ir mich nimer
nennen ebd.
2,7 c1:7,7;
gogenfúr [var.
gogelhait
] wirt er nimer sat ebd.
2,128 c45:8,2
MWB 2 845,33; Bearbeiter: Hansen
gogelwîse
stF.
‘Zügellosigkeit, Übermut’ (vgl.
gogelheit
):
ir gogelweis der ist so vil Neidh (S)
2,33 c12:4,1;
sie haben uppiglicher gogelweis begunnen ebd.
2,53 c15/16:5,13;
Neidh
WL 29:4b,4
MWB 2 845,41; Bearbeiter: Hansen
gogen
swV.
‘wiegen, schwingen’ (vgl.
1gogelen
und
gugen
):
vil manic zimier gogende sach man uf den helmen JTit
3658,2
MWB 2 845,45; Bearbeiter: Hansen
gogenvuore
stF.
→
gogelvuore
MWB 2 845,48;
golander
M.
→
galander
MWB 2 845,49;
golde
F.
‘Gelber Affodill’, eine Pflanze (vgl. Marzell 1,474f.):
alscotilus: golde Gl
3:534,63
(BStK947)
MWB 2 845,50; Bearbeiter: Hansen
göldelîn, göldel
stN.
Dimin. zu
golt
.
‘Gold, goldenes Schmuckstück’
dû solt ouch dîne reine hûsfrouwen wol handeln; sî sie niht gar ein göldelîn
mit dem glanze, daz lâ dir mêr liep sîn danne leit PrBerth
1:331,7.
– bildl. für die weibliche Scham (vgl.
goltbüschel
):
nv gap lieht zobel schin / daz goͤldel dvrch die siden
TürlArabel
*A 280,17.
*A 280,20
MWB 2 845,52; Bearbeiter: Hansen
golen, goln
swV.
‘lärmend schreien, johlen’
er [...] huob an unde sanc / lûte
und nicht gar lîse; / in tœrischer wîse / lac er unde golte
HvFreibTr
5357;
er golte sînen alten sanc, / der tœrisch gnuoc von im
erklanc ebd.
5455.
5378.
–
‘Unfug, Possen treiben’
swer auch dem andern nimt seinen wagen oder seinen carren
[...] oder sein pfert [...]
wider seinen willen und damit golet, [...], der gibt
fuͤnf pfunt NüP
99
MWB 2 845,60; Bearbeiter: Hansen
golenzen
swV.
‘lärmend schreien, Possen treiben’ (zu
golen
swV.):
dem volkelîn und den diernlech unde den knehtelech den vert daz herze alle zît
gôlenzende, unde wirt manic tûsent menschen von hôhverten verlorn PrBerth
1:83,24
MWB 2 846,5; Bearbeiter: Hansen
goler
stF.
Bed. unklar, wohl allg. ‘Schandtat’ (o.ä.):
umbe die goler, als die von Basil hant geklagt, die Heinrich von Eptingen
anleite [d.i. anelegete
‘antat’
] Jacob dem Meyer irem burger, die ungewonlich were, da
sprechen wir bi u̍nserm eide, wan ez an den lip nit gan sol, daz er besseren
sol ein freveli UrkBasel
4:64,10
(1.H.14. Jh.);
daz du̍ goler wurde anegeleit irem burger ebd.
4:64,19
(1.H.14. Jh.)
MWB 2 846,10; Bearbeiter: Hansen
golf
Subst.
‘Geschrei’ (zu
gëlfen
, vgl.
galf
):
si [die Böhmen] schrien vf en [l.
in, den Deutschen] golf, / als vf einen wolf
Dalimil
67,35
MWB 2 846,19; Bearbeiter: Hansen |