grabe
swM.
1
‘Graben’ , oft als Teil von Befestigungsanlagen 2
‘Geländeeinschnitt’
1
‘Graben’, oft als Teil von Befestigungsanlagen:
der plan was beslossen mit einer pforten, und ging ein grab
darumb der tieff und wit was Lanc
415,20;
v̂zsewendig des graben, der vmbis dorf gat UrkCorp (WMU)
N325,11;
StrKD
6,200;
das diu muͦre vnd der turn dester pas gehuͦtet
si, so grebet man einen tiefen graben darumbe Konr
16,9;
vil tief ein grabe drumbe gie, / dâ durch ein lûter wazzer
vlôz Wig
10733;
Parz
681,13;
RvEBarl
12401;
an dem graben vnde an der graft Herb
6197;
so ist er schuldick ze galtnuͤsse eines phundes
auspurger phenninge in den graben [zum Unterhalt des
Stadtgrabens]
StRAugsb
238,25.
238,32.
– in der Wendung (?) ûf dem graben:
diu gemeinen fröuwelîn, sie heizent aber niht fröuwelîn, wan sie habent
frouwennamen verlorn und wir heizen sie die bœsen hiute ûf dem graben
PrBerth
2:148,35;
pfî! unde den bœsen hiuten, die ûf dem graben gênt! ebd.
1:231,2.
1:115,2.
– als Bestandteil von Personennamen:
Arnolt im Graben UrkCorp (WMU)
709,44
u.ö.
2
‘Geländeeinschnitt’
manige hôhe steinwant / steic ich ûf und ze tal; / dorne und
hagen âne zal, / dâ muose ich durchsliefen. / manigen graben tiefen, / berge,
stichel und hôch KvHeimUrst
1912;
Tr
2707
MWB 2 887,28; Bearbeiter: Graën
grabe-, grabes-
s.a.
grap
-
MWB 2 887,53;
grab(e)lege
stF.
hier kontrahiert -leie.
‘Grablegung’
ir [Elisabeth] was ein niht zu dirre frist / umme
groz geschreie / zu irre grabeleie Elis
9020
MWB 2 887,54; Bearbeiter: Graën
grab(e)legede
stF.
hier kontrahiert -leide.
‘Grablegung’
si wil myne grabeleyde vur begain MynnenR
831
MWB 2 887,57; Bearbeiter: Graën
grabelîn
stN.
→
grebelîn
MWB 2 887,60;
grabemëʒʒer
stM.
wohl ‘Grabstichel, Schnitzmesser’ (vgl. AWB 4,395; Etymol.Wb.d.Ahd. 4,572;
vgl.
grabestickel
):
scalpellum: grabmezzer Gl
4:159,18
(BStK391)
MWB 2 887,61; Bearbeiter: Graën
graben
stV. (VI)
1
‘(etw.) graben’
2
‘jmdn. eingraben, begraben’
3
‘etw. pflanzen’
4
‘etw. ausgraben’
5
‘etw. einritzen, gravieren’
6 übertr. ‘etw. ergründen, erforschen’
1
‘(etw.) graben’
do er do gedahte, wie er gegraben moͤhte
Konr
9,60;
dô grûbin sie vil vrevelîche unt vundin drû crûce PrMd
(J)
345,26.
345,16;
das diu muͦre vnd der turn dester pas gehuͦtet
si, so grebet man einen tiefen graben darumbe Konr
16,9;
VMos
34,15;
die groue [Grube] hetich gegrauin
Roth
4527;
Lucid
38,11;
nym eynen steyn odir eyn holcz, das hynnen gegrabin
[ausgehöhlt] si Pelzb
126,12.
– übertr.:
Nachor rehte ersach, / daz er dâ vor in allen / in die
gruobe was gevallen, / die er der kristenheite gruop RvEBarl
9103;
ir [
Ritschier unde Dieterich
] beider
swert / nâch menschen verhe gruoben KvWEngelh
4847.
–
‘umgraben, bearbeiten’
man grebt sî [die Erde] , daz
muoz si vertragen RvEBarl
9475.
– subst.:
swie schœne und edel ein boum si [die
Linde] ist, / michel graben unde mist / mac man dar an
verliesen Er
6029.
–
‘untergraben, unterminieren’
die bruften [prüften]
[...] heimlich gar, / wo sie die burk
[...] gegraben mochten under der erden
Minneb
3660
2
‘jmdn. eingraben, begraben’
in den selben stunden / bestatten si hêrlîchen / Porum den
rîchen / unde andre ire holden, / di si begraben wolden, / mit êren si di grûben
SAlex
4752;
under den sant er in gruͦb VMos
34,20;
so solde sie doch vreun der vunt, / daz si den licham muste graben Pass
III
665,79;
MarLegPass
11,27.
–
sumlich wurden also lebentic in die erde gegraben, das
haupt nider, die fuͤz auf Konr
20,37;
stelen frouwen, di gravet man [begräbt man
lebendig]
DRW
4,1043
(BerlinStB; a. 1350).
– subst.:
[ein Messner soll] niht mer nemen von leuten
[für das Läuten] und von graben,
[...] ez wer danne in dem wynter, so ez gevroren
ist NüP
197
3
‘etw. pflanzen’
grab is in vuchte erde vnd las is wachsin Pelzb
129,33;
HvNstAp
342.
– übertr.:
die rede ich in dîn herze grabe: / wil si dar inne wurzen niht, / als
einem vogel, der ê zît / von neste vliuget, dir geschiht Winsb
50,7
4
‘etw. ausgraben’
der wirt gruop im
[Parzival] würzelîn Parz
485,21.
485,24;
[man] sal daz cruͦt umme crisen unde ane isen
graben Macer
52,13;
Mechth
5: 24,15.
–
‘etw. abbauen’
dâ man salzerz grebt BdN
112,34;
mit wess gunst man golt grebet DRW
4,1043
(SchlesGoldr.; a. 1217);
SalArz
20,9
u.ö.
5
‘etw. einritzen, gravieren’
drîer slachte sî di schrift: / eine memorialis, / daz dût ein
gedêchtnis, / als man phliget zû graben / di grôzen bûchstaben / in di stein di
ligen / ûf den grebern în gesigen, / und heizen epitaphia JvFrst
9065;
SAlex
3565;
Cranc
Zach 3,9;
Herb
4044.
10763;
die stegereiff waren von wißem helffenbeyn sere
behendeclichen geschnitten und gegraben mit cleynen bildlin mit jungfrauwen und mit
rittern Lanc
128,28;
di blech der gegrabenen bilde dinis silbirs
Cranc
Jes 30,22;
ob man ain ander insigel grebt nach disem SchwSp
158b;
Frl
7:2,10.
– subst.:
daz graben, daz man in vingerlein tuot
BdN
377,24.
431,7.
– übertr.:
du [Christus] hast
mich [die Seele] gegraben an diner siten, an
henden und an fuͤssen Mechth
3: 2,17
6
übertr. ‘etw. ergründen, erforschen’
der keiser wart do vurbaz graben / wer der bischof were Pass III
17,54;
er [Bernhardus] grub uf wisheit ebd.
402,21;
Pass I/II (HSW)
6157
MWB 2 888,1; Bearbeiter: Graën
grabenbrët
stN.
Brett zum Abstützen eines Grabens:
ein wagen mit grabvn bretter einen phenninch, der karre einen helblinch
UrkCorp (WMU)
548A,32
MWB 2 889,1; Bearbeiter: Graën
grabenmeister
stM.
hier grabmaister.
‘Verantwortlicher für die Grabenanlagen’ (zur Sache vgl. Matzel, Wortschatz,
S. 114):
Fridel muͤllner chneht [...] sol wunten umb
Albreht den grabmaister UrkRegensb
746
(a. 1340)
u.ö.
MWB 2 889,5; Bearbeiter: Graën
grabensprunc
stM.
‘Grabensprung’, nur als Personenname:
der Grabensprvnk vnd seine swester UrkCorp (WMU)
3436,42
MWB 2 889,10; Bearbeiter: Graën
grabeschît
stN.
‘Grabscheit, Spaten’
ein kleine grabeschit er nam, / daz er zur erde neigete, / da im daz lamp
zeigete: / niwan ein wenic er da grub Pass III
663,46;
mit grabeschiden / dvͦrchgrabe [den
Weingarten] , alse man in graben sol PrHess
18,180;
item ligna, que vocantur haynholcz, strenge et selbogen, grabeschit, hastas et
sperschefte WeistErf
44
(a. 1332)
MWB 2 889,13; Bearbeiter: Graën
grabeschûfel
F.
Werkzeug zum Graben:
fossorium: gͣbescuuel Gl
4:266,7
(BStK499)
MWB 2 889,21; Bearbeiter: Graën
grabestickel
stM.
1
‘Grabstock, Spaten’
2 Griffel für Gravurarbeiten
1
‘Grabstock, Spaten’
swer wil einen brunnen graben, / der muoz haben howen und bickel, / schûfel
unde grabestickel LvRegSyon
3424
2
Griffel für Gravurarbeiten:
ir gurt von golde was ein snur [Messschnur] . / des
sinnes grabestickel fur / uf iren heften [Spangen] hin
und dar MügelnKranz
1014
MWB 2 889,23; Bearbeiter: Graën
grab(e)tier
stN.
‘Hyäne’
iena mag ze däutsch ain grabtier haizen, wan sam Plinius und
Solînus sprechent, daz tier wont in tôter läut greber BdN
142,10
MWB 2 889,30; Bearbeiter: Graën
grab(e)wart
M.
‘Hyäne’ (s.a. AWB 4,395):
hiena: grabebart SummHeinr
1:150,479
MWB 2 889,33; Bearbeiter: Graën
grab|îsen
stN.
Werkzeuge zur Stein- oder Metallbearbeitung
1
‘Grabstichel’ , ein Gravurwerkzeug 2
‘Meißel’
1
‘Grabstichel’, ein Gravurwerkzeug:
ungemach ist dem guoten menschen als diu vîle dem îsen: diu nimt im den rost
abe; und als daz grabîsen dem goltvazze: daz machet ez lieht unde glanz
DvASchr
346,15
2
‘Meißel’
celtes: meißel oder grabeisen VocClos
Ce43
MWB 2 889,35; Bearbeiter: Graën
grabüberschrift
stF.
auch grabes-.
‘Grabinschrift, Epitaph’
epitafium: grabvberschrift [La.
grabsuͤberschrift
]
VocOpt
12.095
MWB 2 889,42; Bearbeiter: Graën
grabunge
stF.
‘Gravurarbeit’
sculptura : grabunga [La. grabunge
]
SummHeinr
2:487,01.3
MWB 2 889,45; Bearbeiter: Graën
gracender
stM.
Bez. für eine Rabenart (vgl. Hwb. dt. Abergl. 3,1111):
gracocendron mag ain gracender haizen. daz ist ain vogel in
den landen gegen der sunnen aufganch BdN
189,20
MWB 2 889,47; Bearbeiter: Graën
grach
stN.
‘Feld’
zv reit Neptolomus / vnde gein im Archilogus. / ir itweder vf
den ander stach, / daz sie vielen vf daz grach Herb
6926
MWB 2 889,51; Bearbeiter: Graën
gracie
swF.
aus lat. gracia.
1 bezogen auf den christl. Glauben: ‘Gnade’
2 in Rechtstexten: ‘Gefälligkeit’
1
bezogen auf den christl. Glauben: ‘Gnade’
niͤman mach bit [d.i.
mit
] sin worden baz / uns upduͦn ’s
götlichen herzen vaz, / dat uns alle gracie daruz vliͤze
MarlbRh
54,23;
wiͤ si ir herze halden sülen, / of si der sunderlicher
gracien vuͤlen ebd.
78,4.
75,11;
auch wene ich wol das er gottes mynne hatt und sin gracie,
anders enmöcht er nit volbringen alles das er thut Lanc
30,25
2
in Rechtstexten: ‘Gefälligkeit’
[er soll] verzihen vnd abtuͤn der provisien,
gracien vnd gnade die der selbe Friderich vber daz canonicat
[...] jmpetriert hat UrkWürzb
41,271
(a. 1347)
MWB 2 889,54; Bearbeiter: Graën
grâdal
stN.
aus mlat. graduale.
1 Teil des Messgesangs, ‘Graduale’
2
‘Buch mit Gradualgesängen’
1
Teil des Messgesangs, ‘Graduale’
dar nâch singen wir ein gesanc, daz heizen wir daz gradual. daz heizet daz
loufende gesanc PrBerth
1:498,8.
2:684,29;
SalHaus
64,20;
PrGeorg
9,17.
– bezogen auf den Ort der Aufführung, die Altarstufen:
oͮch betutet daz gradal eine stigunge
Lucid
95,15
u.ö.
2
‘Buch mit Gradualgesängen’
daz swester Agnes von Waldeck [...] zwei phvnt ze dem
newen gradal ze stiwer gegeben hat von ainem minnerm gradal UrkCorp (WMU)
1187,12.13;
[der Herzog] kunde vil baz nutzen / daz
armst [Armbrust] denne daz gradal Ottok
53961
MWB 2 890,3; Bearbeiter: Graën
grade
swF.
Bed. unklar, entweder ‘gerade, ebene Fläche’ (zu
2gerat
, Adj. ‘gerade’) oder ‘Spitze,
Erhebung’ (zu
1grât
, stM. ‘Geländeerhebung’):
mein swaige [Viehhof, Weideplatz] , dev pei der
graden in dem pueschahen [l. buschach
‘Buschwald’] leit UrkCorp (WMU)
2187,35
MWB 2 890,16; Bearbeiter: Graën
grâden
swV.
‘abstufen, mit Stufen versehen’ (vgl.
1grât
):
daz míttelôde des
dískes [Tisches] . daz uuás
sámfto. unte mínlîcho gegrâdet Will
52,5;
minneclîche gegradôt TrudHL
42,24
MWB 2 890,22; Bearbeiter: Graën
grâf-
→
grâve-, grâven-
MWB 2 890,26; |