graft
stF.
auch gracht.
1
‘Graben,’
2
‘Schanzarbeit’
3
‘Begräbnis’
4
‘das in künstlerischer Arbeit Herausgemeißelte’ (vgl. AWB 4,400f.)
1
‘Graben,’
her vellet selbe in die graft / die der tuvel hat geschaft
HeslApk
1177.
8181;
Eilh (L)
7740;
En
6858.
–
‘Grenzgraben’
1 acker vf die graft nebent deme von Bvͤtenheim UrkCorp
(WMU)
N90,25.
N141,30
2
‘Schanzarbeit’
sie triben die Troyre / rechte vf die graft
Herb
14485.
1783.
6197
3
‘Begräbnis’
do de konyngynne was doit, [...] zo der gracht mench
here quam Karlmeinet
315,19.
323,65;
zv irme dode vnd zv ire graft MarHimmelf
926
4
‘das in künstlerischer Arbeit Herausgemeißelte’ (vgl. AWB 4,400f.):
sculptura: graft vel celatura SummHeinr
2:10,222.
2:222,213;
GlHvB
394,6
MWB 2 890,27; Bearbeiter: Graën
grâgevar
Adj.
‘grau’
dô sprach der rîter grâ gevar Parz
448,1
MWB 2 890,40; Bearbeiter: Graën
grâhiutel
stN.
‘Graugefieder, Pelikan’
pellicanus haizt nâch der aigenchait der latein ain
grâhäutel, wan sam Augustînus und Isidorus sprechent, er hât grâvar federn
BdN
210,4
MWB 2 890,42; Bearbeiter: Graën
grâhoubet
stN.
‘Graukopf’, nur als Personenname:
so hant sv́ in dem ban ze Wîhersheim zem turne zweier manne matte vnd
heîzet Grahoͮbetis matte UrkCorp (WMU)
N664,19
MWB 2 890,46; Bearbeiter: Graën
grait
stM.
→
2grât
MWB 2 890,50;
Grâiure
stM.
Bed. unklar:
Nicânor ein Grâiur / kam dar durch strîtes âventiur UvEtzAlex
13581.
13677
u.ö.;
dô klagte der fürste tiure / die werden Grâiure, / die in dem wâge ersturben
ErnstD
1966
MWB 2 890,51; Bearbeiter: Graën
grakölekin
stN.
→
krakelechîn
MWB 2 890,55;
gral
stM.
‘Schrei’ (vgl.
grëllen
):
vor laid liesz sy ain lautten gral [
:ze
tal
]
Hätzl
1:18,53
MWB 2 890,56; Bearbeiter: Graën
1grâl
stM.
auch groel; aus afrz. graal
‘Gefäß, Schüssel’ (vgl. Suolahti 1,99).
1
‘der Heilige Gral’
1.1 das Gefäß, das Jesus der Tradition nach beim letzten Abendmahl benutzte und in dem Josef von Arimathäa das Blut Christi am Kreuz auffing; bei Wolfram ein magischer Stein, der nur für Auserwählte sichtbar ist (zur Sache und zur Gralsdichtung vgl. V. Mertens, Der Gral. Mythos und Literatur, Stuttgart 2003) 1.2 übertr. ‘das Höchste, Heiligste und Kostbarste’ (häufig mit Gen.-Attr.) 1.3 für Gott, Christus und Maria (s.a.
himelgrâl
) 2
‘Schüssel’ , hier übertr.
1
‘der Heilige Gral’
1.1
das Gefäß, das Jesus der Tradition nach beim letzten Abendmahl benutzte und in
dem Josef von Arimathäa das Blut Christi am Kreuz auffing; bei Wolfram ein
magischer Stein, der nur für Auserwählte sichtbar ist (zur Sache und zur
Gralsdichtung vgl. V. Mertens, Der Gral. Mythos und Literatur, Stuttgart
2003):
ich was neve Josephs von Aramathie, der Jhesum Cristum
von dem crucz dethe und der den gral herre zu lande bracht Lanc
617,12;
der grâl was der sælden fruht, / der werlde süeze ein
sölh genuht, / er wac vil nâch gelîche / als man saget von himelrîche
Parz
238,21;
von des steines kraft der fênîs / verbrinnet, daz er
zaschen wirt: / diu asche im aber leben birt. [...]
ouch wart nie menschen sô wê, / swelhes tages ez den stein gesiht, / die wochen
mac ez sterben niht [...] selhe kraft dem menschen gît
der stein, / daz im fleisch unde bein / jugent enpfæht al sunder twâl. / der
stein ist ouch genant der grâl ebd.
469,28
u.ö.;
JTit
602,4;
Krone
24910;
were Artus noch in solcher tugent, / als do er milte lebete / mit siner
tafelrunde, / man vünde noch wol Parzifal / und alle herren von dem gral
Frl
7:27,18;
Tannh
9,45.
4,39;
Suchenw
31,189;
MinneR 333
99;
die burk zu Montsalvas, / do der groel inne waz
Minneb
204.
4140;
der gral, / dem man vil heilikeite giht
Rennew
7878;
er want, er het den gral erstriten Teichn
543,22;
si ist so gar nach wunsche ein wîb: / swenne ich schouwe
ir werden lîb, / des grâles herre wænne ich sîn SM:St
13: 2,3;
RvZw
42,4;
UvLFrd
49,26.
124,3
1.2
übertr. ‘das Höchste, Heiligste und Kostbarste’ (häufig mit
Gen.-Attr.):
wunder vil und ane zal / beslozzen hat sins
[Gottes] herzen gral Hiob
3212;
Rennew
20080;
mins herczen gral TvKulm
4294;
der eren gral ebd.
5338;
des lobes grâl JvFrst
8949;
des tichtes gral MügelnKranz
284
1.3
für Gott, Christus und Maria (s.a.
himelgrâl
):
Krist von des hymmelis grale / ist dort zvͦ einem male, / fvr war
ich vch daz kvnde, / vmme vnser aller svnde PrHess
10,53;
Hiob
46;
bobn der archen [Bundeslade, übertr. für Maria]
sunder val / swebet der gnaden gral TvKulm
1644;
ich [Maria] binz der gral, / da mit der eren
künig den leiden übervacht Frl
1:11,30
2
‘Schüssel’, hier übertr.:
die achte [Kunst] leret der sterne gang / vnd
[...] wer die stern gestipt [gesteckt,
eingesetzt] / habe in des hymmelriches gral MügelnKranz
839
MWB 2 890,58; Bearbeiter: Graën
2grâl
stM.
→
krâl
MWB 2 891,44;
grâlen
swV.
‘so vollkommen sein wie der Gral’
Gerhart, [...] din verch in tugenden gralet
Frl
5:9,19
MWB 2 891,45; Bearbeiter: Graën
grallen
V.
‘schreien, kreischen’ (vgl.
gral
stM. und
grëllen
stV.):
schreien, gralen vnde schallen / scholt dv vnd in zarne wallen UvLil
261 r 59(Glr.)
MWB 2 891,47; Bearbeiter: Graën
grâlmæʒic
Adj.
‘wie der Gral’
dîn güete ist zuo menschen heil ein grâlemæzig stiure
SM:UvB
6: 2,2
MWB 2 891,50; Bearbeiter: Graën
grâ|lodære
swM.
Hersteller von grauem Loden (vgl.
lodenære
):
von den gralodern UrkEichst
2,155
(a. 1319)
MWB 2 891,52; Bearbeiter: Graën
gram
Adj.
auch gran.
‘aufgebracht’
he wart zornich inde gram MorantGalie
2566;
KarlGalie
12453.
– mit Dat. ‘jmdm./etw. feindlich gesonnen, böse auf, betrübt über
jmdn./etw.’ (vgl. auch
gotegram
):
dir solde niemen wesen gram Wig
8102;
NibB
3,2;
Herb
918;
swer minne ist vînt, dem ist got gram KLD:Kzl
17: 5,7;
rehtiu liebe ist valscher liebe gran KLD:GvN
10: 2,9;
owe dir vil unseligen girekeit, wie gram ist dir min herze!
Mechth
5: 11,22;
alle die weder gotte unde weder rechte strevet [l.
strebent
] , die werden disseme bûche gram SSp
244,10;
Mühlh
174,4
MWB 2 891,55; Bearbeiter: Graën
gram
stM. , grame
stF.
‘Grausamkeit’ (vgl.
grim
):
alle tier uff ertrich / macht man schier mit guͤti
zam / denn mit uͤbelkait und gram Teichn
574,58;
durch ir morthezzige grame HeslApk
17165;
HvNstAp
16894(La.)
MWB 2 892,3; Bearbeiter: Graën
gramangir
stN.
aus afrz. grant mangier (vgl. Suolahti 1,99,
vgl.
manger
stN.).
‘große Mahlzeit, Festmahl’
nv wart niht lenger gespart, / wan [l.
man
] bereit dar ein gramangyer Krone
7649
MWB 2 892,8; Bearbeiter: Graën
grâmatic
F.
‘Grammatik’
gramatica die lert / buchstaben, silben unde wert
Mügeln
281,1;
an der gramatik wart er schier vol varnde. / sin wille stuͦnt gen
ritterschaft, kunst der buͦche wold er sin nu sparnde JTit
184,3;
Minneb
466
MWB 2 892,12; Bearbeiter: Graën
grâmaticus
M.
‘Gelehrter’, der Lesen, Schreiben und Latein beherrscht (nur lat.
flektiert):
gramatici, daz sint der rede maister BdN
201,27;
an sîm einleften jâre / dô enwas zewâre / dehein bezzer grammaticus / danne
daz kint Grêgôrius Greg
1183;
Martina
245,101;
AvaLJ
52,4;
MinneR 481
258
MWB 2 892,17; Bearbeiter: Graën
gramaʒîe
F.
vgl.
nigromanzîe
,
vergramaʒieren
;
aus afrz. nigromanc(i)e, i(n)gromanc(i)e, lat. necromantia
(vgl. Suolahti 1,100).
‘schwarze Magie, Zauberei’
künde er mit behendicheit / diu swarzen buoch, ouch kunst der gramazîen
[...] daz waere vil gar an im verloren, haete er nicht
pfenninge Boppe
1:30,8;
nû hab dank / diser gramazîn Helbl
3,49
MWB 2 892,24; Bearbeiter: Graën
grambîʒen
stV.
‘zornig mit den Zähnen knirschen’
dreuwende mich der tuvel sprach / und grambyzende
eyslich [furchterregend] brach / ken mir sine zene
scharf Hiob
6576.
– subst.:
wan er grambyzens horet waz, / so zuhant in dunket, daz /
alle sine widersachen / mit sturme sich uf in machen Hiob
6209
MWB 2 892,32; Bearbeiter: Graën
gramelich
Adj., Adv.
→
gremelich
MWB 2 892,39;
gramen
swV.
1
‘(mit den Zähnen) klappern’ (vgl.
grisgramen
) 2
‘(jmdm.) zürnen’
1
‘(mit den Zähnen) klappern’ (vgl.
grisgramen
):
‘da [in der Hölle] sol wesen weinen der ougen
und grizgramen der zene’ [
fletus et stridor dentium Mt
8,12 u.ö.] . diz weinen der ougen kumet van der flammen des vuirez,
daz gramen van der jamerlichen keildenen [Kälte]
HlReg
26,32
2
‘(jmdm.) zürnen’
do begundens im zu gramene HeslNic
397.
971;
HeslApk
153
u.ö.;
Frl
8:17,2.
– subst.:
nu vurchte ich mir der vrowen gramen
HeslApk
3700
MWB 2 892,40; Bearbeiter: Graën
gramerʒî
Interj., stM.
aus afrz. grant merci (vgl. Suolahti 1,100).
‘vielen Dank’
der meister sprach: gramerzî AristPhyll
366;
UvTürhTr
2340;
RvEGer
1356.
– subst.:
swer byen sey
venûz [
bienvenue!
] dâ sprach, / gramerzîs
er wider jach Parz
351,8.
– in der Wendung einen
~
gëben
‘sich bedanken’
die herren mir ze stuͤr / gæben ainen gramarsi
WhvÖst
19481
MWB 2 892,50; Bearbeiter: Graën
gramerʒîe
stF.
aus afrz. grant merci (vgl. Suolahti 1,100 s.v.
gramerzîne).
‘Dankesbekundung’
der alten gramerzie was [...] verendet nicht so
gahenliche JTit
278,2
MWB 2 892,58; Bearbeiter: Graën |