Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
      gras(e)spier stN.
      gras(e)spinne stF.
      gras(e)sprinkelîn stN.
      gras(e)sprüngelîn stN.
      gras(e)var Adj.
      gras(e)vinke stM.
      gras(e)vrischinc stM.
      gras(e)warte (?) swM.
      gras(e)wëc stM.
      gras(e)wurm stM.
      gras(e)zins stM.
      grasic Adj.
      1grât stM.
      2grât stM.
      grætic Adj.
      grâ|tuochære stM.
      graufschatz stF.
      grâ|var Adj.
      grâve swM.
      grævelich Adj.
      grævelîn stN.
      grâvendinc stN.
      grâvenmeister stM.
      grâvenphenninc stM.
      grâvenrëht stN.
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gras(e)spier - grâvenrëht    


gras(e)spier stN. ‘Grashalm’ dô sprach ich: wie alle / grasspier sô glîch sîn, das ist noch wunderlîcher Eckh 1:384,4

MWB 2 901,1; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)spinne stF. ‘Grasspinne’ wohl irrtümlich für grasspier : ob ich gevrâget würde, wie ein ieglich grasspier [Hs. grasspinnen, vgl. Anm.z.St.] dem andern sô unglîch wære Eckh 1:384,2

MWB 2 901,4; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)sprinkelîn stN. gras(e)sprüngelîn

MWB 2 901,8;

gras(e)sprüngelîn stN. ‘Grasspross, Grashalm’ (vgl. springen in der Bed. ‘sprießen’): es enist niergent so klein bluͤmlin noch ein bletlin noch enkein gras sprúnglin [La. gras sprúnkelin ] , der grosse himel, die sternen, die sunne und mone, es enwúrke alles darin, und vor allen dingen got mit im selber Tauler 157,1

MWB 2 901,9; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)var Adj. ‘wie Gras aussehend, grasgrün’ si [die Buchstaben der Inschrift auf dem Paris-Apfel] glizzen rôt, gel unde blâ / verr ûz der lîsten [Borte] grasevar KvWTroj 1451

MWB 2 901,16; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)vinke stM. ‘Grasfink’ (?) oder ‘Grasmücke’ (?) (vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 70; Etymol.Wb.d.Ahd. 4,597): filocena: grasvink Gl 3:30,50 (BStK285)

MWB 2 901,20; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)vrischinc stM. Bed. unklar, wohl ‘Jungtier, das sich schon durch Weiden ernährt’ (?): grasfrisching dimidium valentem vi denarios UrbBayJ 209; de Winleinsrevt in festo s. Georii xv denarios pro grasfrisching UrbNAlteich 560

MWB 2 901,24; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)warte (?) swM. Bed. unklar, ‘Aufseher über die Grasnutzung’ (?): officiales vero sunt, prepositus, causidicus, cellerarius, forestarius, grasewatio UrkEls 1,332 (a. 1216)

MWB 2 901,29; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)wëc stM. ‘mit Gras bewachsener Weg’ jtem ein acker oben amme grasewege UrkCorp (WMU) 3037,35; zwene ackere nebent deme grasewege ebd. N101,27. – übertr. für ‘Irrweg’ (s.a. grasic ): daz mir sin wisheit si ein stech [ stîc ‘Pfad’ ] , / so vare ich nicht an den grasewech Brun 6992

MWB 2 901,33; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)wurm stM. ‘Raupe’ eruca ab erodendo: grasewrm SummHeinr 1:155,573. 2:62,160; VocClos Do14. Er29; eruca: graswurn [La. graswrm ] VocOpt 46.038

MWB 2 901,39; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)zins stM. ‘Abgabe für Weidenutzung’ item ex hiis tribus villis mutatus est census in tres libras denariorum et insuper dimidium talentum in festo s. Georii, quod vocatur graszins UrbNAlteich 314. 84. 260; nota graszins in officio Weiborn UrbBayS 4,325(App.)

MWB 2 901,43; Bearbeiterin: Baumgarte

grasic Adj. ‘mit Gras bewachsen’ ein schöne grasige hoffstat / neben dem graben vor dem thor Krone 15336. – oft zur Beschreibung von (ungebahnten, wilden) Wegen (s.a. graswëc ): sîn manic gemüete vuocte im daz / er die strâze übersach. / einem stîge volget er nâch / [...] / der was grasic unde ungebant. / er truoc in verre in den walt Wig 6258; hin reit der künec Êrec / eine den grasigen wec / wol drîer rosseloufe lanc / durch bluomen und durch vogelsanc Er 8897. 8884; Wigam (B) 1094; Greg 3237; Renner 43; UrkCorp (WMU) 3037,1

MWB 2 901,49; Bearbeiterin: Baumgarte

1grât stM. 1 ‘Stufe’ (s.a. grêde )
1.1 übertr.
1.2 ‘Treppe’
2 als Terminus
2.1 med.: Abstufungsgrad der Qualitäten (warm, trocken usw.) in der Humorallehre
2.2 astronomisch/  astrologisch: Maßeinheit der Winkelweite ‘Grad’
   1 ‘Stufe’ (s.a. grêde ): ouh gingen ûf den berc / biz an daz hêrlîche werc [den palas ] / zwei dûsint grâde SAlex 5431; sin stul [Salomos Thron] was gut helphinbein, / [...]. / sechs gradi gingin dir [l. dar ] zu LobSal 161; HvNstAp 12817    1.1 übertr.: der beste grât, dar ûf man getreten mac, als man ze gote in ganzer andâht wil gân, daz ist, daz man âne sünde sî in der kraft der götlîchen riuwe Eckh 5: 237,7; der êrste grât des innern und des niuwen menschen, sprichet sant Augustînus, ist, sô der mensche lebet nâch dem bilde guoter und heiliger liute ebd. 5: 111,22; die lanttherrenn sind ain zu gabe unnd ain merung des reichs, unnd von in wirt getziert der hof und geordent das reich in ir graden [ in gradibus ] du wedarfft wol der pesstenn ordnung an ir gredenn [ in gradibus ] unnd an ir ordnunge [ in dispositionibus ] HvHürnh 73,1    1.2 ‘Treppe’ er ging furbas und qwam zu eim grade der hoch uff ging zu einem schönen sal. der grad was on lene und was ser schmal Lanc 572,27. 606,1. 616,12    2 als Terminus    2.1 med.: Abstufungsgrad der Qualitäten (warm, trocken usw.) in der Humorallehre: der nature erste grat ist, so man sprichet: ‘warm’. der ander grat ist [...] : ‘wermer’. der dritte grat ist [...] : ‘aller wermest’. der vierde grat ist, so man sprichet: ‘wermer denne aller wermest’ Macer Prosavorr. 4; die aller minsten gezierde / hat dise natur, die vierde. / ir [ melancolici ] grad muz nider bucken, / wann sie ist kalt unde trucken Physiogn 103; BdN 293,14; SalArz 6,55    2.2 astronomisch/  astrologisch: Maßeinheit der Winkelweite ‘Grad’ an dez himels uͤmbkraizz sint drei hundert und sehzig grad oder klain stuͤkke KvMSph 18,6. 11,7; dirre zodiacus ist zerteilit in zwelfiu, unde ieglich zeichen ist geteilit in drizic stucke, unde ieglich stucke heizit ein gradus, daz ist ein staffel MNat 13,21

MWB 2 901,61; Bearbeiterin: Baumgarte

2grât stM. etwas Hervorstechendes, Hervorstehendes (vgl. DWB 4,1,5,2029f.) 1 etwas Spitzes
1.1 meist ‘Gräte’
1.1.1 konkret
1.1.2 übertr.
1.1.3 in Wendungen
1.1.3.1 âne/  sunder græte ‘ohne Makel, ohne Falsch’
1.1.3.2 auf das Rückgrat (vgl. 2.1 ) des Fisches bezogen
1.2 ‘Stachel, Dorn’
1.3 ‘Splitter’
2 eine herausgehobene/ scharfe Linie
2.1 ‘Rückgrat’ (s.a. 1.1.3.2 )
2.2 Schuppenkamm
2.3 ‘Bergkamm’
2.4 ‘scharfe Kante, Klinge, Stichel’ (?)
2.5 Terminus der Tuchweber ‘diagonale erhabene Linie im Tuch’
   1 etwas Spitzes    1.1 meist ‘Gräte’    1.1.1 konkret: so wirt des luzel rat swaz flozen unde grat hat AvaJG 6,4; Tarquinius enbæiz, do cherte sich eines visces grat, [...], im in den hals Konr 5,21; nim einen frischen hechede vnd loͤse abe die hut als gantz vnd suͤde in gar vnd loͤse vz die grete BvgSp 36. – auch für die Knochen des Wals: dis tieres gebeine ist eins edelen visches grat, da machet man schoͤnú cleinot abe, das edel lúte zuͦ iren eren habent Mechth 4: 18,94    1.1.2 übertr.: – Gräte als etw. Gefährliches: der den pfeffer [das, was das Sündigen annehmbar erscheinen lässt] dran gemachet hat, / er hat des ewigen todes grat / in dem pfeffer verborgen StrKD 99,50; wenestu du, unreinez wib, / daz ich niht dinen valschen lib / bekenne in deme kleide, / nu du mit valschem leide / und mit grozer unvlat / verslunden hast der sunden grat / und din e zubrochen? Pass III 321,40; o welt, daz sint dein graͤte! Suchenw 21,65. – Gräte als etw. Falsches und Hinterhältiges: dor nach sy geben rete / dy gar vol sin valschir grete Hiob 4704. 9264; die fumfte [Gabe des Hl. Geistes ist] geist des rates, / der nicht in im hat grates TvKulm 5750; an valschen grat ebd. 5504; yegleich mensch ein chloster hat, / wo er lebt an valschen grat Teichn 358,46. – Gräte als etw. Geringes: waz ich mit minem angel / gevische in ir wage, / swie vil ich ir hilfe lage, / von in gevah ich nymmer grat WhvÖst 19487. – allg. für Unerwünschtes oder Gefährliches in präzisierenden Gen.-Konstruktionen (fließender Übergang zum übertr. Gebrauch): hüt dich vor schanden grate Mügeln 47,17; mensche, [...], / schaffe, daz dir bîcht mit rûwen [Reue] zücke ûz sünden græte Rumelant (R) 6:11,12    1.1.3 in Wendungen    1.1.3.1 âne/  sunder græte ‘ohne Makel, ohne Falsch’ wer inniglichen liep hat stete / den zarten, süssen got, an alle grete / der minnet auch, was got hat holt, / mit weiser sinne rete FrlSuppl 11:201,36; sin hohez herze gab im dise ræte, / daz ander werde minne, daz dritte richeit, erge [= Konjektur, wohl wie die Hss. AB daz ergie ] sunder græte JTit 1318,4. gen ritterlicher hende biut ich hende sunder eren græte [ohne einen Makel an der Ehre ?] JTit 3032,2. so hat yeder man enphangen / wiͤrdichait an allen grat, / daz nie chainer missetrat Teichn 315,7    1.1.3.2 auf das Rückgrat (vgl. 2.1) des Fisches bezogen: genagen ûf den ~ : sy endurst neit anders dan ur bloit / ind ur ere ind ure goit. / sy knagent uch reicht up den grait HagenChr (G) 3301. niht visch unze/  biʒ an den ~ sîn ‘nicht ganz und gar echt, vertrauenswürdig sein’ mich dunket, [...], / diu [die Minne] sî niht visch unz an den grât Walth 67,31; swaz si [die Welt] frovden hat / ist niht visch vnz an den grat Martina 276,92; ez leret wol für missetat, / der niht ist visch biz an den grat TannhHofz 264. 128. – wohl daraus verkürzt: (unze) ûf den ~ ‘durch und durch, vollständig’ wan si der reinen sele wat / gehonet wol vntz vf den grat Martina 23,92; doch ist er ein zweiflund man, / unczt man yns versuechen lat: / so erkennt ers auf dem [l. den ] grat Teichn 652,28. – ins Positive gewendet: dû [Christus] bist ein visch unz ûf den grât: dîn süeze wandels niht enhât LobGesMar 65,11    1.2 ‘Stachel, Dorn’ hie mischt sich minne süez mit distels græten RvZw 49,7; gerste lusteclich uf gat, / grune, crusp, breit ist ir blat, / trubelecht; des ackers geil / wil sie sin. darnach ein teil / hat der halm herwe grete Daniel 2311. 2315; jmdm. ein ~ sîn ‘jmdm. ein Dorn im Auge, ein Stachel des Anstoßes sein’ man sol sew vahen uͤber al. / sew sind guten lauten ein grat Teichn 190,69; waz aynem [einem Einzelnen ] wurr an einer stat, / daz solt in allen [allen Menschen] sein ein grat ebd. 195,8. – hierher ‘Stechen, Stich, bohrender Schmerz’ (?, vgl. Iob 30,17): und ich screy zu dir stete / durch not myner scharfen grete, / und doch irhorestu mich nicht, / mich losende von diser gycht Hiob 11488 (vgl. der smertzen spitze ebd. 11506 )    1.3 ‘Splitter’ dw geschrift spricht: ‘du solt den grat / aus dein selbs augen rauͤten, / e du redest von den lauͤten’ Teichn 23,66    2 eine herausgehobene/ scharfe Linie    2.1 ‘Rückgrat’ (s.a. 1.1.3.2): spina: ruͦgbein, grat Gl 3:354,5 (BStK927); daz im daz verch biz ûf den grât / wart schiere endecket unde enbart / und im daz bein enblœzet KvWTroj 38520; JTit 4278,4; dem rosse gienc al über den grât / von dem houpte hin ze tal ein grüeniu lîste KvWEngelh 2548; Er 7320; etleich würm sint ân füez, iedoch habent si pain in irm leib oder græt, sam die slangen habent BdN 287,6. 287,10    2.2 Schuppenkamm: breite schuopen hürnîn / wâren an im [dem Drachen] über al; / von dem houbet hin ze tal / stuont ûf im ein scharfer grât Wig 5038. 5061; der kokodrille hat so scharfe græte [zwei] JTit 3888,2    2.3 ‘Bergkamm’ er muoz sich üeben ûf dem plan / der tugenden, und muoz erbeit hân, / ê daz er ûf den hôhen grât / müg komen, dâ der boum ûf stât Boner 4,25. grunt und ~ : grund vnd grat des hertzogen WeistGr 1,166 (a. 1303?). 1,311 (a. 1344)    2.4 ‘scharfe Kante, Klinge, Stichel’ (?): zwei mezzer snîdende als ein grât Parz 234,18; sîn liegen snîdet sam ein grât HartmKlage 1767; swer gît [...] dem kinde den grât / und dem tobenden daz swert, / er hât si alle übel gewert WälGa 14614. mit worten lind und nicht zeslecht, / ir tzung di sneidet als ein grat Suchenw 23,81    2.5 Terminus der Tuchweber ‘diagonale erhabene Linie im Tuch’ bristet dem gebende [ sleyer oder hoͧptuͦch ] der lengi oder der breti umb ein vierdenteil einer elne und mere, das gebende alles sol man enmitten durch den grat zersniden StBZürich 85 (a. 1336); auch dvgentliche sinne / der hasz friszit durch den grat. / alsam die milwe gvde wat / verswendit PrHess 21,35

MWB 2 902,35; Bearbeiterin: Baumgarte

grætic Adj. ‘scharf, spitz’ beide itel unde ler / ist di sele und ummer, / di jo ist gotes mangel; / ouch ein vil gretik angel / si versnidet in den tot, / ir énhelfe den uz not / mit genaden allirmeist / der vil vrone heilge geist TvKulm 5440

MWB 2 904,24; Bearbeiterin: Baumgarte

grâ|tuochære stM. Hersteller und Händler eines groben, grauen Wolltuchs (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 359): Chuͦnratz [...] von Loͮfen des gratvͦchers UrkCorp (WMU) 3215,25

MWB 2 904,29; Bearbeiterin: Baumgarte

graufschatz stF. grâveschaft

MWB 2 904,33;

grâ|var Adj. ‘grau aussehend, grau’ pellicanus haizt nâch der aigenchait der latein ain grâhäutel, wan sam Augustînus und Isidorus sprechent, er hât grâvar federn BdN 210,5

MWB 2 904,34; Bearbeiterin: Baumgarte

grâve swM. wmd. auch grêve. ‘Graf’, in Rechtstexten oft als Gerichtsherr (vgl. WMU 1,757f; DRW 4,1051-55): swelich graf, frei oder dienstman iar vnd tach in offen banne ist, den sol man in di æht tvͦn UrkCorp (WMU) 475AB,41,5; tut er des [den Bruch des Landfriedens bezzeren ] nit, so sol er meineidig sin, vnd sol in der erzebischof [...] zu banne tun [...] vnd der furste oder der graue, in des gerihte er sitzet, zu ahte dun ebd. 879W,14 u.ö.; deheine widerworfen urteile diu vor einem grâven widerworfen wirt, die enmac man niht geziehen an den marcgrâven, ez enhabe der grâve die grâschaft von dem marcgrâven SpdtL 197,14; do quan iz an einin oster tac / daz Constantin mit scalle was / an deme Poderamis houe / mit gravin vnde mit herzogin / vnde mit vrigin herren Roth 894; ich [Frau Welt] bin sô hôhes muotes / daz keiser unde küneges kint / under mîner crône sint, / grâven, frîen, herzogen / habent mir ir knie gebogen / und leistent alle mîn gebot KvWWelt 207; VAlex 1443; Wig 7824; Mügeln 24,1; Mechth 5: 11,5; Lanc 246,26; er [der König Marsilie] hiz uuͦr sich chomen / sechs wise herzogen, / dar zu sechs grauen / di sines rates phlagen Rol 405; [sie trugen die Gefallenen zusammen] die hôhen si sunder kurn. / der vürste, der grâve, der barûn, / [...] / die armen wurden dâ begraben, / und die edelen ûf bâre gehaben, / die si ze lande wolten / vüeren Wh 451,7; was sol ein graff, der keiner ern wil walten? / waz sol ein fry, der nymmer tag sin ere kan behalten? / waz sol ein werder dinstman, der sich mit schanden neret? SM:Ga 1a: 1,5; Parz 5,17; PrBerthKl 2,14; übers. lat. comes und praeses: comes: grove oder geverte vf dem wege VocClos Co111. Pr65. – mit Angabe der Grafschaft ( ~ von/  ze) und/  oder des Personennamens: wir Gebhart, von gotes gnaden graue ze Hirzperch UrkCorp (WMU) 2195,33; wir der edel graf Vͦlrich von Helfenstain ebd. 3361,13 u.ö.; der grâve Adân von Âlârîe Wig 7841; SM:Had 2: 7,4; der graue von Liningen Herb 95; Parz 184,4; dô nam mîn hêr Gâwân / den grâven Lahedumân / und ander sîne gevangen ebd. 393,18. – Titel in der Anrede: nu helft mir, grâve Scherules Parz 392,7; her greve, svaz uch dunket gut, / daz wil ich mit u ane gan GrRud Bb 30. – vereinzelt im Sprichwort der Prototyp des Reichen und Mächtigen als Vergleichsgröße (vgl. TPMA 1,186; 2,261; 3,30): arman mag niht grâve gesîn Quodlibet (W) 1160,11; besser ist erkennen sich / dan wesen grave, konnig odir keiser rich Pilgerf 5881; man sprichet und ist och war: ‘des kaisers dienste man ist groͤsser denne ein grâf’ PrGeorg 43,10

MWB 2 904,38; Bearbeiterin: Baumgarte

grævelich Adj. auch grebenlich. ‘gräflich, dem Grafen zukommend’ seyn griefliche herschaf ind sine gedinge RegErzbKöln 4,223 (a. 1317); dyͤ stat sal auch uns lazen bi unseme grebenlicheme rechte in unser graschaf UrkWetzl 1,494 (a. 1332); daz si [...] gen denselben iren herscheften in gerichte ze clage, ze antworte und mit grevelichem [dem Grafen zu leistendem] dienste und ze allen sachen tuͮn sullen [...] gleich andern nokebwͦirn UrkFriedb 172 (a. 1349)

MWB 2 905,27; Bearbeiterin: Baumgarte

grævelîn stN. Dimin. zu grâve ‘kleiner Graf’ mêr danne fünfzec clâriu kint, / die von art gâben liehten schîn, / herzogen unde grævelîn: / dâ reit ouch etslîch küneges suon Parz 722,4. – verächtlich: waz sol daz grævelîn, / daz nû erwelt hânt die phaffen, / des rîches frum geschaffen, / an dem man maht noch witze spurte? Ottok 60082

MWB 2 905,37; Bearbeiterin: Baumgarte

grâvendinc stN. hier grefindingt. ‘Gericht des Grafen’ wir [...] leihen [...] von unserm kuniglichen gewalt den vorgenanten [...] den bann obir daz burggrafdinc, grefindingt und boteding mit allem herscheften und gewonheiten, die zu dem bann gehoren MGHConst 8:591,40 (a. 1348)

MWB 2 905,44; Bearbeiterin: Baumgarte

grâvenmeister stM. ‘oberster, erster aller Grafen’ der Oufensteinær giht, / er welle grâven meister sîn Ottok 63226

MWB 2 905,50; Bearbeiterin: Baumgarte

grâvenphenninc stM. hier wmd. grêven-. ‘eine jährliche Abgabe an den Vogt’ item verkunte sie, dasz ein ieclicher mentsche, die do gesessen sint in dem egenanten dorf Osthoven, [...], alle jar jerlichen schuldig sin zu geben dem zitlichen faute [Vogt] ein malter habern, ein huone und 2 heller, die do heiszent grevenphening, und nit me WeistGr 5,636 (a. 1338)

MWB 2 905,53; Bearbeiterin: Baumgarte

grâvenrëht stN. wmd. auch grêve-. eine Abgabe: precarias seu exactiones, que grevenreth vulgariter nuncupantur UrkDOHess 3:358,19 (a. 1293); [der Hof des Klosters Schiffenberg zu Milbach ist frei] ab omni prestatione iuris quod greverecht vulgariter nuncupatur DRW 4,1059 (Landau, Salgut; a. 1293)

MWB 2 905,61; Bearbeiterin: Baumgarte