grâ|tuochære
stM.
Hersteller und Händler eines groben, grauen Wolltuchs (vgl. Nölle-Hornkamp,
Handwerkerbez., S. 359):
Chuͦnratz [...] von Loͮfen des
gratvͦchers UrkCorp (WMU)
3215,25
MWB 2 904,29; Bearbeiterin: Baumgarte
graufschatz
stF.
→
grâveschaft
MWB 2 904,33;
grâ|var
Adj.
‘grau aussehend, grau’
pellicanus haizt nâch der aigenchait der latein ain
grâhäutel, wan sam Augustînus und Isidorus sprechent, er hât grâvar federn
BdN
210,5
MWB 2 904,34; Bearbeiterin: Baumgarte
grâve
swM.
wmd. auch grêve.
‘Graf’, in Rechtstexten oft als Gerichtsherr (vgl. WMU 1,757f; DRW
4,1051-55):
swelich graf, frei oder dienstman iar vnd tach in offen banne ist, den sol man
in di æht tvͦn UrkCorp (WMU)
475AB,41,5;
tut er des [den Bruch des Landfriedens
bezzeren
] nit, so sol er meineidig sin, vnd sol in der
erzebischof [...] zu banne tun
[...] vnd der furste oder der graue, in des gerihte er
sitzet, zu ahte dun ebd.
879W,14
u.ö.;
deheine widerworfen urteile diu vor einem grâven widerworfen
wirt, die enmac man niht geziehen an den marcgrâven, ez enhabe der grâve die
grâschaft von dem marcgrâven SpdtL
197,14;
do quan iz an einin oster tac / daz Constantin mit scalle was
/ an deme Poderamis houe / mit gravin vnde mit herzogin / vnde mit vrigin herren
Roth
894;
ich [Frau Welt] bin sô hôhes muotes
/ daz keiser unde küneges kint / under mîner crône sint, / grâven, frîen, herzogen /
habent mir ir knie gebogen / und leistent alle mîn gebot KvWWelt
207;
VAlex
1443;
Wig
7824;
Mügeln
24,1;
Mechth
5: 11,5;
Lanc
246,26;
er [der König Marsilie] hiz
uuͦr sich chomen / sechs wise herzogen, / dar zu sechs grauen / di sines
rates phlagen Rol
405;
[sie trugen die Gefallenen zusammen] die hôhen si sunder
kurn. / der vürste, der grâve, der barûn, / [...] / die
armen wurden dâ begraben, / und die edelen ûf bâre gehaben, / die si ze lande wolten
/ vüeren Wh
451,7;
was sol ein graff, der keiner ern wil walten? / waz sol ein
fry, der nymmer tag sin ere kan behalten? / waz sol ein werder dinstman, der sich
mit schanden neret? SM:Ga
1a: 1,5;
Parz
5,17;
PrBerthKl
2,14;
übers. lat. comes und praeses:
comes: grove oder geverte vf dem wege VocClos
Co111.
Pr65.
– mit Angabe der Grafschaft ( ~
von/ ze) und/ oder des Personennamens:
wir Gebhart, von gotes gnaden graue ze Hirzperch UrkCorp (WMU)
2195,33;
wir der edel graf Vͦlrich von Helfenstain ebd.
3361,13
u.ö.;
der grâve Adân von Âlârîe Wig
7841;
SM:Had
2: 7,4;
der graue von Liningen Herb
95;
Parz
184,4;
dô nam mîn hêr Gâwân / den grâven Lahedumân / und ander sîne
gevangen ebd.
393,18.
– Titel in der Anrede:
nu helft mir, grâve Scherules Parz
392,7;
her greve, svaz uch dunket gut, / daz wil ich mit u ane gan
GrRud
Bb 30.
– vereinzelt im Sprichwort der Prototyp des Reichen und Mächtigen als
Vergleichsgröße (vgl. TPMA 1,186; 2,261; 3,30):
arman mag niht grâve gesîn Quodlibet (W)
1160,11;
besser ist erkennen sich / dan wesen grave, konnig odir
keiser rich Pilgerf
5881;
man sprichet und ist och war: ‘des kaisers dienste man ist
groͤsser denne ein grâf’ PrGeorg
43,10
MWB 2 904,38; Bearbeiterin: Baumgarte
grævelich
Adj.
auch grebenlich.
‘gräflich, dem Grafen zukommend’
seyn griefliche herschaf ind sine gedinge RegErzbKöln
4,223
(a. 1317);
dyͤ stat sal auch uns lazen bi unseme grebenlicheme rechte in unser
graschaf UrkWetzl
1,494
(a. 1332);
daz si [...] gen denselben iren herscheften in
gerichte ze clage, ze antworte und mit grevelichem [dem Grafen zu
leistendem] dienste und ze allen sachen tuͮn sullen
[...] gleich andern nokebwͦirn UrkFriedb
172
(a. 1349)
MWB 2 905,27; Bearbeiterin: Baumgarte
grævelîn
stN.
Dimin. zu
grâve
‘kleiner Graf’
mêr danne fünfzec clâriu kint, / die von art gâben liehten
schîn, / herzogen unde grævelîn: / dâ reit ouch etslîch küneges suon
Parz
722,4.
– verächtlich:
waz sol daz grævelîn, / daz nû erwelt hânt die phaffen, /
des rîches frum geschaffen, / an dem man maht noch witze spurte?
Ottok
60082
MWB 2 905,37; Bearbeiterin: Baumgarte
grâvendinc
stN.
hier grefindingt.
‘Gericht des Grafen’
wir [...] leihen [...] von
unserm kuniglichen gewalt den vorgenanten [...] den bann
obir daz burggrafdinc, grefindingt und boteding mit allem herscheften und
gewonheiten, die zu dem bann gehoren MGHConst
8:591,40
(a. 1348)
MWB 2 905,44; Bearbeiterin: Baumgarte
grâvenmeister
stM.
‘oberster, erster aller Grafen’
der Oufensteinær giht, / er welle grâven meister sîn
Ottok
63226
MWB 2 905,50; Bearbeiterin: Baumgarte
grâvenphenninc
stM.
hier wmd. grêven-.
‘eine jährliche Abgabe an den Vogt’
item verkunte sie, dasz ein ieclicher mentsche, die do gesessen sint in dem
egenanten dorf Osthoven, [...], alle jar jerlichen schuldig
sin zu geben dem zitlichen faute [Vogt] ein malter
habern, ein huone und 2 heller, die do heiszent grevenphening, und nit me
WeistGr
5,636
(a. 1338)
MWB 2 905,53; Bearbeiterin: Baumgarte
grâvenrëht
stN.
wmd. auch grêve-.
eine Abgabe:
precarias seu exactiones, que grevenreth vulgariter nuncupantur
UrkDOHess
3:358,19
(a. 1293);
[der Hof des Klosters Schiffenberg zu Milbach ist frei]
ab omni prestatione iuris quod greverecht vulgariter nuncupatur DRW
4,1059
(Landau, Salgut; a. 1293)
MWB 2 905,61; Bearbeiterin: Baumgarte
grâveschaft
stF.
auch grâschaft, schwäb. auch -schatz (vgl. SchwäbWB
3,785).
1 Grafenstand, mit den dazugehörigen Rechten und Pflichten 2
‘Gebiet, über das ein Graf Rechte hat’
1
Grafenstand, mit den dazugehörigen Rechten und Pflichten:
der keiser enmac aver in allen landen niht gesîn und allez
ungerihte niht rihten ze aller zît; dar umbe lîhet er den fürsten grâveschaft, und
den grâven schultheizentuom SpdtL
223,12;
Luppolt der getrue man / der uerdienet hude sine grascaft /
daz du ir ime wole gunnen macht Roth
3554
2
‘Gebiet, über das ein Graf Rechte hat’
nehein lant ist so chleine, man nemuoze in denne teilen. /
marche unde bistuom, grascefte unde herzochtuom / daz teilet man chleine, iz niezent
zwene oder dri vur einen AvaA
2,3;
ein herre von Britanje, / der einer grâfschefte wielt, / mit
lobe sîne stat behielt / und sîner edelkeite reht KvWTurn
591;
die grauffschatz zuͦ ainem lon / die sol dein aigen wesen FrSchw
392.
299;
geschiht ditz in einer grâschaft oder in einer marke, sô
sullen die boten sîn vrîe lantsæzen SpdtL
196,18;
Wig
3671;
Kreuzf
377
MWB 2 906,4; Bearbeiterin: Baumgarte
grâveschaftgerihte
stN.
‘Gericht des Grafen’
judicia sive jurisdictiones ad comecias spectantes, que vulgariter
grafschaftgericht vocantur DRW
4,1065
(Maurer,Fronhöfe; a. 1295)
MWB 2 906,24; Bearbeiterin: Baumgarte
grâveschaftvuoter
stN.
‘Futterabgabe’
de hominibus aduocalibus pro grafschaft fuͦter xii mod. auene
UrbBayS
5,557.
5,554
MWB 2 906,28; Bearbeiterin: Baumgarte
grâveschatz
stF.
→
grâveschaft
MWB 2 906,31;
grævinne, grâvîn
stF.
‘Gräfin’ (vgl. WMU 1,758f.):
ich sî dîn geselle ode dîn man, / [...] / du muost
heizen grævîn, / sô ich grâve bin genant GFrau
2050;
ein rîcher dienstman, / [...], / des guot und des sin
/ füeget im ein grævin Helbl
8,380;
cometissa: grevin VocClos
Co116.
– mit Angabe der Grafschaft ( ~
von) und/ oder des Personennamens:
gutes, das ihme von seinen eltern grafen B. und gräfin E. erblich zugestanden
ist DRW
4,1061
(MCarinth; a. 1230)
u.ö.;
wir, Hedewich dvͥ grevinne, veriehen vnder vnserre svne jnsigel
UrkCorp (WMU)
689,12
u.ö.;
durch vnser vrowen, der grafin von Sigemarin [...]
bete ebd.
1116,43
u.ö.;
de grævîn von Tenabroc Parz
232,25;
zu man kôs in / von Joppen die grâvin / Sibilla
Kreuzf
398
MWB 2 906,32; Bearbeiterin: Baumgarte
grâwe
swM.
→
grâ
Adj.
MWB 2 906,47;
græwe
stF.
‘graue Farbe, Grauheit’
canicies: grewe VocClos
Ca165;
ich sach vor eim lîthûse [Gasthaus] stân / einen
knappen, der het an / [...] einen roc
[...] / ûz einem Pœltingære [Tuch
aus St. Pölten] , / daz was in der græwe blach Helbl
1,315.
– oft bezogen auf das Grau der Haare:
grawe ist zweierhande. ein ist uon natur. di ander ist ân di
natur. die naturliche grawe geschit so der mensche kumit zu rechtem alder.
[...] di grawe di âne natur ist. geschit wenne daz
fleuma vulet in deme magin ader in deme houbite SalArz
27,11
u.ö.;
div zwei [Bart und Haar] het zware / ein grawe
übergangen Krone
6880;
daz leben het er [Willehalm als
Einsiedler] fuͤnf jar. / nu was im bart und har / gewahsen
uz der maze lang / und von der græwe worden blang Rennew
34312
MWB 2 906,48; Bearbeiterin: Baumgarte
grâwen
swV.
auch graen (
Brun
11909
), grauen (
HvHürnh
30,8
), graben (
Teichn
303,13
).
1 vom Haar ‘grau werden, ergrauen’
2 vom herannahenden Tag ‘grauen’
1
vom Haar ‘grau werden, ergrauen’
daz hâr grâwet von der kelten des hirns, wenne diu nâtürleich
hitz sô krank wirt, daz si des hirns kelten nicht mag gesenftigen, ez sei von alter
oder von sorgen oder von unfuor BdN
7,23;
Lucid
64,10;
ir mugt wol grawen, [...] sich mac
wol rimpfen iwer lip StrKD
142,11;
er kunde in êren sîniu jâr / wol grîsen unde grâwen
KvWTroj
39817;
UvLFrd
337,9.
–
‘verblassen’, hier ‘kraftlos werden’ (vgl. FrlWB, S. 133):
woltat der jungen grawet [junge Leute sind nicht mehr auf das
Vollbringen ehrenvoller Taten aus] , / swa sicherheit sich hat
ergeben / der ungeherten schande Frl
7:29,7
2
vom herannahenden Tag ‘grauen’
als man grâwen sach den tac Loheng
1044;
sîne klâwen / durch die wolken sint geslagen, / er stîget ûf
mit grôzer kraft; / ich sich in grâwen / tegelîch, als er wil tagen: / den tac
MF:Wolfr
2: 1,4;
Herb
6657;
variierend:
ein wolken grâwet gên dem tage, / ich sihe in schône ûf
dringen SM:JvW
6: 1,4
MWB 2 907,1; Bearbeiterin: Baumgarte
græwen
swV.
1
‘grau machen’
2
‘blass machen’
1
‘grau machen’
dû [Glücksspiel] græwest sunder alter jugent
RvZw
107,4;
i’n weiz, wie diu nôt zergât, / die ich hân von einem
wîbe: / diu mir an dem herzen lît so nâhen, / daz ir verrez vrömden græwet mich
SM:UvB
2: 2,6;
daz ir lîp gegræwet / möhte sîn von sorgen Reinfr
4328.
11085
2
‘blass machen’
ir ougen brehen gît liehten schîn, / ir mundel und ir wengelîn / græwet unde
erscheinet [zum Sg. im Verb bei Doppelsubjekt vgl.
2
5Mhd. Gr. § S 42]
Virg
972,6
MWB 2 907,23; Bearbeiterin: Baumgarte
grâwërc
stN.
‘grauer Pelz’ (meist als Kleidungsbesatz oder -futter; vgl. DWB
4,1,5,2233):
item nullus mercatorum aduenientium undecunque varium, quod grawerc, et etiam
hoc, quod vulgo zabel [l. zobel
] appellatur
UrkKöln
2,415
(a. 1259)
MWB 2 907,33; Bearbeiterin: Baumgarte
grâwërcliute
stM. (Pl.)
Bearbeiter von grauem Pelz (vgl.
grâwërc
):
item cubicula grawerclude solvunt 11 sol. et 3 den. UrkKöln
3,221
(a. 1285)
MWB 2 907,38; Bearbeiterin: Baumgarte
grâweʒ
subst. Adj.
wohl ‘graues Pelzwerk’ (vgl.
grâwërc
):
soocrîsum: grauuiz quod nec rufum, nec album nec nigrum est Gl
3:664,15
(BStK287)
(lat. Lemma verderbt vgl. Anm.z.St.; AWB 4,404)
MWB 2 907,41; Bearbeiterin: Baumgarte
graʒ
Adj.
‘wütend, aufgebracht’
Esau der wart vil graz. / nu begunde grozen haz / und
umbruͤderlichin nit / tragin von der selbin zit / Esau dem bruͦdir sin
RvEWchr
5896;
al dar begunde gâhen / von dem volke ein menge graz
JvFrst
8977
MWB 2 907,45; Bearbeiterin: Baumgarte
graʒ
stN.
‘frische Sprossen oder junge Triebe von Nadelhölzern (und immergrünen
Pflanzen?)’ (für Futter und Streu):
got gebe daz der [Schnee] schier
zergê. / nu brechen [wir] die wîl îwîn graz. / ich wæn dîn
ors dicke gaz / ze Munsalvæsche baz dan hie Parz
485,13
(vgl. Lit. unter
2îwîn
);
swelich purger chauft [...] von
einem pawmann, der auf dem land sitzzt, chorn, stro, holtz, hae, graz,
[...]
StRMünch
343,19
MWB 2 907,50; Bearbeiterin: Baumgarte
grâʒ
stM.
Vokalquantität bei
FrlSuppl
5:205A2,37
wohl kurz.
‘Zorn, Hass’
dâvon vil gar der alde zorn / vorswundin was, [...],
/ unde [der Herrscher] was ôt wolgemût / intnumen allem
grâze [
:sâze
]
NvJer
21812;
dü zehen gebot, dü werdent las / der kristenheit dur sinen [des
endekrists] gras [
:was,
has
]
FrlSuppl
5:205A2,37;
swer sinen kranz / so birt daz er vor graze [
:maze,
saze
] / sine zungen hat behuot, / der treit in, daz er
im niht wirt ze swære Damen
6,1
MWB 2 907,59; Bearbeiterin: Baumgarte |