Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   grindel - grisgram    


grindel, grëndel stM. ein längeres Stück Holz, Balken zu verschiedenen Zwecken 1 ‘Tür-, Torriegel’
2 ‘Sperrvorrichtung, Schlagbaum’
3 Holz, womit die Falle gestellt wird
   1 ‘Tür-, Torriegel’ den grindil mîner ture nam ich abe daz ich mîneme gemahelen intsluzze TrudHL 71,8; die ture sich entsluzzen, / die grintil dannen schuzzen, / diu helle wart ouf getan Hochz 991; die grintel muosen bresten AvaLJ 160,3; darumbe mohte der reinen juncfroͮwen geist in den himel nit komen, wan Adam hatte den grendel alze verre fúr geschoben Mechth 5: 23,10. 6: 16,41    2 ‘Sperrvorrichtung, Schlagbaum’ zweinzeg viertel rogen von dem aker, der da lit ze Brisach bi dem grendel UrkCorp (WMU) 586,45. – wohl ‘Gatter, Palisadenwerk am Stadttor’ (vgl. SchweizId 2,757f.), nur Pl.: daz dû diu tor gemeine / mit den fuozliuten wol bewarst / und mit in an die grendel varst KvWTroj 30312; lâ der stete gesinde / dâ beiten unde harren / der grendel und der barren ebd. 30302; Prîant [...] dâ mit sîner huote wielt / der grendel und der porten ebd. 34161    3 Holz, womit die Falle gestellt wird: ich vurchte nit sin lag, / an duͤ grendel ich ez wag. / wie ichs nit vor wiste, / so vieng er mich mit liste Ratte 20

MWB 2 932,13; Bearbeiter: Tao

grinden swV. ‘mit Grind bedeckt sein, Hautausschlag haben’, Sprichw. (TPMA 1,232): an dem arse grindet die mat [ = maget ] , / wan sie sich nit ruren lat SalMark 341

MWB 2 932,36; Bearbeiter: Tao

grindic Adj. ‘mit Ausschlag behaftet, grindig; räudig’ daz helpet de lude, de eyn bose houet han vnde grindich, ef en daz houet myd syner harn weschet alle dage eyn half iar OvBaierl 75,9; Pilgerf 7537 ( → grint Adj.)

MWB 2 932,40; Bearbeiter: Tao

grînen stV. (Ia). 1 von Tieren: ‘(wütende, drohende, klagende) Laute von sich geben’
1.1 allg.
1.2 bes. von Hunden
1.2.1 absol.
1.2.2 mit Präp.; meist in Vergleichen
1.3 von Schweinen
1.4 von Pferden
1.5 von anderen Tieren
1.6 übertr., vom tosenden Meer, subst.
2 von Menschen
2.1 ‘knurren, murren’
2.1.1 absol.
2.1.2 mit Präp.
2.2 ‘weinen, heulen, wehklagen, traurig sein’
2.3 ‘(mit den Zähnen) knirschen’
2.4 ‘(hämisch) lachen, grinsen’
   1 von Tieren: ‘(wütende, drohende, klagende) Laute von sich geben’    1.1 allg.: sô machte sich des tiuvels spil / ze vorhtlîchen tieren vil, / die vil den herren muoten: / sie grinen sêre, sie luoten / mit ängestlîcher stimme / gên im in grôzem grimme RvEBarl 15084. – subst.: da hub sich ain greynen: / das [l. ie das ] dier pestund den seynen [jedes Tier bekämpfte seinesgleichen] HvNstAp 10159    1.2 bes. von Hunden    1.2.1 absol.: ime wêre vil unmêre [gleichgültig] , / waz der hunt gebulle / und grene unde sculle, / der ime [...] gescaden niht ne mohte SAlex 4313; weder ez [= hundelîn ] engrein noch enbal, / noch erzeigete ungebærde nie, / swaz schimpfes man mit ime begie Tr 15886; [der Höllenhund Cerberus] ne grein noch enrief En 3264; der hunt enizzet höuwes niht / und grînt doch, sô erz ezzen siht Freid 138,12; (subst.:) daz zwêne hunde ein bein nagen / ân grînen, [...] hœre ich selten sagen ebd. 138,14 (vgl. TPMA 6,255f.); (Part.Präs.:) grînunden hunt, der nie gebeiz, / sult ir harte fürhten niht Helbl 8,544. – in Vergleichen: do grein er als ein hunt / vnde sluc mit eime slage dare / Cedio von sime libe gare Herb 7590; ichn wil mich mit dem munde / niht gelîchen dem hunde, / der dâ wider grînen kan, / sô in der ander grînet an Iw 877 (oder zu 1.2.2); di haiden we sungen: / si grinen sam di hunde Rol 4837; dv bist als gedultich als ein hunt, so man den straichet so swiget er, so man in denne sleht so grinet er PrBerthKl 3,63    1.2.2 mit Präp.; meist in Vergleichen: der grimmen helle hunde / die da alle stunde / gein miner sele grinent Martina 111,31; sus wart zu Rome geniden / Ieronimus [...]. / sumelicher uf in grein / alsam ein ungeslachter hunt Pass III 507,16; vnder ein ander sie grienen / als zwene hunde Herb 6316. swie lîhte im iht wirret der dâ in grôzen sünden ist, sô grînet er umbe sich alse ein hunt unde zürnet gein gote PrBerth 1:427,6; er lît reht als ein hunt, / der in sich grînet und doch niht bîzet / und keiner guoten dinge sich flîzet Renner 16011    1.3 von Schweinen: man hort sy [ eberswîn ] chierren [= kërren ] und greynnen Seifrit 5555; under swinnen, / dú man hort rúheln und grinen / nach grúschen [Getreideabfällen, Kleien] SHort 4320; (Part. Präs.:) ain greindez swein BdN 136,6    1.4 von Pferden: man hôrte ros dâ weien / unde lûte grînen KvWPart 21723; die [...] frechen jungen / diu ors mit spornen twungen, / daz sî in grôzer müede schinen / und von übernœte grinen Reinfr 17414; DietrGlesse 675    1.5 von anderen Tieren: sin [des Bären] widermvt was grozlich, / mit grimme grein er vber [La. umbe ] sich ReinFu K,2216; und sein [des Kamels] weip hât sô grôzen gelust zuo im, daz si vor gelust greint BdN 124,23; [der Drache] greint und ginet mit dem maul, aber er schatt mit den zenden niht vil, iedoch ist sein piz gar schad ebd. 268,22; Flata kam gelauffen herr, / tobigk als ain wilder per. / si grain als ain lintwurm HvNstAp 5519; (Part.Präs.:) wanne der widerwertige vigent get umbe also ein grinender lowe und suͦchet das er úch verslinde Tauler 100,19    1.6 übertr., vom tosenden Meer, subst.: dar nach pey ainer kurtzen stund / ließ das mer sein greynen HvNstAp 4961    2 von Menschen    2.1 ‘knurren, murren’    2.1.1 absol.: untriuwe in deme schînet, / swer lachende grînet Freid 43,25 (vgl. TPMA 7,246); (Part.Präs.:) der ouch grinunde gat, / so man sin unzuht understat Jüngl 271; (subst.:) mîn alter man der zürnet und ist ime leit, / ob ich einen jungen gerne minne. / [...] ich hân an in [den jungen] bewendet mîne sinne, / daz ich dur sîn grînen nien enlâze MF:Reinm 64: 2,5. – verbunden mit Verben ähnlicher Bedeutung: grisgrammen: PrBerth 1:466,12; Jüngl 343; zannen: Pass I/II (HSW) 35148; BFrau 36; zürnen: PrBerth 1:101,3. 1:271,5    2.1.2 mit Präp.: der tûvil aldâ vor in quam / [...] und vreislîch kegn im grînende NvJer 18921(S. 523); si grinen in sei [murrten über sie (fremebant in eam Mc 14,5)] EvAug 113,14; die svnder [...] / die man hie sit grinen / und werbin wider gotte Martina 198,42; [der Leib zur Seele:] do ich vasten solt, / do grain ich vast wider dich HvBurg 4713. Iuda der da murmerot und grain wider sich selber do er sach dc Maria Magdalena unserem herren sine fuͤze [...] hat gesalbet PrSchw 1,47    2.2 ‘weinen, heulen, wehklagen, traurig sein’ Pollixena [...] so lute schrei vnde grein, / daz aller der palas / von irme ruffe vol was Herb 10638; sam der tuot, / der niht erwern mag sîn guot / âne flêhen, wan [= man ] füere imz hin: / der lachet herûz und grinet hinin SM:Gl 2: 4,12; ir hertz dik grinnet / so der lip geparet sich / sam er si maniger froden rich SHort 424; (Part.Präs.:) und her wart betrûbit [...] und gînc inwec grînende [ mærens ] EvBeh Mc 10,22. – verbunden mit Verben ähnlicher Bedeutung: hiulen: Mechth 7: 39,13; weinen: EvBeh Io 16,20. Lc 6,25; Tauler 193,6; BdN 208,26; zannen: MarLegPass 25,260; SHort 885    2.3 ‘(mit den Zähnen) knirschen’ vnd sendent si in den ofen des fivres. da wirt weinen vnd greinen der zende [ stridor dentium Mt 13,42] EvAug 31,13. 32,5    2.4 ‘(hämisch) lachen, grinsen’ nû habent si haz unt nît, / missehellunge unt strît, / wol chunnen si spoten unt grînen Erinn 201; ander in [Jesu] do schultent, / irn spot also erfultent / mit grinen und mit rassen [= razzen ‘Toben’ ] : / also laid er ir hassen WernhMl 9629

MWB 2 932,45; Bearbeiter: Tao

grîner stM. ‘einer, der grînet ’, hier als Bestandteil eines Personennamens: Volmar der Griner UrkCorp (WMU) 682,13

MWB 2 934,25; Bearbeiter: Tao

grinnen stV. (IIIa) ‘(mit den Zähnen) knirschen’ frenduerunt: grunnen PsWindb 34,16

MWB 2 934,28; Bearbeiter: Tao

grint Adj. ‘grindig, an grint 1 leidend’ si danne daz [ houbet ] von blatern grint werde, so [...] SalArz 28,13; als das gryndige diere / hasset die scherre [...] / und das grynte heubt den strel, / also [...] Pilgerf 7539. – ‘kahlköpfig’ glabrio: grinder SummHeinr 2:319,149.5

MWB 2 934,30; Bearbeiter: Tao

grint stM. 1 ‘Kopfgrind, Hautausschlag (verbunden mit Haarausfall), Aussatz, Räude’
2 abschätzig für ‘Kopf’
   1 ‘Kopfgrind, Hautausschlag (verbunden mit Haarausfall), Aussatz, Räude’ alopicia scabies capitis: grint SummHeinr 2:175,412; vngwentum album ist uile goͮt ze der rvdem ioch ze deme grinde Ipocr 321; daz gesalzene wazzer [...]. swer des uil trinket so twingit iz vnde derret den lip, vnde machit rudin vnde grint SalArz 20,1; gut vur den grint di da ist uon der colera ebd. 82,34. 98,18; welch ros repsich [rappig, räudig] ist, [...] daz ryp mit salben unde sal is mit eyme lichte us burnen daz hor unde den grynt, daz is schone werde Albrant 3,38; PrüllS 5,1; SalArz 28,22. – ‘vom ~ befallener Kopf’ si nam ir [der kranken Kinder] houbet also bloz, / unlustec grinte [oder nachgestelltes Adj. zu houbet?] in iren schoz Elis 3596    2 abschätzig für ‘Kopf’ ich slahe durch helm und durch den grint Virg 619,5. – in blasphemischer Schwurformel: diß jahr hat man einem weib, Elß Beheimin genannt, die statt ewig verboten beym grab darumb, daß sie geschworen hat bei gotts grind und bei gotts zers NüAchtb 69

MWB 2 934,36; Bearbeiter: Tao

grinthüetelîn stN. ‘Hütchen für den grindigen, kahlen Kopf’ ich gebe em eyn grinthotelin / und eyne alde hoße OsterSpI 579

MWB 2 934,57; Bearbeiter: Tao

grintwurz, grintwurze F. auch grunt-. 1 ‘Schellkraut’ (vgl. Marzell 1,927)
2 ‘Grindkraut, Ackerskabiose’ , s. AWB 4,435.
   1 ‘Schellkraut’ (vgl. Marzell 1,927): celidonia major: scellewrz vel grindwrz SummHeinr 2:51,321. 1:191,267; Gl 3,553,54 (BStK285); gruntwrza GlGerm 18,67 (BStK138c)    2 ‘Grindkraut, Ackerskabiose’, s. AWB 4,435.

MWB 2 934,60; Bearbeiter: Tao

gripfære stM. ‘Räuber, Entführer’ raptor: zuchari, gripfere SummHeinr 1:292,313; rapax: gripfere, gripfiger ebd. 2:449,01.23

MWB 2 935,1; Bearbeiter: Tao

gripfen, kripfen swV. k- ist entweder germ. *k (vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,613 und 639) oder obd. Anlautvar. zu g- (vgl. ebd. 5,800). 1 intr. ‘(schnell und wiederholt) greifen’
2 tr.
2.1 ‘etw. ergreifen’
2.2 ‘jmdn. fassen, packen, ergreifen’
2.3 ‘etw. in Besitz nehmen’
2.4 übertr. ‘etw. im Geiste erfassen, begreifen’
   1 intr. ‘(schnell und wiederholt) greifen’ do gripht er [der Wolf] her und dar / [...] und beiz in [den Gänsen] die hælse enzwei StrKD 48,100    2 tr.    2.1 ‘etw. ergreifen’ daz vingerlîn er griphte OrtnAW 414,2; daz dheine chripfe [ arripuerit ] ein bvͦch vnde da getvrre gelesin BrEng 38; er kripfte halsperc unde hosen, / [...] und leite an sich diu bêdiu KvWTroj 28554; nieman cripfe duhein wâfen, er erschine ê vor vnserre frowen mvnstere vor deme rate vnd pflege irs rates da UrkCorp (WMU) N238AB,11,29; RvEWchr 23881; [den Käse] krift der vuhs KLD:Kzl 16: 13,12. – mit Präp.-Gruppe: daz [Pferd] kripfte bî dem zoume [...] Hector KvWTroj 39834    2.2 ‘jmdn. fassen, packen, ergreifen’ und gesach si ze ainem mal ain herre und kripfte si und benam ir ir kúnschi PrGeorg 222,27; und sprungen hin in in den wag und kripftan in und hetin ime gern her us gehulfen Seuse 81,25; swer oͮch den andern mit der hant slát, roͮfet ald vreuenlich kriphet ald angrifet UrkCorp (WMU) 26AB,25,26; die súlent den lantman kripfen vnd hân, vnz der stat vnd deme burger gebezsert wirt ebd. 1671,30; PsM 9,30; PrWack 58,32. – mit Präp.-Gruppe: er kripfet ein bi dem hare und sties in darin [ins Wasser] . / ‘daz heisen wir getöfet und sol in gotes namen sin.’ WolfdD (H) 1257,3; siu kripfte [...] / ir schœne tohter in daz hâr Häslein 294. do kom ein jungling und kripft in mit der hant und sprach Seuse 112,9; und loft hin zuͦ und kripft in also nidersigenden under ir arme und huͦb in vast ebd. 80,21    2.3 ‘etw. in Besitz nehmen’ iegeslihchir krifte / das lant das er da stifte RvEWchr 3080    2.4 übertr. ‘etw. im Geiste erfassen, begreifen’ nu so dunkt in, daz er vol gotes sie [...]; und kripfet die sachen ze geswintlich in einer unzitigen wise Seuse 159,6; wan sú núwan got dar inne gekripfet hein, und die sachen sind in noh nit ze grunde worden ze erkennen ebd. 159,14

MWB 2 935,4; Bearbeiter: Tao

gripfic, kripfic Adj. auch griffic (bei Tauler 9,11. 94,6 kann grîfic vorliegen). 1 ‘raubgierig, raffgierig’
2 ‘gut zu greifen, handlich’
3 ‘greifbar’
4 ‘fähig, etw. geistig zu erfassen, erkennen’ , präd. mit Gen.
   1 ‘raubgierig, raffgierig’ sunder nu ist die leide nature also griffig [...] das sú alzuͦhant zuͦ slichet und annimmet sich des daz ir nút ist Tauler 94,6. – subst. ‘Räuber’ rapax: gripfere, gripfiger SummHeinr 2:449,01.23    2 ‘gut zu greifen, handlich’ daz er unserre stette [...] geben sol fúnf guͦti krepfige armbrust UrkStraßb 2:30,18 (a. 1275)    3 ‘greifbar’ du griffic, sichtic, immer gebendez icht [Umschreibung für den Erlöser am Kreuz oder in der Eucharistie, vgl. FrlWB S. 133] Frl 2:1,8    4 ‘fähig, etw. geistig zu erfassen, erkennen’, präd. mit Gen.: die sele hat drie edele krefte, [...] gehugnisse, verstentnisse und frige wille, und durch dise kreften so ist sú gotz griffig und enpfenglich Tauler 9,11

MWB 2 935,45; Bearbeiter: Tao

gripten swV. Ansatz unsicher. ‘etw. mit Gewalt in Besitz nehmen’ daz er wolde gripten / an sich die lant zu Egipten Macc 1389 (vgl. Glossar z.St.)

MWB 2 935,61; Bearbeiter: Tao

grîs, grîse Adj. 1 ‘(hell)grau, weiß’
2 ‘grau-, weißhaarig, alt’
2.1 allg.
2.2 mit dem Nebensinn der Erfahrenheit, Weisheit
2.3 von Gott
   1 ‘(hell)grau, weiß’ manger grüenen linden stênt ir tolden grîs; / [...] daz ist allez von des rîfen ungenâden komen Neidh WL 3:1,4. SL 3:2,1; der walt stuont aller grîse / vor snê und ouch vor îse ebd. SL 5:1,1; KLD:KvK 6:1,2; SM:JvW 4: 1,4; seht an disen grîsen rok: / ich gewinne alsülchen lok / und ein grawez kinne als ein bok Walth XVII,38. merke wol die stunt, / so dú wolken verwent sich / und werdent gris Marner (W) L2:1,4. L1:2,10; des morgens dô der grîse / tac ûf dringen solte KvWPart 16394; KvWTroj 9180. vil schône grîs und aphelgrâ / sô schein daz ros von sneller art KvWSchwanr 1004; der zagel was im [dem Pferd] einvare / crisp [La. gris ] und swarz als ein bech En 5265; alsam ein grîsiu tûbe grâ KvWTroj 10739; der wolf der was greis Fabelcorp 37,6. sin bart was im lanch vnd gris Wernh D 1882; sin grawer loc, sin griser bart / die wurden im gebriunet KvWGS 1536; gemischet was sîn hâr / mit einer grîsen varwe NibB 1734,3; KLD:SvT 5:2,6; Frl 5:23,7; ich bin mîner jâre / gar ein kint, / wan daz mînem hâre / die locke sint / grîse Neidh SL 17:5,7    2 ‘grau-, weißhaarig, alt’    2.1 allg.: mîn grîsez houbet: Neidh WL 21:6,6; ain wilder man, / der was kotzott und rauch; / payde ruck und pauch / waren greyß als ain hunt HvNstAp 9890; ein man aldir unde gris Athis C* 105; der grîse künec alt Wh 431,21; ein grise man Wernh D 1703. A 3511; Wh 263,1. 278,22. 421,18. – mit Gen.: sô bin ich jâre grîse Greg 1466; er wirt mit schaden schanden grîs, / wan er fur gut daz bose nimt Jüngl 974. – jmdn. ~ machen: mensche, [...] buwe enzit. / ein starker winter auf dir lit, / der machet dich in sorgen alt und in dem alter grise Marner (W) 1:1,6; si machet mich an jugende grîs SM:KvA 3: 2,11. vor/  von/  in etw. ~ sîn/werden: ein olbente von Thvschalan, / die was frvmic vnde wis / vnd dar zv vor alter gris ReinFu K,1440; der von alter wære grîs KvWTroj 10945; schouwet an mîn hâr, / daz gevar ist als ein îs! / daz grâwet mir [...]. / jener Engelmâr, / von des schulden bin ich grîs Neidh WL 32:5,6; von manigen kriegen wart er grîs UvZLanz (K) 46; dû vervluochter alte unwîs, / in gotes vluoche bist dû grîs RvEBarl 12748; in zühten werden grîs Winsbeckin 6,5. – subst. ‘alter Mensch’ die grîsen wolten michs überkomen, / [...] Walth 121,33; der vil alte grîse RvEBarl 5937; die jungen zuo den grîsen LvRegFr 254; HartmKlage 4; HvNstGZ 2150. 5376    2.2 mit dem Nebensinn der Erfahrenheit, Weisheit: daz dô die tumben wâren, wie grîse die nu sint! NibB 1798,2; dan noh was er ein lutzil kint / unde was doh wîser, / dan dihein man grîser SAlex 2506; der vürsten einer [...] des lîbes edelîch und alt, / beidiu grîse unde wîse Tr 15347. – mit Gen. oder Präp.: du wære der witze griß / und der jore gar ein kint TristMönch 2059; swie tumb ich doch sî der tage, / ich sî doch wol sô sinne grîs UvLFrd 47,7; eyn meystir wys, / an synnen grys, / Gotfrid genant Pelzb 116,29. – subst.: der witzige grise Albert 759; jâ ist si [die Minne] gewaltec der tumben und der grîsen Tit 70,1. 170,3; die wîsen, / die getageten und die grîsen Tr 2742. 15425; Wernh D 4574; Helmbr 1507    2.3 von Gott: juncherre wîs, du wære grîs: / nu zieret dich ein brûner vahs [Haar] KvWLd 1,17; du bist ein brûner jungelinc und ein altherre grîse ebd. 32,17; got, [...] du alter griser iungelink HeinzelJoh 70,3. – subst.: der alte grise Frl 5:1,5; Daniel 5833 (vgl. Dn 7,13)

MWB 2 936,1; Bearbeiter: Tao

grîse F. ‘Alte, Mutter’ sie [...] huop sich von der grîsen Neidh SL 6:5,5

MWB 2 937,7; Bearbeiter: Tao

grîse M. 1 ‘der Graue’ , den Wolf bezeichnend
2 ‘Ältester’
   1 ‘der Graue’, den Wolf bezeichnend:    2 ‘Ältester’ sie waren ir [des Volkes] grisen [vgl. senes Dn 13,41] Daniel 7678

MWB 2 937,9; Bearbeiter: Tao

grîse stF. 1 ‘graue Farbe, Grauheit’
2 ‘Alter’
   1 ‘graue Farbe, Grauheit’ der walt mit niuwen loube sîne grîse hât verkêret Neidh SL 15:2,1; der walt hât sîner grîse gar vergezzen; / der meie ist ûf ein grüenez zwî gesezzen ebd. SL 21:3,1    2 ‘Alter’ si [Gott Vater und Gott Sohn] sind recht in ainer greis Teichn 564,3201

MWB 2 937,12; Bearbeiter: Tao

grisegram stM. grisgram

MWB 2 937,18;

grisegrammen swV. grisgramen

MWB 2 937,19;

grîseleht Adj. ‘mit Grau durchsetzt, graulich’, oder ‘rauh’ und zu (mhd. nicht belegtem) kriselicht (so Anm.z.St. mit Verw. auf DWB 5,2332)?: im entsproz / har glich eim alden aren; / gar griselecht sie waren Daniel 3758 (vgl. Dn 4,30)

MWB 2 937,20; Bearbeiter: Tao

grîsen swV. 1 intr.
1.1 von Heide, Wald: ‘grau, weiß werden’
1.2 von Personen: ‘ alt werden’
2 tr.
2.1 ‘etw. grau, weiß machen’
2.2 ‘jmdn. grau, alt machen’
   1 intr.    1.1 von Heide, Wald: ‘grau, weiß werden’ heide grîset SM:KvL 20: 1,8; so der walt greiset Warnung 2147    1.2 von Personen: ‘ alt werden’ swer volget wîsen, / der muoz mit êren grîsen KLD: BvH 13: 3,9; mit tummer fure er griset JMeissn A1:23,6; er kunde in êren sîniu jâr / wol grîsen unde grâwen KvWTroj 39817; grîsen und alten: BFrau 326; Hadam 546,1. 242,1; KvWPart 7712; SHort 268    2 tr.    2.1 ‘etw. grau, weiß machen’ den walt der winder greiset, / daz loup von froste reiset Warnung 1925    2.2 ‘jmdn. grau, alt machen’ wirt er nu hie geletzet, daz ist ein dink, daz mich an jugende griset [La. daz meine ivgende greiset ] JTit 5672,4

MWB 2 937,25; Bearbeiter: Tao

grîsgevar Adj. ‘grau’ ungemach mir geschach, / do ich von êrste ein wîp ersach [...]. ist mîn hâr grîsgevar, / daz kumt von ir schulden gar Neidh SL 30:3,7

MWB 2 937,39; Bearbeiter: Tao

grîsgrâ Adj. ‘grau-, weißhaarig’ der ander [...] bracht ein alten man mit im, der aller grißgra was Lanc 171,33; der konig sah jhenen grißgraen man ebd. 171,33

MWB 2 937,43; Bearbeiter: Tao

grisgram stM. auch grise-. ‘Zähneknirschen, -klappern’ da ist niht wan weinen unde woͮfen unde grisgram der zene Spec 139,21 (Mt 8,12); der armen cene grisegram / piniget sie [die Verdammten] besunder Vät 15210

MWB 2 937,47; Bearbeiter: Tao