gruntvestære
stM.
‘Gründer, Erbauer’
fundator: gruntuestare PsWindb
83,Oratio
MWB 2 980,57; Bearbeiter: Bohnert
gruntveste
Adj.
‘fest im Grund, Boden; fest hinsichtlich des Fundaments’;
bildl.:
der kiuschekeite same / gewurzelt het in diner jugent / mit also gruntvester
tugent KvWGS
1220;
viell. hierher, präd.:
mitten in sîme herzen lac / gruntveste der sorgen fundamint
Wh
162,27
(oder zu gruntveste stF.).
– übertr.:
âne gruntvesten sin vil manger sprichet schône KLD:Namenlos
h 18,9
MWB 2 980,59; Bearbeiter: Bohnert
gruntveste
stF.
auch swF. (
PrBerth
1:44,29.
2:63,12;
Renner
13369;
MarcoPolo
13,3.13;
Cranc
Jes 24,18
u.ö.).
1
‘Fundament (eines Bauwerks), tragender Untergrund’
1.1 allg. 1.2 besondere Verbverbindungen 1.3 Basis einer Säule 1.4 tragender Untergrund der Erde 1.5 Erdboden, Festland 1.6 bildl. und übertr., ‘Fundament, Grundlage, Basis’
1.6.1 allg. 1.6.2 von Personen 1.6.3 Einzelnes. 2
‘Ursprung, Ursache’
3
‘Inbegriff’
4 wohl ‘Besitzwechselurkunde’ (vgl. gruntvestene
3 )
1
‘Fundament (eines Bauwerks), tragender Untergrund’
1.1
allg.:
swer ein hûs ûf eine guote gruntveste bûwet PrBerth
2:19,24;
disev gruͦft vellet schir. / darumbe erz niht lazen
sol, / ern mache die gruntveste vester wol Albert
539;
die Romær [...] zefuͤrten
diu stat, daz der gruntvest ein stein ob dem andern nicht beleib
PrOberalt
144,36;
Spec
124,18;
Serv
1804;
EvBeh
Lc 6,49.
– sprichw.:
ist diu gruntveste guot, / so ist daz oberwerc wol behuot / daz ez
niht mac gevallen StrKarl
1651;
seltten ain schbere
[schwere] maur / wyrt auf posser
[schwacher] grundtfest alt
Teichn
728,43;
WälGa
3201.
3742.
12024
1.2
besondere Verbverbindungen:
die gruntveste er [...] ûz der
erde brach Kchr
7269;
daz dâ würde erhaben / ein tiefiu gruntveste wît KvWSilv
1983;
er [...] gebôt / diu betehûs
[...] / niderbrechen unde graben / die gruntveste
ûz der erde RvEBarl
13513;
Kchr
1091;
dô wart diu gruntfest gegraben [die Grube für
das Fundament ausgehoben]
EnikFb
107;
swer ainen turn wurchęt der sol eine
gruntuestę legen fierekke, dar ûf wurchet er TrudHL
49,10;
do wart dú grunt veste geleit / uf den allir
besten grunt RvEWchr
32630;
EvAug
143,14.
–
sô mag daz schef weder für sich noch hinder sich,
reht als ob ez dâ gruntvest hab und dâ gewurzelt sei BdN
251,11
1.3
Basis einer Säule:
undir der sul lak eyn grozer mermel steyn czu eyner grunt vestin des
pfilers MarcoPolo
13,3.13
1.4
tragender Untergrund der Erde:
sage mir [...]: / der erden gruntveste, / warûf
er [
got
] die habe geleit LBarl
3115;
dirre werlde gruntveste Aneg
97;
PsWindb
81,5;
Hiob
14103
1.5
Erdboden, Festland:
[Gott] sprach: nû werde sunder / wazzer von der erde,
daz si trukchen werde. / diu gruntfeste sî gescaffet Gen
58;
wohl hierher:
die grunt feste der erden / mag niemer reine werden / biz
daz dez sunders [d.h. des Teufels] gestank / kumpt in
der helle betwang HvNstGZ
7308
1.6
bildl. und übertr., ‘Fundament, Grundlage, Basis’
1.6.1
allg.:
[der Apostel] bredege leite alrerst gruntueste an
der heiligen christenheit Spec
124,19;
ufe dir [Petrus] di
gruntfeste / der cristenheit wart geleget Litan
573;
swaz dû gehœret hâst von mir / und ouch gelernet, daz sî dir /
[...] dîn gruntveste; / dâ soltu zimbern ûfe mê
LBarl
7538.
2885.
7448;
elliu dinc er [Gott] ervüllet
[...]: / er ist ir gruntveste und ir dach
Aneg
2212;
sîn [des von übelm wîbe geplagten
Ehemannes] riuwe ist aller riuwen dach, / sîn riuwe ist
aller riuwen / gruntveste BFrau
130;
dú wurtze aller guͦter werche hat in dem hertzen ain
gruntvesti PrGeorg
261,21;
AvaLJ
77,4;
Albert
371;
WälGa
12023;
HeslApk
8457
1.6.2
von Personen:
die diemuͦtigen [...]
sint gruntueste allir slahte tugende TrudHL
92,20;
[Christus] ist ain gruntveste / aller guoten
dinge Kchr
8187;
sant Peter was [...] ain
gruntvest des hailigen rœmischen stuols BdN
217,4
(vgl. Mt 16,18);
[Friedrich II. ist] rœmischer êren
gruntveste unde grunt RvZw
136,3;
gruntveste [Garant, Bewahrer] kristenlicher
e, / [...] daz ist der herzoge Otte in Peierlande
FvSonnenburg
51,3;
gruntveste der
christenheit [Petrus] / antwurte im
Kchr
2465;
Rol
1254;
StrKarl
1849
1.6.3
Einzelnes.
– stützendes Gerüst eines Körperteils:
under allen tiern habent pfärt und rinder und
hirz kruspelleicheu pain [Knorpel] in irn
herzen, [...] daz sich ir herz dester paz
enthalten müg, reht als die kruspeln in andern glidern ain gruntvest
sint BdN
137,4.
130,25.
– scherzhaft für den Hosenboden?
da er tantzet aller best, / do zerprast im die
grundtvest, / das im hieng die menschaitt / für den rock wol also braytt
Teichn
717,30.
– Hauptteil eines Buches:
nu lasse wir die rede stan / und heben die
abentewr an: / es ist auch noch das peste / und deß puches grund feste;
/ was untzher ist gelesen, / das ist ain vor red gewesen
HvNstAp
2302
2
‘Ursprung, Ursache’
unmæzzige erge / ist gruntveste aller ubele
VRechte
320;
der siben liste meisterschaft, / an den aller witze kraft
[...] / gruntveste und urhap hât RvEAlex
2164;
Krone
16489;
RvEBarl
10625;
Freid
91,3
3
‘Inbegriff’
ich muoz jehen daz dîn list / ein gruntveste aller wîsheit ist RvEAlex
1998;
(wohl hierher:)
des lag er dar jnne [im Hundezwinger zur
Bestrafung] / vnerloset so lang [...], /
bisz jne Gawein zuͦ lest / usz der schanden gruntfeste / loszte Krone
19473;
den [König Salomon] got
[...] hat irchorn / ze grunt veste allir wisheit
RvEWchr
28999;
dû Cristes muoter [...], / dû gruntvest stæter
triuwen RvZw
21,6;
Roth
4206
4
wohl ‘Besitzwechselurkunde’ (vgl. gruntvestene
3):
item das die offen schreiber von einer gewer oder gruntfest, wie gros sy
sindt, sol ainer vber xii den. nicht nemen StatTrient
134
(viell. Übers. von lat. terminus, vgl. DRW 4,1184f.);
übertr.:
[Christus] chaufte vns also tevre / von dem hellefevre /
[...] / mit sin selbes leibe. /
[...] sin aygen pluͦt schraib den brief, / vnser
gruntfeste Wernh
A 4579
MWB 2 981,3; Bearbeiter: Bohnert
gruntvesten, -vestenen
swV.
Part. Prät. auch gruntvestet.
1
‘etw. auf etw. als sein Fundament setzen’
1.1 eigentl. 1.2 übertr.; 2
‘etw. fundamentieren, mit einem festen Untergrund
versehen’
3
‘ein Fundament für ein Gebäude (Akk.) legen’
1
‘etw. auf etw. als sein Fundament setzen’
1.1
eigentl.:
[die Winde] sturminetin an daz hus, vnd iz en viel
nit, wande iz was gegruntfestenit vfe den stein [Mt
7,25]
BrHoh
Prolog;
BrMün
Prolog;
EvBeh
Mt 7,25.
Lc 6,48;
wande er selbe [Gott] uber dei mere
gegruntfeste [
fundavit
] inen
[den Erdkreis]
PsWindb
23,2
1.2
übertr.;
in etw.:
in got gewurtzelt und gruntfestet werden in der minen unsers heren
HvNördlBrf
36,3;
wore goͤtteliche minne
[...] het got gepflantzet und gewurtzelt in die
nature [des Menschen] .
[...] die minne die ist gegruntfestent in den
menschen Tauler
323,3.
–
mit etw.:
[Maria] ist ain mûre
[...] diu dâ gegruntuestit ist mit der hailigen
diemuͦte TrudHL
140,1.
– auf (ûf/ ze) etw.:
driu dinc dar ûf allez geistlichez leben gruntvestet ist, daz ist
kiusche und armuot und gehôrsam PrBerth
2:260,22;
alliu dinc ûf dich [Christus] gegruntvestet
sint DvASchr
366,15;
uf den [Gott] enhant
sú nit gebuwen, gegruntvestent noch nút geahtet
Tauler
392,6;
PrOberalt
136,26;
PrBerthKl
3,102;
BdN
458,30;
lûter vor allem meine / was ze gote sîn gedanc / gegruntvestet âne
wanc LvRegFr
3671
2
‘etw. fundamentieren, mit einem festen Untergrund
versehen’
den vmbekreiz dez ertriches [...] hest du
gegruntuestet PsAlem
88,12;
PsWindb
88,12;
PsTr
77,75.
88,12.
– übertr.:
rechte also kummet der vigent
[...] úber den kleinen krancken menschen
der nút wol gegruntvestent ist; so vellet er zuͦhant darnider
Tauler
324,5;
Cranc
Aba 1,12
3
‘ein Fundament für ein Gebäude (Akk.) legen’
Zorobabels hende haben gegruntvestent diz hus und sine hende
werden iz ouch vollenbrengen Cranc
Zach 4,9.
Jer 30,18
MWB 2 982,40; Bearbeiter: Bohnert
gruntvestene
stF.
1
‘Fundament’ eines Bauwerks 2 übertr.; 3 rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestigunge ; s.a.
gruntveste stF. 4 )
1
‘Fundament’ eines Bauwerks:
her ist glîch einem menschin der ein hûs buͦwit
[...] und sîne gruntvestene gelegit hât ûf einen stein
EvBeh
Lc 6,48.
Lc 14,29
2
übertr.;
‘Grundlage, Basis’
di minne ist ein gruntvestene aller geistlicher lebene HlReg
59,21;
StatDtOrd
75,25.
29,7.
–
‘Ursache’
diz ist noch ein wurzele und ein gruntfestene alles kriges zwischen den
bêbisten und den keisern HvFritzlHl
44,1
3
rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestigunge; s.a.
gruntveste stF. 4):
argumentum: vorczeychunge, beweysunge, gruntvestene, vrkunde VocBirl
53,13
MWB 2 983,11; Bearbeiter: Bohnert
gruntvestigen
swV.
‘festen Halt im Grund / am Boden geben’, übertr.:
das du [...] in deins liebs
[...] minen gewurtzelt und gegrundfestiget werdist
HvNördlBrf
29,8
MWB 2 983,23; Bearbeiter: Bohnert
gruntvestigunge
stF.
1
‘Fundament, feste Grundlage (für etw.)’ , übertr. 2 rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestene
3 )
1
‘Fundament, feste Grundlage (für etw.)’, übertr.:
[Gott zur Seele:] du bist ein gruntvestigung meins
gotlichen fluszes HvNördlBrf
48,20
2
rechtsspr., ‘Beweis(mittel, -grund)’ (vgl. gruntvestene
3):
argumentum: [...] bewysunge, gruntvestegunge
[Hs. verschrieben gruntvesteugunge
] ,
orkunde DWB
4,1,6,809
(Prager dtsche stud. 8,447b)
MWB 2 983,27; Bearbeiter: Bohnert
gruntvestunge
stF.
‘Fundament, feste Grundlage (für etw.)’, übertr.:
[Gott zur Seele:] du bist ein gruntvestunge mines
goͤtlichen flusses Mechth
5: 7,2
MWB 2 983,35; Bearbeiter: Bohnert
gruntvîant
stM.
‘Erzfeind’
do Lucifer disú mere [von Jesu
Geburt] vernam, do sas der gruntvient und gram mit sinen zenen
Mechth
5: 23,94
MWB 2 983,39; Bearbeiter: Bohnert
gruntvorschende
Part.-Adj.
‘gründlich forschend, untersuchend’
scrupulosus: gruntforsgenter SummHeinr
2:489,01.55
MWB 2 983,42; Bearbeiter: Bohnert
gruntvriunt
stM.
‘wahrer Freund’
gruntfriunde, pfuntfriunde sint leider tôt, / muntfriunt mit friunde noch
izzet brôt / und ist mit worten tischgeselle / in des friundes herzen swelle
Renner
17219
MWB 2 983,45; Bearbeiter: Bohnert
gruntwalle
swM.?
‘das Wallen von Grund auf’
der ougen gruntwalle / von herzen dô den vluz [der
Tränen] truoc KlageB
2152
MWB 2 983,49; Bearbeiter: Bohnert
gruntwallen
stV.
‘von Grund aufwallen’
owê dir, leider urteile smit! [...] / owê dir,
gruntwallende wurz [= würze
‘Gebräu’
] , / ein überfeim der schanden RvZw (Sch)
2,4
MWB 2 983,52; Bearbeiter: Bohnert
gruntwallunge
stF.
‘das Wallen (des Meeres) von Grund auf’
estus: gruntwallung VocOpt
54.041;
VocClos
Es29
MWB 2 983,56; Bearbeiter: Bohnert
gruntwëlle
stF.
gefährliche, vom Meeresgrund herrührend gedachte Welle, ‘Grundsee’
die starken gruntwelle kolten si vil sêre. / [...]
die kiele in zerbrâsten Kudr
85,3
(s.a. Anm. z.St.);
dô begunden wagen / von den gruntwellen ir kiele harte sêre ebd.
1137,3.
261,4;
bildl.:
so sent er [Gott] iu engegen diu vil starken
sturmweter [...], daz ist angest unde arbeit
[...]. swenne [...] so getaniu
gruntwelle uf iuch gevalle, so sult ir tuon sam unsers herren junger Konr
(Sch)
40,1
MWB 2 983,59; Bearbeiter: Bohnert
gruntwurze
F.
→
grintwurz
MWB 2 984,5;
grunzeht
Adj.
‘mürrisch’
[alte Leute] sint gruntzecht und urteleht [zu
(absprechenden) Urteilen geneigt]
Tauler
369,30
MWB 2 984,6; Bearbeiter: Bohnert
grunzen
swV.
‘murren’
di bose juden [...] grunzedin und grynen, / war umme her
[Christus] were heymelich den
[...] / de da waren groize sundere MynnenR
648
MWB 2 984,9; Bearbeiterin: Herbers
gruo
stF.
‘frisch gewachsenes Grün, frische blühende Pflanzenwelt’ (vgl. FrlWB
s.v.):
sprich diner fantasien zu, / waz feien [Fee] sach
Alanus uf der glanzen gru Frl
3:4,2;
ez went ein narre unwise, / spricht im ein wib gutliche zu, / der minnen dru
[Falle] , / der si zuhant uf siner wise gru ebd.
6:9,4
MWB 2 984,13; Bearbeiterin: Herbers
gruobe, grüebe
stswF.
auch grûpe, grôve.
1
‘Vertiefung im Erdboden’ , die künstlich hergestellt oder
natürlich sein kann, von unterschiedlicher Art und Größe 1.1
‘Grube, Mulde, Loch’
1.2
‘Höhle, Grotte’
1.3
‘Abgrund’
1.4 Raum der Hölle und der Unterwelt 1.5 sprichw. (Lc 6,39, vgl. TPMA 2,31ff.) 2 Grube, Graben usw. für bestimmte Zwecke 2.1 Tierunterschlupf 2.2
‘Fall-, Fanggrube’
2.3
‘Graben’
2.4 zur Aufbewahrung von Lebensmitteln 2.5
‘Abort’
2.6
‘Bergwerk, Stollen’
2.7
‘Steinbruch, Abbaustelle’
3
‘Grab’ , meist ‘Massengrab’
4 Vertiefung im Körper von Lebewesen; 5 Vertiefung in einer Wand 6 als Bestandteil von Namen
1
‘Vertiefung im Erdboden’, die künstlich hergestellt oder
natürlich sein kann, von unterschiedlicher Art und Größe
1.1
‘Grube, Mulde, Loch’
ein vihe, so iz eine gruͦbi
[...] siht, so get iz vmbe vnde vlivhet die vrêise
Spec
64,4;
dô Ruben zuo der gruobe
[Brunnen] chom und in
[Joseph] niene mahte vinden, / sîn gewâte er zarte
Gen
1822.
1965;
Lucid
15,14;
eina grûba uôlla uuâzzeres ÄPhys
8,7.
8,13;
ob ditz [Schaf] vellet des
sabbatis in div grvebe EvAug
25,11;
EvBeh
Mt 12,11;
jdoch sint svmeliche, di vullin di grube [für
den Weinstock] mit kleynen gevugin steynen Pelzb
130,22.
130,21;
HeslApk
12077;
Konr
10,119.
10,121;
PrMd (J)
345,9.
– Loch im Eis:
sie begonden daz ys schowen, / ein grvbe was drin
gehowen, / do man wazzer vz nam ReinFu
K,730
1.2
‘Höhle, Grotte’
die fossiuren, / die meister Gotfrit hât genant / la
fossiure a la gent amant, / der minne gruobe, der minne hol
HvFreibTr
3325
1.3
‘Abgrund’
diu gruobe [
ein abgründe tief
4614
] , dar in viel der man RvEBarl
4709;
er viel die gruntlôsen [unergründlich tief]
gruop / her ab in die helle nider Helbl
2,202
1.4
Raum der Hölle und der Unterwelt:
diu gruob ist diu helle Erinn
259;
[Sybille und Aeneas] quâmen zeiner grûben, / diu was
wît unde lank. / freislîche sie stank, / sie was vinster unde tief En
2888
1.5
sprichw. (Lc 6,39, vgl. TPMA 2,31ff.):
swâ ein blinde dem anderm gît geläite, / dâ vallent si
bêde in die grûbe Erinn
257;
EvBeh
Lc 6,39;
HeslApk
15501.
5842;
EvAug
35,18;
Priesterl
132;
BdN
217,33
2
Grube, Graben usw. für bestimmte Zwecke
2.1
Tierunterschlupf:
di fühse habent grvebe. vnd di vogel des himels nest
EvAug
16,11;
EvBeh
Mt 8,20;
der lev in der grube siner [
: in spelunca
sua
]
PsM
9,30
2.2
‘Fall-, Fanggrube’
daz man ym [dem Elefanten]
gruben grebet na / und bestrewet di gruben da / mit futer Hiob
14891;
wenn die jäger ainen pern vâhen wellent, sô grabent si
ain gruob und besprengent den weg zuo der gruob mit hong BdN
163,10.
163,12;
PrGeorg
11,14.
– im Sprichwort "Wer (andern) eine Grube gräbt, fällt
(selbst) hinein" (Ps 7,17; TPMA 5,321ff.):
die groue hetich gegrauin / iz [l.
ich
] moz dar selue in uarin
Roth
4527;
MF:Sperv
1:12,6;
WolfdA
219,2.
217,2;
[der Kaiser zum Schenken, der ihn vergiften
wollte:] dû hâst mir aine gruobe gegraben: / dû muost selbe
den scaden haben Kchr
7512;
Gawein im selbe die gruobe gruob [indem er seinem Feind
half]
Krone
12002.
15280.
16827;
Ammenh
2393;
Ottok
62199
2.3
‘Graben’
sie gruben / hi und da die gruben / und leitten wazzer da drin Pass
I/II (HSW)
4678;
den graben sach man si fullen
[...] / daz man über die gruoben / ân geruste gie
Ottok
10923;
kirchen und kirchofe und ieclich dorf binnen sîner grûben und sîme zûne
SSp (W)
2:66,1;
Pass I/II (HSW)
4673;
EnikWchr
21505.
21511;
wan der den paum umbgrebt dreir vinger lank von der
würzeln mit ainr gruob, dâ diu schedleich fäuhten auz gêt, sô werdent die
mandelnüz süez BdN
315,25
2.4
zur Aufbewahrung von Lebensmitteln
– von Getreide (s.a.
korngruobe
):
füllt er gruop und kasten vol, / in habent doch die herren wol
Helbl
1,836
– von Fischen (DWB 3,1686 s.v.
Fischgrube):
tuͤt aber er ez [Fische verkaufen]
haimliche in seiner gruͦben oder in sinem hause
[...], der muͦz geben die vorgesprochen
puͦze und muͦz darzuͦ ain jar von der stat sein
NüP
130
2.5
‘Abort’
ist aber, daz ein man sinken [in die Tiefe
treiben] wil eine grube, die da heizet ein heimelichkeit
StRFreiberg
31,16
2.6
‘Bergwerk, Stollen’
czwo gruben sint gepawet [...]; eine ist genant
Ruthart, di ander czum Leupold BgRIglau
497,5
(a. 1347-1360);
ich sag euch wie ez in der gruben stet: / ein ganch uber
den andern get / crucewis mit einer swebeleiten Erz III
56,51
u.ö.;
perchknappen, die in die gruob varnt BdN
109,7;
von den [Belagerern] wart dô
bereit / ein fiwer in die gruoben Ottok
77778;
BdN
109,11
2.7
‘Steinbruch, Abbaustelle’
dv́ gruͦbe der mulistaine UrkCorp (WMU)
3139,32;
daz mir die frowen von dem Paradise sante Claren ordens hant gelazen ir
stainzehenden ze Vttenhoven in den grvͦben ebd.
388,33
u.ö.
3
‘Grab’, meist ‘Massengrab’
si folten manige grûben / mit frûnden unde mit mâgen, / di dâ
irslagen lâgen SAlex
4753;
dâ wart ein michel gâhen, / unz man die gruoben ûf gegruop / und die tôten
wider ûz gehuop, / die dâ wâren ê begraben StrKarl
10895.
10725;
die herren [...] tôten brâhten /
garlich zû der grûben / und sie dar în hûben, / die sich darzû hêten bereit
Kreuzf
4665.
5716
u.ö;
zwelff gruben hieß er beraitten, / da wurden gar ein getragen
/ di auff dem velde wurden erslagen HvNstAp
3975;
Rol
7595;
Pass I/II (HSW)
22695.
22711.
–
in die gruobe komen
‘sterben’
lieber sun, [...] bûwe wir die huobe; / sô kumst
du in dîne gruobe / mit guoten êren alsam ich Helmbr
250
4
Vertiefung im Körper von Lebewesen;
am Kinn:
ein kinne an [ohne] gruben
kleine, / daz hat mit hazze gemeine Physiogn
271.
– für die Augenhöhle (s.a.
ougengruobe
):
[von einem ausgehungerten Pferd:] sîn ougen tief, die
gruoben wît Parz
256,23;
di wile er dise wort sprach, / do vieln alsam die schupen / von siner
ougen grupen Pass I/II (HSW)
21542.
– andere:
bi der stirne man sie [die Nase] kaume sah /
von einer grüben das geschach, / die sie in die stirne zoh Krone
19661.
19639;
die slangen habent neur gruob an der ôrn stat
BdN
285,18
5
Vertiefung in einer Wand:
diu want [der Minnegrotte] was wîz,
eben unde sleht; / [...] an ir sol
[...] / weder bühel noch gruobe
[sein]
Tr
16968
6
als Bestandteil von Namen:
Friderich in der Gruͤbe UrkCorp (WMU)
1908,36;
der Chvnrat ouf der Gruͦeb ebd.
2336,30;
Hiltebrant Gruͤbe ebd.
2550,43.
–
den hof [...], der da haisset in grvͦbe
UrkCorp (WMU)
3268,14.
– als Ortsangabe:
daz aigen, daz wier heten pei Hegersteten in der grueb vnt an dem chogel
UrkCorp (WMU)
1877,4
MWB 2 984,20; Bearbeiterin: Herbers
gruobehol
stN.
‘Grube’
ein tiefez gruobehol / daz was grôzes snêwes vol LvRegFr
907
MWB 2 986,11; Bearbeiterin: Herbers
gruobelîn
stN.
‘kleine Grube’
vallicula: grvͦbelin SummHeinr
1:228,381
MWB 2 986,13; Bearbeiterin: Herbers
gruoben
swV.
‘eine Falle stellen’ (sprichw., vgl.
gruobe
2.2
):
im selben gruobet dicke ein man, / und wænt eim andern gruobet hân Boner
6,33
MWB 2 986,15; Bearbeiterin: Herbers
gruome
stM.
vgl. me. grôme
‘Knabe, Diener’ (MED, G, 387f.).
‘Mann’?:
Pallas der was kûne [La. der junge
gruͦme
] , / her was ein helt lussam En
7338
MWB 2 986,18; Bearbeiterin: Herbers
gruon-
s.a. grüen-
MWB 2 986,22; |