Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
      guottât stF.
      guottæter stM.
      guottætic Adj.
      guottuoer stM.
      guotwillen swV.
      guotwillic Adj.,
      guotwillicheit stF.
      gupfe swF.
      gupfen swV.
      gupfoht Adj.
      guppelspil stN.
      gurgel swF.
      gurgelen swV.
      gurgelunge stF.
      gurgelwaʒʒer stN.
      gurppink Subst.
      gurre swF.
      gürrelîn stN.
      gurren swV.
      gurt stM.
      gürtel stswMF.
      gürtelære stM.
      gürtelbant stN.
      gürtelborte swM.
      gürtelgewant stN.
gürtellîn – gymnosophiste

   guottât - gürtelgewant    


guottât, -tæte stF. Nom. Sg. -tæte PrLeys ; PrSchw (St) ; PrBerth 1:7,29; StrKD 149,107. 149,113; TvKulm 5821. – auch gu(o)tat, -æte, -ete. 1 ‘(jmdm. erwiesene, von jmdm. empfangene) Wohltat’
2 was jmdm. zum Nutzen, Vorteil getan wird, ‘nützliche Sache, Gabe’
3 ‘(in guter Absicht, in frommer Gesinnung vollbrachte, gottgefällige) gute Tat, gutes Werk’
4 ‘hervorragende Tat, tüchtige Leistung’
   1 ‘(jmdm. erwiesene, von jmdm. empfangene) Wohltat’ ouch lônten si der stæten / mit manegen guottæten / des siun ze liebe ie getete UvZLanz 7668; sô hœre ich sprechen unde sagen, / ez künne ein übeler niht vertragen / guottæte die der mensche tuo KvWEngelh 1563; BdN 208,13. 208,17. der [Pharao] uil sciere uergaz / der manigen guͦttâte, / die got erboten hête / [...] der heidinisken diete Exod 65; deweder wîp noch wîser man / die guottât vollesprechen kan, / die ich von gote enphangen hân RvEBarl 5866; PrLeys 9,25 u.ö.; Vät 3267    2 was jmdm. zum Nutzen, Vorteil getan wird, ‘nützliche Sache, Gabe’ die poten [bei ihrer Abfertigung] wuͦrden beraten / mit maniger guͦttate. / speyse und gewate, / des ward in wunnder gegeben Dietr 1041    3 ‘(in guter Absicht, in frommer Gesinnung vollbrachte, gottgefällige) gute Tat, gutes Werk’ von dem guͦtewilligen mensche kuͦmet guͦttat oder guͦte werk. vnd von dem boswilligen menschen cuͦmet bose tat oder bose werk PrLpz (L) 53,28; daz wir mit der bichte, mit den vasten, mit wachen, mit stætigem gebet, mit dem almusen, mit andern gutæten unser hail suchen PrOberalt 14,31; Konr 24,49; (Almosen:) tu dine guͦttete heimeliche [vgl. ut sit elemosyna tua in abscondito Mt 6,4] PrLpz (L) 69,27; daz got mensch wart, da treiben [trieb ihn] sin minne zv, wir heten ez niht verdient mit cheinen vnsern gutæten PrBerthKl 6,3; JPhys 16,20; RvEBarl 3909; Warnung 691; Pass III 132,14. – in Verbverbindungen: der geloube [...] erfullet alle guotæte VRechte 374; die manigen guottâte / die si gefrumet hâte Wernh 377; aller der gvͤttæit, die die voͤrgenanten choͤrherren tæglich mit singen oder mit lesen begent UrkCorp (WMU) 3257,30. 296,13; niemens guottât wirt verlorn, / wan der zer helle wirt geborn Freid 5,3; Wernh D 2152; Greg 1393; StrKD 158,636. – Sg. kollektiv: guottæte wehset vor gote alle tage die wîle dû dich an guoten werken üebest PrBerth 1:7,29; ist, daz er sich bekêret / und sîne guottât mêret, / swelch guottât ê verdorben was, / diu gruont her wider als ein gras Freid 37,27; (den armen Seelen zugewendet:) [den Teufeln im Fegefeuer] manic sele entgat, / die also vil entpfangen hat / von guter lute guttat, / daz ir mit troste wirdet rat Pass III 582,29. – auf Stiftungen bezogen: umb die gutteit, die daz gotzhaus hat gehabt uon unseren uorderen UrkCorp (WMU) 3443,20; von mir [Kaiser Otto I.] ist worden schîn / ein guottât [Stiftung des Erzbistums Magdeburg] , diu vor gote swebt / sô rîche daz nû niemen lebt / der umb daz êwiclîche leben / durch got hab als vil gegeben RvEGer 269; in al der welt ist lobelich / mîn grôziu guottât worden ebd. 465    4 ‘hervorragende Tat, tüchtige Leistung’ wie / möht ich den turnei understân? / hie ist sô manic biderbe man, / daz vil guottât hie geschiht: / sol ich der einer wesen niht, / der ez wol ûf dem veld hie tuot, / sô bin ich immer ungemuot UvLFrd 116,5

MWB 2 1050,10; Bearbeiter: Bohnert

guottæter stM. ‘Wohltäter’ umbe daz heil aller der brûder unde der heimelichen unde der gûttêtere [ benefactoribus ] unde alle des hûses vrûnde [...] [soll man] zehen messe iêrgeliches sprechen StatDtOrd 37,16. 119,8; daz sie ir êhtern unde leidigern alse willic sint als irn friunden unde guottêtern Eckh (Pf) 365,6. ‘der heiden kunige [...] / sint genant benefici, / gûttêter [...]’ [Lc 22,25] . / [...] di glôse spricht / als: von in wirt wol gericht / daz si di bôsen twingen, / di ungerechten dringen / durch der gûten lûte nutz JvFrst 3014

MWB 2 1051,8; Bearbeiter: Bohnert

guottætic Adj. 1 ‘Rechtschaffenes tuend, richtig handelnd’ , subst.
2 ‘wohltätig, mildtätig’
   1 ‘Rechtschaffenes tuend, richtig handelnd’, subst.: bichter [Bekenner] [...], / die [...] die schuldigen berefsen, / die guttetigen leren, / daz sie nicht wider keren [zu früherem Fehlverhalten] HeslApk 6339    2 ‘wohltätig, mildtätig’ umb das ich [Gottes Gnade] gutdedig bin / und kein schelderße [Tadlerin] nit enbin Pilgerf 1561

MWB 2 1051,19; Bearbeiter: Bohnert

guottuoer stM. ‘Wohltäter’ so minnet der guͦttuͤier me von nature sinen guͦt emphaher, denne der guͦt emphaher tuͤie sinen guͦttuͤier BdT 56,6.7.11.17

MWB 2 1051,26; Bearbeiter: Bohnert

guotwillen swV. ‘wohlwollend, freundlich machen’ uf daz er sie [das aufgebrachte Volk] gestillete / und iren mut gutwillete, / so nam Johannes ienez gut / [...], / da machte er mite [...] ein spital / allen den armen [...] zu gemache Macc 11470

MWB 2 1051,29; Bearbeiter: Bohnert

guotwillic Adj., Adv. 1 ‘wohlgesonnen, wohlwollend, freundlich’ ;
2 ‘bereitwillig’
3 ‘rechtschaffen, tugendhaft, fromm’ , überw. von Pers.;
   1 ‘wohlgesonnen, wohlwollend, freundlich’; präd.: mit der rede machte ich dô / die gebûr guotwillic unde frô Renner 1458; si [Ehefrau] si wiz oder swarze, / vnfletic oder schœne, / guotwillic alder hœne Martina 133,104; ein brûder [soll] dem anderen gûtwillich sich erbîten StatDtOrd 66,18. 66,4. – attr.: so wirt dir ein guͦtwillig herze und ein offen sele, da dú gnade in vliessen mag Mechth 5: 11,29; [Christus] kouft uns den ewigen gnist / [...] mit sime thuren blute / durch gutwillige gute HeslApk 2512; guotwilliger wille: ebd. 5511; in gutwilliger ger ebd. 20919    2 ‘bereitwillig’ [der Fromme sei] guͦtwillig zuͦ allen tugenden Mechth 7: 29,3; únser cristanlichú arbeit und únser guͦtwilligú [bereitwillig ertragene] pine ebd. 7: 34,21; guͦtwillig arbeit ebd. 7: 48,15. – adv.: gib úns, herre, [...] guͦtwillig alle únser ordenunge dur din liebin ze vollebringen Mechth 7: 18,50    3 ‘rechtschaffen, tugendhaft, fromm’, überw. von Pers.; präd.: kurzewîle und geselleschaft / nement ê der zît den liuten ir kraft, / die blœde und doch guotwillic sint Renner 9873; di vrowe was heilic und gutwillic HvFritzlHl 99,12; Mechth 7: 49,7. – attr.: die guͦtwilligen richen [...] oppfernt got ir guͦt Mechth 7: 17,24; die guͦtwilligen menschen loͮffent irrende also die scheffelin vnder den wolfen MerswZM 53,23; die guͦtwilligen gotmeinnenden menschen MerswNF 63,9; swelch mensche sinen vliz / keret an gutwillige sinne HeslApk 2653; Seuse 28,31; Tauler 131,10. 268,24. – subst.: daz sie [Geistliche] [...] den unturen / ires irretumes sturen / mit yserinnen gerten, / die gutwilligen zerten HeslApk 2290

MWB 2 1051,34; Bearbeiter: Bohnert

guotwillicheit stF. ‘Freundlichkeit, Wohlwollen’ unnd dann [...] cheret er [Redner] sich ze dem lobe des volks ze lobennde ir guet siten, unnd da mit gevahet er ir guet willigkait [ captando benevolentiam ] HvHürnh 11,8. 1,15; die gutwillicait gotes ladet dich zu der ruͦwe PrLpz 12,34; dar umme sol die maze bi sich haben zvo andere tugende, die othmuͦticheit und die guͦtwillicheit. die othmuͦticheit ist die [l. dir ] selben nuͦtze wider den hochmuͦt und die guͦtwillicheit dime nesten ebd. 26,9f.; HeslApk 932. – i.S.v. Freigebigkeit: di sibinde [Frucht des Hl. Geistes (Gal 5,22)] ist gutwillikeit [ benignitas ] , daz ist mildekeit des gutes HvFritzlHl 183,9 (= Parad 71,30 )

MWB 2 1052,3; Bearbeiter: Bohnert

gupfe swF. kupfe

MWB 2 1052,17;

gupfen, kupfen swV. auch kü-. 1 ‘etw. stoßen, drücken’
2 ‘(beim Tanzen) stampfen, treten’
   1 ‘etw. stoßen, drücken’ uf dirre welte tobendem mer / [...] der svnden wellen / [...] vns dicke schuppfent / vnd frevillichin guppfent / in frömede habe vnser schif Martina 89,56; mit Ersparung des Obj.: si menete unde kipfete [La. kupfete (: stupfete)] , / si stach unde stipfete HBirne (W) 391. – bildl.: trût, du setze mich ûz klage [...]. / schupfe gupfe leit hin dan! KLD:UvW Leich 4,139    2 ‘(beim Tanzen) stampfen, treten’ er ist an dem tanze ein rehter treibel: / gefüeglîch er zispet, / mit dem fuozze erz walket [La. mit den fússen kúpfet ] unde rîbet SM:Go 2: 3,6 (= Neidh (S) 1,413 c42:8,6 )

MWB 2 1052,18; Bearbeiter: Bohnert

gupfoht Adj. zu kupfe swF. ‘gewölbt’ (vgl. E. Schönbach in: MIÖG 21 [1900], S. 522): ein huot [...] guphoht Ottok 20036

MWB 2 1052,31; Bearbeiter: Bohnert

guppelspil stN. gumpelspil

MWB 2 1052,34;

gurgel swF. st. Iw 4674(La.); Tr (M) 2982(La.). – aus lat. gurgulio; vgl. quërkele . ‘Gurgel, Kehle’ gurgulio: gurgela SummHeinr 1:128,175; mit grôzen kreften stach er in / enbor ûz dem satel hin, / daz im ein ast den helm gevienc / und [er] bî der gurgeln [La. gurgel ] gehienc. / [...] [so] leit er hangende nôt Iw 4674; daz vorder stucke, daz stach er / dem trachen zuo dem gorgen [Laa. der gurg(e)len ] în Tr (M) 9213; [Zerlegung des Hirsches:] ric unde gorgen [La. gurgel ] sneit er sâ / obene, dâ diu brust erwant ebd. 2982; [von der Kuh kann man verwenden] lebern, nieren, lungen, / hertze, gurgeln, zungen KgvOdenw 1,216

MWB 2 1052,35; Bearbeiter: Bohnert

gurgelen swV. auch gorgeln ( OvBaierl 103,7; BdN ). – zur Etymol. vgl. DWB 4,1,6,1152. 1 med., ‘gurgeln, (den Rachen) spülen’
1.1 mit einer Flüssigkeit
1.2 einen (mit Flüssigkeit vermischten) Wirkstoff
2 ‘knurren’ , auf Blähungen bezogen
   1 med., ‘gurgeln, (den Rachen) spülen’ gargarizo: gurgelon SummHeinr 2:319,147.1; sonst immer mit präp. Erg. in dem halse / in der keln / in dem munde    1.1 mit einer Flüssigkeit ~ : [nachdem] er gegurgelt hat in dem halse mit ezziche da rosen inne gesoten sint SalArz 106,8; wer daz kraut mit wein seudet [...], und sô man dâ mit gorgelt in dem hals und in dem mund BdN 424,16 u.ö.    1.2 einen (mit Flüssigkeit vermischten) Wirkstoff ~ : so man si [Opiumlatwerge] gurgelt in dem halse mit warmem wazzer SalArz 103,53; wenn man ez [Mark eines Baumes] gorgelt in dem hals BdN 364,33; SalArz 105,39    2 ‘knurren’, auf Blähungen bezogen: der [Kranke] hat bladem des zu uil ist icweder halp bi den siten. vnde gurgelt in dem buche SalArz 52,42

MWB 2 1052,48; Bearbeiter: Bohnert

gurgelunge stF. ‘das Gurgeln’ oder ‘Gurgelmittel’ (vgl. Mlat. Wb. 4,620): gargarismus: gurlung, gurglung VocOpt 31.032

MWB 2 1053,1; Bearbeiter: Bohnert

gurgelwaʒʒer stN. ‘(mit Arzneimittel versetztes) Wasser zum Gurgeln’ wer auch ain gargelwazzer [La. gorgel- ] dar auz [aus diadrogant ] macht, daz ist guot wider der prust siehtum BdN 366,30

MWB 2 1053,4; Bearbeiter: Bohnert

gurppink Subst. gnippinc

MWB 2 1053,8;

gurre swF. gorre swM. Fegfeuer 1:9,6. ‘schlechtes, minderwertiges Pferd, Klepper’ ir pfärit wâren [...] / tôtmager und vil kranc [...]. / den gurren [...] wâren die zagele under in / zesamene gevlohten Iw 4941; er slug di roß, das si churren̄, / er machte güte roß zu gurren HvNstAp 9434; StrKD 8,123; Sibote 389; auf ein Fohlen bezogen: [der Bauer] fuorte ein gurren veile / an einem grôzen seile Eracl 1561. weder wære iu lieber: der iu ein schœnez ros gæbe daz junc unde stark wære [...], danne der iu eine alte gurren gæbe, der [La. die ] blint unde mager wære PrBerth 1:383,4; MF:Reinm 63: 7; Lanc 604,14; müediu bein [...] / gelîch den lamen gurren Hadam 89,3; zwêne stætige gorren schuofen, daz der wagen stuont sô stille Fegfeuer 1:9,6. – sprichw. (TPMA 9,107): altiu gurre darf wol fuoters PrBerth 2:143,16 u.ö. – geringschätzig von guten Pferden: [Laurin über die Streitrosse Dietrichs und Witeges:] wer hât iuch tôren geheizen / hernider ûf den plân beizen / und iuwer gurren spannen / ûf mînen grüenen anger LaurinA 253; daz ich sô lange belîbe, / des irret mich ein gurre [nur weil mir noch ein Klepper fehlt, verweile ich so lange hier] Helmbr 369; der abt von Vult neben im [Kaiser] reit / ein pfert, daz was gar gemeit / und was ouch übel zwâr: / daz beiz daz keisers pfert [...]. / zehant der keiser Ott sprach: / ‘ [...] ez kumt mir niht ze mâz dâ, / daz iuwer gurr daz pfert mîn / sol bîzen. [...] ’ EnikWchr 27821. – übertr., von Menschen: [die vom Engel geblendeten Juden:] wir blinde gvrren MarHimmelf 1373

MWB 2 1053,9; Bearbeiter: Bohnert

gürrelîn stN. ‘kleine gurre nû zabel als ein gurre, als ein gürrelîn, als ein esel, als ein ros und als der tiuvel: der geruowet ouch niemer PrBerth 1:270,23; dû, schiltkneht, [...] hopfest [...] ûf dîme gürrelîn ebd. 1:368,37

MWB 2 1053,41; Bearbeiter: Bohnert

gurren swV. ‘gurren’ der esel gurret ûf den wân, / er wænet wol gesungen hân Freid 140,7 (vgl. Anm. z.St.)

MWB 2 1053,46; Bearbeiter: Bohnert

gurt stM. , gurte swM. ( JvFrst ) Pl. auch umgelautet. ‘Gurt, Riemen (am Pferdesattel)’ sie lôste [...] / die gürte von dem rosse Wigam (B) 974. – ‘Gürtel’ [er hob die beiden Männer] hô ûf impor, / wen er sî ôt gevazzit vor / zurucke hatte in den gurt NvJer 12973; ir gurt von golde was ein snur MügelnKranz 1013; der prîster tragen sol / manipel, gurten [Zingulum] und di stôl JvFrst 6622; KgvOdenw 6,129. – bildl.: Frl 6:1,7. 8:18,4

MWB 2 1053,49; Bearbeiter: Bohnert

gürtel stswMF. ‘Gürtel’ 1 allg.
2 die Taille, Gürtellinie mitbezeichnend, mit Präp.
3 in rechtsspr. Wendungen bzw. Kontexten
3.1 als in der ~ bevangen hat, als er mit (der) ~ be-, umbevangen ist u.ä. ‘nur mit dem (vom Gürtel zusammengehaltenen) Hemd bekleidet, notdürftig bekleidet’ (vgl. GrimmRA 1,215; H. Hirsch, Die hohe Gerichtsbarkeit, Prag 1922, S. 55)
3.2 als diu ~ bevangen hât und daz jmd. under der ~ hât u.ä. ‘was jmd. am Leibe trägt’
3.3 obe/über/ûzerhalp der ~ u.ä. ‘außerhalb des Gürtels: außer dem, was jmd. am Leibe trägt’
3.4 jmd. verzichtet mit der ~ , d.h. unter symbol. Darreichung seines Gürtels, auf einen Besitz (vgl. GrimmRA 1,216), wohl um anzuzeigen, dass er nichts davon für sich oder seine Erben zurückhält
4 übertr., astronom., ‘die Erd- bzw. Himmelskugel gürtelartig umgebender Kreis; Zone’
   1 allg.: der gurtel drier stucke ist [besteht aus drei Teilen] : rinke, senkel, borte JTit 5561,1; ir gürtel was ein rieme smal Neidh SL 21:7,3; den gvͥrtel ob der krenke / vier reif enbor hielten; / dez gvͥrtels si so wielten, / daz er sich niht lie zetal TürlArabel *A 297,26; mit guotin gurtlin langin, / beslagin mit goltspangin Athis C* 67; ainen routten gürtell tuond sy im vmb SchwSp (W) 418,21; vnd svlen brvder vnd swester geistlich gvrtel tragen SpitEich 6,19; daz [ kint ] truoc an dem gürtel sîn / ein mæzigez teschelîn UvZLanz 5807; sît man schuolbuoch in die hant / krumpte und durch die gürtel want Renner 16478; das er [Bauer] [...] haben sol / under sîm gürtel [...] / ein krumbes messer Ammenh 9736; daz er im daz ledelîn / brach von deme gürtel sîn KvWHerzm 394; (bildl.:) wenn [...] wir uns gürten mit der gürteln der käuschait und der rainikait BdN 59,28; NibB 636,2; Helbl 1,316; KvWTroj 980; PrGeorg 8,32. irn gesâht nie âmeizen, / diu bezzers gelenkes pflac, / dan si was dâ der gürtel lac Parz 410,4; dâ der gürtel iren lîp / bevienc an der krenke UvEtzWh 1644; HvNstAp 15086. unde sô ez niht mê mac fürbringen ze hôhverte [wenn jmd. seine Hoffart auf keine andere Weise zeigen kann] , sô rücket daz den gürtel hœher, sô krümbet daz den huot ûf PrBerth 1:83,16. 1:527,9. – in Zusammenhang mit üppigem / kargem Essen: daz er die gürtel witer lat TannhHofz 126; des gürt ich drîer loche / an der gürtel mîn hin hinder [schnalle den G. um drei Löcher enger] Helmbr 1121    2 die Taille, Gürtellinie mitbezeichnend, mit Präp.: [jmdm.] daz klaide bi dem gúrtel ab sniden PrGeorg 45,37; sî gegeben iu für eigen / mîn lîp, als ich gegürtet bin, / niderhalp der gürtel hin / oder oberhalp der gürtel mîn Heidin I 860; daz har [...] swang im [...] uber den gurtel hin zu tal WolfdD (H) 8,4; vf den gurtel ginc ime der bart Roth 3508; Er 2083; [Helena] was enmitten cleine / und umb den gürtel wol gedrât KvWTroj 20001; underhalp gurtels er in stach Virg 722,11; ein kint was an sînen liden / krump von der gürtel niden LvRegFr 4448; Roth 1371; Serv 524; Wig 6937    3 in rechtsspr. Wendungen bzw. Kontexten    3.1 als in der ~ bevangen hat, als er mit (der) ~ be-, umbevangen ist u.ä. ‘nur mit dem (vom Gürtel zusammengehaltenen) Hemd bekleidet, notdürftig bekleidet’ (vgl. GrimmRA 1,215; H. Hirsch, Die hohe Gerichtsbarkeit, Prag 1922, S. 55): [freier Abzug der Belagerten:] daz ie der man her ûz gienge, / als in diu gurtel umbevienge, / und sîn swert in der hant Ottok 10941; swenn ein schedelich man in dem hof gevangen wirt, so sol im [dem Marschall von Kärnten] in der hofmarschalch antwurten, als in der gurtel bevangen hat und sol er selb uber in rihten UrkÖsterrErbl 161,38 (a. 1307). als er mit guͤrtel umbvangen ist [ sicut cingulo est accinctus ] UrkPölt 56 (a. 1243); UrkCorp (WMU) 706,18. 1100AB,41. 3167AB,5. – in gleicher Bed. auch bî der ~ (cingulotenus): StiftStBernh 165 (a. 1294 kopial)    3.2 als diu ~ bevangen hât und daz jmd. under der ~ hât u.ä. ‘was jmd. am Leibe trägt’ ez sol dehein leitgeb cheinem burger [...] iht geben noch hintz im niht weren [bürgen] , niur als diu guͤrtel bevangen habe, er welle im sein danne beiten [ihm dafür Zahlungsaufschub gewähren] ân vanchnuͤzze StRMünch 195,17. 248,3; daz chains mans chint oder knet oder ander gesinde, daz an seim prot ist, icht mer vortopeln mug, den sein gewant, daz er an hat, und sein guertel umvangen hat StRBrünn 360. swaz er [Schuldner] hinnan fur gewinne uber drizzik phenninge ane daz er under der gurteln habe, daz er ieme [Gläubiger] davon gelte unz im vergolten waerde StRAugsb 224,11. 70,29; kaynes mannes sun, knecht oder frewnt, der sein prot ist oder sein gewant treit, mak nicht mer ym vorspilen, denne was er vnter seinen gurtil beheldet StRIglau 256    3.3 obe/über/ûzerhalp der ~ u.ä. ‘außerhalb des Gürtels: außer dem, was jmd. am Leibe trägt’ der da verspilet, mag nymmer verlisen nvr das, daz er vber seiner gurtel hat StRPrag 12; als er an beraitschaft bei jme hat an dem gwandt außerhalb der gürtl BWB (Sch) 1,944 (a. 1335); das eyn iclich wirt keynen man [...] hoher spilen lase [...], den her ubir den gurtil vorpfenden muge UrkBresl 101 (a. 1324); StRRain 366    3.4 jmd. verzichtet mit der ~ , d.h. unter symbol. Darreichung seines Gürtels, auf einen Besitz (vgl. GrimmRA 1,216), wohl um anzuzeigen, dass er nichts davon für sich oder seine Erben zurückhält: wann ich ze denselben zeiten ains kindleins swanger war, han ich mich des vorgenanten hofs genzlich mit dem [l. der ] gurtel verziechen die ich gerekt [= gerecket ] han, da engegen [zugegen] waren unsere gemægen und auch der [l. des ] kindleins, daz ich ze denselben zeitten unter meinem hertzen trug UrkRott 1,443 (a. 1343)    4 übertr., astronom., ‘die Erd- bzw. Himmelskugel gürtelartig umgebender Kreis; Zone’ [der Äquator] haizt auch dez obersten waltzhimels guͤrtel [ cingulus primi motus ] , daruͤmb, daz er dez selben himels lauf ze mittelst uͤmbgreift KvMSph 20,13; die zwu guͤrteln [ zonae ] , die uͤmbslozzen werden von dem pernkraizze [ a circulo arctico ] und von dem widerpernkraizz [...], die sint unwonhaft durch der grozzen kelden kraft ebd. 33,3

MWB 2 1053,58; Bearbeiter: Bohnert

gürtelære stM. ‘Gürtelmacher’ gurtlær und irhære [Weißgerber] , / hantschuostær und buochlære Ottok 65691. – in Personennamen: Wernher der Gv́rteler UrkCorp (WMU) 2948,4; UrkStraßb 3:264,10-17 (a. 1317)

MWB 2 1055,38; Bearbeiter: Bohnert

gürtelbant stN. ‘als Gürtel dienendes Band’ si dolten grôze armuot: [...] / seil wârn in gürtelbant, / boese was ir nidergewant LvRegFr 1637; an deme gurtilbande / truc he [Wundarzt] manchirhande / isen PfzdHech 309,6; HvBer 7209

MWB 2 1055,43; Bearbeiter: Bohnert

gürtelborte swM. ‘als Gürtel dienender borte do truͦgz ain guͥrtelborten, / der waz ze allen orten / gelich dicke vnde brait; / [...] ain agestain duͥ ringe [Schnalle] waz JvKonstanz 705; daz sîn gürtelborte / ein henfîner fuoterstric / würd Helbl 8,316; daz si wurken inden ramen / wol kund gurtelborten SHort 2164; gúrtel borten wol beslagen / von silber ebd. 6990

MWB 2 1055,48; Bearbeiter: Bohnert

gürtelgewant stN. ‘mit einem Gürtel versehenes Gewand’ ich hab gesundet mit guͤrtel tragen, mit schonem guͤrtelgewant DtBeichten 166,262; [vom Besitz eines Verstorbenen] sol ainem waybel [...] werden gürttelgwanndt oberes und unndres, kappen, hosen und schuh WeistGr 1,293 (a. 1330); ich schaff mein guͦrtelgewant [...], daz man vier chelich bereit [...] durch meiner sel hayl UrkRegensb 696 (a. 1350); WolfdA 75,1 (s.a. Meier zu Schultz, Höf. Leben 24,291); UrkEnns 7,146 (a. 1349); WeistGr 1,240 (14. Jh.)

MWB 2 1055,56; Bearbeiter: Bohnert