galze, gelze
swF.
zu →
galt
.
‘junge Sau’, wohl auch ‘verschnittene
Sau’
scropha: alde su. porca: su. sucula: gelza iunge su Gl
3:368,19;
sucula: calce ebd.
3:670,66;
SummHeinr
1:143,385.
2:477,317;
weitere mhd. Glossenbelege s. AWB 4,214;
der einn phert verkoufet, daz git vier pheinninge zoͧ zolle
[...]; ein barc einen pheinning; zwô galzen einen
pheinning WeistGr
1,762
MWB 2 68,1; Bearbeiter: Bohnert
gam
stM.
→
gamen
MWB 2 68,9;
gâm
stFM.
→
goume
MWB 2 68,10;
gâmahiu
MF.
auch kamahu. – aus afrz. cama(h)ieu; s.a. →
gâmân
.
1 ein geschnittener Edelstein, ‘Kamee’
2 ein Edelstein
1
ein geschnittener Edelstein, ‘Kamee’
(s. Engelen, Edelsteine S. 311f.):
diu aller beste gâmahiu / was daz selbe spengelîn. / diu Minne was entworfen
drîn / ûf ein gestüele hôhe enbor KvWTroj
3052;
uns wart ein mahelvingerlin: / ave daz vaterliche wort
[...]. / ez wirt ein uzgenomen stein / gestellet als
ein gamahiu, / da wunderlicher bilde driu, / geist vater, mein ich, unde kint, /
geschephet an mit flize sint KvWGS
1897;
ein urich [rein, lauter] gulden crütz mit einer
gamahü und mit edelm gestein und mit berlen UrkAgnes
133
(a. 1357)
2
ein Edelstein:
ein stein heizet kâmahû [La. gamahiv,
gaman u.a.] . / von dem wil ich iu sagen nû: / der
ist enmitten wîz gar / und alumbe swarz var / und ist vol antlütze
Volmar
629;
ein stein ist kamahu genennet und erkant Boppe
1:24,1.
–
jâ, ûz allen sîden [von Gottes Thron] / schinen
aller hande wes [Edelsteine] : / perlin fîn und
agathes [...], / barillen unde gamahî [:
die; überl.: -hüe, -hie
]
Erlös
409;
niht krisopastus, / noh der himil varwe iacinctus
[...], / noh der gamahiv wert, / dez man in golt
gesmide gert Martina
50,83;
SHort
6964
MWB 2 68,11; Bearbeiter: Bohnert
gamâlêôn
stM.
auch camêliôn,
gamalium,
gamaniol.
– aus griech.-lat. chamaeleon (vgl. Suolahti 1,92).
–
ein dem Element Luft zugeordnetes, von (und in) diesem lebendes Tier,
‘Chamäleon’
(vgl. Rausch, Methoden S. 168-200):
ez sint vier gotes geschaft, / der leben diu sint wunderhaft: / salamandrâ
spîset sich / mit fiure, daz ist wunderlich; / gamâlîôn des luftes lebt, / der
herinc wazzers, swâ er swebt; / der scher [Maulwurf] sich
niht wan erden nert: / sus ist den viern ir nar beschert Freid
109,18
(=
Renner
20113
);
Georg
3907;
JTit
2807,2;
in luft gamaleône / ist wol ân erden wazzer fiur Reinfr
26432;
der engel sanc was sô grôz [...], / daz sîn erschrac
gamâleôn, / der siben mîl in lufte vert / und sich niht ander spîse nert
Georg
1254;
ich leb dins trostes [...] / recht
sam der luft gamalion Mügeln
393,5.
188,2;
MügelnII
Gr:2,10;
MügelnKranz
1245;
Hätzl
2:60,105;
LS123
84.
– Adynaton:
der mûlwelf sol in lüften sweben. / dér gamâlêôn sol nicht wan der erde leben
Boppe
5:2,5;
noch süzer dan der luft dem gamalione Frl
3:18,4.
– als Vogel vorgestellt:
dâ sach er wie gamalêôn / der vogel sîniu eigen [l.
eiger ‘Eier’] birt, / und wie im uf dem
rugge wirt / sîn fruht schôn ûz gebrüetet Reinfr
22522;
Teichn
320,139.
– dem Salamander gleichgesetzt:
salamandra [...] haizt auch
gamaleon, daz ist als vil gesprochen als ain ertleo BdN
276,30.
– verändert die Farbe:
gamalion daz ist ein tier, daz hat die site, swaz varwe ez sicht, die im
gevellet, / gele oder rot, gruͤne oder bla, wiz oder swarz, swen ez wil, sam
wirt ez ouch gestellet Meissner
17:6,1.
5:4,11;
camêliôn [...] / daz der luft sîn spîse sî, / und
swelher varwe ez wone bî, / nâch der werde sîn balc gevar / denne rôt aleine
Renner
18879.
– als Wappentier (vgl. →
gabilûn
,
gampilûn
):
der von Arminzidole [...] / gelich gamaniole
fuͦrt er ein wapen tiure werdicliche JTit
4041,2
MWB 2 68,35; Bearbeiter: Bohnert
gâmân, gamânje
stM.
auch kâman.
ein geschnittener (vielfarbiger) Edelstein, ‘Kamee’ (wie →
gâmahiu
1
,
vgl. Vorderstemann, Fremdw. S. 93f.):
al die steine
gâmâne [
plâne:] / sint niht sô manegen wîs
gesehen, / sô man zimierde muose jehen, / die die minne gernden truogen
Wh
401,8.
16,12
(La. gamanye, s. Heinzle, Wh. z.St. mit Lit.);
[kostbare Edelsteine als Besatz eines Mantels:] der rubîn
und der sardius, / der prasem und der onichinus, [...], /
ouch sach man dâ stân / den edelen kâman, / den man vindet begarbe / in sô maniger
varbe Ottok
69269
MWB 2 69,9; Bearbeiter: Bohnert
gamanderbluome
swMF.
wohl ‘Echter Gamander’ (vgl. →
gamandrê
), zwei Glossenbelege des 14. Jh.s s. AWB
4,34.
MWB 2 69,21; Bearbeiter: Bohnert
gamandrê
stF.
auch -drea, -drya, camandrê. – aus mlat.
gamandrea (s. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,39, Suolahti 1,92).
eine Pflanze, ‘Echter Gamander’
(s. Marzell 4,666f.);
in heilkundlichen Texten:
gamandrea ist heiz unde trocken an dem dritten grade
Macer
34,1
u.ö.;
nim satureie. poley. ysop. camandre. origani. rote wazzer
minzen [...]. igliches sibenzehen korn
SalArz
95,39
u.ö.;
man [...] sal se dicke laten drynken
garolf vnd von neglein vnde gamandrya, went dat reyneghet dat blod
OvBaierl
73,35.
–
camadreos: groze gamandre, campiteos: cleíne gamandre Gl
3:538,11f.;
weitere Glossenbelege des 11. bis 14. Jh.s s. AWB 4,34f.;
VocOpt
50.102.
50.144.
– in Aufzählungen von Blumen bei Beschreibung eines locus amoenus:
nieman kan des sumers wunne volzellen. / schœn sint sîn
gisellen, / vîol, rôsen, bluomen, klê, / boume bluot, loup, gras und gamandrê
SM:Had
29: 1,10.
35:3,2.
41:2,4;
da stet viol unde kle, / sumerlaten, gamandre, / die werden
zitelosen; / ostergloien vant ich da, die liljen und die rosen Tannh
3,11;
SHort
5378.
– im Marienpreis:
dû [Maria] muscâde, dû cinemîn, / dû mirre, balsme
und aloê, / dû cardomôme, gamandrê, / dû burnende ôsterkerze / dû blûwest in dem
merze Erlös
2566.
6136
MWB 2 69,24; Bearbeiter: Bohnert
gamaniol
stM.
→
gamâlêôn
MWB 2 69,49;
gamanje
F.
vgl. Suolahti 1,92.
‘Schar, Gemeinschaft’, für weiblichen Hofstaat:
diu süeze gamanje
[
Britanje:] / enpfie vil wol die reinen
maget Wig
4021
MWB 2 69,50; Bearbeiter: Bohnert
gamânje
stM.
→
gâmân
MWB 2 69,54;
game
stM.
→
gamen
MWB 2 69,55;
gæme
stF.
→
goume
stF.
MWB 2 69,56;
gamel
stMN.
‘Vergnügen, Belustigung; Scherz, Spott’
her Hogier und vrou Amele / mit michelem gamele / die naht vertriben biz an
den tac RuprvWü
783;
maniger loufet hinnen gein Compustellâ ze sant Jâcobe
[...] unde gênt danne mit gamel unde mit gelehter unde
sprechent [...] selten iemer dehein pater noster
PrBerth
1:493,12;
min swester [...] hat der welt wider
seit / und wil och magt beliben. / hie von si nieman triben / sicht gern gamel und
schimpf SHort
6309;
diu kint begiengen widerstrît / an im [Alexius] dô
grôzen ungelimpf. / er was ir gamel [Ziel ihres Spottes]
unde ir schimpf KvWAlex
694
MWB 2 69,57; Bearbeiter: Bohnert
gämelich
Adj.
→
gemelich
MWB 2 70,6;
gamen
stMN.
auch
gam NvJer
7922
(s. Johansson, NvJer. S. 206); game
KarlGalie
2039
(Konjektur). –
selten stN. (
UvZLanz(K)
1071;
GTroj
10512.
13101
).
1
‘heitere, frohe Gemütsstimmung’
2
‘Vergnügen, Belustigung, Erheiterung’
2.1 allg. 2.2
~ hân, machen 2.3 etw. ze gamene hân
‘sein Vergnügen, seinen Spaß an etw. haben’
2.4 etw. ist jmds.
~
‘etw. bereitet jmdm. Vergnügen, macht jmdn. froh’
2.5 umschreibend 3
‘Scherz, Neckerei’
1
‘heitere, frohe Gemütsstimmung’
die [Ritter] alle hetten fürsten
namen, / riche gültt und hochen gamen GTroj
13284
u.ö.;
swelch hôhe vürste nû hât [...] êre und wirde und
werden gamen Boppe
1:9,2.
–
alsus reyt Karlle in groessem gamen KarlGalie
13399;
mit groesser blytschaff ind gamen ebd.
11024.
7728;
die crichen alle sament riten / vnde stapheten in zv
Troyge / mit schalle vnde mit joie [...]. / sie quamen
mit gelfe vnde mit gamen Herb
1575.
–
dô gienc ez ûz dem gamene [...], / swer in dâ
wolde widerstân, / er muoste den lîp verlorn hân StrDan
3760
(vgl. gân
3.8).
– verblasst:
sie vrâgten in demselben gamen / nâch des jungen kindes namen Erlös
3017
2
‘Vergnügen, Belustigung, Erheiterung’
2.1
allg.:
Ysaac und Rebecca sament lâgen, / spileten zesamene mit
chonlicheme gamine Gen
1105
(vgl.
mit chonelicher wunne ebd.
1301
).
746;
der wirt [...] began sô sêre lachen
[...] / und mohte sich des niht enthaben
[...]. / siu [Braut]
wolte wizzen dô bînamen, / wâvon kæme dirre gamen Häslein
420;
[Elisabeth,] di durch milden gamen [Lust
an der milte
] / den kinden brachte dise dinc
[Spielsachen]
Elis
3636;
Dulcifl(N)
220
2.2
~ hân, machen:
wer in [Tristan] ye verriet, / der habe freide
und gammen TristMönch
2094;
ich weiz si [Sarah] des solich
gamen hête daz si erlachete Gen
885;
KarlGalie
10507
(Konjektur);
der herzoge Walraben / der ervuor daz mære sân, / daz ez [das
Turnieren] diu junk vrouw’ het’ getân / sô
rehte wol in sînem namen, / unde hete von ir gamen Frauenturnier
324.
– iron.:
„ich mache dînen gamen” / sprach er „tâlank alsô
grôz.” RvMunre
1312
2.3
etw. ze gamene hân
‘sein Vergnügen, seinen Spaß an etw. haben’
sînes vater [des entblößten Noah ( Gn
9,21ff.)] hônde hête er
[Ham] ze gamine Gen
743;
habe dir iz ze gamene Exod
1467
2.4
etw. ist jmds.
~
‘etw. bereitet jmdm. Vergnügen, macht jmdn. froh’
ditz was aber Ysengrines gamen ReinFu
K,1466;
wir solten uns der sünden schamen, / nû ist ez gar der werlde gamen
Freid
34,12
2.5
umschreibend:
Maria [...] kúneglichen namen /
gewan von spiles gamen WernhMl
1172
3
‘Scherz, Neckerei’
die frauwe [Medea, von Jason
umworben] begunde sich schamen, / doch vurtreip sie iz mit gamen /
vnde wart ouch dicke vil rot Herb
728;
der helt [...] enpfie di rede für ein gamen
UvZLanz(K)
1071;
NvJer
7922;
im was al sîn nôt ein gamen UvZLanz(K)
1686;
duͦrg gamen Elis
3369.
–
sunder ~
‘ohne Scherz, ernsthaft’, verblasst, als Versfüllsel:
sie sungen alle sunder gamen: / ‘der hie kumet in godes namen, /
gebenedîet ummer sî [...]’ Erlös
4625;
Elis
4350.
3769;
sunder spotes gamen ebd.
3331;
sunder valschem gamen KarlGalie
13638
MWB 2 70,7; Bearbeiter: Bohnert
gâmen
swV.
→
goumen1
MWB 2 71,1;
gæmen
swV.
→
goumen1
swV.
MWB 2 71,2;
gameracz
stM.
ein Gewand aus Cambraier Batist-Tuch (vgl. Rosenqvist 2,241f.):
ouch welle wir, daz die brûdere nicht sullen tragen gameracze
[mnl. Fassung: gamerock
] , noch enge rocke,
noch knôfele an den ermelen StatDtOrd
151,17
MWB 2 71,3; Bearbeiter: Bohnert
gamerot
Adj.
‘fremdländisch’
und is wirt geschen [...], das ich
wil rache tun ubir di vursten und ubir die kunigis sone und ubir alle di, di da
angetan sin mit gamerotten cleide [
veste
peregrina
]
Cranc
So 1,8
MWB 2 71,8; Bearbeiter: Bohnert
gamîe
swF.
wohl zu gamen (s. Rosenqvist 1,107).
‘lustiges Spiel’
der gamyen [La. gemeynen, gemain
‘Menge’] waz worden vil, / man stach hie, da und dört
MinneR439
1200
MWB 2 71,13; Bearbeiter: Bohnert
gamille
swF.
auch camille und cam(m)omilla, camimola; aus lat.
chamomilla.
‘Echte Kamille’ (vgl. Marzell 3,66f.):
cammomilla oder camimola heizet zu dute wissebluͦme
Macer
39,1
u.ö.;
camomilla haizt gamillen und daz kraut ist dreirlai. daz ain
hât weiz pluomen, daz ander gel, daz dritt purpervar BdN
388,10;
VocOpt
50.086.
–
in den awen / siht man gamillen pluenden aber schon aufgen Neidh(S)
2,9 c2:1,16.
2,82 c33:2,2;
och hies si zetten [streuen]
[...] / dú bluͤemel der gamillen / all dur daz hus
SHort
8379.
–
der sâm [Leinsaat]
[...] senftigt die smerzen, iedoch minner wan die gamillen
BdN
422,28;
ein clister uon ole daz gemachit si uon camomille
SalArz
49,28;
wasche im di bein. vnde di vuze mit wazzer da camomilla inne
gesoten si ebd.
70,32
u.ö.;
OvBaierl
20,7
u.ö.
MWB 2 71,17; Bearbeiter: Bohnert
gamillenbluome
swF.
‘Kamillenblume, -blüte’
flores kammillarum: kamillunbluomen DWB
5,100
(anz. des germ. mus.)
MWB 2 71,33; Bearbeiter: Bohnert
gamillenvar
Adj.
‘aussehend wie eine Kamillenblüte: weiß und gelb (d.h. heraldisch silbern
und golden)’
den [Schild] sach man ee derscheinen / von golt und
von rubeinen, / in plank weis gleich geteilet [...] / des
goldes art gamillen var Suchenw
3,166
MWB 2 71,36; Bearbeiter: Bohnert
gamillenwaʒʒer
stN.
‘Kamillenwasser’
(vgl. →
gamille
):
ist daz ain swangereu fraw sich in gamillenwazzer setzt, dâ
mit si [die Kamille] gesoten ist, sô zeuht si ir die
gepurt her für mit dem pälglein [Nachgeburt]
BdN
388,19;
gamyllen wazzer Barth(H)
545
MWB 2 71,42; Bearbeiter: Bohnert |