2gemerke
stN.
zu
merke
stF. ‘Wahrnehmung,
Beobachtung’.
1
‘Augenmerk, Wahrnehmung’
2
‘Merkmal, Merkzeichen’
1
‘Augenmerk, Wahrnehmung’
ich antwúrt us den sinnen, die da sint úber aller menschen
gemerke. du muͦst sinnelos werden, wilt du hin zuͦ komen, wan mit
unbekennen wirt dú warheit bekant Seuse
341,15.
356,24;
in einer stillen ruowe, alsô daz im kein crêatûre niht zuo spreche noch daz er
keiner crêatûre ouch niht înspreche, beide in sinlîchem gemerke und in geistlîchem
gemerke Eckh(Pf)
478,30;
HvFritzlHl
219,33.
– in der Wendung (in) sîn ~ nëmen
‘sein Augenmerk richten auf etw.’ (mit präp. Erg. oder
Obj.-Satz):
Heinrîch nam sîn gemerke / von des armbrostis sterke NvJer
12705;
ô sûzir got, nim in gemerc, / waz er den vîendin dîn gevêrc / hât getân
pînlîchir werc ebd.
25122;
iedoch begond er es [Gottes
Rede] in sin gemerk nemen, wie wider es ime waz
Seuse
34,14.
–
‘Beobachtung’
den pusch sach her mit ougen ane / brinnen und doch
vorwerden nicht, / diz waz ein ougen angesicht / unde eines sinnes gemerke
HeslApk
369;
kert er aber sin gemercke uf das mittel und sihet das an,
wie kleine das ist und wie dúnne Tauler
37,28.
– bezogen auf das Ziel der Wahrnehmung (?):
dô wart ein rîchiu tjost getân. / [...] / nû
trâfen si vil rehte, / beide nâch ir gemerke Er
6916.
–
dô was getân, / daz si sô nâhe kâmen, / daz sir
gemerke [Beobachtungsposten] nâmen / eine halbe
mîle von der stat Tr
7418
2
‘Merkmal, Merkzeichen’
daz sie [einzelne Menschen] des
unrechten / antecristes gemerke tragen HeslApk
19347.
19341;
an deme tage wirt des herren altir mitten in Egyptenlande und
eyn gemerke des herren uf sinen grenitzen, und wirt zu einem zeychen unde zu einem
gezucnisse des herren der engil in Egyptenlande Cranc
Jes 19,19;
dise [...] suzikeit, di der heilige geist in uns
wirkit, di kunne wir nicht betrachten noch bedenken, wan si inmac in bilden noch in
formen noch in gemerken nicht begriffen werden HvFritzlHl
126,2;
vnd des selbin gemerkis
[Beschaffenheit] / was ein roc ir gesnitin / nach den
franzzoischin sitin / wedir zuͦ lanc noch zuͦ kurt
Athis
D 158.
–
[die Pruzzen] begondin iz [die ihnen
unbekannte Armbrust] dêswâr / betastin beide her und dar. / zu
jungist doch ir einir vant / daz gemerke [ ‘die
Abzugsvorrichtung’ oder zu 1 ‘das
Gesuchte’] ; mit der hant / druckte er den sluzzil
NvJer
11846.
–
‘Zweck, Bedeutung’
o tummer mensche, nu vornim / diser worte gemerke
HeslApk
11455;
der [Spiegel] stunt an einem orde / oben an dem
gewerke / mit solhem gemerke, / [...] / daz
[...]
En
9406
MWB 2 429,33; Bearbeiter: Diehl
gemerkede
stN.
‘umgrenzter Raum, Grenzen’
confinium: gimerkede SummHeinr
2,242:01.58;
widererhugent unde werdent becheret ze dem herren alle die gemerchede der erde
[interl. zu universi fines terrae
]
PsWindb
21,28;
unze an die gemerchede des umberinges dere erdun [interl. zu
usque ad terminos orbis terrarum
]
ebd.
71,8.
73,17;
swa zolbær gvͦt vber baierichs gemercht chvmt UrkWittelsb
2,40
(a. 1294);
vntz an den weg [...] vͤntz an Lêvtfrides
gemercht UrkCorp (WMU)
2204,33
MWB 2 430,21; Bearbeiter: Diehl
gêmerlich
Adj.
→
jâmerlich
MWB 2 430,31;
gemerre
stN.
‘Hindernis’
impedimentum: gemirre Gl
3:243,3
(BStK461)
MWB 2 430,32; Bearbeiter: Diehl
gemerrede
stF.
‘Hindernis’ (?):
preiudicio: gimerrido Gl
2:124,49
(BStK665);
Gl
2:124,48
(BStK637)
MWB 2 430,34; Bearbeiter: Diehl
gemêrsal
stN. , gemêrsale
stF.
‘Vermehrung, Zunahme’
augmentum: gemersale SummHeinr
2:179,01.65;
incrementum: gemersal ebd.
2:342,01.18
MWB 2 430,36; Bearbeiter: Diehl
gemërze
stN.
‘Handel, Unternehmung’ (vgl. Anm. zu
Daniel
6974
):
idoch in dem gemerze / mac er haben nicht den sig [
Dan 11,13
]
Daniel
6974;
zu dem gemerze / der zweier kunge herze / sint gewant uf ubiltat [
Dan 11,27
]
ebd.
7101
MWB 2 430,39; Bearbeiter: Diehl
gemëʒʒenlich
Adj., Adv.
adv. -lîchen.
‘angemessen’
der reine furste [...] gemeszenlicher lenge was
Elis
3142;
so spricht her salomon [...] er sey
ein tor / der seyn guͤt so gar vergeit / daz er selben pettelt seyt. / er
muez geben und auch versagen. / yedoch chan ez nieman getragen / so gemezzenleichen
hin, / er hab dann von got den sin Teichn
265,69
MWB 2 430,44; Bearbeiter: Diehl
gemicke
stN.
‘rechtes Maß’ (vgl. MNW 2,1357f.):
na den worden [...] nam der keiser in de hant / eyne
glauye dicke, / de was woul syn gemicke [für ihn
passend] , / ind reit in den stryt. / vp de heyden hadde hey nyt
Karlmeinet
331,34
MWB 2 430,52; Bearbeiter: Diehl
gemietede
stF.
Bed. unklar ‘Miete’ oder ‘gemietete
Wohnung’
conducto [l. conductio
] : gimietido
Gl
1:754,30
(BStK665)
MWB 2 430,57; Bearbeiter: Helmich
gemietunge
stF.
Bed. unklar ‘Vermietung, Pachtung’ oder ‘gemietete
Wohnung’
conducto [l. conductio
] : gimietunge
Gl
1:754,31
(BStK558)
MWB 2 430,60; Bearbeiter: Helmich
geminne
Adj.
‘liebenswürdig, vertraut, lieb’
daz geminne gotes kint PassI/II
118,12;
friunden, fremden, kunden / was si zallen stunden / mit herzen und mit sinne /
gevellec und geminne WvRh
1602.
13288;
Marjodô [...] was Tristande dô /
gevriunt unde geminne Tr
13467;
Helbl
7,910;
FvSonnenburg
54,3.
– mit explizierendem Nebensatz:
sît des was Brangæne unde Îsolt / von herzen und von sinne /
sô getriuwe und sô geminne, / daz nie niht under in beiden / ir dinges wart
gescheiden Tr
12944.
– subst.: ‘Vertraute, Geliebte’
die gemuͦten, die geminnen, ich pruͤfe niht ir varwe JTit
4039,1
MWB 2 430,63; Bearbeiter: Helmich
geminne
stF.
‘Vertrauen, Zutrauen’
do er [Constantinus] des wart
inne, / er gewann zü got geminne Märt
28180
MWB 2 431,12; Bearbeiter: Helmich
geminnesam
Adj.
‘von Liebe geleitet, liebevoll’
lernet dise tugende [...] daz fünfte miltikeit, daz
sehste geminnesam sîn PrBerth
2:237,13;
Loadicze bedutet / ›unsen herren geminnesam‹
[...] wen dar lute waren inne / die getruweliche minne
/ zu irme gote trugen [vgl. Col. 2,1 ff.]
HeslApk
6371
MWB 2 431,15; Bearbeiter: Helmich
geminnic
Adj.
‘von Liebe erfüllt, freundlich’
swenne wir sin vleisch ezzen / und trinken sin wares blut, /
also geminnigen mut HeslApk
3086;
swedir sie krank sin oder stark / oder sie gut sin oder ark,
/ geminnic oder wolfvrezic [bissig wie ein Wolf]
ebd.
21927.
2011.
8288
MWB 2 431,21; Bearbeiter: Helmich
geminniclîche
Adv.
‘von Liebe erfüllt, freundlich’
der wol gezogene Tristan / saz unde spilte vür sich an / sô
schône und sô höfschlîche, / daz in gemeinlîche [La.
geminnecliche
] / die vremeden aber an sâhen
Tr
2274
MWB 2 431,27; Bearbeiter: Helmich
gemirre
stN.
→
gemerre
MWB 2 431,32;
gemischede
stN.
‘Gemisch’
confusionis: gimiscido Gl
1:670,62
(BStK637);
ob man ladanum mischt mit dem kraut, daz dâ haizt mastix. ob
man daz gemischt legt inwendig und auzwendig an daz zandflaisch und an die zend, sô
werdent die zend gevestent BdN
89,33
MWB 2 431,33; Bearbeiter: Helmich
gemischunge
stF.
‘(Ver-)Mischung’
confusionis: gimiscunga Gl
1:670,62
(BStK681)
MWB 2 431,39; Bearbeiter: Helmich
gemiure
stN.
Koll. zu
mûre
.
1
‘Mauer, Mauerwerk’
2
‘(steinernes) Gebäude, Gemäuer’
1
‘Mauer, Mauerwerk’
der rat ist uͤber ein komen [...] das niemer
enhain u̍berschutz ze Zu̍rich gemacht sol werden noch gebuwen gegen
strazen noch gassen, von holze noch von gemu̍re StRZürich(B)
141,28;
[Salomo] umbe murte werliche / mit núwen muren al die
stat. / er gebot [...] das alte gemúre brechin nidir / und
abir darnah muren widir RvEWchr
32095;
[der Weingarten] was umbzogen mit gemúr KvHelmsd
1809;
UrkCorp (WMU)
1995,14
2
‘(steinernes) Gebäude, Gemäuer’
daz in dem gemiure [in der Burg] /
nieman triute genesen Iw
7810.
– nicht eindeutig von 1 zu trennen:
[er] stat [...] vor einer alten
zergangnen stat. die graben sint vervallen und daz gemúre riset gar sere, denne daz
noch hin und her die hohen spitze dez alten gezimbers hoh uf
gagent [aufragen]
Seuse
217,7;
Er
252;
GTroj
20593.
– Sprichwort (?):
swer dem gelucke sô trût, / daz er grôziu gemiwer bût /
ûf mollen unde weichen grunt, / dem ist diu lêre unkunt
[...]
Ottok
80325.
– bildl.:
sih an daz schoͤn lebend gemúre der himelschen
Jerusalem, wie dú durlúhten steine der stat vorhin beschniten und gewúrket sint
Seuse
367,22.
440,18;
der tôt ir leben dô brâht heim in sîn gemiure Loheng
5977
MWB 2 431,41; Bearbeiter: Helmich
gemme
F.
→
gimme
stswF.
MWB 2 432,1;
gemose
stN.
Koll. zu
mos
, auch gemuse, gemüse, gemuͦze,
gemöse.
‘Moor, Sumpfland’ (s.a.
gemuore
):
so die sunne etswa in ein rotes gemúsche schinet vnde sich der
rote toͮm [Dunst] erhebet in den luft
Lucid
57,9.
58,3;
daz ergat niemer wen da daz gemuͦze und daz rote mer [La.
gemoͤre vnd toͤtez wazzer
] swebit
Lucid(H)
27,7;
ausserhalb der stat leyt / ain gemöß und ain gehag
HvNstAp
8912;
das landt [Parthia] het gar vestew slos /
[war fest verschlossen] von pirg und von
gemuͤss Seifrit
3586.
4403;
in Syrfen er di herfart fŭr, / gemuse, greben unde mŭr, / haid und gehag man
nicht enliez Suchenw
7,184
MWB 2 432,2; Bearbeiter: Helmich
gemsche
swF.
→
gamʒ
stswF.
MWB 2 432,15;
gemüeje
stN.
‘Mühe, Kummer’
die geizze noch die kuͤge / tuͦnt mir kein gemuͤge; /
enten, huͤnre, gense / tuͤnt mir kein gedense
[Bedrängnis]
KgvOdenw
13,72
MWB 2 432,16; Bearbeiter: Helmich
gemüejede
stF.
‘etw., das Leid, Kummer verursacht’
ích hábe gisúndôt in nîde, in úrbûnste, in hâzze
[...], in uîantscéften, in áller sláhte gimuogide, unde
tarehafti, in áller wíderwârti mînes nâhisten BambGlB
144,18
MWB 2 432,20; Bearbeiter: Helmich |