gestrapel
stN.
‘Gerangel, Rauferei’ (wohl zu
strabeln
‘sich heftig bewegen, zappeln’, vgl. DWB 4,1,2,4244; anders FWB
4,1657 ‘Getümmel’ s.u. UrkBabenb ):
vnd doch hiet der hunt die natern erpizzen vnd von ir paider
gestroͤppel wart die wieg vmb gestozzen GestRom
109;
ob si auch an diser beserung den veinten chainen
[irgendeinen] schaden [...]
taeten, als in einem solhen gestropel [übers. in tali
strepitu
] von zornigen oft geschiecht UrkBabenb
2:291,26
(Übers. 14. Jh., lat. Urk. a. 1244)
MWB 2 604,49; Bearbeiterin: Baumgarte
gestreichet
Part.-Adj.
1
‘glatt gestrichen, fein gemacht’
streichen
2
‘gestreift’ (vgl.
streichëht
)
1
‘glatt gestrichen, fein gemacht’
→
streichen
2
‘gestreift’ (vgl.
streichëht
):
iuch genüeget niht, daz iu der almehtige got die wal hât verlân an den
kleidern, wellet ir brûn, wellet ir sie rôt, blâ [...]. man
muoz ez iu ze flecken zersnîden, hie daz rôte in daz wîze, dâ daz gelwe in daz
grüene; sô daz gewunden, sô daz gestreichet, sô daz gickelvêch
[buntscheckig] , sô daz witschenbrûn
[kirschrot]
PrBerth
1:396,29
(für eine Zuordnung zu 1 spricht das Antonym gewunden
nur, wenn es als Herstellungsweise und nicht als Art der Farbmischung
‘geringelt’ o.ä. aufgefasst wird)
MWB 2 604,60; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrenge
Adj.
Adv. →
gestrange
, →
gestrenglîche
.
‘unnachgiebig, mächtig’
an ritterlichen ubungen was her gestrenge unde freidig Köditz
18,28;
her was vorsichtig unde wise, gerecht unde gestrenge an dem gerichte ebd.
9,1.
– titelähnliches, ehrendes Beiwort hochgestellter Personen:
do gedachtin di erbern gestrengin vornemin rittere
[...]an daz globde daz si getan hattin Köditz
67,10.
68,10;
hir bie synt gewest dyͤ gestrengen vnd die ersamen luͦte her
Dytmar von Buͦseleiben, her Ditmar von Wechmar, Herman von Mila
UrkCorp (WMU)
N407,30;
UrkFrauensee
100
(a. 1338)
MWB 2 605,9; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrengicheit
stF.
‘Strenge’
und alsô ist ez ouch von dem nâchvolgenne der gestrengicheit
solcher heiligen. die wîse solt dû wol minnen und mac dir wol gevallen, der dû doch
niht endarft nâchvolgen Eckh
5: 253,1.
5:250,6;
in seyner gestrengikeit fuͤrchten in dy kunic aller mayst
[übers. frei: terribili [Dat.Sg.] apud reges
terrae
Ps 75,[13]
]
PsMb
30(Glossar)
MWB 2 605,21; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrenglîche
Adv.
‘streng’
aber got der herre sach euch gestrenglich [laut Glr.z.St. kommt
das Adv. über den Kommentar des Nicolaus de Lyra in die mhd. Übers., Ps
117,10
]
PsMb
30(Glossar)
MWB 2 605,29; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrenze
stN.
Bed. unklar, etwa ‘Umherstreunen, Herumstolzieren’ (vgl.
Schmeller, BWB 2,817 s.v. stranzen, Fischer, Schwäb. Wb. 5,1826 s.v.
stranzen; NeidhWB: ‘Landstreicherei’):
dô der liebe summer / ureloup genam, / dô [...] muose
ouch [
der herre Gunderam
] sîn gestränze / dô
lâzen under wegen Neidh
WL 10:1,7
MWB 2 605,33; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrîchet
Part.
→
esterîchen
MWB 2 605,40;
gestrickede
stN.
hier gestrickt.
Bed. unklar ‘Strickerei, gestrickte oder bestickte Borten,
Applikation’ o.ä.:
ir kleit daz was rîch genuoc, / ez was ein brûnz scharlach
guot. / ûf islîcher nât ze tal wuot [verlief] / gestrickt
von berlîn und von stein EnikWchr
A II,115
MWB 2 605,41; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrîfet
Adj.
‘gestreift’
swelch man hât ein stükke scharlachnes [Tuch] , der
scol iz verschozzen [versteuern] vor sechs mark;
[...] ein steintelsh [aus dem Steintal
(?)] gestrîft vor dri virdunge UrkZeitz
1,22
(a. 1322);
zwartse cleyder had sy ain [d.i. ane
] , /
swartz mit roden gestryft MinneR409
42
MWB 2 605,47; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrîte
swM.
‘Gegner, derjenige gegen den man kämpft’
der rôte hêt dâ vunden / alrêrst sînen gestrîten. / si
begunden vaste rîten / beide einander ûf daz leben Wig
3013;
vil manik slak in beiden / wart gelihen vnd vergolten. / doch muost zuo der
molten / hern Gaweins gestreit Krone
6509;
Bit
9755.
–
‘Verfechter einer Gegenposition’
Rüedegêr der rîche, / der wolde volliclîche / die Hiunen bringen an den Rîn. /
des wolde gestrîte sîn / ûzer Berne Hildebrant, / daz die von Amelunge lant / solden
ze vorderst rîten Bit
5756
MWB 2 605,54; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrîte
stN.
‘Krieg, Kämpfe, Streitigkeiten’
so stent uf al geliche mit gestrite diu riche
AvaA
2,1;
dô hatten dat gestrîde vernumen / di herren in deme kiele, / ind quâmen vil
sciere / vor di burg bit eime vanen ErnstA
Prag 5,61;
GrRud
δb 39;
zorn vnde nît vermîden, gestrîde nit minnen BrEb
4;
seditio: gestrite SummHeinr
2:95,210
MWB 2 606,1; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrîten
stV.
1
‘(mit Waffen oder Worten) kämpfen, streiten’ (ohne Dat.d.P.)
strîten
2
‘jmdm. (auch einem Heer) im Kampf gegenüber treten, jmdm. standhalten,
jmdm. widerstehen’ (mit Dat.d.P.)
1
‘(mit Waffen oder Worten) kämpfen, streiten’ (ohne Dat.d.P.) →
strîten
2
‘jmdm. (auch einem Heer) im Kampf gegenüber treten, jmdm. standhalten,
jmdm. widerstehen’ (mit Dat.d.P.):
ih genidere dînen hômût, / daz du des ie gedâhtes, / daz du
mir gestrîten mahtes SAlex
2887;
done kund’ im niht gestrîten daz starke getwerc
NibB
97,1;
selbe wil ich sîn hie heim, / wan er mir niht gestrîten mac.
/ ez wirt im ein vil leider tac EnikFb
2819;
Iw
4656;
Parz
689,21;
Wh
103,11.
240,1;
KvWSchwanr
173.
–
genâde, vrouwe! ich mac dir niht gestrîten. / mîn herze
ist dir baz veile danne mir MF:Reinm
46: 2,5.
–
hât wîsiu wort ein wîser man, / ein tôre im niht gestrîten kan
Freid
80,9
MWB 2 606,8; Bearbeiterin: Baumgarte
gestriuche
stN.
Koll. zu
strûch1
‘Gesträuch’
Priamus [...] hiz abe ruten / mos vnd
gestruche, / busche vnd vngebruche / vnde hiz die gazzen reinen / von boumen vnde
von steinen Herb
1761;
hêrre, ich hab gesezzin / in gem gestrûche disin tac / dâ sûchinde mînen bejac
NvJer
9387
MWB 2 606,23; Bearbeiterin: Baumgarte
gestriume
stN.
hier md. gestrûme.
‘rauschendes Strömen’ (vgl.
strûmen
):
er [Darius] ne
woldiz [Persien] ime
[Alexander] rûmen, / er vernême ein sulh gestrûme, /
dâ er imer vone mohte zellen / in lîde und in bîspellen SAlex
2060
MWB 2 606,29; Bearbeiterin: Baumgarte
gestriuʒe
stN.
‘Kampf, Gefecht’
layder daz gestrüsse / ze schaden mengem fürsten kan
GTroj
5836;
drî snelle meidem [Pferde] / wurden
dar gezogen, / darûf kômen si geflogen / und entwichen dem gestrûz
Ottok
8176;
nû machtin sich dî brûdre ûz / von Kungisberg ûf strîts gestrûz / mit alle
ires heris macht NvJer
11944
u.ö.
– übers. lat. seditio und tumultus
‘Aufruhr’
da machten si einen rat. daz si Ihesum mit valsch enthabten
vnd in ertoten. aber si sprachen ez sei niht in dem tage der hohzit. daz leiht iht
enwerde ein gestraüzze in dem volke [
Mt 26,5
]
EvAug
65,25
u.ö.
MWB 2 606,34; Bearbeiterin: Baumgarte
gestriuʒunge
stF.
übers. lat. seditio
‘Aufruhr’
vnd Pilatus saz zv gerihte daz geschaehe ir eischvnge. do
liez er in aber den dvrch den manslack vnd gestraüzzvnge in den charchere gesant
wart. den si erbaten. aber Ihesum gab er in zv ir willen [
Lc 23,25
]
EvAug
203,13
MWB 2 606,46; Bearbeiterin: Baumgarte
geströuwe
stN.
‘Stroh, Streu’
stramentum: gestroͮwe Gl
3:625,19
(BStK927)
MWB 2 606,52; Bearbeiterin: Baumgarte
gestrüete
stM. oder N.
‘Dickicht, Wildnis’ (?) (Glr.z.St. Koll. zu
struot):
ich bin die wulpynne uß dem gestruede Pilgerf
10497
MWB 2 606,54; Bearbeiterin: Baumgarte
gestruppe
stN.
übers. lat. stuprum
‘Unzucht, unehelicher Beischlaf, Hurerei’
und do dy sone von babylonien quamen zu ir zu dem bette irir
bruste, do entreynigeten sy se mit irim gestruppe Cranc
Ez 23,17
MWB 2 606,57; Bearbeiterin: Baumgarte
gestübere
stN.
→
gestöbere
MWB 2 606,62;
gestückheit
stF.
‘Zusammengesetztsein’
compositio: gestückeit VocAbstr
373
MWB 2 606,63; Bearbeiterin: Baumgarte
gestüedel
stN.
‘Gestell, Webstuhl’ (zu
studel
):
dye zaichenmeister sollen gien an das gestudel,
[...], und sollen geschawen dye breiten und dye zall der
fedem [Fäden]
UrkEichst
2,156
(a. 1319)
MWB 2 607,1; Bearbeiterin: Baumgarte
gestüele
stN.
auch gestule, gestole.
1 Koll. zu
stuol
‘(geordnete) Menge von Stühlen, Sitzgelegenheiten’
2
‘hervorgehobener Sitz, Thron’
3 Name eines der neun Engelchöre ‘Throne’
1
Koll. zu
stuol
‘(geordnete) Menge von Stühlen, Sitzgelegenheiten’
der helde nieman dô beleip, / si stuonden von dem sedele. / vil manege frouwen
edele / man daz gestüele rûmen sach Bit
12769.
5125;
uf daz velt zu Arrigân / dar was mit koste ûf den plân / ein gestôle sô
gemachet, / rîche ind ungeswachet, / dâr Acheloyde ûf solde sîn / ind mit ir manich
vrowelîn Crane
1151.
756;
daz gestuͤle und diu bette da si sazzen und lagen
PrOberalt
37,4;
Tr
17178;
RvEBarl
8949;
UvEtzWh
241
2
‘hervorgehobener Sitz, Thron’
nû daz der künic Prîamus / den hübschen man
[einen Spielmann] gehiez alsus / ûf sîn gestüele
sitzen, / seht, dô begund er switzen / von angestbæren sorgen [er saß
unter einem blanken Schwert]
KvWTroj
5559
u.ö.;
der künc gewaltic unde hêr / gienc an sîn gestüele wider / und
saz an daz gerihte nider KvWSchwanr
401.
– übertr.:
[Jesaja sagt:] ‘der hýmel ist min stuͦl
und daz ertrich min fuͦss schaͤmel’. dem wort antwúrt der
kúnig Salomon und sprichet: ‘dú reht sele ist ain gestuͤle der
wishait’ PrGeorg
129,9;
UvEtzAlex
24707.
– in weiterem Sinne:
er [der Erzengel Gabriel] mohte wol sprechen
daz si [Maria] vol gnaden waͤre; won si waz ain
gestuͤle und ain gezelt des obrosten gottes PrGeorg
75,28
3
Name eines der neun Engelchöre ‘Throne’
er gab iegelichem chôre sînen namen: / einen namete er engele,
den anderen hôchengele, / den dritten gestuole, [...]
Gen
10;
troni sprichet gestule; / der sibende kor ist sus genant. / vmbe die ist es so
gewant, / daz got wil an in sitzen / vnde iren geist erhitzen / mit gebruchunge wol.
/ si sint godes also vol / als ein gestule des ist, / der vf im sitzet zaller vrist
PassI/II
341,62;
PrZürich
1,121
MWB 2 607,5; Bearbeiterin: Baumgarte
gestüelede
stN.
md. auch gestûlde.
1
‘(ehrender, hervorgehobener) Stuhl, Sitz’
2
‘Webstuhl’
1
‘(ehrender, hervorgehobener) Stuhl, Sitz’
die frawe uff eym gesthulde / in schinden [l.
schînenden
] luften swebete Baldem
88;
dar quamen in dem selben zil / die engele an ir orden, / da in bereit was
worden / ir gestulde und ir stat PassIII
325,37;
ouch hiez der muotwillic man [Alexander] / ûf daz
gestüelde [vgl. gesæze (V. 24704 ), gestüele (V.
24707 )] stecken / zwei âs gar hôhe recken: / dar nâch die grîfen
ûf vlugen / und in gegen den lüften zugen UvEtzAlex
24711;
PassI/II
124,6
2
‘Webstuhl’
ouch han wir gesetzet, das man [...] vier einunger
[Aufseher] u̍ber ellu̍ wullinu̍
tuͦch setzen sol [...]. und sun der selben
[erg. zwene
] verhuͤten
[behüten (vgl. SchweizId 2,1795)] dis antwerk under
dien gestuͤlden in dien stubon und zwene zer walchun StRZürich(B)
188,26
MWB 2 607,41; Bearbeiterin: Baumgarte
gestüelen
swV.
‘Platz genommen haben, (fest-)sitzen’
min kint, ich bitte die ewige wiszheit, daz sú in dime
hertzen zuͦ huse vach und alles daz kreftklich dar us stosse, daz ie dar inne
gestuͤlet Seuse
423,17
MWB 2 607,58; Bearbeiterin: Baumgarte |