getürstelîchen
Adv.
‘kühn, verwegen’
ouch half im craft der minnin / daz er geturstilichin streit
Athis
C 45;
wie geturstliche [Glr.z.St.
‘vermessen’] / verbrach er dem rîche, / daz er bî
sînem eide lobt! Ottok
17009;
etwenne koset der geist mit gotte heimlich fru̍ntlich vnd
getu̍rstlich [unbekümmert, mit Glaubensgewissheit]
RvBib
40,9
MWB 2 646,57; Bearbeiterin: Czajkowski
getursten, getürsten
stN.
auch getorsten ( HeslNic 4876 ).
‘Kühnheit, Verwegenheit’
dem [
fursten
] sagten si
mit getursten, / der kunic niht enwolde / enperen, er solde / im leisten sîn reht
Ottok
73494;
LBarl
16410;
der babest hat under sinem hove / kardinale und bischofe, / der konic hat sine
forsten, / die mit vrevelen getorsten / uf disem erdriche leben HeslNic
4876;
JTit
5487,2.
– semantisch abgeschwächt:
ich pin tochter eins edeln fursten / der noch lebt in dem
getursten / daz er treit dez reichez chron Teichn
397,48
MWB 2 647,1; Bearbeiterin: Czajkowski
getürstic
Adj.
auch getörstig (
Lanc
235,5
).
1
‘kühn, verwegen’
2
‘begierig, (taten-) durstig’
1
‘kühn, verwegen’
daz ist vil grozzer, wizze Krist, / daz ieman so geturstick
ist, / daz er sich setzet wider got StrKD
1,50;
TrudHL
127,31;
si nam daz wunder, daz der hunt / wart alsô getürstec ie, / daz er betwanc den
beren hie, / der alsô michel was gesehen KvWPart
18407;
der nie gelernet ars que pars, / der wirt getürstiger denne her Mars, / der
aller vehter abgot was Renner
8790;
AugsbDritt
194,7.
– subst.:
sît ir iuch schuldec wizzet, vriunt Hagene, / sô sult ir belîben und iuch
vil wol bewarn, / und lâzet die getürstigen zuo mîner swester mit uns varn
NibA
1403,4
2
‘begierig, (taten-) durstig’
Schŷron der liez daz knebelîn [Achilles] / diu
grimmen tier niht vliehen. / er wolte ez dar ûf ziehen, / daz ez getürstic wære, /
und ez niht diuhte swære / strîtlicher sorgen bürde KvWTroj
6055.
6798.
11653;
jâ dâ ist er unser vatter nâch der gotheit und unser bruoder nâch der
menschheit. sô wir des gedenken, sô werden wir getürstig ze bittende PrNvStr
263,32
MWB 2 647,12; Bearbeiterin: Czajkowski
getürsticheit
stF.
auch getoͤrstikeit.
‘Kühnheit, Verwegenheit’
kunst vnd glu̍cke, / gedu̍rstikeit vnd mannes mu̍t, / dis
sint dem manne gewisse huͦt Krone
20513;
dis solt du dik an sehen und solt einen trehen wassers nút
mit friheit noch vermessener getoͤrstikeit getúrren nemen, denne mit
demuͤtiger vorchte Tauler
200,5;
do der legate gesach des bischofes getürstekeit und unlange mit im gekrieget
hette, do lies er die sache ligen vor schame und gesweig ir mit großen schanden
ClosChr
51,4;
BrZw
70;
BdN
28,29
MWB 2 647,33; Bearbeiterin: Czajkowski
getürsticlîche
Adv.
auch getörste-/getorsticlich, sowie -lîchen.
‘kühn, verwegen’
getorsticliche er [
Ioseph von
Arimathie
] in getrat / vnd vm den lycham Ihesu bat
EvStPaul
5322;
do kam der boͤs gaist zuͦ ir in den keller und sy vertraib in
getúrstiklich Stagel
23,4.
119,24;
swer under iu den allen gît / getürsteclichen sînen wec, / der dunket mich
frum unde quec KvWTroj
18569;
ClosChr
51,2;
Lanc
223,36.
–
di suze lere dine, / Crist reinir megede barn, / di ne wolde
din scalc nit ubiruarn, / do er uze sines uater lande / vil gestorticliche
irnande [sich traute] / in daz sware ellende
Litan
849
MWB 2 647,44; Bearbeiterin: Czajkowski
getürstige
Subst.
‘Mut, Kühnheit’
audacia: giturstige Gl
4:38,15
(BStK681);
Gl
4:132,22
(BStK391)
MWB 2 647,56; Bearbeiterin: Czajkowski
getusternisse
stN.
‘Gespenst, Trugbild’
des wanden si gwisse, / daz er were ein getusternisse, / daz den menschen
dicke trugit Glaub
1292
MWB 2 647,58; Bearbeiterin: Czajkowski
getwæde
Adj.
‘guten Willens, verständig’
horet [...] mine rede, / dy war ist
und gar getwede! Hiob
5018
u.ö.
– subst.:
di wisen und di getweden / uns sullen des entscheiden schir
Hiob
12666
u.ö.
MWB 2 647,61; Bearbeiterin: Czajkowski
getwædic
Adj.
‘gefügig, folgsam, zahm’
din volk daz ist dir undirtan /
[...] / wen biz iz werde getwedic, / so wiz im dar bi
genedic HeslApk
2315;
mache sô getwedic / dî heidin, daz sî icht durch spot / uns sprechin an:
‘wâ ist ir got?’ NvJer
9154;
di erste [gute Eigenschaft] ist gedult, daz der
mensche getwedic si undir der burdin des lidines Parad
62,28
MWB 2 648,1; Bearbeiterin: Czajkowski
getwædicheit
stF.
‘Sanftmut’
wirt einer suster it sweres ober [l.
oder
] it unmogeliches beuolen sie sal daz gebot intfan
mit getwedecheide [übers. lat. mansuetudo
]
vnde mit otmutkeide BrEb
68.
66
MWB 2 648,9; Bearbeiterin: Czajkowski
getwædigen
swV.
‘etw. zähmen, bändigen’
uil vaste si widerstunden / der unreinen sunden, / den fleiscelichen lusten /
under irn brusten / daz si getwedigeten ir fleisc / und gereinegeten irn geist
Glaub
3000
MWB 2 648,13; Bearbeiterin: Czajkowski
getwalte
Subst.
zu
twellen
swV.
‘Verzögerung, Aufschub’
tarditate: gitualti Gl
2:191,61
(BStK637);
Gl
2:191,61
(BStK665)
MWB 2 648,18; Bearbeiterin: Czajkowski
getwanc
stMN.
1
‘Zwang, Druck’ (s.a.
betwanc
,
betwinc
) 1.1
‘Drängen, Zwang, Gewalt’
1.2
‘Bedrängnis, Not’ (vgl.
getwenge
stN.) 2
‘Verengung, Engstelle’ (vgl.
getwenge
stN.) 3
‘Bauchschmerzen, Verstopfung’
1
‘Zwang, Druck’ (s.a.
betwanc
,
betwinc
)
1.1
‘Drängen, Zwang, Gewalt’
der chunich Hainrîch was ze den Nortmannen, / die er mit
michelem getwange / der toufe getwanc Kchr
15791;
her sluc her vnde dare / so dicke vnde so lange, / daz
von sime getwange / die crichen liden grozze not Herb
10236;
daz holz wider gît / sîn loup dem winder durch getwanc Georg
2043;
si [
Lavîne
] warte, wanne Ênêas / zû
quâme geriten, / des si unsanfte hete erbiten
[erwartet] / mit grôzeme getwange
[qualvoll (Anm.z.St.)]
En
11377;
Gen
2873;
Eckh
5:290,7;
SiebenZ
78;
UrkHohenz
3,201
(a. 1349).
–
‘Herrschaft, Bedrückung’
sich samnent manige fursten / wider unseren herren
Cristen. [...] ir gedwanc scuͦle wir zebrechen,
/ ir ioch werfen wir zetal Rol
7718;
in sîner êrsten vrîheit / wart al sîn vrîheit hin geleit:
/ der buoche lêre und ir getwanc / was sîner sorgen anevanc Tr
2085.
14416;
nu ist ez an ein ende komen, dar nấch ie mîn hérze ranc, / daz mich ein
edeliu vrowe hât genomen in ir getwanc MF:Eist
12:1,2.
– von Gott ‘Allmacht, Herrschaft’
alle ding gar sunder wanc / zuet [l.
ziuhet
] und meistert syn
[Gottes] getwanc Hiob
3364;
neigent úch under die almehtigen hant gottes, wan die
viende von der helle muͤssent sich neigen und boͤgen
[...] under dem herten getwange des almehtigen
gottes Mechth
7: 52,4.
–
‘Verfolgung’
ist oͧch daz deme schultheissen [...]
duhein gevangene entran in den spittal, der nachvolgen was
[Verfolgungen gab es] oͧch nuwen unce
an des spittals dôr. hinin entâtent sie kein getwang UrkStraßb
2:99,7
(a. 1288).
–
‘Acht, Bann’ (vgl.
getwincnisse
):
ez ist auch gesetzet, daz kain man niht langer in kainem getwange sein
sol denne ain viertail iares NüP
140.
56
1.2
‘Bedrängnis, Not’ (vgl.
getwenge
stN.):
si chômen in daz lant durh hungers gedwanch, / si chômen
fridelîchen, nieht wîchlîchen Gen
2152;
der bluome [...] danne werde erlôst / von des
strengen winters hant, / wan sô bristet sîn bant, / und stât danne den sumer
lanc / schône ân allen getwanc HartmKlage
848;
zwewir libi middilanc [zweier Leben
Vermittlung; vgl. auch Freytag, SuTheol. S. 126ff.] / obini
gnadi, undini gidwanc SuTheol
210;
Rol
614;
Kchr
15722;
Flore
170;
KLD:UvL
10:2,6;
Vät
12892
2
‘Verengung, Engstelle’ (vgl.
getwenge
stN.):
reht sam der wein seugt auz ainem viehteinne väzlein und daz
dâ verspunt ist, wann sô gêt der luft datz den engen
nüeten [Ritzen] ein und seust in dem getwang
BdN
108,30
3
‘Bauchschmerzen, Verstopfung’
swenne den wîben wê ist [...] umbe
den nabel oder an der geschaft, sô gewinnent si ein getwanch, daz si dunchet des,
daz si niden sî zesamene gebunden Barth
133,11.
153,5;
petersilge [...] loset den getwanc
der da ist uon deme plademe [Blähung] in deme grozen darme
SalArz
12,7;
di daz getwanc habin di suln nicht baden biz si di darme
gereinigint uon deme miste ebd.
25,51
u.ö.;
Albrant
1,22
MWB 2 648,21; Bearbeiterin: Czajkowski
getwanclich
Adj.
‘einengend, Zwang ausübend’
sie bieten den rukke sô siu fleihent daz getwanch gaistlicher
zuhte [La. getwancliche zuhte gaistlicher dinge; das
Leben nach der Disziplin der Ordensregel]
TrudHL
70,7
MWB 2 649,16; Bearbeiterin: Czajkowski
getwancnisse
stN.
auch getwencnisse.
‘Bedrängnis, Zwang’
daz ich ane getwenknisse, ane vorhte [...] vnd ane
allen argen list frilich vnd ledicliche [...] han
vercoͧft das vorgenante guͦt UrkCorp (WMU)
N100,29;
unreht gewalt, unrehtes vogtes getwancnisse, schelten unde spoten, swaz ez sî
daz man iu tuo, daz vergebet in luterlîchen durch got PrBerth
1:369,25;
Eckh(Pf)
392,26
MWB 2 649,21; Bearbeiterin: Czajkowski
getwancsal
stN.
auch gedwengesâl (
Spec
121,31
).
‘Zwang, Druck, Bedrängnis’
doch ist ez alsô dar komen von gewalt unde mit getwancsal
SpdtL
134,12;
âne getwancsal und âne ander geværde PrBerth
1:545,28;
UrkCorp (WMU)
29,3;
HvBurg
6077.
– sprichwörtl.:
Aristotiles: / ‘als edel ist des menschen muot, / daz er betwungen
ungern iht tuot; / man füert in baz denne man in ziehe: / getwancsal hœrt aleine ze
vihe’ Renner
11532
MWB 2 649,29; Bearbeiterin: Czajkowski
getwâs
stN.
‘Gespenst, trügerisches Wesen’
dich hât geriten der mar, / ein elbischez âs / dû solt daz übele getwâs / mit
dem kriuze vertrîben RvMunre
648.
1310;
er [der Drache/Teufel, vgl. Apc 12,7-9] ne comet
njemer mere / an di selben ere, / da er wilen ane was, / er ist ein bose getwas
Glaub
530;
der tufel Sathanas, / sin gespenste vnde sin getwas, / vz
eime bilde [Apollos] sprach Herb
3500.
12856;
LvRegSyon
2349.
– bildl. ‘kraftloser Schein, ein Nichts’
id [die Gegnerschar] was allet eyn gedwas / vur
Karlle als hey woulde stryden KarlGalie
7572
MWB 2 649,38; Bearbeiterin: Czajkowski
getwâse
Adv.
→
geswâse
MWB 2 649,50;
getwed-
→
getwæd-
MWB 2 649,51;
getwël
Adj.
Bed. unklar, evtl. ‘ruhend’ (zu
tweln
):
die rosen farwen muͤnd / sint da gar verswuͤnd / die liechten
kelen sinwel / die wissen arm getwel / die wol stenden hende / hant genomen ende
LS250
46
MWB 2 649,52; Bearbeiterin: Czajkowski
getwelde
stF.
→
getwerlde
MWB 2 649,56;
getwenge
Adj., Adv.
‘eng, eingeengt’
der himelvater, [...]den ummeslôz / ein kleine brust
getwenge, / gar sünden blôz Rumelant(R)
9:3,11;
er wolde sundir sparn / in einen andrin ordin varn, / der dâ wêre strengir /
zu traine [l. tragen
] und getwengir
NvJer
4668;
UvEtzWh
5805 La.;
WvRh
6303.
– Adv. ‘bedrängt’
als er zu mir disse wort / gesprach, ich viel getwenge / uf
die erde min lenge Daniel
6121
MWB 2 649,57; Bearbeiterin: Czajkowski
getwenge
stN.
vgl.
getwanc
1
‘Enge, Beengtheit’
2
‘Gebiet, Umfassung’
1
‘Enge, Beengtheit’
dô sî quâmen an die Nar [an den Fluss Narew] , / dâ
wart ein sulch gedrenge, / daz sich von dem getwenge / vil der ungetouftin / in der
vlût vorsouftin NvJer
21285.
25096;
ein vels grôz, / dâ daz wazzer durch flôz; / kreftic in dem getwenge, / gar
snel waz ez in der enge ErnstD
3557;
Gen
436;
MinneR30
615,3;
PassIII
373,39;
UvEtzWh
5805.
–
‘Bedrängnis’
swie manic nepfel [Becher Wein]
er getranc [
an gotes hohzît getrunken
hatte] , / so manigen tac leit er getwanc / von durstes
getwenge, / daz er des tages lenge / nimmer getranc
[...] wazzer
tran [Tropfen]
Vät
12893;
deme bûman er [Joseph als Verwalter
Potiphars] niweht innam / / mit unrehteme gedinge noh mit
neheinem gedwenge Gen
1857
2
‘Gebiet, Umfassung’
‘ [...] dem [runden, vollkommenen
Buchstaben O] bin ich glich’ spricht her
[Christus] ‘erkant, / und in miner crefte rant
/ hohe, tuefe, breite, lenge / bliben gar in min getwenge
[...]’ HeslApk
22928
MWB 2 650,1; Bearbeiterin: Czajkowski
getwër
stN.
‘Mischung’, hier evtl. ‘Temperatur’
nich nebrennet der sunne [...] / noch
diu mane fiuhtet dar ingegen uber naht, / da ne ist von luftes gedwere neheinere
slaht unmaht Himmelr
10,4
MWB 2 650,21; Bearbeiterin: Czajkowski
getwërc
stN.
(auch stM., z.B.
Eilh
3459;
Lanc
315,6
)
auch gezwerc ( Lanc ); Pl. getwerc
(z.B.
diu zwei getwerc Wig
3191
) und getwerge (z.B.
SAlex
6063
) sowie getwirge [:gebirge]
JTit
6109,2
).
‘Zwerg, kleinwüchsiger Mensch’
pigmei: gidwerch Gl
1:648,22
(BStK681);
vil lützel sîn ob dem satel schein: / grôze arme und kurziu
bein / hêt er nâch der getwerge sit Wig
6591;
vil schiere maz ich abe den lîp [Ottos IV.] nâch
sîner êre, / dô wart er vil gar ze kurz als ein verschrôten werk, / miltes muotes
minre vil danne ein getwerc Walth
27,2;
ein wildez getwerc NibB
493,2;
das was ein geczwerg kurcz und höferecht
[bucklig] und ußermaßen ungeschaffen
Lanc
604,12;
ein getwerc was in dem hove dâ, / daz selbe solte namen hân /
Melôt petit von Aquitân / und kunde ein teil, alsô man giht, / umbe verholne
geschiht / an dem gestirne nahtes sehen Tr
14238;
KvWLd
1,192;
Iw
5010.
– bildl.:
er ist dez gelovbin ein getwerc / swer hie siner hende werc / an bettet fur
einen got Martina
221,57;
dâ hât sîn rîterlîchiu kraft / geworht sô ellenthaftiu werc. / er ist vor
[im Hinblick auf] schanden ein getwerc Mai
192,4.
– als Koll. bezogen auf die Menschheit:
ane getwinc / tvot er menic bœse dinc / div niht muozlich sint / der svndige
menschin kint / darzvo menic svndic werc / tvot daz menschlich getwerc
Martina
116,20
MWB 2 650,25; Bearbeiterin: Czajkowski |