Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gewæge - gewaltheit    


gewæge Adj. ‘zugeneigt, gewogen’ wa ein apt ist tugentreich / der armer diener guͤtleich phlag, / dem waͤr man gunstig und gewaͤg Teichn 171,26. 256,18. – ‘günstig, passend’ uber die bezzerung [...] hat man gemeinem rat einen gewegen tach genomen uf den nahsten tach nach sant Martins tach UrkCorp (WMU) 482,18

MWB 2 681,47; Bearbeiter: Diehl

1gewæge stN. Koll. zu wâc. ‘Gewoge, Flut’ dem ane wazzir was gegebin / nah genaturtir art sin lebin, / das leit vil gar des todis not / und lac indem gewege [der Sintflut] tot, / lút und vihe, wilt und zam RvEWchr 798; herre sneke, ich [...] mvs mich immer missehaben, / irne helfet mir vber disen graben, nvne mag ich vor dem gewæge. / ja ich bin also træge: / ich enmach geswimmen noch springen. / [...] / nv enlat ivch niht verdriezen / irne helfet mir vber disen wac FabelCorp 19,33

MWB 2 681,54; Bearbeiter: Diehl

2gewæge stN. 1 allg. ‘Gewicht’
2 bezogen auf ein bestimmtes (regionales) Gewichtssystem ‘Gewichtseinheit’
   1 allg. ‘Gewicht’ wann er [Gott] alle dingk mit seiner weißhait mit geleichem gewäg [ equali pondere ] und mit gewisser zal unnd ordenung geordnet hat und gesetztt HvHürnh 18,7; mit gewissem gewage unnd masse als tzimlich ist ebd. 24,8; die sullen rihten über unrehtez mezen dâ man trinken mit gît, unde über elliu mez unde über gewæge, unde swaz man mit wâge wiget SchwSp (W) 4,3; StRReinf 74    2 bezogen auf ein bestimmtes (regionales) Gewichtssystem ‘Gewichtseinheit’ ain phunt wahs Sante Galler gewægs UrkCorp (WMU) 3220,22; wer all margen neusset sibenn gewäg wällscher weinpär, die wol süesß sind, der pedarff im nichtt fürchten von dem schleimigen siechtum HvHürnh 48,5; nim [...] cariofeles unciam. i piper eine vnciam. reoponticum. v pheninge gewage. costes. viii gewage. galgan. v pheninge. lorber alsvile Ipocr 220. – überw. ‘Münzgewicht’ si sprichet. froͤwent iuch mit mir. wan ich han minen phenninch alder min gewêge funden dc ich da hat ferlorn PrSchw 1,50; si gabin im von golde / sibinzig gewege dar, / damit er vil notiger schar / soldierte und manegen frechin man / in sine helfe mit gewan RvEWchr 19020; den gewalt ze messende alle maze wines vnd kornes vnd daz dar zuͦ gehoret, vnd alle gewege goldes vnd silbers RegisterLudw 374; vmb ain vnd zwanzig march guͦtes silbers rehtes geweges der stat ze Wintertur UrkCorp (WMU) 3240,25; verkoufet [...] umbe zweinzig und hundert marche silbers luters und genemes Basiler geweges UrkEidgen 180 (a. 1309); daz ist vmb vnrehtes geloͤt vnd gewæg vnd vmb alle di vnzvht vnd vnvug, di vnder den mvͤnzern geschieht in der mvͤnz UrkCorp (WMU) 2237B,4

MWB 2 682,1; Bearbeiter: Diehl

gewagen swV. gewahen stV.

MWB 2 682,36;

gewahen stV. (VI) , gewähenen swV. auch ge-wahenen, gewehen, gewenen, wmd. auch gewagen (vgl. MNW 2,1854). Das Präs. wird mittels der sw. Formen, das Prät. und Part.Prät. mittels der st. Formen gebildet (vgl. 1 5Ahd. Gr. §327 A.1; §346 A.2); st. Formen außerhalb des Prät./ Part.Prät. nur vereinzelt belegt (Imp. Sg. gewah Rol 1331 [La.]. 1362 [La.] ), ebenso sw. Formen außerhalb des Präs. (Part.Prät. gewahenet Kudr 1637,4 ). 1./3. Sg. Konj. Prät. auch gewege ( Lanc 166,6. 400,20; Erz III 176,345 ); 1. Sg. Ind. Prät. auch gewog ( Lanc 33,35), hier sowie in den geläufigen Prät.-Formen gewuoc, gewuogen besteht Interferenz mit (Neben-)Formen von gewëgen stV. 1 ‘etw. (jmdm.) sagen, jmdn./ etw. erwähnen’
1.1 meist mit Gen.-Obj.
1.2 mit Obj.-Satz
1.3 mit präp. Erg. ( von ) bzw. Präp.-Adv.
1.4 mit Akk.-Obj.
1.5 in der Wendung als jmd./etw. gewuoc häufig unter Ersparung des Obj.
1.6 mit Gen. und ze ‘etw. zu etw. erklären’
2 ‘an etw. denken’
2.1 mit Obj.-Satz
2.2 mit Inf. mit ze ‘gedenken, etw. zu tun’
3 sehr allg. eine näher bestimmte Handlung oder einen Zustand umschreibend
3.1 mit Gerundium im Gen. ‘etw. betreiben, tun’
3.2 mit Gen.- oder Akk.-Obj. ‘mit etw. umgehen, etw. anwenden’
3.3 mit Dat., wohl allg. ‘jmdm. zukommen’ (zu wëgen stV.?)
   1 ‘etw. (jmdm.) sagen, jmdn./ etw. erwähnen’    1.1 meist mit Gen.-Obj.: diz dinc ich sô verborgen / und alsô tougenlichen truoc / daz ich es keime man gewuoc KvWEngelh 6036; mit worten er des niht gewuͦc / zeichen zeigete er genuͦc Albert 1462; und gewehenest du mîn [verrätst du mich] , / ich slahe dir abe daz houbet [...]: / verswîgst ab du die reise, du maht sîn frum gehaben WolfdA 79,2; dit kint [St. Veit] was heilic und hate got lip und hate rechten kristen glouben, des in den gezîten kein mensche getorste gewehen HvFritzlHl 134,19. 21,6; [er] gewenit geystlichis synnis nicht Cranc Uzl 254,29. Uzl 255,27; gewaehne [La. gewah ] dere rede nicht mere Rol 1331; Rennew 33325; si wisten wol die wârheit, / daz im die helde wærn bereit / ze tuonne swes er in gewuoc [was er ihnen befahl] UvZLanz 7305; daz man sîn ze übele im gewuoc [von seinem Lieblingsfürsten Barachias ihm Schlechtes berichtete] RvEBarl 550; do sin [des Vertrauten] gewar wurden da / die lute die mich slugen, / ubel sie sine gewugen [beschimpften sie ihn (?)] Vät 22452; we hord iͤ sulichs wunders gewagen? MarlbRh 54,33; dô der junge, sîner swester sun, / sô kleiner schulde dâ gewuoc [sich bekannte] Wh 67,5; Parz 625,10; SpdtL 222,19. – mit fakultativer präp. Erg. (gegen, wider, zuo): vil dicke er des gein in gewuoc Parz 518,16; Ottok 17958; neheines arges er wider mich gewuog Gen 1953; BuchdKg 12,4; LBarl 8680; nihtes er zu im gewuoc Kchr 7485; RvEBarl 15651    1.2 mit Obj.-Satz: noch en haen ich neit gewagen, / we rechte dogencliche / des Bremundes lude van Affriche / streden ind vochten KarlGalie 2477; Galahot gebot im an die augen, das er nymer anderswo gewege wes bot er were oder ware er wolt Lanc 400,20; an nihte si gewuogen / daz dâ dehein zadel [Mangel] möhte sîn Wh 265,8; Pass III 187,22; StrKD 38,48    1.3 mit präp. Erg. (von) bzw. Präp.-Adv.: eines tages siu im gewuoc / von der âventiure nôt, / die ir veter ûz bôt UvZLanz 1710; dâ von wirt gewahenet nimmer mêre Kudr 1637,4; daz ich ir davon nie nicht gewuog SM:Te 10: 1,7    1.4 mit Akk.-Obj.: niement er [Joseph] doch das gewuͦg, / sin laid er haimlichen truͦg / und enwolt mit kainen mæren / Marien nút beswæren WernhMl 2393    1.5 in der Wendung als jmd./etw. gewuoc häufig unter Ersparung des Obj.: dî [Feinde] quâmen ouch, als er gewûc [wie der Gefangene gesagt hatte] NvJer 24042; als mir dise âventiure gewuoc / und ich her nâch ez mache kunt HvFreibTr 6092; als ih ê gewͦg RvEWchr 24256; als mir dú warheit gewuͦg ebd. 26717; Kröllwitz 1720. 2004; Pass I/II (HSW) 3868    1.6 mit Gen. und ze ‘etw. zu etw. erklären’ dem bâbest wirt diu rede zorn; / si wil volfüeren iren haz. / wand sô der bâbst erhôret daz, / dem tuot niht sô andes [den schmerzt nichts so sehr] , / sô daz si gewehent des landes / ze lêhen von dem rîch Ottok 4946    2 ‘an etw. denken’    2.1 mit Obj.-Satz: den wart von im gedanket vil. / es dûhte in mêre denne genuoc: / durch sîne zuht er nie gewuoc / daz siz tæten umbe reht Parz 12,24    2.2 mit Inf. mit ze ‘gedenken, etw. zu tun’ den vîrden [der wartliute ] sî gewûgen / zu lâzen bî dem lebbene, / ob er mit wârheit ebbene / in sagete, waz mêre / zu Littouwin wêre NvJer 24029; von ir [Marias] oͮgen gieng ain schin / so clar, so schoͤn und also fin / der alles sechen nider schluͦg, / ob iement zesechende si gewuͦg [sie anzuschauen gedachte] WernhMl 2498. – wohl hierher: langer dâ ze wesene ich wæn die frouwen dô iht [nicht] gewüegen [Hs. genüegen ] Kudr 1701,4    3 sehr allg. eine näher bestimmte Handlung oder einen Zustand umschreibend    3.1 mit Gerundium im Gen. ‘etw. betreiben, tun’ ein ritter sich an mir vergaz, / daz er die juncfrouwen sluoc / durch daz si lachens mîn gewuoc Parz 158,26; so die man slafen giengin / und ir ruͦwe ane viengen / und slafennis gewͦugen, / die múse in genuogen / den lip in des sitzis stat [zernagten ihnen das Gesäß] RvEWchr 22307; slâfens man zehant gewuok Nachtigall 148    3.2 mit Gen.- oder Akk.-Obj. ‘mit etw. umgehen, etw. anwenden’ also ret der kune: ‘myn styrck ich nye gewug [meine Stärke habe ich (bisher) nie gezeigt] , / eym noch dem andern geb ich dusenten stryts gnug.’ Alph 396. – offen zu gewahen stv 1 : des grôzen wortes, [...], / Keie dicke dâ gewuoc [Keie machte oft große Worte, war ein Aufschneider] HvFreibTr 2205    3.3 mit Dat., wohl allg. ‘jmdm. zukommen’ (zu wëgen stV.?): ê mâles im kein gewant gewuoc [vorher war Jesus ohne Kleider gewesen] , / dô mit dien geiseln man in sluoc WvRh 9422

MWB 2 682,37; Bearbeiter: Hansen

gewæhen swV. wohl allg. ‘Anteil haben’ schier deu pruderschafft zerinnet: / wie ez ainer pesser gewinnet, / der beginnt dw andern smaehen / und wil halt daz sy nicht gwaehen / chainer pruderschaft dar an Teichn 51,16

MWB 2 684,16; Bearbeiter: Hansen

gewahs Adj. ‘scharf’ (zu was Adj.): die Sahsen [...] / mit swerten wol gewahsen, [...]. / diu swert diu sniten sêre den helden an der hant NibB 198,2; mit stiche und mit swertes slegen / bestuonden si die Sahsen: / von swerten wol gewahsen / hôrt man slege erhellen Bit 10176

MWB 2 684,21; Bearbeiter: Diehl

gewahs, gewehse stN. ‘Gewächs’ rich gewæhs / von wuͤrtzen habens in ir lant WhvÖst 7740; swelche korner undern andern / in glîch gewechse sich verandern, / di mogen haben gelîche recht JvFrst 1764; di reine frouwe lobesam / bi sich in iren buͦsen nam / alles ir gewasses [von ihrem Gewächs, selbstgezogen] / gar cleine risten flasses Elis 3009. – zur Übers. von lat. genimen ( ‘Gewächs, Frucht’): ir slangen vnd gewehse der vipern EvAug 58,11; ich trink von nv niht von dem gewehse dises winstockes ebd. 67,8. – hierher als med. ‘Schwellung’ oder als ‘Kratzen, Stechen’ zu wasse stF. (?): der truckene huste ist wenne der man nicht uz resent. der geschit uon der kelen wechse. vnde uon grozer materie di leimich ist. [...] so der huste ist uon hitze. so ist in der kele ein gewechse daz tut we. vnde ist durst groz. vnde tut deme sichen di kalde luft wol so he in si get SalArz 44,31

MWB 2 684,27; Bearbeiter: Diehl

gewahsede, gewehsede stF., N. ( Lucid 136,19 ) auch gewahst, gewehst, gewessede. 1 ‘Wachstum, Wuchs, Gestalt’ (vgl. DWB 4,1,3,4709ff.)
2 als Ergebnis des Wachstumsprozesses ‘Frucht, Ertrag’
   1 ‘Wachstum, Wuchs, Gestalt’ (vgl. DWB 4,1,3,4709ff.): der ie ane zit was, / unter tagen gemert er sin gewahst VEzzo 196; si begunden chosten ange / sein gewæhste unde wie er wære gevar. / sein vlæisch was verswunden gar / von vasten unde von wahte Serv 1099; fon jare ze jare begunde iz [das Kind] sich meren / an der gewahste unde an der guote Adelbr 146; uon der gewæshde des chindes PrWack 26,15; do sprach der meister: die da lebendic werdint, die erstant. der iunger sprach: jn welheme altere oder in welheme gewessede? Lucid 136,19. 144,13. – bezogen auf ubera tua (Ct 7,7) ‘deine Brüste’ (vgl. gewahstuom ): dîn geuuást [Gestalt] íst glîch déro pálmon: únte dîne spúnne [La. geuuáchsede ] sínt glîch dén uuîntrûbon Will 121,1. – ‘Größe, Umfang’ ‘ir sült uns einen mermelstein [Marmorbecken] / gewinnen,’ sprach der meister dô. / des was der künic alsô frô, / er sprach: ‘daz tuon ich, meister mîn. / in welher gewehst sol er sîn?’ / der meister sprach: ich sag iu wâr, / er muoz sîn sô grôz zwâr, / daz ein halbez fuoder wîn / völliclîch möht dar in sîn EnikWchr 25294    2 als Ergebnis des Wachstumsprozesses ‘Frucht, Ertrag’ zwene sovme wizes wines dez gewehsdes von Kenzingen UrkCorp (WMU) 2482,10; zu deme meierthume hœrent sehs omen [Flüssigkeitsmaß, vgl. âme swM.] wines, die der meier mag nemen an gewehsede oder an cinsen WeistGr 5,430 (um 1300); UrkStraßb 2:263,3 (a. 1314)

MWB 2 684,45; Bearbeiter: Diehl

gewahsenheit stF. ‘Wuchs, Wachstum’ aber sô ez zuo nimet an bekantnüsse des vaters willen, sô ist er ime minr an schîne, daz ist an erbietunge ûzwendiges zartes, unt daz meinet vollekomenheit der gewahsenheit des kindes Eckh (Pf) 642,8

MWB 2 685,12; Bearbeiter: Diehl

gewahst stF. gewahsede

MWB 2 685,17;

gewahstuom stM. hier bezogen auf ubera tua (Ct 7,7) ‘deine Brüste’ (vgl. gewahsede ): dîn geuuást [Gestalt] íst glîch déro pálmon: únte dîne spúnne [La. gewasduom ] sínt glîch dén uuîntrûbon Will 121,1

MWB 2 685,18; Bearbeiter: Diehl

gewaht stM. ‘Erwähnung’ (zu gewahen ): da got sinen vluoch tuot, / da vellet er den hochmuot, / daz sin wirt dehein gewaht; / da zergat tage unde naht / allez geliche Hochz 751; die verworhtin muozin die hellenot / lidin mit sere, / kein gewaht wirt ir mere LAntichr 1160

MWB 2 685,23; Bearbeiter: Diehl

gewalke stN. ‘Kampf, Streit’ (zu walken stV.): ouch sant er mit im [dem Ordensritter Hermann Balk] , als ich las, / vîrzic brûdre ûzirwelt / unde manchin rischin helt / zu strîtis gewalke NvJer 5675

MWB 2 685,29; Bearbeiter: Diehl

gewalt Adj. ‘mächtig’ er [Joseph] ist uber al Egiptelant ein fiztuom gwalt. / geweltichlîchen er phleget al des ter chunich habet Gen 2494; ich bin der gotes sun / und han der dinge wol gewalt [La. und aller dinge wol gewalt ] ; / min craft ist also manicvalt / daz mir nicht widerstet Pass I/II (HSW) 20177; des lonte ir [Marthe] ouch der gute got / mit richen tugenden genuc, / do sich ir leben hin getruc / uf ein heilic alder / unde si ie gewalder / von tage zu tage an ir wart Pass III 337,28; Mügeln 26,15. – hierher oder zu gewaltære ?: nu was diu ein [Tochter des Königs] elter, / des wolt si sein gewelter, / do der vater vervuor Krone 7923

MWB 2 685,34; Bearbeiter: Diehl

gewalt stFM. 1 (auf Legitimation basierende) Verfügungsgewalt über Menschen und Güter in den verschiedenen Lebensbereichen (entspr. lat. potestas ), ‘Macht, Herrschaft’
1.1 in religiösen Zusammenhängen
1.1.1 auf Gott bezogen
1.1.2 bezogen auf den Teufel
1.1.3 einer der neun Engelchöre
1.1.4 bezogen auf heidnische Götter
1.2 bezogen auf Naturphänomene
1.3 in gesellschaftlichen Zusammenhängen (zur rechtl. stark differenzierten Verwendung vgl. DRW 4,675-697)
1.3.1 herrschaftliche Gewalt
1.3.2 ‘Herrschaftsbereich’ (nicht immer deutlich von 1.3.3 zu trennen)
1.3.3 im weitesten Sinne ‘Verfügungsgewalt’ (nicht immer deutlich von 1.3.2 zu trennen)
1.3.3.1 ‘Befugnis’
1.3.3.2 bezogen auf rechtliche Vormundschaft
1.3.3.3 ‘Amtsgewalt’
1.3.3.4 ‘Schutz, Obhut, Verwahrung’
1.3.3.5 im Sinn von ‘Eigentum, Besitz’
1.3.4 ‘Vermögen, Befähigung zu etw.’
2 negativ wahrgenommene, meist außerhalb einer Legitimation stehende Macht (häufig in negativ konnotierten Verbindungen, entspr. lat. violentia ), ‘Gewalttat, Gewalttätigkeit’
3 phras. (vgl. ausführlicher Friedrich, PhrasWB , S. 164f.)
3.1 ~ unde gewer(de) zur Bezeichnung von Verfügungsgewalt und Besitz
3.2 sprichw. (häufig in Verbindung mit genâde oder rëht , vgl. ausführlicher TPMA 4,459-469 )
   1 (auf Legitimation basierende) Verfügungsgewalt über Menschen und Güter in den verschiedenen Lebensbereichen (entspr. lat. potestas), ‘Macht, Herrschaft’    1.1 in religiösen Zusammenhängen    1.1.1 auf Gott bezogen: daz den gewæren namen drin / ein gewalt ân underscheit / mit drin namen sî bereit RvEBarl 10807; des vater und des sunes und des heiligen geistes ist ein natur, ein gewalt, ein gotheit, ein wille, ein werch PrOberalt 110,36; owi, Jesu, wie michel din tugende vnd din gewalt ist Konr 10,139; ich geben mich an des almehtien godes gewalt, / wande mine sunden sinth so manichfalt, / dat ich si alle nith nemach genennen SüklU 9    1.1.2 bezogen auf den Teufel: [Christus] si ledigot von des tiufels gewalt mit sinem hern pluͦt Konr 20,9; bitz du, groze vrowe, quemes / ind dem vinde sin gewalt benemes MarlbRh 37,6; des Endecristes gewalt ist also gros, das nieman ist sin genos Mechth 4: 27,125    1.1.3 einer der neun Engelchöre: er gab iegelichem chôre sînen namen: / einen namete er engele, den anderen hôchengele, / den dritten gestuole, den vierden hêrscefte, / den vinften namete er gewalte, den sehsten fursten, / einen namete er cherubîn, den anderen sêraphîn Gen 11; di ordenunge dar enmiten / in dru sich ouch geteilt hat, / als der gotliche rat / uf sin lob sie hat gehaft: / gewalt, vursten, herschaft Pass I/II (HSW) 37030    1.1.4 bezogen auf heidnische Götter: Vulkânus ist ein hôher got, / des gewalt in sîn gebot / betwungen daz gesmîde hât RvEBarl 9722. 9813    1.2 bezogen auf Naturphänomene: owê, winter, dîn gewalt wil uns aber twingen KLD: GvN 1: 1,1; der natûre grôz gewalt RvEBarl 6529; sô hêt der stern kreft und ander crêatûr kain gewalt gehabt über den menschen BdN 489,3. 428,4    1.3 in gesellschaftlichen Zusammenhängen (zur rechtl. stark differenzierten Verwendung vgl. DRW 4,675-697)    1.3.1 herrschaftliche Gewalt: imperium: gewalt vel gebot SummHeinr 2:341,01.09; genuoge liute hânt den site, / daz sie vil lobent und schône lebent, / sô sie ze grôzem gwalte strebent; / als sie in denne erstîgent, / daz sie von den êren nîgent / mit maneger slahte missetât Eracl 1850; dû scolt dir einen wîsen man suochen, / der nâh dir daz lant habe in sîner gewalt, / deme daz liut sî undertân Gen 2054; allen den den got geriht und andern gewalt hât gegeben ûf ertrîche SpdtL 149,20; swer lant unt liute hât gewalt, / der sî den slehten sleht, den manicvalden manicvalt RvZw 98,4; Persen ist mir undertân, / Parthis unde Indiân / di stênt an mîner gewalt SAlex 5677; so sol er daz selbe lehen von nieman anderm han wan von der herschefte, und sol enkain unser erbe gewalt hain daz selbe lehen ieman anderm ze lihene UrkZürich 7,65 (a. 1298). – bezogen auf die Macht der Minne: diu Minne nie gewan / grœzern gewalt an deheinem man Iw 1608; minne, dîn gewalt ist wît. / minne, ich bin dir undertân: minne, wis gewaltic mîn KLD:GvN 22: 4,6; minne ist sô gewaltec / daz ir dienent elliu lant: / ir gewalt ist manecvaltec KLD:UvL 30: 3,3; o minnebant, din suͤssú hant hat den gewalt, si bindet beide jung und alt Mechth 5: 30,7; frouwe guot, du hâst gewalt: / minne dienet dir vür eigen SM:JvW 3: 2,7; ir güete kêre mirz ze guote, / die mîn herze und al den lîp / âne valsch in ir gewalt betwungen hât SM: UvS 15a: 1,5    1.3.2 ‘Herrschaftsbereich’ (nicht immer deutlich von 1.3.3 zu trennen): er was geheizen Omin. / wîten ginc der gwalt sîn, / michil was sîn heriscraft SAlex 100; din gewalt wirt also wit, / daz dir in ertriche / nechein kuninc ne mac gelichen TrSilv 501; ich wil mich dâ hin neigen / dâ sîn gewalt ende hât / und mîner sêle wirdet rât Wig 8184; aller schatz under erde vergraben tiufer denne ein pfluoc gât, der gehœret zuo dem küniclîchen gewalt SSpAug 116,17; ein iklich man, der hus unde hof hat, der hat gewalt unde vride also verre, alse sine troufe vellet, daz da nimant gesten noch gevarn mac wider sinen willen StRFreiberg 33,23    1.3.3 im weitesten Sinne ‘Verfügungsgewalt’ (nicht immer deutlich von 1.3.2 zu trennen)    1.3.3.1 ‘Befugnis’ Zenophilus, min geselle, / wir sulen des sendes phlegen. / den gewalt hat uns geben / der riche keiser Constantin TrSilv 693; des küneges marschalc von Îrlant, / in des gewalt und in des hant / ez allez stuont, stat unde habe Tr 8730; die frauw hatt die burg in ir gewalt Lanc 204,20; er sol sô er aller baldeste mac ze dem rihter komen, unde sol sich in des rihters gewalt mit sînem lîbe ergeben SpdtL 140,6; die râtman haben die gewalt, daz sie richten uber [...] vnrechte wage vnde vnrechte schephele vnde uber vnrecht spisekovf vnde uber meynkouf UrkBresl 18 (a. 1261); welcheme brûdere von dem meistere oder von dem, der den gewalt von deme meistere hat, bevolhen wirt die sorge der sîchen StatDtOrd 33,13; wer aus der gewalt heirat, den pezzert mein frau [die Äbtissin des Klosters] nach genaden WeistGr 6,183 (14. Jh.)    1.3.3.2 bezogen auf rechtliche Vormundschaft: darzuͦ sprach er [Gott beim Schöpfungsakt] si [die Frau] solte wesen undir mannes gewalte / und allis dinges undirtan swaz ir gebute der man GenM 18,20; die zeit und der sun in dez vater gewalt ist, so mag er ân dez vater willen und wort sein erbtail niht versetzen noch verchumbern noch anwerden noch verchauffen StRMünch 284,3. – jmd., der gerichtlich durch einen Vormund vertreten wird: hat ein man gesinde, iz si knecht oder mait, di in sinem brote sin, he habe si gemietit und ungemiettit, di heizen sin gewalt, also daz he vor si klagen unde antwerten mac, ab he wil StRFreiberg 257,9; ist, daz ein man pfandunge irteidinget uf einen vormunden unde uf sine gewalt ebd. 147,15 u.ö.    1.3.3.3 ‘Amtsgewalt’ mir hat der kvnic riche / disen gewalt verlihen, daz er [bezogen auf gewalt ] si min. / ich sol hie ebtessinne sin ReinFu K,2145; dirre rat hat ouch den gewalt dise gesetzede ze bezzerne unde ze beswerene mit allen den dingen, damite dise selbe setze stete blibe WüP 7m,2; ez sullen oͧch die schephen, di iezund sind, sitzen in dem gewalt und sûllen allen den gewalt haben, den schephen durch reht haben sûllen UrkFriedb 115 (a. 1331); ein rihter niht mag schuldig wesen, / das er gen gote manslegig sî, / ob im der gewalt wonet bî, / das er über das bluot ze rihten hât Ammenh 5474; einen stab in seiner [des Büttels] hant. dô ist mit bezaichent der gewalt, den er von dem gericht hât, und sein ampt RbRupr 58. – daraus abgeleitet ‘Beauftragter, Stellvertreter’ da sant an einem morgen / der senat sin gewalt / das man in [Tarquinius] sold verderben, / ersterben Mügeln 355,4; tue wir des nicht, so schol in der herzog in Osterreich oder sein gewalt unsers guets als vil in antwurten da von si gerichten werden ir schadens gar und ganz mit unserm gueten willen an alle chlag und an allez furbot UrkPölt 340 (a. 1341); UrkHohenz 3,177 (a. 1348). 3,128 (a. 1344); StRFreiberg 78,13    1.3.3.4 ‘Schutz, Obhut, Verwahrung’ so schult ir ivch mineme trehtine beuelhin mit libe unde mit sele unde schult in vil innechliche bitten, daz er ivch in sinem gewalte habi unde daz er ivch bewâre uor deme leidigem viande Spec 83,5; sælde, vreide, herze, lîp / hât ich einem wîbe in ir gewalt gegeben SM:UvS 19: 1,4; sô sal man denselben schaz bewaren mit drîn slozzen unde mit drîn sluzzelen, der sol einer sîn in des meisteres gewalt, der ander in des grôzen commendûres gewalt, der dritte in des trisêreres gewalt StatDtOrd 97,32; ist dâ nieman der sich sîn [des Erbes] underwinde, sô sol es sich der herre underwinden mit sînen boten, unde sol daz guot in sîner gewalt haben jâr und tac unvertân, unde sol warten ob sich ieman dar zuo ziehe SpdtL 109,19. 125,5; SSpAug 210,20; OberBairLdr 35. – ‘Gefangenschaft, Geiselhaft’ des wart der rîter sigehaft. / in sîn gewalt muos er sich geben Wig 2137; Parz 287,29; he gaf sich in des vinds gewalt, / he ded im manschaf in sin hende MarlbRh 17,32; wir wollen uch die in uwern gewalt geben die uch diß gethan hant Lanc 97,36. 68,5. mich hânt gedanke manicvalt / sô genomen in ir gewalt, / daz ich beswæret sêre bin RvEBarl 13830    1.3.3.5 im Sinn von ‘Eigentum, Besitz’ das ditz puech den ungeleübigenn zehannden köme und ze dem gewalt [ ad potestatem ] der hochvertigen HvHürnh 3,9; nu bint unser secke ûf, und in swelches gewalte du in [den Becher] vindest den tœte BuchdKg 24,4; daz lêhen [des Geächteten] wirt dem herren ledic, [...], daz eigen dem küniclîchen gewalt, ob er niht erben hât SpdtL 119,8; wan, der sînen willen und sich selber læzet, der hât alliu dinc gelâzen als wærlîche, als sie sîn vrî eigen wæren und sie besezzen hæte in ganzem gewalte Eckh 5: 195,6    1.3.4 ‘Vermögen, Befähigung zu etw.’ pei dem gewalltt der verstandenhait [ apud potentiam intellectus ] ist nichtes nichtt müelich und alle ding sint wissenlich auf dem weg der weschaidenhait HvHürnh 26,6; ich han enheinen gewalt denne alleine, das ich súndegen mag Mechth 2: 24,60    2 negativ wahrgenommene, meist außerhalb einer Legitimation stehende Macht (häufig in negativ konnotierten Verbindungen, entspr. lat. violentia), ‘Gewalttat, Gewalttätigkeit’ stîg und wege sint in benomen: / untriuwe ist in der sâze, / gewalt vert ûf der strâze, / fride und reht sint sêre wunt Walth 8,25; KvWLd 2,47; beide gewalt vnde vnrecht Herb 2675; daz sî den kempfen bringe dar / der sî gewaltes bewar Iw 6034; doch ist ez alsô dar komen von gewalt unde mit getwancsal, daz ez nu reht ist SpdtL 134,12; haimsuche, diupstal, vraefel unde allen gewalt StRAugsb 13,18; owê gewaltes, den sî an mir begât! MF:Reinm 11: 5,16; die guotes vil / hânt mit rîcheit manicvalt: / die vürhtent weltlîchen gewalt, / und maneger arbeit überkraft / von ir guote und vîentschaft RvEBarl 5236; BdN 361,17. – oft in der Wendung mit ~ ‘mit Kraft, Gewalt’ mit gewalte niemen erwerben mac die maget NibB 57,1; [dass] in der ungefüege stich / mit craft und mit gewalte / zuo der plânîe valte KvWTurn 219; Herb 18136; he inwolliz dannin vuri mit unrechtir giwalt Mühlh 154,19; da brachen sie den vride an im unde an sime gute unde roubeten im daz abe mit gewalt oder stalen im daz abe dupliche StRFreiberg 134,6; deu frauwe hiet iez in ir gewalt gehabt, vntz sis der bischolf entwert mit gewalte [lat. sine iure ] UrkEnns 3,194 (a. 1252); trûren mit gewalte hât gankert in mîns herzen grunt KLD:BvH 9: 3,1. – ‘Heeresmacht’ der vil süezzen, der ich diene, / singe ich disen sang vor Wiene, / dâ der künig lît mit gewalt SM:KvL 5: 5,6; ô Terramêr durh Tybalt / ze Oransche kom mit dem gewalt / und iuch des hers vluot besaz Wh 252,12; Galahut sant im zwenczig tusent ritter. sie kamen mit großem gewalt den konig zu beschútten Lanc 237,13. mit ~ nëmen: wer dem ander sin tuͤr ufstoͤzzet und sin kannen abe brichet oder ander sin guͦt nimt, raublich oder dieplich, frevelich oder mit gewalt, bi naht oder bi tage WüP 40,3; daz er die schonen Elenam / zv crichen mit gewalt nam Herb 3518; sie namen Troylun mit gewalt. / doch werte sich der degen balt ebd. 5116; Athis D 43; diu gewaltærinne Minne / diu was ouch in ir sinne / ein teil ze sturmelîche komen / und hæte ir mit gewalte genomen / den besten teil ir mâze Tr 964; so wolt er komen und die kint mit gewalt nemen und yn beiden ir lip thun nemen Lanc 63,29    3 phras. (vgl. ausführlicher Friedrich, PhrasWB , S. 164f.)    3.1 ~ unde gewer(de) zur Bezeichnung von Verfügungsgewalt und Besitz: der selbe hat das gut land / in gewalt und in gewer HvNstAp 4364; ich wil die vil guoten flêhen umbe ein ding daz ich doch hân / in gewalt und in gewer KLD:BvH 17: 1,3; KvWSchwanr 475; daz ich den selben hof inne haben sol in gewalte vnd in gewer UrkCorp (WMU) 1121,11; demi man [...], die diz guit in giwalt undi giwerin heit Mühlh 120,5; swer ein guot in gewalt und in gewerde hât âne widersprâche vierzic jâr [...], daz ez der mit rehte iemer mêre haben sol PrBerth 1:574,18    3.2 sprichw. (häufig in Verbindung mit genâde oder rëht, vgl. ausführlicher TPMA 4,459-469 ): wan es ist ein altes wort, / das man ofte hat gehôrt: / swâ unadel gewaltes pfligt, / unart vil dik dem angesigt Ammenh 9687; weistu wol daz gnâde bî gewalte zimt? KLD:Rub 15B:3,7 (vgl. → genâde 6); ouch hand ir, waͤn ich, dik gehôrt, / das vor mir ist gesprochen ein wort: / pfersichboum, [und] unrehter gewalt, / das die [beide] kûme werdent alt Ammenh 9087; gewalt witzen an gesigt, / daz sprichwort wart bewæret dâ Ottok 31213

MWB 2 685,47; Bearbeiter: Diehl

gewaltære stM. gewalt Ausübender, Mächtiger’ wider arke noch alter / noch si niekein gewalter HeslApk 11812

MWB 2 689,44; Bearbeiter: Diehl

gewaltærinne stF. gewalt Ausübende, Mächtige’ (vgl. gewaltigærinne ): diu gewaltærinne Minne / diu was ouch in ir sinne / ein teil ze sturmelîche komen / und hæte ir mit gewalte genomen / den besten teil ir mâze Tr 961

MWB 2 689,47; Bearbeiter: Diehl

gewaltbrief stM. ‘Urkunde zur Erteilung einer Vollmacht’ si habent uns auch eingeantwort dy zwen gewalt brief, die in uber die egenant pflegnüsse in Kerenden von dem egenanten erwelten ze einem byschoff und dem capitel ze Bamberg geben waren UrkLudw 184 (a. 1337)

MWB 2 689,52; Bearbeiter: Diehl

gewaltelîn stN. Dimin. zu gewalt : tumpliche tuͦt er, der sich kegen sinen rechten herren setzet. / gewalt gesiget vil gerne an gewalteline Meissner 16:2,8; swâ sich gewalt gewaltelînen [Pl. (oder sw. Dat. Sg., vgl. Anm.z.St.)] / lât übercriegen unt die sînen RvZw 282,10

MWB 2 689,58; Bearbeiter: Diehl

gewalten V. zu walten stV. (VII) (überw. mit Gen.), auch sw.; gegenüber dem Simplex erweitertes Bedeutungs- und Konstruktionsspektrum unter dem Einfluss des Subst. gewalt und seiner Ableitungen (vgl. DWB 4,1,3,5097ff.). ‘Macht haben, Gewalt ausüben, verfügen (über jmdn./etw.); etw. in der Gewalt haben, besitzen’ 1 ohne Obj.
2 mit Obj.
2.1 mit Gen.
2.2 mit Akk.
2.3 mit Dat.
3 mit Präp.-Obj.
   1 ohne Obj.: sie wellent gewalten mere / durch werltliche ere Warnung 857; der zepter [das Z. der zur Regierung Berufenen] wil gewalten, / recht und unrecht zerspalten Frl 9:8,7    2 mit Obj.    2.1 mit Gen.: nieman ne mach sînen lîb / vor ime [dem Pferd Bucephalos] gesunt behalden, / swes iz mûz gwalden [den es in seine Gewalt bekommt] SAlex 357; wirde ich [Isaac] des wînes vrô daz ich gewalte mîner worto, / sô wil ich dich [Jakob] wîhen Gen 1121; Agomennonem sie baten, / daz er des hers gewilde / vnd diz folc an in gehilde Herb 2863; er spranc winsterhalben an ir wîzen hant: / houbet unde hals gie im vil vaste entwer, / dem gelîche, als der des lîbes niht gewalten mac Neidh WL 34:7,3; ich weiz wol daz groͤzerr tugent / uf erde nie kein wip gewielt [besaß] Rennew 10665; er sî gewesen sunder meil / der sunden, wan ungarbez teil / sîn nî gewalte JvFrst 1821    2.2 mit Akk.: der stein vortribet die gicht / und daz leben uf heldet, / also treit und geweldet / Jhesus Crist sine cristenheit HeslApk 21528; seit er denn nicht gewalten mag / daz gelukch untz auf sein end / noch daz ungelukch von hend / werffen mag Teichn 443,12; wie mag uns iemen gewalten [unter Druck setzen] / daz wir lân tugent unde got? WälGa 5208; RvZw 272,4. duo hiez er si wisen / zuo dem vronem paradyse, / [...] / unt ub siu daz behielten, / vil maneger gnaden si gewilten [teilhaftig werden] VEzzo 86; lebe unt tuͦ, / als dein vater habe getan! / der hat als ein getriwer man / unser ê behalten. / wir tuͦn dich noch gewalten / vil werltlicher eren Jüdel 186    2.3 mit Dat.: sît minne kraft hât sô vil / daz sî gewaltet [überwältigen] swem sî wil / und alle künege die nû sint / noch lîhter twinget danne ein kint Iw 1568    3 mit Präp.-Obj.: waz wider got gewalten wil, / daz wirt von in [dem Engelchor ‘Potestates’] vertriben Suchenw 41,1168; jr enwellent mit ir [Enite] gewalten, / so hat sie verdienet das, / daz an ùch mynne und der hasz / nymer sich geparierret Krone 24560; ist ez [das Pferd] des mundes ungehalten [ungezäumt ?] , / son mahtû niht mit im gewalten: / ez treit dich vil lîhte an die stat, dâ dû ungerne bist RvZw 265,5

MWB 2 690,1; Bearbeiter: Diehl

gewalterîche Adj. ‘machtvoll, kräftig’ Ninus der krefteriche man / so sere wahsen do began / das er wart der herste, / der rihste und der erste / der mit gewalterichir hant / begunde twingin do dú lant / uz wendig sinir marche zil RvEWchr 3414

MWB 2 690,51; Bearbeiter: Diehl

gewaltesære stM. auch gewaltscher. gewalt Ausübender, Mächtiger’ der gewaltesære, / der vrouwen kempfe Tr 11027; die sênatôren von der stat / und die gewaltesære / enwolten niht der mære / gelouben daz der reine Krist / in himel unde ûf erden ist / gewaltic iemer âne zil KvWSilv 2071; ir röuber und ir unrehten gewaltesære, die dâ arme liute verderbent unde verdruckent mit ir unrehtem gewalte PrBerth 1:260,37. 1:90,2. – einer der Engelchöre: nu fuor Marîa hôher baz, / bî daz si bekomen was / ze dem vierden chôre, der / geheizen ist Gewalteser WvRh 15326. 13055; dú driheit der anderen schar [der zweiten Hierarchieebene der Chöre] , die herscher, kreftger und gewaltscher Seuse 243,18; RvEGer 347(La.)

MWB 2 690,56; Bearbeiter: Diehl

gewaltesen swV. Intensivum zu gewalten ‘überwältigen’ swaer den andern beschadeget in sime chorn, ist daz bi der naht, wirt er daran begriffen, daz heizzet ein diupstal, mag er den gewaltsun, so sol man in in den stok legen StRAugsb 172,3

MWB 2 691,7; Bearbeiter: Diehl

gewaltheit stF. ‘Kraft, Macht’ er tet gualtheit in arme sinem [ fecit potentiam in brachio suo ] . er zefuorte die ubermuoten in dem muote hercen ire WindbCant 140

MWB 2 691,12; Bearbeiter: Diehl