gewaltigen
swV.
auch geweltigen.
1
‘jmdn./etw. überwältigen, in seine Gewalt bringen, beherrschen’
1.1 mit Akk.d.P. 1.2 mit Akk.d.S. 2 überw. in Rechtstexten ‘jmdm. etw. in seine Gewalt geben, jmdn. in seinen Besitz
einweisen’
2.1 mit Akk.d.S. und Dat.d.P. 2.2 mit Gen.d.S. und Akk.d.P.
1
‘jmdn./etw. überwältigen, in seine Gewalt bringen, beherrschen’
1.1
mit Akk.d.P.:
wan diz mer noch in deme libe unbe gat / vnde mich so
geweldigit hat / daz ich widir vweris herren man / negeine gote rede ne kan
Roth
1027;
wer zemit das wilde dier wende dez menshen wisheit?
[...] wer geweldiget daz wilde tyer wen dez menshen
vndersheit? SalHaus
33,19;
lîhteclîche er sich hete gelâzen überwinden unde gewaltigen mit den sünden
DvAOff
12;
‘so slag ich uch dot!’ sprach Hestor.
‘das mag wol geschehen’, sprach Persides, ‘so ir mich nu
gewaltigent.’ Lanc
440,5.
– auch ‘jmdm. Gewalt antun’
is aber daz ez sô ergêt, / daz mich gewaldeget oder slêt / der herzoge
Turnûs En
11732;
daz [...] etliche gent mit liehten verborgen
under iren menteln mit swerten, langen messern
[...] unde die lûte gewaltigent unde ubergriff
duͦnt UrkSpeyer
444,22
(a. 1347)
1.2
mit Akk.d.S.:
also wir in [die christlichen Kämpfer den
Heiden] entwichen, / so richtent si uf Mahmeten, / so
geweldigent si lant unde stete Rol
922
u.ö.;
der rauch [...] betrüebt die
gaist, daz der sêl kreft si nicht gewaltigen mügent in irn werken
BdN
8,29.
–
er [der Bär] geweltigot im
den arm, / daz flaisc er ime allez abe brach Rol
3077
2
überw. in Rechtstexten ‘jmdm. etw. in seine Gewalt geben, jmdn. in seinen Besitz
einweisen’
Margareta missa fuit in possessionem dicte hereditatis, id est wart geweldigit
UrkPrivR
109,4
(a. 1284).
– hierher?:
procurator [...] nomine procuratorio pro eisdem
institutus seu introductus sit potentia, que vulgariter gewelget appellatur
RegErzbKöln
4,378
(a. 1326)
2.1
mit Akk.d.S. und Dat.d.P.:
alle irdische krone / geweltige ich dir
[Roland dem Kaiser Karl] ze Rome
Rol
1849;
dat wir [...] si ouch ind ire erfnâmen an dat
vurschreven erve ind gût brengen ind dôin schrîven ind geweldigen nâ rechte ind
gewôenden der steede van Cölne UrkPrivR
149,25
(a. 1349)
2.2
mit Gen.d.S. und Akk.d.P.:
sint [danach] sie der richter der vrowen
vormunde, und gewaldige sie von gerichtes halben ires gûtes, des sie entweldiget
was SSp (W)
1:41;
zu hant dar nâh sal her in gewaldige sîner gewere ebd.
2:25,1;
ich [Claudas] sol uch
[Ban] machen ein gut teiding: geweltiget mich der
burg, und ich geb sie uch wiedder off solch rede das ir zuhant werdent myn man
und alles uwer lant habent von mir zu lehen Lanc
3,37
MWB 2 694,41; Bearbeiter: Diehl
gewaltlich
Adj., Adv.
‘mächtig, gewaltig’
sin [Japhet, vgl. Gn 9,27] rîche /
uil gewaltliche VMos
14,29;
er ne gehugte sines gewaltis [der König von
Ninive, vgl. Ion 3,6] , da er die gewaltlichen gotheit erchanti
Spec
63,6;
die mit gewalteclîcher [La.
gewaltlicher
] kraft / muosten ez beschirmen ie
RvEBarl
13010;
uns here [unser Herr] hat
geweltlich gevaren, / he hat zestört der stolzen scharen MarlbRh
76,5
MWB 2 695,26; Bearbeiter: Diehl
gewaltmeister
stM.
‘städt. Bediensteter mit polizeilichen und richterlichen Funktionen’
we darweder deit, [...], de gilt zein marck ze
boissen, half der stede inde half den geweldemeysteren UrkKöln (St)
1:50,13
(a. 1341)
u.ö.
MWB 2 695,35; Bearbeiter: Diehl
gewaltnëmære
stM.
‘jmd., der zum Mittel der Gewalt greift’
vnd also ist ez vmb einen dieb oder rauber oder vmb einen gewaltnemer vnd
twinger, die sind auch daz guͦt schuldig wider ze geben RechtssA
V26,157
MWB 2 695,40; Bearbeiter: Diehl
gewaltroubunge
stF.
‘gewalttätiger Raub’
alle gewaltroubunge ist mit gelodem [
omnis
violenta praedatio cum tumultu
]
Cranc
Jes 9,5
MWB 2 695,45; Bearbeiter: Diehl
gewaltsame
stF.
‘Herrschaftsrecht, Gerechtsame’
daz wir enhein gewaltsami habent vber daz vorgenande guͦt vnd die
lúte UrkCorp (WMU)
3426,25;
mit bænnen vnd mit getwingen, mit gewalzami, mit allen gerihten, div́
dar zuͦ hoͤrent ebd.
2021,4;
UrkRapp
296,12
(a. 1329).
– Gebiet, über das sich diese Rechte erstrecken:
alluͥ diu guͤter, diu in vnser gwaltsami gelegen sind
UrkGraub
5:210,13
(a. 1338)
MWB 2 695,48; Bearbeiter: Diehl
gewân
stM.
‘Vermutung, Glaube’ (vgl.
wân
stM.), hier in der Wendung ~
haben (mit Gen.) ‘etw. glauben, vermuten’
waz hilfet nu gesprochen / min bichte, wand ich habe des gewan, / daz mir got
nicht geruche lan / aplaz umb die missetrite Pass III
590,47
MWB 2 695,57; Bearbeiter: Hansen
gewanc
stN.
‘Bewegung’ (vgl.
wanc
stM.), hier wohl i.S.v. ‘Bewegungsfreiheit’
(?):
sô daz ez [das Tuch] ûf ir ahselbein / hangende her
abe schein / und ir die kel bedahte gar / und ir wengel liehtgevar / und ir schoene
tinne [Stirn] , / daz doch wengel noch kinne / noch ôren
hâten kein getwanc [La. gewang, vgl. aber Vorlage non
tamen aures, vel maxillum, vel mentum arcabatur illo
vello
]
WvRh
13604
MWB 2 695,63; Bearbeiter: Hansen
gewandære, gewendære
stM.
Händler, der (im Ellenmaß) geschnittenes Tuch verkauft (vgl.
gewantsnîdære
):
so ist auh der gewander reht, daz kain lodwaeber noh niemen
der gewant erziuget bi der ellen [im Ellenmaß] niht
verkaufen sol wan bi ganzen loden [das Stück Tuch als
Ganzes]
StRAugsb
42,1;
verkauffet ein gewander gewant unde enphilhet daz eime snider
ebd.
217,8.
41,29.
22,2;
wir die dritzehen gezunfte zu Spire, die ducher, gewender unde snider, die
rinkauflute, die metzeler [...] unde alle die, die in die
vorgenanten gezunfte horent UrkSpeyer
296,40
(a. 1327)
MWB 2 696,8; Bearbeiter: Hansen
gewande
stswF.
vgl. auch
2gewende
stN.
1 wohl ‘(langgestreckter) Acker’ , oder spez. ‘Anwandacker, Pflugwende’ ?
(vgl.
anewande
1 ) 2
‘Gegend, Gebiet’ (überw. als Reim auf lande )
1
wohl ‘(langgestreckter) Acker’, oder spez. ‘Anwandacker, Pflugwende’?
(vgl.
anewande
1):
diz ist das gut [...] 1 acker vf die anewende, vber
den kirrweg. item 1 acker in der Widen. item <1/2> acker uber den Ehenheimer
weg, in dieselben gewanden UrkEls
2,71
(a. 1299)
2
‘Gegend, Gebiet’ (überw. als Reim auf lande):
Duringer herre Ludewig, / lantgrave der gewande, / ein furste Hessen lande, /
ein palnzgrave in Sassen Elis
4531;
des quam uz deme lande / bi Marcburg der gewande / zwolf dusent armer lude dar
ebd.
7600;
alle die gewande / zu deme heiligen lande ebd.
4121.
5424
u.ö.;
die sollent fliehen uf gewande / der berge [
fugiant ad
montes Lc 21,21]
EvStPaul
9937.
– lokal begrenzt ‘Ort, Stelle’
enist ez niht, daz ich [...] minen finger nach
gewanden [dem Ort nach (?)] / niht in die stat der
nagel lege [
mittam digitum meum in locum clavorum Io
20,25]
EvStPaul
14583.
– spez. ‘Ortschaft’
in Galileen lande / zu Chana der gewande [
in Cana
Galilaeae Io 2,1]
EvStPaul
11102;
sin lumunt nu gebreidet wart / in aller der gewande, / die was in dem
lande [
in omnem locum regionis Lc 4,37]
ebd.
6380
MWB 2 696,20; Bearbeiter: Hansen
gewandelunge
stF.
‘Wechsel, Wandlung’
gewandelunge uon kalt in heiz SalArz
46,36
MWB 2 696,44; Bearbeiter: Hansen
gewanden, gewenden
swV.
‘jmdn. einkleiden, mit Kleidung ausstatten’
sag, waz wær aller welte leben, / würd in ir lîpnarung niht geben / von ires
povels handen? / wer solt sî dann gewanden? HvBer
9565;
gewente die nakten UvLil
259 ri 41;
der pflegvater soll das kind gewändten DWB
4,1,3,5288
(Amberger acten; a. 1334)
MWB 2 696,46; Bearbeiter: Hansen
gewandeshalp
Adv.
‘die Kleidung betreffend’
swie unhovebære / gewandeshalp er
[Rual] wære, / er was iedoch zewâre / an lîbe und an
gebâre / vollekomen unde rîch Tr
4030
MWB 2 696,53; Bearbeiter: Hansen
gewandet
Part.-Adj.
→
wanden swV.
MWB 2 696,57;
gewânede
stF.
‘Meinung’ (vgl.
wænen
swV.), hier in der Wendung in den ~ n
stân
‘einer Meinung sein’
er stuͦnt in den gewandin, / do er nicht mochte
gesigin, / daz er wolde da beligin / vnt er nicht genesin wolde Athis
C 68
MWB 2 696,58; Bearbeiter: Hansen
gewanken
swV.
→
wanken
(vgl. auch
wenken
)
MWB 2 696,63;
gewant
Part.-Adj.
→
wenden
swV.
MWB 2 697,1;
gewant
stN.
vgl. auch
gewæte
.
1
‘Kleidung, Kleidungsstück’
1.1 allg. 1.2 übertr. 2
‘Ausrüstung, Ausstattung’
3
‘Tuch, (Kleidungs-)Stoff’ (hauptsächlich in Rechts- und Urkundentexten belegt,
meist nicht sicher von
1
zu trennen)
1
‘Kleidung, Kleidungsstück’
1.1
allg.:
deme libe ist durft daz in daz gewant werme behalde
SalArz
22,34;
ir bette hiez sie ir bereiten, /
[...]. / dar an legte sie sich sân / in allem ir
gewande Eracl
3107;
man spricht, daz ain pabist, Alexander, ain gewant het,
[...], und wenn man daz rainigen wolt, sô wuosch
man ez mit anderm wazzer niht, dann daz man ez in ain feur warf
BdN
278,6;
der het an im alsolch gewant, / ob im dienden elliu lant,
/ daz ez niht bezzer möhte sîn Parz
225,9;
daz gewant des ordens SpitEich
21,4;
StRBrünn
360;
Roth
1185.
– auch von Kampf-, Schutzbekleidung (meist mit entsprechenden
Ergänzungen):
si [Brunhild] swanc in [den
Stein] krefticlîche verre von der hant: / dô spranc si
nâch dem wurfe, daz lûte erklang ir gewant NibA
435,4.
422,2.
423,3;
strîtlîch gewant NibB
888,4;
ein wâfenlîch gewant ebd.
1695,3;
da ne was nehain isenin gewant, / nehain
stalhuͦt / nie so ueste noch so guͦt Rol
5408;
von stahelringen ein gewant KvWTroj
3705;
ein stehelîn gewant KvWTurn
426;
GTroj
2613.
– allg. als hochwertiges Gut (in einigen Belegen könnte auch ‘Tuch,
Stoff’ gemeint sein, vgl.
3
):
er gap gift vber gift, / ros, gewant, silber, golt
Herb
3165;
iegelîcher was sô rîche / an rossen und an gewande, /
an bürgen und an lande, / daz im nihtes gebrast Wig
213;
sîneme vater er sante sam vile scatzes jouch gewant
Gen
2482;
GrRud
Gb 23;
VAlex
523
1.2
übertr.:
güete, schœne und êre, / dâ bî reinen muot, / diz
gewant treit diu vil hêre KLD:GvN
38: 1,7;
daz er der sêle gewant, / den lîp, behielte reine
RvEBarl
11970;
diͤ dügde [l.
tugenden
] sint der seln gewant
MarlbRh
113,29;
die geschrift der rede ist ain gewant
HvHürnh
70,1;
Vät
39550.
– i.S.v. ‘(trügerischer) äußerlicher Anschein’
vil manic laster und manic schande / wirt verborgen in schœnem
gewande Renner
12740
2
‘Ausrüstung, Ausstattung’
daz swert ist ain riterlich gewant, / iz zimt wol in iwer
hant Rol
5577;
den daz vingerl unt der stap ist geben / unt ander vil
bezäichenlîch gewant, / dâ von si bischof sint ginant Erinn
63
3
‘Tuch, (Kleidungs-)Stoff’ (hauptsächlich in Rechts- und Urkundentexten belegt,
meist nicht sicher von
1
zu trennen):
welch gast her in di stat [...] vurt shone gewant,
der shal gebin von dem tuche ein halbis scoth UrkBresl
111
(a. 1327);
verkauffet ein gewander gewant unde enphilhet daz eime snider
StRAugsb
217,8;
der [
asch
] ist
[...] den värbern guot, die gewant und ander dinch
värbent BdN
324,9;
StRFreiberg
252,3;
StRBrünn
389
MWB 2 697,2; Bearbeiter: Hansen
gewantgadem
stN.
1
‘Kleiderkammer’ (übers. lat. vestiarium ) 2 wohl eine Verkaufsbude oder ein Gebäude zur Lagerung von Kleidung bzw. Tuch (vgl.
gadem
und FWB 6,1840)
1
‘Kleiderkammer’ (übers. lat. vestiarium):
di nidercleit dis di in weg werden gisant von giwangadim
nemin div widerkominde giwasscin da si widergebin BrZw
55
u.ö.
2
wohl eine Verkaufsbude oder ein Gebäude zur Lagerung von Kleidung bzw. Tuch (vgl.
gadem
und FWB 6,1840):
das Elbracht uf der Hovestad [...] derselbin Cysen
hette gesast ire lebetage zwo marg geldes, die sint gelegin uf der Bulczen hus und
uf eyme gewandgademe UrkFrankf
2,484
(a. 1338)
MWB 2 697,53; Bearbeiter: Hansen
gewantkamer
stswF.
1
‘Kleiderkammer’ (übers. lat. vestiarium ) 2 ein Gebäude, wohl ‘Gewandhaus, Tuchhalle’
1
‘Kleiderkammer’ (übers. lat. vestiarium):
wan sie [die Mönche] daz nuwe
[Gewand] entfaent so sollen sie daz alde wider
antwirtin in die gewant camere BrEb
55
u.ö.
2
ein Gebäude, wohl ‘Gewandhaus, Tuchhalle’
Ruͤgers stuben des Haemler [...] dev da stet
auf [bei] der gewant chamer vnder den Lauben
UrkWSchott
223
(a. 1340)
MWB 2 697,63; Bearbeiter: Hansen
gewantkeller
stM.
Keller, in dem mit Tuch/ (Kleidungs-)Stoff umgegangen wird (Lagerung, Zuschnitt,
Verkauf o.ä.):
ein phunt geltes leit ouf hern Chunratz des tuechscherer hovs, daz da leit bei
des Scherautz gewant cheller an dem Hohenmarcht UrkKlostern
1,259
(a. 1336)
MWB 2 698,7; Bearbeiter: Hansen
gewantmarket
stM.
‘Tuchmarkt’
das nieman vf kainem marchte [...] sol da chain
linwat verchoͮfen, wize noch rowe, wan trie tage vor dem gewandemarchte
UrkCorp (WMU)
1102,25
MWB 2 698,13; Bearbeiter: Hansen
gewantmeister
stM.
Verwalter der klösterlichen Kleiderkammer (hier bildl.):
in der sele closter sol Got únser herre prior sin, beschaidenhait
subprior, [...] demuͤtkait gewant maister
PrGeorg
339,15
MWB 2 698,17; Bearbeiter: Hansen
gewantsnîdære
stM.
Händler, der (im Ellenmaß) geschnittenes Tuch verkauft (vgl.
gewandære
):
swer ouch gewant snîdet, er sî gewantsnîder tûchmacher oder shröter, der schol
sîne elle tychte [d.i. tihten
‘eichen’
] nâch der stat elle UrkZeitz
53
(a. 1322);
waz rehtes die gewantsnider haben suln StRAugsb
2,34;
nu sal man bi der elin / gewantsnidere zcelin PfzdHech
293,30;
StRBrünn
388.
– als Gl. zu lat. sartor
‘(Flick-)Schneider’ (vgl.
snîdære
):
sartor: gewandsnider [La. schnider
]
VocOpt
17.046
MWB 2 698,21; Bearbeiter: Hansen
gewantsnîden
stN.
‘Tuchhandel’ (mit Schnittware):
von deme gewantsnidene: nieman sal gewant sniden zu Erforte dan
[...] undir den gadimen UrkCorp (WMU)
1161A,11
MWB 2 698,32; Bearbeiter: Hansen |