g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
1gewer
stF.
(stN.
UrkCorp (WMU)
1979,3;
swF.
Mühlh
128,7.
120,5
)
‘Gewere; Besitz, Besitzrecht, Innehabung von Gütern’ (zur rechtssprachlichen
Differenzierung vgl. DRW 4,635-653; zur Sache 2HRG 2,347-352):
1 allg. 1.1 der aus einem Anspruch resultierende Nutzen 1.2 speziell ‘Besitz, Grundbesitz’
1.3 bildl. 2 in Wendungen 2.1
stille ~
‘ungestörter, unangefochtener Besitz’
2.2
gewalt unde ~
2.3
nuz unde ~
1
allg.:
swaz varnde guot heizet unde hât daz ein man in sîner gewer
driu jâr âne rehte widersprâche [...], sô hât er ez mit
rehte SpdtL
123,7;
wil aver er ez im gar stæte machen [will jemand
einem Freund ein Gut dauerhaft übertragen] , sô
setze [er] im einen zins drûz. dâ mit hât er
[der Nutznießer] die gewer in sîner hant und enmac daz
guot niht verliesen mit rehte ebd.
98,22.
227,20;
SSpAug
227,20.
227,26;
mansum unum [...] pro signo investiture, que vulgo
gwere dicitur, possidendum in presenti et in proprietate omnimoda tenendum donavimus
UrkSteierm
1,709
(a. 1190);
suln die herren schaffen, daz in der rihter in sin gewer setze DRW
4,637
(Rockinger,Dm.; a. 1300);
StRMünch
358,22;
UrkBern
6,617
(a. 1341);
GTroj
25105.
– mit Angabe zur Art bzw. der Begründung der Gewere:
geb auer ich in der fumf march silbers niht ze phinchsten, so schullen si
die selbe hvͦbe inne haben in sazvnge
[vertraglich] gewer UrkCorp (WMU)
N757,31;
den vorgnanten mulhof haben wir inn verkauft
[...] als wir in in rechtes purkrechts gwer enher
pracht haben UrkPölt
404
(a. 1348).
302
(a. 1332)
1.1
der aus einem Anspruch resultierende Nutzen:
were ouch, das der walt eicheln truͤge oder ander gewer, genant
eckern UrkCorp (WMU)
1047,45
1.2
speziell ‘Besitz, Grundbesitz’
vnd sweder teil wil, der sol vffen siner gewer ein mûr muron dur schirne
[zum Schutz]
UrkCorp (WMU)
550,29;
wirdet ein man beklaget vmbe schult [...], vnd ne
habet her [der Richter] des geweddes
[Bußgeld] noch der schult nicht, her vronet
[beschlagnahmt] sine [des
Schuldners] gewere, daz ist sin hûs ebd.
51,8;
der rat ist uͤber ein komen [...], das
niemer enhain úberschutz ze Zúrich gemacht sol werden noch
gebuwen gegen strazen noch gassen, von holze noch von gemúre noch mit
stiffen tischen [stabilen Brettern] , stangen oder
swirn [Pfählen] fúr die gewer
[über die Grenzen des eigenen Grundstücks hinaus]
StRZürich (B)
141,29
1.3
bildl.:
ir minne hât an im gewer. / diu sol behalden sînen lîp: /
wan sist im holt für elliu wîp Parz
87,14;
wir sin wider geerbet / an unse alden wonestat, / da her
Adam abe trat. / der tuvel ist da von getriben, / wir sin in den gewern bliben /
[...] / so daz wir suln mit truwen / uf diser erden
buwen HeslApk
10024
2
in Wendungen
2.1
stille ~
‘ungestörter, unangefochtener Besitz’
swer stille gewer bringen wil an einem gvͦt UrkCorp (WMU)
475AB,21.
– überw. in der Wendung in stiller ~
‘unangefochten’
ob ein man kaufet âne sîn wizzen diubisch guot unde
hât daz in stiller gewer lenger danne driu jâr: ist daz sîn ze reht oder
niht? SpdtL
124,15.
123,19;
wie lange ein man ein gut in stiller gewer an alle
ansprache haben sol StRAugsb
7,23;
swaz guͦtes ein burger besezsin hât vridelich vnd in stiller
gewêr iar vnd tag UrkCorp (WMU)
1671,43;
StRMünch
44,8.
– übertr.:
dri hundirt wepenere gutir freidiger rittere unde knechte
[...] di zogen in daz stetichin daz undir der
borg lag in stiller gewer [friedlich] unde leiten
iz an mit fure Köditz
37,23;
die frauwe in ir stillen gewer / truc die selben
swere [Medea, äußerlich ruhig, war wie Jason in Liebe
entbrannt]
Herb
780
2.2
gewalt unde ~
:
suilich man heit recht eigin
[...] in giwalt undi giwerin iar undi tac
unvirsprochin Mühlh
128,7.
120,5;
vnd [wir] haben im dc dorf in sine gewalt vnd
sine gewer geentwúrtet UrkCorp (WMU)
144,39;
daz er uns des gab brieve dô / daz wir des landes wielten
/ und iemer ez behielten / beid in gewalt und in gewer KvWSchwanr
475;
Erlös
1531;
Lanc
516,5.
–
ich wil die vil guoten flêhen umbe ein ding daz ich
doch hân / in gewalt und in gewer, / daz si lîhe mir ze lêhen KLD:
BvH
17: 1,3
2.3
nuz unde ~
:
swer hat nvtz vnd gewer an aigen od an erbe UrkCorp (WMU)
1100AB,34;
gebt mir wîsung unde rât, / wie ich der lande drât / kom
in nutz und gewer Ottok
22228.
3927;
wie man nuͤtzz und gewer auf aigen verantwurten
sol StRMünch
317,14;
waer aber iemant, der sein aigen oder sein lehen
verantwurten wolt, dez er pey nutz und pei gewer gesezzen waer, als meins herren
puͦch sait, dez sol er auch geniezzen ebd.
358,29
u.ö.;
SpdtL
114,21
MWB 2 710,60; Bearbeiter: Richter
2gewer
stF.
‘Gewahrsam, Verwahrung’ (vgl.
gewar
stF. und
1gewerde
):
nuͦ herwuschte [ergriff] her Gawein das
schochzabel brett / under dem zü wehre, / wann in der jumpfrauwen gewehre, / was sin
swert und sin sarwat Krone
18870;
an Gawein si [das wilde Weib] vil gah lief, / under
arm si in swief, / da er stuont gen ir ze wer, / und nam in in ir gewer, / daz er
sein nie wart gewar, / wie si wær chomen dar ebd.
9428a.
4957;
er [Odysseus] hete ouch niht wen
einen son, / der Thelemacus hiez. / den selben er vuren liez / harte verre in daz
mer / vnde hiez in halden in einer gewer / mit sulcher hute, / daz er in niet en
mvte Herb
18269
MWB 2 712,20; Bearbeiter: Richter
3gewer
stF. (N.
Reinfr
9340;
VAlex
887
)
1
‘Abwehr, Verteidigung, Schutz’
1.1
‘Wehranlage’
1.2
‘Waffe, Bewaffnung’ (auch übertr.) 2
‘Wehrhaftigkeit, Kampfkraft’
1
‘Abwehr, Verteidigung, Schutz’
sie [...] schuffen ir gewer / kegen dem kreftigen her
En (FSch)
6345.
4540;
den [Troilus] bat man leren / vn
wisen daz her, / beide zv strite vnde zv gewer Herb
4678;
der wahter sint viere / die den turn bewachent, / und sich in diu wer
[La. gewere
] machent / sô sie werdent
gewar / daz iht lebendes kume dar Flore (S)
4280;
Jhesus, únser loͤser; der wiset die bekorten
ie zuͦ der gewer [er fordert die in Versuchung Geratenen immer
wieder zur Verteidigung auf]
Mechth
4: 3,59;
StRZürich (B)
136,10
u.ö.;
Krone
13449.
– in der Wendung sich zuo ~ setzen (vgl.
5wer
stF.) ‘sich zur Wehr setzen,
verteidigen’
do [...] sich der herre Eneas / vaste sazte zu
gewer, / do quam Turnus her / beide zu rosz und zu vüsen En (FSch)
5003;
[Penthesilea] lief gein Pirro wert. / do satzete sich
Pirrus zv gewere Herb
14813
u.ö.
1.1
‘Wehranlage’
Alexander steich ûf daz obrist gewer / unt gebôt den sturm
uber al daz here VAlex
887;
nû hâten die von der stat / ir türne werlîche besat / mit
starkem geschütze guot / wâren ir gewer behuot / und wol bewart ze wer ir tor
RvEAlex
8896.
3436;
es solent oͮch die vorgenanten bruͦder dekaine mure noch
dekaine gewer umbe den selben hof dez huses ze Uberlingen machen UrkCorp
(WMU)
532AB,43;
sô die mûre ûf getribin ist, sô vestint man die burc mit
grabin, mit gewere, mit andirn dingin, die dâ zû hôrint PrMd (J)
352,18;
Will
58,1 La.;
Herb
8877.
16088;
RvEWchr
27691.
– hierher?:
e er [Antenor] diz
mere [Priamos’ Forderung, Hesione
zurückzugeben] hette gesaget, / so wart er dannen
vuriaget [von Castor und Pollux] / an sine
alde gewer, / wider vf daz mer [ironisch: das Meer als einziges
Refugium (?)]
Herb
2009
1.2
‘Waffe, Bewaffnung’ (auch übertr.):
ieder man als er dâ was / gewâpent oder blôzer saz / ûf pherît ors gar
sunder wân. / swaz er gewers dô mohte hân, / swert sper und geschütze, / swaz
zuo der wer was nütze, / des wart dâ niht vergezzen Reinfr
9340;
mit geschutze er [Xerxes] zv
allen ziten streit; / er hette anders deheine gewer; / also enhette auch sin her
Herb
4059.
2148.
4242;
mit geczuge und mit gewer Hiob
11782;
StRFreiberg
233,18;
wir [...] suln stebe haben an den handen. daz ist
die geistliche gewere PrLpz (L)
62,31.
–
‘Rüstung’
von der gewer und von den waffen. [...] pei
wem der richter begreift ein pantzier, ein platen, ein helm, ein
peckelhauben oder semleich gewer, do man nicht mit sticht oder slecht, die
nimt der richter StRBrünn
396;
hierher ?:
des gingen wir beide ane gewer / vnde ane waffen
Herb
18045;
an gewere vnde ane swert ebd.
18020
2
‘Wehrhaftigkeit, Kampfkraft’
Ellegast [...] hyewe in den stunden / Eckerich dyeffe
ferchwunden. / herczogen Eckerich wart sin gewer [Abwehr,
Widerstand] kranck KarlElegast
1762;
so was der buschoff ind syn her / mit harde starcker gewer / zo der muren yn
gestegen KarlGalie
13225;
dat sy balde mit gewere / den Vrantzosen zo helpe quemen ebd.
2427
MWB 2 712,33; Bearbeiter: Richter
gewër
stF.
(sw.
Mühlh
133,7;
Ottok
17828
)
s.a.
gewar
,
gewarheit
und
1gewer
. Die Zuordnung und Bedeutungsbestimmung ist
nicht immer mit Sicherheit vorzunehmen. Meist in Rechtstexten.
1
‘Gewähr, Gewährleistung, Bürgschaft, Sicherstellung’
1.1 allg. 1.2
‘Gewähr, Gewissheit’
2
‘Gewährung’
3
‘Wert’
4
‘Zustand’ (?)
1
‘Gewähr, Gewährleistung, Bürgschaft, Sicherstellung’
1.1
allg.:
der ist eyn dieb oder eines diebs genosse. der eynen kauf bekennet und der
gwær laugnet SchwSp
92b;
swer um ungerichte beclagit wirt, die bidde zu êrst der gewere SSp
115,25;
obligamus insuper nos faciendo eidem ecclesiae in Burgelino plenariam
warandiam, que vulgariter dicitur gvere UrkBürgel
132
(a. 1283);
DRW
4,649
(MünchenRArch.; a. 1321);
is abir daz su giteilit han sogitan erbiteil, alsi su
anigierbit is von vatir undi von mutir, so sulin su zu rechti giwerin tu ein mi
andirin, alsi ein vremidi mi andirin Mühlh
133,7.
129,21;
von kouffmannes gewere [...]: ‘ wer eyn
phert vorkoufft, der ist nicht mehir phlichtig zu geweren, wen stetig
[unwillig, zu gehen] unde starblint, unde
unrechtis anfangis’, das ist: ungestolin und ungeroubit RbMagdeb
412,31
u.ö.;
SpdtL
137,23.
231,11;
er [der König] sol niht swern,
/ für daz er in gewern / daz rîche hât gevazzet [er soll das nicht
beschwören, zu dessen Bekräftigung er den Namen des Reiches herangezogen
hat]
Ottok
17828;
der kunic grobelich erschrac, / wand sich daz volc zu houfe nam / und mit
gewalt uf in quam. / si sprachen ‘nu gib durch gewer / uns din tochter
balde her, / oder du must ligen tot’ Pass III
255,17
1.2
‘Gewähr, Gewissheit’
mensche, du salt des gewer / haben von gotlicher macht: /
keine mezse wirt volbracht, / geschicht gesche darunder, / zwei wunderliche
wunder Daniel
6790;
engele sint ouch unse hutere, / des han ich an der
schrift gewere: / angelis suis mandavit de te ut custodiant / te in omnibus viis
tuis [Ps 90,11]
Brun
6668.
6674;
Salomôn der wânde nie / er wær ze wîs: sô wænent die / wîse sîn den nihtes
niht / anders ze wizzen geschiht / wan sprechen nâch einer gewer
[Aussagen von Gewährsleuten o.ä. wiederholen]
WälGa
8971.
– hierher?:
die zit gie hin, der tot gie her / nach des ordens gewer, / den die
gewonheit kunt uns tut Pass III
453,64;
[Friderîch von Telramunt zum Kaiser:]
‘[...] / ich weiz wol, daz mir diu magt noch
hiute wirt ze teile, / nâch der mîn herze lange her / ringet.’ der keiser
sprach: ‘hetes dû sîn gewer, / dû möhtst ez dir wol zeln ze einem
heile’ Loheng
2049
2
‘Gewährung’
[
keiser Iulianus
] wolde ouch striten und darum
/ hiez er vrilich hin beneben / sinen solt sinen rittern geben / durch bereitschaft
gewer Pass III
594,37;
da pflac er / durch grimmes herzen gewer / zu rechene me die untat, / dan mit
gehorsames rat / in guter barmeherzekeit ebd.
586,4;
du salt mir wisen ein gewer [Antwort gewähren] , /
des ich dich han gevraget ebd.
347,52;
rechter vreuden ho gewer / traf den bischof so, daz er / dancte dem guten gote
ebd.
497,61.
– hier ironisch?:
seht, do quam ouch der heiden / mit grozem vrevele dort her. / ieglicher
vant vollen gewer / mit grimmigen widerslegen. / do wolde got der gute hegen /
die sine cristenliche diet Pass III
281,22
3
‘Wert’
wirt das wert verkouft under siner gewere, so gibt he diselben buze
StRNordh
1,60
4
‘Zustand’ (?):
wie er [der Vormund] abir die gutere
[des unmündigen Kindes] entphing,
[...] in sollicher gewere [ohne die
Substanz des verwalteten Vermögens zu schmälern] sal er en der
gutere abetreten RbMagdeb
304,16
MWB 2 713,30; Bearbeiter: Richter
gewër
swM.
‘Gewährsperson, Bürge’, der für etw. oder jmdn. im Fall von Rechtsansprüchen
oder auftretenden Mängeln einsteht (zur rechtssprachlichen Differenzierung vgl. DRW
4,656-659):
swer eigen oder varnde habe verkaufet, des sol er gewer sîn
die wîle er lebet SpdtL
228,21;
daz ich des chlosters [...] ze Alderspach rehter
gewer pin UrkCorp (WMU)
133,24;
gewêr vnd versprecher [Fürsprecher]
ebd.
1908,45;
swer sich eines gewern vermisset ze stellen und den nicht
stellt, als recht ist, dem ist pruch [Entkräftung seines
Anspruchs] geschen StRMünch
353,8
u.ö.;
Mühlh
118,4;
StRAugsb
105,5;
der selbe tiuvel Lucifer, / vil hôher sünden ein
gewer [Garant] , / von vreuden disiu
beidiu [Adam und Eva] schiet RvEBarl
2042.
9713;
LvRegSyon
2073;
Ottok
4534.
–
‘Beschützer, Schirmer’
herre, iuwer gewer / wil ich des landes gerne sîn. / ich nim
daz ûf die triuwe mîn / daz ichz iu behalte Wig
8517.
– in Verbindung mit schirm/ schirmære:
daz ich gewer vnd schermær wil sein des chlosters ze Furstencelle jar vnd
tach, als aigens recht ist, eins aigens datz Auzheim UrkCorp (WMU)
944,23.
1143B,42;
und pin auch ich vorgenante Margret des selben weingarten sein rechter scherm
und gewer fur alle ansprache UrkPölt
302
(a. 1332).
–
‘Zeuge’
der selben rede ist ein gewer / der heilige Jerêmîas, / der
gotes wîssage was RvEAlex
17554;
diu cristen e ist komen her / ein geziug und ein gewer / daz si die warheit
kivnde Martina
182,86;
debet esse gewer vel testis de proprietate MGHConst
2:579,32
(a. 1244)
MWB 2 714,35; Bearbeiter: Richter
gewërære
stM.
‘Gewährsperson, Sachwalter’ (s.a.
gewër
swM.):
vnd wand minev chint nicht sint chomen zv dem alter, vnd si daz gvet selbe avf
geben, so setze ich den vor genanten frowen pvrgel [...],
di von aigem willen [...] schvllen minev chind da zv
pringen, daz si daz gvet avf geben, vnd sein gewerer sin vnd scherm mit samt, als
landes recht ist UrkCorp (WMU)
3340,37;
da die gewer gebrochen wͦrde, da quam Conrad uon Trimpberg wider
fuͦr den kvnig vnd clagete daz aber also lange, biz ime aber ein ander
gewerer geben wrde ebd.
N408,7.
N408,13;
wir [...] sein auch desselben aygens ir gewerer, als
aygens recht ist an dem gericht, da das selb gut inne gelegen ist
UrkSchönfeld
356
(a. 1326)
MWB 2 715,3; Bearbeiter: Richter
gewërærinne
stF.
‘Gewährsfrau, Sachwalterin’
du [
kawsche minne
] pist unser vorspreche
in unserm herczen und unser gewererine in gotez herczen MvHeilFr
17
MWB 2 715,18; Bearbeiter: Richter
gewërbe, gewërp
stMN.
1
‘Tätigkeit, Streben, Vorhaben’
2
‘Abmachung, Vertrag’
3
‘Werben’
3.1
‘(militärisch-politische) Werbung, Anwerbung’
3.2 Werben um eine Frau, ‘Brautwerbung’
1
‘Tätigkeit, Streben, Vorhaben’
mir ist lieb, swaz ir tut. / got lazze uwerme gewerbe wol
geschen Herb
15483;
nach manigem süezem gewerbe / giengen si [die feiernde
Gesellschaft] slafen alle Serv
2826;
aller der lúte getat vnd gewerb [
omnes actus
mortalium
]
UrkCorp (WMU)
26,47;
der [Gott] wart von im [St.
Ägidius] also begert, / daz er ie allergernst / warf sinen steten
ernst / uf ein tugentlich gewerb Pass III
453,17;
sîn gewerp und sîn gerinc / der ist umb ernestlîchiu dinc
Tr
10457.
14602;
er mag gewynnen v́bel zijt, / vf dem dis gewerb [das
Königreich wieder zu gewinnen] lijt Krone
25726;
KvWTroj
21973;
werk ist, sô man sich üebet von ûzen an werken der tugende; aber gewerbe
[besonnenes Wirken] ist, sô man sich mit redelîcher
bescheidenheit üebet von innen Eckh
3:485,10;
Parz
314,25.
774,18;
UvZLanz
2397
u.ö.;
Lucid
74,15;
Seuse
437,20
u.ö.
– Erwerbstätigkeit:
jene [...] gîngen inwec, der eine in sîn dorf,
abir der andere zuͦ sîme gewerbe [
ad negotiationem
suam
]
EvBeh
Mt 22,5;
unnd sol er doch von sim gewerb dienen mit stüren und mit wachen
StRZürich (B)
213,18.
– Anspruch:
swas ouch aker an den [...] weg stossent, swenne
man die buwet, so sun die buluͥte und die pfluͤge
[Pflüger] gewerb uͥber den weg haben und
drufe UrkZürich
8,62
(a. 1305).
– Ergebnis des Tuns:
der hie was in sulcher not, / daz er na tot was, / harte
kvme er genas. / sus / getan gewerbe / ist aller der erbe, / die gerne in strite
sint Herb
10987.
– in der Wendung vrâgen, waʒ jmds. ~
wære (u.ä.):
in vrâgete der rihtære, / waz sîn gewerbe wære
SpdtL
156,26;
er [der Habicht] sprach: ‘got grüez dich,
gevätterlîn, / waz ist daz gewerbe dîn?’ / ‘ich brüet mîn
eiger’ sprach diu krâ, / ‘als mîn geslecht tuot anderswâ.’
Boner
49,48;
Iw
5818;
Herb
907;
Rennew
35607
2
‘Abmachung, Vertrag’
swer dâ wêr sô vreche, / daz er den vridde brêche / oddir ir gewerbe / machte
unbederbe / entwedir mit worden odir mit tât NvJer
26240;
gezivge ditze chovfes vnd ditze gewerbes sint [...]
UrkCorp (WMU)
N303,7;
dar umme, [...] daz mein gewerbe nicht ueraltene mit
der zeit, so lacz ich Albrecht [...] mit dirre kegenworten
[vorliegenden] hantveste wizen
[...], daz ich [...] han meine
teil ze Osterwiz uerchouft ebd.
627,1.
–
‘Handel’
dy sone von Dedan warin
dine [Tyrus’] koufluyte, vil werdir waren zu
gewerwe dinir hant [
filii Dadan negotiatores tui; insulae
multae negotiatio manus tuae
]
Cranc
Ez 27,15
3
‘Werben’
3.1
‘(militärisch-politische) Werbung, Anwerbung’
da [im Land Garmiler] solt
samnen sich daz her / [...]. / do kert manic
kuͤnc hin, / [...], / nach [des
Marschalks] Wigrichs gewerbes tage WhvÖst
7696.
5969.
16121
3.2
Werben um eine Frau, ‘Brautwerbung’
zehant ich umbe ir minne warp. / der selbe gewerp ouch niht verdarp, /
wande si mit mir entran Er
9479;
den gewerp [um Kriemhild] man
dem degene [Siegfried] sêre leiden began
NibB
51,4;
ir [Paris] wænent lîhte, daz ich
[Helena] sî / gewerbes unde bete frî / biz an
disen tac beliben? / nein, zwâre, manger hât getriben / red und bete wider mich
KvWTroj
21762;
Kudr
659,4;
Walth
93,8;
Neidh
WL 18:3,5
MWB 2 715,22; Bearbeiter: Richter
gewërbede
stN.
s.a.
gewërft
.
‘Anliegen, Tätigkeit’
Artûs, nu wil ich biten dich, / deiz den hôhen niht
versmâhe, / des gewerbes gein in gâhe [La. mins gewerbedes
gabe
] , / und wis des lasters für si pfant
Parz
785,16
MWB 2 716,22; Bearbeiter: Richter
gewërben
stV.
→
wërben
MWB 2 716,27;
gewërbic
Adj.
‘fleißig’
ir [der Tataren] wip sint ouch vorsichtik unde gar
gewerbik in alle deme das do gehort czu husrote, unde sint getruge iren mannen
MarcoPolo
17,12
MWB 2 716,28; Bearbeiter: Richter
gewërc
stN.
s.a.
gewërke
swstN.
‘Tat’, hier ‘Zutun’
Crist, / [...], / wart in einer
armen krippe / von drin kunigen Jaspar, / Melchior und Baltazar / vor snoden tieren
vunden, / [...], / und wuchz uf kurz an [l.
âne
] ein werk [La.
gewerc
] / an einen also grozen
berk [bezogen auf Is 2,2] / daz her der hellen
gewielt, / daz ertriche in handen hielt, / den himel mit spannen ummespien
HeslApk
20879
MWB 2 716,32; Bearbeiter: Richter
gewerde
stSubst.
‘Waffe, Bewaffnung’ (s.a.
3gewer
und
werde
stF.):
war umb hastu solich geberde? / odir war umb dreystu solich
gewerde? Pilgerf
8848
MWB 2 716,40; Bearbeiter: Richter
1gewerde
stF.
‘Behutsamkeit, Vorsicht’ (vgl.
1gewer
2.1, übertr.):
schicke diz frouchin in stillen gewerdin balde von mir unde von minem bette
[Auftrag Ludwigs für seinen Vertrauten]
Köditz
21,16;
mit rechtir behendikeit in stillen gewerdin brachte he groze manschaft unde
ein kreftigiz her zu samene ebd.
37,7
MWB 2 716,44; Bearbeiter: Richter
2gewerde
stF.
‘Besitz’, i.d.Wendung nuz unde ~
(vgl.
1gewer
2.3):
swer daz huz in nuz vnd in gwerde hat, der sol daz vor gnant phunt geben dem
master UrkCorp (WMU)
601,31
MWB 2 716,51; Bearbeiter: Richter
gewërde
stF.
‘Sicherheitsleistung, Rekognitionszins’
vnd ze einer gewerde der selben aigenscheft gebent si vns iærchlich zwen
phening auz dem selben guͦt UrkCorp (WMU)
2110,3
MWB 2 716,55; Bearbeiter: Richter
gewërde
stSubst.
‘Wert, Kostbarkeit’
da is hey [der König] mir zo male gram, / vmb dat
ich eme he vore nam / van syme schatze sulche gewerde, / id endroge neit dry perde
Karlmeinet
389,23
MWB 2 716,59; Bearbeiter: Richter
gewërden
stV.
1 in der Verbindung
~ lâʒen meist mit Akk.d.P. ‘jmdn. sich
selbst überlassen, in Frieden lassen, allein lassen’ (vgl.
bewërden
) 2
wërden
stV.
1
in der Verbindung
~ lâʒen meist mit Akk.d.P. ‘jmdn. sich
selbst überlassen, in Frieden lassen, allein lassen’ (vgl.
bewërden
):
sâ lâzen sie [die Engel] in ûzer habe
[werfen den Teufel aus seinem Besitz] / und lâzen in
gewerden Erlös
6463;
Herôdes, / dû lebes zwîvelîche, / daz dû sô sundelîche / dîns brûder wîp zû
wîbe hâst. / wie dû sie nit gewerden lâst, / sô bistû êweclîch verlorn ebd.
4432;
darumb urteile dich und la dinen nehsten mit gotte gewerden
und got mit ime gewerden Tauler
113,13.
–
min herre Gawan bevalh sie gott und reit den ritter
suchen. sin vier gesellen bliben by einander mit großen unfreuden
[...] wir mußen sie laßen gewerden und sprechen
furter wie myn herre Gawan gefure Lanc
316,2;
nu laßent mich gewerden ebd.
299,22
u.ö.
– mit Akk.d.S.:
da nam yn der konig einhalb abe und saget im so viel das
ers [
er es, den Zweikampf] gewerden
ließ [auf sich beruhen ließ] biß an die stunt das er
in des konig Artus hoff keme Lanc
635,11.
– mit Ersparung des Obj.:
Lancelot stach yn under die kelen, so das im die glene
den schilt und die kele zuhauff negelt, und der ritter fur dem roß uber die krip
uff jhen erden [der Ritter flog über die Kruppe des Pferdes zu
Boden] . er [Lancelot] stunt von dem
roß und ließ gewerden und kerte dem ritter zu mit geraufftem schwert
Lanc
625,16
2
→
wërden
stV.
MWB 2 716,63; Bearbeiter: Richter
gewërden
swV.
→
wërden
MWB 2 717,27;
gewerebrief
stM.
‘Lehnsbrief, Besitzurkunde’
swer lêhen enpfæcht [...], wirt der angesprochen um
daz selb lêhen, [...] der sol sein nutz und gwer pringen
auf der lantschrannen [auf dem Landgericht]
[...] und sol auch denn seinen herren nennen
[...] mit einem gewer prief von dem herren, dar auf er
bereden mug, das der herr des guots sein gwer sei auf das recht RbRupr
212
MWB 2 717,28; Bearbeiter: Richter
gewërebûʒe
stF.
Buße für eine gelobte, aber nicht eingehaltene/ erbrachte Gewährleistung (s.a.
gewër
stF.):
swilch man vordert vor gerichte sô getâne sache, dâ her eine gewere umbe
geloben mûz, und gelobt her die, und kumt dar nâh ein ander und vordert di selben
sache, und en mac der, der die gewere gelobet hât, jenen nicht abgewîsen mit rechte:
her muͦz sîne vorderunge lâzen mit einer gewerebûze, und mûz mit deme
richtêre wetten [Strafe zahlen]
SSp (W)
2:15,1;
gewerebûze, daz ist sîn vordere hant, dâ mite her die gewere gelobete, oder
sîn halbe weregelt ebd.
2:15,1
MWB 2 717,36; Bearbeiter: Richter
gewërf
stM.
(stN.
HeslApk
17669
)
auch
geberve UrkCorp (WMU)
1891,20;
s.a.
gewërbe
stMN.,
gewërft
stMN.
1
‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’
2
‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’
3
‘werbende Unternehmung, Versuch, jmdn. für jmdn./sich zu gewinnen’
4 zur Übers. von lat. vorago
‘Wirbel, Strudel’ oder ‘aufgeworfenes Loch’ (s.a. DWB 4,1,3,5629f.)
1
‘Tun, Tätigkeit; Anliegen, Vorhaben’
mannes gewerf nehilfet porvile [kein
bisschen] ube is got niene wile Gen
1085;
die sluzzele nam sî alle zesamene. / si warf si in aine
kisten, / daz iz niemen neweste, / den ir gewerf sô spæhen Kchr
11660;
daz er rehte wurd gewar, / [...], /
wie der gewerf ergienge Ottok
2078;
der gewerf und diu botschaft ebd.
53417
u.ö.;
WälGa
9925;
HeslApk
17669;
Lilie
50,25.
– in der Wendung waʒ jmds. ~
wære (u.ä.):
maniges si in vrâgôten / nâh allem niumâre, waz sîn
gewerf wâre Gen
991;
nû hôret diu mære, / waz ir gewerf wære
Ottok
74878;
ähnl.:
so ne wez nichein vremede man / wie min gewerph si getan
Roth
822
2
‘Abmachung, Vertrag, Geschäft’
mit guoten hantvesten starc / wart der gewerf verslihtet
Ottok
5911;
uor gewerue [interl. zu a negotio
]
PsM
90,6;
dc wir dc haben suln bi vnserm leben, swaz vnser vater
[...] mit gewerfe vnd mit anderm dinge an vns brahte
UrkCorp (WMU)
303,3;
UrkWittelsb
2,191
(a. 1311).
– in Verbindung mit kouf:
des selben chowfes vnd des gewerves sint gezewgen
[...]
UrkÖsterrM
239
(a. 1288);
daz chowf vnd der gewerve stet und unverbrochen peleibe ebd.
239
(a. 1288);
mit der willen diser gewerf vnd der chavͦf ist geschehen
UrkEnns
4,153
(a. 1291)
3
‘werbende Unternehmung, Versuch, jmdn. für jmdn./sich zu gewinnen’
der engel in [Abrahams Diener, der eine Frau für
Isaak finden soll, Gn 24
] fuͦrte / den gewerf er
in lêrte VMos
20,3;
den poͤsen gewerf vmbe den tumben
iungelinch [der der Frau eines andern nachstellt] , den
het er vernomen Konr
12,30
4
zur Übers. von lat. vorago
‘Wirbel, Strudel’ oder ‘aufgeworfenes Loch’ (s.a. DWB
4,1,3,5629f.):
ez geschach zuͦ Rom enmitten in der stat daz sich ein fraislich gruft
auf tet [...]. vͤber daz wurden die goͤtter
ratz gefragt. do antwurtten sie also: der fraislich gewerf wirt nicht zuͦ
getan den ez lazz sich ettwer willichleich hin ein GestRom
34
MWB 2 717,48; Bearbeiter: Richter
gewërf
stN.
meist alem.
1
‘Steuer, Sonderabgabe’ (s.a.
gewërfen
swV.) 2
‘Rechtsanspruch (auf eine Abgabe, insbesondere bei Besitzübertragung)’
1
‘Steuer, Sonderabgabe’ (s.a.
gewërfen
swV.):
collectas [...] quas ibidem vulgari nomine
guͦwerf vocant UrkMittelrhein
1,705
(a. 1166);
swenne ouch daz were, daz man ze Basil gewerf gebe
[...] tuomherren, ambtliute
[...] sint dez gewerfes vri RbBasel
2,1;
[Fassung LB] swer der burger gewerf nicht git, der sol nit
ze rate gan, da man das gewerf uf leit ald da man die us liset, die das gewerf uf
legen suln StRZürich (B)
126,6
u.ö.
– in Verbindung mit stiure (vgl.
gewërft
stMN. 3):
swaz edelere lvte ze Colmer burger sint [...],
die svlen mit den andern burgern dekein gewerf noch dekeine stivre geben
UrkCorp (WMU)
372,23;
so er stûre vnd gewerf git vnd zinse ebd.
248AB,6;
daz wir mit unserme genedigen herren [...]
v́ber ein sint komen, daz wir ime sv́llent dienen mit gewerffe,
mit stúren, vnd mit allen den dienesten, als andere sine lúte
zuͦ Mengen ime dienent UrkFreiburgGr
12,246
(a. 1318);
wir [...] tuͦnt si [die
Bürger von Basel] alles gewerffes vnd aller stu̍re fri
UrkBasel
4:126,4
(a. 1337)
2
‘Rechtsanspruch (auf eine Abgabe, insbesondere bei Besitzübertragung)’
si qua ipsis imposterum questio super premisso jure, quod gewerf dicitur,
moveretur UrkMittelrhein
3,19
(a. 1213);
pro iure quod gewerf vulgariter appellatur UrkPrivR
98,9
(a. 1257);
UrbPantKöln
201,10
(a. 1280 kopial)
MWB 2 718,25; Bearbeiter: Richter
gewërfen
stV.
1
‘erwerben’ (vgl. gewërf stM. 2 und
gewërft
2 in Verbindung mit kouf ) 2
wërfen
1
‘erwerben’ (vgl. gewërf stM. 2 und
gewërft
2 in Verbindung mit kouf):
swaz si der selben [Lehen] erchavffen vnd gewerfen
mvgen, der selben lehen aigenschaft geb wier der vorgenanten stiff ewichleichen ze
haben UrkCorp (WMU)
1861,11;
nu verieh wir beide bruͤder [...], daz wir des
selben aigens vnd purchrehtes, als vor genant ist, niht chovffet vnd
gewoͤrifen haben ebd.
N550,44
2
→
wërfen
MWB 2 718,53; Bearbeiter: Richter
gewërfen
swV.
‘mit einer Abgabe belegen, besteuern’ (zu
gewërf
stN.):
ich gewerfete si jerglich ze einem male als ander min lvͥte, si gaben
mir oͮch vasnaht hvͥenre UrkRapp
223,4
(a. 1314);
quocienscumque bona ad ecclesiam ipsorum predictam spectantia,
[...] ab eadem vacare contingebat, dicta bona relevari
et acquiri, quod vulgariter ‘gewerfen’ dicitur, ad eorum graciam et
voluntatem consueverint UrkKaisersw
100
(a. 1284)
MWB 2 718,62; Bearbeiter: Richter |