Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   2gaudîn - gebant    


2gaudîn stF. zu afrz. gaudine, vgl. Suolahti 1,93; nur Krone . ‘Gehölz, waldige Gegend’ wir riten in die gavdin Krone 10215. 3308. 12156; vnd was der kùnig gesessen / mit sinen gesten v̀ber al / gein der gaudin vf einem sal, / das sie ir augenweid / hetten vf der breiten heid ebd. 12635; er singet von minnen süezen sanch / alle näht durh di gavdin / durch den willen der amyen sin ebd. 3413. 3721 u.ö.

MWB 2 120,28; Bearbeiter: Tao

gâʒ Adj. ‘gegessen, gefressen’, von Menschen und Tieren; nur präd., in gleicher Funktion wie das Part. Prät. von (ge-)ëʒʒen. 1 in Verbindung mit haben
2 in Verbindung mit werden
3 in Verbindung mit sîn/wesen
   1 in Verbindung mit haben: – ohne weitere Bestimmung: ich han gaz. ich han getrunchen LambGeb A 98; ûf stuonden die da heten gâz Wh 277,11; Krone 13629. – mit Adv. (wol, schier usw.): unt heten doch gaz alle wol GvJudenb 856; als schier sie hatten gasz, / jr keiner by yme gesasz Krone 14803; da sie nŭ alle waren geseszen / vnd wol halb hatten gasz ebd. 27804; muoter, ich enwil: / wan ich hân niulîchen gâz Mai 185,7. mit jmdm.: ich het des lîbes mich ê bewegen, / ê daz ich mit in het dâ gâz UvLFrd 336,15. 336,19; der bot hêt vor mit im gâz EnikWchr A II,850; GvJudenb 2985; Ottok 78285. – mit partit. Gen.: der hete gerne gaz der broͤsmon, die ab des richem mannes tische uielen PrWeing (Pf) 182,7; do waz er so hungerikch, daz er der wurtz die diu swin azzen vil gern het gaz PrOberalt 64,36; daz ich alles des hân gâz, / daz hiut ie für iuch kam Ottok 78297. – mit Akk.: hâstû daz obez gâz? Aneg 1405; Konr 24,34; gâz hêten si ez [Speisen] schier EnikWchr 28154; stinket im der âtem, als der mist oder als der fûle vische hât gâz, / daz ist ein zeichen des tôdes PrBerth 2:46,37; du hâst des ritters herze gâz / daz er in sîme lîbe truoc / der nâch dir hât erliten gnuoc / jâmers alle sîne tage KvWHerzm 466; si habent genuoc dâ gâz Parz 639,2. 815,21; Krone 28876; sô aber der wirt [sc. der Adler] niht genuoc hât gâz, / sô [...] Ottok 89365; der waz so gar ein vraz, / daz er des wande, er hete gaz / me guter spise alleine / danne die werlde alle gemeine StrKD 8,2; nehêtest tû des obezes inbizzen / daz ich dir verbôt, dâ dû ane hâst gâz den tôt Gen 389    2 in Verbindung mit werden: ir schoener lip, ir liehtes as / werdent von hunden gas / uf des ackers erde / ze Jesrahel! RvEWchr 35190; von den [Bären] wrden [...] / die kint zerzerret und gas ebd. 35848    3 in Verbindung mit sîn/wesen: er ist gâz [(von den Vögeln) aufgefressen worden] EnikWchr 18162; nû dô gâz was genuoc, / die tische man dô dannen truoc Mai 219,15

MWB 2 120,36; Bearbeiter: Tao

gâʒ stNM. ‘was gegessen worden ist’ sô mac ein kost nimmer sîn / sô lûter, reine und sô vîn, / iz sî dar inne eteswaz / ein ubrigz, ungarbez gâz, / daz von nôtdurft nicht verbirt, / iz niden ûz gevurbet [ausgeschieden] wirt JvFrst 3766. – ‘das Speisen’ wustes du recht [...] wie ich [die Personif. Leckerîe ] durch daz jaer dun den gatz Pilgerf 10470

MWB 2 121,15; Bearbeiter: Tao

Gazarî Subst. Pl. Name einer Sekte: ketzerîe [...]. ir ist wol anderhalp hundert slahte ketzer : Pôverlewen, Patrîne, Sporer, Rünkler, Ortlieber, Gazâri, Sîferder, Arriânî, Arnolder, Manachêî PrBerth 2:70,20

MWB 2 121,22; Bearbeiter: Tao

gæʒe stN. (?) wohl zu âʒ. ‘Nahrung’ in machet der gîtikeit gêze / sô küene, sô traz und ouch sô rêze Renner 8793 (vgl. judisten [der Juristen] kunst hât nu verdrungen / bî den alten und bî den jungen / schuolbuoch und aller künste muoter: / daz machet der gîtikeit fuoter ebd. 8788 )

MWB 2 121,27; Bearbeiter: Tao

gaʒʒe swstF. selten st. ‘Gasse, Straße (in einer Stadt, einem Dorf)’ 1 eigentl.
1.1 allg.
1.2 übertr.
2 ‘Ortschaft, Dorf’
   1 eigentl.    1.1 allg.: die gazzen wâren spils vol, / als ez ze hôchzîten sol Er 248; turne und palas / was diu gazze wol berâten Ottok 44671; swer auch miste, stein oder holtz hat ligen in den gazzen [...], der sol daz auz und dannen fuͤren in drien tagen WüP 106c,2; die [Lastpferde] zogeten hin die gazzen Parz 18,20; so han ich bi den wine fride / [...] vnd la dich durch die gassen iagen MinneR418(M) 60; die [...] tantzen, ballen entvlihen / abendis uf den gazzen Daniel 2041. 2933. – mit adj. Attr.: die wîten gazzen wurden mir [in meiner Angst] vil enge Neidh WL 14:6e,6; ganc ûz an die engen und wîten gazzen und bî den ziunen und an die breiten strâzen Eckh 1:338,3 (vgl. Lc 14,21 und 23f.); in der langeͮn gasseͮn UrkCorp (WMU) 1154,10; ain igleich man mag aus seinem erb wol venster machen in gmain gassen, aber in seins nachpaurs hoffe mag er nicht venster machen StRBrünn 402. – in (formelhafter) Verbindung mit strâze, kirche: gazzen vnde strazzen, / fluzzen alle von blute Herb 16223; unte uuil ín sûochan áfter déro burg, in gázzon unte in strâzzon Will 48,3; dâ hôrter [...] in gazzen unde in strâzen / von clage al solch gelâzen, / daz ez in muote starke Tr 6021; wir sehen ce gazzen unt ze chirchen / umbe die armen tagewurchen / diu nicht mêr erwerben mac Erinn 319; diu müet uns ze kirchen und ze gazzen, / dazs uns allen machet wart [= wort, Nachrede] Neidh WL 2:4,7. – in Straßennamen: vmbe ein hus, das lit in des Turners gassen ze Friburg UrkCorp (WMU) 2726,42; an deme hvse ze Nvwenbvrch, dc da stat in Mvlnheimer gassvn ebd. 1491,30; jn der webirgassun ebd. 1383,37; in der gerwer gassun ebd. 2133,17    1.2 übertr.: eine ~ durch die Feinde: durch daz chreftige her / sluͦgens [...]. / vil wit waren ir gazzen Rab 676,5; Loheng 4434; Biterolf der starke, / eine gazzen er durchsluoc / lanc unde wît genuoc / al durch der Pôlâne her Bit 3579. 3627; er machte in dem gedrange / vil harte wite gazzen Rennew 30043; Loheng 4604; sîn swert Schoyûse [...], / dâ mit er sölhe gazzen sluoc, / des manc storje wart entrant Wh 40,18; Rennew 23751    2 ‘Ortschaft, Dorf’ und diu hochgezit waz in ainer gasson, diu hiez Chanâ [vgl. Io 2,1 ] PrSchw 2,16; vnd er [Jesus] begreife hant des blinden, vnd fvrt in vz für di gazzen [ extra vicum Mc 8,23 ] oder für den weilere EvAug 96,16; EvBeh Mc 6,56. Mc 8,23. Mc 8,26

MWB 2 121,33; Bearbeiter: Tao

gaʒʒen swV. ‘zur Gasse machen’ diz was in einir enge, da / mit einir dúrren mure was / der weg gegazit RvEWchr 14635

MWB 2 122,19; Bearbeiter: Tao

gaʒʒenliute st.Pl. ‘Bewohner einer Gasse’ swer der ist, der ein unendelich versprochene [ehrlose, schlecht beleumundete] frauwen huset oder herberget, ez si des nahtes oder des tages, daz keinerleye unfuͤr darinne geschehe, oder den luten davon schaden widervarn moͤhte, der sol geben dem rate 5 ß ₰, und sol geben den gazzen luͤten 5 ß ₰, und sol 4 wochen die stat rumen WüP 62,6

MWB 2 122,22; Bearbeiter: Tao

gaʒʒenmist stM. ‘Straßenkot, -dreck’ dornoch so werfin si erde vmme den stok, di do gemischt ist mit gassinmiste, das man lutum heyst czu latine Pelzb 130,27; daz er iz [das Volk] roube und den roub buyte und mache daz zu eynir trate als einen gazzenmist [ ponat illum in conculcationem quasi lutum platearum ] Cranc Jes 10,6; nu wirt si [ mine unvrundinne ] getretit als ein gazzenmist ebd. Mi 7,10

MWB 2 122,30; Bearbeiter: Tao

gaʒʒenspringer stM. ‘der auf der Gasse herumläuft’ daz kraut ist an kraft haiz und trucken und ist den zaubræren gar nütz. daz wizzent die wol, die in den netzen sint gewesen. aber die haimleichait und ander schol diser [?] gazzenspringer niht wizzen BdN 424,12

MWB 2 122,39; Bearbeiter: Tao

ge- Präfix zur Ableitung von Substantiven und Verben 1 Die Substantive mit ge- sind in der Mehrheit Kollektiva (z.B. die stN. gederme , geræte zu darm , rât ) oder Personenbezeichnungen (z.B. gebûr , gebrüeder ) zu i.d.R. ebenfalls belegten Ableitungsbasen
2 Die Verbbildungen mit ge- stellen eine Besonderheit dar; fast jedes Verb kann mit ge- verbunden auftreten
2.1 Der größte Teil der ge -Bildungen hat gegenüber der Ableitungsbasis keine neue Bedeutung oder Bedeutungsnuance (z.B. gebinden , geloufen ), sondern verändert die Satzaussage, möglicherweise kann eine aspektuelle Verwendung angenommen werden ( ‘Perspektivierungsalternativen’ , vgl. E. Leiss, Die Verbalkategorien im Deutschen. Ein Beitrag zur Theorie der sprachlichen Kategorisierung (Studia linguistica Germanica 31), Berlin / New York 1992, S. 285).
2.2 Ein geringer Teil der ge -Verben weist eine abweichende Bedeutung oder eine zusätzliche Gebrauchsvariante zur Ableitungsbasis auf (z.B. gebrësten , gedingen ).
   1 Die Substantive mit ge- sind in der Mehrheit Kollektiva (z.B. die stN. gederme, geræte zu darm, rât) oder Personenbezeichnungen (z.B. gebûr, gebrüeder) zu i.d.R. ebenfalls belegten Ableitungsbasen    2 Die Verbbildungen mit ge- stellen eine Besonderheit dar; fast jedes Verb kann mit ge- verbunden auftreten    2.1 Der größte Teil der ge-Bildungen hat gegenüber der Ableitungsbasis keine neue Bedeutung oder Bedeutungsnuance (z.B. gebinden, geloufen), sondern verändert die Satzaussage, möglicherweise kann eine aspektuelle Verwendung angenommen werden (‘Perspektivierungsalternativen’, vgl. E. Leiss, Die Verbalkategorien im Deutschen. Ein Beitrag zur Theorie der sprachlichen Kategorisierung (Studia linguistica Germanica 31), Berlin / New York 1992, S. 285). Sehr häufig kommen ge-Bildungen in Kookkurrenz mit Modalverben vor, stehen in negativen Aussagen oder drücken die Vorzeitigkeit einer Handlung aus. Weitere typische Vorkommenskontexte sind verallgemeinernde Aussagen, futurische Aussagen oder Bedingungssätze (vgl. Mhd. Gr. Wortb. § V 192-217; R. Schrodt /  K. Donhauser, Tempus, Aktionsart / Aspekt und Modus im Deutschen, in: Sprachgeschichte. Hg. von W. Besch u.a. 2. Aufl. 3. Teilbd. (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 2.3), Berlin / New York 2003, S. 2504-2525)    2.2 Ein geringer Teil der ge-Verben weist eine abweichende Bedeutung oder eine zusätzliche Gebrauchsvariante zur Ableitungsbasis auf (z.B. gebrësten, gedingen). Die Beurteilung der Fälle ist sehr diffizil, weil auch dann, wenn die oben genannten Voraussetzungen vorliegen, die ge-lose Ableitungsbasis stehen kann. Im Allgemeinen kann während des mhd. Belegzeitraums ein starker Rückgang der ge-Bildungen beobachtet werden. – Im MWB wird abweichend zur Tradition der mhd. Lexikographie, in der ge-Bildungen i.d.R. als selbständige Lexeme angesetzt wurden, vorgegangen: Kommen die Belege eines präfigierten Verbs ausschließlich in gleicher Bedeutung wie die Ableitungsbasis vor und stehen sie zudem in einem der oben genannten Vorkommenskontexte, so wird das ge-Verb unter der Ableitungsbasis mitbeschrieben (z.B. gedagen, gediemüeten unter dagen, diemüeten). Gibt es Belege mit einer von der Ableitungsbasis abweichenden Bedeutung oder abweichendem Gebrauch, so wird ein eigener Wortartikel erstellt (z.B. gebrüstet). In der Wörterbuchstrecke vor h sind auch Nachtragsartikel zu bereits geschriebenen Artikeln möglich (z.B. gebrennen), da Belege mit ge- nicht immer vollständig berücksichtigt wurden; ab h werden Belege mit ge- konsequent unter der Ableitungsbasis beschrieben. Lexikalisierte Bildungen mit ge- (z.B. gewinnen) oder Präfigierungen mit ge-, zu denen kein präfixloses Verb belegt werden kann (z.B. gemeierscheften), erhalten einen eigenen Wortartikel. – Lit.: DWB 4,1,1,1594-1628; Wilmanns, Dt. Gr. 2,167f. und 241f.; H.-W. Eroms, Zum Verbal-Präfix ge- bei Wolfram von Eschenbach, in: Studien zu Wolfram von Eschenbach. Fs. W. Schröder. Hg. von K. Gärtner und J. Heinzle, Tübingen 1989, S. 19-32

MWB 2 122,45; Bearbeiterin: Herbers

geæder stN. 1 die Gefäße und Bänder im Körper; besonders Sehnen, Muskeln
2 ‘Gezweig, Geäst’ (Glossar z.St.)?
3
   1 die Gefäße und Bänder im Körper; besonders Sehnen, Muskeln: man legte in uf daz cruce nider: / da worden sinen reinen glider / und sin geeder uf gezogen / als die senewe uf den bogen HvNstGZ 2793; wan er gar durchstochen wart / an handen und an vûzen hart / dâ daz geêder sich durchvlicht / und kumt zenander in sunder phlicht JvFrst 8459. 7309; Minneb 1282; vertebrum: geder VocOpt 1.265 – Blutadern: und ist daz der mage übergêt, sô gerætet der überfluz etewenne gein dem houbete, daz dem menschen etewenne die ôren vervallent [...]. gerætet ez danne in daz geæder, sô werdent dir die hende zittern PrBerth 1:433,19    2 ‘Gezweig, Geäst’ (Glossar z.St.)?: ain sper, daz het er da, / daz was geluppet und stark, / kain man [...] moht ez doch erstechen nie, / manc wildez gæder ez ummvie WhvÖst 10226; ain sper, daz manic guldin bant / ob wildem gæder besloz ebd. 15575    3 von saphir cleine geeder [als Schmuck eines Schildes] Minneb 2443

MWB 2 123,47; Bearbeiter: Plate

ge|affen swV. effen

MWB 2 124,3;

geæhten swV. âhten, æhten 2 ‘jmdn. ächten lassen’. unde anders kain sin friunt mugent in ze aehte bringen, wan die davor genennet sint. unde swaz anderre friunde da ist, die mugent sine vinde wol sin, sie mugent sin aber nit geaehten StRAugsb 102,31 u.ö.

MWB 2 124,4; Bearbeiter: Plate

geahten, geehten swV. ahten swV. 8 ‘schätzen, veranschlagen’. und di uzlude, di in irwedirs gerechte insizzint, di insolin wir [...] nimmir me geherbergin noch geachten UrkCorp (WMU) N282,44; aͤllû mâsse vnde alles gewæge das stat in der vier vnde zwenzig gewalt eins ielichen dinges, vnde swenne sû die gemazont vnde geæhtint, so sun sû si einim enpfelhin, swem sú went ebd. 248A,27

MWB 2 124,10; Bearbeiter: Plate

gealter swM. galter

MWB 2 124,18;

gealter stN. ‘Altersstufe, Lebensalter’ anden gealtern [...] der alten vn̄ der kinde [ in his aetatibus, senum [...] et infantum ] BrAsb 37

MWB 2 124,19; Bearbeiter: Plate

geangelet Part.-Adj. ‘stachelig’ (zu angel stM.): als di geangiltin kevir [quasi bruchum aculeatum] Cranc Jer 51,27

MWB 2 124,22; Bearbeiter: Plate

gearen, gearn Part.Prät. ern

MWB 2 124,25;

gearnede stF. auch garnde, geärnde, gärnde, garne. ‘Verdienst’ dô er [Gott] uns geschuͦf âne unsere gearnede TrudHL 8,11; daz enist idoch von unsern garnden niht, niwan von sinen genaden Konr(Sch) 147,35. 177,21. 213,10; an alle iuwer garne ebd. 84,26. 194,29; dar gildet got nach gearnden HeslApk 22817. 12675. 16330; das si [die Bürgergemeinde von Wien] gepriset [...] werde nach den geærnden irer triwe UrkCorp (WMU) 2345,18; so ere die weisen und die von gärnde zeerenn sein HvHürnh 15,6. 3,17. 4,9; vnde nit werdin irwelt nah ordin sunder nah des lebens garned [secundum vitae meritum] BrZw 21. 63

MWB 2 124,26; Bearbeiter: Plate

gearten swV. arten ‘guten art zeigen’. daz wider der natiure / kein herze tugentlîche tuo, / dâ gehœret michel arbeit zuo: / ez hât diu werlt vür eine lüge, / daz iemer unart garten müge Tr 11638; ähnlich TPMA 8,426 Nr. 16 (15. Jh.)

MWB 2 124,39; Bearbeiter: Plate

geæʒe stN. ‘Speise’ daz mans vleisch zu tode sluc / allen tuvelen zu eime geese HeslApk 10137; daz ungarbe [unreine] geêze JvFrst 3826. 3832

MWB 2 124,44; Bearbeiter: Plate

gebac stMN. ‘Gebackenes’ wer ouch wil haben sînen mût / zû rûme deme gesmacke [Geschmackssinn] / mit siedene und gebacke, / mit âze und ouch mit dranke Erlös 6918

MWB 2 124,47; Bearbeiter: Plate

gebâge, gebæge stN. ‘Streit, Zank’ dîn eigine mâge huoben dich ane ir gebâge. / der nît was ûf dich grôz Gen 2940; die nemuot hunger noh durst, hitze noh vrost, / die nehôrent gebâge, die sehent einvalte genâde ebd. 1047; unkiusche ist selten âne nît / und ân gebæge und âne strît WälGa 7204; iurium: gebæge Gl 4:215,31

MWB 2 124,51; Bearbeiter: Plate

gebant stSubst. gebende stN.

MWB 2 124,58;