Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gëbære - gebëlle    


gëbære, -er stM. ‘Geber’ das der kunig were / ain reicher gebere HvNstAp 20350; nu sol man wise geber sehen StrKD 8,198. 61,94; der geber des almüses Gnadenl 3:A2,277; ein herre, der ein geber wil sîn, der muoz suochen einen nemer Eckh(Pf) 614,9; geber der rechten lere / glinstern sam des himels liecht [vgl. Mt 13,43 ] Daniel 7304; TrudHL 11,33. den fromvͦtin gebere minnot got [ hilarem enim datorem diligit deus II Cor 9,7] BrEng 5; MvHeilFr 35; HeslApk 12437 (s.a. TPMA 4,204). – von Gott, Christus: er ist ain rîchliger geber PrGeorg 22,10. 201,20; ’s ewgen levens milde gevere MarlbRh 133,15; o geber aller gabe, o loͤser aller gevangnisse Mechth 1: 12,2; ein gnâden geber HvFritzlHl 34,28; PsM H 94,1; HlReg 47,32; Eckh(J) 50,27. – übertr.: da von ist er [ winter ] ein rawber / und der may ein gebaer Teichn 402,26

MWB 2 129,1; Bearbeiter: Tao

gebâren, gebæren swV. selten mit Umlaut: gebêren MarlbRh 68,21, KarlGalie 12281, MorantGalie 1549 (weitere Belege bei Bartsch, Karlmeinet, S. 285); gebæren UvEtzWh 991; gebœren Minneb 4666. 4863 (Konjektur). 5383. einmal st. gebar ( Brandan 104 ) 3. Sg. Prät. durch Vermischung mit gebërn stV. (vgl. DWB 4,1,1,1639 mit zusätzl. späteren Belegen). 1 ‘sich in bestimmter Weise gebärden, betragen, benehmen, verhalten’ (vgl. bâren2 )
1.1 intr.
1.1.1 allgemein.
1.1.2 bei etw., gegenüber etw. ( zuo )
1.1.3 gegenüber jmdm.
1.1.4 vom gegenseitigen Verhalten zweier Personen
1.2 refl.
1.3 subst.
2 ‘in bestimmter Weise (in Bezug auf etw.) handeln, (mit jmdm./etw.) verfahren, umgehen’
2.1 mit Angabe der Art und Weise
2.2 mit jmdm./etw.
2.2.1 mit jmdm.
2.2.2 mit etw. ( mit, zuo )
   1 ‘sich in bestimmter Weise gebärden, betragen, benehmen, verhalten’ (vgl. bâren2 ):    1.1 intr.    1.1.1 allgemein. – mit Adv.: swie blîd’ er hie gebâre, er ist ein grimmer man NibB 1753,3; ich wil ouch ûzzen frô gebâren zaller zît / und innan tûzzen, dâ mîn herze in sêre lît SM:HvS 1: 20,7; wol NibB 643,3; Parz 825,3; RvEBarl 939; werlîche Parz 538,15; manlîchen Iw 3719; Eracl 4730; angestlîche Wernh D 3731; die hôrter gebâren / harte clägelîchen Iw 5202; jæmerlîche Eracl 3935; Wig 9803; ungezogenlîche Rol 6083; tumplîche RvEBarl 8224; deme lewen gilîch dû gebârist Gen 2747; Iw 6947; Parz 555,23; Tr 4085; daz begund im starke swâren, / unde enweste wie gebâren Iw 2252; Herb 8422; Eracl 3031. – mit Präp.-Gruppe: ir munt kan niht gebâren / mit lachen, ê si den gesiht / dem man des hôhsten prîses giht Parz 135,16; die ougen er verkarte, / mit hulne [Heulen] er gebarte / iamerlich als im gebot / die not PassIII 213,86; êren craft nie man gewan, / wan der eine, der des vârte, / daz er sô mit triuwe und och mit zuht gebârte SM:UvS 11: 4,6; ich kunde nâch rîterlîchen siten / alsô wol gebâren / als die ie rîter wâren Iw 3561. – mit bloßer Negation: vor freuden kund er niht gebârn EnikWchr 4021. – in Vergleichen: sî [...] begunde gebâren / als ein wîp diu sêre / sorget umb ir êre Iw 4614; dô im diu êre was geschehen, / do gebârter rehte diu gelîch / als im aller tägelîch / zehenstunt geschæhe alsame ebd. 753; die riesin gebartin also sie doueten Roth 900; sam ers niht enwesse, gebârte der listege man NibB 471,4; er gebarte in den stunden, / als er hette den zan swern Herb 12078    1.1.2 bei etw., gegenüber etw. (zuo): und wandes [ sie Floræte, die die Wöchnerin spielt] ouch erkande wol, / wie man hie zuo gebâren sol Tr 1918; ein rede der liute tuot mir wê, / da enkan ich niht gedulteclîchen zuo gebâren MF:Reinm 15: 5,2; ir neheines gruoz het er vernomen, / die dâ gruozbære wâren. / dâ kunder zuo gebâren / als ir schiere sult gehœren Wh 144,10. 130,8    1.1.3 gegenüber jmdm.: – mit Dat.d.P.: wie sol ich sælig wîp den liuten nû gebâren, / daz ich müg ir nâchrede wol gestillen KLD:BvH 13: 1,2. – mit Präp. (gegen, wider, zuo): vil edel Rüedegêr, / swie halt gein iu gebâren dise recken hêr, / daz nimmer iuch gerüeret in strîte hie mîn hant NibB 2201,2; vientlichen sie gebarten / kegen im in den stunden Daniel 4182; Minneb 4878; wie daz [ ingesinde ] gebâre wider mich Iw 6419; Tr 14823; UvZLanz 618. 5408; unt wie er zen rîtern solti gebâren / umbe daz, daz sim willich wâren VAlex 213; Minneb 4863 – mit dar: weizgot wan ir eine, / daz ich durch iuch noch mêre / dan durch mîn selbes êre / vriuntlîche dar [zu Tristan] gebâre, / sôn gesæhe ich in zewâre / mit vriundes ougen niemer an Tr 13973    1.1.4 vom gegenseitigen Verhalten zweier Personen: man sach sî dort zesamne komen / und vîentlîchen gebâren, / die doch gesellen wâren Iw 7013; begunden dar gâhen, / wand sî sî gerne sâhen / sô vriuntlichen gebâren ebd. 7513; nieman si wenden solde, / sine gebârten heinlîche Parz 176,23; [Tristan und Isolde] begunden ouch zehant / lieplîche in ein [zueinander] gebâren, / zît unde state vâren / ir rûne unde ir mære Tr 11927    1.2 refl.: owê, nu weiz ich leider niht, / wie ich mich sol gebâren! / SM:HvStr 3: 3,9; KLD:Obernb 5:3,1; enruoche eht er, wie tûze ich mich gebâre MF:Reinm 64: 3,7; ir hertz dik grinnet / so der lip geparet sich / sam er si maniger froden rich SHort 425; owe, min herr, sol daz nit we tuͦn, so du [...] bist daz einig uzerweltes herzliep, und du dich denne als vroͤmdeklich gebarest [...] ? Seuse 231,1. – gegenüber jmdm.: wie sol ich mich denne gebaren gegen dem, mit deme selben, den min sele da minnet? Seuse 294,22    1.3 subst.: vil wulfein gebaren / truͦgen si gemaine / ovf die vrowen raine Wernh A 2924; sîn gelâz und sîn gebâren Tr 2852; ir sprechen und ir gebâren Eracl 2338; ir guot gebâren, / ir lîp wolgestalt SM:HvF 2: 2,7; siu sach an ir gebâren, / daz si alle fürsten wâren UvZLanz 7191; doch menlich was ir gebâren Kreuzf 5109; vil frôlich gebâren / erzeigten si den gesten Ottok 2856; alrerst hub sich jamers clage / und jemerlich gebaren / von den frauwen die da waren HvNstGZ 2733    2 ‘in bestimmter Weise (in Bezug auf etw.) handeln, (mit jmdm./etw.) verfahren, umgehen’    2.1 mit Angabe der Art und Weise: dô kunder sus gebâren: / dô nam mîn hêr Gâwân / vier werde rîter sunder dan [...] Parz 666,22. – rechtsspr.: alse he den rouber brenget vor gerichte [...], so mac der vorderer vregen eines urteiles, [...] ab he in rechte vor habe bracht unde gebart habe, als recht si StRFreiberg 130,20. 79,9. 197,17    2.2 mit jmdm./etw.    2.2.1 mit jmdm.: dâ zuo sprach er si [Eva] scolte im [Adam] sîn untertân swî er wolte mit ir gebâren Gen 472; do lie er [Jesus Christus] in [Petrus] an siner aigen schulde lernen wie er mit sinen undertanen gebarn scholt die haubthafter suͤnde schuldich waren PrOberalt 86,13; der hete die genade uon gote garnet [...], daz er an eimme îegelichen mennesscen sâch, wie die goͮten engele unde die ubelen tieuele mit der selę gebârten Spec 110,25; LvRegSyon 555. – refl.: Seuse 294,22 ( → 1.2)    2.2.2 mit etw. (mit, zuo): dehein leu sî sô hêr noch nehein ander tier / [...], / iz ne sî ime [dem Mensch (Adam)] untertân swî er dermite welle gebâren Gen 97; nû hân ich mit dînem golde / gebâret als ich solde / nâch dîner muoter gebote Greg 1762; de mit swerde inde schilde / wale in stride kan geberen MorantGalie 1549; kein sichtum wart nie so gedrang / noch sust kein smertze so ungehure, / ez kem doch etwen wunden stur [Hilfe gegen Wunden, Arznei] / so volliclich gesendet, / daz man mit kunde derwendet / den, ob man reht da mit gebert Minneb 5383; daz er im kiese einen man, / der mit kampf gebâren kan EnikWchr 9574; dâ besendet iuwern hoverât, / [...] und ervaret iegelîches muot: / vrâget, wie si dunke guot, / daz ir hie mite [hinsichtl. der Brautwerbung] gebâret Tr 8447; ich bin des milten lantgrâven ingesinde. / [...] die andern fürsten alle sint vil milte, iedoch / sô stæteclîchen niht. er was ez ê und ist ez noch. / dâ von kan er baz dan sie dermite [ mit der milte ] gebâren Walth 35,11; beide zv ernste vnde zv spil / kvnde er wol gebaren Herb 3031. – rechtsspr.: wer auch, das iemant phendet, der schol das phant furen in das nehste gericht vnd phentlich do mit gefaren. swer dor uber phendet vnd nicht phentlich do mit gebaret, als vor geschriben stet, das schol man haben vor ein strazraub MGHConst 9:474,21 (a. 1349); UrkFreiberg 2:6,38 (a. 1328)

MWB 2 129,19; Bearbeiter: Tao

gebæren swV. gebâren

MWB 2 131,32;

gebâret Adj. Ansatz unsicher; wohl zu gebâr stM., gebâre stF. ‘ein gewisses Benehmen, Verhalten zeigend’ dur daz sî ist also guot / und so rehte wol gebâret [oder als 3. Sg. von gebâren aufzufassen?] / und so lieblîch lachen kan SM:KvL 9: 2,2; UvZLanz(K) 7847 ( → gebartet Adj.)

MWB 2 131,33; Bearbeiter: Tao

gebæric Adj. ‘sich in bestimmter Weise benehmend’ si was tugentlîch gemuot, / schône gebærec, envollen guot Mai 11,36

MWB 2 131,39; Bearbeiter: Tao

gëbærin stF. ‘Geberin, Spenderin’ ich [ Liebe ] bin eine deylerynne / des uffhabes [d.h. des hl. Altarsakraments] und eine geberynne Pilgerf 2496; aller tugent ein hübisch riche geberinne Frl 3:32,1; datrix karismatis: gebærinne himelischer gebe PsM H 44,6

MWB 2 131,42; Bearbeiter: Tao

gebartet Adj. ‘mit Bart, bärtig’ zwên alte wallære, / die wâren gote gebære: / getaget unde gejâret, / gebartet unde gehâret, / alsô diu wâren gotes kint / und wallære dicke sint Tr 2626; da vant er in der zelle / sinen swager Rennewarten, / vil harte lang gebarten / und gende in einer kappen Rennew 21490; die muͤnche, wol gegarte [La. gebarte ] ebd. 12238. – hierher?: der [Drache] was gebart, / daz nie tier sô vreislich wart UvZLanz(K) 7847 (vgl. Anm.z.St.)

MWB 2 131,48; Bearbeiter: Tao

gebate swM. ‘Patenkind’ eine tohter junge / unt gewüehse dann dirre pate [La. Hs. C gebat ] , / [...] RvZw 168,10

MWB 2 131,58; Bearbeiter: Tao

gëbe, gibe stF. gibe Serv 1260; KvWTroj 18547; zu i für ë vgl. 1 5Ahd. Gr. § 30 Anm.1. 1 ‘Gabe, Geschenk’
1.1 allg.
1.2 relig.
1.2.1 als Opfergabe
1.2.2 von den (Gnaden-)gaben des hl. Geistes, Gottes
2 ‘Belohnung, Lohn’
3 ‘Geben, Gewähren, Schenken’
4 ‘Abgabe, Gebühr’
   1 ‘Gabe, Geschenk’    1.1 allg.: er gebete zêrist der junchvrouwen aller bezzeste [...]. / guot wâren die gebe Gen 1008; Persiam gebih an dîne hant. / du maht dih frowen dirre geben SAlex 3480; muͦle unde olbende, / [...] unde andere gebe mere Rol 620; genâde [danke] , vrouwe, dirre gebe Wig 6118; wurde mir ir minneklicher habedank, / daz wære mir ein lieber funt, ein rîchiu gebe SM:HvS 1: 23,4; swer milte wesen wol getar, / der überwindet alle nôt. / sich wâget maniger in den tôt / durch sînes vrîen herzen gibe [ : sibe ] KvWTroj 18547. hab ich si dâ für niht erkorn / daz al diu fröide mîn / niht anders sî wan an ir gebe [an dem, was sie gibt] , / sô sî mîn dienest gar verlorn KLD:  UvM 2:1,3; i’n weis ir niender einen, der so milte si, / der [dass er] den gernden teilte mite / von siner gebe [von dem, was er verschenkt] Marner(W) 3,2:14. si erten mit dienste vnd mit geben Konr 15,17; ich rîche iuch immer unz ich lebe, / sô mit lêhen, sô mit gebe Wh 231,18; swes ir mich gewert daran, / [...] ich verdien ez, die wîl ich leb, / beide mit lîhen und mit geb Ottok 1588; Wh 337,7. – in Verbindung mit bestimmten Verben (bieten, bringen, geben usw.): dicke bot her ime sin guͦt, / sinen schaz vn̄ sine gebe Ägidius 736; bringet im ouch mîne gebe Gen 2444; AvaLJ 26,4; TrudHL 103,18; Ägidius 627; grôz gebe und starkiu lêhen / enpfienger von Ermrîche genuoc Parz 421,26; Rol 2517; Ägidius 623; ire gebe si ime gâben Gen 2302; UvTürhTr 910; gewert ir mich der selben gebe Wig 2797; dîn scalch Jacob sante dir dise gebe guot Gen 1521; En 3861; VAlex 1042; Rol 2421; UvZLanz 5770; dô man Ênêases geve / vor Latînum den kunich trûch En 3912; LobSal 202; Kchr 13008; Ägidius 1278; Jacob bat in gnôte [...], / daz er in sô neleidigete daz er sîne gebe firwiderete [ausschlage] Gen 1571; dar umbe wolt ich uirzihin / der gebe Marsilie Rol 3139. – etw./  jmdn. ze ~ bringen, senden: wir bringen Lanzelet ein swert / und ander kleinôt iu ze gebe UvZLanz(K) 8639; eines dinges si gedâhten, / daz si in [das Kind] ze gebe brâhten / dem der rœmischer krône pflac Wh 283,24; einen slüzzel gab er im ze gibe [ : belibe ] Serv 1260; und lât ir mir daz zeiner gebe, / edel rîter, von iu hân [schenkt ihr mir das Leben] , / sô wil ich werden iuwer man Wig 7190; daz [ harnasch ] ir von Schotten Vridebrant / ze gebe sande für ir schaden Parz 70,17    1.2 relig.    1.2.1 als Opfergabe: der berg heizzet Oreb, / dâ wirt daz opher uile wert, / dâ geben wir gote unsere gebe Exod 959; ob wir mit gotes minne / unser gebe dar uf [auf den Altar] pringen VMos 60,25    1.2.2 von den (Gnaden-)gaben des hl. Geistes, Gottes: do si [Apostel] die gebe enphiengen, vil drate si uz giengen AvaLJ 198,1; div sibente gebe in dirre zale / daz ist gotes forhte uber al VMos 71,1; wider den siben lasteren sante er uns ze hilfe siben gebe des heiligen geistes Spec 151,2; der almahtigi got der hat uns hiute gebin eine grozze gebe, disen hoczitlichen tac der uron ôster ebd. 53,29; ich zel mirz zeiner grôzen gebe / von unsers herren barmicheit / daz er mir mîn herzeleit / mit iu beiden hât benomen Wig 9755. – Gnade (Gottes), Barmherzigkeit: swie starke ir daz geriete / diu kindische miete, / iedoch geliebete irz [ ez die Pflege des aussätzigen Heinrich] aller meist / von gotes gebe ein süezer geist AHeinr 348; Tr 2612; sô waldes diu gotes gebe, / so ir in die kemenâten gêt / dâ lît marveile stêt Parz 561,20; grüeze mînen œheim / und sage im daz, daz ich noch lebe / und müge ouch noch mit gotes gebe / wol vürbaz leben unde genesen Tr 7446; nu wir siner gnaden biten, / der lazze uns werden schin, / wes Maria brvt schul sin, / v̄ erzæige mit gewalte, / wer ir von siner gebe walte [wer sie zur Frau nehmen soll] Wernh D 1668    2 ‘Belohnung, Lohn’ dar umb enpfâhet ir die gebe / daz iu nie deheiner vart / alsô wol gelônet wart Wig 5592; der mir ervert / ob der selbe rîter lebe, / der hât immer mîne gebe [dem werde ich mich immer dankbar erweisen] ebd. 5270; er [Paris] muoz von mîner [d.i. der Göttin Venus] hôhen gebe / wîsheit erwerben unde schaz KvWTroj 3172. – hierher oder zu 1.2.2: got [...], / dem ich ie was undertân / und noch guoten willen hân / ze dienen [...]. / swer verdienet sîne gebe, / der ist rîche immer mê Eracl 288; ir habt die grôzen gotes gebe / erworben an dirre verte StrKarl 3970    3 ‘Geben, Gewähren, Schenken’ zv dem gelubede stete, / zv rechter gebe milde Herb 147; wan daz ich von iur helfe gebe / alsus mit werden freuden lebe Parz 655,17; frouwe, ernbiut [= er enbiut ] iu mêre, / daz er mit werden freuden lebe, / und vreischer iwers trôstes gebe [wofern er nur erfährt, dass ihr ihm Trost gewährt] ebd. 645,18. 371,20; des [deshalb] wart ir gâbe [was sie schenkte] niuwe / ze himel mit endelôser gebe [durch ewige Beschenkung] ebd. 116,21    4 ‘Abgabe, Gebühr’ vnd ob daz dehain gebe chostet gegen dem pischolf vnd dem gotshoͮs von Salzpurch, die schol der probst von Seccowe gebn UrkCorp (WMU) 1301,34

MWB 2 131,61; Bearbeiter: Tao

gëbe swF.(?) oder zu gëbe stF.? ‘Geberin’ ir sît, sælic vrowe hêr, / sîn êren gebe, sîn sælden wer UvLFrd 124,32; si ist mîner hôhen vreuden gebe: / ich dien ir, al die wîle ich lebe ebd. 243,15. 129,8. 253,20. 355,32; KLD:UvL 40:7,7. 58:7,6

MWB 2 133,37; Bearbeiter: Tao

gebëcken swV. zu bëcken (z.B. Rol 1974(La.) ), einer Var. von → bicken swV. ‘stechen’. mit dem swerte [...] gebecter unde gesluoc / den vînt [Drachen] sô vil wâ unde wâ, / biz ern verschriet dâ unde dâ Tr 9200

MWB 2 133,42; Bearbeiter: Tao

gebeidet Adj. ‘gedoppelt, zweifach’ dem gebeidetem leide / dem gienger rehte nâch dem site / und nâch dem billîche mite Tr 13766

MWB 2 133,47; Bearbeiter: Tao

gebeinde stN. gebeine

MWB 2 133,50;

gebeine, gebeinze stN. gebeinde PassI/II 70,69; gebentze Karlmeinet 444,28. 1 ‘Knochen, Gebein’
2 ‘Bein’
   1 ‘Knochen, Gebein’ ûz hertem leime tet er [Gott] gebeine, / ûz brôder erde hiez er daz fleisk werden Gen 195; sô nescult ir mîn gibeine hie nieht lâzzen eine. / ir scult iz mit iu fuoren, heime mit erde bitrôrin ebd. 3031; zu dem guten sent Romane: / da suchet man zeware / ir uil heiligiz gebaine Rol 8669; dâ lît noch sîn gebeine vor Iw 5852; den [Toten] was daz âs mit swacher kraft / an daz gebeine behaft RvEBarl 1832. als vil sam di alre hôhisten perge / ze wazzer megen werden, / oder aller der walt ze staine, / sam mag diz durre gebaine [der tote Stier] / ûf dirre erde / niemer lebendich werden Kchr 10200; iz [das Gestühl aus Elfenbein] trogin elphande / wille [= wîlen ] in den gebiene Roth 1609; ein gebraten gefultez ferhelin mache also: nim ein verkelin [...] vnd loͤse beide fleisch vnd gebeine abe [...] BvgSp 8. er az unde tranc / vil wênic und vil kleine. / niht anders wan gebeine / was an im und diu hût dar obe KvWAlex 670; dô dacte er sîn alt gebein / in dem gewande warmen Schlegel 877    2 ‘Bein’ [das Pferd war] starc und wît zen brüsten: / mit dürrem gebeine, / ze grôz noch ze kleine: / diu [Beine] wâren vlach unde sleht, / als einem tiere ûfreht Er 7356; der lief und spranc allen den vor, / die des phlâgn ûf rîters gebeine Tit 133,4; des [des Gelähmten] gebæine sach man starren / als einer chalten leiche Serv 3182; elliu sîniu lit gemein, / arm, houbt und sîn gebein, / daz was im alz entwichen gar EnikWchr 3930; müdiu gebaine / gewinstu niemer, / daz du luffest iemer GTroj 7270

MWB 2 133,51; Bearbeiter: Tao

gebeinet Adj. ‘mit Beinen versehen’ in dem wasser sind auch vil / visch, [...] als lamppartisch ros gestalt. / die sind snel und pald, / in aller handt varib gar gevar, / darczue woll gepainet gar Seifrit 4912; es ist nit daran daz du nit geschuldert oder gebeynet sijst genug: / du werest groß und starg genuͦg Pilgerf 4536

MWB 2 134,20; Bearbeiter: Tao

gebeitic Adj. ‘wartend, geduldig’ nû bis [...] gebeitic / eine cleine wîle hî! NvJer 26559; so sol er mich minnen und gebeitig sin Mechth 6: 14,10; ie si gebeitiger [Konj., Hss. gebietiger, so zitiert bei HvNördlBrf 46,46 ] ist ebd. 1: 22,18

MWB 2 134,27; Bearbeiter: Tao

gebeitsam Adj. ‘wartend, geduldig’ also muͦs der mensche sich gotte lossen einvalteclichen in gantzer getruwunge und in sinen ewigen willen, [...] in gebeitsamer gelossenheit Tauler 397,6; in einre gelossenre gebeitsamer langmuͤtikeit ebd. 23,22

MWB 2 134,32; Bearbeiter: Tao

gebeitsamicheit, gebeitsamkeit stF. ‘geduldiges Warten’ o der diseme grunde wol noch [ nâch ] ginge in der waren gebeitsamkeit, das diser sieche echtewe und drissig jor hatte gewartet bitze daz in got selber gesunt mahte und hies in gon! Tauler 39,4; noch [ nâch ] diser gebeitsamekeit ebd. 39,21; hie inne [in Christus] wurt gelossenheit und senftmuͤtige gebeitsamkeit, also daz man alle ding von gotte genemen kan in gelicheme gemuͤte ebd. 96,7

MWB 2 134,37; Bearbeiter: Tao

gebeiʒe stN. ‘Beizjagd’ dâ bî was guot gebeize / und ein vogelrîchez riet UvZLanz(K) 458; der künic und diu künigin / berieten sich ouch under in / einer tagalde, / daz sie vor dem walde / ein gebeize wolden hân Gauriel 3805

MWB 2 134,46; Bearbeiter: Tao

gebeiʒen swV. beiʒen1 und beiʒen2 . 1 beiʒen1 ‘mit einem Greifvogel jagen’ , bildl.
2 beiʒen2 ‘beizen, ätzen’ , bildl.
3 beiʒen1 oder beiʒen2 .
   1 beiʒen1 ‘mit einem Greifvogel jagen’, bildl.: swer mutes, willen waldet in dem herzen sin, / [...] daz er untugent beizet [bekämpft] Frl 5:70,3. – ‘mit Hunden jagen’ do wolte er beizen mit den hunden sin WolfdD(H) 617,3. – ‘nachstellen’ er [Teufel] warf im dicke und dicke vor / daz luder valscher gelust / und wolde sine kusche brust / verbozen [...], / idoch, swaz er in beizte, / sin iaget was mit im verlorn PassIII 396,80    2 beiʒen2 ‘beizen, ätzen’, bildl.: zeimal was ein ritter / an deme herzen bitter. / ein ezzec der untugende / hete in von siner iugende / gebeizet und wonte im mite PassIII 536,67. – übertr. ‘jmdn. peinigen’ der gotes knecht, / hielt der tugent wol ir recht, / die da gedult heizet. / swaz er wart gebeizet / in disme ungemache, / daz duchte in gar ein sache / zu der vollenkumenheit PassIII 322,58; er sach wol wie er was virlorn / von rehte, wan er gotes zorn / so dicke uf sich reizte. / do in alsus gebeizte / die ruwe und in gezemte, / an im sie gar virlemete / swaz er der werlt willen hete Vät 4370    3 beiʒen1 oder beiʒen2 . ‘(ein Zugtier) anschirren, anspannen’ (vgl. AWB 1,859): swie vil der ochse, so er gebeizit ist vnder daz ioch, vf slahe [mit den Füßen ausschlägt (vgl. FWB 2,665 mit späteren Belegen)] , ern mach sich des niht erweren, der in da meinit [= menet ] , erne stech in also dicke als er wil PrLpz(L) 82,34

MWB 2 134,51; Bearbeiter: Tao

gëbel stM. s. a. gibel1 . 1 ‘Schädel, Kopf’
2 ‘Maul’
3 wie gibel1 ‘Giebel, Giebelmauer’
   1 ‘Schädel, Kopf’ – von Menschen: daz houbit [des Menschen] tet er [Gott] sinewel, zôch uber den gebel ein vel Gen 116; und sluͦg in so vaste uf den gebel / daz im kam ein grozer nebel [er betäubt wurde] Rennew 17545; Loheng 2164; menig schwartzer gebel by den tagen / ward von liben geschlagen GTroj 15771; im begunde sere grusen [...]. / im moͤhte sin ergrawet / daz har uf sinem gebel WhvÖst 3489; von dem fuoz unz an den gebel / in fiure, beche unde swebel: / dâ müezt ir ûz und innen / immer inne brinnen Georg 4211; von dem vuoze unz ûf den gebel / sô lobt diu werlt gemeine gar den helt ûz Ôsterrîch Wartb Fl 9,1; in herzen und in gebele / lach sin ungemach Rab 358,1. – von Tieren: sîn vil scharpfiu snîde gienc / dem orse guot durch sînen gebel KvWTroj 4019; einen slag er mit kreften wag / dem starchen wurm auf seinen gebl, / daz ein fewr und ein nebl / aus da ze seinem giele sprang Dietr 1658; WolfdD(H) 1626,1; KvWTroj 10674; GTroj 19558    2 ‘Maul’ als ir es [Minotaurus] sichtig werden an, / so werffend im den kloss [aus Pech und Schwefel] dan / völlenklich in den schlund, / so wil es zü tun den mund. / so hebtt [hält, klebt] daz hartz, bech und schwebel / im ze samen sinen gebel GTroj 22002    3 wie gibel1 ‘Giebel, Giebelmauer’ dez hvsez gebel MarHimmelf 814; die êftermvre vnd der gebel die ist gemeine UrkCorp (WMU) N333AB,5; daz her Heinrich Marsilies vnde her Goͤtze von Grôstein, sin svn, gegeben hant ze koͮfende [...] den halben gebel vnde den grunt, da er vffe stât ebd. 2711,10,16. 346,23,24,26

MWB 2 135,16; Bearbeiter: Tao

gëbelich Adj. ‘verteilend’ die ander gerehtikeit ist, dü bestat in der gebung, unde heizet »ein geblichü gerehtikeit,« [ quae consistit in distribuendo: et dicitur distributiva iustitia ] nach dem unde etlich rihtere oder spender git einem ieklichen nach siner wirdikeit ThvASu 276,5

MWB 2 135,49; Bearbeiter: Tao

gëbelîn stN. Dimin. zu gëbe stF. ‘kleines Geschenk’ ê dan ich einen rîchen bœsen prîsete umbe ein gebelîn, / ê wolte ich mit den milten armen immer arme sîn Litschauer 2:5,9

MWB 2 135,55; Bearbeiter: Tao

gebelle stN. ‘Hinterbacken’ [der Wolf zum Hund:] sage mir, vil trût geselle, / wie sint dîn brâten und dîn belle [La. gepelle ] / sô veizet und ouch dîn balc sô vol? Renner 7350

MWB 2 135,59; Bearbeiter: Tao

gebëlle stN. ‘Gebell, Bellen’ ez sol auch nyͮman keyn wilt iagen in sinem ingange noch in sinem vzgange des selben waldes in der banmyͮle: vnd daz ist eyns hornes geschelle, / eynes hundes gebelle, / eynes hamers wurf / vnd eyns schalkes furtz UrkWürzb 39,278 (a. 1326)

MWB 2 135,63; Bearbeiter: Tao