g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gëbære, -er
stM.
‘Geber’
das der kunig were / ain reicher gebere
HvNstAp
20350;
nu sol man wise geber sehen StrKD
8,198.
61,94;
der geber des almüses Gnadenl
3:A2,277;
ein herre, der ein geber wil sîn, der muoz suochen einen nemer Eckh(Pf)
614,9;
geber der rechten lere / glinstern sam des himels
liecht [vgl. Mt 13,43
]
Daniel
7304;
TrudHL
11,33.
–
den fromvͦtin gebere minnot
got [
hilarem enim datorem diligit deus II Cor
9,7]
BrEng
5;
MvHeilFr
35;
HeslApk
12437
(s.a. TPMA 4,204).
– von Gott, Christus:
er ist ain rîchliger geber PrGeorg
22,10.
201,20;
’s ewgen levens milde gevere MarlbRh
133,15;
o geber aller gabe, o loͤser aller gevangnisse
Mechth
1: 12,2;
ein gnâden geber HvFritzlHl
34,28;
PsM
H 94,1;
HlReg
47,32;
Eckh(J)
50,27.
– übertr.:
da von ist er
[
winter
] ein rawber / und der may ein gebaer
Teichn
402,26
MWB 2 129,1; Bearbeiter: Tao
gebâren, gebæren
swV.
selten mit Umlaut: gebêren
MarlbRh
68,21,
KarlGalie
12281,
MorantGalie
1549
(weitere Belege bei Bartsch, Karlmeinet, S. 285);
gebæren
UvEtzWh
991;
gebœren
Minneb
4666.
4863
(Konjektur).
5383.
–
einmal st. gebar (
Brandan
104
) 3. Sg. Prät. durch Vermischung mit gebërn stV. (vgl. DWB 4,1,1,1639
mit zusätzl. späteren Belegen).
1
‘sich in bestimmter Weise gebärden, betragen, benehmen,
verhalten’ (vgl.
bâren2
) 1.1 intr. 1.1.1 allgemein. 1.1.2 bei etw., gegenüber etw. ( zuo ) 1.1.3 gegenüber jmdm. 1.1.4 vom gegenseitigen Verhalten zweier Personen 1.2 refl. 1.3 subst. 2
‘in bestimmter Weise (in Bezug auf etw.) handeln, (mit jmdm./etw.)
verfahren, umgehen’
2.1 mit Angabe der Art und Weise 2.2 mit jmdm./etw. 2.2.1 mit jmdm. 2.2.2 mit etw. ( mit, zuo )
1
‘sich in bestimmter Weise gebärden, betragen, benehmen,
verhalten’ (vgl.
bâren2
):
1.1
intr.
1.1.1
allgemein.
– mit Adv.:
swie blîd’ er hie gebâre, er ist ein
grimmer man NibB
1753,3;
ich wil ouch ûzzen frô gebâren zaller zît / und
innan tûzzen, dâ mîn herze in sêre lît SM:HvS
1: 20,7;
wol
NibB
643,3;
Parz
825,3;
RvEBarl
939;
werlîche
Parz
538,15;
manlîchen
Iw
3719;
Eracl
4730;
angestlîche
Wernh
D 3731;
die hôrter gebâren / harte clägelîchen
Iw
5202;
jæmerlîche
Eracl
3935;
Wig
9803;
ungezogenlîche
Rol
6083;
tumplîche
RvEBarl
8224;
deme lewen gilîch dû gebârist Gen
2747;
Iw
6947;
Parz
555,23;
Tr
4085;
daz begund im starke swâren, / unde enweste wie
gebâren Iw
2252;
Herb
8422;
Eracl
3031.
– mit Präp.-Gruppe:
ir munt kan niht gebâren / mit lachen, ê si den
gesiht / dem man des hôhsten prîses giht Parz
135,16;
die ougen er verkarte, / mit
hulne [Heulen] er gebarte / iamerlich als
im gebot / die not PassIII
213,86;
êren craft nie man gewan, / wan der eine, der des
vârte, / daz er sô mit triuwe und och mit zuht gebârte
SM:UvS
11: 4,6;
ich kunde nâch rîterlîchen siten / alsô wol
gebâren / als die ie rîter wâren Iw
3561.
– mit bloßer Negation:
vor freuden kund er niht gebârn
EnikWchr
4021.
– in Vergleichen:
sî [...] begunde gebâren
/ als ein wîp diu sêre / sorget umb ir êre Iw
4614;
dô im diu êre was geschehen, / do gebârter rehte
diu gelîch / als im aller tägelîch / zehenstunt geschæhe alsame ebd.
753;
die riesin gebartin also sie doueten
Roth
900;
sam ers niht enwesse, gebârte der listege man
NibB
471,4;
er gebarte in den stunden, / als er hette den zan
swern Herb
12078
1.1.2
bei etw., gegenüber etw. (zuo):
und wandes [
sie Floræte, die
die Wöchnerin spielt] ouch erkande wol, / wie man hie zuo
gebâren sol Tr
1918;
ein rede der liute tuot mir wê, / da enkan ich niht
gedulteclîchen zuo gebâren MF:Reinm
15: 5,2;
ir neheines gruoz het er vernomen, / die dâ gruozbære
wâren. / dâ kunder zuo gebâren / als ir schiere sult gehœren
Wh
144,10.
130,8
1.1.3
gegenüber jmdm.:
– mit Dat.d.P.:
wie sol ich sælig wîp den liuten nû gebâren, / daz
ich müg ir nâchrede wol gestillen KLD:BvH
13: 1,2.
– mit Präp. (gegen, wider, zuo):
vil edel Rüedegêr, / swie halt gein iu gebâren
dise recken hêr, / daz nimmer iuch gerüeret in strîte hie mîn hant
NibB
2201,2;
vientlichen sie gebarten / kegen im in den
stunden Daniel
4182;
Minneb
4878;
wie
daz [
ingesinde
] gebâre wider
mich Iw
6419;
Tr
14823;
UvZLanz
618.
5408;
unt wie er zen rîtern solti gebâren / umbe daz,
daz sim willich wâren VAlex
213;
Minneb
4863
– mit dar:
weizgot wan ir eine, / daz ich durch iuch noch
mêre / dan durch mîn selbes êre / vriuntlîche dar [zu
Tristan] gebâre, / sôn gesæhe ich in zewâre / mit
vriundes ougen niemer an Tr
13973
1.1.4
vom gegenseitigen Verhalten zweier Personen:
man sach sî dort zesamne komen / und vîentlîchen
gebâren, / die doch gesellen wâren Iw
7013;
begunden dar gâhen, / wand sî sî gerne sâhen / sô
vriuntlichen gebâren ebd.
7513;
nieman si wenden solde, / sine gebârten heinlîche
Parz
176,23;
[Tristan und Isolde] begunden ouch zehant /
lieplîche in ein [zueinander] gebâren, / zît unde
state vâren / ir rûne unde ir mære Tr
11927
1.2
refl.:
owê, nu weiz ich leider niht, / wie ich mich sol gebâren! /
SM:HvStr
3: 3,9;
KLD:Obernb
5:3,1;
enruoche eht er, wie tûze ich mich gebâre
MF:Reinm
64: 3,7;
ir hertz dik grinnet / so der lip geparet sich / sam er si
maniger froden rich SHort
425;
owe, min herr, sol daz nit we tuͦn, so du
[...] bist daz einig uzerweltes herzliep, und du
dich denne als vroͤmdeklich gebarest [...] ?
Seuse
231,1.
– gegenüber jmdm.:
wie sol ich mich denne gebaren gegen dem, mit deme
selben, den min sele da minnet? Seuse
294,22
1.3
subst.:
vil wulfein gebaren / truͦgen si gemaine / ovf die
vrowen raine Wernh
A 2924;
sîn gelâz und sîn gebâren Tr
2852;
ir sprechen und ir gebâren Eracl
2338;
ir guot gebâren, / ir lîp wolgestalt SM:HvF
2: 2,7;
siu sach an ir gebâren, / daz si alle fürsten wâren
UvZLanz
7191;
doch menlich was ir gebâren Kreuzf
5109;
vil frôlich gebâren / erzeigten si den gesten
Ottok
2856;
alrerst hub sich jamers clage / und jemerlich gebaren /
von den frauwen die da waren HvNstGZ
2733
2
‘in bestimmter Weise (in Bezug auf etw.) handeln, (mit jmdm./etw.)
verfahren, umgehen’
2.1
mit Angabe der Art und Weise:
dô kunder sus gebâren: / dô nam mîn hêr Gâwân / vier
werde rîter sunder dan [...]
Parz
666,22.
– rechtsspr.:
alse he den rouber brenget vor gerichte
[...], so mac der vorderer vregen eines urteiles,
[...] ab he in rechte vor habe bracht unde
gebart habe, als recht si StRFreiberg
130,20.
79,9.
197,17
2.2
mit jmdm./etw.
2.2.1
mit jmdm.:
dâ zuo sprach er si
[Eva] scolte im [Adam]
sîn untertân swî er wolte mit ir gebâren Gen
472;
do lie er [Jesus Christus]
in [Petrus] an siner aigen schulde lernen wie er
mit sinen undertanen gebarn scholt die haubthafter suͤnde schuldich
waren PrOberalt
86,13;
der hete die genade uon gote garnet
[...], daz er an eimme îegelichen mennesscen
sâch, wie die goͮten engele unde die ubelen tieuele mit der selę
gebârten Spec
110,25;
LvRegSyon
555.
– refl.:
Seuse
294,22
( →
1.2)
2.2.2
mit etw. (mit, zuo):
dehein leu sî sô hêr noch nehein ander tier /
[...], / iz ne sî ime [dem Mensch
(Adam)] untertân swî er dermite welle gebâren
Gen
97;
nû hân ich mit dînem golde / gebâret als ich solde / nâch dîner muoter
gebote Greg
1762;
de mit swerde inde schilde / wale in stride kan geberen
MorantGalie
1549;
kein sichtum wart nie so gedrang / noch sust kein
smertze so ungehure, / ez kem doch etwen wunden stur [Hilfe
gegen Wunden, Arznei] / so volliclich gesendet, / daz man
mit kunde derwendet / den, ob man reht da mit gebert Minneb
5383;
daz er im kiese einen man, / der mit kampf gebâren
kan EnikWchr
9574;
dâ besendet iuwern hoverât, /
[...] und ervaret iegelîches muot: / vrâget,
wie si dunke guot, / daz ir hie mite [hinsichtl. der
Brautwerbung] gebâret Tr
8447;
ich bin des milten lantgrâven ingesinde. /
[...] die andern fürsten alle sint vil milte,
iedoch / sô stæteclîchen niht. er was ez ê und ist ez noch. / dâ von kan er
baz dan sie dermite [
mit der
milte
] gebâren Walth
35,11;
beide zv ernste vnde zv spil / kvnde er wol gebaren
Herb
3031.
– rechtsspr.:
wer auch, das iemant phendet, der schol das phant furen in das
nehste gericht vnd phentlich do mit gefaren. swer dor uber phendet vnd
nicht phentlich do mit gebaret, als vor geschriben stet, das schol man
haben vor ein strazraub MGHConst
9:474,21
(a. 1349);
UrkFreiberg
2:6,38
(a.
1328)
MWB 2 129,19; Bearbeiter: Tao
gebæren
swV.
→
gebâren
MWB 2 131,32;
gebâret
Adj.
Ansatz unsicher; wohl zu
gebâr
stM., gebâre stF.
‘ein gewisses Benehmen, Verhalten zeigend’
dur daz sî ist also guot / und so rehte wol
gebâret [oder als 3. Sg. von gebâren
aufzufassen?] / und so lieblîch lachen kan SM:KvL
9: 2,2;
UvZLanz(K)
7847
( →
gebartet
Adj.)
MWB 2 131,33; Bearbeiter: Tao
gebæric
Adj.
‘sich in bestimmter Weise benehmend’
si was tugentlîch gemuot, / schône gebærec, envollen guot Mai
11,36
MWB 2 131,39; Bearbeiter: Tao
gëbærin
stF.
‘Geberin, Spenderin’
ich [
Liebe
] bin eine
deylerynne / des uffhabes [d.h. des hl.
Altarsakraments] und eine geberynne Pilgerf
2496;
aller tugent ein hübisch riche geberinne Frl
3:32,1;
datrix karismatis: gebærinne himelischer gebe PsM
H 44,6
MWB 2 131,42; Bearbeiter: Tao
gebartet
Adj.
‘mit Bart, bärtig’
zwên alte wallære, / die wâren gote gebære: / getaget unde
gejâret, / gebartet unde gehâret, / alsô diu wâren gotes kint / und wallære dicke
sint Tr
2626;
da vant er in der zelle / sinen swager Rennewarten, / vil
harte lang gebarten / und gende in einer kappen Rennew
21490;
die muͤnche, wol gegarte [La.
gebarte
]
ebd.
12238.
– hierher?:
der [Drache] was gebart, / daz nie tier sô vreislich
wart UvZLanz(K)
7847
(vgl. Anm.z.St.)
MWB 2 131,48; Bearbeiter: Tao
gebate
swM.
‘Patenkind’
eine tohter junge / unt gewüehse dann dirre pate [La. Hs. C
gebat
] , / [...]
RvZw
168,10
MWB 2 131,58; Bearbeiter: Tao
gëbe, gibe
stF.
gibe
Serv
1260;
KvWTroj
18547;
zu i für ë vgl. 1
5Ahd. Gr. § 30
Anm.1.
1
‘Gabe, Geschenk’
1.1 allg. 1.2 relig. 1.2.1 als Opfergabe 1.2.2 von den (Gnaden-)gaben des hl. Geistes, Gottes 2
‘Belohnung, Lohn’
3
‘Geben, Gewähren, Schenken’
4
‘Abgabe, Gebühr’
1
‘Gabe, Geschenk’
1.1
allg.:
er gebete zêrist der junchvrouwen aller bezzeste
[...]. / guot wâren die gebe Gen
1008;
Persiam gebih an dîne hant. / du maht dih frowen dirre
geben SAlex
3480;
muͦle unde olbende, /
[...] unde andere gebe mere Rol
620;
genâde [danke] , vrouwe, dirre
gebe Wig
6118;
wurde mir ir minneklicher habedank, / daz wære mir ein
lieber funt, ein rîchiu gebe SM:HvS
1: 23,4;
swer milte wesen wol getar, / der überwindet alle nôt. /
sich wâget maniger in den tôt / durch sînes vrîen herzen gibe
[
: sibe
]
KvWTroj
18547.
–
hab ich si dâ für niht erkorn / daz al diu fröide mîn / niht anders sî
wan an ir gebe [an dem, was sie gibt] , / sô sî mîn
dienest gar verlorn KLD: UvM
2:1,3;
i’n weis ir niender einen, der so milte si, /
der [dass er] den gernden teilte mite / von
siner gebe [von dem, was er verschenkt]
Marner(W)
3,2:14.
–
si erten mit dienste vnd mit geben
Konr
15,17;
ich rîche iuch immer unz ich lebe, / sô mit lêhen, sô
mit gebe Wh
231,18;
swes ir mich gewert daran, /
[...] ich verdien ez, die wîl ich leb, / beide
mit lîhen und mit geb Ottok
1588;
Wh
337,7.
– in Verbindung mit bestimmten Verben (bieten, bringen,
geben usw.):
dicke bot her ime sin guͦt, / sinen schaz vn̄
sine gebe Ägidius
736;
bringet im ouch mîne gebe Gen
2444;
AvaLJ
26,4;
TrudHL
103,18;
Ägidius
627;
grôz gebe und starkiu lêhen / enpfienger von Ermrîche
genuoc Parz
421,26;
Rol
2517;
Ägidius
623;
ire gebe si ime gâben Gen
2302;
UvTürhTr
910;
gewert ir mich der selben gebe Wig
2797;
dîn scalch Jacob sante dir dise gebe guot
Gen
1521;
En
3861;
VAlex
1042;
Rol
2421;
UvZLanz
5770;
dô man Ênêases geve / vor Latînum den kunich trûch En
3912;
LobSal
202;
Kchr
13008;
Ägidius
1278;
Jacob bat in gnôte [...], /
daz er in sô neleidigete daz er sîne gebe
firwiderete [ausschlage]
Gen
1571;
dar umbe wolt ich uirzihin / der gebe Marsilie
Rol
3139.
– etw./ jmdn. ze ~ bringen, senden:
wir bringen Lanzelet ein swert / und ander kleinôt iu ze gebe
UvZLanz(K)
8639;
eines dinges si gedâhten, / daz si in
[das Kind] ze gebe brâhten / dem der rœmischer
krône pflac Wh
283,24;
einen slüzzel gab er im ze gibe [
:
belibe
]
Serv
1260;
und lât ir mir daz zeiner gebe, / edel rîter, von iu
hân [schenkt ihr mir das Leben] , / sô wil ich
werden iuwer man Wig
7190;
daz [
harnasch
]
ir von Schotten Vridebrant / ze gebe sande für ir schaden
Parz
70,17
1.2
relig.
1.2.1
als Opfergabe:
der berg heizzet Oreb, / dâ wirt daz opher uile wert, / dâ geben wir
gote unsere gebe Exod
959;
ob wir mit gotes minne / unser gebe dar
uf [auf den Altar] pringen VMos
60,25
1.2.2
von den (Gnaden-)gaben des hl. Geistes, Gottes:
do si [Apostel] die gebe
enphiengen, vil drate si uz giengen AvaLJ
198,1;
div sibente gebe in dirre zale / daz ist gotes forhte
uber al VMos
71,1;
wider den siben lasteren sante er uns ze hilfe siben
gebe des heiligen geistes Spec
151,2;
der almahtigi got der hat uns hiute gebin eine grozze
gebe, disen hoczitlichen tac der uron ôster ebd.
53,29;
ich zel mirz zeiner grôzen gebe / von unsers herren
barmicheit / daz er mir mîn herzeleit / mit iu beiden hât benomen
Wig
9755.
– Gnade (Gottes), Barmherzigkeit:
swie starke ir daz geriete / diu kindische miete, / iedoch
geliebete irz [
ez die Pflege des aussätzigen
Heinrich] aller meist / von gotes gebe ein süezer geist
AHeinr
348;
Tr
2612;
sô waldes diu gotes gebe, / so ir in die
kemenâten gêt / dâ lît marveile stêt Parz
561,20;
grüeze mînen œheim / und sage im daz, daz ich
noch lebe / und müge ouch noch mit gotes gebe / wol vürbaz leben unde
genesen Tr
7446;
nu wir siner gnaden biten, / der lazze uns werden
schin, / wes Maria brvt schul sin, / v̄ erzæige mit gewalte, / wer ir
von siner gebe walte [wer sie zur Frau nehmen
soll]
Wernh
D
1668
2
‘Belohnung, Lohn’
dar umb enpfâhet ir die gebe / daz iu nie deheiner vart /
alsô wol gelônet wart Wig
5592;
der mir ervert / ob der selbe rîter lebe, / der hât immer
mîne gebe [dem werde ich mich immer dankbar erweisen]
ebd.
5270;
er [Paris] muoz von mîner
[d.i. der Göttin Venus] hôhen gebe / wîsheit erwerben
unde schaz KvWTroj
3172.
– hierher oder zu 1.2.2:
got [...], / dem ich ie was
undertân / und noch guoten willen hân / ze dienen
[...]. / swer verdienet sîne gebe, / der ist rîche
immer mê Eracl
288;
ir habt die grôzen gotes gebe / erworben an dirre verte StrKarl
3970
3
‘Geben, Gewähren, Schenken’
zv dem gelubede stete, / zv rechter gebe milde
Herb
147;
wan daz ich von iur helfe gebe / alsus mit werden freuden
lebe Parz
655,17;
frouwe, ernbiut [= er
enbiut
] iu mêre, / daz er mit werden freuden lebe, / und
vreischer iwers trôstes gebe [wofern er nur erfährt, dass ihr ihm Trost
gewährt]
ebd.
645,18.
371,20;
des [deshalb] wart ir
gâbe [was sie schenkte] niuwe / ze himel mit endelôser
gebe [durch ewige Beschenkung]
ebd.
116,21
4
‘Abgabe, Gebühr’
vnd ob daz dehain gebe chostet gegen dem pischolf vnd dem gotshoͮs von
Salzpurch, die schol der probst von Seccowe gebn UrkCorp (WMU)
1301,34
MWB 2 131,61; Bearbeiter: Tao
gëbe
swF.(?)
oder zu
gëbe
stF.?
‘Geberin’
ir sît, sælic vrowe hêr, / sîn êren gebe, sîn sælden wer UvLFrd
124,32;
si ist mîner hôhen vreuden gebe: / ich dien ir, al die wîle ich lebe ebd.
243,15.
129,8.
253,20.
355,32;
KLD:UvL
40:7,7.
58:7,6
MWB 2 133,37; Bearbeiter: Tao
gebëcken
swV.
zu bëcken (z.B.
Rol
1974(La.)
), einer Var. von →
bicken
swV. ‘stechen’.
mit dem swerte [...] gebecter unde
gesluoc / den vînt [Drachen] sô vil wâ unde wâ, / biz ern
verschriet dâ unde dâ Tr
9200
MWB 2 133,42; Bearbeiter: Tao
gebeidet
Adj.
‘gedoppelt, zweifach’
dem gebeidetem leide / dem gienger rehte nâch dem site / und
nâch dem billîche mite Tr
13766
MWB 2 133,47; Bearbeiter: Tao
gebeinde
stN.
→
gebeine
MWB 2 133,50;
gebeine, gebeinze
stN.
gebeinde
PassI/II
70,69;
gebentze
Karlmeinet
444,28.
1
‘Knochen, Gebein’
2
‘Bein’
1
‘Knochen, Gebein’
ûz hertem leime tet er [Gott]
gebeine, / ûz brôder erde hiez er daz fleisk werden Gen
195;
sô nescult ir mîn gibeine hie nieht lâzzen eine. / ir scult
iz mit iu fuoren, heime mit erde bitrôrin ebd.
3031;
zu dem guten sent Romane: / da suchet man zeware / ir uil
heiligiz gebaine Rol
8669;
dâ lît noch sîn gebeine vor Iw
5852;
den [Toten] was daz âs mit swacher
kraft / an daz gebeine behaft RvEBarl
1832.
–
als vil sam di alre hôhisten perge / ze wazzer megen
werden, / oder aller der walt ze staine, / sam mag diz durre
gebaine [der tote Stier] / ûf dirre erde / niemer
lebendich werden Kchr
10200;
iz [das Gestühl aus Elfenbein]
trogin elphande / wille [= wîlen
] in den
gebiene Roth
1609;
ein gebraten gefultez ferhelin mache also: nim ein verkelin
[...] vnd loͤse beide fleisch vnd gebeine
abe [...]
BvgSp
8.
–
er az unde tranc / vil wênic und vil kleine. / niht anders wan gebeine /
was an im und diu hût dar obe KvWAlex
670;
dô dacte er sîn alt gebein / in dem gewande warmen Schlegel
877
2
‘Bein’
[das Pferd war] starc und wît zen brüsten: / mit dürrem
gebeine, / ze grôz noch ze kleine: / diu [Beine] wâren
vlach unde sleht, / als einem tiere ûfreht Er
7356;
der lief und spranc allen den vor, / die des phlâgn ûf rîters gebeine
Tit
133,4;
des [des Gelähmten] gebæine sach man starren / als
einer chalten leiche Serv
3182;
elliu sîniu lit gemein, / arm, houbt und sîn gebein, / daz
was im alz entwichen gar EnikWchr
3930;
müdiu gebaine / gewinstu niemer, / daz du luffest iemer
GTroj
7270
MWB 2 133,51; Bearbeiter: Tao
gebeinet
Adj.
‘mit Beinen versehen’
in dem wasser sind auch vil / visch, [...] als
lamppartisch ros gestalt. / die sind snel und pald, / in aller handt varib gar
gevar, / darczue woll gepainet gar Seifrit
4912;
es ist nit daran daz du nit geschuldert oder gebeynet sijst genug: / du werest
groß und starg genuͦg Pilgerf
4536
MWB 2 134,20; Bearbeiter: Tao
gebeitic
Adj.
‘wartend, geduldig’
nû bis [...] gebeitic / eine cleine wîle hî!
NvJer
26559;
so sol er mich minnen und gebeitig sin Mechth
6: 14,10;
ie si gebeitiger [Konj., Hss.
gebietiger, so zitiert bei HvNördlBrf
46,46
] ist ebd.
1: 22,18
MWB 2 134,27; Bearbeiter: Tao
gebeitsam
Adj.
‘wartend, geduldig’
also muͦs der mensche sich gotte lossen
einvalteclichen in gantzer getruwunge und in sinen ewigen willen,
[...] in gebeitsamer gelossenheit Tauler
397,6;
in einre gelossenre gebeitsamer langmuͤtikeit ebd.
23,22
MWB 2 134,32; Bearbeiter: Tao
gebeitsamicheit, gebeitsamkeit
stF.
‘geduldiges Warten’
o der diseme grunde wol
noch [
nâch
] ginge in der waren
gebeitsamkeit, das diser sieche echtewe und drissig jor hatte gewartet bitze daz in
got selber gesunt mahte und hies in gon! Tauler
39,4;
noch [
nâch
] diser
gebeitsamekeit ebd.
39,21;
hie inne [in Christus] wurt
gelossenheit und senftmuͤtige gebeitsamkeit, also daz man alle ding von gotte
genemen kan in gelicheme gemuͤte ebd.
96,7
MWB 2 134,37; Bearbeiter: Tao
gebeiʒe
stN.
‘Beizjagd’
dâ bî was guot gebeize / und ein vogelrîchez riet UvZLanz(K)
458;
der künic und diu künigin / berieten sich ouch under in / einer tagalde, / daz
sie vor dem walde / ein gebeize wolden hân Gauriel
3805
MWB 2 134,46; Bearbeiter: Tao
gebeiʒen
swV.
→
beiʒen1
und
beiʒen2
.
1
beiʒen1
‘mit einem Greifvogel jagen’ , bildl. 2
beiʒen2
‘beizen, ätzen’ , bildl. 3
beiʒen1
oder
beiʒen2
.
1
→
beiʒen1
‘mit einem Greifvogel jagen’, bildl.:
swer mutes, willen waldet in dem herzen sin, / [...]
daz er untugent beizet [bekämpft]
Frl
5:70,3.
–
‘mit Hunden jagen’
do wolte er beizen mit den hunden sin WolfdD(H)
617,3.
–
‘nachstellen’
er [Teufel] warf im dicke und dicke vor / daz
luder valscher gelust / und wolde sine kusche brust / verbozen
[...], / idoch, swaz er in beizte, / sin iaget was
mit im verlorn PassIII
396,80
2
→
beiʒen2
‘beizen, ätzen’, bildl.:
zeimal was ein ritter / an deme herzen bitter. / ein ezzec der untugende /
hete in von siner iugende / gebeizet und wonte im mite PassIII
536,67.
– übertr. ‘jmdn. peinigen’
der gotes knecht, / hielt der tugent wol ir recht, / die da gedult heizet.
/ swaz er wart gebeizet / in disme ungemache, / daz duchte in gar ein sache / zu
der vollenkumenheit PassIII
322,58;
er sach wol wie er was virlorn / von rehte, wan er gotes
zorn / so dicke uf sich reizte. / do in alsus gebeizte / die ruwe und in
gezemte, / an im sie gar virlemete / swaz er der werlt willen hete
Vät
4370
3
→
beiʒen1
oder
beiʒen2
.
‘(ein Zugtier) anschirren, anspannen’ (vgl. AWB
1,859):
swie vil der ochse, so er gebeizit ist vnder daz ioch, vf slahe
[mit den Füßen ausschlägt (vgl. FWB 2,665 mit späteren
Belegen)] , ern mach sich des niht erweren, der in da
meinit [= menet
] , erne stech in also
dicke als er wil PrLpz(L)
82,34
MWB 2 134,51; Bearbeiter: Tao
gëbel
stM.
s. a.
gibel1
.
1
‘Schädel, Kopf’
2
‘Maul’
3 wie
gibel1
‘Giebel, Giebelmauer’
1
‘Schädel, Kopf’
– von Menschen:
daz houbit [des Menschen] tet er
[Gott] sinewel, zôch uber den gebel ein vel
Gen
116;
und sluͦg in so vaste uf den gebel / daz im kam
ein grozer nebel [er betäubt wurde]
Rennew
17545;
Loheng
2164;
menig schwartzer gebel by den tagen / ward von liben
geschlagen GTroj
15771;
im begunde sere grusen [...]. /
im moͤhte sin ergrawet / daz har uf sinem gebel WhvÖst
3489;
von dem fuoz unz an den gebel / in fiure, beche unde swebel: / dâ müezt ir
ûz und innen / immer inne brinnen Georg
4211;
von dem vuoze unz ûf den gebel / sô lobt diu werlt gemeine gar den helt ûz
Ôsterrîch Wartb
Fl 9,1;
in herzen und in gebele / lach sin ungemach Rab
358,1.
– von Tieren:
sîn vil scharpfiu snîde gienc / dem orse guot durch sînen
gebel KvWTroj
4019;
einen slag er mit kreften wag / dem starchen wurm auf seinen gebl, / daz
ein fewr und ein nebl / aus da ze seinem giele sprang Dietr
1658;
WolfdD(H)
1626,1;
KvWTroj
10674;
GTroj
19558
2
‘Maul’
als ir es [Minotaurus] sichtig
werden an, / so werffend im den kloss [aus Pech und
Schwefel] dan / völlenklich in den schlund, / so wil es zü tun den
mund. / so hebtt [hält, klebt] daz hartz, bech und
schwebel / im ze samen sinen gebel GTroj
22002
3
wie
gibel1
‘Giebel, Giebelmauer’
dez hvsez gebel MarHimmelf
814;
die êftermvre vnd der gebel die ist gemeine UrkCorp (WMU)
N333AB,5;
daz her Heinrich Marsilies vnde her Goͤtze von Grôstein, sin svn,
gegeben hant ze koͮfende [...] den halben gebel vnde
den grunt, da er vffe stât ebd.
2711,10,16.
346,23,24,26
MWB 2 135,16; Bearbeiter: Tao
gëbelich
Adj.
‘verteilend’
die ander gerehtikeit ist, dü bestat in der gebung, unde heizet
»ein geblichü gerehtikeit,« [
quae consistit in distribuendo: et dicitur
distributiva iustitia
] nach dem unde etlich rihtere oder
spender git einem ieklichen nach siner wirdikeit ThvASu
276,5
MWB 2 135,49; Bearbeiter: Tao
gëbelîn
stN.
Dimin. zu
gëbe
stF.
‘kleines Geschenk’
ê dan ich einen rîchen bœsen prîsete umbe ein gebelîn, / ê wolte ich mit den
milten armen immer arme sîn Litschauer
2:5,9
MWB 2 135,55; Bearbeiter: Tao
gebelle
stN.
‘Hinterbacken’
[der Wolf zum Hund:] sage mir, vil trût geselle, / wie sint
dîn brâten und dîn belle [La. gepelle
] / sô veizet
und ouch dîn balc sô vol? Renner
7350
MWB 2 135,59; Bearbeiter: Tao
gebëlle
stN.
‘Gebell, Bellen’
ez sol auch nyͮman keyn wilt iagen in sinem ingange noch in sinem vzgange
des selben waldes in der banmyͮle: vnd daz ist eyns hornes geschelle, / eynes
hundes gebelle, / eynes hamers wurf / vnd eyns schalkes furtz UrkWürzb
39,278
(a. 1326)
MWB 2 135,63; Bearbeiter: Tao |