glockenbluome, glöckelînbluome
swMF.
eine Blütenpflanze:
ligustra: wiße gloͤcklin bluͦmen [La.
gloggenbluͦmen
] vf den zinen VocClos
Li66
MWB 2 833,56; Bearbeiter: Helmich
glockengieʒære
stM.
‘Glockengießer’ (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 278):
H. von Pailpruͦnn der glokkengiesser UrkRegensb
743
(ca. 1325-1350).
– als Bestandteil von Personen- oder Hausnamen:
terciam partem in domo anteriori lignea dicta zume clockingizere
UrkHess (B)
2,606
(a. 1301)
MWB 2 833,59; Bearbeiter: Helmich
glockengieʒen
stN.
unklar, ob Syntagma.
‘Glockengießen’
sô schiltet maniger eines andern kunst / der selten guot, êre oder gunst, /
mit sîner künste hât erworben: / [...] / swer einen bickel
giezen kan, / der nimt sich glocken giezens an Renner
13470
MWB 2 834,1; Bearbeiter: Helmich
glockenîe
stF.
‘Glöckneramt, Glockenamt’
in derselben stadt die glockenye den purgern der stadt Molhausen bevelen wir
zu vorliehen UrkPreuss
3,16
(a. 1338)
MWB 2 834,7; Bearbeiter: Helmich
glockenklanc
stM.
1
‘Glockengeläute’
2 das Recht, die Sturmglocke zu läuten
1
‘Glockengeläute’
swâ er in eine stat gie, / man und wîp in enphie / froelîche mit gesange / und
mit glockenklange LvRegFr
2597;
wan sô habt ir rehte zin und kupfer zesamen brâht. hîâ, daz klinget iu wol, ir
tiuvele, daz ist guot glocken klanc! PrBerth
2:149,39
2
das Recht, die Sturmglocke zu läuten:
binnen diesem bezirk und hocheit vorgeschrieben weisen wir schultes und
scheffen sambt [...] unsern junkeren fur einen grundherrn,
hohen herrn, gebott und verbott zu, und alle buszen und brüchten, hochstrafen und
alle gewalt zu, wassergang, klockenklang und alle gefulgnusz der leute
WeistGr
6,560
(14. Jh.?).
2,213
(wohl noch vor 1350)
MWB 2 834,11; Bearbeiter: Helmich
glockenklüpfel
stM.
‘Glockenschwengel, Klöppel’
tintinabulum: glocken klu̇ppfel oder schelle oder kleines
gloͤckelin VocClos
Ti39;
campanile: glocke hus oder glocke klu̇pfel ebd.
Ca136
MWB 2 834,25; Bearbeiter: Helmich
glockenstranc
stM.
an der Glocke befestigtes Seil zum Läuten, ‘Glockenseil’
ein rîcher herre [...] hete manic jâr / mit dêmuot
klôsterzühte gepflogen / und ofte die glockenstrenge gezogen / in gotes dienste
Renner
23850
MWB 2 834,29; Bearbeiter: Helmich
glockesnuor
stF.
an der Glocke befestigtes Seil zum Läuten, ‘Glockenseil’
da er die gloksnure vant, / und begunde liuten zehant / ze
sturm wol mit schalle StrKD
70,37;
zv der kirchen lief er vnd nam / die gloksnvr in die hant /
vnd lvte die glokgen ReinFu
K,1571.
S3,1571
MWB 2 834,34; Bearbeiter: Helmich
glockespîse
stF.
Glockengussmaterial, ‘Glockenspeise’
ein vegfúr [...] sot als ein
fúrig gloggespise und es was oben mit einem vinstern nebel bezogen
Mechth
5: 14,3;
welich einen strik ir an disem stricke habet gesmidet! der ist vester danne
stahel oder glockspîse PrBerth
1:417,19;
man nimt ain glüend eisen oder glokspeis BdN
163,5.
der stain klingelt schôn reht sam diu glokspeis, wenn man
mit ainem eisen dar auf slecht ebd.
440,32;
FünfzZeich
180;
EnikWchr
9849
MWB 2 834,40; Bearbeiter: Helmich
glockespîsîn
Adj.
‘aus Glockengussmaterial (Glockenspeise) gefertigt’
da hiezz der kayser Adrianus machen eynen glokgspeiseinen ochsen. der ynnan
hol waz GestRom
174;
ein ritter [...] auf eynem glokkspeisein rozz ebd.
33;
diu erein oder diu glokspeisein slang half wider die dreirlai
lebendiger slangen BdN
268,11
MWB 2 834,50; Bearbeiter: Helmich
glockichîn
stN.
‘Glöckchen’
wan sente Benedictus di spîse wolde, sô lûte her daz glockichîn, sô brâchte
man ime spîse HvFritzlHl
106,40
MWB 2 834,57; Bearbeiter: Helmich
glogge
swF.
→
glocke
MWB 2 834,60;
glohe
swSubst.
→
gelohe
MWB 2 834,61;
glohzen
swV.
→
lohezen
MWB 2 834,62;
gloie
swF.
→
gleie
MWB 2 834,63;
gloieren
swV.
→
loschieren
MWB 2 835,1;
glôrieren
swV.
mit Präp.-Erg. (in, von) ‘sich wegen etw. rühmen, in etw. seinen Ruhm
suchen’
ein ieklichs pruͤfe sin werk, und also in im selber
gloriere und nút in eim andern [
et sic in semet ipso tantum
gloriam habebit et non in altero Gal 6,4]
Tauler
208,6.
219,1;
Tauler (C)
1:322,6;
dar umme ist iz gut daz man glôrijere in der gewalt gotis, wan si ist êwic und
zubrichit nimmer HvFritzlHl
138,20.
138,17;
sie [die Juden] da von der alden e / gloriereten
vmmer me. / zvͦ rvͦme sie des qvamen, / daz Krist von irme samen /
mensliche al vf der erden / geborn solde werden PrHess
46,48
MWB 2 835,2; Bearbeiter: Hansen
glôrificieren
swV.
1
‘jmdn. (Gott) lobpreisen, verherrlichen’ (vgl. glôrje
1.1 ) 2
‘jmdn./etw. in das himmlische Gottesreich aufnehmen’ (vgl. glôrje
2 )
1
‘jmdn. (Gott) lobpreisen, verherrlichen’ (vgl. glôrje
1.1):
di hirte sint widergechert daz si glorificirten vnd lobten
got EvAug
128,11;
do vorhten si sich. vnd si glorificirten got. der da gegeben
hat sölhen gwalte den menschen ebd.
17,22.
8,3.
171,8
2
‘jmdn./etw. in das himmlische Gottesreich aufnehmen’ (vgl. glôrje
2):
ein ander lôn ist, [...] daz unser lîp glôrificieret
wirt mit der sêle nâch dem jungesten tage Eckh (Pf)
645,15.
645,17.
– spez. von der Verklärung Christi:
der lip [Christi]
glorificieret wart / mit gottes goͤtlicher art WernhMl
11793;
noch was der heilige geist niht gigebin, wan Jhêsus was noch niht
glôrificîret EvBeh
Io 7,39;
Seuse
294,13.
– Part.-Adj.:
der schoͤne wúnneklich glorifizierte lip
mins minneklichen herren [Christus]
Seuse
291,28
MWB 2 835,14; Bearbeiter: Hansen
glôrificierunge
stF.
‘Verklärung’ (vgl. glôrificieren
2):
er [Christus] enhatte noch denne
niht die untötlicheit und die glorificierunge dez libes [
gloriam
corporis
]
ThvASu
58,30
MWB 2 835,30; Bearbeiter: Hansen
glôriôs
Adj.
‘ruhmvoll, glorreich’
dar nach sol man den grunt und das gemuͤte uf erheben
an die gloriose hohe gotheit Tauler
238,10
MWB 2 835,34; Bearbeiter: Hansen
glôriôslich
Adj., Adv.
adv. -lîchen.
‘ruhmvoll, glorreich’
ein einiger tropfe des glorioslichen schowens, das man in ewikeit schowet,
über triffet alles, das kein lerer in zit da von ie gesprach PrEngelb
192,376;
zuo dem drytten male so sechent si aber got aber dis ist ein glorioslich
schowen das ist besser ze bevinden denne da von ze sprechen ebd.
192,374.
–
allez volk vraüt sich. in allen dingen. di glorioslichen von
im geschahen EvAug
171,18
MWB 2 835,37; Bearbeiter: Hansen
glôrje
swstF.
auch glôri, glôria; zu lat. gloria.
1
‘Ruhm, Ehre’
1.1 auf Gott bezogen 1.2 weltlich 2
‘Herrlichkeit, Erhabenheit, Majestät’ (v.a. Gottes) 3
‘Freude, Euphorie’
1
‘Ruhm, Ehre’
1.1
auf Gott bezogen:
nút daz sine in keinen dingen, dan alleine der
ere und der glorie gottes begeren Tauler
48,33.
– spez. ‘Ehrerbietung, Lobpreisung’
in der hohsten ierachie / si got lob und glorie!
SHort
1296;
alle des menschen gunst und grunt und meinunge sal
sin yme [Gott] , yme glorie, yme der wille, die
truwe, nummer unse nutz noch lust Seuse
534,18
1.2
weltlich:
diu kost an der ziborje ist in der hoͤh wabende / dem lande uber al
zu glorje JTit
6240,2;
was eren [La.
glori
] hast du [Kaiser] des,
ob du übest lasster der unweschaidenlichenn tier HvHürnh
14,2;
sú schoͤppfent durch die sinne und ziehent
es also in irre vernunft das sú grosse ding verstont, und hant do inne
ir glorien [rühmen sich dessen]
Tauler
41,16;
Seuse
534,21.
– übertr.:
aller triwen glorie / hatz auch in sensitiva /
virtute, da bi da / in maginacione [l.
imaginacione
]
WhvÖst
12784.
– personif.:
er [König Walwan] hielt in
starker storie, / bi im hielt diu glorie, / sin sweher kuͤnc Agrant;
/ manic vrecher wigant / hielt bi in under irm vann WhvÖst
8318
2
‘Herrlichkeit, Erhabenheit, Majestät’ (v.a. Gottes):
dis ist das got git nach dem richtuͦm sinre glorien
Tauler
366,10;
alse man in [Gott] her nach in siner
glorie in himelriche sehen sol DvAStaff
422;
die glori gottis dü ist komen in Israel übermitz den weg des
ufganges der sunnen [vgl. Ez 43,2]
ThvASu
120,29.
212,6;
HeslApk
7387.
–
in hoher glorge / sie [Amor und
Venus] saßen und in magestatt Minneb
3308;
des habend wir ain byschafft schon / by der glori her Salamon
KvHelmsd
3892.
– spez. die Herrlichkeit des himmlischen Gottesreiches, metonym. dieses
bezeichnend (nicht scharf von der Herrlichkeit Gottes zu trennen, vgl. auch
genâde
1.3
):
diu glôrie enzerstœret niht gnâde, si volbringet
sie, wan glôrie ist volbrâhtiu gnâde Eckh
5: 289,6;
ŏch nemet er [Simeon] in
[
vnsern herren
] eine himelsche
ere, wenne er sinen userwelten die ewige glorien wil geben ElsLA
188,27;
also enmag nieman die glori gesehen niht wan der in der
glorien ist ThvASu
320,20;
KvHelmsd
3855;
Tauler
39,3.
– von der Verklärung Christi (vgl. glôrificieren
2):
muͦste nit liden Crist / daz von im gesriben ist,
/ und so gant [l. gân, vgl. Anm.z.St.] in
sin glorje? SHort
10001
3
‘Freude, Euphorie’
si furen hin in gloria / di richte gegen Galacia. / si furen
hin mit freuden pracht [Freudenlärm] / den selben tag und
di nacht HvNstAp
5368
MWB 2 835,47; Bearbeiter: Hansen
glôsâr
stN.
Wörterverzeichnis mit Erläuterungen:
glosár [interl. zu summarium in Überschrift
incipit prologus in librum, qui intitulatur summarium (d.i.
Summarium Heinrici Hs. C)]
Gl
3:62,Anm.13
(BStK882)
MWB 2 836,33; Bearbeiter: Hansen
glôse
swstF.
auch glôsa, glôs, selten gelôse (
Seuse #/- 529,9#/+); zu mlat.
glos(s)a.
1
‘Deutung, Erklärung, Auslegung’
1.1 spez. eine von kirchlichen Autoritäten formulierte Auslegung oder Kommentierung des Bibeltextes, in einigen Belegen wird spez. die Glossa ordinaria gemeint sein (vgl. hierzu TRE 13,452-457) 2
‘beschönigende Deutelei’ (zur Rechtfertigung sündhaften Verhaltens; vgl.
glôsieren
2
)
1
‘Deutung, Erklärung, Auslegung’
got der sprach: ‘schrib den luten / die di stat han
begriffen, / wenne sie sint besliffen [in Sünde
gefallen] .’ / diz wort hat einer glosen not
HeslApk
2267;
an daz si [die Juden] den sinn
vercherent / und ein falsche glos darauf lerent Teichn
564,3630;
swaz doch her Aristotiles / und ander lêrer haben volfüert: / wirt des ein
teil von mir gerüert / mit kurzen worten und mit glôsen, / daz ensol nieman
verdôsen [überhören]
Renner
19277;
HvNstGZ
1260;
Mechth
5: 22,14.
– allg. von Sinndeutung:
sôn hân wir ouch der muoze niht, / daz wir die glôse
suochen / in den swarzen buochen Tr
4689;
swer der rede kunde / gewunne, secht, die glose er wol ane vrage vunde
Frl
5:121G,11;
kein tor entbint die glose ebd.
7:41G,19;
WhvÖst
2709.
– übertr. ‘Bedeutung, Sinn’
nw ist der trawm peschaiden. / ir sult euch nicht lan
laiden / das ich das zwispil han gethan: / es ist ain hohe gloß dar an
HvNstAp
90;
diz wort teilet sich in viere, / wen iz viervalde glosen
treit HeslApk
6149;
in disen worten luzet / ein rede von tiefen glosin ebd.
5491
1.1
spez. eine von kirchlichen Autoritäten formulierte Auslegung oder
Kommentierung des Bibeltextes, in einigen Belegen wird spez. die Glossa
ordinaria gemeint sein (vgl. hierzu TRE 13,452-457):
ich wil sagen unverdait, / waz di glose davan sait HistAE
2130;
daz vindet ir alle an der glose, / di nicht valschez
tichtet / noch nicht argez berichtet Brun
2333;
durch daz ich geswigen wil / der glosen, want ir ist zu
vil. / ich wil lichtlich und slecht / den text, mag ich, uz legen recht, / als
ich allerbeste kan Hiob
494;
den wân von dem stain hât diu alt glôs über daz puoch
Leviticum BdN
454,8.
185,27.
185,32
u.ö.;
RvEWchr
27970
2
‘beschönigende Deutelei’ (zur Rechtfertigung sündhaften Verhaltens; vgl.
glôsieren
2
):
si wolte und wolte doch nit, si wolte gar selig sin und da
mit ir selben na lust und gemach des libes och gar gnuͦg sin, und wolt daz
mit schoͤnen glosan zuͦ
bringen [zustandebringen]
Seuse
369,9;
nu vindet sú so vil glosen: ‘ich muͦs
dis haben, dis schat nút, das schat nút’ Tauler
127,31;
sú [die schlechten
Christen]
[...] bitterent rehte ir hertze
wider sú [die Gottesfreunde] und vernútent
ire werke und ir leben, sú vindent so vil glosen [deutelnde
Einwände] wider sú ebd.
62,40.
– in den Wendungen âne alle ~
und alle ~
abe:
ane alle glose sind sú dir ein gift
Seuse
372,10;
in der worheit ane alle glose Tauler
139,2;
kinder, alle gelosen abe und alle mentel!
Seuse
529,9;
man keer es, wie man woͤll. all glosen ab! disen
weg muͦsz man geen ebd.
518,17
MWB 2 836,38; Bearbeiter: Hansen
glœselîn, glœsel
stN.
Dimin. zu
glôse
. ‘(kurze) Deutung, Erklärung, Auslegung’
‘uf gevilde alle tyr / dem elyphante heymlich
sin.’ [vgl. Iob 40,15] / dor uf spricht daz
gloselin / daz man vernemen by dem vy / sol di lute di al hy / heymlich dem tuvel
wesen Hiob
14848;
mit geloube ich alhie pflege, / daz ich dir druf ein glosel pote Pass
III
439,46;
Daniel
8292
MWB 2 837,28; Bearbeiter: Hansen |