glunkern
swV.
‘baumeln, hin und her schaukeln’
ein reck were zú velde komen / vnd hett einen tyost genomen / widder
einen stoltzen Rabinis; / [...] / er liesz jne vf der erden
sweben / hinder dem sattel vf der sla [auf dem Weg] , / daz
er also hett geglunckert da, / das jne der wint nyrgent fuͦrt Krone
18241
MWB 2 840,8; Bearbeiter: Hansen
glünsen
swV.
‘glühen, glimmen’
als der eine kerzen næme, diu erloschen wære und noch glünste und
toumte [rauchte]
Eckh
1:336,6.
–
do gab in der strasse schin / ietwederthalp duͥ bruͥnne sin, /
als ob si enzuͥndet waͤre. / reht alsam ain gluͥnsende
gluͦt / luht im sin schilt und oͮuch sin huͦt EckenlE2
42,4
MWB 2 840,15; Bearbeiter: Hansen
glunst
stM.
‘Glanz’ (vgl. auch
glanst
,
glenste
):
ich wolde daz eyn vinster dunst / het uber zogyn der sterne
glunst Hiob
1350
MWB 2 840,22; Bearbeiter: Hansen
gluot
stF.
auch geluot
( KarlGalie
1056,
GTroj
8103 ).
‘Glut’
1 allg. 1.1 metonym. ‘sengende Hitze’
1.2 bildl. 1.3 in Vergleichen (vgl. auch Friedrich, PhrasWB, S. 168) 2 phras.
1
allg.:
ist, daz man glüend gluot mit des paumes aschen bedecket, sô
wert si ain jâr BdN
325,22;
do stvnden aber di chnehte vnd di dienere zv der glvet. wan
ez was chalte. vnd wirmpten sich [
stabant autem servi et ministri
ad prunas Io 18,18]
EvAug
265,16;
ein altez wîp ersach er sân, / diu saz bî einer gluot. / er
[...] bôt dem wîbe guoten tac, / dâ sie bî ir fiure lac
Eracl
2209;
AvaLJ
135,1;
Mügeln
368,5.
–
sie roubeten vnd branten, / allez daz sie beranten. / daz
lant in gluten allez schein [das ganze Land leuchtete in Glut
liegend]
Herb
3905.
– spez. von häuslichen Feuerstellen, Kochstellen:
dô flôz im [Fischer] engegene /
ain maget [...]. / dô îlte er si vâhen; / er truoch si
zuo der gluote Kchr
11902;
da heim bi der glut StrKD
7,144;
in stuben und ouch bî der gluot SM:Had
18: 3,10.
18: 1,3.
44: 1,4
1.1
metonym. ‘sengende Hitze’
den [Ochsen] get daz fuer vz dem
mvnde. / nie dehein man enkvnde / sich des behuten, / er mvste von den gluten /
gar vurbrinnen an den tot Herb
996;
ein guldin fingerlin, / daz wider den zouber solte sin /
[...], / wider den wurm vnde wider des fures glut
ebd.
1030;
mit deme wazzere ward diu werlt hie bevore gereinet, / mit
deme fiure here nach an den die sich habent vermeinet. /
[...] / die rehte in aht sælden gelebent, gnesent
in dere gluote Himmelr
6,14;
der [
heilant
] wirt richten mit der
glut HistAE
1006.
–
sam der smít tingelet uf den anbóz, /
so daz isen ist ingluͦte [in glühendem
Zustand]
Rol
4119.
– von der Hölle (vgl.
hellegluot
):
dir ist bereit der helle gluot JTag
98;
hæte mich got niht behuot, / sô müese ich in der
helle gluot / lange wîle sîn gewesen RvEBarl
12546;
schirm uns vor der helle glut Mügeln
175,12
1.2
bildl.:
sich jungt in diner tugent glut / min herze sam der fenix
tut Mügeln
394,1;
sin muot gebrant ist lœtik [geläutert] in
der triuwen gluot Damen
6,2.
–
er [der Antichrist]
gebuͦtet in den landen / [...] / anbeten in
als got. / wer daz nit zu hant enduͤt, / dem schaft er dez dodes
gluͤt HvNstGZ
5715.
– von Gemütszuständen:
sin tœten unverseret / die Babylonen muete. /
leidic in zornis gluete / samenten sie sich drate Daniel
8058;
getruw es ist, unstet doch sin gemüte, / snel lischt
sins zornes glüte, / wie heiß der grim enphenget si Mügeln
304,11;
der angest glut lesch und der sünden brende ebd.
181,9;
Hiob
6414.
– spez. von Minne:
diu [Isolde
Weißhand] viuwerniuwet ime den muot / mit der glimmenden gluot,
/ diu ime doch naht unde tac / betrochen in dem herzen lac Tr
19046;
minne, in dîner glüete ich brinne KLD:
GvN
16: 4,2.
33: 1,6;
dat bluͦt entfengt
[entzündet] der minnen gluͦt
MarlbRh
124,10;
Minneb
4493
1.3
in Vergleichen (vgl. auch Friedrich, PhrasWB, S. 168):
der brune stahel schrit den rinc, / so daz daz fur dar vz
ginc, / als ganstern [Funken] vz der glut
Herb
8759.
– in Bezug auf Hitze, Feuer:
diu starche hitze si muͦte; / si waren rechte
sam in ainer gluͦte / baidiu uzen unt innen Rol
4444;
mîn hertze brinnet als ein gluot SM:Tu
3: 3,4.
5: 3,7.
– Leuchten, Glanz:
er
[
wâpenroc
] was von golde dennoch guot,
/ er gleste als ein glüendic gluot Parz
81,22;
ir [der Kröte] diu ougen
liuhtent wol / reht als ein brinnendiu gluot Volmar
461.
124;
Wig
10697.
10544.
– Farbigkeit:
ir mantel was harte guot, / scharlachen rôt, als ein
gluot Eracl
3810;
des kovertiur schein unde bran / von golde
rœter denne ein gluot KvWTroj
12549.
14429
2
phras.:
jmdn. durch die ~ ziehen Bed. unklar, wohl ‘jmdn.
verunglimpfen, verleumden’ (vgl. nhd. ‘jmdn. durch die Hechel, durch
den Dreck ziehen’; anders FWB 6,2468f. z.St. ‘jmdn. hart
her nehmen’):
er [der verlorene Sohn] waz
bedeht und ungevieret [einfältig] . / dez von den
buͦben er geschieret [misshandelt] / wart und
dur die gluͦt gezogen / und dik von in an
gelogen [verleumdet]
SHort
4153;
och schaffent si [leibliche
Freuden] daz er [der sie
sucht] gezogen / wirt dur die gluͦt, dur daz
baht [Dreck, Mist]
ebd.
4203
MWB 2 840,25; Bearbeiter: Hansen
gluothaven
stM.
ein mit glühenden Kohlen befüllbares, pfannenartiges Gefäß ‘Glutpfanne’ (vgl.
gluotphanne
):
arula, vas prunarum id est gluͦtphanna, gluthauen SummHeinr
2:161,189.
2:40,163;
arula: glŏthauen Gl
3:639,33
(BStK926).
4:212,14
(BStK926);
batus: gluͦthafen VocOpt
10.017
MWB 2 841,41; Bearbeiter: Hansen
gluothert
stM.
1
‘häusliche Feuerstelle, Herd’
2
‘Glutpfanne’ (vgl.
gluothaven
und
gluotphanne
)
1
‘häusliche Feuerstelle, Herd’
der herre hat is gesprochen, des vuer ist zu Syon und
gluythert ist zu Jherusalem [
cuius ignis est in Sion et caminus
eius in Hierusalem
]
Cranc
Jes 31,9.
– hierher oder zu
2
:
nu gê hin und sitze dort / zuo dem gluotherde an daz ort. / mîn sin daz
wol kiuset, / daz dich sêre vriuset [friert]
Schlegel
242
2
‘Glutpfanne’ (vgl.
gluothaven
und
gluotphanne
):
der konig saz in dem wintirhuse
[...] und eyn hert vol gluindir kolin was vor in
gesatzt. und do Judi gelas drie versin adir vire, do reyz er is mit eynim
schribmessir und warf is in das vuer, das do was uf dem glutherde
[
proiecit in igne qui erat super
arulam
]
Cranc
Jer 36,23
MWB 2 841,47; Bearbeiter: Hansen
gluotphanne
swF.
ein mit glühenden Kohlen befüllbares, pfannenartiges Gefäß ‘Glutpfanne’ (vgl.
gluothaven
):
vatillum: gluͦtpfanna SummHeinr
2:547,01.15;
arula, vas prunarum id est gluͦtphanna, gluthauen ebd.
2:161,189.
batillus: glŏtphanne Gl
3:639,34
(BStK926);
arula: glutphanna ebd.
3:643,30
(BStK926)
MWB 2 841,61; Bearbeiter: Hansen
gluotschûvel
F.
‘Glut-, Kohlenschaufel’
batillus: gluͦt hauen oder gluͦt schu̍fel VocClos
Ba118
MWB 2 842,4; Bearbeiter: Hansen
gluotzange
swF.
eine Zange zum Greifen glühenden Materials:
forcipula: glvͦtzanga Gl
3:640,48
(BStK849)
MWB 2 842,6; Bearbeiter: Hansen
glûre (?)
swF.
zu lat. lora, lorea (vgl.
lûre
swstF.), anlautendes g- ungeklärt, AWB 5,1417
nimmt ahd. zugrundeliegendes gilûra an (vgl. auch DWB
4,1,4,7926f.).
‘Tresterwein, Nachwein’
trebern und glawrn / sind pezzer vil denn chriechisch wein Suchenw
45,78
MWB 2 842,9; Bearbeiter: Hansen
glust
stMF.
→
gelust
MWB 2 842,15;
glustic
Adj.
→
gelustic
MWB 2 842,16;
glutenîe
stF.
‘Gefräßigkeit, Schwelgerei’ (aus afrz. glotonie,
glotenie, Tobler/ Lommatzsch 4,394ff.):
wie glutenie [gebessert in
leckerie
] trakeit und versteynonge den pillgeryn ankomment
[Bildüberschrift]
Pilgerf
vor 10838(App.).
– mit sexueller Konnotation (vgl. die afrz. vereinzelt belegte Bed.
‘Liederlichkeit, Schamlosigkeit’, Tobler/ Lommatzsch 4,396):
vnkuscheit, willen, gewaldige dait, hurtuͤm, befleckonge, eebrechonge,
gluttenie [Überschrift eines Bildes der Frau
Leckerîe
]
Pilgerf
vor 10379(App.)
MWB 2 842,17; Bearbeiter: Hansen
gnaben (?)
swV.
Bed. unsicher, wohl lautmalend einen Bewegungsvorgang beschreibend (vgl. DWB
4,1,5,617ff. sowie
gnepfen
und
gnütten
; oder Bildung zu
nabe
stswF. i.S.v. ‘durchbohren’? vgl. BMZ
2,1:282,23ff.):
des sol dich [
herre
] loben, swaz âten
habe, / [...] swaz vliege, vlieze und drabe, / krieche unde
gnabe LobGesMar
57,13
MWB 2 842,28; Bearbeiter: Hansen
gnaister
stswFM.
→
ganeist
MWB 2 842,35;
gnaistli
stN.
→
ganeistelîn
MWB 2 842,36;
gnar (?)
Subst.
Bed. unklar (vgl. Glr.z.St.):
Petro geschach daz leit / von czweir meide uppescheit, /
[...]. / di erste mait ist vleisches ger, /
[...]. / gote vind, di ander mait, /
[...], / is der werelde wisheit gnar
[
:czwar
]
TvKulm
4209
MWB 2 842,37; Bearbeiter: Hansen
gnarren
swV.
→
knarren
MWB 2 842,42;
gnatz
stM.
Bed. unklar, möglicherweise übertr. zu (fr)nhd. gnatz
‘Krätze, Schorf’ (DWB 4,1,5,625f.; FWB 7,56f.); in Elis an zwei
Stellen, in denen eine Einbuße an Ansehen wegen Knauserigkeit, Geiz gemeint
ist:
er hette is ummer schande / unde an eren ummer gnatz, / daz siner jungen
dochter schatz, / ir wideme, ir cleinode / were alse rechte snode, / den si zu lande
hette bracht Elis
1141;
[Elisabeth] ein getruwe schefferin / des selben geldes
wolde sin / unde ouch sunder allen gnatz / wolde nit irs herren schatz / verbergen
in der erden ebd.
7545
MWB 2 842,43; Bearbeiter: Hansen
gneist(e)(r)
stswFM.
→
ganeist
MWB 2 842,55;
gnepfen
swV.
‘wackeln, schaukeln’ (vgl.
ûf gnepfen
):
darnach machentz [die Mönche] ain gewett
[bilden Paare] , / jeder man mit ainer zu bett, / da
werdent sy so gaͤmelich, / die kutten zipfel vbent sich. / die gnepfent vnd
gnuͤttent Barfüsser
143
MWB 2 842,56; Bearbeiter: Hansen
gnippe
swstF.
auch genippe.
‘Stechmesser, Dolch’ (vgl.
knîp
stM.
):
swer genippen und stechmezzer treit in cheiner stat
[...], der sol dem rihter
[...] ein pfunt geben und sol das mezzer flisen
UrkWittelsb
1,150
(a. 1255);
den [König] ich mit der gnippen
[La. gnippe
] stach, / daz er von dem orse
seik TürlArabel
*A 232,14;
sein swert das schneidet sere. / sein gnyppe die ist gut Neidh (S)
1,294 c83:7,4;
Helmbr
153;
Neidh
WL 35:6d,12
MWB 2 842,61; Bearbeiter: Hansen
gnippe
swSubst.
Abfälle von Textilfaser beim Tuchscheren (zur Sache vgl.
gnippinc
stM.
mit Lit.):
kein man, der daz hantwerk [des Tuchmachers]
erbeit, sol pflokken noch gnippen noch hâr noch keinerley bôsheit zu werke legen
StRZwick
40
MWB 2 843,6; Bearbeiter: Hansen
gnippinc
stM.
Abfälle von Textilfaser beim Tuchscheren (vgl.
gnippe
swSubst.
, vgl. zur Sache: F. Bech, in: Germ. 27
(1882), S. 181):
geswertz garn oder werck, gnippinc oder har under wolle gemischet, daz sol man
brennen fuͤr valsch NüP
93.
40.
– wohl hierher:
die tuch [der Wollweber] ir reht suln haben an allen
dingen, [...] vnd niht gefelschet soln sin mit gurppink
[l. gnippink (?)] noch mit walkhar
StRRotenb
496
MWB 2 843,11; Bearbeiter: Hansen
gnist (?)
stSubst.
Bed. unklar (zu
geniste
i.S.v. ‘Hort’? BMZ 2,1:329b,43 erwägen
dagegen Zusammenhang mit
neisen
‘bedrängen, plagen’):
ô lügener, / wes triugestu die kristenheit, / swenne du treist an dir daz
kleit / dem dîn leben ist ungelîch! / o tugenden arm, ô schanden rîch / ô genist
[La. gnist
] , ô maniger untriuwen hort
Renner
3891.
– bildl. zu
genist
4
(?):
sîn herze lügen entwirfet, / die sîn untriuwe wirfet / mit sage ûf
unschuldigen man, / [...]. / alsô mit untriuwen gnist
[La. genist
] / der untriuwen meister ist
UvEtzAlex
6621
MWB 2 843,20; Bearbeiter: Hansen |