gotdæhtic
Adj.
‘an Gott denkend, andächtig’
vil mê vnde gernor spricht er sun wir vnsirm herrin dim
almehtigin gotte mit allir diemvͦti vnde gotdehtigir lvtri
[
humilitate et reverentia
] dienon vnde
flehon BrEng
20;
das wort Zacharias das betútet als vil als ‘an
got gedenken, gotz gehúgnisse. ’ diser gotdehtiger mensche das ist ein
inwendiger mensche, der sol ein priester sin Tauler
164,34
MWB 2 862,42; Bearbeiter: Helmich
gote
M.
‘Gote, Angehöriger des ostgermanischen Volksstamms der Goten’ (vgl. LexMA
4,1572):
den stain vindent die läut, die Gothi haizent, in aim wazzer
BdN
463,15.
– wohl hierher:
daz frumete der kivninc Flauius. / der kuninc von den
guͦten Ägidius
804
MWB 2 862,51; Bearbeiter: Helmich
gote, göte
swMF.
1
‘Patenkind, Täufling’
2
‘(Tauf-)Pate/ Patin, Zeuge/ Zeugin der Taufe’
1
‘Patenkind, Täufling’
sant Jerge gab im funfhundert und der amme ein vingerlin, / daz sie dester
gerner züge den lieben göten sin WolfdD (H)
223,4;
der bâbest sîne gotten nam / und wîhte sî, als ir gezam, / aldâ zuo keiserinne
Mai
237,39;
da bi was si genende, / daz si zu ir doufe quam: / di kinde si zuͦ
gotten nam Elis
2362;
HvBer
637
2
‘(Tauf-)Pate/ Patin, Zeuge/ Zeugin der Taufe’
do gewan er [Walgund] im
[Wolfdietrich] ze göten den grâven Wülfîn
WolfdB
173,1;
der bâbest Sirîcius hiez, / der des ouch niht enliez, / er toufte daz kint mit
sîner hant / unt wurde sîn göte dô genant AlexiusA
162;
mîns gevattren kind nim ich wol: mîns gotten kind mag ich nit nemen
SchwSp (W)
345,107;
compater: gevatro. commater: gevattera. adpater: pheterin vel patrinus.
admater: gota SummHeinr
2:4,36;
patrinus: gotti VocOpt
3.065;
patrina: gotta ebd.
3.066;
matrina: gotta ebd.
3.067;
KarlGalie
13489;
Ottok
70388
MWB 2 862,57; Bearbeiter: Helmich
gotebære
Adj.
‘gottgefällig’ (vgl.
gebære
):
die [Pilger] wâren gote gebære [La.
gotebere
]
Tr (M)
2622
MWB 2 863,13; Bearbeiter: Helmich
gotebeckære, gotesbeckære
stM.
‘Hostienbäcker’ oder ‘der das Armenbrot bäckt’ (?), als
Bestandteil eines Straßennamens:
Herimannus et uxor eius Godelindis emerunt domum et aream, sitam versus
plateam que dicitur godebeckirs UrkKölnSchr
2,190
(Anf. 13. Jh.);
domum et aream sitam in platea que dicitur godisbachere ebd.
2,178
(Anf. 13. Jh.)
u.ö.
MWB 2 863,16; Bearbeiter: Helmich
gotechen
stN.
Dimin. zu got.
das Göttliche in seiner kleinsten Gestalt:
di sêle einen funken in ir hât, der ist in gote êwiclîchen gewest
[...] etelîche heizen in ein gotechen in der sêle
HvFritzlHl
32,22
MWB 2 863,24; Bearbeiter: Helmich
gotegëlt, gotesgëlt
stN.
1
‘(verpflichtende) gottesdienstliche Handlung’
2 Abgabe für die Kirche oder eine andere geistliche Einrichtung 3 Unterpfand zur Sicherung der Rechtsgültigkeit von Verträgen, als
Almosen weitergereicht (vgl.
gotesphenninc
, s.a. DRW 4,1031-1032, Hwb. dt. Abergl.
3,975; oder zu 2 ?)
1
‘(verpflichtende) gottesdienstliche Handlung’
cerimonia: gotesgelt vel ehalti Gl
1:651,66
(BStK637)
2
Abgabe für die Kirche oder eine andere geistliche Einrichtung:
ih sculdic bin [...] mines zehenten unde anderes
gotes geltes unde opferes WessobrGlB I
146,21
3
Unterpfand zur Sicherung der Rechtsgültigkeit von Verträgen, als
Almosen weitergereicht (vgl.
gotesphenninc
, s.a. DRW 4,1031-1032, Hwb. dt. Abergl.
3,975; oder zu 2?):
die kamerer sint fry, quit, loß, ledich von alle dem rechte, dat man nennet
bachhellinge [Abgabe für die Bachbenutzung] unde godegelt
UrkTrier
315,2
(a. 1350 kopial)
MWB 2 863,29; Bearbeiter: Helmich
gotegram, gotesgram
Adj.
‘Gott erzürnend, Gott feindlich gesonnen’
nu wart in den zeiten / darümb gepotenn weytenn, / das die
christen chämen zesam / und die checzer gotte gram [die Anhänger der
arianischen Lehre] , / welich die warhait alda funden
Märt
9534.
– überw. subst. ‘Gottesfeind’
jemerleich ander stünde / Tarquinius der gotte gram / alda
von dem leben cham Märt
28051;
ze jungst dem gotes gram / unsännft ain tiefel kam ebd.
11241;
Olibrius der gottes gram ebd.
12180;
Decius, der gotte gram ebd.
16259
u.ö.
MWB 2 863,42; Bearbeiter: Helmich
goteheit
stF.
→
gotheit
MWB 2 863,53;
got|ehtic
Adj.
‘gottesfürchtig’ (evtl. zu
gotdæhtic
?):
dise juncvrowe was schône von lîchamen und zuchtig von siten und was wîse von
sinnen und was gotechtic von gemute HvFritzlHl
155,16
MWB 2 863,54; Bearbeiter: Helmich
gotehûs
stN.
→
goteshûs
MWB 2 863,59;
götele
stN.
Dimin. zu
gote
, göte swMF.
‘Taufpatin’
patrina: goͤttele VocClos
Pa251;
admater: goͤttele ebd.
Ad9
MWB 2 863,60; Bearbeiter: Helmich
goteleidic, gotesleidic
Adj.
‘gottverhasst’
der gotleidige twerch, [...] des niuht
ne liez, / er ne stige nah im dar uf. / ih waene, in sin geselle dar uf /
huͦb, Satanas der tievel Eilh
R,3465;
do sprach der gottes laidig man, / der chaiser Dyocleciann
Märt
9019.
– subst.:
die goteleidigen, / die vor gote sint vorwazen / und deme
tuvele gelazen HeslApk
11718
MWB 2 863,63; Bearbeiter: Helmich
goteleit, gotesleit
Adj.
‘gottverhasst’
an si uaste draueten / di gotlaiden geste [die
Heiden]
Rol
6344;
die meiste / menie der heiden / und ouch die gote leiden /
juden nicht geloubeten HeslApk
10310.
11507;
do hiez er im [dem Christen Nereon]
dye zende / mit hämern aus dem mund slan, / der gotes laide Lysian
Märt
1234.
1398.
– unklar, ob Syntagma:
der man bezeichent den mist – / wan er got leit ist
–, / den man fur daz hous chert Hochz
52.
– subst.:
chetzer, iuden und heiden / dunchent uns die got leiden
StrKD
112,2;
der verdampte goteleit / mag got in der gotheit / nit gesehen
an HvNstGZ
6884;
dye haidenn [...], / dye gottes
laidenn Märt
2135.
8695;
Kchr
12229
MWB 2 864,7; Bearbeiter: Helmich
götelîn
stN.
Dimin. zu
got
.
ein kleiner Gott:
siner geselleschaft [Jesu] alle vrô / wâren und in
êrten hô. / sî jâhen er waer ein götelîn, / Jupiter waer der vater sîn. / si jâhen
er waer ein junger got Philipp
3728
MWB 2 864,21; Bearbeiter: Helmich
gotelop
Interj.
(aus gote sî lop).
‘gottlob’ (auch semantisch abgeschwächt):
von holze [vom Baum der Erkenntnis]
huob sih der tot, / von holze [Kreuz Christi] gevil er,
gote lop VEzzo
258
(=
AvaLJ
149,3
);
er sprach ‘got lop, ich heizze Jacob’ GenM
65,11;
Pass I/II (HSW)
32300;
Erz III
56,377;
NvJer
7491
MWB 2 864,26; Bearbeiter: Helmich
goten
swV.
‘gottgleich werden’, hier Part.-Adj. ‘gottgeworden’
Adam und du [Eva] , / soltet sin
gegottet nu, / wan daz úch daz ops enlat, / daz úch daz got
verbotten hat. / hettint ir versuͦchet sin, / er wær ain got, du ain gottin.
/ dar um hat úch beden got / getan daz schádlich gebot: / er wil got
sin allain SHort
482;
her heizet ein gemenschet got und heizit ein gegotit mensche HvFritzlHl
27,30
MWB 2 864,33; Bearbeiter: Helmich
gotes-
s.a. got-
MWB 2 864,41;
gotesampfer
stM.
‘Sauerampfer’ oder ‘Sauerklee’ (vgl. Marzell 3,493, s.a.
gouchesampfer
):
alleluia: gotis ampher Gl
3:536,1
(BStK947)
MWB 2 864,42; Bearbeiter: Helmich
gotesarm
Adj.
‘sehr arm, machtlos, bemitleidenswert’ (vgl.
got
-, gotes-):
diz was ein gotes armer man RvEBarl
5551;
Märt
23492;
NibB
1575,4.
– subst.:
wie salich die gotes armen sint Vateruns
219;
dô sprach diu gotes arme: ‘des wære Kriemhilde
nôt.’ NibB
1080,4;
du sold dich erparmen / uber die gots armen
HvBurg
2108;
Wig
5315;
StrKD
113,53
MWB 2 864,45; Bearbeiter: Helmich
gotesbeckære
stM.
→
gotebeckære
MWB 2 864,53;
gotesdienest
stM.
( LvRegFr stN.)
1
‘Gottesdienst’
2
‘Dienst an Gott’ (im Rahmen klösterlichen Lebens)
1dienest
4
1
‘Gottesdienst’
an dem gotes dieneste sal man sich nâch einer forme uber
allen den orden halden StatDtOrd
72,17;
dô daz gotes dienst zegienc, / menlîch [jedermann]
ze herbergen gienc LvRegFr
3154;
alz man ze messe list / da der gocz dienst ist
Märt
10786;
PrOberalt
66,16;
BdN
431,21;
Lucid
81,20.
– personif.:
die frauwe die du hast gesehen
[...] zu latine ist sij Latria genant / und zu
dutsche Gods Dinst gewant Pilgerf
13292
2
‘Dienst an Gott’ (im Rahmen klösterlichen Lebens) →
1dienest
4
MWB 2 864,54; Bearbeiter: Helmich
gotes|êwe
stF.
meist gotesê.
‘göttliches Recht und Gesetz’
nu lone dir [Roland] selbe min
trechtin. / du sterchest uns wol in der gotes ê, / uor gote bistu wizer den der sne
Rol
6186;
da ze demselben doͤrffelin da waren die ewart der ampt
waz daz si die hiligen gotes ê ze allen zeiten marchten und lasen und saiten si den
luͤten PrOberalt
7,9.
60,12;
an den taveln hat er braht / die gotis ê mit im gescriben
RvEWchr
12436;
HimmlJer
466;
Konr
5,8;
HvBurg
3452.
– Recht zu gottesdienstlichen Handlungen (Sakramentenspendung):
ouch nam der bischolf von Kiemsê / datz Salzpurc die gotesê /
und leit in des bâbstes ban / hern Philippen und sîne man Ottok
5550.
8458
u.ö.
– auch für die Entziehung dieses Rechts (Interdikt, Untersagung gottesdienstl.
Handlungen):
daz er [der Papst] in danne ruorte
/ mit dem bann und mit der gotesê / und aller kristenlicher ê / sold er in machen
lære Ottok
5467
MWB 2 865,1; Bearbeiter: Helmich
gotesgâbe
stF.
‘Pfründe’
→
gâbe
1.5
MWB 2 865,20;
gotesgëlt
stN.
→
gotegëlt
MWB 2 865,21; |