g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gebern
swV.
→
bern
.
‘schlagen’, tr. oder ûf etw.:
geloubent, daz ein kupfersmit / ûf einen kezzel herte / sô
balde nie geberte / als ûf ir helme wart geslagen KvWTroj
37252.
34904;
als er in dô vil geberte, / den helm er im abe brach
UvZLanz
3626.
– übertr.:
daz ich vil den munt gebere / mit gebete [Gebete
plappere] hie zu allen ziten Rennew
16160;
Pârîs, Pâdowe, Sâlerne kan / niht alsô wol gebern [ziehen,
bilden] ein jungen êregernden man, / sô daz er sich enthalde in
sînem zorn an worten unt an tât RvZw
199,2
MWB 2 151,57; Bearbeiter: Bohnert
gebërn
stV.
→
bërn. – auch
gebaren Macer
1,2;
vereinzelt sw. flekt. (
du geberes MarlbRh
53,34.
54,6;
si geberet BiblMK
268
).
– Vermischung mit →
gebâren
swV. (
Brandan
104
).
1 tr. ‘gebären’
1.1 von der Mutter 1.1.1
diu jmdn. gebar , umschreibend für die Mutter 1.1.2 mit Ersparung des Obj. 1.2 von Mutter und Vater 1.3 vom Vater i.S.v. ‘zeugen’
1.4 mit näherer Bestimmung (Adv., präd. Adj. oder Präp.-Gruppe) 1.4.1 allg. 1.4.2 jmd. wirt/ist ze/ durch/ ûf/in etw.
geborn
‘zu diesem Zweck geboren, dazu bestimmt’
1.4.3 jmdn. ze der werlte, in die werlt ~
u.ä. 1.5
‘hervorbringen’ , teilw. in übertr. Bed. 1.6 Part.-Adj. geborn
1.6.1 von leiblicher Verwandtschaft 1.6.1.1
~ kint, sun
‘leiblicher Sohn’
1.6.1.2 attr. zu mâc, vriunt (vgl. Jones, Kinship S. 90f. und 102f.) 1.6.1.3
nâhen ~
‘nahe, eng verwandt’ , präd. 1.6.1.4 subst. (unflekt.) geborn(e)
‘Eltern’ (als Übers. von lat. parentes, cognati,
cognatio ) 1.6.2
‘durch Geburt, von Geburt her einem best. Stand angehörend, eine
best. Rechtsstellung innehabend’
1.6.3 aus einem Land, einer Stadt stammend, herkommend (mit von ,
ûʒ ; danne, wanne ) 1.6.4
geborne sünde
‘angeborene Sünde, Erbsünde’
2 intr. ‘geboren werden, entstehen’
1
tr. ‘gebären’
1.1
von der Mutter:
1.1.1
diu jmdn. gebar, umschreibend für die Mutter:
ze der zeswen [von Gottes Thron] stuont diu
in gebar Serv
1173;
ich enschilt ir niht, diu mich gebar
Wh
75,15;
ein wîp diu mich gebar ebd.
144,24.
368,5;
SHort
224;
UvEtzAlex
3444;
GTroj
1874
1.1.2
mit Ersparung des Obj.:
dy tage wurden irfullit daz sy gebar
EvBerl
5,1;
swenne daz wip gebern schol, so hat si
unfroͤud PrOberalt
96,20;
Isidorus spricht, daz daz
tier [Panther] neur ains mâls geper
BdN
157,5;
SalArz
65,49.
103,55;
KLD:Kzl
2:12,7
1.2
von Mutter und Vater:
uuanta er [Christus] gebóran
uuérdan uuolta uon ármen uórderon Will
36,4;
welhis chunnis si wæren unde welch uater unde muͦtir si gebære
GenM
92,32.
26,4;
daz waren chlegeliche dink, / daz div vrowe vnt der
iungelink / zwainzik iar ensamt waren / daz si kinde niht gebaren
Wernh
A 352.
A 340.
D 385;
UrkCorp (WMU)
2433,9
1.3
vom Vater i.S.v. ‘zeugen’
er gehiez ime ze wâre daz er vil chinde gebâre
Gen
1672;
Abrahâm gebar [
genuit
] Isaâc
EvBeh
Mt 1,2;
EvAug
1,4;
Wernh
A 343;
RvEBarl
2175;
got vater einen sun gebar Freid
9,5;
HeslApk
7953.
–
von jmdm. geborn sîn
‘jmds. Kind sein’
ich bin von einem herzogen / [...] geborn
Greg
2585;
[der Kaiser zu Herzog Ernst:] ich hân sô lieplîch
dich erkorn, / als ob du von mir sîst geborn ErnstD
460;
auch: ‘gezeugt sein, abstammen’
dú kint / dú von Noe geborn sint
RvEWchr
1977;
das kúnne [...] / das von
Japhete was geborn ebd.
2746;
Pl.:
wand er [Christus] uon in
[Söhne Jakobs] wolde werden geborn
GenM
102,33
1.4
mit näherer Bestimmung (Adv., präd. Adj. oder Präp.-Gruppe)
1.4.1
allg.:
wirt daz kint lebendic geborn SpdtL
115,12;
den lewen sîn muoter tôt gebirt Parz
738,19;
PrMill
529;
NvJer
9522;
nu was ein blinder in der stat / von siner muter blint geborn
PassI/II
140,30;
EvBeh
Io 9,20;
die da elichen geborn sint SchwSp
36a;
swen man schuldegot daz er vnelich geborn si ebd.
125b;
ThvASu
122,15;
her [
der schultheize
]
[...] sal sin [...] echt
[ehelich] geboren UrkCorp
51,13;
ir sit vnselic geborn Herb
9659;
ErzIII
36,469;
der sun [
ist
] diu êwic geborne
wîsheit Eckh
2:279,2.
– subst. Part. Prät. (M. und N.):
die unêlîche gebornen gewinnent ir reht, ob si
êlîchen hîrât tuont SpdtL
117,15;
sô enwære dâ niht mê underscheides dan daz gebern und daz gâhes
geborne Eckh
2:397,5
1.4.2
jmd. wirt/ist ze/ durch/ ûf/in etw.
geborn
‘zu diesem Zweck geboren, dazu bestimmt’
niemens guottât wirt verlorn, / wan der zer helle wirt geborn
Freid
5,4;
er ist uns ze sælden unt ze êren geborn
NibB
872,2;
also der vogel ze vlegene, also ist der mensche geboren zo der erbeit
HlReg
20,24;
HartmKlage
1887;
wir sîn ze dienste in
[Götter] geborn RvEBarl
10454;
MF:Reinm
10:2,9;
UvLFrd
151,12;
ob zwene man [...] geliche gezivge bietent
vnde ist der eine zvͦ dem herschilte geborn vnd der ander nvͥt
SchwSp
171b;
wan ich dur sanc bin ze der welte geborn MF:Mor
13:1,7;
ich wart dur sî [Geliebte] und durch anders
niht geborn ebd.
15:2,6;
sô bin ich doch ûf ânders niht geborn, / wan daz ich
des trôstes lebe, / wie ich ir gediene MF:Reinm
21: 5,4;
in daz bin ich geborn vnd darzu bin ich komen in di
werlte, daz ich zivchnüsse geb der warheit [
Io 18,37
]
EvAug
267,6.
– mit Konsekutivsatz:
so ist si [
die menschlich
nature
] geborn, daz si in etlicher wis
anrüeren mag daz worte übermitz sin wirkunge ThvASu
42,3
1.4.3
jmdn. ze der werlte, in die werlt ~
u.ä.:
der unsæligest bistû / der ie zer werlte wart geborn
Iw
3963;
NibB
2100,4;
Freid
17,3;
di vraüde, daz ein mensche ist geborn in di werlte [
Io 16,21
]
EvAug
259,3;
[Maria zu Christus:] duͦ ich dich gebar in
dit jamerlant MarlbRh
49,22;
vgl. 1.5 ( RvEBarl ) und 2
(
Hiob
1554
)
1.5
‘hervorbringen’, teilw. in übertr. Bed.:
Solînus spricht, daz der vogel mit dem snabel seineu air
geper BdN
201,34;
er [Gott] ist der di werlt
gebar Hiob
14680;
[vom Aufgehen der Tierkreiszeichen:] aber deu andern
zaichen werden schelch geporn und absteigent an ainem aufgerehten
steig [
nascuntur prono, descendunt tramite
recto
]
KvMSph
43,3.
– mit Präp.-Gruppe:
der tôt gebirt uns hin ze gote Freid
21,5
(TPMA 11,357);
er [Barlaam] rief sînem
kinde [Josaphat] dar, / daz er in gotes lêre gebar
RvEBarl
15428.
5489;
daz viur gebirt sich selben in daz holz und gibet im
sîne eigen natûre Eckh
5: 33,16;
ähnl.
ebd.
2:342,2.
– subst. Inf.:
wan got hât allen sînen lust in dem geberne Eckh
2:627,4.
5:9,14.
1:72,7;
Seuse
179,27;
werden, machen und gebern ist der materien eigen, / die
nimmer ewig mag gesin Mügeln
6,15.
– subst. Part. Präs.:
ein iekliches geberendes gebirt im ein gliches
ThvASu
302,26
1.6
Part.-Adj. geborn
1.6.1
von leiblicher Verwandtschaft
1.6.1.1
~ kint, sun
‘leiblicher Sohn’
sun, so wil ich nit mit dir mer / vehten, so die mere also sint: /
dv bist min geborn kint, / du bist genant Malfer Rennew
20016(La.).
– übertr.:
der guote, als verre sô er guot ist, ist
[...] geborn kint und sun der güete
Eckh
5: 9,8.
5:11,17.
5:41,10
1.6.1.2
attr. zu mâc, vriunt (vgl. Jones, Kinship S. 90f. und
102f.):
uzer sinim chunne bin ich geboren: / ich bin sin
nahister geborn mac Rol
8825;
PassIII
273,65;
Renner
17390;
UrkWittelsb
2,151
(a. 1308);
geborn vruͤnt dir gestet, / so gemiet vruͤnt von dir
get ErzIII
36,207;
UrkCorp (WMU)
3496,11.
– in EvAug häufig geborn(e) mâge
(auch neven, vriunde) als Übers. von lat.
parentes:
vnd sin geborn mage gingen über alle iar in
Ierusalem. in dem hohzitlichen tag der ostern [
Lc 2,41
]
EvAug
130,3;
vnd ir geborn vrivnt derschrichten ser [
Lc 8,56
]
ebd.
152,14.
129,4
u.ö.
1.6.1.3
nâhen ~
‘nahe, eng verwandt’, präd.:
mit sime sun Antiocho / vur er zu sinen vrunden so, / die von der
muter bevoren / im nahen waren geboren [
ad parentes
maternos
]
Macc
5252;
Superl. nâhste ~
:
Rol
8825
(s. unter 1.6.1.2)
1.6.1.4
subst. (unflekt.) geborn(e)
‘Eltern’ (als Übers. von lat. parentes, cognati,
cognatio):
daz chint Ihesus bleip in Ierusalem. vnd daz
bekanten sin geborn niht [
Lc 2,43
]
EvAug
130,8.
130,10;
aber ir wert verraten von den gepornne. vnd von
den brüdern. vnd neven [
Lc 21,16
]
ebd.
195,18
u.ö.
1.6.2
‘durch Geburt, von Geburt her einem best. Stand angehörend, eine
best. Rechtsstellung innehabend’
ir sît mîn geborner herre Greg
544;
si sullen auer mit recht ir gepoͤrn diͤnstman dar senden
SchwSp(R)
79,123;
der herre mag wol auz nemen [befreien]
einen seinen eigen man swenne im vertailet ist, ob er des geswern getar
[...] daz er sein geporn aigen sei vnd daz er
der getat vnschuldich sei SpdtL(E)
Ldr 120;
daz si [Witwe des Grundherrn]
[...] lûte von dem gûte verwîse die zû deme gûte
geborn sîn [durch Geburt zugehörig sind (als
Leibeigene)]
SSp(W)
1:21,2.
–
ein geborner man [ein Mann von Stand, von
Adel]
Krone
13804.
–
wol, hôch, von hôher art geborn
u.ä.:
gerne hetich ein wolgeboren wiph / die uan alleme
adele / gezeme eime koninge Roth
38;
der wol geborne gast [Gawan, Sohn des
Königs Lot]
Parz
522,17;
UvZLanz
1492;
Kreuzf
1495;
HvNstAp
18808;
PassI/II
252,49.
260,63;
swer tugent hât, derst wol geborn: / ân tugent ist adel gar
verlorn Freid
54,6;
MF:Sperv
2:11,1;
ein ritter edel unde rîch, / geboren wol, noch baz gemuͦt
Yolande
33;
mit Kompar.:
îclich man mag kamphes wêgern deme, der wirs geborn ist wen her;
der aber baz geborn ist, den en kan der wirs geborne nicht verlegen mit
der bezzeren gebort, ab her in anspricht SSp(W)
1:63,3;
UrkCorp (WMU)
51,28;
Kchr
4452;
Flore(S)
2533;
Helbl
6,167;
Mügeln
57,5.
–
ein als hôch geborn wîp NibA
361,4;
der hôchgeborne Franzeis KvWTurn
635;
dîn hôchgeborner schœner lîp KLD:
UvL
46: 4,5;
Parz
541,24;
Rab
1093,4;
KvWTroj
1593.
16568.
19616.
–
von hoher art geporen HvNstAp
19102;
er was geborn von rîters art Parz
544,17;
SchwSp
74a;
er ist ir gnuoc geborn
[ebenbürtig]
Athis
F 108.
– subst.:
man hât [hält] des swachen mannes kint
/ für den edelen hôchgeborn Helmbr
501;
so wer ich gerne rich / daz man mich bij den
hochgeborn hette ein wenig wert SM:Ga
1a: 2,2
1.6.3
aus einem Land, einer Stadt stammend, herkommend (mit von,
ûʒ; danne, wanne):
er ist geborn von Tronege NibB
1753,2;
Herb
4790;
mins herren abbt Vͦlriches uon Sante Gallen, geborns uon
Gvͥttingen UrkCorp (WMU)
230,41.
N601,34;
ez en mac nieman schultheize sîn, her en sî vrî und geborn von deme
lande, dâr ez gerichte binnen ligt SSp(W)
3:61,2;
von unsrer stat geporen StRRegensb
116;
RvEWchr
2935.
–
diu [
ein
vrouwe
] was ûz der stat geborn, / vür die sîn
strâze rehte gienc Iw
6126.
–
daz lant / danne wir beide sîn geborn StrAmis
1669;
ine seit iu wanne ich sî geborn
UvZLanz
532;
UrkCorp (WMU)
1653,12
1.6.4
geborne sünde
‘angeborene Sünde, Erbsünde’
ob man einen vunde, / der der gebornen sunde / nicht an im entruge
PassI/II(HSW)
31958
2
intr. ‘geboren werden, entstehen’
do got gebar TvKulm
1074;
Hiob
2089;
gotes sun [...] gebar / von mait Marien TvKulm
1191.
1617;
di zit verterbe und vervar / in der ich in di werlt gebar!
Hiob
1554;
[Maria] ist gotes nwe arke, / uz der Jesus Got gebar
TvKulm
2939;
Teichn
526,30.
– mit präd. Subst.:
der tag verterbe gar / in dem ich von erst mensch gebar
Hiob
7462.
13031
MWB 2 152,4; Bearbeiter: Bohnert
gebërunge
stF.
1
‘das Gebären, Hervorbringen’
2
‘was geboren, erzeugt, hervorgebracht wird’
1
‘das Gebären, Hervorbringen’
als die swangere, wen di zit irer geberunge sich
neket [
cum appropinquaverit ad partum
] ,
smerze lidende schriet in iren wetagen Cranc
Jes 26,17;
dû enbist [noch] niht muoter, mêr: dû bist in der
geberunge und nâhe der geburt Eckh
3:325,7.
2:228,4;
waz geperung geit, / daz hat stoͤrung in der
czeit [d.h. ist vergänglich]
Teichn
564,297;
EvBeh
7.
112.
– übertr.:
die uzgaunge
[
processio
] dez wortes in got heizet
ein geberunge, unde daz uzgande wort heizet der sun ThvASu
302,7.
300,13
u.ö.;
diu geberunge gotes [im Menschen]
Eckh
2:276,5;
diu geberunge des menschen [...] in gote ebd.
2:277,3;
Eckh(J)
17,4.
58,2;
Seuse
340,23.
355,10
2
‘was geboren, erzeugt, hervorgebracht wird’
gepervnge der vipernatern [
progenies
viperarum
Mt 3,7
]
EvAug
4,18;
mit dem regenn wirt erkücket die geberunge des
ertrichs [die Pflanzenwelt]
HvHürnh
18,3
MWB 2 155,1; Bearbeiter: Bohnert
gëbesnitz
Adj.
‘freigebig, verschwenderisch’
(vgl. DWB 4,1,1,1879 unter gebschnitzig; s.a. RheinWB
2,1081):
er [Beichtvater]
[...] gebot, / daz si
[Elisabeth] zu keiner hande not
[...] / zu gebesnitz [La.
-snitzig
] enwere Elis
7930
MWB 2 155,20; Bearbeiter: Bohnert
gebesten
swV.
wohl zu →
besten
(vgl. A. Hœfer, in: Germ. 14 [1869], S.
417-420).
‘jmdm./einer Sache jmdn./etw. zur Seite stellen’, dann mit
Ersparung des Akk.-Obj. ‘jmdm./einer Sache (im Bezug auf
[an/mit] etw.) gleichkommen, sich gleichstellen’, stets
verneint:
in der bürge wart daz glesten, / dem diu sunn niht moht gebesten: / daz liut
wart gar von glaste toup Georg
1796;
dehæin iuncfrauwe enmohter [= enmohte
ir
] / mit schöne gebesten Serv
2821;
ir [Maria] enmahte an
[Konjektur] allen sachen / niemen gebesten
Wernh
1519.
– wohl mit formalem Obj. ez, ‘gegen jmdn.
bestehen: die Oberhand gewinnen, ihn überwinden’
gen der muotes vesten [Margareta] / ez kunde nicht
gebesten / des tiefelz lere Wetzel
153.
Nachtrag zu →
besten
‘etw. binden, schnüren’: übertr.:
so wil haben dirre geist [der Teufel] / von dir
[Theophilus] eine hantveste / di dich zu im veste
[La. beste, die dich mit ihm verbinde, dich ihm
verpflichte] / in rechter vestenunge MarLegPass
23,116;
[der Teufel zu einem Wüstling: dû
] salt dîn
herze bestin / hin ûf rittirliche gir / und dînen in der werlde mir NvJer
22557
MWB 2 155,25; Bearbeiter: Bohnert
gebët
stN.
Nom./Akk. Sg. und Pl. auch -te (z.B.
Spec
150,11.
151,6
u.ö.;
Kchr
2152;
Renner
20435;
UrkCorp (WMU)
1602,32;
PrHermet
346
Mechth
7:10,11
u.ö.).
1
‘Gebet’
1.1 allg. 1.2
heizez , innerez ~
u.ä. 1.3 fürbittendes Gebet 1.4
ein/sîn ~ (ze gote) sprechen , tuon ,
lesen , teilw. mit hinzutretender Präp.-Gruppe (z.B. obe, über,
umbe, vor ) 1.5
an sînem gebete ligen , stân , sîn ; an sîn
~ vallen 1.6 für ein Gebet bestimmten Wortlauts 1.7 für eine einzelne Bitte des Vaterunsers 2
‘Bitte’ (vgl.
gebëte
) 3
‘Wallfahrt, Pilgerfahrt’ , sîn ~ varn
1
‘Gebet’
1.1
allg.:
mit salmen unt mit gebet / ir toten sie begruͦbin
Rol
8662;
dâ manz ambet [Requiem] tete /
mit vollem almuosen und mit gebete Iw
1410;
SüklU
41;
[bei der Sekret] bitet er
[Priester] die lúte, daz sie ime helfen mit irme
gebette Lucid
99,6;
mit gebete er an got schrei / und sprach: vil lieber herre min, /
[...]
PassIII
601,80;
sant Augustînus betete maniger hande gebet Eckh
2:365,3;
waz ist gebet? Dionysius sprichet: ein vernünftic ûfklimmen in got, daz
ist gebet ebd.
1:318,12.
– ein Gebet wird erhört, nützt, hilft (nicht):
diz gebet erhôrte got RvEBarl
13781;
EvBeh
Lc 1,13;
Cranc
Jer 14,12;
Ysaac got dar umbe bat. / sin gebet was im vrum GenM
45,23;
daz ditze gebet unwͦucherhaft ist, wirn uergeben vnsern
scholaren [...]. die mit hazze unde mit nide
bevangen sint, den schadet ovch ditze gebet mere denne ez in vrumet
PrKlostern
35;
Hochz
756;
do bedahte wir vnserre sele sælikheit vnde vnserre vordern vnde
betrahten auh den nvtz, der an gaistlicher lvte gebæ̂te lit
UrkCorp (WMU)
1099,42.
– sprichwörtl.:
da wider horte kein gebet [das war
unvermeidlich]
Elis
3299;
dâ von ist geschriben dort / ‘kurz gebet der himel port,’
/ wan swer ze lange biten wil, / gewinnet andr gedanke vil WälGa
10194
(TPMA 4,238).
1.2
heizez, innerez ~
u.ä.:
si beualch in gote / mit deme inneren gebete
VMos
24,17;
Gen
1258.
2276;
mit hertzelichem innigem steten gebette
Tauler
82,26.
405,19
(Ggs.
das uswendig gebet ebd.
156,13
u.ö.);
mit ir heizeme gebete / vertriben si [Gläubige]
in [Teufel]
PassI/II
344,11;
PassIII
253,33.
577,71
1.3
fürbittendes Gebet:
beujl uns gote mit deme gebete Litan
887;
du solt, helt, mit dîm gebet / gedenken der vil armen
schar Wig
4822.
8283;
nu sult ir mich durch got lân / in iuwerm gebete sîn StrAmis
1483;
den tvmbrobst vnd dem capitel ze Salzburch, die mich vnd min hovsfrowen
frôn Elsbeten vnd min vorvodern in ir gebet vnd bruderschaft genomen habent
UrkCorp (WMU)
1766,34;
der [Parzival] het der burgære
gebet Parz
197,2;
Krone
29064;
PassIII
207,60;
UrkSchönthal
62
(a. 1303).
– jmdn./sich
in jmds. (Konvent)
~ bevelhen, teilw. mit
zusätzlichem Dat.d.P.:
ir aller bruoderschaft er nam [...], / in ir
gebet er sich bevalch / den rehten gotes knehten EbvErf
2086;
vnd bevalch in oͮch sinen sun Theodobaldum flisklich in ir
gebet VitasPatr
203,33.
208,2;
PrStPaul
127,26;
KarlSchott
4562;
Köditz
54,23.
–
sich in jmds. ~
koufen (mittels einer Seelgerätstiftung):
ich hân mich [...] in ir brüederschaft und in
ir gebet gekoufet: swenne ich gestirbe, daz sie mîne vigilie begên suln
PrBerth
1:137,10;
StrAmis
1163
1.4
ein/sîn ~ (ze gote) sprechen, tuon,
lesen, teilw. mit hinzutretender Präp.-Gruppe (z.B. obe, über,
umbe, vor):
der keiser sîn gebet sprach [...] / umbe daz
êwige heil StrKarl
8490;
RvEBarl
14776.
15885;
Rol
2834;
dô er ze gote diz gebet / mit inneclîchem muote tet
RvEBarl
7435;
der bâbest [...] / tet über in
[Konstantin] dâ sîn gebet KvWSilv
1785;
RvEWchr
28165;
PassI/II
99,79;
EvBeh
Lc 5,33;
si [Apostel] begunden ir gebet lesen
PassI/II
110,37;
da er zu gote las / sin gebet PassIII
7,40.
– auch an got:
er [...] tet / an got nâch
helfe sîn gebet RvEBarl
13922;
HeslApk
6013.
– mit Dat.:
sîn gebet er gote las RvEBarl
12326;
PassI/II
143,27;
sie spræchen Bââl ir gebet RvEBarl
2821
1.5
an sînem gebete ligen, stân, sîn; an sîn
~ vallen:
Karl an sineme gebete lac / unz an den morgenlichin tác
Rol
65;
Gen
2686;
PassIII
626,39;
unde stuont vrou Lûnete / ûf ir knien an ir gebete / und
bat got der sêle pflegen Iw
5158.
5886;
swenne ir an ivwerem hæimlichen gebet sit mit got
PrBerthKl
8,63;
Iw
8024;
vil dicke viel an sîn gebet / fil li roy Gahmuret
Parz
122,27;
Konr
14,44;
HeslApk
12576
1.6
für ein Gebet bestimmten Wortlauts:
ein gebet er uns selbe brahte, / des da vor niemen gedahte:
/ ez ist pater noster genamet Vateruns
13;
TrudHL
121,19;
sprich diz gebet mit inneclicheme hercen: / domine Ihesu
Christe, precor te [...]
VatGeb
73.
22;
nû chêre widere mîn wine! [...]
[
Ct 2,17
] . diz gebet daz ist mîner trûtfroͮwen
umbe die ellenden TrudHL
37,12;
‘got hêrre’ bit vil manic man, / ‘genâde! gip mir vrist
ze leben, unz ich dir undertân / mit dienste müeze werden!’; diz gebet got
ofte erhœret hât RvZw
207,3
1.7
für eine einzelne Bitte des Vaterunsers:
daz erste gebete an deme heiligen pater noster
[...], da wir sprechen: sanctificetur nomen tuum
Spec
151,6;
div siben gebete ebd.
150,11;
PrWack
67,88
(dafür auch (ge)bëte stF.
ebd.
67,39.
67,78
)
2
‘Bitte’ (vgl.
gebëte
):
kainer fräwen schoͤn noch gebett / solt du volgen an kainer stett
FrSchw
1415;
dein gebet sol werden volbracht ebd.
7308;
noch sol ovch dehein gebet [Fürsprache] dar
vͤber [Strafbestimmungen dieser Urkunde] sten noch
erhoͤret werden, weder cheiser noch chvnig noch ander fvrsten noch herren
geistlicher noch werltlicher UrkCorp (WMU)
1209,32
3
‘Wallfahrt, Pilgerfahrt’, sîn ~ varn:
ich han gelovet [...], / dat ich varen wyl
[...] / myn gebede, ich weys wael war KarlGalie
8507.
6247
(vgl.
bedevart ebd.
8514
)
MWB 2 155,48; Bearbeiter: Bohnert
gebëte
stF.
‘Bitte’ (vgl.
gebët
2):
du wart er seiner gepet gewert, / si taten des er het gegert
GvJudenb
3899;
PrOberalt
42,9;
Märt
27956;
Ottok
73828;
HvNstAp
12612;
Hawich
3597
u.ö.;
daz wir nach der gebet Eberharts von dem Tôr [...]
des veriehen vnd vrchuͤnd geben, daz [...]
UrkCorp (WMU)
1909,13;
der potestat und diu gemeine / von Akers
[...] / gegen den geistlichen herren / grôz gebet
begunden kêren [mit folgendem daz-Satz]
Ottok
46312;
FvSonnenburg
29,6;
UrkCorp
1941,12.
2156,8.
–
diu sechsde gebette [des Vaterunsers] diu sprichet
also: unt inleit uns nit in bekorunge PrWack
67,78
(vgl.
gebët
1.7)
MWB 2 157,26; Bearbeiter: Bohnert
gebëtelîn
stN.
‘kurzes Gebet’
und [er] sprach daz gebetli: ave
rex noster, fili David etc. [Antiphon zu Ps 147 in der
Palmprozession]
Seuse
35,26.
18,11;
ich send euch auch ain kurtz und ain gar gutz gebetlin de corpore Christi
HvNördlBrf
18,10;
Tauler
341,1;
des morgens hebet er aber an als von erst, das er also sin
gebettelin getuͦ; so dunket in es si gnuͦg ebd.
281,23.
295,2;
MerswWeltw
47,23;
ElsLA
532,12
MWB 2 157,39; Bearbeiter: Bohnert
gebëten
swV.
→
bëten.
tr. ‘durch (fürbittendes) Gebet erlangen, erwirken’
got solt das wol ersetzen [von sich aus
gewähren] das alle menschen [für die
Almosenspender] gebetten moͤchten Tauler
186,2
MWB 2 157,48; Bearbeiter: Bohnert
gebette
swF.
‘Bettgenossin, Gattin’
[Abraham beauftragt einem Diener,] daz er sineme sune
gewunne ein wip [...] ze einer frowen unde zeiner gebetten
VMos
19,29;
daz ime [dem Diener] Batuel gâbe
sîne tohter, / die scônen Rebeccam, Ysaac ze gebetten Gen
959;
deme hêrren Ysaac ze gebetten [Hs.
betten
]
ebd.
994
MWB 2 157,53; Bearbeiter: Bohnert
gebette
stN.
1
‘Bett’
2
‘Gartenbeet’
1
‘Bett’
nv wart schoͤn gebette alhie TürlArabel
*A 270,22
(vgl.
gebettet ebd.
*R 275,22
)
2
‘Gartenbeet’
dar nach so han ich geben vnd bv́neimet Peter Cigermannes svne zwei gebette in
dem mose UrkCorp (WMU)
1180,11;
UrbAdelh
190
MWB 2 157,60; Bearbeiter: Bohnert
gebeʒʒeren
swV.
→
beʒʒern
.
1
‘etw. (für jmdn. [Dat.]) ver-, aufbessern’
2
‘etw. verbessern, korrigieren’
3
‘jmdn. durch etw. (Gen.) (moralisch) verbessern’ , refl. 4
‘etw. wiedergutmachen; Wiedergutmachung leisten’
4.1 mit (Dat.d.P. und) Obj.-Satz 4.2 mit Ersparung des Akk.-Obj.
1
‘etw. (für jmdn. [Dat.]) ver-, aufbessern’
den schefol roggen sol man den vrowen [...] geben
[...], daz si ir mal gebesseren UrkCorp (WMU)
2327,38;
so soll man den siechin jme spitâl jærlich gen [...]
zwei pfunt pfeninge, da mit man jnen gebessireie jr pfrvͦnde ebd.
827,31
2
‘etw. verbessern, korrigieren’
got gebezzer dîn leben ErnstD
5470;
du solt fruͦ und spate bekúnbert sin, wie du din
súntliches leben gebessrest Seuse
372,14
3
‘jmdn. durch etw. (Gen.) (moralisch) verbessern’, refl.:
könde ich daz [Leben nach dem Tod] bedenken wol, /
vil wol gebezzerte ich mich des Renner
22711
(vgl.
swer [...] / sant Gregorien lêre wil suochen, / der
vindet des er gebezzert wirt ebd.
9296
)
4
‘etw. wiedergutmachen; Wiedergutmachung leisten’
4.1
mit (Dat.d.P. und) Obj.-Satz:
vntz er gebezzer, swaz er [...] getan hab
UrkCorp (WMU)
1694,18;
vnd [er] sol esz gebessern dem gericht, das er
sümig gewesen ist an dem buwe WeistGr
1,35
(a. 1347)
4.2
mit Ersparung des Akk.-Obj.:
sunde muz gebezzerit werden; und du waz, so inmochte der mensche nicht
gebezzerin [[, sondern nur Gott, d.h. Christus]]
Parad
10,26.
10,31.
– mit Dat.d.P.:
si [Sünderin] karte daruf iren geist, / wie
si gebezzerte gote PassIII
542,11.
– (jmdm.) mit etw. ~ :
vnz er gebeszert dien burgern [
ciuibus emendet
UrkCorp 26,11] mit cehen marchen
UrkCorp (WMU)
26A,34;
hat er aber niht guͤtes, da mit er gebezzern muge ebd.
2550,26
MWB 2 158,1; Bearbeiter: Bohnert
gebeʒʒerlich
Adj.
‘zur (moralischen) Besserung dienlich’
die bredie [...] seit wie got
etteliche jaget durch den strit des inneren und usseren menschen, mit bewisunge
einer gebesserlichen glichnisse Tauler
40,14;
so muͤssent wir [...] an uns nemmen ein nuwe
luter demuͤtig gebesserlich leben MerswSiebenW
92,22
MWB 2 158,31; Bearbeiter: Bohnert
gebicken
swV.
→ bicken
1
‘mit dem Schnabel hacken’.
wan er hât einen snabel starc, / dâ mit er wol gebicken mac / ab
dem boum ein grôzez zwî EnikWchr
2622
MWB 2 158,38; Bearbeiter: Plate
gebietære
stM.
‘Herr, Meister, Herrscher’
[Die Ehefrau haftet für Schulden ihres Mannes aus der ersten
Ehe,] wan pilleich ist, daz ein man seins weibs mayster und gebieter
sey OberBairLdr
99;
er ist dein dienäre, / piß sein gepietere HvNstAp
7228;
mîn rîch daz sî dir undertân / und alle mîne liute; / an mîner stat wis hiute /
gebieter und ein künic wert KvWTroj
5541;
die zwêne die dâ wâren / gebieter in der grôzen stift [die Kaiser
Arkadius und Honorius]
KvWAlex
983;
KvWPant
1766;
aber in dem fünfzehenden iar des gepiters
[Fehlübers. für imperii
Lc 3,1
] des cheisers Tyberii do Poncio Pilato procurirt Iudeam
EvAug
130,23;
daz in dem lande / er ie gewesen wær / herr vnd gebietær Krone
8669;
[Gott] heizet hêrre und gebietære Aneg
351;
wer der gebietære / sô gewaltiger wære, / der ir lîp ûz dem grabe
/ und die sêle von helle erlôst habe KvHeimUrst
1533;
usser dime innerlichen grunde do got ein gebieter solte sin
Tauler
73,8.
– Deutschordensoberer:
unde swenne der meister oder die gebîtere vîsitîrer sendent
StatDtOrd
60,7;
und dô der meistir irkande / und mit im dî gebîtêr / dise manicvaldin mêr
NvJer
19467;
ich unde die brudere des vornantes husis, ader wer dan ein gebieder ist an
miner stad UrkFrankf
2,107
(a. 1319);
UrkWürzb
40,341
(a. 1340).
– Anrede der Jünger an Jesus bei Lukas (praeceptor 5,5; 8,24.45
u.ö.):
und Symon sprach: gebieter, wir han alle dise nacht gearbeit
und enhan nút gevangen Tauler
170,6;
EvAug
137,5;
EvBeh
Lc 5,5;
kombiniert mit sonst üblichem herre
(dominus):
der rede antwurte ime sant Peter unde sprach. herre gebietære alle die naht
han wir gearbaitet vf dem se PrWeing (Pf)
185,22;
PrLpz
866,39;
PrEls
5
MWB 2 158,42; Bearbeiter: Plate
gebietærin
stF.
auch -în.
‘Herrin, Herrscherin’
ir habet doch ziuwerre hant / beidiu liute unde lant, / diu sint
iuwer unde mîn: / dar über sît gebietærîn; / daz sol ziuwerm gebote stân; / swaz ir
gebietet, deist getân Tr
13932;
diu sêle ist [...] ein gebieterinne aller crêatûre und
ein besitzerinne aller der fröuden, die got geben mac in sîner êwekeit Eckh(Pf)
413,19;
(Höflichkeitsfloskel des Gastgebers:)
frowe mein, / ir schult gebieterinne sein / uber al meine hab
GvJudenb
4940.
– von der Minnedame:
ich wil mit dienest neigen / mînen lîp in iuwer gebot, / wand
ich hân iuch mir nâch got / zeiner gebieterinne erkorn Wig
8984;
swie dû wilt, sô wil ich leben; / ich bin dîn dienst, dû mîn gebietærinne
RvZw
26,12;
iwer eigen man, mîn herre, / [...] giht iu, frowe,
für elliu wîp, / daz ir ze reht über sînen lîp / vrowe und gebieterinne sît
UvLFrd
52,12;
SM:WvK
6:2,5
u.ö.;
– von Maria:
Salomônes hôhen thrônes / bistû, frowe, ein selde hêre und ouch gebieterinne.
/ [...] ob allen megden bist dû, maget, ein magt, ein
küniginne Walth
4,35;
gewaltigú gebieterin, / der wir gehorsam gerne sint / mit
dienst willekliche WernhMl
14453;
dô got hât sô liep sîn wîp, / er hât ir werden süezen lîp / im selben erwelt
ze minne, / und zeiner gebietærinne / hât er gemacht ir eine / über himel und erde
gemeine: / dâ sol si gewaltec sîn MarlbGr
484.
579;
KvHelmsd
4151;
Philipp
9339
MWB 2 159,13; Bearbeiter: Plate
gebiete, gebiet
stNF.
auch gebiute
Macc
8304.
13362;
Daniel
4218
(unten unter 3; vgl. → biet, biute stFN.).
1
‘Gebot, Befehl’
2
‘Befehlsgewalt, Herrschaft’
3
‘Herrschaftsbereich’
1
‘Gebot, Befehl’
noch der gotheit gebiet / den boum man in [Adam und
Eva] beschiet Lutwin
345;
der quam [...] durch rehte liebe und niht durch
keiner slaht gebiet Loheng
3365;
der wirt wart sîner geste frô; / über al hiez er dô / aller der diete / sagen
mit gebiete, / sînen gesten, den hêrren, / solden sie ze êren / vrô wesen unde vîren
ErnstD
5066;
der meistir mit gebîte / bevûl im der bîsorgin werc / des hûsis zu Kungisberc
NvJer
19023
2
‘Befehlsgewalt, Herrschaft’
do ich [...] in hoher wirde swebte, /
und do min herlich gebiet / vor maniger hande diet, / und nach minem willen worhte
HvNstVis
319;
Ludewic was der name sîn, / der lantgrâve von des landes
craft, / des im was die hêrschaft / an voller gebiete Kreuzf
637;
an voller gebiete ebd.
5550;
al die, der ich gebiete hân ebd.
7757;
jâ, herre, dir ist undertân / alliu heidenische diet, / diu
stêt in dîner gebiet Ottok
47026;
daz er solde beidirwegin / der lande mit gebîte pflegin / und mit bîsorge
nemin war NvJer
17080;
undir der stat gebite sint vil burge unde stete MarcoPolo
73,12;
die den di leut undertenick sint und under ierem gepiet wonunt und siezent
StRBrünn
376
3
‘Herrschaftsbereich’
swaz avch in einem jar ergangen ist vͦf dem lande od vͦf den
wazzern, so sol der herre, in des gebiͤt ez ergangen ist, schaffen, daz di
den selben schaden selbe bezzern, die di getat getan habent UrkCorp (WMU)
N571,5;
vnd sol ouch der erzbischolf in siner gebiet vnser leut sichern vnd vreien
ebd.
2290,38;
solde ein strît geschehen, / daz möht ir denne gerne sehen /
nâhen bî iwer gebiete; / ob iu der strît misseriete, / dester baz hulf man iu hin
Ottok
29042;
das ir da her seyt gezogt / in mein gepiet in ditz lant
HvNstAp
13836;
sein gepiette was zwayer meil prait / und langk wol funff
meyle ebd.
10675;
brûdir Herman Balke [...] der êrste lantmeistir was /
in Prûzinlande, als ich las, / und pflac wol zwelf jâr / des gebîtis dâ vorwâr
NvJer
3616.
17103;
weren dise arme lute / nu kumen in dem gebute / zu dem volke daz snoder was, /
Scytin man dem den namen las, / in were da reht geschehen [
2 Macc 4,47
]
Macc
8304.
13362;
Daniel
4218;
al kirchprobst, al ander amptleut aller pfarren, aller dorffer, aller burgen,
aller vesten in dem pistumb vnd gepiet zw Trint StatTrient
114.
– Gerichtsbezirk:
mit dem rihtær, in des gebiet der ravp gefuͤrt oder getriben ist
UrkCorp (WMU)
1800A,6
MWB 2 159,41; Bearbeiter: Plate
gebietebrôt
stN.
‘(den Fronarbeitern) gereichtes Brot’
wenn unser herre der abbas och will haben lute in frone, so sol der weibel nemen
als menig brod ze gebietende jeglichem frönlinge ein brot, als meniges frönlinges unser
herre bedarf. [...] das gebiete brot sol sîn also gros, das man
drîssig müge gemachen von eime malter viertel UrkEls
2,163
(a. 1339)
MWB 2 160,28; Bearbeiter: Plate
gebietegære
stM.
‘Herrscher’
Cretina das ist eyn groz kunigriche in Persida, do sendit der groze chaam noch
siner lust eynen gebiteger MarcoPolo
8,4;
Deutschordensoberer (vgl. → gebietære):
und dô in disen swêrin / mit sînin gebîtegêrin / der meistir sus betrûbit saz
NvJer
19433
MWB 2 160,36; Bearbeiter: Plate
gebietelich
Adj.
‘mit hoher Befehlsgewalt (hier: des Darius) versehen’
alle vursten und ratgeben [...] haben
einen rat angegangen, daz ein gebitlich gesecze [
decretum
imperatorium
] uzgee unde ein gebot, das
[...]
Cranc
Dan 6,7
MWB 2 160,42; Bearbeiter: Plate
gebieten
stV.
1 → bieten
1.2
‘(jmdm.) etw. darbieten, geben, anbieten’
2
‘Herrschaft ausüben’
3
‘(jmdm.) etw. befehlen; etw. (jmdm.) als Befehl, Gebot, Gesetz o.ä.
(durch Boten) verkünden (lassen)’ , mit (Dat.d.P. und) Obj.-Satz, Inf.
oder Akk.d.S., beim Inf. auch mit Akk.d.P.; selten auch → bieten in
dieser Bedeutung, vgl. dort unter 1.5
3.1 mit Obj.-Satz 3.2 mit Inf. 3.3 mit Akk.d.S. 3.3.1 Pron. 3.3.2 Subst. ( vride, hervart, dinc, hof usw.) 3.4 Wendungen 3.4.1 (unter Androhung einer Strafe:) an daz leben / den lîp, bî der
wide (Strang), bî einer Geldbuße usw. 3.4.2 (unter Berufung auf eine Eidesverpflichtung o.ä:) bî dem eide /
gelübede ~
3.5 absol. 4
‘befehlen’ in Höflichkeitsfloskeln 5
‘laden, aufbieten (lassen)’
5.1 jmdm. (auch: jmdn.) wohin , mit Richtungserg. an, gegen, in, ûf,
vür, zuo/ze + Akk. oder dar
5.2 etw. vür
‘gegen’ etw.
1
→ bieten
1.2
‘(jmdm.) etw. darbieten, geben, anbieten’
daz er dekeine miete / möhte gebieten oder gegeben
Tr
7219;
er bôt sich drâte ûf ir vuoz / und suochte ir hulde unde ir
gruoz / [...] er sprach: ichn mac noch enkan / iu gebieten
mêre / wandels noch êre Iw
2287;
daz si im ir minne nie gebôt, / des lager nâch ir minne tôt
Parz
16,9;
UrkEls
2,163
(a. 1339)
2
‘Herrschaft ausüben’
ouch wurden ir mit dienste sider undertân / alle des küniges
mâge unt alle sîne man, / daz nie diu vrouwe Helche so gewalteclîch gebôt
NibB
1385,3.
–
über jmdn.:
waͤr [...], ob der v́nser kainer, v́ber
die wir ze gebiettend hand, die frighait v́berfuͤr vnd braͤch
UrkCorp (WMU)
108,4;
als Höflichkeitsfloskel, ‘über jmdn.
verfügen’
gebietet über mich: / swaz ir gebietet, daz tuon ich
Iw
3622;
Parz
554,18;
Tr
3374.
–
got gebietet über jmdn. ‘beruft jmdn. aus dem Leben
ab’, euphem. für ‘jmd. stirbt’
daz si mich, so got vͤber mich gebeut, bi dem selbem irem chloster
piuilden suͤlen UrkCorp (WMU)
2706,18;
wenn awer got vber vns gepewtet, so schullen si den vorgenanten iartag
begen StiftStBernh
257
(a. 1314);
wer och daz, daz got uber vns gebvte, daz [so
dass] wir stvrben an erben UrkCorp (WMU)
1816,25.
3585,15
3
‘(jmdm.) etw. befehlen; etw. (jmdm.) als Befehl, Gebot, Gesetz o.ä.
(durch Boten) verkünden (lassen)’, mit (Dat.d.P. und) Obj.-Satz, Inf.
oder Akk.d.S., beim Inf. auch mit Akk.d.P.; selten auch → bieten in
dieser Bedeutung, vgl. dort unter 1.5
3.1
mit Obj.-Satz:
unde daz gebôt sî mir / daz ich iuch gruozte von ir
Iw
3113.
5482;
darum gepiet wier vestichleichen allen mautern
[...], daz si von chainem chaufschatz
[...] maut aischen oder vodern StRBrünn
383
(a. 1312).
–
sus seit man uns daz er gebüte / daz man diu kint dâ lieze leben
KvWSilv
1168;
got sol daz gebieten, daz iuwer tugent immer lebe
NibB
2199,4
3.2
mit Inf.:
er gebiutet dêmüete, / zuht, milte unde güete / behalten
unverkêret RvEBarl
10889;
swenne vogtsdink kumt ze dem maien, und ein vogt gebiut
abe ze brechen ubergecimber oder graben ze rumen StRAugsb
136,15.
– und Akk.d.P.:
do gebot der bisgof riche / al die menige swigen
Wernh
D 2024;
vnd wil hie dienen minem threhtin / der gebivtet mich
sin helfere sin Albert
565;
sie gebuten sâ zehant / arme und rîche gâhen, / ir
lieben herren vâhen RvEBarl
14698.
– und Dat.d.P.:
diu mir gebôt / vil langen niuwen kumber tragen
MF: Reinm
38: 1,5;
daz si mir gebotten hât / singen unde frô belîben
SM:KvL
14: 2,7;
daz mir mîn herze ie gebôt / von der lieben vrôwen mîn / in alsô
rîchen vreuden sîn RvEGer
4428
3.3
mit Akk.d.S.
3.3.1
Pron.:
swie hôhe rîche wære deheines küniges man, / swaz im
gebüte sîn herre, das sold’ er doch niht lân NibB
728,2;
ir zuht von art gebôt in daz Iw
6292;
gebuten daz die wîssagen / und die boten bî ir tagen?
RvEBarl
5311
3.3.2
Subst. (vride, hervart, dinc, hof usw.):
mit râte alsô wîslîchem / rihte der chunic daz rîche.
/ er gebôt ainen gotes fride Kchr
15140;
swer des frides wider ist, als in der meister gebivtet von der stat
UrkCorp (WMU)
130,26;
so gebiut in vride her ze mir Iw
515;
StRBrünn
358.
–
der künic gebot eine hervart hin ze Kriechen über mer PKchr
147,17;
doh gebôt er sîne hervart SAlex
4324;
swenne man einen gemeinen vsgezog gebv̂t UrkCorp (WMU)
1797B,18.
–
vnd sol ze drien citen imme iare in ieclicheme hove ding han
[...] vnd sol man dv́ [sc.
ding
] dervor viercehen naht gebieten
UrkCorp (WMU)
679,28;
er gebot einen hof ze Rome PKchr
151,34.
194,47.
–
daz man mæzlîchen / vasten sol gewislîchen / die tage die von got
sint / geboten WälGa
10342
3.4
Wendungen
3.4.1
(unter Androhung einer Strafe:) an daz leben / den lîp, bî der
wide (Strang), bî einer Geldbuße usw. ~ :
wær ez im an den lîp geboten, / ern möhtez niht
verswigen hân Tr
3518;
dô hiez er dem gesinde / mit drô gebieten an den lîp,
/ daz deweder man noch wîp / giengen in den palas RvEBarl
883;
ReinFu
K,1655;
Parz
117,22.
148,2;
diu vrouwe gebôt ir an daz leben, /
[...] daz sî in allenthalben / niht bestriche
dâ mite Iw
3439;
der küneginne marschalc / tet den schiffen sölhen
vride, / daz er gebôt bî der wide [Strang] / daz
se ir decheiner ruorte Parz
200,26;
und den sol im der richter geben und dem selben gepieten bei fùmf
pfunt pfenning, daz er es tuͦ OberBairLdr
12
3.4.2
(unter Berufung auf eine Eidesverpflichtung o.ä:) bî dem eide /
gelübede ~
:
des manen vnd biten wir si mit fleizze vnd gebieten in ez bi dem
gelubde UrkCorp (WMU)
1411,44;
daz gebieten wir den herren bi dem aid, den si vns datz Freising
gesworn habent ebd.
1312AB,31,27
3.5
absol.:
gebietet als wir dâ heime sîn Wh
262,9;
Artûs [...] sol nâch wirtes
siten / hie gebieten und nicht biten HvFreibTr
2500
4
‘befehlen’ in Höflichkeitsfloskeln:
swaz si [
friunde
] mir
gebietent, des bin ich alles in bereit NibB
1862,4;
swaz ir gebietet hie ze hûs, / des sît ir alles gewert, / ist
daz ir betelîchen gert Iw
4544;
swaz ir gebietet, daz ist getân ebd.
243.
3622;
‘dû solt mich einer bete gewern, / dern wil ich niht
von dir enbern.’ / ‘swaz ir gebietet, hêrre mîn.’
Tr
3369;
bei der Begrüßung:
waz ist daz ir gebietet [was führt Euch zu mir,
was ist Euer Anliegen?]
Iw
7959.
–
swie / als / ob ir gebietet
‘wie / wenn es Euch gefällt, wie / wenn Ihr wollt, mögt’
‘sô nim ich iu lîhte den lîp.’ / ‘swie
ir gebietet, sælec wîp.’ Iw
2294;
nu tuot als ir gebietet Wig
2439;
hêr Tristan / dern gepfliget mîn niemer tac. / ob ichs
iuch erbiten mac, / ir müezet mîn zwâre under wegen, / ob ir gebietet, selbe
pflegen Tr
14000;
[Erzähler:] ine sagez iu
[Publikum] niht nâch wâne: / gebiet ir, sô ist ez
wâr Parz
59,27.
685,12;
âventiure hœrt, obe ir gebietet Tit
141,3.
– beim Abschied: ‘jmdn. entlassen, jmdm. den Abschied
geben’
ob ir gebietet, frouwe, / mit urloube ich schouwe / wiez
umbe mîne muoter stê Parz
223,17;
gebietet mir, hiest bite
[Verweilen] nimê. / ‘vriunt’ sprâchen
jene ‘adê, adê!’ Tr
3857.
14491;
vergezzet mîn durch keine nôt. / dûze amîe, bêle Îsôt, /
gebietet mir und küsset mich ebd.
18285
u.ö.
– jmdm. an sîne stat
~
‘nach Hause gehen lassen, freilassen’
dû [Tod] hâst vil bœser râtgeben, / wan dû
gâhes nimst daz leben / einem sô gewanten man / den diu werlt niht überwinden
kan, / und gebiutest einem an sîne stat / dem ie diu werlt des tôdes bat / unde
lâst den werden alt Er
5928;
maniger zuo den vrouwen gât / und swîget allen einen tac /
und anders niemen sînen willen reden lât. / niemen im ez vervienge / zeiner
grôzen missetât, / ob er dannen gienge, / dâ er niht ze tuonne hât; / spraeche
als ein gewizzen man / "gebietet ir [l.
mir
] an mîne stat!", / daz waere ein zuht
MF:Reinm
19: 5,6
5
‘laden, aufbieten (lassen)’
5.1
jmdm. (auch: jmdn.) wohin ~ , mit Richtungserg. an, gegen, in, ûf,
vür, zuo/ze + Akk. oder dar
–
ist ieman [...] dar
[
lanttegedinc
] gebotten, div gebot
svln stete sin SchwSp
54a;
sîn manheit im gebôt / genendeclîche an manegen strît
Parz
296,14.
–
dem jungen Sigebande man gên hove gebôt, / dâ er solte lernen
[...] / mit dem sper rîten Kudr
3,1.
–
der butil der insal aber niht gebieten deme gesinde in irs herren hus
UrkCorp (WMU)
1161B,29;
der gast muz im in daz dinc lazen gebiten StRFreiberg
48,34.
–
man sol in gebieten ûf daz capitel unde sol sie mit geistlîchem
gerihte dar zuo twingen, daz sie gelten unde widergeben PrBerth
1:122,35;
sweme man gebiutet uf den hof, der niht enkumet, der büezzet driu
phunt RbBasel
13,5;
jn swez gebiete di levte sitzen [...], der
gebiet in auf di stat vnd auf den tach UrkCorp (WMU)
631,48.
–
ich gebot im, kvnic, fvr dich ReinFu
K,1615;
sîn elter sun für sich gebôt / den fürsten ûzem rîche
Parz
6,2;
swer der ist, der mit den lantherren [...]
niht envert [...], dem sol der landesherre
fvͤr sich gebieten UrkCorp (WMU)
467,8;
wer im des widerstat, dem sol er gebieten für den vogt UrkEls
2,164
(a. 1339);
ist daz der juden richter ein iuden vur gericht gepeut StRBrünn
370;
anders:
also, daz sv́ vmbe [wegen] die vnzúht fúr
die stat [das städtische Gericht] gebieten
UrkCorp (WMU)
542,29.
–
dô chômen boten frône, / si gebuten im ze Rôme
Kchr
6637;
er bat und ouch gebôt / zuo sîner hôhgezîte
NibB
1422,3
5.2
etw. vür
‘gegen’ etw. ~ :
wan ê dir iht geschehe, so müeze mir geschehen / ein
unverheilet smerze, / da man niht vür gebieten [gegen den man
nichts aufbieten] kan SM:UvS
12: 3,5.
– etw. an einer Stelle?; mit attrahiertem Gen. statt
Akk.d.S.:
aller mîner êren der muoz ich abe stân, / triuwen unde
zühte, der got an mir gebôt [die Gott an mir aufgeboten hat = die
mir nach Gottes Wunsch zuteil wurden]
NibB
2153,3
MWB 2 160,47; Bearbeiter: Plate
gebiethûs
stN.
‘Gerichtsgebäude’
do fvrten si Ihesum zv Pilatum in daz gepiethus
[
praetorium
]
EvAug
266,10
( Io 18,28).
72,8
( Mt 27,27).
119,5
( Mc 15,16)
MWB 2 163,28; Bearbeiter: Plate
gebietic
Adj.
→
gebeitic
MWB 2 163,32;
gebilde
stN.
1
‘Gestalt, Bildung, (äußere) Erscheinung’
2
‘Abbild’
3
‘Vorbild, Exempel’
1
‘Gestalt, Bildung, (äußere) Erscheinung’
do unser herre, schepfær aller dinge, durch lieb siner
hantgetat, der armen menschen, menschlich gebilde an sich nam
PrOberalt
30,4;
di selben gute spise / ze geistlicher wise, / die geheiliget got uon himele /
in sûnlichen [sichtbarem] gebilede / uon brote ioh uon
wine Glaub
962;
die prister hat gebilide / Cristis uon himele, / alser gegerwet da steit /
unde uor deme altare begeit / den gotelichen rat / uor unse missetat ebd.
1085;
dô sprach der vater zuo dem sune: wir suln machen einen menschen, unde sîn
gebilde das werde nâch uns selben DvASchr
399,8.
– besonders ‘Sternbild’ (?):
di wisen begunden sih ouh uermezzen, / si chunden wol mezzeu / in lutzelir
wile / di manic tusint mile / uon der erden zo dem himele, / da inzwischen di
gebilede, / di begunden si alle nennen Glaub
396
2
‘Abbild’
zum dritten mol sullen wir uns kennen, daz wir sein gebild gotes an dem, daz
er uns noch im gebildet hat Eckh(J)
66,19;
vnde dat eyn jtlick sy barmhertich sinen euen cristen, wente he is eyn kynt
godes als he vnde eyn gebilde godes vnde eyn geselle der ewigen vroude
Gnadenl
3:Wo1,137.
3:Wo1,183
3
‘Vorbild, Exempel’
daz gebild hat uns got vor getan, ob wir den worten niht
volgen, daz wir den pilden volgen PrOberalt
92,26;
si [Maria Magdalena] ist uns des gebilede: alle di
dir getruwen / vnde ir sunden sih geruwent / di werdent von dinen gnaden getrost /
von allen sunden irlost Glaub
2229;
HeslApk
13624
MWB 2 163,33; Bearbeiter: Plate
gebildunge
stF.
‘Gebilde’
figmentum: gebilidunge PsWindb
102,14
MWB 2 164,1; Bearbeiter: Plate |