gram
stM. , grame
stF.
‘Grausamkeit’ (vgl.
grim
):
alle tier uff ertrich / macht man schier mit guͤti
zam / denn mit uͤbelkait und gram Teichn
574,58;
durch ir morthezzige grame HeslApk
17165;
HvNstAp
16894(La.)
MWB 2 892,3; Bearbeiter: Graën
gramangir
stN.
aus afrz. grant mangier (vgl. Suolahti 1,99,
vgl.
manger
stN.).
‘große Mahlzeit, Festmahl’
nv wart niht lenger gespart, / wan [l.
man
] bereit dar ein gramangyer Krone
7649
MWB 2 892,8; Bearbeiter: Graën
grâmatic
F.
‘Grammatik’
gramatica die lert / buchstaben, silben unde wert
Mügeln
281,1;
an der gramatik wart er schier vol varnde. / sin wille stuͦnt gen
ritterschaft, kunst der buͦche wold er sin nu sparnde JTit
184,3;
Minneb
466
MWB 2 892,12; Bearbeiter: Graën
grâmaticus
M.
‘Gelehrter’, der Lesen, Schreiben und Latein beherrscht (nur lat.
flektiert):
gramatici, daz sint der rede maister BdN
201,27;
an sîm einleften jâre / dô enwas zewâre / dehein bezzer grammaticus / danne
daz kint Grêgôrius Greg
1183;
Martina
245,101;
AvaLJ
52,4;
MinneR 481
258
MWB 2 892,17; Bearbeiter: Graën
gramaʒîe
F.
vgl.
nigromanzîe
,
vergramaʒieren
;
aus afrz. nigromanc(i)e, i(n)gromanc(i)e, lat. necromantia
(vgl. Suolahti 1,100).
‘schwarze Magie, Zauberei’
künde er mit behendicheit / diu swarzen buoch, ouch kunst der gramazîen
[...] daz waere vil gar an im verloren, haete er nicht
pfenninge Boppe
1:30,8;
nû hab dank / diser gramazîn Helbl
3,49
MWB 2 892,24; Bearbeiter: Graën
grambîʒen
stV.
‘zornig mit den Zähnen knirschen’
dreuwende mich der tuvel sprach / und grambyzende
eyslich [furchterregend] brach / ken mir sine zene
scharf Hiob
6576.
– subst.:
wan er grambyzens horet waz, / so zuhant in dunket, daz /
alle sine widersachen / mit sturme sich uf in machen Hiob
6209
MWB 2 892,32; Bearbeiter: Graën
gramelich
Adj., Adv.
→
gremelich
MWB 2 892,39;
gramen
swV.
1
‘(mit den Zähnen) klappern’ (vgl.
grisgramen
) 2
‘(jmdm.) zürnen’
1
‘(mit den Zähnen) klappern’ (vgl.
grisgramen
):
‘da [in der Hölle] sol wesen weinen der ougen
und grizgramen der zene’ [
fletus et stridor dentium Mt
8,12 u.ö.] . diz weinen der ougen kumet van der flammen des vuirez,
daz gramen van der jamerlichen keildenen [Kälte]
HlReg
26,32
2
‘(jmdm.) zürnen’
do begundens im zu gramene HeslNic
397.
971;
HeslApk
153
u.ö.;
Frl
8:17,2.
– subst.:
nu vurchte ich mir der vrowen gramen
HeslApk
3700
MWB 2 892,40; Bearbeiter: Graën
gramerʒî
Interj., stM.
aus afrz. grant merci (vgl. Suolahti 1,100).
‘vielen Dank’
der meister sprach: gramerzî AristPhyll
366;
UvTürhTr
2340;
RvEGer
1356.
– subst.:
swer byen sey
venûz [
bienvenue!
] dâ sprach, / gramerzîs
er wider jach Parz
351,8.
– in der Wendung einen
~
gëben
‘sich bedanken’
die herren mir ze stuͤr / gæben ainen gramarsi
WhvÖst
19481
MWB 2 892,50; Bearbeiter: Graën
gramerʒîe
stF.
aus afrz. grant merci (vgl. Suolahti 1,100 s.v.
gramerzîne).
‘Dankesbekundung’
der alten gramerzie was [...] verendet nicht so
gahenliche JTit
278,2
MWB 2 892,58; Bearbeiter: Graën
gramerʒîen
swV.
‘Dank sagen’ (vgl. Suolahti 1,100 s.v. gramazîen):
hie sol man gerne schowen von manger werden amien /
[...] wie si nach dienste kunnen gramerzien / ir lieben
vruͤnt, der ir da dienen wolde JTit
1968,2
MWB 2 892,62; Bearbeiter: Graën
grampieren
swV.
→
gampieren
MWB 2 893,3;
gramvogel
stM.
s.a.
krimvogel
.
‘Greifvogel’
gram vogel fliegent gerne aleine Renner
21328.
20065
MWB 2 893,4; Bearbeiter: Graën
gran, grane
stswF.
1
‘Barthaar’
2
‘Schamhaar’
1
‘Barthaar’
mit gestreichtem barte, / mit uf gewnden granen
Rol
1156;
die nase lac disem vf den granen Herb
5848;
daz im sîn munt was sô rôt / unt daz vor jugende niemen dran
/ kôs gein einer halben gran Parz
244,10;
[in deinem Gesicht] gewuohs noch nie dehein gran: / war
umbe hiez ich dich ein man? Wh
67,15
u.ö.;
dô er [Herzog Heinrich] herfür het
geschoben / sînes bartes gran, / sô daz er wart ze man / und daz er ritters amt
enphie, / ein hôchzît aldâ ergie Ottok
20972;
uf der obirstin lippin do han si eczliche gran MarcoPolo
19,15.
– übertr.:
schanden gran / unde ir zan / missezierent rîchen man
KvWLd
23,41;
Teichn
220,28.
– bei Tieren:
[Satan] hât alsam ein katze gran MarGr 18
61;
[des Drachen] munt hât gran
[Borsten] und niender zene Boppe
1:16,7;
Krone
988;
Mechth
4: 18,20.
4: 18,25
2
‘Schamhaar’
dô si den gimpel gempel / in die hant genam, / sî sazte in an daz wempel; / er
druhte in durch die gran Neidh (HW)
46,16
MWB 2 893,6; Bearbeiter: Graën
gran
Subst.
ein Meeresfisch:
granus haizt ain gran. daz ist ain mervisch
[...]. der visch hât ain aug oben auf dem haupt wider
aller anderr tier nâtûr BdN
252,28
MWB 2 893,26; Bearbeiter: Graën
grân
stF.
aus afrz. graine (vgl. Suolahti 1,100).
‘scharlachroter Färbestoff, Scharlachfarbe’
von der gran / truoc er einen roc an Wig
1425;
Iw
3454;
Tr
15827;
manig lache von gran, / diu in viures varwe bran Krone
507.
6838.
– übertr.:
schande ist ein gran, / dar inne wirt geverbet Frl
5:47,2.
– für Kleider dieser Farbe:
dar na in unlanger stunt / heis der busschoff dat men sy cleide / mit
scharlaichen ind gronen beide HagenChr (G)
4322
MWB 2 893,30; Bearbeiter: Graën
grânât
stM. (sw. BdN )
1 i.d.R. ein Edelstein ‘Granat’ (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 57f., 116f. u.ö.; Vorderstemann, Fremdw., 97f.) 2
‘Granatapfel(baum)’
1
i.d.R. ein Edelstein ‘Granat’ (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 57f., 116f. u.ö.;
Vorderstemann, Fremdw., 97f.):
granatus: granat, lapis preciosus VocClos
Gr21;
ein kleinez vingerlîn [...] dez
steinlîn was ein grânât Parz
438,6.
589,20;
JTit
5556,4;
von dem granaten. granatus ist ain stain gar schœner
varb, geleich ainem rubîn BdN
446,30.
– in Verbindung mit jâchant als rote Untergattung des Hyazinth
(vgl. Engelen, Edelsteine, S. 316f.):
ez was ein grânât jâchant Parz
233,20;
Wh
188,26
(vgl.:
der grânât und der rôt jâchant, / die sint al ein beide
sant [d.i. beidesamt
]
Volmar
669;
der granât ist von des jâchants art und ist seines
geslähts BdN
447,7
)
2
‘Granatapfel(baum)’
vîgen boum, grânât, / öle, wîn und ander rât, / des wuohs dâ
ganziu rîcheit Parz
508,11;
der balsme und ouch der grânât bluot, / der blüete smac, der vrouwen zuht /
machten ein keiser wolgemuot Virg
426,10;
Minneb
3434
MWB 2 893,39; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtapfel
stM.
‘Granatapfel’
ein grânâtöpfel solt du hân, / der mir ervrische mînen munt Boner
48,114;
aphalter [Apfelbaum] von Punike, / diu wilde
granatephel treit, / rilicher smac ist uns bereit, / den uns din obz erteilet
KvWGS
1325;
malumpunicum: granathoͤpfel VocOpt
48.153;
VocClos
Ma76;
malum granatum: granot apfel ebd.
Ma75.
– übertr.:
min gelucke, min sußer tawe, / min edeler sußer granat
oͤpfel Minneb
1507
MWB 2 893,58; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtapfelboum
stM.
‘Granatapfelbaum’
der grânât aphelpoum uil chornelîne hât, diu sint
suͦzze TrudHL
129,13
MWB 2 894,3; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtapfelschelede (?)
swF.
Bed. und Ansatz unklar, ‘Granatapfelschale’ (?) (vgl. DWB 8,2066 s.v.
Schälete):
nim zwo vnze goltesche vnd zwo vnze granat oͤppfel schoͤlotten
ElsArz
222
MWB 2 894,6; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtbluot
stMF.
‘Blüte des Granatapfelbaumes’
balaustia: granot bluͦt VocClos
Ba38
MWB 2 894,10; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtenboum
stM.
unklar, ob Syntagma mit
grânâtîn
Adj.
‘Granatapfelbaum’
der wingarte ist zustoret, der vikbom ist vorgangen, der
granatenbom und der palmbom und der appilbom und alle boume des ackirs sint
vordorret Cranc
Joel 1,12;
der granatimboum und der oleboum ebd.
Agg 2,20
MWB 2 894,12; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtîn
Adj.
Bed. unklar, die Herleitung von
grânât
1 als dem Stein des Trostes ( ‘tröstlich’) oder von 2,
dem Granatapfel(baum), ist umstritten (vgl. FrlWB, S. 132):
vröut iuch alle, vröut iuch immer miner balsamiten! / ich volles wunsches
wurzesmac, / min mitsam granatin bejac / den brasem des trostes heilsam an iuch
strichen muz, / sust werdet ir des himels margariten Frl
1:20,34
MWB 2 894,18; Bearbeiterin: Baumgarte
grande (grant ?)
stSubst.
‘Not, Bedrängnis’ (vgl. Rosenqvist 1,113):
si teten ditz Jesu / zû laster und zû schanden, / daz si des
galgen granden / im ûf den rucke bunden JvFrst
8058;
swer nu in strites noͤten / hoͤrt gern
luͤte toͤten, / der biet mir sin ore! / den kuͤnc Melchinor /
wit ich [(über) den König verkünde ich (dass er ist)] in
strites grande / gein dem kuͤnge Agrande WhvÖst
7879
MWB 2 894,26; Bearbeiterin: Baumgarte
grande|wërre
swM.
‘große Not’
ob sie da sanfte lebten, oder lebten si mit grandewerren JTit
4107,4;
uz Tabrunit die geste, von den sach man hie noch grandewerren ebd.
4249,4
MWB 2 894,34; Bearbeiterin: Baumgarte |