Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   grannen - gras(e)löufel    


grannen, grennen swV. zur Etymol. und Verwandtschaft mit grînen vgl. DWB 4,1,6,53f. s.v. greinen; vgl. ebd. 4,1,5,1873-76. 1 ‘(laut) weinen, klagen’
2 ‘jmdm. (knurrend) die Zähne zeigen, ihn schmähen’
   1 ‘(laut) weinen, klagen’ von grennen ir dú ogen rot / begunden aber werden SHort 2662; so moͤcht er wol switzen und gran [ gran’n ] / der si [Maria] schelten tuͦt und swachen / [...] / der moͤcht sich wol fuͤrchten ser Teichn 464,1484; Bauernh 283    2 ‘jmdm. (knurrend) die Zähne zeigen, ihn schmähen’ da [in der Hölle] der wirt zannet / gein sinen gesten grannet / da der wirt lachit / da alle frovde swachit / vnd da enbleckit sine zene / nach dem lahter [Lachen] ich niht sene Martina 71,102; mit schilhen ougen ane sach / Jêsum al diu menigîn / unde grenneten an in / und begunden allesamen / gägen im von zorne grisgramen WvRh 9179; WernhMl 10136

MWB 2 894,63; Bearbeiterin: Baumgarte

grans stM. wohl ‘hervorstehender Teil eines Körpers’ (s.a. gränsel ) 1 ‘Rüssel, Maul’ von Tieren und Ungeheuern, auch ‘Hals’ (anders als im DWB 4,1,5,1879 [mit BMZ/  Lexer] s.v. gransen beschrieben, keine eindeutigen mhd. Belege für ‘Schnabel’ )
2 ‘Schiffsbug’
   1 ‘Rüssel, Maul’ von Tieren und Ungeheuern, auch ‘Hals’ (anders als im DWB 4,1,5,1879 [mit BMZ/  Lexer] s.v. gransen beschrieben, keine eindeutigen mhd. Belege für ‘Schnabel’): dâ quam vil grôzer elefant, / die racten ir granse UvEtzAlex 22045; reht als ûz golde ein edel rinc, / der eime swîne wirt geleit / an sînen grans KvWPart 8470; vom Pferd: KvWPart 5489; vom Walfisch: KvWGS 1628; sie [die wolfsgroßen Ameisen hatten] ouch scharphen grans: / etslich ein lemmel nâch ir dans [zerrte] UvEtzAlex 23137; vom Drachen: Heidin III 1331; ain geprattne gans / slickt er [der Riese Kolkan] in seinen grans; / vier hennen zu ainem male HvNstAp 4564. – im übertr. Bild: uil stete stichet der schalck / der [...] gein dem rehten gelovben gaget / als ein vil tovbe gans / der sol snabel vnde grans [Hals] / der [l. dar ] werden [...] besenget Martina 152,70; si [die minnende Seele] hat dem wolf der girheit sinen grans zerrissen Mechth 1: 38,6. 3: 21,86; alsô des tiuvels luoder, / herzog Johans, / in Lucifer grans / sich gesenket hât / mit der meintât Ottok 94783. – auch abfällig vom Hals des Menschen: den [Brei] soltu ezzen in den grans Helmbr 455. – Bestandteil eines Personennamens: Lvdweich der grans von Vttendorf UrkCorp (WMU) 2430,23 u.ö.    2 ‘Schiffsbug’ prora, anterior pars navis: grans SummHeinr 2:422,458; ze dem schiffe gehœret maneger nagel. / er hiez den grans und den zagel / beslahen vil vaste / und sande nâchem maste Craun 670; KvWTroj 25116; der selbe ast die zullen [Zille, Boot mit flachem Boden und vorn aufgebogenem, spitzem Bug] vienc / vor bî dem grans Ottok 18855; HvNstAp 5453

MWB 2 895,15; Bearbeiterin: Baumgarte

gränsel stN. Dimin. zu grans 1 kleiner hervorstehender Teil des Körpers (vgl. grans 1 ), hier ‘Brustwarze’
2 ‘kleiner Bug’ (vgl. grans 2 ), hier in der Wendung stiur vnd gränsel ‘kleines Schiff’
   1 kleiner hervorstehender Teil des Körpers (vgl. grans 1), hier ‘Brustwarze’ diu küngîn nam dô sunder twâl / diu rôten välwelohten mâl: / ich meine ir tüttels gränsel: / daz schoup sim in sîn vlänsel. / selbe was sîn amme / diu in truoc in ir wamme Parz 113,7    2 ‘kleiner Bug’ (vgl. grans 2), hier in der Wendung stiur vnd gränsel ‘kleines Schiff’ swer stewer vnd grænsel hat, da sol der mavttnær hin rihtten wan vmbe gelt alein vnd niht der stat rihttær UrbBayS 4,202

MWB 2 895,51; Bearbeiterin: Baumgarte

gransen swV. ‘grunzen’ aper frendit [La. granseth, vgl. Bd. 3,63] SummHeinr 1:169,791; porcus grunnit [La. gransoth, vgl. Bd. 3,63] ebd. 1:169,789

MWB 2 895,62; Bearbeiterin: Baumgarte

gransprunge Adj. mit Barthaar, das zu sprießen beginnt ‘zum Mann heranreifend, adoleszent’ (vgl. gran stswF.): mich müet daz alter sêre, / [...] / ez sol der gransprunge man / bedenken sich enzîte, / swenne er ze hove werde leit, / daz er ze gwissen herbergen rîte MF:Her 2:2,4

MWB 2 896,1; Bearbeiterin: Baumgarte

gransprunge stF. ‘Beginn des Bartwuchses’ (vgl. gran stswF.): dô mîn bruoder gein den jâren / kom für der gransprunge zît, / mit selher jugent hât minne ir strît Parz 478,9

MWB 2 896,7; Bearbeiterin: Baumgarte

grant Adj. ‘groß’ (vgl. frz. grant, lat. grandis): da bi in einem lande wehset der pfeffer z’anger / klein unde grande, der eine der ist kurtz, der ander langer JTit 6157,2; ir persone diu was smal, / wol geschaffen überal: / ein lützel grande was si da, / smal [Hs. wol ] geschaffen anderswa Tannh 3,45. 5,25; allez daz ie geborn wart / [...], / daz nimt [ nach Cristes gerichtes kumft ] daz selbe vleisch an sich / daz iz in siner muter nam / [...] / al werde wir dan grander / und liechter dan wir nu sin HeslApk 18172. 13414; NvJer 22962; Lanc 411,9

MWB 2 896,11; Bearbeiterin: Baumgarte

grant stM. Pl. grende. 1 ‘Trog, Bottich, Fass, Behälter’ u.ä. (vgl. DWB 4,1,5,1851 s.v. 2grand )
2 ‘Boden, Grund, Unterlage’ (vgl. DWB 4,1,5,1852 s.v. 2grand,3 )
   1 ‘Trog, Bottich, Fass, Behälter’ u.ä. (vgl. DWB 4,1,5,1851 s.v. 2grand): ir edeln, sit gemant, / trinkt eren seim uß tugent grand. / set, Rome dienten alle lant, / da sie der tugent straße fur Mügeln 248,2; des bis gemant: / mit gites grant, / durch nicht gib dich in lasters bant ebd. 365,14. – ‘mit Sand gefülltes Gefäß zum Polieren der metallenen Rüstungsteile’ (vgl. vegevaʒ ): vnd wurden so zuͦ der stet / gehangen zu den wenden / die schilte, vnd in den grenden / die sarwat gereynet Krone 22118    2 ‘Boden, Grund, Unterlage’ (vgl. DWB 4,1,5,1852 s.v. 2grand,3): das sy im [dem dick Aufgepolsterten und Gepanzerten] helffen ab dem wagen / mitt heb laitern, wizzent daz! / sam ain groz winfaß / daz man hebt uff den grant / also hebent sy in uff daz lant Teichn 586,81

MWB 2 896,22; Bearbeiterin: Baumgarte

grant stN. grande stSubst.

MWB 2 896,38;

grantmentin Subst. grandnein

MWB 2 896,39;

granze stF. zu afrz. créante NF. ‘Einverständnis, Verpflichtung’ oder créant NM. ‘Versprechen, Zustimmung’ (prov. graanze, gréance, vgl. Bartsch, Liederdichter XLVII,96; s.a. Suolahti 1,101). ‘Zustimmung, Versprechen’ si jach, si lite ez gerne, / daz ich ir taete, als man den frouwen tuot dort in Palerne. / [...] si wart min trut und ich ir man. / wol mich der aventiure! / [...] / elliu granze da geschach von uns uf der planiure Tannh 3,95; nv merket: wie dvͥ rose si, / als si [Akk.] mit granz [La. glantze ] dvͥ svnne lokket, / vnd si dvrch froͤde sich enpflokket / gein dem grvͦz der liehten svnne TürlArabel *A 71,21

MWB 2 896,40; Bearbeiterin: Baumgarte

grap stN. rip. graf, Dat. grave (z.B. HagenChr (G) 111; MarlbRh 57,11 ); Pl. i.d.R. greber (z.B. so tuont sich diu greber uf AvaJG 15,2; PrOberalt 14,5 ), auch grap ( manic grab sten offen noch GvJudenb 3478; der grabe zwei UvTürhTr 3517 ), vgl. ausführlich DWB 4,1,5,1477. 1 jede Art von Begräbnisstätte ‘Grab’
2 in Wendungen mit häufigen Verbverbindungen
2.1 jmdn. in daz ~ bereiten
2.2 jmdn. ze ~ tragen
2.3 vereinzelt jmdn. ze ~ bestaten
2.4 jmdn./etw. ze ~ /in daz ~ legen
2.5 in dem ~ ligen/  ruowen
3 phras.
3.1 (unze) in daʒ/  sîn ~ ‘bis ans Lebensende’
3.2 daʒ heilige grap ‘Grab Christi’ , auch meton. für ‘Jerusalem’ (weitere Belege vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 180f.)
3.3 bezogen auf den christl. Auferstehungsglauben von dem ~ erstân
   1 jede Art von Begräbnisstätte ‘Grab’ der gut sant Johannes [...] hiez im [sich] ein grab graben bei dem alter PrOberalt 21,25; do sant Johannes hincze deme grabe [der Drusiana] chom vnd Andronicus, der froͮwen man, do tet diu [von den Leichenschändern von innen versperrte] ture vͦf selbe sant Johanni Konr 12,40; Pass I/II (HSW) 8377; er [...] ging under die erden in ein krufft; da stunt ein grab und lag ein mermerin sarck daroff Lanc 566,22; enmitten in dem kirchoff stund ein hoch grab und ein großes, da was ein sargk off gemacht von metalle, der was groß und schwere und wúnderlich gewurckt mit golde und mit herlichem gesteyn ebd. 165,18; Herb 10744; UrkCorp (WMU) N174,34.35 u.ö.; sepulcrum: grap. versus: supra in sarcofagum et intra in tumulum VocClos Se145; auch für lat.: bustum ebd. Bu44; monvmentum ebd. Mo65; tvmba ebd. Tu16; tvmulus ebd. Tu21    2 in Wendungen mit häufigen Verbverbindungen    2.1 jmdn. in daz ~ bereiten: ouch habe wir [die Engel] si [Maria] bereitet / nâch menschen site in daz grap KvHeimHinv 1075; UvZLanz 1948    2.2 jmdn. ze ~ tragen: dar nâch truogen si in ze grabe Iw 1411; Tr 1849; Herb 8120; Konr 13,52; PrOberalt 161,17    2.3 vereinzelt jmdn. ze ~ bestaten: den bestaten wir hie ze grabe UvZLanz 3844    2.4 jmdn./etw. ze ~ /in daz ~ legen: der tôt in ê leit in daz grap Parz 494,21; Lucid 101,8; Lanc 123,25. wænt ir daz älliu vrümekheit / mit im ze grabe sî geleit? Iw 1934. – übertr.: si wirt geleit in ein besclossen grab der tieffen demuͤtekeit Mechth 3: 10,42. – phras. ‘den Tod bringen’ sîn hant vil mangen in daz grap / mit rîters were hât geleit Wig 7799    2.5 in dem ~ ligen/  ruowen: do er do zwene tage geruowet in dem grabe AvaLJ 160,1; der dri tage toter in dem grabe lach ebd. 181,2; ÄPhys 2,19    3 phras.    3.1 (unze) in daʒ/  sîn ~ ‘bis ans Lebensende’ er brâht den prîs unz in sîn grap Wh 450,4; einez, heizet sorge, volget im unz in sîn grap Neidh (HW) 68,35. des er sich schamt in sîn grap StrAmis 2472; er wil sîne hövescheit vüeren in sîn grap SM: UvS 22: 7,3; daz er mir dank in daz grab Helbl 1,917    3.2 daʒ heilige grap ‘Grab Christi’, auch meton. für ‘Jerusalem’ (weitere Belege vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 180f.): daz kritze nam er noch werde vir sich an die wot / ‘nu wil ich farn zuͦ dem heiligen grabe, daz vnser beder selen werde rot.’ WolfdD 839,4; man bevalh den selben alsô schône / bêde kriuz und ouch krône / und daz vil helige grab Orend 2895. – vereinzelt auch für den Opfertod Christi: got durch sin heilige grap / helfe uns daz wir in [den Heidenkönig] [...] irgezzen, / daz er uns leides hat getan GrRud Bb 20    3.3 bezogen auf den christl. Auferstehungsglauben von dem ~ erstân: an dem dritten tage / duo irstuont er von dem grabe. / hinnen vuor er untotlich VEzzo 280; AvaLJ 62,7

MWB 2 896,53; Bearbeiterin: Baumgarte

grâpen, grappen swV. zum Nebeneinander zweier Stämme vgl. DWB 4,1,5,1894; aufgrund der quantitätsunreinen Reime bei WhvÖst ist die Länge im Reim grapen :wapen nicht sicher (vgl. Beckmann, WhvÖst., S. 15-19). ‘ergreifen, an sich nehmen’ hurta! wie von dem wapen / die knappen wurden grapen / nach den tiuren tocken [Kopfbedeckungen, vgl. 2tocke ] ! WhvÖst 14718; nach den kumet ein kunic / creftic, mechtic, der den sic / grappit vor allen vursten Daniel 5913

MWB 2 897,52; Bearbeiterin: Baumgarte

gras stN. ‘Gras’, auch Getreidehalme (vgl. DWB 4,1,5,1899); übers. lat. gramen ( gramen: gras SummHeinr 1:195,301; gramen: gras SummHeinr 2:52,348; VocClos Gr19 ) 1 die Pflanze mit ihrem Wachsen und Vergehen und ihrer Nutzung (nicht immer sicher von 2 abzugrenzen)
1.1 als wildwachsende Pflanze
1.2 als Nahrung
1.3 als Ware
1.4 zur Angabe der Jahreszeit ‘Zeit der Grasfütterung’
1.5 in Vergleichen zur Bez. eines (frischen, leuchtenden) Grüns
1.6 im Bild des Mähens zur Darstellung einer großen Zahl besiegter Gegner
2 grasbedeckter Boden ‘Grasfläche, Wiese, Weide’
2.1 als Nutzfläche
2.2 als besondere Bodenart oder Landschaftsform
2.3 als Bereich der Minnebegegnung
2.4 als Platz für Turnier und Kampf
2.4.1 jmdn. ûf daz gras stëchen/  setzen ‘jmdn. mit der Lanze vom Pferd stechen’
2.4.2 jmdn. ûf/  ane daz gras vellen/  slagen ‘jmdn. im Kampf töten’
   1 die Pflanze mit ihrem Wachsen und Vergehen und ihrer Nutzung (nicht immer sicher von 2 abzugrenzen)    1.1 als wildwachsende Pflanze: owe burg reine, / daz da wassen sol daz gras, / da die schone Troyge was Herb 1739; dâ vander von geschihte / einen waltstîc âne slihte / mit grase verwahsen unde smal Tr 2573 (vgl. grasic ; graswëc ); von grase wirdet halm ze strô Walth 17,35. – in Paar- und Reihenbildungen: niuwe bluomen, grüenez gras / was ie töuwigez drîn gestreut Wig 10613; hie wus [l. wuohs ] wilen heide, / gras vnde buschee Herb 10577; wurze, crût unde gras Tr 12765; boum’ ind bluͦmen, krut ind gras MarlbRh 98,14    1.2 als Nahrung: nim eins swînes mist, daz gras ezze Barth 141,9; StatDtOrd 113,26; nâch grase wolde er [der arme Mann] ûz gân Wig 5319 (vgl. grasen ). er [der guot einsidel] az dâ krût unde gras, / unz er den lîp in grôze nôt / durch die gotes minne bôt RvEBarl 292. 4511    1.3 als Ware: ez sol auch nieman habern, heu und gras fuͤrkauffen WüP 30,2; daz wir [...] hant geben zvͦ kovfenne daz gras, daz vffe der almenden [...] gewehset UrkCorp (WMU) N713,6 u.ö.    1.4 zur Angabe der Jahreszeit ‘Zeit der Grasfütterung’ drev ehaftigev taidinch [...], der einez sei bei dem gras vnd zwei bei dem hævwe UrkCorp (WMU) 3305,3. 711,19; er wolt niht lenger beiten, / unz zuo dem næhsten gras Ottok 8558    1.5 in Vergleichen zur Bez. eines (frischen, leuchtenden) Grüns: der strich [längs über das Pferd] grüene was / unde lieht sam ein gras Er 7315; di einleve [elf Gerten] durre waren / [...] / div zvelfte div Aarones was / di sach man grune sam ein gras / lovben bluͦmen schire VMos 80,9; von samît grüene als ein gras Parz 605,10; ein vil liehter jaspes, grüener danne ein gras NibB 1783,3    1.6 im Bild des Mähens zur Darstellung einer großen Zahl besiegter Gegner: daz [Heer] slûch er nider als ein gras. / di menige was vil grôz SAlex 1822; VAlex 1312; Herb 5500; KvWTurn 913    2 grasbedeckter Boden ‘Grasfläche, Wiese, Weide’    2.1 als Nutzfläche: eins mannesmat in der graven gras UrkCorp (WMU) 13,40; [der Esel] gie den liuten in ir gras. / do chom der, des diu wise was StrKD 70,25    2.2 als besondere Bodenart oder Landschaftsform: er stach daz sper in daz gras / und leinde sînen schilt dran UvZLanz 2382; vil ritter Britûne, / den wâren pavelûne / und hüten ûf daz gras geslagen Tr 5347; die herren riten dannen. sich leiten in daz gras / über al die knehte; si heten guot gemach NibB 1661,2. – in Paar- und Reihenbildungen: loub, gras, bluomen, ouwe, walt und heide SM: Te 12: 3,3; durch sant, durch griez, / durch felt, durch gras Herb 5871; erde unde gras Parz 247,10; mies unde gras Wig 5919; gras und der melm Wh 24,28. – auch mit unbest. Artikel (vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 134,3a): daz ot zu wafin tochte / [...], / daz bereitte sich gare / und quam gemeinlichin dare / vur die stat an ein gras, / da ir saminunge was / uf einir wisin vor ein holz Athis A* 83; der [ vrume hêre ] was gegangen an ein gras / durch sîne kurzewîle Rittertreue 104; SAlex 5604; Parz 668,18; Lanc 143,23. – in der Wendung: ûf/  an das ~ erbeizen ‘(vom Pferd) absteigen, absitzen’ aldâ der helt erbeizet was / von dem orse ûf daz gras Parz 611,18; NibB 1310,1; UvZLanz 4270; Tr 16037; Wig 556. – in der Geste des sich auf den Boden Werfens (Trauer, leidenschaftliches Gebet): ich wane iemir mere werde / so groz iamer so da was: / si uielen uf daz gras, / si wainten alle sere Rol 7494. ReinFu K,482; do gi su [Judith] vallin an diz gras, / su betti als ir was ÄJud 193; Ägidius 406. – im übertr. Bild: so kumt die goͤtliche vorhte und geiselet mich, so krúche ich hin als ein cleines wúrmelin in der erden und huͤte mich under dem grase miner manigvaltiger versumnisse alle mine tage Mechth 7: 6,11; semliche ruͦweten in dem grase der manigvaltigen wollust und in dem bluͦmen der italkeit ebd. 7: 62,8    2.3 als Bereich der Minnebegegnung: si enwolten niht erwinden, / ê si gesâzen ûf daz gras. / swes ê von in gegert was, / des wart dô begunnen, / [...] / si wurden gesellen, / als in diu minne geriet UvZLanz 4667; Tannh 3,74; – auch phras.: ob man mîn wünschet ûf daz gras Winsbeckin 14,10    2.4 als Platz für Turnier und Kampf: man fuorte vor im ûf daz gras / gar einen tiurlichen schilt KvWTurn 306. 506; dô Bêne daz gehôrte / [...], / daz ir hêrre [...] dâ solde strîten ûfme gras, / dô zugen jâmers ruoder / in ir herzen wol ein fuoder Parz 694,12    2.4.1 jmdn. ûf daz gras stëchen/  setzen ‘jmdn. mit der Lanze vom Pferd stechen’ dô liez aber schînen / der grüene ritter, wer er was. / er stach ouch disen ûf daz gras UvZLanz 2962; Wig 457; dâ mite wart ouch er / gesetzet ûf daz gras Iw 4699. – vgl. 2.4.2: er stach ir zweinzic dernider / von den rossen ûf daz gras, / daz etslîcher nie genas: / zehen ir dâ tôt beliben UvZLanz 1429    2.4.2 jmdn. ûf/  ane daz gras vellen/  slagen ‘jmdn. im Kampf töten’ er falte ir fil vf daz gras Herb 5912. 12734; Wh 27,26; dô slûch doh Alexandren / Mennes nider an daz gras SAlex 1739

MWB 2 897,62; Bearbeiterin: Baumgarte

grasære stM. ‘jmd., der Gras schneidet’ (vgl. grasen ), hier vermutlich als Personenname: [es gibt] der graser 6 [ phenninge ] von eim acker UrkFreiburg 3:342,14 (a. 1317)

MWB 2 899,39; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)bletelîn stN. ‘Grashalm’ hie seind alle graß bletlein vnd holtz vnd stein vnd alle ding ein Eckh 2:470,6

MWB 2 899,43; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)garte swM. ‘eingefriedeter, grasbewachsener Platz’ o.ä. (s.a. grashof , grashei ): auch twanc des ir witze / kreftige hitze, / daz sie [die Greife, die Alexander durch die Luft trugen] sich mit dem werden / liezen ze der erden / ûf ein castel [...], / in einen grasegarten UvEtzAlex 24751

MWB 2 899,46; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)grüene Adj. ‘grün wie Gras, grasgrün’ in Idumea, chwit man, ouh si ein aha [Fluss] / diu wantele die varawa des jares vier werba: / dri manot ist si truoba, dri ist si grasegruona, dri pluotvara, dri ist si lutter alagaro Merig 33,3; von smâragden wol getân / ein grasegrüener papigân [Papagei] KvWTroj 31682; der grasegrüene klê KvWPart 20645; KvWLd 16,17; [von den Rittern mit Anker und Drachen im Wappen:] gen dem anker wiz in grasegruͤne / sol des tracken roͤte streben JTit 3884,3 u.ö.; Rab 488,1

MWB 2 899,52; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)hei stN. ‘eingefriedeter (s.a. hege), grasbewachsener Platz’ (s.a. grasgarte ): unam hubam in Hage et unum grashei aput fluvium Wilach UrbBayJ 180

MWB 2 899,63; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)heie swM. ‘Grashüter’, hier für ‘Mai’ [wer den grünen Ritter (Tschinotulander) ansieht] der sihet den grasheien, als er mit meien loubes gruͤnem walde / si bekleit, alsus ist er gecleidet, / er selbe, ors, helm unde schilt JTit 1373,2

MWB 2 900,3; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)hof stM. ‘eingefriedeter, mit Gras bewachsener Platz’ (s.a. grasgarte ): einen grasehof si hate / in deme daz bilde lange was Pass III 336,88; in einen grasehof also / quam ich, der was vil schone ebd. 536,44

MWB 2 900,8; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)kæse stM. ‘Käse als Abgabe für Grasnutzung’ 1 chitze und 9 graschaese DRW 4,1075 (Stolz, Schwaighöfe.; a. 1288)

MWB 2 900,13; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)lêhen stN. ‘Wiesen- oder Weidepachtland’ in dem selben dorf git man von deme mvln lehen sehzic pfenninge. graslehn anderhalp hvndert kæse UrbBayÄ 1500. 1466,a; de uno graslehen ccc casei UrbBayJ 144

MWB 2 900,16; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)louche N. oder M. Bed. unklar, wohl ‘Schnittlauch’, (vgl. Marzell 1,206-10; Etymol.Wb.d.Ahd. 4,597): brandana: grasloͮche Gl 3:550,28 (BStK285)

MWB 2 900,21; Bearbeiterin: Baumgarte

gras(e)löufel stM. Bed. unklar; vielleicht i.S.v. ‘Weidegänger; Jungtier, das anfängt, sich von Gras zu ernähren’ (hier wohl bezogen auf ein junges Pferd; vgl. grasvrischinc und DWB 4,1,5,1938 s.v. grasläufer): item XIII equos plaustrales [Zugpferde] . item III graslæufel UrkScheyern 3,100 (a. 1347)

MWB 2 900,24; Bearbeiterin: Baumgarte