grâwe
swM.
→
grâ
Adj.
MWB 2 906,47;
græwe
stF.
‘graue Farbe, Grauheit’
canicies: grewe VocClos
Ca165;
ich sach vor eim lîthûse [Gasthaus] stân / einen
knappen, der het an / [...] einen roc
[...] / ûz einem Pœltingære [Tuch
aus St. Pölten] , / daz was in der græwe blach Helbl
1,315.
– oft bezogen auf das Grau der Haare:
grawe ist zweierhande. ein ist uon natur. di ander ist ân di
natur. die naturliche grawe geschit so der mensche kumit zu rechtem alder.
[...] di grawe di âne natur ist. geschit wenne daz
fleuma vulet in deme magin ader in deme houbite SalArz
27,11
u.ö.;
div zwei [Bart und Haar] het zware / ein grawe
übergangen Krone
6880;
daz leben het er [Willehalm als
Einsiedler] fuͤnf jar. / nu was im bart und har / gewahsen
uz der maze lang / und von der græwe worden blang Rennew
34312
MWB 2 906,48; Bearbeiterin: Baumgarte
grâwen
swV.
auch graen (
Brun
11909
), grauen (
HvHürnh
30,8
), graben (
Teichn
303,13
).
1 vom Haar ‘grau werden, ergrauen’
2 vom herannahenden Tag ‘grauen’
1
vom Haar ‘grau werden, ergrauen’
daz hâr grâwet von der kelten des hirns, wenne diu nâtürleich
hitz sô krank wirt, daz si des hirns kelten nicht mag gesenftigen, ez sei von alter
oder von sorgen oder von unfuor BdN
7,23;
Lucid
64,10;
ir mugt wol grawen, [...] sich mac
wol rimpfen iwer lip StrKD
142,11;
er kunde in êren sîniu jâr / wol grîsen unde grâwen
KvWTroj
39817;
UvLFrd
337,9.
–
‘verblassen’, hier ‘kraftlos werden’ (vgl. FrlWB, S. 133):
woltat der jungen grawet [junge Leute sind nicht mehr auf das
Vollbringen ehrenvoller Taten aus] , / swa sicherheit sich hat
ergeben / der ungeherten schande Frl
7:29,7
2
vom herannahenden Tag ‘grauen’
als man grâwen sach den tac Loheng
1044;
sîne klâwen / durch die wolken sint geslagen, / er stîget ûf
mit grôzer kraft; / ich sich in grâwen / tegelîch, als er wil tagen: / den tac
MF:Wolfr
2: 1,4;
Herb
6657;
variierend:
ein wolken grâwet gên dem tage, / ich sihe in schône ûf
dringen SM:JvW
6: 1,4
MWB 2 907,1; Bearbeiterin: Baumgarte
græwen
swV.
1
‘grau machen’
2
‘blass machen’
1
‘grau machen’
dû [Glücksspiel] græwest sunder alter jugent
RvZw
107,4;
i’n weiz, wie diu nôt zergât, / die ich hân von einem
wîbe: / diu mir an dem herzen lît so nâhen, / daz ir verrez vrömden græwet mich
SM:UvB
2: 2,6;
daz ir lîp gegræwet / möhte sîn von sorgen Reinfr
4328.
11085
2
‘blass machen’
ir ougen brehen gît liehten schîn, / ir mundel und ir wengelîn / græwet unde
erscheinet [zum Sg. im Verb bei Doppelsubjekt vgl.
2
5Mhd. Gr. § S 42]
Virg
972,6
MWB 2 907,23; Bearbeiterin: Baumgarte
grâwërc
stN.
‘grauer Pelz’ (meist als Kleidungsbesatz oder -futter; vgl. DWB
4,1,5,2233):
item nullus mercatorum aduenientium undecunque varium, quod grawerc, et etiam
hoc, quod vulgo zabel [l. zobel
] appellatur
UrkKöln
2,415
(a. 1259)
MWB 2 907,33; Bearbeiterin: Baumgarte
grâwërcliute
stM. (Pl.)
Bearbeiter von grauem Pelz (vgl.
grâwërc
):
item cubicula grawerclude solvunt 11 sol. et 3 den. UrkKöln
3,221
(a. 1285)
MWB 2 907,38; Bearbeiterin: Baumgarte
grâweʒ
subst. Adj.
wohl ‘graues Pelzwerk’ (vgl.
grâwërc
):
soocrîsum: grauuiz quod nec rufum, nec album nec nigrum est Gl
3:664,15
(BStK287)
(lat. Lemma verderbt vgl. Anm.z.St.; AWB 4,404)
MWB 2 907,41; Bearbeiterin: Baumgarte
graʒ
Adj.
‘wütend, aufgebracht’
Esau der wart vil graz. / nu begunde grozen haz / und
umbruͤderlichin nit / tragin von der selbin zit / Esau dem bruͦdir sin
RvEWchr
5896;
al dar begunde gâhen / von dem volke ein menge graz
JvFrst
8977
MWB 2 907,45; Bearbeiterin: Baumgarte
graʒ
stN.
‘frische Sprossen oder junge Triebe von Nadelhölzern (und immergrünen
Pflanzen?)’ (für Futter und Streu):
got gebe daz der [Schnee] schier
zergê. / nu brechen [wir] die wîl îwîn graz. / ich wæn dîn
ors dicke gaz / ze Munsalvæsche baz dan hie Parz
485,13
(vgl. Lit. unter
2îwîn
);
swelich purger chauft [...] von
einem pawmann, der auf dem land sitzzt, chorn, stro, holtz, hae, graz,
[...]
StRMünch
343,19
MWB 2 907,50; Bearbeiterin: Baumgarte
grâʒ
stM.
Vokalquantität bei
FrlSuppl
5:205A2,37
wohl kurz.
‘Zorn, Hass’
dâvon vil gar der alde zorn / vorswundin was, [...],
/ unde [der Herrscher] was ôt wolgemût / intnumen allem
grâze [
:sâze
]
NvJer
21812;
dü zehen gebot, dü werdent las / der kristenheit dur sinen [des
endekrists] gras [
:was,
has
]
FrlSuppl
5:205A2,37;
swer sinen kranz / so birt daz er vor graze [
:maze,
saze
] / sine zungen hat behuot, / der treit in, daz er
im niht wirt ze swære Damen
6,1
MWB 2 907,59; Bearbeiterin: Baumgarte
grâʒen
swV.
auch greʒen.
laut und unruhig oder wild Aufregung, Zorn u.ä. kundtun, ‘wüten, toben’ (oft
subst.):
– von Pferden:
unserem guoten knehte / begund sîn ros
weien [wiehern] , / grâzen unde schreien
UvZLanz
474;
do begunde im [dem Pferd] müede
entwîchen. / ez dreste [schnaubte] und grâzte
Wh
59,17;
Herb
14740;
subst.:
diu selbe maget [...] / der lûten stimme wart gewar,
/ diu von des pherdes munde schal. / und dô in alle ir ôren hal / sîn grâzen und sîn
weien KvWPart
10609.
– von Menschen:
sie mügen selten höne sich mazen, / so sie uz rechtem grunt in herzen grazen
Frl
11:14,7.
13:18,1;
hin geet / sie, graset dick vnd cleit
[
claget
]
Krone
24253
(vgl. Anm.z.St. und Felder, Krone, S. 606).
subst.:
hie mit die krank gemuͦten [auf der Flucht]
sich ze rehter manheit mohten binden. / ir schupfen
[Stoßen] und ir grezen wart ein teil gestillet
JTit
4997,1;
meist i.S.v. feindseligem Verhalten:
schelten, smehis grazin / muoze div maget liden Martina
109,12;
sin zcornin und sin grazin PfzdHech
184,8;
wir lebent fruͤntlich, ich und er / in himel sunder grazzen
HeinzelJoh
61,6;
NvJer
23543;
Georg
1862;
Herb
5427;
dâ [auf dem Schlachtfeld] was manec
sunder grâzen [da war viel außergewöhnliches Wüten (vgl. Heinzle, Wh.,
S. 1064f.)]
Wh
402,17.
– vom Feuer:
die [Heiden] druz [aus den erzenen
feuerspeienden Kriegern] daz fiur so gruͤslichen grazen /
sahen JTit
6212,2
MWB 2 908,5; Bearbeiterin: Baumgarte
grâʒieren
swV.
‘aufgeregt und unruhig schreien/ gebärden’ (vgl. Suolahti 1,101; s.a.
grâʒen
):
bî snellen rossen fliegen / sach man dâ ritterlîchiu bein, /
dô sich begunden underein / die schar mit nîde werren. / grâzieren unde scherren /
diu ros man hôrte lûte KvWTurn
754
MWB 2 908,34; Bearbeiterin: Baumgarte
græʒlich
Adj., Adv.
adv. -lîchen.
‘feindselig, furchterregend, grausam’ (vgl.
graʒ
Adj. und stM.):
dâ beiz er în [der Rüde seinen toten Herrn, einen verräterischen
Anführer] mit grimme / in grêzlîchir stimme / vast allumme
gnarrinde / und doch dî wîle zarrinde / des vleischis von dem lîbe gnûc NvJer
18471;
so koment etliche mit den grúwelichsten worten und
geberden, als si finden, als gresselich und als zornig und bitter umb ein klein ding
Tauler
209,7;
eme yst wers dez auendez vnde dromet gerne von greselychen
dyngen OvBaierl
4,21;
das volk [die Menschenfresser] ist alczu greslich
den vremdin lutin MarcoPolo
52,10;
durch waz sache so ein greslichis
[
crudelis Dn 2,15] orteil von des
kunigis antlicze were uzgegangen Cranc
Dan 2,15.
–
der herre hat zuqueczt [...] di gerte
der herschenden, [...], di undir sich brach di dijt in
grymme und vorvolgete si greslichen [
crudeliter Is
14,6]
Cranc
Jes 14,6;
greslichen wirt er [Gott] brymmen
ebd.
Jer 25,30
MWB 2 908,40; Bearbeiterin: Baumgarte
graʒʒach
stN.
Koll. zu
graʒ
stN. ‘eine Menge Tannen- oder
Kiefernsprossen’ (vgl.
greʒenach
):
bi einer wîle sul wir beide gên / und brechn im
[dem Pferd] grazzach unde varm: / anders fuoters bin
ich arm Parz
458,17
MWB 2 908,60; Bearbeiterin: Baumgarte
grebede|êre (?)
stF.
‘Begräbnisfeier, Leichenbegängnis’
exequie: grebdere VocOpt
12.098
MWB 2 909,1; Bearbeiterin: Baumgarte
grebel
stM.
zu
graben
stV.
1 übers. lat. paxillus
‘kleiner Pfahl, Pflock’ , sowie erpica und sarculum
‘kleine Hacke, Egge, Jäteisen’ (vgl. weitere Glossenbelege in DWB 4,1,5,1545
s.v. gräbel und 4,1,6,1 s.v. grebel ) 2
‘Totengräber’
1
übers. lat. paxillus
‘kleiner Pfahl, Pflock’, sowie erpica und sarculum
‘kleine Hacke, Egge, Jäteisen’ (vgl. weitere Glossenbelege in DWB 4,1,5,1545
s.v. gräbel und 4,1,6,1 s.v. grebel):
paxillum: rivtel vel grebel Gl
3:649,38
(BStK926);
sô er [der Räuber] rîtet über velt / bî der naht
und in dem nebel, / hert îsen unde grebel, / örter zuo den slozzen / füert der
unverdrozzen / in dem einen ermel wol Helbl
1,184
2
‘Totengräber’
daz ein ieglich grebil ze der abtei [...] den lon sol
nemen greber ze machenne als hie nach geschriben ist StBZürich
10
(a. 1316)
MWB 2 909,3; Bearbeiterin: Baumgarte
grebelîn, grebelî
stN.
Dimin. zu
grabe
‘kleiner Graben’
die richte vf vnz an den grozen birbovn vnd dannan vf vnz an daz ober grebeli
UrkCorp (WMU)
460,14;
sinwel was der kinne sîn, / und ein kleinez gräbelîn
[Grübchen] , / [...], / was
enmitten dar an WvRh
6343
MWB 2 909,15; Bearbeiterin: Baumgarte
grebenlich
Adj.
s.a.
grævelich
MWB 2 909,21;
greber
stM.
→
grabære
MWB 2 909,22;
grebinc
stM.
‘Dachs’
melos / melus quedam bestiola / bestia: dahs [La.
greuinchc, vgl. Bd. 3,63]
SummHeinr
2:369,184
MWB 2 909,23; Bearbeiterin: Baumgarte
grebnisse
stF.
auch grabenusse.
‘Grabstätte’
si ouch walgten und erwegten / einen stein michel grôzen, /
der wart gevûget und gestôzen / gelîche vur des grabes tur / und wol gevezzent ûzen
vur. / in der nâhe daz ergînc, / dâ man di grebnis înbevînc [bedeckte,
einschloss]
JvFrst
11266;
(daz selbe selgret), daz wir so offenlich mit vnsern triwen biͤ vnsern
frivnten vnd bi den lantlauͦten gestetigt haben vnd vervestent dazz
[l. da ze
] Ranshouen ze der grabenvsse
vnsers bruders Chuͤnens UrkCorp (WMU)
2899,33
MWB 2 909,26; Bearbeiterin: Baumgarte
grech
stM.
‘untergeschobenes Kind, Bastard’ (vgl. Bech, Germ. 9 (1864), S.
336):
Eckerich sprach: ‘du vngetruwes wip, / dz der grech schende dinen lyp! /
wy meinestu, dz yer kein man / in mine kemmenaten doͤrste ghen, / he mieste
dar ymme sterben / vnd den dot erwerben?’ KarlElegast
689
MWB 2 909,37; Bearbeiterin: Baumgarte
grechel
stN.
‘untergeschobenes Kind, Bastard’
ouch hete er des vil grôzen ruom, / , / daz er daz göuchel
[La. grechel
] hæte gezogen
SchneekindA
58
MWB 2 909,44; Bearbeiterin: Baumgarte
greck
stM.
→
gricke
MWB 2 909,48;
grêde
stswF.
s.a.
1grât
.
1
‘Stufe’
1.1
‘Podest’ auch ‘stufenartiges Unterlager für Waren’ (vgl. Glr.z.
StrMünch ) 1.2 in weiterem Sinne ‘Schritt, Abschnitt’
1.3 übertr. 2
‘Treppe, Leiter’ (meist nicht sicher von 1 zu unterscheiden)
1
‘Stufe’
die sehs grede, die hin zvͤ dem stvͤle
[Salomos Thron] giengen Konr
18,37;
vnd waren sehs greden die dar vͦf giengen ebd.
18,6;
sus sâzen si dâ bêde / durch ruowe ûf einer grêde
Wig
7243;
darnach do sach ich das sich der himel uff tet ob mir, und das wunneklich gret
von dem himel herab giengent untz an die stat da ich was Stagel
58,18;
auch sol under iedem toͤr ein
kyeser [Prüfer von gängigen Maßen und Münzen] sin, und
ienhalb Meins auch einer, uf den greden zwene, einer an dem eyermarkte,
[...]
WüP
65,3.
23,2
1.1
‘Podest’ auch ‘stufenartiges Unterlager für Waren’ (vgl. Glr.z.
StrMünch ):
der toufnapf was ein rubbîn, / von jaspes ein grêde
sinwel, / dar ûf er stuont Parz
816,21;
swer salz uf dem margte chauffet, der sol ez niht uf den
marcte setzen, er sol ez setzen uf ein grede oder in sein haus
StRMünch
268,21;
swelich gast wein herpringet, den er verchauffen wil hie
ze Muͤnichen, den sol er in chainen keller legen; er mag in aber legen
auf ein gred oder in ain gewelb, biz er in verchauffen mag ebd.
408,28
1.2
in weiterem Sinne ‘Schritt, Abschnitt’
sich [
ecce
] , ich wil
widirkeren lasen den schaten [auf der Sonnenuhr des
Ahas]
[...] zurucke zehen striche widir durch di grete, an
den er sich [bereits vorher schon einmal] gesenket
hat [
decem lineis per gradus quos
descenderat
]
Cranc
Jes 38,8
hierher?: an die alden grede gan i.S.v. ‘einen Schritt (in
der Erzählung) zurück gehen’
hie mvz ich dise rede lan / vnde an die alden grede
gan, / sagen gemach vnde vngemach, / waz Achilles svne geschach
Herb
17803
(vgl.:
hie mvz ich dise rede lan / vnde griffen an die alde ebd.
16915
)
1.3
übertr.:
die lanttherrenn sind ain zu gabe unnd ain merung des
reichs, unnd von in wirt getziert der hof und geordent das reich in ir
graden [
in gradibus, vgl.
grât
] . du wedarfft wol der pesstenn ordnung an ir
gredenn [
in gradibus
] unnd an ir
ordnunge [
in dispositionibus
]
HvHürnh
73,2
2
‘Treppe, Leiter’ (meist nicht sicher von 1 zu
unterscheiden):
der sælige bâbst gienc dô / von oben eine grêden abe / in die gruft zuo dem
grabe LvRegFr
4991
MWB 2 909,49; Bearbeiterin: Baumgarte |