guotwillic
Adj.,
Adv.
1
‘wohlgesonnen, wohlwollend, freundlich’ ; 2
‘bereitwillig’
3
‘rechtschaffen, tugendhaft, fromm’ , überw. von Pers.;
1
‘wohlgesonnen, wohlwollend, freundlich’;
präd.:
mit der rede machte ich dô / die gebûr guotwillic unde frô Renner
1458;
si [Ehefrau] si wiz oder swarze, / vnfletic
oder schœne, / guotwillic alder hœne Martina
133,104;
ein brûder [soll] dem anderen
gûtwillich sich erbîten StatDtOrd
66,18.
66,4.
– attr.:
so wirt dir ein guͦtwillig herze und ein offen
sele, da dú gnade in vliessen mag Mechth
5: 11,29;
[Christus] kouft uns den ewigen gnist /
[...] mit sime thuren blute / durch gutwillige gute
HeslApk
2512;
guotwilliger wille:
ebd.
5511;
in gutwilliger ger ebd.
20919
2
‘bereitwillig’
[der Fromme sei] guͦtwillig zuͦ allen
tugenden Mechth
7: 29,3;
únser cristanlichú arbeit und únser
guͦtwilligú [bereitwillig ertragene]
pine ebd.
7: 34,21;
guͦtwillig arbeit ebd.
7: 48,15.
– adv.:
gib úns, herre, [...]
guͦtwillig alle únser ordenunge dur din liebin ze vollebringen
Mechth
7: 18,50
3
‘rechtschaffen, tugendhaft, fromm’, überw. von Pers.;
präd.:
kurzewîle und geselleschaft / nement ê der zît den liuten ir kraft, / die
blœde und doch guotwillic sint Renner
9873;
di vrowe was heilic und gutwillic HvFritzlHl
99,12;
Mechth
7: 49,7.
– attr.:
die guͦtwilligen richen
[...] oppfernt got ir guͦt
Mechth
7: 17,24;
die guͦtwilligen menschen loͮffent irrende also die
scheffelin vnder den wolfen MerswZM
53,23;
die guͦtwilligen gotmeinnenden menschen MerswNF
63,9;
swelch mensche sinen vliz / keret an gutwillige sinne
HeslApk
2653;
Seuse
28,31;
Tauler
131,10.
268,24.
– subst.:
daz sie [Geistliche]
[...] den unturen / ires irretumes sturen / mit
yserinnen gerten, / die gutwilligen zerten HeslApk
2290
MWB 2 1051,34; Bearbeiter: Bohnert
guotwillicheit
stF.
‘Freundlichkeit, Wohlwollen’
unnd dann [...] cheret
er [Redner] sich ze dem lobe des volks ze lobennde ir
guet siten, unnd da mit gevahet er ir guet willigkait [
captando
benevolentiam
]
HvHürnh
11,8.
1,15;
die gutwillicait gotes ladet dich zu der ruͦwe PrLpz
12,34;
dar umme sol die maze bi sich haben zvo andere tugende, die
othmuͦticheit und die guͦtwillicheit. die othmuͦticheit ist die
[l. dir
] selben nuͦtze wider den
hochmuͦt und die guͦtwillicheit dime nesten ebd.
26,9f.;
HeslApk
932.
– i.S.v. Freigebigkeit:
di sibinde [Frucht des Hl. Geistes (Gal 5,22)] ist
gutwillikeit [
benignitas
] , daz ist mildekeit
des gutes HvFritzlHl
183,9
(=
Parad
71,30
)
MWB 2 1052,3; Bearbeiter: Bohnert
gupfe
swF.
→
kupfe
MWB 2 1052,17;
gupfen, kupfen
swV.
auch kü-.
1
‘etw. stoßen, drücken’
2
‘(beim Tanzen) stampfen, treten’
1
‘etw. stoßen, drücken’
uf dirre welte tobendem mer / [...] der svnden wellen
/ [...] vns dicke schuppfent / vnd frevillichin guppfent /
in frömede habe vnser schif Martina
89,56;
mit Ersparung des Obj.:
si menete unde kipfete [La. kupfete (:
stupfete)] , / si stach unde stipfete HBirne
(W)
391.
– bildl.:
trût, du setze mich ûz klage [...]. / schupfe
gupfe leit hin dan! KLD:UvW
Leich 4,139
2
‘(beim Tanzen) stampfen, treten’
er ist an dem tanze ein rehter treibel: / gefüeglîch er zispet,
/ mit dem fuozze erz walket [La. mit den fússen
kúpfet
] unde rîbet SM:Go
2: 3,6
(=
Neidh (S)
1,413 c42:8,6
)
MWB 2 1052,18; Bearbeiter: Bohnert
gupfoht
Adj.
zu kupfe swF.
‘gewölbt’ (vgl. E. Schönbach in: MIÖG 21 [1900], S. 522):
ein huot [...] guphoht
Ottok
20036
MWB 2 1052,31; Bearbeiter: Bohnert
guppelspil
stN.
→
gumpelspil
MWB 2 1052,34;
gurgel
swF.
st.
Iw
4674(La.);
Tr (M)
2982(La.).
– aus lat. gurgulio; vgl.
quërkele
.
‘Gurgel, Kehle’
gurgulio: gurgela SummHeinr
1:128,175;
mit grôzen kreften stach er in / enbor ûz dem satel hin, /
daz im ein ast den helm gevienc / und [er] bî der gurgeln
[La. gurgel
] gehienc. /
[...]
[so] leit er hangende nôt Iw
4674;
daz vorder stucke, daz stach er / dem trachen zuo dem gorgen
[Laa. der gurg(e)len
] în Tr (M)
9213;
[Zerlegung des Hirsches:] ric unde gorgen
[La. gurgel
] sneit er sâ / obene, dâ diu
brust erwant ebd.
2982;
[von der Kuh kann man verwenden] lebern, nieren, lungen,
/ hertze, gurgeln, zungen KgvOdenw
1,216
MWB 2 1052,35; Bearbeiter: Bohnert
gurgelen
swV.
auch gorgeln (
OvBaierl
103,7;
BdN ).
– zur Etymol. vgl. DWB 4,1,6,1152.
1 med., ‘gurgeln, (den Rachen) spülen’
1.1
mit einer Flüssigkeit 1.2 einen (mit Flüssigkeit vermischten) Wirkstoff 2
‘knurren’ , auf Blähungen bezogen
1
med., ‘gurgeln, (den Rachen) spülen’
gargarizo: gurgelon SummHeinr
2:319,147.1;
sonst immer mit präp. Erg. in dem halse / in der keln / in dem
munde
1.1
mit einer Flüssigkeit ~ :
[nachdem] er gegurgelt hat in dem halse mit ezziche da
rosen inne gesoten sint SalArz
106,8;
wer daz kraut mit wein seudet
[...], und sô man dâ mit gorgelt in dem hals und in
dem mund BdN
424,16
u.ö.
1.2
einen (mit Flüssigkeit vermischten) Wirkstoff ~ :
so man si [Opiumlatwerge]
gurgelt in dem halse mit warmem wazzer SalArz
103,53;
wenn man ez [Mark eines
Baumes] gorgelt in dem hals BdN
364,33;
SalArz
105,39
2
‘knurren’, auf Blähungen bezogen:
der [Kranke] hat bladem des zu uil
ist icweder halp bi den siten. vnde gurgelt in dem buche SalArz
52,42
MWB 2 1052,48; Bearbeiter: Bohnert
gurgelunge
stF.
‘das Gurgeln’ oder ‘Gurgelmittel’ (vgl. Mlat. Wb. 4,620):
gargarismus: gurlung, gurglung VocOpt
31.032
MWB 2 1053,1; Bearbeiter: Bohnert
gurgelwaʒʒer
stN.
‘(mit Arzneimittel versetztes) Wasser zum Gurgeln’
wer auch ain gargelwazzer [La.
gorgel-
] dar auz [aus
diadrogant
] macht, daz ist guot wider der prust
siehtum BdN
366,30
MWB 2 1053,4; Bearbeiter: Bohnert
gurppink
Subst.
→
gnippinc
MWB 2 1053,8;
gurre
swF.
gorre swM.
Fegfeuer
1:9,6.
‘schlechtes, minderwertiges Pferd, Klepper’
ir pfärit wâren [...] / tôtmager und
vil kranc [...]. / den gurren
[...] wâren die zagele under in / zesamene gevlohten
Iw
4941;
er slug di roß, das si churren̄, / er machte güte roß
zu gurren HvNstAp
9434;
StrKD
8,123;
Sibote
389;
auf ein Fohlen bezogen:
[der Bauer] fuorte ein gurren veile / an einem grôzen
seile Eracl
1561.
–
weder wære iu lieber: der iu ein schœnez ros gæbe daz junc unde stark
wære [...], danne der iu eine alte gurren gæbe, der
[La. die
] blint unde mager wære
PrBerth
1:383,4;
MF:Reinm
63: 7;
Lanc
604,14;
müediu bein [...] / gelîch den lamen gurren
Hadam
89,3;
zwêne stætige gorren schuofen, daz der wagen stuont sô stille Fegfeuer
1:9,6.
– sprichw. (TPMA 9,107):
altiu gurre darf wol fuoters PrBerth
2:143,16
u.ö.
– geringschätzig von guten Pferden:
[Laurin über die Streitrosse Dietrichs und Witeges:] wer
hât iuch tôren geheizen / hernider ûf den plân beizen / und iuwer gurren spannen /
ûf mînen grüenen anger LaurinA
253;
daz ich sô lange belîbe, / des irret mich ein gurre [nur weil mir
noch ein Klepper fehlt, verweile ich so lange hier]
Helmbr
369;
der abt von Vult neben im [Kaiser]
reit / ein pfert, daz was gar gemeit / und was ouch übel zwâr: / daz beiz daz
keisers pfert [...]. / zehant der keiser Ott sprach: /
‘ [...] ez kumt mir niht ze mâz dâ, / daz iuwer gurr
daz pfert mîn / sol bîzen. [...] ’
EnikWchr
27821.
– übertr., von Menschen:
[die vom Engel geblendeten Juden:] wir blinde gvrren
MarHimmelf
1373
MWB 2 1053,9; Bearbeiter: Bohnert
gürrelîn
stN.
‘kleine gurre
’
nû zabel als ein gurre, als ein gürrelîn, als ein esel, als ein ros und als
der tiuvel: der geruowet ouch niemer PrBerth
1:270,23;
dû, schiltkneht, [...] hopfest
[...] ûf dîme gürrelîn ebd.
1:368,37
MWB 2 1053,41; Bearbeiter: Bohnert
gurren
swV.
‘gurren’
der esel gurret ûf den wân, / er wænet wol gesungen hân Freid
140,7
(vgl. Anm. z.St.)
MWB 2 1053,46; Bearbeiter: Bohnert
gurt
stM. , gurte
swM. ( JvFrst )
Pl. auch umgelautet.
‘Gurt, Riemen (am Pferdesattel)’
sie lôste [...] / die gürte von dem rosse
Wigam (B)
974.
–
‘Gürtel’
[er hob die beiden Männer] hô ûf impor, / wen er sî ôt
gevazzit vor / zurucke hatte in den gurt NvJer
12973;
ir gurt von golde was ein snur MügelnKranz
1013;
der prîster tragen sol / manipel, gurten
[Zingulum] und di stôl JvFrst
6622;
KgvOdenw
6,129.
– bildl.:
Frl
6:1,7.
8:18,4
MWB 2 1053,49; Bearbeiter: Bohnert
gürtel
stswMF.
‘Gürtel’
1 allg. 2 die Taille, Gürtellinie mitbezeichnend, mit Präp. 3 in rechtsspr. Wendungen bzw. Kontexten 3.1
als in der ~ bevangen hat, als er mit (der) ~ be-, umbevangen
ist u.ä. ‘nur mit dem (vom Gürtel zusammengehaltenen) Hemd
bekleidet, notdürftig bekleidet’ (vgl. GrimmRA 1,215; H. Hirsch, Die hohe Gerichtsbarkeit, Prag 1922, S. 55) 3.2
als diu ~ bevangen hât und daz jmd. under der
~ hât u.ä. ‘was jmd. am Leibe trägt’
3.3
obe/über/ûzerhalp der ~
u.ä. ‘außerhalb des Gürtels:
außer dem, was jmd. am Leibe trägt’
3.4 jmd. verzichtet mit der ~
, d.h. unter symbol. Darreichung seines Gürtels, auf einen Besitz (vgl. GrimmRA 1,216), wohl um anzuzeigen, dass er nichts davon für sich oder seine Erben zurückhält 4 übertr., astronom., ‘die Erd- bzw. Himmelskugel gürtelartig umgebender Kreis;
Zone’
1
allg.:
der gurtel drier stucke ist [besteht aus drei
Teilen] : rinke, senkel, borte JTit
5561,1;
ir gürtel was ein rieme smal Neidh
SL 21:7,3;
den gvͥrtel ob der krenke / vier reif enbor hielten; /
dez gvͥrtels si so wielten, / daz er sich niht lie zetal
TürlArabel
*A 297,26;
mit guotin gurtlin langin, / beslagin mit goltspangin
Athis
C* 67;
ainen routten gürtell tuond sy im vmb SchwSp (W)
418,21;
vnd svlen brvder vnd swester geistlich gvrtel tragen
SpitEich
6,19;
daz [
kint
] truoc an dem
gürtel sîn / ein mæzigez teschelîn UvZLanz
5807;
sît man schuolbuoch in die hant / krumpte und durch die gürtel want
Renner
16478;
das er [Bauer]
[...] haben sol / under sîm gürtel
[...] / ein krumbes messer Ammenh
9736;
daz er im daz ledelîn / brach von deme gürtel sîn
KvWHerzm
394;
(bildl.:)
wenn [...] wir uns gürten mit der
gürteln der käuschait und der rainikait BdN
59,28;
NibB
636,2;
Helbl
1,316;
KvWTroj
980;
PrGeorg
8,32.
–
irn gesâht nie âmeizen, / diu bezzers gelenkes pflac, /
dan si was dâ der gürtel lac Parz
410,4;
dâ der gürtel iren lîp / bevienc an der krenke UvEtzWh
1644;
HvNstAp
15086.
–
unde sô ez niht mê mac fürbringen ze hôhverte [wenn jmd.
seine Hoffart auf keine andere Weise zeigen kann] , sô rücket
daz den gürtel hœher, sô krümbet daz den huot ûf PrBerth
1:83,16.
1:527,9.
– in Zusammenhang mit üppigem / kargem Essen:
daz er die gürtel witer lat TannhHofz
126;
des gürt ich drîer loche / an der gürtel mîn hin hinder
[schnalle den G. um drei Löcher enger]
Helmbr
1121
2
die Taille, Gürtellinie mitbezeichnend, mit Präp.:
[jmdm.] daz klaide bi dem gúrtel ab sniden
PrGeorg
45,37;
sî gegeben iu für eigen / mîn lîp, als ich gegürtet bin, / niderhalp der
gürtel hin / oder oberhalp der gürtel mîn Heidin I
860;
daz har [...] swang im [...]
uber den gurtel hin zu tal WolfdD (H)
8,4;
vf den gurtel ginc ime der bart Roth
3508;
Er
2083;
[Helena] was enmitten cleine / und umb den gürtel wol
gedrât KvWTroj
20001;
underhalp gurtels er in stach Virg
722,11;
ein kint was an sînen liden / krump von der gürtel niden LvRegFr
4448;
Roth
1371;
Serv
524;
Wig
6937
3
in rechtsspr. Wendungen bzw. Kontexten
3.1
als in der ~ bevangen hat, als er mit (der) ~ be-, umbevangen
ist u.ä. ‘nur mit dem (vom Gürtel zusammengehaltenen) Hemd
bekleidet, notdürftig bekleidet’ (vgl. GrimmRA 1,215; H. Hirsch, Die hohe
Gerichtsbarkeit, Prag 1922, S. 55):
[freier Abzug der Belagerten:] daz ie der man her ûz
gienge, / als in diu gurtel umbevienge, / und sîn swert in der hant
Ottok
10941;
swenn ein schedelich man in dem hof gevangen wirt, so sol im
[dem Marschall von Kärnten] in der hofmarschalch
antwurten, als in der gurtel bevangen hat und sol er selb uber in rihten
UrkÖsterrErbl
161,38
(a. 1307).
–
als er mit guͤrtel umbvangen ist [
sicut
cingulo est accinctus
]
UrkPölt
56
(a. 1243);
UrkCorp (WMU)
706,18.
1100AB,41.
3167AB,5.
– in gleicher Bed. auch bî der ~
(cingulotenus):
StiftStBernh
165
(a. 1294 kopial)
3.2
als diu ~ bevangen hât und daz jmd. under der
~ hât u.ä. ‘was jmd. am Leibe trägt’
ez sol dehein leitgeb cheinem burger
[...] iht geben noch hintz im niht
weren [bürgen] , niur als diu guͤrtel
bevangen habe, er welle im sein danne beiten [ihm dafür
Zahlungsaufschub gewähren] ân vanchnuͤzze
StRMünch
195,17.
248,3;
daz chains mans chint oder knet oder ander gesinde, daz an seim prot ist,
icht mer vortopeln mug, den sein gewant, daz er an hat, und sein guertel
umvangen hat StRBrünn
360.
–
swaz er [Schuldner] hinnan
fur gewinne uber drizzik phenninge ane daz er under der gurteln habe, daz er
ieme [Gläubiger] davon gelte unz im vergolten
waerde StRAugsb
224,11.
70,29;
kaynes mannes sun, knecht oder frewnt, der sein prot ist oder sein
gewant treit, mak nicht mer ym vorspilen, denne was er vnter seinen gurtil
beheldet StRIglau
256
3.3
obe/über/ûzerhalp der ~
u.ä. ‘außerhalb des Gürtels:
außer dem, was jmd. am Leibe trägt’
der da verspilet, mag nymmer verlisen nvr das, daz er vber seiner gurtel
hat StRPrag
12;
als er an beraitschaft bei jme hat an dem gwandt außerhalb der gürtl
BWB (Sch)
1,944
(a. 1335);
das eyn iclich wirt keynen man [...] hoher spilen
lase [...], den her ubir den gurtil vorpfenden muge
UrkBresl
101
(a. 1324);
StRRain
366
3.4
jmd. verzichtet mit der ~
, d.h. unter symbol. Darreichung
seines Gürtels, auf einen Besitz (vgl. GrimmRA 1,216), wohl um anzuzeigen, dass
er nichts davon für sich oder seine Erben zurückhält:
wann ich ze denselben zeiten ains kindleins swanger war, han ich mich des
vorgenanten hofs genzlich mit dem [l. der
]
gurtel verziechen die ich gerekt [=
gerecket
] han, da engegen
[zugegen] waren unsere gemægen und auch der
[l. des
] kindleins, daz ich ze
denselben zeitten unter meinem hertzen trug UrkRott
1,443
(a. 1343)
4
übertr., astronom., ‘die Erd- bzw. Himmelskugel gürtelartig umgebender Kreis;
Zone’
[der Äquator] haizt auch dez obersten waltzhimels
guͤrtel [
cingulus primi motus
] ,
daruͤmb, daz er dez selben himels lauf ze mittelst uͤmbgreift
KvMSph
20,13;
die zwu
guͤrteln [
zonae
] , die
uͤmbslozzen werden von dem pernkraizze [
a circulo
arctico
] und von dem widerpernkraizz
[...], die sint unwonhaft durch der grozzen kelden
kraft ebd.
33,3
MWB 2 1053,58; Bearbeiter: Bohnert
gürtelære
stM.
‘Gürtelmacher’
gurtlær und irhære [Weißgerber] , /
hantschuostær und buochlære Ottok
65691.
– in Personennamen:
Wernher der Gv́rteler UrkCorp (WMU)
2948,4;
UrkStraßb
3:264,10-17
(a. 1317)
MWB 2 1055,38; Bearbeiter: Bohnert
gürtelbant
stN.
‘als Gürtel dienendes Band’
si dolten grôze armuot: [...] / seil wârn in
gürtelbant, / boese was ir nidergewant LvRegFr
1637;
an deme gurtilbande / truc he [Wundarzt]
manchirhande / isen PfzdHech
309,6;
HvBer
7209
MWB 2 1055,43; Bearbeiter: Bohnert
gürtelborte
swM.
‘als Gürtel dienender borte
’
do truͦgz ain guͥrtelborten, / der waz ze allen orten / gelich
dicke vnde brait; / [...] ain agestain duͥ ringe
[Schnalle] waz JvKonstanz
705;
daz sîn gürtelborte / ein henfîner fuoterstric / würd Helbl
8,316;
daz si wurken inden ramen / wol kund gurtelborten
SHort
2164;
gúrtel borten wol beslagen / von silber ebd.
6990
MWB 2 1055,48; Bearbeiter: Bohnert
gürtelgewant
stN.
‘mit einem Gürtel versehenes Gewand’
ich hab gesundet mit guͤrtel tragen, mit schonem guͤrtelgewant
DtBeichten
166,262;
[vom Besitz eines Verstorbenen] sol ainem waybel
[...] werden gürttelgwanndt oberes und unndres, kappen,
hosen und schuh WeistGr
1,293
(a. 1330);
ich schaff mein guͦrtelgewant [...], daz man
vier chelich bereit [...] durch meiner sel hayl
UrkRegensb
696
(a. 1350);
WolfdA
75,1
(s.a. Meier zu Schultz, Höf. Leben 24,291);
UrkEnns
7,146
(a. 1349);
WeistGr
1,240
(14. Jh.)
MWB 2 1055,56; Bearbeiter: Bohnert
gürtellîn
stN.
auch gürtelîn.
‘kleiner Gürtel’
im [Mädchen] lag vil nah bi den
ziten [= sîten
] / ain gúrtellin von
siden smal SHort
2827;
[um die Brünne] lag eyn gurtelin, /
[...] da von iz
[
getwerg
] hatte zcwelf manne craft
LaurinA (L)
187.
508;
an sînem [des Wirtes (Schachfigur)] gürtellîn / die
slüssel hangent Ammenh
15726;
si [Frauen] wend ouch haben kleinôt kluog, /
schapel, gebende und gürtellîn ebd.
4947;
sô danne etelîchez niht mêr hôhvart mac getrîben, sô rücket ez die gürteln
[La. daz gurtlin
] hôher PrBerth
1:527,9;
EnikWchr
8107;
AristPhyll
409.
480;
HvNstAp
12577;
StRAugsb
42,14.
– die Taille, die Mitte zwischen Ober- und Unterleib mitbezeichnend:
oberhalben dem gurtelein / merckt man di prustelein, /
niderhalben sicht man di stat / da di mynne
zalaschs [Herberge] hatt HvNstAp
15089;
ir zöpfe liehte unde val / hiengen verre hin ze tal / biz ûf der mägde
gürtellîn WvRh
1395
MWB 2 1056,3; Bearbeiter: Bohnert
gürtelmaget
stF.
‘Kammerdienerin, Zofe’
[Elisabeth] bi ir gurtelmeiden was: / si legete abe ir
her gewant, / ein armes cleit si umme want Elis
2440;
di selege [...] zu dal / zu den gurtelmeden ginc: /
mit in ir kosen si gefinc ebd.
1185.
2449.
2756.
2993
MWB 2 1056,22; Bearbeiter: Bohnert
gürtelsenke
stF.
‘der durch die Schnalle gezogene und zur Erde herabhängende Teil des
Gürtels’, bildl.:
[mächtige Könige,] der prise
[Pl.] gurtel senke truͦgen, die vil tiefe
kunden vallen JTit
5342,2
MWB 2 1056,27; Bearbeiter: Bohnert
gürtelsenkel
stM.
‘Endstück des durch die Schnalle gezogenen Teils des Gürtels’
ain gúrttel mit edelm gestain – / das der gúrttel
senckel solte sein, / das was ain karfunckel hoch erkant, / die ringken ain adamas
genannt FrSchw
7958
MWB 2 1056,31; Bearbeiter: Bohnert
gürtelsenken
stN.
‘das Festerziehen des Gürtels, wodurch sich dessen herabhängendes Ende verlängert
und tiefer zur Erde gesenkt wird’
ir gürtelsenken / machet, daz ich underwilent liebe muoz
gedenken Tannh
11,11
MWB 2 1056,36; Bearbeiter: Bohnert |