Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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b – bachhelling
bächîn – backwërc
bacolôn – badestubære
badestube – balde
baldecheit – balmunden
balmunt – balsamtrôn
balsamtropfe – ban, bane
1ban – banekîe
banël – bänkelîn
banken – bantac
bant|âder – banzins
banzûn – bârbrët
1barc – bârkleit
barkorn – barmhërzeclîche
barmhërzege – barten
bartenære – base
Baseler, Basler – bate
bate, pate – bearbeiten
bearren – bechersamenære
becherweide – beckenknëht
beckenkol – bedancheit
bedarf (?) – bedingen
bedirmen – bedrangen, bedrengen
bedrât – begâben
begâbunge – begelimpfen
begenagen – begin
begîne – beglîmen
beglîmunge – begrîflich
begrîflîcheit – behaft
behaftec – behaltunge
behandeln – beheimsuochen
beheiʒen – behern
behêrren – behoven
behten – behuoflich
behuoren – beie
beie – beinîn
beinîsen – beiʒe
1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit
bekantnisse, bekentnisse – bekerzen
bekicken – beklipfen
beklocken (?) – bekorunge
bekorungnisse – beküelen
bekumberhaft – belæren
belasten – belîbelich
belîben – belônære
belônen – bemaln
bemangen – bemurmeln
bemüseln – benedîunge
benediz – bennen
bennige – bequâme
bequæme – bërc|êrîn
bërcgar – bërcphenninc
bërcrëht – beredenunge
beredet – 1berennen
2berennen – bërhtnaht
berhtram – berillîn
berîmeln – bërlich
bërlîn – bernisch
bërnklâ – bêrswîn
bertenære – beruofære
beruofen – besamentlîchen
besamenunge – beschatzære
beschatzen – beschemen
beschemenisse – beschînen
beschirm – beschouwunge
beschremen – besebelicheit
beseben – besetzunge
besëʒ – besîtes
besitzære – beslîʒen
besloʒ – besnöuwen
besnüeren – besprëchære
besprëchen – beste
bestëchen – bestiure
bestiuren – bestürzen
bestutten – besuochnisse
besuochunge – bët
betagen – bëtelære
bëtelærinne – bëtemësse
betemmen – bëtewîn
bëtewîp – betrahtegen
betrahten – betrogenlich
betrônen – betrûren
betrûrigen – bettemunt
betten – betûchen
betüemen – betwungenheit
betwungenlich – bevellicheit
bevern – bevliehen
bevlieʒen – bevür
bevürhten – bewærnüsse
bewarsam – bewëlgen
bewëllen – bewindeln
bewinden – bezâfen
bezaln – beziln
bezimbern – beʒʒer
beʒʒerære – bî bestân
bîbilde – bíderben, bedérben
biderbenen, bederbenen – bîenkar
bîenswarm – bieʒenblat
bieʒenkrût – bîhtât
bîht(e) – bilchmûs
bildære – bildoht
bildunge – bilsensaf
bilsensâme – bineʒ
binide – birden
bir(e) – birnwîn
birsære – bischolf
bî schrîben – bî slâfen
bî|slëht – bît
bitære – bittern
bitternis – biurlîn
biuschen – bîvilde
bîvilden – bîzeichenen
bî zëmen – blahsen
1blæjen – blâsehorn
blæselîn – blatengîr
blatenrinc – blëchhantschuoch
blëchrinc – bleichvëlt
blende – blîche
blîchen – blîkloz
blîkolbe – bliuclich
bliuge – blôdern
blotschen – blüemunge
blüetebërnde – bluomental
bluomenvar – bluotgieʒen
bluotgieʒende – bluotstürzunge
bluotsûgende – bobenthalben
boc – bogelîn
bogen – 2bolle
bollen – 3bor
bor-, enbor- – (borliep,) enborliep
      bor-, enbor- Präf. vor Adj. und Adv.;
      bôr stM.
      borat stM.
      borax Subst.
      borbiderbe Adj.
      borbüne stF.
      borc stM.
      bœre stF.
      Boreas M.
      borel Subst.
      bœren swV.
      boretsch M.
      borgære stM.
      borge stF.
      borge swM.
      bor|gemeit Adj.
      borgen swV.
      borges adv. Gen.
      borgrôʒ, enborgrôz Adj.
      borguot, enborguot Adj.
      borholt, enborholt Adj.
      börje swF.
      borke swF.
      borlanc, enborlanc Adj.
      (borliep,) enborliep Adj.
bormære – bortengewant
bortiure – bote
botech – bou
bouc – boummate
boum|öle – bôʒwurz
brâ – brâ|hâr
bræhen – brantlich
brantreite – brâwelîn
bræwen – brëhenen
brëhentac – brenken
brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche
brëtsnîdære – brieschen
brievære – brionie
brîsære – briulêhen
briumeister – briuwe
briuwe – brohsen
bronie – brôthalle
brôtheit – bruch
bruch – bruckenambet
bruckenære, bruggenære – brüeterîn
brügel – brünnære
brunne – brünselbërc
brünseln – bruoderhûs
bruoderkint – brust
brust – brûtdëgen
brûtdrüʒʒel – brûtsanc
brûtschaft – buckel
buckelære – büellîn
büeʒære – buhsboum
bühse – bûlslac
bulzen – buoben
buobengâbe – buochisch
buochkamere – buoliân
buollîn – buppe
bur – burcgrâvenambet
burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen
burcmeisterschaft – burcstal
burcstat – bürde
bürdelîn – burgergemeine
bûr|gerihte – Burgunder
Burgunjoys – bursenære
bursît – büschelîn
buschoff – bütelin
bûtelîn – bûvëlt
bûvisch – buʒʒel

   bor-, enbor- - (borliep,) enborliep    


bor-, enbor- Präf. vor Adj. und Adv.; frmhd. auch bore-, ahd. bora-. Die Präfixvariante enbor- ist ahd. noch nicht belegt und ungeklärten Ursprungs; am ehesten in Frage kommt Angleichung an die Form des mhd. Adv. gleicher etymol. Grundlage enbore ‘empor’. – ‘sehr; nicht sehr; nicht, un-’. Das schon ahd. seltene Präfix hat ursprünglich steigernde Bedeutung, die sich mhd. in nichtnegierten Sätzen nur im Falle von modal gebrauchtem borwol ‘ganz gewiss’ erhalten hat. Ahd. kommen die mit bora- gebildeten Adj. und Adv. nur in negierten Sätzen vor, wodurch sich Umdeutung des Präfixes als Teil eines zweigliedrigen, zugleich steigernden und negierenden Ausdrucks ne ... bor- ‘nicht sehr ...’ oder sogar als bloße Verstärkung der Negation ergeben konnte. Die Umdeutung zeigt sich daran, dass mhd. in Sätzen mit bor-Bildungen ne/en als einzige weitere Negation genügt und die sonst obligatorisch gewordene Verstärkung durch niht beinahe nie vorkommt (einzige Ausnahme: borsenfte Roth 2676), ja dass auch ne/en selbst fehlen kann (vgl. borbiderbe, -gemeit, -guot, -holt, -lange 2, -mære, -schœne, -sêre, -tiure, -verre, -vil, -wol), und zwar bereits in den ältesten mhd. Belegen ( Gen , GenM ). Nach Ausfall der Negationspartikel kann das Präfix dann entweder allein die steigernde und zugleich negierende Bedeutung haben oder sogar zum ausschließlich negierenden Präfix umgedeutet sein ( ‘nicht, un-’). – Die bor- /enbor-Bildungen werden meist litotisch gebraucht im Sinne der sogenannten mhd. Ironie, bei der anstelle der völligen Verneinung ein Ausdruck für ‘wenig, selten’ usw. erscheint. Hier bei steigernder, mit ne verneinter Bedeutung: ne ... bornôt ‘nicht sehr nötig’, litotisch für ‘gar nicht nötig’; bei negiert-steigernder Bedeutung ohne ne: borgemeit ‘nicht sehr froh’, litotisch für ‘gar nicht froh’. – Lit.: Behaghel, Dt. Syntax 2,79 (§ 575); Hübner, Ironie, S. 123f.; Biener, Steigerungsadv., S. 173-177; Etymol. Wb. d. Ahd. 2,241f.

MWB 1 924,22; Bearbeiter: Plate

bôr stM. ‘Empörung, Erhebung, Feindseligkeit’ die [Engel des zehnten Chors] erzeigeten got alsölhen bôr [ kôr: ] , / daz sîn werdiu kraft vil stætec / von in wart anrætec [verraten wurde] Wh 308,6; daz nie sô grôzer haz / noch urliuges bôr / wær gewesen hie enphor Ottok 29436; dô sich von êrste huop der bôr ebd. 27767. 65931

MWB 1 924,63; Bearbeiter: Plate

borat stM. ein Edelstein MinneR 210 401

MWB 1 925,6; Bearbeiter: Plate

borax Subst. 1 eine Eidechsen- bzw. Krötenart
2 Bezeichnung des Krötensteins
   1 eine Eidechsen- bzw. Krötenart: er spricht auch, daz mangerlai egdehsen sein, als borax, salamandra und stellio, von den wir her nâch sagen BdN 274,29; borax haizt ain grôz krot ebd. 296,11    2 Bezeichnung des Krötensteins: borax ist ain krotenstain. den tregt ainrlai krot in dem haupt BdN 436,33

MWB 1 925,7; Bearbeiter: Plate

borbiderbe Adj. ‘unredlich, korrupt’ so ist der kúnig ouch nút mit göttelichem rehte, wanne sin vatter der koufte es [Wahl des Sohnes] umb die kurfúrsten, und mahte die fúrsten borbiderbe darumbe daz sú guot noment, daz symonie ist MerswBrf 342

MWB 1 925,14; Bearbeiter: Plate

borbüne stF. ‘Empore in der Kirche’ (vgl. LexMA 3,1895ff.): also wrdant si zwene [...] vffe die borbv́ne dar [= der] kirchen gonde, vnd er kam an ein loch, do er geliches vffe dan [= den ] altar gar wol sehhenda was MerswFM 62,32

MWB 1 925,20; Bearbeiter: Plate

borc stM. 1 ‘Borgen, Geborgtes’ (vgl. borgen 3 u. 4 )
1.1 allgem.
1.2 Wendungen
2 ‘Bürgschaft’ (vgl. borgen 5 )
   1 ‘Borgen, Geborgtes’ (vgl. borgen 3 u. 4)    1.1 allgem.: borgetens âne gelten, / des vorhten sî engelten; / wand ers ofte engiltet / swer borc niene giltet Iw 7156. 7158; der borg mit guͤte [fair] giltet, / der mag borgen deste baz Rennew 32342; dô begund er sorgen, / wâ er fund ze borgen. / die dâ koufliute wârn / [...] die schuofen im borc [Kredit] ein wîle Ottok 40422; es ist nicht ein rechter has, / der mit aim tranch und as / und im dann sein veintschaft trait, / ob er im den parig [Anschreibenlassen] versait, / wann er mit im raitet ab. / der nicht phant und phenning hab / und sitz doch an den tisch hin an, / der hat michels wirs getan, / denn ener der in pargs verzeicht Teichn 308,4; ein ritter borges zuo mir pflac, [...] der beleip mir schuldec sibenzic marc Rittertreue 269; daz dehaine ir burger [...] weder auf porck noch umb berait gelt [Bargeld] niht hoher spiln sol [...] danne umb 60 haller ains tages und ainer naht NüP 117. – im Pl.: die von grôzen borgen / wâren in den sorgen, / den gap vil williclîche / sîn guot der künic rîche LBarl 14214. – übertr.: übel mit übele gelten, / craft erzeigen wider craft: / dar zuo was er gedanchaft. / [...] weiz got, der man muoz harte vil / an disem borge [Austausch] übersehen / oder ime muoz dicke schade geschehen Tr 279; si ist lônes alsô rîche / daz si wol iegelîchem man / nâch sînem borge [Dienst] gelten kan RvEAlex 21512    1.2 Wendungen: – jmdm. etw. borges / ûf borc / ze borge geben: swer saltz her pringet verr oder nachen, der mag daz wol porgs oder umb beraitt pfenning [Bargeld] geben rechten chauflaͤwten StRMünch 421,27; ze porgs ebd. 421,23; diu sunne gibet dem lufte hitze, aber lieht gibet si im ze borge; und dar umbe, alzehant sô diu sunne undergât, sô verliuset der luft daz lieht, aber diu hitze blîbet im Eckh 5: 36,18. ze borge (ver-)lîhen: sît dem mâle dem menschen allez daz, daz guot oder trœstlich oder zîtlich ist, im ze borge gelihen ist, waz hât er danne ze klagenne, sô, der ez im gelihen hât, ez wider nemen wil? Eckh 5: 37,5; er verlîhet ez ir ze borge ebd. 5: 36,17. – etw. ze borge tuon: wir han u virgolden nach, / svaz so ir uns ze borge hat getan GrRud C 28    2 ‘Bürgschaft’ (vgl. borgen 5 ): – jmdn. ze borge biten ‘zur Bürgschaftsleistung auffordern’ ich [Gerichtsbüttel] eische denselben Hermann [...] ich bite in zu borge StRFreiberg 192,10. – jmdn./etw. ze borge geben, tuon ‘gegen Bürgschaft freigeben’ ist imant [...], der si borgen [für sie bürgen] wolle, man gibet si zu borge uf ir recht StRFreiberg 134,15. 173,16; swenne di clage mit urteilen gevristet wirt biz an den anderen tag umbe einen gevangenen man, sô sal man in zu borge tûn SSp(W) 2:9,3; speziell: dem Gepfändeten das Pfand ze borge geben, tuon ‘gegen Bürgschaft einstweilen zurückgeben’ (vgl. DRW 2,411; Meyer, Mühlh., S. 85f.): is he abir ein bisezzin man, so sal min umi sien phant zu borgi gibi Mühlh 153,2; UrkCorp (WMU) 1168,28.15; daz phant sal man zu borge tuͦn SSp(W) 1:70,2

MWB 1 925,25; Bearbeiter: Plate

bœre stF. ‘Höhe’, nur als adv. Akk. die bœre ‘in die Höhe’ wann sie [...] ein starcker wint / hüb die böre von der erden Krone 25679; jr nabel was al so geil / daz er wol ein eln lanch / sich enbor [La. die böre sich ] von dem leibe swanch ebd. 9410

MWB 1 926,22; Bearbeiter: Plate

Boreas M. ‘Nordwind’ der wint der tet in starke nôt, / wander vil stark was, / der selbe der dâ Boreas / in den bûchen heizet SAlex 1060; also sint och vier winde [...] der erste heizit Boreas MNat 9,25; KvMSph 21,28

MWB 1 926,27; Bearbeiter: Plate

borel Subst. eine Tuchsorte (vermutlich nach einem Ort in Flandern): welch gast her in fuͤrit Poperish [Tuch aus Poperinge] , Gistlish [aus Gistel] , Borel [?] vnde alle duͤnne tuch [...], der shal gebin von dem tuche ein quart UrkSchles(B) 53:2,2 (a. 1327) (vgl. Anm. z.St.)

MWB 1 926,32; Bearbeiter: Plate

bœren swV. auch bôren ( Ottok ). ‘etw. in die Höhe heben, tragen’ (vgl. SchweizId 4,1509 s.v. bö̂ren und WBÖ 3,622 s.v. pö̂ren): ie daz dinc der lichtikeit me an ume hait, io iz me geborit wirdit fon der erdin zu deme himmele Parad 45,22; des kund in überringen / sîn riu, von der ir sagen hœrt, / daz sî ze got von himel bœrt HvBer 7183; mit einir ruten wirt er dich slan unde sinen stecken wirt er boren ubir dich an deme wege Egypti Cranc Jes 10,24; si boren en uf ire achsiln und tragen en ebd. Jes 46,7 u.ö.; Mechth 5:34,22; übertr.: kunic Stephan begunde bôren [:gehôren ] / gegen sîner swester grôzen haz Ottok 10259. – Vgl. auch bürn swV.

MWB 1 926,38; Bearbeiter: Plate

boretsch M. ‘Borretsch’ porrago: burretsch, burrecz VocOpt 50.231

MWB 1 926,52; Bearbeiter: Plate

borgære stM. ‘Kreditgeber, Gläubiger’ bedarf danne der borger phenninge, so sol er zvͦ jme ruͦffen dem schúldener UrkCorp (WMU) 1653,22; so sol der richter den schuldner dem borger antwúrten UrkAargau 1,4:13,24 (a. 1258); sô lît der ouch in sorgen stricke, / den sîn borger suochent dicke / und er in niht vergelten mac Renner 12964. – besonders ‘Geldverleiher’ (vgl. Lc 7,41ff.): ez waren zwene schuldigære, / die solten gelten und heten nicht, / als noch dick geschit, / einem richem porgære GvJudenb 733; ez heten zwên entnomen guot [...] von einem lêhenære; [...] und dô der borgær niht enwolde / lenger enpern, / dô muosten si in wern: / dô enheten si im niht ze gelten Ottok 57586

MWB 1 926,54; Bearbeiter: Plate

borge stF. 1 ‘Schonung’ (vgl. → borgen swV. 2 )
2 ‘Aufschub’ (vgl. borgen swV. → 3.2 und 4.2 )
   1 ‘Schonung’ (vgl. → borgen swV. 2): er het sin [seines Gegners] allez borge / und schont sin mit den slegen Rab 424,3    2 ‘Aufschub’ (vgl. borgen swV. → 3.2 und 4.2) si wolden sunder borge den baruk da zu Baldac haben funden / und uber houbet gar von eren dringen JTit 2966,2. 3927,2 u.ö.; der wirt was ein guͦt man, / er schuͦf in allen gemach. / [...] die vil ellenden degn, / die heten manige sorge / und doch des leides borge [ ‘ihnen wurde ihr Leid gestundet’ oder ‘sie schoben das Klagen über ihr Leid auf’?] Dietr 4629

MWB 1 927,5; Bearbeiter: Plate

borge swM. bürge

MWB 1 927,16;

bor|gemeit Adj. ‘gar nicht froh über etw. (Gen.)’ (vgl. → bor-, enbor- Präf.): die sehste heisset Tracheit, / sú ist des strites bor gemeit [La. nit g. ] / [...] ir ist zvͦ strite lútzel gach GeistlStreit 96

MWB 1 927,17; Bearbeiter: Plate

borgen swV. 1 ‘Acht haben auf etw., es behüten, schützen’ , mit Gen.d.S.
2 ‘auf etw./ jmdn. Rücksicht nehmen, jmdn. / etw. schonen’ , mit Gen., Dat., Akk.
3 ‘leihen’
3.1 Subjekt ist der Gläubiger
3.1.1 ‘auf Borg geben’ , mit Dat.d.P. oder ûf
3.1.2 ‘den Borg bestehen lassen, (vorläufig) nicht zurückverlangen; anschreiben, stunden’
3.2 Subjekt ist der Schuldner
4 an 3 (Gläubiger- wie Schuldnersicht) in verschiedener Weise anschließende Gebrauchsweisen, nicht immer deutlich zu unterscheiden
4.1 ‘Geschuldetes nicht leisten, etw. schuldig bleiben, unterlassen’ (mit Gen./ Akk.d.S. oder Satzergänzung)
4.2 ‘auf etw. (für eine bestimmte Zeit oder ganz) verzichten’ (mit Gen./Akk.d.S. oder Satzergänzung)
4.3 ‘etw. entbehren, einer Sache ermangeln’ (mit Gen./ Akk.d.S.)
4.4 refl., mit Gen. d. S. ‘sich von etw. freimachen’
5 ‘bürgen’
5.1 ‘sich für jmdn./sich (Akk.) verbürgen ( mit etw.), vor Gericht zu erscheinen’
5.2 ‘(jmdm.) etw. verbürgen’
   1 ‘Acht haben auf etw., es behüten, schützen’, mit Gen.d.S.: diu nahtigal ir eier in der brute kan so wol niht borgen, / also diu scham der eren JTit 5564,4. sich an etw. ~ ‘sich vor etw. hüten’ er solt sich borgen / an der suͤnd und got besorgen / dem der wil vor ogen stat Teichn 584,65; wer daz besorget, / ob sich der an lachen porget, / dez sol nieman wundern ser ebd. 391,56    2 ‘auf etw./ jmdn. Rücksicht nehmen, jmdn. / etw. schonen’, mit Gen., Dat., Akk.: ezn wart nie grœzer richtuom / zeiner hochgezit vertan. / [...] ern tete es niht borgen; / mer was sin sorgen / daz sin ze lützel wære Mantel 204; gemach und libes borgen, des wart da gar vergezzen JTit 1961,1. so wil ich borgen / iu der vrage nu zu stunde. / vil wol ich fuͤrbaz kuͤnde / iuch versuͦchen, ob ich wolte Rennew 10906; den strit wil ich lazen wesen, / biz du geruͦwest morgen. / diner muͤde wil ich borgen ebd. 1166; swer sin ere besorget, [...] / dem libe er lutzel borget, swa man zeprise ritterschaft sol kiesen. / di milte lert ouch guͤte borgen selten JTit 2152,2.3; ob er sich niht zug dâvon [von den werken der minne ] / und im niht baz borgte, / sîn sterben man besorgte Ottok 91841. jârlanc valwet manig anger / [...] und ouch der grüene walt. / winter borget in niht langer SM:KvL 22: 1,4; si wellen uns niht lenger borgen Ottok 65226    3 ‘leihen’    3.1 Subjekt ist der Gläubiger    3.1.1 ‘auf Borg geben’, mit Dat.d.P. oder ûf: dô er dô niemannin vant, der ime borgete, dô quam er zû eime judin unt bat in, daz er ime borgite sô vil schatzis, daz er [...] PrMd(J) 347,29; wil mir ieman sîne fröide borgen, / daz i’m ein ander wider gebe? Walth 115,8; jz sol in dehainem leithvͦs [Schenke] vf dehainen schvlær vnd vf dehains bvͦrgær kint vmb spil, vmb trinkchen niemmen mer niht borgen nvͦr als vil er an dem leibe hab UrkCorp (WMU) 3452,46; daz er [...] gulte [...] den, die im heten geborget Ottok 8292; wer da wil daz man im leicht / und im den parig nicht versait, / der sol phlegen worhait; / dem parigt man gern zu aller vrist Teichn 308,13; übertr., im Kampf borgen (und heimgezahlt bekommen): swaz in die Bêheim borgten, / daz wart in alsô dâ vergolten, / daz sis beliben unbescholten Ottok 16302. – in den Wendungen ze borgen(ne) lîhen, tuon: frunt, lige mir czu borgen fumf brot EvBerl 96,28; das ich von gotte habe, das hat er mir ze borgende getan, [...]; wan ich es im widergeben sol, so bedarf ich siner gnaden wol Mechth 7: 17,14; doch hat lip uwir vynde unde tut en wol unde tut czu borgen unde inhoffet do von nicht czu nemene, unde uwir lon wirt groz in dem hemele EvBerl 126,23    3.1.2 ‘den Borg bestehen lassen, (vorläufig) nicht zurückverlangen; anschreiben, stunden’ der wirt dir gern borgen wil Minneb 1476; ich mag diͤr porgen ein gantz jar Teichn 308,20; wir suln durch niht enlâzen, / wir bereiten [bezahlen] den wirt / der uns hât geborget dâ her mangen tac Kolmas 121,8; nu wolde niht lenger borgen / daz töhterlîn junge [wollte den greisen Vater nicht länger auf ihre Kosten beherbergen und bewirten] : / dô siben tage verdrungen, / dô gap si im urloup [schickte ihn fort] Schlegel 186. – übertr.: er [der Morgen nach einer heimlichen Liebesnacht] lêret ougen weinen trîben; / sinnen wil er wünne selten borgen KvWLd 30,6; si tribent da der minne spil, / bisz daz in der morgen / nit lenger wolt borgen / der sallen [l. selben?] fröd pringenden nacht Bauernh 290    3.2 Subjekt ist der Schuldner: – absol.: swer gerne giltet, daz ist guot: / wan hât er borgennes muot, / sô mac er wol borgen Iw 7148; swer borget oder entlêhent, der sol daz gelten SpdtL 89,9; des mêrten sich sîn geste, / unz sîn kumber wart sô veste, / daz er niht mêr vergelten kunde, / und dar nâch an die stunde / daz er niht mohte geborgen [keinen Kredit mehr hatte] StrAmis 325. – mit Akk.d.S., ohne weitere Ergänzung: swaz Tybalt hie geborget hât, / Gyburc daz minnen gelt mir lât Wh 153,29; hurtâ, wie die getouften / borgeten und verkouften / manegen wehsel ebd. 373,22; der [ siechmaister oder phleger ] sol daz mal avz nemen [auslegen] oder selbe porgen vnd dar leichen avf den tach der vor genant ist UrkCorp (WMU) 3583,28. von, ze jmdm.: von den wîben sol man borgen hôhen muot KLD:UvL 7: 1,3; wêre aber, daz dem meistere der kost gebreche, [...] sô solde er die von den balîen oder von etteweme anders heizen borgen, bis daz der trisêrere verneme die schult, der sal sie gelden StatDtOrd 101,31; ê ich im lange schuldic wære, / ich wolt ez zeinem juden borgen Walth 100,30; dar umb han ich vil gesorget, / also gener der zun juden borget Brun 8562; unde wer icht von dir betit, gib iz ym. unde wer icht czu dir wil borgen, kere dich von ym nicht EvBerl 122,19; Mühlh 170,22. ûf etw. (eine Sicherheit): wil heiz [der Schuldner das Pfand] dan nichit ledige zu demi tage, alsi su globit han, so sal he [der Gläubiger] sin gelt duf borgi zu din judin Mühlh 170,22; sie borgten uf ein hohes pfant Rennew 1430; diu minne muͦs engelten / daz sie uf valsh kan borgen ebd. 32339; sô wolt ich vil gerne ûf wîbes güete fröide borgen KLD:Rub 16:1,7    4 an 3 (Gläubiger- wie Schuldnersicht) in verschiedener Weise anschließende Gebrauchsweisen, nicht immer deutlich zu unterscheiden    4.1 ‘Geschuldetes nicht leisten, etw. schuldig bleiben, unterlassen’ (mit Gen./ Akk.d.S. oder Satzergänzung): jâ muosen si im borgen / vil herten dienest ân ir danc. / ir witze wâren dar zu kranc KlageB 1624; dem do schilt und helme was verhowen, / der wolt iedoch niht borgen, er wolte mænlich dienen siner vrowen JTit 4743,4; wie si mich hât brâcht in sende sorge, / daz ich der rede gegen ir so lange borge SM:WvH 8: 1,6    4.2 ‘auf etw. (für eine bestimmte Zeit oder ganz) verzichten’ (mit Gen./Akk.d.S. oder Satzergänzung): miner ger der wil ich borgen, / Willehelm, untz morgen Rennew 2511; der suͤze wolt er uf die lenge borgen JTit 268,3; het gedâht daran / der herzog Johan / und het ez besorgt, / sô het er geborgt / sînen fürsaz unrein / und den schedlichen mein, / den er hie begie Ottok 93949; an dem vierden morgen den ersten hochgeziten / furbaz do niht borgen wolten si, diu ors zu velde riten JTit 1734,2    4.3 ‘etw. entbehren, einer Sache ermangeln’ (mit Gen./ Akk.d.S.): nû wird ich gewar / an der frouwen mîn, / ir ist ungedâht lônes: sie wil lân / mich in senden sorgen. / [...] muoz ich minne borgen, / frouwe mîn, wie stêt daz dir? KLD:GvN 25: 4,13; hie was mænlichez sorgen. / die helde mvͦsten froͤden borgen / in dem strit, da si mvͤzzen hin TürlArabel *A 41,2. *A 221,1. Forts. 855    4.4 refl., mit Gen. d. S. ‘sich von etw. freimachen’ ir sult iuch des wol borgen, / [...] warumbe welt ir sorgen Rab 184,1    5 ‘bürgen’    5.1 ‘sich für jmdn./sich (Akk.) verbürgen ( mit etw.), vor Gericht zu erscheinen’ swie so ouch borget einen man vmbe vngerichte vore zvͦbringene UrkCorp (WMU) 606,40; ob ein man beclaget wirt vmbe totslach oder vmbe wnde, vnd der man sich borget bi sime erbe zvͦ gestene zvͦ rechte ebd. 2265,14; die vunf marc, da he sich bie giborgit heit, der sal sich die scultheizi undirwindi Mühlh 99,9; hat ein man ein pfert, daz werde ledic unde loufe unde tu einen schaden [...] daz pfert mac he borgen biz zu deme nehisten dinge StRFreiberg 257,25    5.2 ‘(jmdm.) etw. verbürgen’ Henricus [...] et uxor eius [...] Apolonio Kleinegedanc et fratri suo Gerardo [...] borgedin werschaf [Gewährleistung] annum et diem, sicut iustum est, coram officialibus s. Brigide UrkKölnSchr 1,324; daz borg ich auf mein triwe [dafür verbürge ich mich mit meiner Wahrhaftigkeit] Krone 8747; suilich man mi andirin sien girichti [Eid] borgit umme gelt [zum Beweis, dass eine Schuldforderung unberechtigt ist] , tuit heiz umi zu demi tagi, alsi da bisceidin is, so is he dis geldis ledic Mühlh 170,2

MWB 1 927,21; Bearbeiter: Plate

borges adv. Gen. borc stM. unter 1.2

MWB 1 929,52;

borgrôʒ, enborgrôz Adj. ‘gar nicht groß’ (vgl. → bor-, enbor- Präf.): iz nedûhte mich poregrôz Gen 2481; ein wasszer [...] von den brunnen dar nider vloz, / das was niht vil [La. en was bor P, en was entbor E] groz En(FSch) 6400 (La. von E nach En (B) )

MWB 1 929,53; Bearbeiter: Plate

borguot, enborguot Adj. ‘gar nicht gut’ (vgl. → bor-, enbor- Präf.): sîn buoze newas porguot, ubel was sîn herze jouch sîn muot Gen 642; lugene vnde ubirmut / die sint zvͦ der sele nebore guͦt TrSilv 30

MWB 1 929,59; Bearbeiter: Plate

borholt, enborholt Adj. ‘gar nicht freundlich’ (vgl. → bor-, enbor- Präf.): siner armen eselinnen was [l. eselin en was?] er do boreholt VMos 73,7; ir sint ein andir doch borholt [La. ein ander enbor holt ] ReinFu S3,1654 (vgl. Anm. z. St.)

MWB 1 930,1; Bearbeiter: Plate

börje swF. ‘Traggestell’ ein borjen hat er in den handen, da lag ein burdi uffe Mechth 7: 11,4. – Vgl. mnl. berie (MNW 1,941f.)

MWB 1 930,6; Bearbeiter: Plate

borke swF. ‘Baumrinde’ der ture boum cynamomus / hat dri barken umme sich Brun 5903; von der nidirstin borkin eynis mulbomis MarcoPolo 26,8; svmeliche wollin, das di loch [für das Pfropfreis] sullin tretin bis an di nydirste borke des boumis Pelzb 121,38. 141,8

MWB 1 930,9; Bearbeiter: Plate

borlanc, enborlanc Adj. , borlange, enborlange Adv. Adj. nur Kchr 11611; Adv. auch borlenge, enborlangen. ‘gar nicht lang(e)’ (vgl. → bor-, enbor- Präf.): 1 im negierten Satz
2 im nichtnegierten Satz
   1 im negierten Satz: och nestêt ez porlenge ê des glustes gedwenge / in aver ane gât Gen 436. 1292; porlang iz dô nestuont ê Joseph sach einen troum guot ebd. 1743 (vgl. unten GenM 74,1); got daz newolte noh porlange nedulte ebd. 1312; Roth 1387. 5093; VAlex 745; Elmend A 1159. der wec nedûht in enborlanch [Laa. endûht in borlank, duhte in niht lanc ] Kchr 11611; iz ne was dar nach ne borlanc [l. enborlanc ] / ê sich der herre uirsan Ägidius 1349; ez enstêt enbor langen, / daz sî got erhœret Tund 1508    2 im nichtnegierten Satz: borlanch ez gestunt / e Joseph sach einen troͮm guͦt GenM 74,1 (vgl. oben Gen 1743 ); dar nâch stuont ez borlanc [La. niht l. ] / unz dem vogel dar an misselanc Bîspel(Pf) 6,9. ouch ist iz enporlanch, / daz ich dir ze Rôme ain misse sanch Kchr 14483; do stunt enbor lanc [Laa. Da ergienc borlanc H, Dar nach was vil (f. M) unlanch BM] / er daz mere uz spranc En(FSch) 1999; ErnstD 588; Tund 1187; HvFritzlHl 40,24

MWB 1 930,15; Bearbeiter: Plate

(borliep,) enborliep Adj. ‘gar nicht lieb’ (vgl. bor-, enbor- Präf.): die brieve [...] de waren ime en bore libe GrRud β 7

MWB 1 930,38; Bearbeiter: Plate