genieʒlich (?)
Adj.
‘nützlich’ (vgl. Johansson, NvJerAdalb., S. 59):
daz ich mit worten redelîch, / genîzlich unde wêrlîch, / vol schrîbe, des ich
hân gedâcht NvJerAdalb
106
MWB 2 464,44; Bearbeiter: Runow
geniftel
swF.
nur im Pl.
‘Cousinen, enge Verwandte’
ze künde rechenten si sâ / daz si [Enite und Mabonagrins
Geliebte] genifteln wæren nâ Er
9717.
9738.
– übertr.:
daz geistlich leben und himelesch leben di di sint geniftelen HlReg
50,11
MWB 2 464,48; Bearbeiter: Runow
genîgic
Adj.
‘geneigt’, mit präp. Erg. (s.a.
geneiclich
):
die wüntärtzt [...] süllen nicht genaigig sein tzw
sneyden oder tzw prennen wunten oder geswern Schachzb
99,131;
arm an allen tugenden, genîgic gên den sünden DvASchr
321,2
MWB 2 464,53; Bearbeiter: Runow
genihte
stN.
‘Nichts’
du achtest mich uff erden / gar für ain
genychte [Nichtsnutz, Schwächling] . / dir vil argen
wichtte / ich das wol erzaigen kan / ich haissen mag ain man GTroj
16917
MWB 2 464,58; Bearbeiter: Runow
genis
stM.
(Glr. PrHess : stF.); s.a
genieʒ
und
genist
.
‘Gewinn’
dit brengit schaden, keynen genis [:
Proverbiis
]
PrHess
10,835;
nicht enget der wegeman / durch genis willin uf der ban, / sundir daz he an di
stat / kome da hin he willin hat PfzdHech
173,28.
–
‘Rettung’
for des rihteris grimmekeit, / da enist andirs kein genis PrHess
54,231
MWB 2 464,62; Bearbeiter: Runow
genisbære
Adj.
‘heilbar’
er [Heinrich] gedâhte daz er wære / vil lîhte
genisbære AHeinr
172
MWB 2 465,5; Bearbeiter: Runow
genislich, genëselich
Adj.
‘heilbar’
diu selbe siecheit / wære vil mislich / und etelîchiu genislich AHeinr
168;
dâ hœret arzenîe zuo, / der wæret ir genislîch ebd.
199.
186.
190;
bin ich genislich, ich genise wol RvZw
87,5;
KvWEngelh
5988.
– bezogen auf die Rettung des Seelenheils:
allez daz geneselich / wirdet uffe diser erden, / das lezet
got nicht vorwerden HeslApk
5214;
swaz uf der erden / geneselich mochte werden / von unses
herren martre ebd.
10706
MWB 2 465,7; Bearbeiter: Runow
genisse
stN.
‘(giftiges) Gewürm’ (Koll. zu ahd. nesso
‘Wurm’):
ein lant [...], / da inne mac wip noch man /
gesiechen von vorgiftnisse, / da en ist di scoprio noch genisse PriestJohB
950,69
MWB 2 465,17; Bearbeiter: Runow
genist
stF.
(stM.
HeslApk
46.
2508
).
1
‘Überleben, Rettung, Heil’
1.1 allg. 1.2 bezogen auf das Seelenheil ‘Erlösung’
1.3 phras. 2
‘Heilung, Genesung (von Krankheit, Wunden)’
3
‘Niederkunft, Entbindung’
4
‘(Brot-)Erwerb, (Lebens-)Unterhalt’
1
‘Überleben, Rettung, Heil’
1.1
allg.:
diu vrowe [...] jach, siun
möhte’n niht verclagen, / wær er mit unschulde erslagen. / sînre geniste
was siu vrô UvZLanz
1593;
und bâten den richtêr, / daz er in lîze bî genist [am
Leben]
NvJer
22504;
swen dî cristnin durch genist / darzû mit vlucht sich neigitin ebd.
14726;
in den henden mîn / stuont sîn genist und sîn sterben
Ottok
20750;
des lîbes genist ebd.
19242;
des lebens genist ebd.
28822;
Gen
2629;
Iw
1298;
KvWTroj
32535.
–
des su̍che ich rat vnd genist / an u̍ch vnd das gesinde
Krone
12682;
für des kummers genist [Errettung aus der
Not] / moht daz volc deheinen list / anders gehân, / wan
daz wîp und man / fluhen ûz den steten Ottok
19085.
–
er wart der minne banden / als undertænic bî der vrist, / daz al sîn
trôst und sîn genist / lac an der megde reine KvWTroj
14762;
ez wert unlange min genist: / ich waiz wol daz min
hertze brist, / swenne ich sihe die verlust / daz der kuͤnc din
muͤndel kust WhvÖst
2575;
daz, lieber du, lebendig bist: / daz ist an vræuden
min genist ebd.
7012
1.2
bezogen auf das Seelenheil ‘Erlösung’
dines [Pilatus] gewaltes nist
niht mere / wan der dir geben ist durch der mennisken genist
AvaLJ
142,2;
der mennischen genist ist enzwîvil, die mit gesuntim lîbe
vravelichin êzzint, so si scholtin vastin Spec
64,7;
unser herre der unsers hails und unser gnist vlizzich ist
PrOberalt
70,8
u.ö.;
StrKD
144,153;
Daniel
1044.
–
[Jesus] wære / der werlde schepfere, / der sele
trost vnd ir genist Wernh
A 4151;
[Gott hat] alle dise diete gezelt / an die zal der
waren gnist [die Gesamtheit derer, die erlöst
werden]
HeslApk
12621;
Teichn
281,201
1.3
phras.:
–
êwec ~
:
du [Gott] urhab aller genaden
bist, / dar inne wonit der ewige genist HeslApk
46;
des [Gebets pater
noster
] mennisch ie bedorfte / ze disses libes friste
/ unde ze der ewigen geniste Vateruns
20;
Wernh
1432.
–
der sêle ~
:
der wirbet niur nach werltlichem gewinn denn nach
genist der sele PrOberalt
93,34;
daz du dich der gitecheit erwerst / und dines libes
meisters bist, / daz ist der sele genist StrKD
11,638;
die gnist miner sele SüklV
421;
Athis
F 131
2
‘Heilung, Genesung (von Krankheit, Wunden)’
sône hete er [der Todkranke] ze sîner genist /
dehein gedingen mêre AHeinr
240.
181;
mit salben sô gehiure, / diu [...]
für die wunden ein genist / [...] ist Parz
577,23;
daz er in Salerne wære / durch sînes lîbes genist
[um dort geheilt zu werden]
Tr
7331.
7956
3
‘Niederkunft, Entbindung’
die vrawen wurden swanger; / auch sumten sie sich niht langer
/ ietwedriu vrawe mit ir genist / und gelagen beide uf eine vrist, / do sie
getruͦgen uf daz zil WhvÖst
537;
in der selben frist / bekom sîn frouwe mit genist / einer
tohter Ottok
2364
4
‘(Brot-)Erwerb, (Lebens-)Unterhalt’
von der poͤsen hausfrawen die Adam nam ward er verstozzen von seinem
reich vnd chom in die pærmlichen werlt, do er gewinnen muͦst sein genist mit
arbait vnd in sways GestRom
4;
daz si den bruodern dîn / müezen werden undertân / und ir
genist von in hân EnikWchr
2976;
und hienc ir brust für sînen munt, / die souc der junge süeze knabe / und hete
sîne genist dar abe KvWTroj
540;
Wig
5301;
wohl hierher:
geit man in [den
pfaffen
] des leibez
genist [Lebensunterhalt] , / so geben seu daz ewig ist
Teichn
168,55.
– bildl.:
ritter, wie ist úch so geschehen, / daz ir wapens also blosz / zú keiner
freise, die so grosz / jst, also dise ist, / vch waget vf heyles genist?
Krone
21504;
frou Ere hat [...] / in aller tugent ir genist
Frl
11:8,14
MWB 2 465,21; Bearbeiter: Runow
genistbærlich
Adj.
‘Genesung bringend’
der [
jungelinc
] sô genistbærlichiu dinc
/ den siechen lie dô werden schîn KvWPant
806
MWB 2 466,29; Bearbeiter: Runow
geniste
stN.
‘Nistplatz, Nest’
ein swalwe zÎrlande / [...] ein
vrouwen hâr dâ næme / zir bûwe und zir geniste Tr
8605;
in ir [der Greifen] geniste und in ir zuht
[Brut] / steic er ûf daz gebirge hôch KvWTroj
6150;
Kudr
87,2;
der würme geniste GTroj
11854;
BdN
220,25;
Cranc
Jes 34,14.
– übertr.:
lieber herre Jhesu Crist, / aller vreuden ein genist
Vät
29684;
ires herzen genist ebd.
24580;
des hochsten himels
phaffe [Christus] / [...], /
der verstieß der jüdischeit / priesterschaft uß hoer wird genisten
Mügeln
320,18.
83,10
MWB 2 466,32; Bearbeiter: Runow
gênît
Subst.
entweder ‘Rappe, türkisches Pferd’ (zu afrz. genet,
vgl. Suolahti 1,94) oder ‘Ginster- bzw. Zibetkatze’
(zu afrz. genette vgl. Nellmann, Parzival, S. 766):
man sach ein juncfrouwen komn, / ir kleider tiwer und wol
gesniten, [...] ir kappe ein rîcher samît / noch swerzer
denn ein gênît Parz
778,20
MWB 2 466,43; Bearbeiter: Runow
genos
stM.
→
genuʒ
MWB 2 466,50;
genôs
stN.
‘Schaden’ (zu afrz. noise, vgl. Rosenqvist
1,108):
zwolff dusent hadde erslagen / syne schare vele groes / ind dede en groes
genoes Karlmeinet
455,21
MWB 2 466,51; Bearbeiter: Runow
genôste
stN.
‘(in betrügerischer Absicht) beschnittenes Münzstück’
swer mit vmmescrodelingen [abgeschnittenen
Münzstücken] , daz da heizit genoste, begrifin wirt UrkCorp
1161A,12;
alle goltsmide soln ieclichis jaris swern deme mvncemeistere, daz sie burnen
rechte vnd meldin swer genoste laze burnen ebd.
1161A,45
MWB 2 466,55; Bearbeiter: Runow
genôte
stF.
‘Hinsicht’, in der Verbindung niht ze einer ~ ...,
sunder
‘nicht nur ..., sondern’
dú ne bist nîeth zêiner gnôte scône an dén pręcipuis membris
[...] : súnter ióh an dén continentibus et coniugatis
Will
61,2
MWB 2 466,62; Bearbeiter: Runow
genœte, genôte
Adj., Adv.
1
‘eng, beengt’
2
‘eifrig, dringlich’
2.1 adv. 2.1.1 verstärkt in der Verbindung ie ~
, adv. 2.2 adj. ‘eifrig auf etw. bedacht, mit etw. beschäftigt’
2.2.1 mit Gen. 2.2.2 mit präp. Erg.
1
‘eng, beengt’
diu mûre was der selben slaht. / geschâzavelt
genôte [in engem Würfelmuster gestaltet] , / wîz unde
rôte, / wârn die steine gevieret UvZLanz
4107.
– übertr.:
si twanc ein nôt genôte Tr
11892;
wann das er zu
genöte [engherzig] was das sin nymant nicht kund
genyßen Lanc
26,27.
– hierher (?):
dü vogtey eines herren gât ze Leyle vf den Rein vnd an den gnoͤten
[niet- und nagelfest gesetzten] markstein vnd ze
Dalachren in den bach, vnd denne ze Tunglen an den buͤl ob Zuffikon
WeistAarg
20
(a. 1348)
2
‘eifrig, dringlich’
2.1
adv.:
er bat sînen vater vile gnôte Gen
1210;
si [die Angeklagten] lougenôten
alle genôte Kchr
14650;
her widir redete iz genote Ägidius
784;
ir hende hub sie hinz im
genôte [flehentlich] / der uns daz leben gebot
Wernh
D 499;
AvaLJ
93,3.
–
Jacob dinote / Labanę genote VMos
25,13;
der erste grat des gebettes ist das genoͤte
[
cum attentione
] gebet mit dem
mvnde DvAStaff
89;
Seuse
54,19;
Lanc
224,23;
Spec
110,17.
–
‘heftig’
diu swert genôte vielen ûf sîn eines lîp
NibB
1938,1;
daz fiwer viel genôte ûf si in den sal ebd.
2118,1;
sie [Maria] troste ie baz
unde baz / ir reines herzen stæte, / swie genote ir diu diet tæte
Wernh
D 3258.
–
‘völlig, ganz; sehr’
ir geltet uns genote / di unseren lieben tote
Rol
5305;
und was ir hâr genôte / brûn unde reit KvWEngelh
2970;
dis heilige sacrament das toͤwet und
vertoͤwet alles das boͤs ist, das unnútze und des ze vil ist,
und wirffet es us und ab gnote Tauler
296,11.
270,3;
Seuse
115,24;
superl.:
daz [
dú aller
lutersten
] sint dú menschen, dú alles mittel aller
genoͤtest hein ab geleit Seuse
234,25
2.1.1
verstärkt in der Verbindung ie ~
, adv.:
dû seist
[
sagest
] uns ie genôte, / dû
wellest Îsôte / und si enwelle dîn niht Tr
9925;
si gruozten ie genôte / Tristanden unde Îsôte ebd.
17357
u.ö.;
dô was ez [das Tuch] inne gar verbrant /
und bran ouch ie genôte StrAmis
1103;
HvFreibTr
169
2.2
adj. ‘eifrig auf etw. bedacht, mit etw. beschäftigt’
2.2.1
mit Gen.:
diu küneginne hêr / was des vil genœte, daz si in
tæte leit NibB
1769,3;
der botschaft was sie dô genoete LvRegSyon
2901;
er wart freuden genot: / der achtet er vil klaine
dach [l. doch
]
HvNstAp
7124;
Kudr
246,1
2.2.2
mit präp. Erg.:
daz vch allen so genot / ist vf dieses menschen tot PassI/II
64,14;
hierher oder zu 1:
Claudas der was aber genöt und gyrig nach guͦt
allewege Lanc
26,14
MWB 2 467,3; Bearbeiter: Runow
genœtic
Adj.
‘dringend’
durch ein heimliche sprâch / und durch genœtige rede / die
Beierfursten bêde / fuorten snelliclich / den von Ôsterrîch / an ein heimliche stat
Ottok
36006;
daz die boten ruorte / genœtige botschaft ebd.
72002.
– mit Gen. ‘eifrig bedacht auf etw.’
daz des bischolf Eberhart / nie sô genôtic wart / ze stiften
[...] daz bistum Ottok
36565;
des was dâ vil genœte [Hs. genotig
] diu
alte Gêrlint, / wie si daz rechen möhte Kudr
737,1.
– in der Verbindung ~
dinc/ sache
‘dringende, schwierige Angelegenheit’
wer gnötige dinkch zü schaffen het Märt
4875;
so hab wier [...] durch etleich genotig sache dem
selben chloster mit gemainer hant ovz gewehselt zwaintzig pfenning gult
StiftZwettl
667;
mit kranckhait oder mit einer andern genotigen sach [
iusta
causa
]
StatTrient
135;
Ottok
20468
MWB 2 467,52; Bearbeiter: Runow
genôtunge
stF.
‘Bedrängnis, Verlegenheit’
angaria, aporia: genotunge SummHeinr
2:180,01.85
MWB 2 468,5; Bearbeiter: Runow
genouwe
Adj., Adv.
umgelautet geneuwe
Köditz .
1
‘genau’
2
‘knapp, kaum’
1
‘genau’
er karte ùber die brucke dar / vnd nam des vil gnauwe war, / bisz das thore
gein yme her vmb kam Krone
12974;
sô sullen si [die Vollkommenen] nicht verrer ûz gên
in di krêatûren wan ir genâwe nôtdurft ist, âne daz si nicht geleben mochten
HvFritzlHl
118,19;
die vrouwe genouwe disse wise / [...] do vernam
FrlSuppl
14:204,35.
–
do [in Erwiderung auf die
Weisheit] sprach die mynne genawe [strikt,
bestimmt] : / ‘ [...] ’
Minneb
3071.
– rechtsspr. genouweʒ reht, bezogen auf objektive Rechtsnormen
(ius strictum):
alleyne wir nach genoweme rechte iz in nicht schuldik inwarn
UrkBerlin
61
(Ende 13. Jh.)
2
‘knapp, kaum’
als si nu geneuwe obir daz wazzir komen waren [...],
do was daz wazzer also groz wordin daz daz hervolc zu dem keisere nicht komen konde
Köditz
42,4
MWB 2 468,7; Bearbeiter: Runow
genouwiclîchen
Adv.
‘genau, intensiv’
ach kinder, der mensche solte als
newelichen [La. gnaweclichen
] sehen in sin
leben und in sine wandelunge das er inkeinen standen gebresten enbehielte
Tauler
319,22
MWB 2 468,25; Bearbeiter: Runow
genôʒ
stswM.
1
‘Ebenbürtiger, Gleichgestellter’ , auch abgeschwächt zum
‘Gefolgsmann’
1.1 allgemein bezogen auf gesellschaftliche Stellung (vgl.
ëbengenôʒ
) 1.2 in höfischer Gemeinschaft 1.3 bezogen auf die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Gemeinschaften wie z.B.
Familie, städt. und dörfl. Gemeinwesen, Zünfte, an deren Rechten und Pflichten
der
~
teil hat 2 einer Person oder Sache in Eigenschaften ähnlich oder gleich, Ausdruck einer
Ähnlichkeitsbeziehung (nicht immer klar von 1 zu trennen) 2.1 in Genitivkonstruktion 2.2 mit präp. Erg. 2.3 verneint Einzigartigkeit ausdrückend
1
‘Ebenbürtiger, Gleichgestellter’, auch abgeschwächt zum
‘Gefolgsmann’
1.1
allgemein bezogen auf gesellschaftliche Stellung (vgl.
ëbengenôʒ
):
er enist niht min genoz / noch mir gliche geborn
Herb
11396;
ich tuon iu allen kunt, / die mîne genôze hinne sîn, /
mîn vater und die bruoder mîn, / und die mir ze mâgen sîn benant, / und die des
rîches herre hât gesant Wh
297,7;
ein ieglîch man weigert wol, daz er niht kemphet mit
sînem undergenôze. ein ieglîch man muoz kemphen mit sînem genôze oder mit sînem
übergenôze SpdtL
141,6;
ein vrîe vrauwe mac gewinnen fünf hande kint: einez daz
ir genôz ist, alsô ob ir man ir genôz ist. si mac gewinnen einen mittern vrîen,
alsô ob ir wirt ein mitter vrîe ist. si mac [...]
ebd.
141,17
1.2
in höfischer Gemeinschaft:
nu sît ir an gebürte doch / allen künegen ebengrôz / und
aller keisere genôz Tr
6142;
RvEBarl
11625;
künec Vridebrant / und sînre genôze viere
Parz
25,21;
sin recht ware uil groz, / er ware aller fursten genoz
Rol
8738;
er ist gut ritter und koniges genoß Lanc
510,31
1.3
bezogen auf die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Gemeinschaften wie z.B.
Familie, städt. und dörfl. Gemeinwesen, Zünfte, an deren Rechten und Pflichten
der
~
teil hat:
sint widwen worden, / diͤ ir genoze
[Ehemänner] hant verloren MarlbRh
119,31;
dem gottshus im hoff zuͦ Lucern sol alweg vorbehalten sin sin
gerechtigkeit des faals [Abgabe des Todfalls ] von
den absterbenden gnossen WeistGr
1,166
(a. 1303? kopial);
swer oͮch rehte gînoz ist des antwerkes vnd sich dir mitte begat
UrkCorp (WMU)
80,31;
es scholl auch derselb ir meister all den gebresten und all den valsch,
der unter in ufersteht, suchen und pezzern nach seiner genozzen rat
StRRegensb
90;
do inbarte sich der grunt sa / da furen di
genozen [das Volk Israel] / mit truchenen
fuͦzen / in daz intheizene lant VMos
68,7;
choment auch mer jvden, vnserre genozze, her UrkCorp (WMU)
3056,10.
–
daz er [Luzifer] vil sciere
sî verstôzzen mit allen sînen gnôzzen / vone himile in die helle
Gen
31
2
einer Person oder Sache in Eigenschaften ähnlich oder gleich, Ausdruck einer
Ähnlichkeitsbeziehung (nicht immer klar von 1 zu trennen)
2.1
in Genitivkonstruktion:
Genelûn was schœne unde grôz, / er was des grôzen boumes gnôz
StrKarl
2506;
huite wirstu sente Laurentien genoz Rol
6189;
so ist er des toren gnoz StrKD
96,36;
joch ist din rehtekeit diner barmherzekeit genos
Mechth
3: 22,4.
–
ein her mehtic unde grôz, / iedoch was ez niht genôz
/ an der zal der franzoisære her Ottok
3758.
–
jmdn. ~ machen:
liden machet der martrer genoz, es fuͤret hine
daz lob, es fuͤret hin den sig Seuse
252,21;
sô mache uns, vrouwe, der genôz / die bûwent Abrahâmes
schôz KvHeimHinv
1208
2.2
mit präp. Erg.:
wer könde mir an fröiden sîn genôz SM:Te
1: 2,7;
niender lebete sîn genôz / an milte RvEBarl
208
2.3
verneint Einzigartigkeit ausdrückend:
iz wâren ouh chunege creftic / uber manec dît gewaltic, /
[...] / der ne wart nî neheiner sîn genôz
VAlex
56;
des giwalt wirt sô grôz daz er niwil haben niheinin gnôz
Gen
2866;
sîn manheit ist sô grôz, / ich enweiz niender sînen gnôz
UvZLanz
342;
du [Maria] wers doch
muͦder ’s künings groz, / de niͤrgen hat engein genoz
MarlbRh
42,10;
des Endecristes gewalt ist also gros, das nieman ist sin
genos Mechth
4: 27,125
MWB 2 468,30; Bearbeiter: Diehl
genœʒelîn
stN.
‘Spielgefährte’
daz guͤrteltaubel [...] hat
sein genoͤzzel floren Teichn
261,2
MWB 2 469,34; Bearbeiter: Runow
genôʒelôs
Adj.
‘ohne seinesgleichen, ohne ebenbürtigen Partner’
dû [Maria] niender hâst genôz / wan einen
[sc. Gott] , der genôzelôs / ist LobGesMar
47,12
MWB 2 469,36; Bearbeiter: Runow
genôʒen
swV.
1
‘etw./ jmdn./ sich (mit etw.) gleichstellen, vergleichen’ , tr.
und refl. 1.1 mit Dat. 1.2 mit präp. Erg. 1.3 tr. ohne Ergänzung ‘sich jmdn./ etw. zum Genossen machen, mit jmdm./
etw. im Bunde sein’
2 intr. mit Dat. ‘jmdm./ einer Sache gleichen, gleichgestellt
sein’
1
‘etw./ jmdn./ sich (mit etw.) gleichstellen, vergleichen’, tr.
und refl.
1.1
mit Dat.:
dem vich mag man sew genossen, / die nicht hant
beschaidenhait HvBurg
134;
ich han davor gelichet dich [Maria] / dem
cristallinen steine: / dem wil ich, frouwe reine, / noch zeimal dich genozen
KvWGS
1799;
nv secht wie si genozzet sint den goteschinden. vnt den heiligen gesellet
PrLeys
11,38;
SüklV
198;
RvEBarl
2926.
–
der keiser sterben muoz als ich, / dem mac ich wol genôzen mich
Freid
74,6;
uf var ich [Lucifer] und
wil [...] genozen / mich gote deme grozen
Daniel
4801;
dem [Unfreundlichen] saltu
dich gesellen nicht, du wiser, noch genoßen Mügeln
64,15;
Roth
1327;
KLD:Kzl
2:14,1.
–
sich der heiligen ê ~
‘am Sakrament der Ehe teilhaben’
weder barfuozenbrüeder noch prediger noch grâwe müniche die mügent
sich ein teil der heiligen ê niht genôzen PrBerth
1:306,12.
– mit zusätzlicher präp. Erg.:
dem [Salomo] an wiseit man
noh wip / sih mohte in allin richin / genozen noh gelichin
RvEWchr
33014;
wer kan sich ir [der Minne] genôzen / an
hôher meisterschefte? KvWTroj
14744;
die vorleiten vil der grozen, / die sich wol hie
mochten genosen / der sunnen an irme schine HeslApk
13520;
RvEWchr
14447
1.2
mit präp. Erg.:
der welte vreude ist als ein wint / genôzet an daz reine
leben, / daz got der kristenheit wil geben RvEBarl
10931.
–
man möhte wol genôzen / ir kintlich gemüete / hin zuo der engel güete
AHeinr
464;
zuo der lûterkeit unde zuo der schônheit noch zuo der gelpfe die diu
sunne hât, dâ kan sich niht zuo genôzen hie in dirre werlte PrBerth
1:539,30;
zuo dir sich nieman genôz / an schœn und an tugent
EnikWchr
12528;
PassI/II
220,31.
–
der [Wunderbaum] gap sô guoten gesmac / daz
ingeber und negelîn, / zitwân unde zinemîn, / galgân unde muscât / sô guotes
smackes niht enhât, / der sich möhte genôzen dar Flore(S)
2085;
daz sich dhein guot genôz / mit widerwâg dâgegen
Ottok
4912
1.3
tr. ohne Ergänzung ‘sich jmdn./ etw. zum Genossen machen, mit jmdm./
etw. im Bunde sein’
wiltu nu han von got trost, / so mus din hertz sin erlost
/ gar von der welt trost. / wel tumber si genost, / sit alle creatúre giht: /
‘ich mag ain hertz satten niht, / ich trúg und nim och abe!’ / da
von du dich zuͦ got habe! SHort
2346
2
intr. mit Dat. ‘jmdm./ einer Sache gleichen, gleichgestellt
sein’
kein leit mag genozen, / ich wæne wol, mime leide
Rennew
23954;
ich bin zerbarmen nû geschehen, / den ich vil wol genôzte ê KvFuss
929;
der luft gab in da suͤze, dem aller smak uz kramen niht genoͤzet
JTit
6109,4;
welch hunt möht im [Petitcreu] genôzen!
UvTürhTr
1238;
Wh
4,30.
– mit zusätzlicher präp. Erg.:
an miltikeit deheine wîs / dhein kunic im moht genôzen
Ottok
875
MWB 2 469,40; Bearbeiter: Runow |