b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
bîhten
swV.
vgl. auch
bejëhen
stV.
1
‘(jmdm. etw.) beichten’
2
‘eine Beichte ablegen’ , refl. 3
‘jmdm. die Beichte abnehmen’ , mit Akk.d.P.
1
‘(jmdm. etw.) beichten’
– mit Akk.d.S.:
hestu si [Sünden] gebihtet
vnde mit ruwen erweschit Lucid
154,9;
StatDtOrd
31,28;
PrBerthKl
6,55;
KLD:Kzl
16:14,16;
die rede bîcht ich wol mit tûsent eiden!
SM:Tu
2: 5,7;
welch súnde der mensche nit gebihtet hat noch oͮch nút
bihten wil, da mitte sol er nit gottes lichamen enpfahen Mechth
7: 21,15.
– mit Gen.d.S.:
unreiner lip, du hast di sunde begangen und wilt er nicht bichten
HlReg
29,14.
– mit Dat.d.P.:
bihtunt dim herrin BrZw
7;
ez ensal dekein brûder [...]
iemanne ûzewendic des ordenes bîhten, er enhabe ê des urlop von sîme obersten
erworben StatDtOrd
72,4.
31,29;
man sol gote ê bîhten dan den menschen
Eckh
5: 275,5.
– mit Dat.d.P. und Akk.d.S.:
swenn ain mentsch im gebihtat sin súnde mit rúwigem hertzen PrGeorg
7,10.
– ohne Obj.:
so sol er for piechten vnd geistlichen vnseren herren
enphahen SpitEich
8,2;
HlReg
29,21;
HvNstGZ
6588;
Eckh
5:274,11;
Mechth
6:12,3
2
‘eine Beichte ablegen’, refl.:
ich wil mich bîhten offenbâr / vor diser kristenheit für wâr EnikWchr
22623.
A II,1013;
daz er sich bihte StRAugsb
99,33
3
‘jmdm. die Beichte abnehmen’, mit Akk.d.P.:
ob ich von dem einsiddel wese / gespiset vnd gebichtet Krone
19611
MWB 1 795,46; Bearbeiter: Tao
bîhtsun
stM.
‘Beichtkind’
bvͦzz mag ein peichtiger wandeln, die er selb hat gesatzt seinem peichtsun
RechtssA
B63,4
MWB 1 796,8; Bearbeiter: Tao
bîhttavel
stF.
‘Schreibtafel für die Beichte’
do er die bihttavel us gelass, do stuͦnd ze hindrest dar an also:
[...]
Seuse
100,14
MWB 1 796,11; Bearbeiter: Tao
bîhtunge
stF.
‘das Beichten’
bîchtunge der sunde HvFritzlHl
138,32;
mit innenclicher bichtonge Pilgerf
1129;
wie ich [personif. Buße] davon dun bichtonge /
durch eigentliche underscheidonge ebd.
2147
MWB 1 796,14; Bearbeiter: Tao
bîhtvater
stM.
‘Beichtvater’
di lûte sprâchen, si truge ein kint bî bruder Kunrâte irme bîchtevatere
HvFritzlHl
244,29
MWB 1 796,19; Bearbeiter: Tao
bîhtwîse
stF.
auch bihteswîse.
in ~
‘in der Art und Weise einer Beichte, unter dem Siegel der Verschwiegenheit’
hat ez [ein Mensch] denne vor nvuwens gebichte, vnd weiz
denne nicht mer ze bihten, so sol ez denne daz sagen vnd sin schulde in bichtewise
sprechen dem priester UrkWürzb
41,279
(a. 1347);
in bichtes wise ebd.
41,279
(a. 1347).
40,316
(a. 1340);
besunder waz dem menschen gesagt wirt in peichtweiz oder in guten trewen
RechtssB
M13,6;
also ist ez auch vmb allez daz der mensch in peichtweiz hoͤrt, er sei pfaff oder
lai, oder haimleich in guͦten trewen, daz sol er versweigen RechtssA
B57,24
u.ö.;
auch froͤmdez guͦt vnd vnrechtez guͦt, daz sol der mensch niht zu im nemen vnd
behalten in peichtweiz, vnd in trewen ebd.
B57,43
MWB 1 796,22; Bearbeiter: Tao
bî hurten
swV.
‘auf jmdn. zu galoppieren’
die hurten Vîvîans bî / und hulfen im Wh
25,12;
zegegen kom im gehurtet bî / ein fürste ûz Anschouwe Parz
80,6
MWB 1 796,38; Bearbeiter: Tao
biieht
stF.
→ bîht(e)
MWB 1 796,42;
bî jagen
swV.
‘neben jmdm. jagen’
dem jagete dô aller næheste bî / des alten Heimrîches vane
Wh
440,10
MWB 1 796,43; Bearbeiter: Tao
bîkeller
stM.
‘Nebenkeller’
daz er auch daz fenster auz dem beikeler solt vermachen
[versperren] mit eisen also, daz er chein
chaufmanschaft do herauz solt veilhaben NüP
196
MWB 1 796,46; Bearbeiter: Tao
bikenlêren
swV.
zu biegel.
subst. Inf. in der Wendung âne ~
‘ohne Winkelzüge zu machen’
sage mir dinen mut dar an / an allez biken leren, / wie
[...]
Hester
1407
(vgl. Glossar z.St.)
MWB 1 796,50; Bearbeiter: Tao
bî komen
stV.
1
‘zu jmdm. kommen’
2
‘sich auf ein bestimmtes Ziel hin bewegen’
1
‘zu jmdm. kommen’
ob ich ein ritter wære, ich kœm’ in etwenne bî
NibB
1416,4;
unz si in kam vil nâhen bî Iw
103;
duͦ du [Maria] ir
[Elisabeth] quemes bi, / der heilich geist ervülde si
MarlbRh
115,15
u.ö.
– übertr.:
swaz der Franzoys heizt flôrî, / der glast kom sînem
[Anfortas’] velle bî Parz
796,6;
sowilchen sachen si [
minne
] kümt bi, / si macht in ewlich stedicheit MarlbRh
11,24
2
‘sich auf ein bestimmtes Ziel hin bewegen’
als er aber kumet nâher bî UvZLanz
8116;
ein schilt [...], / an allen orten
veste, / immer ein der beste / der ûz der schar kom vîenden bî [der
gegen die Feinde geführt wurde]
Wh
426,7
MWB 1 796,54; Bearbeiter: Tao
bil
stM.
‘Gebell’
nû hôrter in dem walde / lûte bellen einen hunt; / der bil tet ime leider
kunt, / daz [...]
UvTürhTr
3212
MWB 1 797,4; Bearbeiter: Tao
bîl
stM.
vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 21f.
1
‘Gegenwehr des gehetzten Wildes (gegen die Jagdhunde)’
2
‘Umstellung des Wildes durch die bellenden Hunde’
3
‘Kampf (mit Waffen oder mit Worten)’ , in Verbverbindungen
1
‘Gegenwehr des gehetzten Wildes (gegen die Jagdhunde)’
sînes œheimes hunde, / [...] hæten
zuo dem mâle, / [...] einen zîtegen hirz gejaget / zuo der
strâze nâhen. / dâ liez er sich ergâhen / und stuont aldâ ze bîle Tr
2767.
2773;
als vor den jagehunden / ein eber stât ze bîle, / sus werte er bî der wîle /
lîp unde guot KvWTroj
31533;
der hunde lûtez bellen / durchbrechen ez [
daz eberswîn
] begunde sider: / ez warf sich hin umbe wider / und stuont vor im
[Partonopier] en bîle KvWPart
363
2
‘Umstellung des Wildes durch die bellenden Hunde’
daz edel wilt mit sorgen / sich von dem bîle machet Hadam
361,2;
herre vater ile / hilf mir von dem bile / der grimmen helle hunde
Martina
111,28.
62,85.
–
den ~ (zer)brechen:
dô wart mîn Herz [der allegor. Leithund] verwundet
/ und was der bîl mit jâmer mir zerbrochen Hadam
121,7.
354,5;
ich sach den bîl ez [=daz wilt
] brechen ebd.
346,1.
265,7.
–
[ich] bin mit iamers bile / so mengewis bestanden
Martina
161,94
3
‘Kampf (mit Waffen oder mit Worten)’, in Verbverbindungen:
–
(wider einander) ze ~ gân:
si giengen alle wîle / wider ein ander ze bîle
SAlex
4665;
sus giengen si zv bile / si quamen in einer wile / vur den keiser alle dri
/ [...] / da si uil rede an wechsel triben
PassI/II
172,41.
–
sich gegen jmdm. ze ~ setzen:
Ottok
9493.
–
(gegen jmdm.) ze ~ ligen:
Ottok
17237.
44583;
Karlmeinet
299,22.
–
gegen jmdm. ze ~ belîben:
Ottok
22430.
–
(mit jmdm.) ze ~ komen:
Ottok
25704.
38006.
–
ze kampfes ~ bereit sîn, ûf kampfes ~ stân:
daz si ze kampfes bîle / bereit nâch wunsche wæren KvWTroj
3700;
ir wille stuont ûf kampfes bîl ebd.
3921
MWB 1 797,7; Bearbeiter: Tao
bî|lant
stN.
‘Nachbarland’
swer iht vremeder zungen / von den bîlanden kunde
Tr
3697
u.ö.;
swaz lande Tîre gelegen was, / der phlac ouch Philôtas / und twanc diu næhsten
bîlant RvEAlex
9475.
9506;
RvEWchr
2123
u.ö.;
SHort
5219.
6465
MWB 1 797,41; Bearbeiter: Tao
bilare
stM.
→ biler(n)
MWB 1 797,46;
bî lâʒen
stV.
‘jmdn. bei jmdm. lassen’
dem kunic erwarp man kûme, / daz man im lie bî / tiutscher knehte drî, / daz
die doch sæhen, wie / ez im hie ergie Ottok
88450
MWB 1 797,47; Bearbeiter: Tao
bilch
Subst.
‘Bilch, Haselmaus’
glis: bilech Volucr(W)
349;
glis, gliridis animal id est: radda, bilich SummHeinr
2:320,01.10;
wirt aber die erde ein dach dir stegen, / so wint din mast, in hoher last ein
bilch sie übertrüge [„eine Haselmaus würde an Gewicht das übertreffen,
was von dem in der Erde bestatteten Leichnam übrigbleibt“, FrlWB, S.
35]
Frl
5:19,19
MWB 1 797,51; Bearbeiter: Tao
bilchîn
Adj.
‘zum Bilch gehörig, aus Bilchfell’
glireum: pilchin VocBV926
3:626,41
MWB 1 797,59; Bearbeiter: Tao
bilchmûs
stF.
‘Bilchmaus, Haselmaus’
set, zízel unde píllichmuse sint muse genoz Meissner
1:12,7
MWB 1 797,61; Bearbeiter: Tao
bildære
stM.
vgl. bildenære.
1
‘Schöpfer, Gestalter’
2 als Äquivalent des lat. idea :
3
‘Muster, Vorlage (in gleichem Maßstab)’ (vgl. Heyne, Hausaltertümer 3, 250; Brüggen, Kleidung, S. 117) 3.1 gegenständlich 3.2 in Vergleichen und Übertragungen, z. T. in 4 übergehend 4
‘Vorbild, Beispiel’
5
‘Bild, Bildwerk’
1
‘Schöpfer, Gestalter’
dar an [an ihre Wangen] het sinen fliz / gelait der
bildere, / vnd worht vil geuere / zwai rote roͤselin dar in JvKonstanz
641;
hie wirt si [Seele] irm pilder so gelich, / daz sie
furpas stetiklich / an werken, worten, willen, mut / ob sinen willen niht entut
MvHeilGr
1349;
o bilder der vernunst, / entwirf in mines herzen runst / der
sprüche forme unde kunst Mügeln
113,1
2
als Äquivalent des lat. idea:
doch haizz wir ettwenn ydeam den pildär des goͤtleichen willen vnd der
gleichnuͤsse aller creatur KvMSel
283;
der bilder, der in gotes herzen ewig ist, / der ist genant
idea Mügeln
35,1;
idea, [...] der bilder, gotes
spiegel heißt ebd.
244,6
3
‘Muster, Vorlage (in gleichem Maßstab)’ (vgl. Heyne, Hausaltertümer 3, 250;
Brüggen, Kleidung, S. 117):
3.1
gegenständlich:
sîn [des Amtmannes] tohter vor vrouwen næt /
schôn ab einem bildær, / diu billîch dâ heime wær, / daz sie ir muoter spunne
Helbl
8,209;
ich hân niht in mînem schrîn / wan zwêne bildære [vgl. aber
Anm. z.St.: „Bilder, Skulpturen“] , / drî nâdeln und ein schære
/ und zwei niuwe hârbant Sperb
135;
als ein iegleich werchman / einen pilder hat vor sein, / daz er wurcht
nach dem schein / waz er hat in seinem muͤt Teichn
332,59;
der pilder ist zu nichtew guͤt / denn daz man dw mazz dran sicht ebd.
332,62
3.2
in Vergleichen und Übertragungen, z. T. in 4 übergehend:
daz wir mit dir an allen tvgenden also eigenlich gehellen als daz volbraht
bilde nach dem gerehtisten bildar DvAPatern
125.
33;
vnd da von der mensche, der nit ist, als in got haͮt eweklich angesehen,
der ist vngerecht, won er ist vngelich dem ersten bilder Gnadenl
1,60.
1,770.
1,774;
wir mugent gerne bilde und lere nemen ab únserm herren, won er ist ain
bilder und ain spiegel aller tugent und aller saͤlikait PrGeorg
226,3;
da mitte siv [Folterknechte] si
[Martina] bilten / nach dem bilder der tugende, /
den siv von ir ivgende uor ir ovgen hatte gespannen Martina
147,55;
si [Maria] waz ain anvang der kúnschi und ain
bilder und ain spiegel dez magtuͦmes PrGeorg
328,24;
KvWGS
558;
ein bilder houbethafter zuht, / [...] ein sâme
sældebernder vruht [Lob auf Kaiser Friedrich]
RvZw
136,4;
Meissner
17:9,1;
Damen
6,3
4
‘Vorbild, Beispiel’
sehen an zuͦ einem bilder den gotesminner Paulus Seuse
392,21;
dar umb in pillichen diße selige swester Elsbet [...]
fur gehebt wirt zu einem pilder Stagel
121,10;
nu wil ich ze bilder / nemen ain wisen spiler Teichn
594,73;
sol dew chünigin sein rain vnd käwsch, also das sy sey andern frawn ain
spiegel vnd ein pylder Schachzb
37,36;
daz fuͦsstuͦch, daz ich dem hund nam und mir es ze einem bilder
[zur Mahnung] han behalten Seuse
368,28
5
‘Bild, Bildwerk’
von dem pechlein zu dem prunnen, / von dem schein zu der sunnen /
[...] von dem bilder zu dem bildner, / von der
geschepfde zu dem schepfer Syon
27.
– bildl.:
swie sô der ûzer wære, / der inner
bildære [gemeint: Tristan selbst, im Gegensatz zu seiner
Rüstung] / der was baz betihtet, / bemeistert unde berihtet /
ze ritters dan diu ûzere faitiure Tr
6644
MWB 1 797,63; Bearbeiter: Tao
bildærinne
stswF.
1
‘Einbildungskraft, Vorstellungskraft’
2
‘Urbild, Vorbild’
3
‘Schöpferin, Formerin’
1
‘Einbildungskraft, Vorstellungskraft’
sol mîn ouge daz bilde bekennen, daz an der want gemâlet ist, daz muoz
kleinlich in dem lufte gebiutelt werden, noch kleinlîcher muoz ez getragen werden in
mîn bilderîn Eckh
3:200,29;
Parad
38,10;
von allem dem das die fantasie und die bilderinne und alle sinneliche bilde ie
in getruͦgen in eigener wise Tauler
144,11;
der sêl kraft, die dâ haizt fantastica oder imaginaria, daz ist
als vil gesprochen sam deu pilderinne, dar umb daz si aller bekantleicher ding pild
und geleichung in sich samnet BdN
4,25.
134,22
2
‘Urbild, Vorbild’
daz in dem touffe Christi, der da waz ein bilderinne unsers touffes, solte
geoffenbarte werden, die da vollebraht werdent in unserm touf ThvASu
128,22
3
‘Schöpferin, Formerin’
[Maria] unsers heiles bilderin Mügeln
176,8;
es ist zu wissen, das diu beraitung zu der gnad ist driueltig: die erst ain
würkender vrsprung, die ist von gote. die ander ain schöpphende bilderin [
(causa) formalis
] , vnd die ist von der gnad, diu vergebene gegeben wirt Gnadenl
3:A2,112
MWB 1 798,62; Bearbeiter: Tao
bilde
stN.
1
‘Bild, Werk der bildenden Kunst’
2
‘Abbild, Ebenbild, Spiegelbild’
3
‘äußeres Ansehen, Gestalt, Person’
4
‘Gleichnis, Beispiel, Vorbild’
5
‘Vorstellung, Gedanke’
1
‘Bild, Werk der bildenden Kunst’
zvei bilde wol gesnizzet / vil rot guldin / gelich cherubin
et seraphyn VMos
57,24;
ein bilide wol gemâlet / nâh Amon mînen gote
SAlex
5532.
6149;
dâ wâren bilde gegozzen an, / iegelîchz geschaffen als ein man
Wig
1042;
sô ein meister bilde machet von einem holze oder von einem
steine Eckh
5: 113,18.
– Muster, Stickerei:
ûf matraze diu vil rîchen, [...]
/ geworht von guoten bilden, mit golde wol erhaben NibB
352,3;
er sach nâch einem
bilde [Kreuzzeichen] an des küenen gewant ebd.
980,4;
manic bilde drane [am samît
] was / mit starken listen gemaht UvZLanz
4812;
Wh
249,1;
TürlArabel
*A 215,33;
Renner
22763.
– bildl. (die Frau als Meisterwerk Gottes, der Minne):
er sold iemer bilde giezen, / der daz selbe bilde gôz Walth
45,25;
ach, got, daz dîn kunst mit flîzze hât gegozzen / nach
wunsch ein schœne bilde, / dest mir sorge wilde SM:KvL
1: 3,2;
daz bilde, daz diu Minne / an lîbe und an dem sinne / sô
schône hæte gedræt Tr
10951
2
‘Abbild, Ebenbild, Spiegelbild’
dô begunde unseren trehtîn vile harte riuwen, / daz er ie
gescuof den man nâch sînem bilde getân Gen
681;
JPhys
23,12;
diu sêle ist gebildet nâch gote an irme obersten teile; aber der engel ist ein
næher bilde gotes Eckh
1:54,5;
mir ist geschehen als einem kindelîne, / daz sîn schoenez
bilde in einem glase gesach MF:Mor
32: 1,2;
Frl
5:74,12
3
‘äußeres Ansehen, Gestalt, Person’
sie habent guͦt pilide unt nehabent aue der guͦten werche
nieht JPhys
5,19;
sîn menneschlîch bilde / was anders harte wilde
Iw
425;
Parz
497,29.
517,24;
der vriunde vriundes bilde treit / und in dem herzen vînt ist
Tr
15054.
15089;
er hiesch ein münzîsen, / er sprach: „wes bilde ist hie ergraben?“ / „des
keisers“, sprâchen dô die merkære Walth
11,25.
– verblasst zur Umschreibung (mit Gen.-Attr.):
swer sich von phaffen bilde / gote machet wilde / unde ritterschaft begât,
/ der muoz mit maniger missetât / verwürken sêle unde lîp Greg
1517;
sô drâte ir zweiger bilde [sie zwei] / kam ûf
den orsen dar geflogen KvWTroj
3926;
vrouwen bilde und vrouwen nam Frl
3:7,4;
wibes bilde ebd.
3:19,2.
–
des (es) wart nie kein bilde u.ä. ‘dergleichen hat es nie
gegeben’
Greg
2986;
Parz
238,18;
Krone
10774
4
‘Gleichnis, Beispiel, Vorbild’
ein bilide sprach got zuͦ lîuten heizent pharisei
JPhys
11,1;
die zwene vogele sint ein bilde iwers lebennes
Spec
35,22;
her nâch vindet man in dem dritten teile dis buoches bilde an
werken und an worten, diu wîse liute hânt getân und gesprochen Eckh
5: 8,15.
–
~ geben, bern:
er gab uns bilde an deme tieuile dc wir
gestuͦndin [er stellte uns den Teufel als (abschreckendes)
Beispiel hin, damit wir beständig blieben]
TrudHL
2,24;
nû gît mir doch des bilde / dirre lewe wilde, / daz er
von herzeleide sich / wolde erstechen umbe mich, / daz rehtiu triuwe nâhen gât
Iw
4001;
er hat uns ouch bilde der gehôrsam gegeben
StatDtOrd
29,22.
50,2;
hie sî dir bilde bî gegeben, / daz dû dirre welte leben /
rehte erkennest RvEBarl
4753;
des si guot bilde bâren / beidiu der werlde unde gote
Tr
1804.
–
(guot, sælic, bœsez) ~ nemen:
wir soltin bilde nemin, wie mînes trehtines heiligin daz
himelriche garntin Spec
82,9;
nemit bilde bi dem walde: [...]
Wahrh
62;
man mac an den vîanden / nemen gût bilide
SAlex
2491;
dâ ensol niemer an / dehein sündiger man / genemen bœsez bilde Greg
3965;
dâ sol der sündige man / ein sælic bilde nemen an ebd.
3984.
– jmdn. ze einem ~ haben:
daz dû mich ze einem bilde [als warnendes
Beispiel] habest Erinn
745.
–
~ haben:
der hirz habet dere bilde [gleicht denen,
bedeutet die,] die ir sunte bechennent JPhys
13,8;
ein uogil heizit fenix des pilide habet unser trehtin
ebd.
27,1.
–
daz ~ (vor) tragen, vor begân:
wir ewarten sculen [...] den
laigen [...] daz bilde goͮter werche uor tragen
Spec
139,4;
Walth
34,31;
der hat uns daz pilde vor getragen, er bat sinen vater daz
er den vergæbe die in an daz chruͤtze hiengen PrOberalt
6,10;
Erinn
73;
allen menschen ein guͦt bilde vortragen Seuse
438,14;
daz er [...] uns manich guot
bilede vor begiench Hochz
896
5
‘Vorstellung, Gedanke’
swaz er gedenke oder swaz er würke, im envergât doch daz
bilde des trankes niht, die wîle der durst wert Eckh
5: 206,5;
daz ander, daz sich sîn inwendigen bilde, ob ez bilde sîn
oder ein erhabenheit des gemüetes, oder ûzwendic bilde
[...], daz er sich in den iht zerlâze noch zerströuwe
noch veriuzer ebd.
5: 276,8;
Tauler
144,12
MWB 1 799,20; Bearbeiter: Tao
bildec
Adj.
1
‘die Einbildungs-, Vorstellungskraft betreffend’
2
‘die Gestalt betreffend, aussehend’
1
‘die Einbildungs-, Vorstellungskraft betreffend’
troume und bildech gesiht [Phantasie, Vision]
Pass III
426,39
2
‘die Gestalt betreffend, aussehend’
wie sî [Sirene] nâ einem wîbe / bildic geformet
wære Reinfr
22669
MWB 1 800,46; Bearbeiter: Tao
bildecheit
stF.
‘Bildlichkeit, Bildhaftes’
welhez nû die drî himel sîn, daz merket! der eine ist ein abescheiden aller
lîplicheit, der ander ein entvremden aller bildicheit, der dritte ein blôz verstân
âne mittel in gote Eckh
1:404,1;
swenne nv̍ die sel mit dirre kraft schowet bildekeit
[...], es ist ir ein gebreste ebd.
3:437,10
MWB 1 800,51; Bearbeiter: Tao |