bíderbe
stF.
‘Tüchtigkeit’
so íh de chêina uuîla gerûouuet bín a persecutione, so uuíl íh
des de mêr bíderbe scêinan [zeigen, sehen lassen] durh
dînen uuíllon in contemplatione, uigiliis, ieiuniis Will
24,3
MWB 1 782,22; Bearbeiter: Hoffmann
bíderbe, bidérbe
Adj.
auch bederbe (s.u. 2), birve ( Karlmeinet
458,56) und Kurzform bider, die fast nur in der Verbindung mit
man/liute auftritt (vgl.
biderman
und WMU 1,250).
1 von Personen 1.1
‘tüchtig, vortrefflich, hervorragend’
1.2 in Rechtstexten: ‘angesehen, unbescholten’
2 von Sachen: ‘nützlich, brauchbar’
1
von Personen
1.1
‘tüchtig, vortrefflich, hervorragend’
er was ein also bederbe man, / im gezeme wol die krone
Herb
2978;
mîn herre was biderbe genuoc: / aber jener der in dâ
sluoc, / der muose tiurre sîn dan er Iw
2033;
ir warent eins des byderbsten mannes suͦn und des besten
ritters der in der welt lebte Lanc
130,1.
– als Gegensatz zu
bœse/wandelbære:
ich hazze ein ding: daz bœs man vor biderben mannen
stât, / und ist mir leit, daz bœs wîb vor biderben wîben gât
SM:We
1: 4,1;
Iw
2486;
StrKD
56,110;
KLD:Kzl
16:2,14;
in der werlte ist manec man / valsch und wandelbære, /
der gerne biderbe wære Iw
200;
StrKD
8,80.
– in Paarformeln mit guot / vrum /
wert:
dâ was vil lobelîch / manic ritter edele, biderbe
unde guot NibB
1347,3;
Roth
4703;
Iw
4860;
GTroj
11911;
hie bin ich êrst zuo komen / eim ritter biderm unde
vromen. / ichn gehôrt nie nieman baz geloben UvZLanz
2506;
Roth
8;
Lanc
74,33;
wær ich sô biderbe und sô wert / daz mîn gêret wære
ein wîp Iw
2750;
Wig
8348;
SM:JvR
1:1,7.
–
‘stark, tapfer’
sészoch bíderba gnéhta [
fortes
] , der állero bíderbeston in Israhel Will
51,2;
Gen
1941;
Ottok
3840.
–
‘tatkräftig’
swelch guot man hât ein biderbe wîp, / der slâfe unt habe gemach! ir
wol gescheftic biderbe lîp / der erlât in maneger müeje RvZw
102,1
(vgl. Anm.z.St.).
–
‘klug, weise’
west biderbe [
prudentes Mt 10,16] als die slangen unde
einualtic als die tûben Spec
125,10.
127,31
1.2
in Rechtstexten: ‘angesehen, unbescholten’
die biderben burger die eltesten unde auch die witzigsten
ratgaeben von Auspurch StRAugsb
1,11;
ob ein biderbe man, der hie gesezzen ist, einen buͦben
[...] slahe WüP
7i,12;
UrkCorp
N599B,11;
Mühlh
120,6;
KvHeimUrst
463.
–
~ liute (sehr häufig in Zeugenlisten von Urkunden):
er erzuget da ze stet mit biderben leuten [
probis testibus
]
[...] vmbe die buze UrkCorp
23,15;
Fritzz der schreiber [...] vnt ander erber
vnt piderb levt ebd.
N449,31.
970B,27
2
von Sachen: ‘nützlich, brauchbar’
owê leider, uns wirt [bei der Ernte] des bederben
niht! niwan daz kleine unde daz unbederbe PrBerth
1:472,29;
PrBerthKl
3,93;
ein worte nutze und bederbe Vät
11595;
LBarl
7418.
8383.
10242;
Daniel
3110;
Hiob
11585;
Hawich
2962.
– in der Wendung
~ machen
‘etw. (Erbe) benutzen’
hahe disen valschen man / [...] sin gut und sin
erbe, / daz mache dir bederbe / und wis ein herre darobe Pass III
391,74.
7,77.
27,16
u.ö.;
swaz ir was von erbe, / daz machten sie bederbe / und gabenz armen luten
hin Vät
38220.
18782
MWB 1 782,27; Bearbeiter: Hoffmann
biderbecheit
stF.
‘Tugendhaftigkeit, Tüchtigkeit, Vortrefflichkeit’
uuîe ir dîe bíderbechêit [
virtutes
] ána uînget, unte uuîe ír dâr ána gehártôtet Will
31,6;
mit guldinen buchstaben / was gescriben dar dar
obe [auf dem Grabstein] / beide von sime lobe, /
[...] von sime kvnne / vnd von anderre siner
bideruekeit Herb
6115;
des herczen byderbkeit ist hundert mal beßer zu gewinnen dann
des libes Lanc
119,29.
123,33.
631,25
u.ö.;
ein fri wip, die men ime gap von sines grossen guotes wegen und ouch von sinre
biderbekeite wegen MerswBgR
159;
MainzFriedgI
114;
RvZw
66,2;
Boner
21,5.
30,45.
78,36
MWB 1 783,18; Bearbeiter: Hoffmann
biderbeclîche
Adv.
‘auf ehrenhafte, tapfere Weise’
das das groß ere ist das ein stolcz ritter synen lip
byderbeclichen verlúset Lanc
73,29.
169,29.
387,10
u.ö.;
waiss got, ich wil úch an ir bederptlich [La.
bederklich
] rechen [d.h. die Verleumderin ermorden]
Seuse
122,34.
371,27;
och besammente sich der kúng von Ungern heimeliche ein gros her
[...] und rach sin bruͦder biderbecliche
OberrhChr
65,7
MWB 1 783,31; Bearbeiter: Hoffmann
bíderben, bedérben
swV.
1 tr. ‘etw. gebrauchen, (be)nutzen’
2 intr. ‘nützlich sein, nützen’
1
tr. ‘etw. gebrauchen, (be)nutzen’
der beginnet vil dicke trahte, / [...] wi er wole
bederbe / sin eigen unde sin erbe. / daz gibit er an di gotis hus Glaub
3198
u.ö.;
daz wirouch [...] daz biderbent die ewart da ze dem
gotisdienest PrHoff
84,35.
84,39;
die [Griechen] bederbiten ir hende
/ in dem ellende / beide swerte vnd schaft / mit grozzer sterke vnd kraft
Herb
5433;
wol bederben mine zunge / ich sulde Hiob
6498;
Himmelr
9,32;
Ipocr
317;
WälGa
7361
2
intr. ‘nützlich sein, nützen’
dîn munt mir gesaget hât, / âne touf bederbe niht / alliu mîn
zuoversiht RvEBarl
3239
MWB 1 783,40; Bearbeiter: Hoffmann
biderbenen, bederbenen
swV.
‘jmdm. etw. zur Nutzung übergeben’
als es [
daz reht an dem hv̂sse
] oͮch bederbenot vnd gegeben wart von hern Cvͦnrat seligen dem
schriber UrkCorp
3362,33;
bederbinot ein man sinem kinde ûzet [
= iut, iht
] sines guͦtes StRFreiburg
664
MWB 1 783,53; Bearbeiter: Hoffmann
biderliute
Pl. →
biderman
stM.
MWB 1 783,59;
biderman
stM.
Pl. biderliute.
‘edler, vortrefflicher Mann’; in rechtl. Kontext: ‘ehrbarer,
unbescholtener Mann, Ehrenmann’
also sprachen alle die da waren, das er one zwyvel ein
byderman wurde, solt er lange leben Lanc
90,27;
du pist ain piderman. / ditz land was deß vater dein
HvNstAp
7358;
dar umb ain ietlich biderman / gern mag daz beste tün: / es
bringett im erre und rün GTroj
3592;
weder schalkch noch pider man Teichn
404,58.
– in der Anrede:
der kunig sach den gast an: / ‘gehabet euch wol, piderman! /
euwr mag wol werden ratt [...] ’ HvNstAp
1596;
nu merke, tunkel biderman, / wiltuz verstan [...]
Frl
8:25,1;
do sprach ich: herr pider man [...]
Teichn
417,3.
– in Zeugenlisten von Urkunden:
vnd des sind zeug her Hartbeig mein lieber bruder
[...] vnd ander biderlawt gennuche UrkCorp
758,5;
mit den gezewgen, die her nach geschriben stent,
[...] vnd ander manich pidermanne ebd.
N355B,29
u.ö.
– Vgl. auch
wërltbiderman
MWB 1 783,60; Bearbeiter: Hoffmann
biderwîp
stN.
‘unbescholtene, ehrbare Frau’
he wuste wol daz ein zuchtig bidder wip macht einen zuchtigen bidderman
Köditz
27,15;
ein rains pider weib, / welhem man dw wirt geben, / der hat ein senftes
suͤzzes leben Teichn
185,40.
672,121
u.ö.
MWB 1 784,16; Bearbeiter: Hoffmann
bîdiu
Adv.
‘dadurch, deshalb’
íh habo dóh uuâtlîche [Schönheit] in
uirtutibus, unte bidíu uuírdig bín uisitatione [...]
Christi Will
9,9;
leo bezehinet unserin trohtin turih sine sterihchi, unde bediu
uuiret er ofto an heligero gescrifte genamit ÄPhys
1,3;
so wart der sun gefleiskhaftot unt buwot in uns, bidiu ist er
chunig unde herscaft aller tuginde JPhys
1,17
MWB 1 784,21; Bearbeiter: Hoffmann
bîe
swF.
selten Neutr. (
Wh
117,20;
PrWack
278 Anm. ).
‘Biene’
div pie, div daz honik zesæmene treit vnde daz wahs wurket
Spec
34,28;
als daz honic die bîen / ûz dem trôre mugen vinden
Wernh
1044;
schouwet wie diu bîe ir süeze ûz den bluomen ziehen kan
KLD:UvL
45: 4,1;
niht halp sô manegiu bîe / möhten tœten einen starken bern
Wh
117,20;
ditze jâr / wâren ir wol drîe, / di ir in den ôren lâgen als diu bîe
Neidh
WL 6:2,9;
einen fürsten hânt die bîen, swar der vert, si volgent nâch
KLD:BvH
2: 4,1;
sî [
wurme
] schuzzen im her unde dar, / alsô bîen umbe ein honecvaz Virg
902,12.
– Vgl. auch bîn
MWB 1 784,29; Bearbeiter: Tao
bieberîe
stF.
→
buoberîe
MWB 1 784,42;
bîe|brôt
stN.
‘Honigfladen’
understunden er ouh uor in az, / daz si heizent piebrot / ane hungeris not
Glaub
1280
MWB 1 784,43; Bearbeiter: Tao
1biec
stM. oder stN.
zu biegen.
‘Biegung, Krümmung’
ii zweiteil [
ackers
] vf dem bieg nebent Wilhelme dem Kv́rsener UrkCorp (WMU)
N90,16,34
MWB 1 784,46; Bearbeiter: Tao
2biec
stM.
zu bâgen stV.
‘Zank’
wann ich nyͤ zu keyner stede / hort so wuͤnderlichen krieg / und darnach so
herten bieg MinneR 410
448
MWB 1 784,49; Bearbeiter: Tao
biecmate
stF.
‘Wiese mit/an einer Biegung, Krümmung’
jn den mittelnhof [...] hoͤrent zuͦ biecmathe vier
jvchhart an einre vurhe vnde ziehent vffe die biecmathe einsite vnd andersite zuͦ
dez Schusseleres velt UrkCorp
207,37.
207,6
MWB 1 784,52; Bearbeiter: Tao
biege
stF., swM.
1
‘Krümmung, Beugung’ , hier auf Schlagbewegung bezogen 2
‘Ecke’
3
‘lasterhafte Neigung’
1
‘Krümmung, Beugung’, hier auf Schlagbewegung bezogen:
nu dar, du werder osterman, / la din arme fliegen! / mit slegen und mit biegen
/ mache die satel lære! WhvÖst
14890
2
‘Ecke’
der stein, den der bumeister list / verworfen hat, gesetzet ist / zu
haubetsteine in einen bygen [
hic factus est in caput anguli Lc 20,17]
EvStPaul
9728.
781.
4480
3
‘lasterhafte Neigung’
o herre, ia ist also blint / die werlt an kranker biege, / daz si recht als
ein vliege / uf daz valsche honic sich lat Pass III
565,47
MWB 1 784,57; Bearbeiter: Tao
biegel
stM. oder stN.
‘Winkel, Ecke’
dô hiez er balde springen, / eine lade her für bringen, /
[...] dar ûz nam er vile schiere [La.
do nam er usz dem biegel
] / ein swert lûhte als ein spiegel Orend
1608
MWB 1 785,4; Bearbeiter: Tao
biegen
stN.
subst. Inf. zu nicht belegtem swV. biegen (Ableitung von
bâgen).
‘Streit, Zank’
nu hub sich aber dar ein criegen / vnder den Iuden vnd ein biegen
EvStPaul
12819
(vgl. Io 10,19)
MWB 1 785,9; Bearbeiter: Tao
biegen
stV. (IIa)
1
‘etw./einen Körperteil (den Körper) krümmen, beugen; sich biegen, beugen’
1.1 tr. 1.2 refl. 1.3 intr. 1.4 Part.-Adj. 2
‘ sich vor jmdm. (ver)beugen’ , in Wendungen mit knie : ‘sich vor
jmdm. auf die Knie werfen, niederknien’
2.1 refl. 2.2 tr., meist mit knie als Obj. 3
‘etw. nach unten drücken, neigen’
4
‘etw./jmdn. unter seinen Willen beugen, bezwingen, nötigen zu etw.’
5
‘sich in eine bestimmte Richtung wenden, zu etw. hinwenden’ , intr. und refl. 6
‘etw. beenden’
7 Wendungen: eine Sache hin und her ~
‘drehen, zu seinen Gunsten wenden’
1
‘etw./einen Körperteil (den Körper) krümmen, beugen; sich biegen, beugen’
1.1
tr.:
dâ ze deme
chnieraden [Kniegelenk] dâ sint
si [Beine] gebogen, / daz si sich leichen swenne
si scrîten Gen
173;
als man das warm wahs biegen mag war man wil
Lanc
122,26;
wer den nack strackes heltet, / grozliches mutes er
weltet. / da wider wer in beuget [möglicherweise auch zu
böugen swV.] , / demutigen mut ez zeuget
Physiogn
281;
BdN
322,5.
– technischer Ausdruck der Metallverarbeitung:
si hiez ouch balde bigen / von silber eine wigen Elis
505
1.2
refl.:
[die Rippen] biugent sich here fure deme herzen ze
were, / daz ime stôz noch slag nieht gewerren nemag Gen
167;
daz [...] sich von den slegen
bouc / ir ietweders stahelvaz UvZLanz
5320;
mannes manheit alsô sleht / diu sich gein herte nie gebouc Parz
4,13;
Athis
C 121;
KvHeimUrst
280;
KvWTurn
749;
Ottok
58736
1.3
intr.:
sit si [Minne] uns triegenlichen truͤget, / dar
umb myn zunge buͤget / und hincket an iren prise MinneR 480
534
1.4
Part.-Adj.:
sîn hals was im vil nider / gebogen ûf daz grüene gras
Wig
5072;
so im gerumpfen ist daz vel, / und im der rukke ist
gebogen StrKD
102,13;
an henden breit und duͤnn gebogen Physiogn
305;
der scorp [Skorpion] heckt mit
gepogem zagel BdN
282,12;
303,28
2
‘ sich vor jmdm. (ver)beugen’, in Wendungen mit knie: ‘sich vor
jmdm. auf die Knie werfen, niederknien’
2.1
refl.:
der gote werde boug sich unz an die erde
Gen
873;
si biugen sich suozze zuo dînen vuozzen ebd.
1168;
erlamen müezen im diu bein, als er sich zuo dem râte biege! Walth
28,23;
dú baide [Esel und Rind] erkantent wol das kint
/ und bugend sich uf irú knie, / als si got anbettend hie WernhMl
2789.
3793.
3930.
– mit knie als Subj.:
dem [Gott] sich biegent
elliu chnie / ze himel und in erde hie KvHeimHinv
1169;
RvEBarl
25;
HvNstGZ
1999
2.2
tr., meist mit knie als Obj.:
grâven, frîen, herzogen / habent mir ir knie gebogen / und
leistent alle mîn gebot KvWWelt
208;
mit flêhnder stimme bouc sie / gein dem heiligen ir knie LvRegFr
4592;
Ottok
8707;
RvEBarl
7434.
6119.
– Part.-Adj.:
graven, herren, hertzogen / mußent sten vor in
gebogen HvNstGZ
5799;
do lief ainre vnd viel mit gepogen chnyen vor im EvAug
102,10.
200,2
3
‘etw. nach unten drücken, neigen’
die wile wir [Teufel]
[...] die wagen [Waage] biegen /
vaste her uf [bis auf] unsern ort Pass III
389,56;
sin ore wart do biegen / der keiser hin zu Petro PassI/II
173,21;
[...] werden die oren virschoben, / werden die ougen
gebogen [geschlossen] / und der munt zuͦ gezogen / und
der zungen gelit / bewart vil redens ubirtrit Vät
4159
4
‘etw./jmdn. unter seinen Willen beugen, bezwingen, nötigen zu etw.’
allerhande tier, [...] die mach man wol gebiegen /
vnd mit wisen sachen / zam vnde gevuege machen PassI/II
117,16;
idoch wart sin junger sin / von dem vatere uberzogen, / daz er mit volge wart
gebogen Vät
30730.
32562;
Minneb
2072;
mit herter kestêgunge / er vleischlichez leben bouc Pass III
427,65;
búge din hofertig gemuͤte under sine dúrnin krone und volge dinem
gekrúzigotten gotte Tauler
199,15;
365,18.
365,19;
sô ist diu murên waichs willen und læzt sich piegen zuo der
unkäusch BdN
266,9.
–
gebogen sîn under jmdn.: ‘jmdm. untertan sein’
daz lant was under in gebogen / mit dienste an guten willen, / wand er wol
kunde stillen / mit gantzen vride al ungemach MarLegPass
24,346
5
‘sich in eine bestimmte Richtung wenden, zu etw. hinwenden’, intr. und
refl.:
der truc an sins selbes mugent / alle die sechz houbttugent /
[...], / als alle die tuen muzen / die von diser werlde
biegen / und in den himel wollen vliegen HeslApk
8855;
eines arnes stimme ich vornam / kegen dem himle biegen / und enmitten da durch
vliegen ebd.
13485;
alle priestre ich meine, / sulche die sich hie reine / halden in gotis ougen,
/ zu bosheit sich nicht bougen Daniel
6784.
–
gebogen sîn mit Richtungsangabe: ‘gerichtet sein auf etw.’
er was vrum von sinen, / er was zv gote reine, /
[...] gebougen zv der wisheit Herb
157;
Affrodisio dem herzogen / wille vnde ouge was gebogen vf daz liebe
kindelin PassI/II
38,72;
wie ir leben was gebogen / in den ewigen val Pass III
542,48
6
‘etw. beenden’
wir wollen den strit biegen / und endeliche criegen Vät
8703;
daz im sin zorn was gebogen PassI/II
88,91
7
Wendungen: eine Sache hin und her ~
‘drehen, zu seinen Gunsten wenden’
in sînes herzen arch / der kunic heimlichen truoc, / wie er den helt kluoc /
[...] wolt betriegen. / hin unde her biegen / die red
[Angelegenheit] er listiclich begunde Ottok
22587;
ich han [l. kan
] dir niht gekriegen. / du kanst dine rede
[Argumentation] gebiegen / so meisterlichen hin und
her. / du meinst hin, so merk ichs her. / suz vremde sint din fuͤnde
HeinzelRitt
346;
ir zweier sinne biegen / hin unde her die valscheit Daniel
7106
(vgl. Dn 11,27).
–
den schimpf ûf etw.
~
‘Spott mit etw. treiben’
vil begonden sie biegen / schimpfes uf sinen
[Jesu] smertzen Daniel
4304
MWB 1 785,13; Bearbeiter: Tao
bieger
stM.
→
biegger
MWB 1 786,51;
biegger
stM.
zu afrz. begart mit Umbildung des Suffixes (Suolahti 1,66; Rosenqvist
1,86f.).
1
‘Gleisner, Betrüger’
2
‘Bettler’
1
‘Gleisner, Betrüger’
die trieger, lieger, bieger / mit valscher manung tuͦt er
[Teufel] / us disen ringen slichen SHort
4847;
och haͮnd die biegger soͤllich art / das sÿ den werden Jhesum zart / kússend
mitt Juda ze aller zÿt KvHelmsd
1251;
so dv̍ daz almosen gist, so solt dv̍ nv̍t ein horn vor dir heissen blasen, als
die biegger tvͦnt RvBib
23,15
(Mt 6,2);
von bieggeren Boner
43,Überschrift
2
‘Bettler’
einen biderben man [...] / sie sitzende fundent,
[...]. / glich er niht eime bieker waz, / gyler noch
buoben genos, / wand sin gewant hatte also blos / vergolten wol tusent pfunt
ParzRapp
3,13
MWB 1 786,52; Bearbeiter: Tao
bieggerîe
stF.
‘Gleisnerei’
van hohfart so kumet ruͦm, itel ere, [...], pirgerie,
gelichsenisse HlReg
33,2;
an allir slahte vnderbint / svlt ir mit gedankin / mit herzin ane wankin / gar
ivwir munt ivwer zvnge / an alle gelichzvnge / ane bieggerie schrenkin /
[...] / gelovbin [...] / an
minen herren Ihesum Martina
82,11.
– Vgl. auch begardîe
MWB 1 787,1; Bearbeiter: Tao
bieglîch
Adj.
‘biegsam’
die arm sint gemacht stark und piegleich geschikt zuo allen
werken BdN
19,31;
diu slang ist mêr piegleich denn ander slangen ebd.
266,25;
wir haizen allez daz lentum ze latein, daz dâ piegleich ist
und waich ebd.
328,24
MWB 1 787,8; Bearbeiter: Tao
bî|ein
Adv.
s.a.
bî
Präp. und
ein
Pron., Num.
–
‘beieinander, zusammen’
sî wâren dâ bî ein dâ gelegen / niht alsô lange wîle /
[...] ê daz diu melde si verriet / und si von hôhem
muote schiet KvWEngelh
3202.
3208;
da was [...] geistlicher lude harte vil / unde anders
volkes ane zil, / di unsers herren gnade / bi ein gehoufet
[versammelt] hade Elis
9482;
des was da folkes alse vil, / [...] daz
[...] ummer me uf erden / gesehen moge werden / also
vil lude me bi ein, / sa bi ein ander da erschein ebd.
10231;
zulest so sie gesazen bi ein, / Jhesus den eylfen auch erschein
[Mc 16,14]
EvStPaul
5400
MWB 1 787,13; Bearbeiter: Tao |