entlücken
swV.
‘hervorlocken’
waz meyie unluct, / rilich daz de sunne uph tzuct Wizlav
L 12,13
MWB 1 1682,10; Bearbeiter: Diehl
entluogen
swV.
‘durchschauen’ (so Glr.) oder zu
entlûchen
(?):
die tier die daz dienst taten / und so vil ougen haten /
[...], / daz dutet die wort swinden, / die von der
vulle gotes gift / knoten der heiligen schrift / beidenthalbent entlugeten
[:unvugeten
]
HeslApk
8541
MWB 1 1682,12; Bearbeiter: Diehl
entmachen
swV.
1
‘Geschaffenes wieder vernichten, zerstören’
2
‘verbergen, unkenntlich machen’ , z.T. refl., (vgl mnl.
ontmaken )
1
‘Geschaffenes wieder vernichten, zerstören’
der svzze Crist / dem niht zv dvne vmmvgelich ist / er kan von nihte machen
vil / vnd intmachit swaz er wil MarHimmelf
18;
siv [die Menschen] machent vnde entmachent
Martina
126,75;
daz du dicke entmachest / das du gemacht haist, und is
widermachest Pilgerf
6531.
9298
2
‘verbergen, unkenntlich machen’, z.T. refl., (vgl mnl.
ontmaken):
dys versan sy sich durch / ind begonde yd allen den zo entmachen / de sayssen
do ind ouch lagen KarlGalie
11131;
mit lystlichen sachen / sal ich mych wael intmachen ebd.
589;
MorantGalie
3101
MWB 1 1682,18; Bearbeiter: Diehl
entmachunge
stF.
‘Preisgabe der Geschöpflichkeit’ (?) (vgl. Thomas v. Aquin, De malo quaest.1,
art.1, ad 8um id est per defectum activae virtutis):
und sprichet meister Thomas das von der selben vergifte
[d.i. die Erbsünde] wegen so minne der mensche me sich
selber denne got oder sine engel oder alles daz got ie geschuͦf. das enist nút von
dem das got die nature gemaht het, sunder das sú also verdorben in der entmachunge
ist von der wiederkerunge [Abkehr] von gotte
Tauler
94,14
MWB 1 1682,31; Bearbeiter: Diehl
entmannen
swV.
‘der Männer berauben’
darnâch sach man sî buiten [...] / achtundzwênzic
hundirt pfert, / dî intmannet hât ir swert NvJer
23875
MWB 1 1682,41; Bearbeiter: Diehl
entmanteln
swV.
‘den Mantel nehmen, entblößen’
unde mîn verstentnisse wart entbildet unde mîn geist wart entmittelet unde mîn
andâcht wart entmantelt unde diu persône mînes gemüetes wart verenderet
PrJvSterng
256
MWB 1 1682,44; Bearbeiter: Diehl
entmeilen
swV.
‘von Befleckung reinigen, befreien’
got hirre, sint ich han gehort, / daz her dort si von dir
geteilet, / wen der sunden last vormeilet, / so entmeile, wa gemeilet ist / hie min
lip, vater Jhesu Crist, / daz mine sele dort vor dir luze Brun
12616
MWB 1 1682,49; Bearbeiter: Diehl
entmenschen
swV.
‘das Menschsein nehmen’
waz ist denne ein anders vermúgen, denn daz von der
selbsheit und der selben einikeit dem menschen wirt gegeben ein goͤtlichú kraft und
goͤtliches vermúgen in tuͤnne und in lazsennne alles, daz ir selikeit zuͦ gehoͤret?
und also wirt der mensch entmenschet Seuse
337,22
MWB 1 1682,55; Bearbeiter: Diehl
entminren
swV.
refl. ‘sich mindern’
Adonay, des gerichtes konnig, / des macht sich nit entmynret,
/ [...] / des riche allewege sollen weren und duren
Pilgerf
12377
MWB 1 1682,62; Bearbeiter: Diehl
entmuoten
swV.
‘heftig angreifen’ (vielleicht im Lanzenkampf ohne Anlauf oder dem
gleichzeitigen Kampf gegen mehrere, vgl. Nellmann, Parz., S. 781):
fünf stiche mac turnieren hân: / die sint mit mîner hant
getân. / einer ist zem puneiz [Gruppenangriff von vorn] : /
ze triviers [Anritt von der Seite] ich den andern weiz: /
der dritte ist zentmuoten / ze rehter tjost [Einzelanritt mit
Lanze] den guoten Parz
812,13
MWB 1 1683,1; Bearbeiter: Diehl
entnacten
swV.
‘jmdn., einen Körper entblößen’
wie sie den edilin man / sinir cleidir intnactin / vnd mit
louberin bedactin Athis
A 7;
Jesum Christum er do vieng, / er hiͤz in entnachten gar
GvJudenb
1883;
do man sin vleisch entnacte, / daz amme cruce stracte
HeslApk
10285;
sô mans entnacte unde sluoc, / ir gedult daz allez vertruoc LvRegFr
1669.
–
si sach wol daz daz übel wîp / dem rîter entnacte sînen lîp /
alsô gar daz dehein / vadem an sîm lîbe schein; / sus lac er sinne und guotes blôz;
/ ern schamte sich niht hâres grôz Wig
5426
MWB 1 1683,10; Bearbeiter: Diehl
entnæjen
swV.
‘herauslösen, (aus etw.) heraustrennen’
er gebôt, daz si entnaeten / die recken ûz den ringen KlageB
1620;
zem hirze gienger obene stân. / dâ begunde er in entwæten, /
er sneit in unde entnæten / unden von dem mûle nider
Tr
2874
MWB 1 1683,22; Bearbeiter: Diehl
entnëmen
stV.
1
‘etw. wegnehmen, sich etw. geben lassen’
1.1 tr. 1.1.1 konkret 1.1.2 übertr. 1.2 mit Ersparung des Obj. 1.3 selten mit Gen. 1.3.1 als Part.-Adj. ‘abgelegt’ (?) (vgl. SM:UvB
6:3,13
swer getragener kleider gert ) 2 refl. ‘sich entziehen’
2.1 mit Dat. oder Gen. 2.2 mit präp. Erg. 3 subst.
1
‘etw. wegnehmen, sich etw. geben lassen’
1.1
tr.
1.1.1
konkret:
so schol er daz selbe silber entnemen ovf vnsern schaden
UrkCorp (WMU)
849,42;
Iw
7995;
nû was diu zît komen, / der diu ros hete entnomen, / daz er siu gelten
solde Tund
212;
entnim wenic, gilt zu dem tage, / daz dir ieman uf die sele klage. /
buͤze die schulde mit dem libe, / enphile si weder sun noch dem wibe
Erz III
36,333.
–
‘jmdn. jmdm. entziehen’
intnemit mich den hendin / der menigen sundêre / und vrîet mich
von swêre NvJer
22041
1.1.2
übertr.:
binnen dirre selben zit, / do Augustinus besit / uz siner
[heidnischen] wisheit was entnumen / und nach
gotes willen kumen / vor rechtes gelouben tur, / do volgete nach sime spur /
sin muter, die vil gute Pass III
419,63.
–
‘entrücken’ (vgl.
entnomenheit
):
der [Bote] hette gesaget ir von gote /
er wolde si der werlde entnemen Pass I/II
126,30;
wenne der mensch im selben also wirt entnomen,
daz er weder von sich noch umb nút niht waiz Seuse
349,27;
das du dinen sinnen und diner natúrlicher
vernunft entnomen wirst Tauler
166,30
1.2
mit Ersparung des Obj.:
du entnemis vnde borges Litan
57;
des tifels chint, so si uͤbel tunt,
[...]; si entnement und geltent niht
PrOberalt
46,7;
ez entnimet der suntær unt nieht giltet [interl. zu
mutuabitur peccator et non solvet
] , der rehte abe irbarmet sich unt git PsM
36,21
1.3
selten mit Gen.:
zwai pfvnt beraitter pfenning, der ich datz in [dort bei
ihnen] entnam UrkCorp (WMU)
2608,35
1.3.1
als Part.-Adj. ‘abgelegt’ (?) (vgl. SM:UvB
6:3,13
swer getragener kleider gert):
ein riter, der het michel gut / und da bi so swachen
mut, / daz er entnomeniu chleider truch, / und het doch selbe chleider gnuch
StrKD
51,3;
entnomen gwant ebd.
51,9
2
refl. ‘sich entziehen’
2.1
mit Dat. oder Gen.:
sumelîche doch der nôt / sich mit der vlucht intnâmin / und ûf dî burg
intquâmin NvJer
14145.
25048;
nû wârn dî brûdre dannen / itzunt sô verre kumen, / daz sî sich intnumen /
dûchtin vîentlîchir vâr / und hattin sich entwâpint gar ebd.
22891
2.2
mit präp. Erg.:
Agrippa was betrubet do / hie von er leidech vnde vnvro / von Herode sich
entnam / hin zv Rome er bequam / an den keiser Gayum Pass I/II
353,40;
do Cristus sich ir sus erbot / und von dannen sich entnam Pass III
338,71;
nu vant ir arclistiger sin / die kunst, daz si wol quemen / von in und
sich entnemen / von der kirchen arbeit ebd.
150,44;
ey, muter, waz sal ich im vrumen, / sit er hat sich von mir entnumen / und
andere herren im erkorn, / den er sin dienst hat gesworn MarLegPass
24,496
3
subst.:
entnemen, daz ist ringe: / wie man ez zegelte bringe, / daz ist ein swære
sache Warnung
1375.
1408
MWB 1 1683,27; Bearbeiter: Diehl
entnerwen
swV.
Bed. unklar, ‘etw. verfärben, beflecken’ (?), (vgl. Anm.z.St. und Komm.
zu
Frl
2:12,7
):
ritter, din ellen daz sol sin unmazen ganz, / din rittercranz / sol schone sin
geverwet. / sam sol ouch gegerwet / sin din vil unverzagter lip, so daz nicht
entnerwet / gar mit unfuge wert din nam JMeissn
A1:10,11
MWB 1 1684,18; Bearbeiter: Diehl
entnicken
swV.
→
entnücken
MWB 1 1684,25;
entnihten
swV.
‘jmdn./etw. zunichte machen, vernichten’
ir aller tât vor im zesleif / und was vil nâch entnihtet
Parz
15,27.
314,29;
sô müezen sie beide leben / mit schanden immer mêre. / entnihtet ist ir êre
Mai
157,4;
jâ sint die Rômære / übermüetic und doch kluoc. /
[...] / dâ von sul wir deste baz / uns hovelîch gein in
rihten, / daz si uns iht entnihten ebd.
209,18;
Brun
10396;
ErnstD
1558;
Neidh (S)
2,173 c89:9,6
MWB 1 1684,26; Bearbeiter: Diehl
entnomenheit
stF.
‘Entrückung, Verzückung’
in der entnomenheit verget sich der geist ordenlich, und im
ist erst hie reht beschehen, wan im ist got ellú ding worden Seuse
163,1
MWB 1 1684,35; Bearbeiter: Diehl
entnücken
swV.
auch entnicken ( PsWindb
75,6(App.)).
intr. ‘einnicken, (ein-)schlafen’
der slaf in bezuchte, / aine wile er entnoͮchte
Rol
3029;
der entnvcket / in einem svozin trovme Martina
143,10;
mir ist als ich niht lebende sî, swenn ich entnücke sêre: /
dâvon den tôt bediutet mir der slâf mit sîner lêre KvWLd
32,256.
–
wa die friuntschaft geschicht, da wirt ein ummevank / mit armen blank, / daz
liep bi liebe entnücket [mit tr. La. so werdent si entnücket
] , / munt an munt gedrücket JMeissn
A1:5,9.
– tr. Gebrauch in den Verbindungen in, mit, von slâfe entnücket
‘in den Schlaf gezogen, von Schlaf überwältigt werden’
den duht, do er in slafe was entnucket JTit
6026,3;
diu werde klâre guote / [...] / mit slâfe was
entnücket UvEtzWh
2329;
als er von slâfe wære entnucket LvRegFr
1260.
– umschreibendes Perfekt mit hân (vgl. 2
5Mhd. Gr. § S 8):
Paulus wart in den dritten himel gezucket, / Jôhannes hât ûf Cristes brust
entnucket [vgl. Io 13,23]
RvZw
161,8
MWB 1 1684,39; Bearbeiter: Diehl
entnüehtern
swV.
refl. ‘die Nüchternheit ablegen, sich in Hochstimmung versetzen’ (zu
nüehtern
Adj.):
nu niget alle, suze wif, / ich wil nennen sinen [des würdigen
Ritters] werden lif. / eins jelichin reinen wifis munt / sal alle
morgin dri stunt / intnuchterin sich mit sime namen GöllhRitterpr
553
MWB 1 1684,59; Bearbeiter: Diehl
en|toben (?)
swV.
Ansatz unsicher, möglich auch ent|oben swV., dann ‘sich (über etw.)
erheben’ (vgl. Einzeltextglossare).
‘zu jubeln beginnen, vor Begeisterung ins Rasen geraten’
1 refl. 2 intr. (denkbar auch negiertes toben
‘nicht in Rage geraten’ )
1
refl.:
ouch vlugen über hof diu mære, / daz hern Bêljant wære / diu juncvrouwe
gelobet. / von vröuden het sich nâch entobet / des hoves massenîe gar Heidin
III
4184
2
intr. (denkbar auch negiertes toben
‘nicht in Rage geraten’):
Karnantt, du kanst nit trigen, / was du mit stätte gelobst; /
ich wes daz du nit entobst GTroj
5808;
er gesæch di claren, suͤzen, jungen [Damen] / an
daz eine, daz er niht entobete! / daz ander im wol veile was. durch si mit strit er
mangem obete JTit
1638,3;
ich wil loͤsen miner triwen pris / und leisten was ich han
gelobt. / min sin sich [
sich Konjektur] des nit entobet Rennew
18602
MWB 1 1685,1; Bearbeiter: Diehl
ent|ordenen
swV.
‘in Unordnung bringen’
alsô intordent ein iclîche sunde des menschen natûre HvFritzlHl
113,10;
nach dem unde die nature des menschen entordent wirt [
deordinatur
] von dem willen dez menschen, der da got niht undertenig ist
ThvASu
200,26.
206,1;
Tauler
55,32
MWB 1 1685,18; Bearbeiter: Diehl
ent|ordinieren
swV.
‘in Unordnung bringen’
dez sinen entkunde sú [die menschliche Seele das
Göttliche] in ir nút enthalten, sú enwurde entsast und
enordent [La. entordinieret
] und vertrungen Tauler
55,32
MWB 1 1685,24; Bearbeiter: Diehl
ent|ôren
swV.
‘jmdm. die Ohren abschneiden’
hat er der phenning nicht so werd er entheut und entoret und geslagen vor dem
gericht UrkBabenb
2:289,22
(14. Jh.)
MWB 1 1685,29; Bearbeiter: Diehl
entp-
→
enb-
MWB 1 1685,33;
entpf-
→
enph-, entv-
MWB 1 1685,34; |