entvüeren, enphüeren
swV.
1
‘(weg)nehmen’
1.1 mit Akk.d.P. u. Dat.d.P. ‘jmdn. jmdm. abspenstig machen, wegführen,
entführen’
1.2 mit Akk.d.S. u. Dat.d.P. ‘jmdm. etw. stehlen, unterschlagen,
vorenthalten’
1.2.1 konkret 1.2.2 in der Wendung ‘‘(jmdm.) zol ~
’’ (z.T. mit Ersparung des Dat.) ‘Zoll unterschlagen,
hinterziehen’
1.2.3 übertr. 2 positiv 2.1 mit Akk.d.S. und Präp.-Obj. ‘jmdn./etw. von etw. befreien’
2.2 rechtl. 2.2.1
‘durch gerichtl. Beweisführung dem Prozessgegner abgewinnen’
2.2.2 phras. ‘durch Leistung eines Eides sich von einer Verpflichtung
befreien’
1
‘(weg)nehmen’
1.1
mit Akk.d.P. u. Dat.d.P. ‘jmdn. jmdm. abspenstig machen, wegführen,
entführen’
ich bin nun in den dingen das ich zu recht mit großen
eren solt leben und großen hoff allweg fur mich halten und große gesellschafft;
nu entfurt ir mir myn ritter allesament! Lanc
254,30;
dâ wider wart genomen
ir [Maria] / der gotes sun und enphûrt
JvFrst
9673.
– meist bezogen auf die Entführung von Frauen (in Rechtstexten oft unter
Ersparung des Dat.):
dem er daz wip hette enpfurt, / die schonen Helenam.
/ Menelaus im zv quam Herb
6384;
ir [der Seele] was laid das
sy dir / gefolget het und das sy mir [Christus] /
so lang was empfueret HvBurg
6249;
al unser art wære geschant, / ob Gyburc wurde
enphüeret dir Wh
121,11;
Kudr
510,3;
wirt ein mayt adir ein wyb mit gewalt inpfurit UrkBresl
109
(a. 1327);
StRBrünn
357;
StRFreiberg
58,23.
– übertr. ‘ein Kind entwöhnen’
si zôch daz selbe kint, sît ez der brust wart enpfüeret Tit
(BH)
G118,1
1.2
mit Akk.d.S. u. Dat.d.P. ‘jmdm. etw. stehlen, unterschlagen,
vorenthalten’
1.2.1
konkret:
daz du im sein ros stelest oder iemant sein guͦt
enphuͤrest PrOberalt
107,7;
einin roib den he un roiblichi unphurt heit
Mühlh
153,13;
UrkCorp (WMU)
2345,8;
ist, daz ein man gewant gibit zu snidene einem schroter unde intpfurt
he iz im, so daz he damite hinwec zogit StRFreiberg
249,28;
StRSchlettst
43;
ein guͦt [...], daz im verstoln oder enpfùrt
waer OberBairLdr
33;
StrAmis
1075.
–
mynen schilt und myn helm, das mir ein knap
herinn entfurt hatt Lanc
398,7
1.2.2
in der Wendung ‘‘(jmdm.) zol ~
’’ (z.T. mit Ersparung des Dat.) ‘Zoll unterschlagen,
hinterziehen’
darumbe daz er dem zolner sinen zol enphure
StRAugsb
27,26;
swer sô bruckentoln oder wazzertoln untfûrit, der sol ine vîrfolt
gelden SSp
79,15;
swie den zol entphurit odir entreit vbir die vzzirn bruckin, deme sal
der zolner nach volgin UrkCorp (WMU)
1161A,27
1.2.3
übertr.:
daz leben er mir enphuorte Serv
3460;
gewan er ie kraft ode sin, / diu wârn im beide
enpfüeret Parz
573,11.
545,7;
Ottok
34501;
wer im dann die sel enphüret, / so hiet in auch der
tod gerüret Teichn
564,491;
waz in strittelich ungemach / ie vor berürtte, / dü
gesichtt im daz enpfürtte GTroj
15256.
– mit zusätzlichem Präp.-Obj.:
mich solte nicht beruͤren der luft noch diu sunne, / sit daz ich
sus enpfuͤren kund an dir [in deiner Gestalt]
der werld al solche wunne, / diu mit dir gezieret was so riche
JTit
3846,2.
– gelegentlich mit Ersparung des Dat.:
[Christus] der wol vreude und nôt / enpfüeret
und sendet Wh
37,25
2
positiv
2.1
mit Akk.d.S. und Präp.-Obj. ‘jmdn./etw. von etw. befreien’
hilf mir, daz ich mine sele / inphure von deme beche!
SüklV
340;
envûre ab mir des tôdes swêr! JvFrst
3539
2.2
rechtl.
2.2.1
‘durch gerichtl. Beweisführung dem Prozessgegner abgewinnen’
und wil dir daz enpfüeren vor allen dînen man / mit
mînen hôhen eiden, daz ichs ir niht gesaget hân NibB
858,3;
StRFreiberg
274,13
2.2.2
phras. ‘durch Leistung eines Eides sich von einer Verpflichtung
befreien’
ist, daz he sprichit, man wolle is in nicht leren, wil he is in denne
nicht verwizzen, he enkunne iz wol, so muz he iz im zu rechte inpfuren uf
den heiligen, daz he is nicht kunne, oder muz iz teilen StRFreiberg
207,1.
201,31
u.ö.
MWB 1 1741,42; Bearbeiter: Diehl
entvüeʒen, enphüeʒen
swV.
‘die Füße abschlagen’
ovch hat div maget here / den kvnic an siner lere / noch furbaz me gepfendet /
enpfuozit vnd enthendet / warin sine valschin gote Martina
14,90
MWB 1 1742,45; Bearbeiterin: Baumgarte
entvunken
swV.
1 intr. ‘sich entflammen’
2 tr. ‘etw. entzünden’
1
intr. ‘sich entflammen’
ie si heisser blibet, ie si e entfunket. / ie si mere brinnet,
ie si schoͤner lúhtet Mechth
1: 22,32
2
tr. ‘etw. entzünden’
die liute verhabent ir nasen dâ / und entvunchent ir arômatâ,
/ daz dirre süeze smac deme [unangenehmen Geruch] / sîn
bitter smecken beneme KvHeimHinv
566
MWB 1 1742,50; Bearbeiterin: Baumgarte
entvürhten
swV.
auch int-/untforten sowie ontvruhten (zur Metathese vgl.
2
5Mhd. Gr. § L 91).
‘fürchten’
do sprachen die stormgierin / wir vntforten gine herren / den
svle wer vnsich nidliche werin / durch daz wir vns generen Roth
705;
dar uber si ouch dir gesaget, / daz ich entvurchte nichtesnicht / grimmes
todes zupflicht / durch den lieben herren min Pass III
683,35;
wir sullen eme gereit doin up dey porten, / so endarff hie engein lude
intforten HagenChr (G)
2155;
hy umme haen ich [...] gedicht ‘der
mynnen leben’, / um daz ym daer voer ontvruͦchten, / eer se daz mynnen leben
besuͦchten MinneR 336
545
MWB 1 1742,57; Bearbeiterin: Baumgarte
entwachen
swV.
‘aufwachen, erwachen’
dâ mit entwacht her Pharaô. / des troums was er vil unfrô
EnikWchr
5579
u.ö.;
des entsliffen sie beide. / vor tage er entwachete
Herb
1143;
Wig
8393;
Vät
32532;
Lanc
429,7
u.ö.
– übertr.:
getruͥen herzen, nu entwachet! MarlbRh
22,32;
in bis du noch nit zu der vorten erwecket, [...].
intwache Lilie
12,19
MWB 1 1743,6; Bearbeiterin: Baumgarte
entwâfenen
swV.
auch unverschobene Formen, z.B.
entwapent Lanc
409,24.
‘jmdm./sich die Rüstung abnehmen’
– mit Akk.d.P.:
si hetenz harnasch dennoch an: / Gâwân der höfsche man /
hiez se entwâpen schiere Parz
756,23.
164,5
u.ö.;
sie hingen synen schilt by im an eynen baum und synen helm
und halffen im das er entwapent wart Lanc
409,24
u.ö.;
dâ entwâpent in diu wîse [Gyburc] ;
/ si schouwete an den stunden, / ob er hete deheine wunden Wh
99,18;
die juncvrouwen hêten in / von dem houbte entwâfent gar / und
nâmen des vil rehte war / ob er lebte od wære tôt Wig
7922.
8382;
Iw
6479;
Tr
7254.
– mit Refl.-Pron.:
‘neve Gâwein, entwâfen dich: / so entwâfen ouch her Îwein
sich: / wan iu ist beiden ruowe nôt.’ Iw
7723;
dô entwâpende sich diu künegîn. / der marhcrâve wolte dennoch
sîn / in sîme harnasch beliben Wh
232,13;
sô sie ouch gewâpent sint, sô sulen sie niht entwâpenen sich,
ê danne ez wirt erloubet StatDtOrd
116,23;
StrKarl
6666;
GTroj
4975.
– mit Refl.-Pron. und Gen.d.S.:
er entwopet sych des helmes Alph
714.
– mit Akk.d.S. in der Wendung daʒ houbet ~
‘den Helm abnehmen’
do entwâfent’ daz houbet vil manic ritter guot
NibB
2082,1;
nu entwâfent er sîn houbet: / dô wart ez im geloubet / daz
erz her Îwein wære Iw
4261;
Wig
412.
1915
MWB 1 1743,13; Bearbeiterin: Baumgarte
en|twahen
stV.
‘etw. waschen’
hie ensoll niemant in gan / sein hende muß er entwagen han
HvNstAp
11759;
ir zæher gaben so grozen val / daz die fûze uber al / da mit
entwûch diu clar / unt trûchent mit ir har GvJudenb
699.
749;
die trophen, die nider fluzzen, / da im [sich]
entwuoch der ewarte, / die hulfen die siechen harte [heilten die
Aussätzigen] , / wurden die da mite gesprenget Serv
735
MWB 1 1743,40; Bearbeiterin: Baumgarte
entwahsen
stV.
1 intr. ‘kleiner werden, abnehmen, vergehen’
2 mit Dat. ‘jmdm./etw. durch Verschiebung des Größenverhältnisses (meist übertr.)
verloren gehen’
2.1 das Subj. wird zu groß/ hoch für die im Dat. genannte Größe ‘über
jmdn./etw. hinauswachsen; jmdm. über den Kopf wachsen’
2.2 das Subj. wird zu klein/ niedrig für die im Dat. genannte Größe 2.3
‘jmdm./etw. (durch eine bestimmte Entwicklung) verloren gehen’
1
intr. ‘kleiner werden, abnehmen, vergehen’
als der mane wechset und entwechsit, niemet ab und zu, also tuͦt dise werlt
PrLpz
125,21;
HeslApk
16927;
Lucid
29,12;
es [das im Sternzeichen Widder geborene
Tier] wechset snel und ouch entwechset schiere
Mügeln
302,9
2
mit Dat. ‘jmdm./etw. durch Verschiebung des Größenverhältnisses (meist übertr.)
verloren gehen’
2.1
das Subj. wird zu groß/ hoch für die im Dat. genannte Größe ‘über
jmdn./etw. hinauswachsen; jmdm. über den Kopf wachsen’
–
ez was ein sineweller stein [auf dem die Burg
stand] / [...] / ûf von der erde
/ entwahsen wol den mangen [den Wurfgeschützen]
Er
7844;
nim in [das Kind Jesus] hin zv dir / wande
er ist entwachsen mir [Joseph] / so daz er miner
lere / bedarf nicht vurbaz mere Pass I/II
55,30;
RosengD
384,3;
di rede ist ho an dem dute, / des vorcht ich,
[...], / daz si mir gar entwachse
Brun
8557;
diz lieht ist ouch sô wît, daz ez der wîte entwahset; ez ist wîter dan
diu wîte Eckh
3:261,2
u.ö.
2.2
das Subj. wird zu klein/ niedrig für die im Dat. genannte Größe:
ez sol ein rittermæzic kneht / den zaphen
[Zapfhahn] gerner schiuhen, dan den schilt:
[...] / gesigt an im der zaphe, so entwehset im der
schilt in vremde hant RvZw
114,3;
swacheit und aller itewîz / dem [prachtvollen]
wagen was entwahsen KvWTroj
30025
2.3
‘jmdm./etw. (durch eine bestimmte Entwicklung) verloren gehen’
des nam der ellentrîche war / [...] / daz in
[ihnen, dem Heer] begund entwahsen / kraft an
ritterlîcher wer Reinfr
20136;
an der [der Söhne Noahs]
geslehte nahkomin / entwuͦhs al der welte [Dat.] got
RvEWchr
3168;
alt unde junge / sint mir hie entwahsen Helbl
2,1455
MWB 1 1743,49; Bearbeiterin: Baumgarte
en|twâl
stF.
‘Verzögerung, Aufenthalt’ (vgl. auch
entwel
):
Ihesus sprach da: ‘gant an entwal / an einen man hin in die stat / vnd
sprechent zu ym’ EvStPaul
1642.
10055
MWB 1 1744,20; Bearbeiterin: Baumgarte
en|twâlen
swV. (st. Aneg 1943).
die Formen des Prät. fallen mit denen von →
entwellen
zusammen und werden dort abgehandelt; oft nicht zu unterscheiden von verneintem →
twâlen
.
‘innehalten, verweilen’ (vgl. auch
entwellen
und
entweln
sowie ihre Simplicia):
entwale eine wile da, / niht du engahest, here
[heran] so harte ennahest GenM
125,32.
22,4;
er wolte ein wîle entwâlen, [...] / reht als er
kurzwîle mit der frouwen wolte hân WolfdB
389,2;
div vrowe [Maria] muͦst entwalen /
bey ainer zellen smâhen Wernh
A 3323;
KvWEngelh
4366;
Krone
25087;
–
‘warten’
dvrch daz entwâlt er [Gott] mit
simme zorne, daz er uns nith slehet unz an die stât, da wir uor ime
uerroͮget [angeklagt] werden Spec
110,6;
vil gerne ich hinne entwâle, / biz ich gesihe ir
[Isoldes] liehten schîn UvTürhTr
1154.
– st. flektiert hierher (‘verweilen’) und nicht zu
entwallen
(in der sonst nicht belegten Bed. ‘entfliegen’) wohl auch:
wâ diu tûbe entwiele / oder durch waz sî daz liez, / dô er
[Noah] sie [...] hiez / ûz
varn nâch mære? Aneg
1943
(Interferenz mit →
twalten
?)
MWB 1 1744,24; Bearbeiterin: Baumgarte
entwalken
stV.
‘beschädigen, auseinander fallen’ (?):
der prister wolde in sachen / ein teil wider machen, / daz drinne
[in der Kirche] was entwalken Pass III
386,49
MWB 1 1744,46; Bearbeiterin: Baumgarte
entwallen
stV.
1
‘aufwallen’
2
Aneg
1943
entwâlen
.
1
‘aufwallen’
von der frowen vngehabe, / von irme geschreige /
[...], / wart Hector erschalt. / vnder in allen / was
sin blut enwallen, / sin herze zv drungen Herb
10204
2
Aneg
1943
→
entwâlen
.
MWB 1 1744,50; Bearbeiterin: Baumgarte
entwalm
stM.
‘Bestürzung’ (?):
da ist Beniamin der iungelinch in mutes entwalme [interl. zu
in mentis excessu
]
PsM
67,28;
ich sprach in dem entwalme minem [interl. zu in excessu
meo
]
ebd.
115,11
MWB 1 1744,55; Bearbeiterin: Baumgarte
entwalten
stV.
‘überwältigen’
dat hey van sulcher maneren ys, / dat syner zeyne weren, / so soulde hey
schere na synre eren / uns yntschofferen [
entschumpfieren, in Schande bringen ] ind intvalden
KarlGalie
12287
MWB 1 1744,59; Bearbeiterin: Baumgarte
entwandeln
swV.
1
‘jmdn. fortschaffen, vertreiben’
2
‘jmdn. verwandeln’
1
‘jmdn. fortschaffen, vertreiben’
sa wie sin wir gehandelt / vnd vz der ere entwandelt / die vnser e
[adv.] vil dicke pflach Pass I/II
40,75;
sint ich bin missehandelt, / uz aller selde entwandelt
Vät
32482
2
‘jmdn. verwandeln’
daz [das Besessensein] im [l.
in
] ouch hete entwandelt / [...] an deme libe
gar, / der im was wunderlich gestalt Pass III
33,38
MWB 1 1745,1; Bearbeiterin: Baumgarte
entwænen
swV.
‘jmdm. eine Vorstellung vermitteln’
–
‘zu verstehen geben, mitteilen’
itweder in dem herzen / leit bitterlichen smertzen. / dekein
torste entwenen / dem andren hie sin senen Daniel
7469.
–
‘in Aussicht stellen’
nie herze wirdeclîcher saz / ûf hôher êren krône / denn minez nâ dem lône / sô
mir ist entwænet Reinfr
3567.
5247
MWB 1 1745,9; Bearbeiterin: Baumgarte
entwanken
swV.
im Prät. nicht zu trennen von →
entwenken
.
‘jmdm./etw. entkommen, entgehen’
eine vrouwe [...] wolde vristen ir leben, / sie wolde
deme tôde entwanken LivlChr
8723;
daz der mensch mac mit nichte nicht / vermyden noch intwanken /
den invlygenden gedanken Hiob
11631;
Vät
20677;
werk, wort, dar zu gedancken / mir
[Christus] mugen nicht entwancken HeslApk
22940
MWB 1 1745,17; Bearbeiterin: Baumgarte
entwarmen
swV.
‘warm werden, sich erwärmen’
want dat herce muͦz aller erist van der minnen intwarmen, / dat si sich uͦver
sinen nesten sal irbarmen Lilie
55,12;
ich liͤz dich in mim lif entwarmen, / nuͥn mande dich min lif
gedruͦch MarlbRh
49,8
MWB 1 1745,26; Bearbeiterin: Baumgarte
en|twarn
swV.
→
ent|wern2
MWB 1 1745,31;
entwæten
swV.
‘enthäuten’ (vgl.
wât
):
zem hirze gienger [Tristan] obene
stân. / dâ begunde er in entwæten Tr
2873
MWB 1 1745,32; Bearbeiterin: Baumgarte
entwëben
stV.
1 tr. ‘etw. abtrennen, loslösen’
2 refl. ‘sich auftrennen, auflösen’
1
tr. ‘etw. abtrennen, loslösen’
daz ich niemer sol entweben / mîn herze von der minne dîn KvWTroj
29376
2
refl. ‘sich auftrennen, auflösen’
Josephus gicht hî bî / der riz sî ergangen / an beiden
vurhangen; / von oben hôhe und gar her ab, / nicht
entwirch [quer] sich daz [Tuch des
Vorhangs] entwab JvFrst
10304
MWB 1 1745,35; Bearbeiterin: Baumgarte
entwecken
swV.
‘jmdn. aufwecken, etw. erwecken’
e er des slafes were entwakt / so sach er hin die leitern zien Pass III
371,38;
JTit
5210,3(La.)
MWB 1 1745,42; Bearbeiterin: Baumgarte
entwegen
swV.
‘jmdm. die Kontrolle über etw. rauben’ (in Bildern der veränderten
Gewichtsverhältnisse am Waagebalken):
der schlaff entwagtte im sin craft GTroj
12588;
er stach sin glen in Lancelots schilt, und Lancelot warff
den schilt von im und entweget im die glene Lanc
572,13
MWB 1 1745,45; Bearbeiterin: Baumgarte
entwëgen
stV.
in unterschiedlichen Bildern der durch eine veränderte Gewichtsverteilung in
Bewegung geratenen Waage
1 tr. ‘das Übergewicht in jmdm. erlangen’ , hier in Passivkonstruktion ‘sich
hinreißen lassen’
2 tr. jmdn. an etw. ~
‘jmdn. einer Sache entfremden’ (dadurch, dass etw. anderes schwerer wiegt) 3 tr. ‘entzweien’
1
tr. ‘das Übergewicht in jmdm. erlangen’, hier in Passivkonstruktion ‘sich
hinreißen lassen’
du solt dich huͤten vor gehem zorn, daz du nút entwegen
werdest mit zornlicher geberde Seuse
414,9
2
tr. jmdn. an etw. ~
‘jmdn. einer Sache entfremden’ (dadurch, dass etw. anderes schwerer
wiegt):
daz hât beswæret mich ein teil / und an mîner vröude entwegen KvWTroj
10363;
ir sint an fröuden sêre entwegen ebd.
7923
3
tr. ‘entzweien’
wan gut der art pfliget / das ez frünt entwiget Hund
24;
nu wurdent sy [die Hunde wegen eines Knochens]
entwegen / [...] / sy gerietten sich schaiden ebd.
15
MWB 1 1745,51; Bearbeiterin: Baumgarte
entweichen
swV.
‘weich machen, erweichen’
die gemain [Akk.] uberal gar /
mochten nicht entweichenn / dise grozzen zaichenn Märt
23823;
swer ouch des [der Taufe] bleib gesundert / und
nicht sich liez erweichen [La. entwiͤchen
] / diz [Nom.] lobeliche zeichen / sunder
als e herte bleib, / den selben man vil balde uz treib MarLegPass
3,267
MWB 1 1746,1; Bearbeiterin: Baumgarte |