e – ëbenbürtecheit ëbendol – ëbenguot ëbenheilec (?) – ebenisch ëbenjunc – ëbenmenden ëbenmensche – ëbenstrenge ëbensuoʒe – ëbenwette ëbenwîch – êbrëchærinne êbrëchec – eckerich eckerlîn – edelkeit edelkint – effede effelîn – ege|sam eges|bærec – êhaftec, ehtec êhafteclîche – ehten ehter – eichermel eichgrabe – eidigen eierære – eigenerge eigengeborn – eigenschaft eigenschaftlich – einbærkeit einbærunge – einent einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben einhël – einlift einlifthalp – einöuge einöugec – einstirn einstrîtec – einvach einvalt – einworhte einwort, einwürte – eischtac eischunge – eiterbluome eiterbrâme – eitertrache eitervar – êkonvrouwe ekub – elfenbein elfenbeinîn – ellendeclich ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb- ember – emʒlîche en – enbicobe enbieten – enbore enbœrec – ende endeblat – endeschaft endeslac – enein hëllen enein komen – engegenen engegengân – engelkeiserinne engelkôr – engelvürste engelwësen – englîmen englimmen – enhundert enîdrus – enklieben enklœʒen – enmitten enmittenzwei – enphrüenden enphüelen – ensîten enslîbe (?) – ent- ent|ænegen – enthalben enthalt – enthitzen enthiuten – entlegen entlêhenen – entliutern entlocken – en|toben (?) ent|ordenen – ent|rigeln ent|rîhen – entsagen entsagunge – entschîben entschicken – entsebelich entseben – entslîchen entsliefen – entspitzen entsprëchen – entsüenen entsunkenheit – entvëlhen entvëlhigen – entvliehen entvlieʒen – entwachen entwâfenen – en|twelmen en|tweln – entwësenen entwëten – envalten envar – ênzeclich enzeichenen – enzückunge enzündærinne – ephichwurz ephimera – erargen erarmen – erbarmen erbarmhërze – erbeclîche erbedienest – erbe|insigel 1erbeiten – erbelôsunge erbeman – erbeschilt erbeschrîn – erbeveste erbevîent – erbieten erbietunge – erblœʒen erblüejen – erbrogen erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer ërden-, ërtvruht – erdiuten erdoln – êregîtec êregîtikeit – êrenhüetære êrenhüge – êrenvest êrenvrëch – ergëben ergëbenheit – ergetzen ergëtzen – erglitzen erglîʒen – ergrisgramen ergriulen – erharn erharten – erhogen erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich erkennen – erklepfen erklîben – erkræjen erkrallen – erkuolen erkuolunge – erlegen erlêhenen – êrlich erlîden – ér|lôn erlônen – erlusten erlustigen – ermelzipf ermen – ernacken ernaʒʒen – ërnesthaftic ërnesthafticheit – erqueln erqueschen – errîhen erringen – erscheinunge erschellen – erschrîben erschricken – ersîhen ersiht – ersnellen ersnîden – erstandunge erstarken – erstieben erstîgen – ersuochære ersuochærinne – ërtbærec ërtber – ërtgerüste ërtgruft – ertougen ertouwen – ertücken ertumben – ervære ervâren – erviselunge erviuhten – ervreisen ervriesen – erwahsen erwæjen – erwëgen erwëgen – erwermen erwern – erwîtern erwîʒen – erzeigen erzeigunge – erziugen erziugunge – eschenbürnen ê|schillinc – esellîp eselmære – esser estel, estelîn – ëtevil ëtewâ – etzweide etzwise – êwelich ê|wëlten – ê|wise ê|worhte – ëʒʒesac ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn
|
ergernis
stF. oder stN.
‘Anstoß’
Jesus dâ sîn reden tet / zû den jungern
[...] : / ‘ir wert alle ergernis / an mir lîden [
scandalum Mt 26,31] hin zû nacht’ JvFrst
3228.
–
‘Verführung’
we der weltt vor [Hs. von
‘wegen’
] arigem vorpilde [La. von ergernuͤsse
] ! we aber dem menschen, von dem arges vorpild [La.
von dem do ergernuͤsse, vgl. scandalum patiemini in me
Mt 18,7] kuͤmbt! SchlierbAT (LS)
1,56
MWB 1 1883,54; Bearbeiter: Tao
ergerunge
stF.
auch argerunge
Pass I/II
10,59;
Pilgerf
4359.
1
‘Schaden, Schädigung’
1.1 gegenständlich 1.2
‘Anfechtung’
1.3 rechtsspr. ‘Wertminderung’
2
‘das Anstoßen, Stolpern’
2.1 eigentl., in umschreibenden Übers. für offendere 2.2 übertr. ‘Anstoß, Ärgernis, Anlass zum Bösen, zur Sünde, Versuchung,
Verführung, Irreführung im Glauben’ , v.a. für biblisches
scandalum (oder umschreibend für scandalizare ); nicht
immer eindeutig von 3 zu trennen 3
‘Anstoß, Ärgernis, Zorn, Unmut, Unwille’ u.ä.
1
‘Schaden, Schädigung’
1.1
gegenständlich:
dan die tarsche [der Schild]
vor argeronge / die ander wappen behudet vor schonunge: / durch sij sint die
ander wappen behuͦdt, / das sij nit gebrochen werden Pilgerf
4359
1.2
‘Anfechtung’
die kûscheit des begebenen mannes, der mit deme wîbesnamen
wonet, ob sî lîhte behalten wirt, doch ist sî niht sicher unde mac ouch die
lenge niht âne ergerunge belîben StatDtOrd
52,20.
–
‘Schmach, Verleumdung’
sicende wider den bruder din spræche du unde wider sun der muter din
tæte du ergerunge [
scandalum
]
PsM
49,20;
daz dieses heiligen ordenes gesetzede die brûdere
mugen bewaren vor der ergerunge [
a calumpniis
] der bôsen lûte, die ofte umme eine lîhte sache oder âne
sache gûter lûte gûten lûmunt wollent ergeren StatDtOrd
78,41;
wan ich die ergerunge / entsitze an boser zunge, /
daz din tugentlichez leben / wurde in ein bose wort gegeben / durch mich
armes wibesnam Vät
16037.
16045;
sine buze was herte und starc, / daz er doch vor den
brudern barc / durch der ergerunge wan ebd.
26779
1.3
rechtsspr. ‘Wertminderung’
swer pfant oder enpfolhen guͦt nuͤtzet, der muͤz diu ergerung gelten
StRMünch
319,17
2
‘das Anstoßen, Stolpern’
2.1
eigentl., in umschreibenden Übers. für offendere:
wer an dem dage wandert nu, / dem gat keine ergerunge zu [
si quis ambulaverit in die, non offendit Io 11,9] ,
/ wan er daz liht der werlde siht EvStPaul
12939;
wer aber sich git in die pliht, / daz wanderunge er nahtes hat, / in
ergerunge er da bestat [
si autem ambulaverit in nocte, offendit Io 11,10]
ebd.
12943
2.2
übertr. ‘Anstoß, Ärgernis, Anlass zum Bösen, zur Sünde, Versuchung,
Verführung, Irreführung im Glauben’, v.a. für biblisches
scandalum (oder umschreibend für scandalizare); nicht
immer eindeutig von 3 zu trennen:
ir silber und ir golt mag sy nicht losen an dem tage des
zornis des herren. [...] ja ist is in wurdin zu
ergerunge irir bosheit Cranc
Ez 7,19;
menschenson, dise man habin gesatzit iren unvlat in ir
herze und di ergerunge irir ungerechtikeit han sy gestalt widir ir antlitze
ebd.
Ez 14,3.
Ez 14,7.
–
we der werlde von der ergerunge. wen iz ist not daz
dy ergerunge kumen, sundir doch we dem menschen durch den dy ergerunge
kumt [Mt 18,7]
EvBerl
140,21;
EvStPaul
140;
Renner
14881;
EvAug
181,23
(Lc 17,1);
EvStPaul
9092.
9099;
ob dir dan ergerunge dut / din fuz [
si pes tuus te scandalizat Mc 9,44] , hauwe abe
yn ebd.
4002;
des menschen svn sendet sin engel, vnd di samment von
sinem riche alle ergervnge vnd si, di da tvent di bosheit [Mt
13,41]
EvAug
31,12;
ich hân ouch daz vernomen, / daz alle ergerunge ist komen / von
ungelêrten liuten, / die doch wolten diuten / die schrift nâch ir blintheit
GeistlStreit (H)
911
3
‘Anstoß, Ärgernis, Zorn, Unmut, Unwille’ u.ä.:
an den vrîtagen von ôstern biz an aller heiligen tac mugen die
brûdere zu zwein mâlen ezzen vastelspîse, ez ensî danne durch der werltlichen lûte
ergerunge, daz der landescommendûr mit dem bezzeren teile des capiteles werde des
anders ze râte StatDtOrd
43,22;
dar abe er [der Schriftgelehrte] ergerunge
[Anstoß an der Bibelübersetzung] nimt Hester
52;
Pass I/II
3,71;
diu maget [Maria] an ir haete / keine sundertaete,
/ dâ mite diu vil zarte / ir gespiln beswârte, / [...] daz
si nieman muote, / [...] mit keinen ergerungen WvRh
1598;
Pass I/II
10,59;
do liez der einsidel gut / aller ergerunge mut / gein sinem
prister, den er do / enpfienc vil lieplich und vro Vät
19784;
wiltu aber [...] mit worten gein im
criegen, / so enmac die wehselunge / niht ane ergerunge / von u beden irgan ebd.
14166;
idoch uber di maze zwar / sine rede was gestalt / und machte
sinen vrunden balt / ergerunge und bosen wan Hiob
14091;
daz di ergerunge erstarb, / di den bischof hete enzunt / uf Theophilum, sinen
vrunt MarLegPass
23,140;
des mac sich ein geistlich mensche wol schamen, daz er sô lîhte gewandelt wirt
an betrüepnisse und an zorne und an ergerunge: der mensche enwart nie rehte
geistlich Eckh
3:27,2;
wirfet abe die vorhte, als, ob er möhte sunder ergerunge
aller liute übel und unreht tuon, es enluste in doch niht ebd.
5: 112,9.
– in Zitaten aus den Evangelien und Evangelien-Übers. umschreibend für
scandalizare (nicht immer eindeutig von 2.2 zu
trennen):
Petrus antwort dô mit schalle / Jesu: ‘und ob si alle /
werden an dir geergirt, / di ergerunge nimmer wirt / von mir begangen sô [
ego numquam scandalizabor Mt 26,33] .’
JvFrst
3260;
diz han ich uch geseit dar umme, / daz ergerunge an uch iht
kume [Io 16,1]
EvStPaul
13795;
vnd er ist selig, der da niet / an mir kein ergerunge
enphat [Lc 7,23]
ebd.
6978
MWB 1 1883,63; Bearbeiter: Tao
ergerwen
swV.
wie en-gerwen
‘jmdn. entkleiden, jmdm. die Rüstung, Kleidung ausziehen’
sÿ wurdent alle ergerwet [vgl. aber Anm. z.St.:
"gefasst"] ; in geschach vil we. / mit bluͦte wart geverwet daz
velt vnd oͮch der kle WolfdD
2192,3
MWB 1 1885,31; Bearbeiter: Tao
ergetac, eritac, ertac
stM.
aus dem Got. entlehnte, nur bair. bezeugte Bildung zu griech. Ἄρεως
ἡμέρα
‘Tag des Ares’ (vorauszusetzen sind ahd. *erio-tag, frühahd.
*ario-, got. *arjaus-dags; vgl. Wiesinger, Got. Lehnw. im
Bair., 158f.; Kluge, 254 s.v. Ergetag); Erstbelege der 2. H. des 12. Jh.s in
den Hss. 832 und 1244 (des eritages) sowie 1257 (in dem ergtag)
der UB Graz zitiert Wiesinger, Bair. Wochentagsnamen, S. 505f.; der älteste
Urkunden-Beleg lautet
ergtac UrkCorp
109,27
(a. 1267),
häufigere urkundl. Schreibformen des Erstglieds im 13./14. Jh. sind
eri-, ere-, er-, eri(c)h- (vgl. WMU 1, 522; WBÖ 4,193). –
‘der dritte Tag der Woche, Dienstag’
der dritte sterne heizet Mars [...] unde nâch dem selben
sternen heizet der dritte tac in der wochen ein wênic niwan in dem lande hie ze Beigern.
der sterne der heizet Mars: sô heizet der tac ergetac PrBerth
1:54,16
(vgl. dazu PrBerth
2,310f. und Wiesinger, Got. Lehnw. im Bair., S. 159, Anm. 33);
alle die svnttage, alle di mæntage, alle di eritage, alle di
mitichen, alle di phinztage, alle di vreitage, alle di samztage, di immer werden in der
wochen PrBerthKl
4,90;
EnikWchr
20297;
Ottok
57077;
an dem svntag vnd an dem ertag vnd an dem phinztag so mvgen brvder
vnd swester fleiz ezzen SpitEich
14,21;
Ottok
85117;
des nachsten Erichtages nach sant Andres tag UrkKlostern
1,93
(a. 1304);
an den dreyn [Tagen] wurcht man gar / anders nicht wann
dez teufels pot; / [...] daz ist umb di vaschang zeit, /
suntag, montag, eritag Teichn
460,15
MWB 1 1885,36; Bearbeiter: Plate
ergetzen
swV.
kausativ zu
ergëʒʒen
stV.
1
‘jmdn. etw. vergessen machen’
1.1 allgemein, mit Gen.d.S. 1.2
‘jmdm. helfen, über etw. / jmdn. (Leid, Kummer oder Verlust einer
nahestehenden Person) hinwegzukommen, jmdn. (über etw./jmdn. hinweg)
trösten, jmdm. Ersatz (für etw./jmdn.) schaffen’ (von 2.1
nicht immer klar zu trennen) 1.2.1 mit Akk. 1.2.2 mit Akk. und Gen. 1.2.3 subst. 2
‘jmdn. (für etw.) entschädigen, jmdm. etw. ersetzen, wiedergutmachen’
2.1 allgemein (von 1.2 nicht immer klar zu trennen), mit Akk.d.P. und Gen.d.S. 2.2 im eher rechtsspr. Sinne. 3
‘jmdn. (für etw.) belohnen; jmdm. etw. heimzahlen’
4
‘jmdm. Freude, Vergnügen bereiten’
5 refl. 5.1
‘etw. vergessen’
5.2
‘bei jmdm. Ersatz für etw./jmdn. suchen’
5.3
‘sich (an jmdm.) für etw. rächen’
5.4
‘sich mit etw. laben; sich von etw. erholen’
5.5
‘sich vergnügen’
1
‘jmdn. etw. vergessen machen’
1.1
allgemein, mit Gen.d.S.:
do gedahter vil lieber herre dannoch siner gnaden dar an, daz er im ainen
andern man uzer aller dirre werlt dar zuo suͦhte unde erwelte, der in mit sime
dienst sins zorns [über Adams Ungehorsam] ergazete
unde durch des gehorsam er aller dirre werlt sine gnade unde sinen heiligen
segen gab Konr (Sch)
219,30;
ir froude unt ir wunne / was unsanfte gelecet. / si waren
harte ergetzet / ir frolichen haimverte Rol
6151;
Rûel diu ungehiure / ergatzt in der âventiure / und swaz
im liebes ie geschach Wig
6407.
–
wan swa sich der minne got / hin ze streit gesetzet, / da wirt der sin
ergetzet / allr seinr weisheit, / der er ie hat gephleit / vnd muoz der
minne volgen nah Krone
8435;
jr sint aber von dem blüt / vnd von den starcken wonden, / die ùch nit
sind gebonden, / der krafft schier
ergetzet [beraubt]
ebd.
12333
1.2
‘jmdm. helfen, über etw. / jmdn. (Leid, Kummer oder Verlust einer
nahestehenden Person) hinwegzukommen, jmdn. (über etw./jmdn. hinweg)
trösten, jmdm. Ersatz (für etw./jmdn.) schaffen’ (von 2.1
nicht immer klar zu trennen)
1.2.1
mit Akk.:
er [Etzel] mac
dich [Kriemhild] wol ergetzen
NibB
1244,1
1.2.2
mit Akk. und Gen.
– mit Gen.d.S.:
si irgatzte in ze wâre der manigen sêre, / und
benam ime die chlage die er tagelîches hête ze sîner muoter grabe
Gen
1035;
in sîn scôz
er [Abraham] si [die
Gottesfürchtigen] setzet, alles leides ergetzet ebd.
1043;
got durch sine gote [=
güete
] / der irgezze sie ir leides Roth
1245;
waz mac ergetzen leides
[...] wan friuntlîche liebe
NibB
1234,1;
guot geding ich hân, / daz diu werdiu wolgetân /
mich ergetze sorgen SM:Ro
7: 2,3;
mit endungslosem Gen. (vgl. Behaghel, Dt. Syntax,
1,166):
jâ wil ich dich ergetzen dînes mannes tôt
NibB
1080,3.
– mit Gen.d.P.:
zû zime ern [Jakob seinen Sohn
Benjamin] sazte daz ern Josebes irgatzte
Gen
2138;
er lit laider toter begrabin. / chlage du nicht
sere! / ich irgetze dich [Rolands Braut Alda]
sin gerne: / ich gibe dich ze wibe / dem guten Ludewige
Rol
8702;
daz wir ir hœren sô maniger êren jehen, / si
ergazt’ uns mîner vrouwen lîhte in alten tagen NibB
1170,3;
[Gyburg zu Willehalm: ] ob die clâren
Franzoysinne / dir nâch dienst bieten minne, / daz si dich wellen
ergetzen mîn. / sô denke an die triuwe dîn Wh
104,17
1.2.3
subst.:
doch fiel ir dik menig widermuͦt în, da mit ir ellend geschweret ward,
des sy doch kain ergetzen von niement begert noch suͦcht, won von dem alain,
vor des ogen tusent jar sind als ain tag Stagel
111,30
2
‘jmdn. (für etw.) entschädigen, jmdm. etw. ersetzen, wiedergutmachen’
2.1
allgemein (von 1.2 nicht immer klar zu trennen), mit Akk.d.P.
und Gen.d.S.:
si gewan ir vrouwen hulde / und hete âne schulde /
erliten kumber unde nôt: / des ergazte sîs unz an ir tôt Iw
5450.
2070;
swaz ich vreuden hân verlorn, / der mugt ir wol ergetzen
mich Wig
9399;
sô wil ich ergetzen dich / des guotes, des dû hâst
verlorn RvEBarl
6004;
daz michs noch got ergetze! Wh
232,30;
gesent dich got widere, / mit guͦte ich dich irgezze / der
angestlichen lezze GrRud
F 6.
–
got in irgazte manegere gruozze [für
manche bestandenen Prüfungen] : / er hête sâlde unte
framspuot, aller êrône gnuoch Gen
2639;
die werdent zaller oberist gesezzet, / ir marter wol
ergezzet Hochz
1061;
AvaJG
32,3;
TrudHL
64,33.
65,33.
–
herbest wol ergetzen kan / gisindes man der sumerzît
SM:Had
44: 1,1;
swer die linden von dem wege / næme ûz unwerder phlege / und si in
sînen garten sazte / und si mit bûwe ergazte / daz si in dürrer erde /
stüende unz dar unwerde Er
6011.
– subst.:
sît ir strâfet mich sô sêre, / ir habt ergetzens êre
Parz
515,20.
674,2
2.2
im eher rechtsspr. Sinne.:
– meist mit Akk.d.P. (und Gen.d.S.):
nu wil ich dich des irgezzen, / den scaden al irsezzen
VMos
25,28;
Gunther, künec edele, durch die zühte dîn / ergetze
mich der leide, die mir von dir sint geschehen NibB
2336,3.
2339,4;
swas ih han geschadit dir, / des wilih irgezzen dich
/ darnah als du heizest mih RvEWchr
29339;
es sol auch vnser lieber bruͦder vnd herr der chvͤnich vnser diener
des schadens, den si genomen habent in disem vnserm chrieg ergetzen
UrkWittelsb
2,252
(a. 1317);
UrkLudw
209
(a. 1344);
UrkHohenz
3,23
(a. 1335);
vnd suͤlen wir bedenthalben vnser diener ergetzen UrkWittelsb
2,233
(1315);
(iron.:)
den zins wil er dir gelden / den er hât versezzen. /
dâ wil er dih is irgetzen / er und sîne recken / mit irn scarfin ecken
SAlex
3073.
– mit Dat.d.P.:
vnd sol vnser ietwederre sinen dienstmannen vnd andern sinen læuten
[...] selbe ablegen vnd ergetzzen
UrkCorp (WMU)
935,43.
– mit Dat.d.P., Akk.d.S. und Präp.-Erg. (mit):
ob im daz hovs ze Jbanswald [...] an behabt
wurde mit dem rechten, daz wir im daz ebentewern svlen vnd ergetzen mit
anderm gvt UrkCorp (WMU)
N665,23
3
‘jmdn. (für etw.) belohnen; jmdm. etw. heimzahlen’
er [Gott] ergetz dich dîner güete gar / und ruoche
in sînem muote hân / daz dû uns liebes hâst getân / und ruoche geben dir den lôn
RvEGer
6348;
ich bin ê tôt, / ê si mich mînes dienstes urgetzet, / wan der
mîner sorgen ist leider ze vil SM:WvH
5: 3,5;
di wolten pey im da pestan / und leiden lieb und laid. / den
selben schwur er ainen aid / das er sy wolt ergetzen, / auff grosse wirde setzen
HvNstAp
14492.
–
got [...] helfe uns daz wir in
gelezzen / unde wir in irgezzen, / daz er uns leides hat getan GrRud
Bb 22
4
‘jmdm. Freude, Vergnügen bereiten’
sus heten sie mit worten ein ander ergetzet [oder: Trost
spenden?] , / und ouch mit guotem willen Tit
170,1;
durch geselleschaft in nam / ein vrouwe, diu in sazte / zuo ir und in ergazte
/ sô si beste kunde / mit rede lange stunde Gauriel
120;
(subst.:)
do kam sy zuͦ inen, und beschach ir grosse er von der stat und och von únserm
orden: das was von gnaden gottes ain ergetzen ir zarten edlen natur Stagel
103,25
5
refl.
5.1
‘etw. vergessen’
do chomen mit der broute / hermuowede loute. / die
trunchen des lides [ Obstwein] / unde ergazzeten sich
alles leides Hochz
318
5.2
‘bei jmdm. Ersatz für etw./jmdn. suchen’
alsô die tuont, alsô si got verlât mit sîneme emzegen zarte, sô ergetzent
sie sich mit üppegen menneschen des ellendes unde gotes TrudHL (O)
71,32
5.3
‘sich (an jmdm.) für etw. rächen’
Rennwart mit sîner stangen / sich selben het ergetzet, /
daz er dicke was geletzet / maneger wirde in Franchrîche Wh
388,15;
wer der ander [Mörder] was, /
[...] der sich dô ergezte / mit
sînem [König Ottokars] bluote rôt / sînes friundes
tôt [endungsloser Gen.] , / den er im verderbet
het? Ottok
16678
5.4
‘sich mit etw. laben; sich von etw. erholen’
ir pande si versazte, / daz sich di frouwe [die verstoßene
Landgräfin] irgazte / unde allez ir gesinde, /
[...] nach arme lude wise / mit snodeclicher spise
Elis
4952;
wann sy ganczer suben jar / geraiset hetten und gestritten / und nott und
aribait gelitten. / des wolten sy sich nu ergeczen / und zu gemach wider seczen
Seifrit
7753
5.5
‘sich vergnügen’
entruwent, wir muͤssent zuͦ leste ouch einen gespuntzen
[Liebhaber] haben, ey herre, es enschat nútzit, es
ist ein geistliche minne, wir muͤssent uns ergetzen, wir muͤssent kurtzewile
han, wir enwellent es nit enbern Tauler
392,36.
105,10.
– subst.:
alle ergetzen, luste und spiel / und alle freude und
weltlich spiel Pilgerf
12436
MWB 1 1886,3; Bearbeiter: Tao
ergëtzen
swV.
aus ergëcketzen (vgl. K. v. Bahder, Zu Reinhart Fuchs, PBB 16 [1892],
S. 58f.).
‘jmdn. zum Narren machen’
Isengrin ergetzet [La. irgouchet
] wart ReinFu
K,885
(vgl. auch Anm. z. V. 837).
MWB 1 1888,23; Bearbeiter: Tao
ergetzerinne
stF.
‘Trösterin’
diner sorgen ungemach / bin ich, dins hertzen frúndin, / gar ain willige
ergoͤtzerin FrSchw
866
MWB 1 1888,27; Bearbeiter: Tao
ergetzesal
stFN.
Ansatz unsicher.
‘Freude’
si enhaut kein ander gezal [La. hergetze sal
] / dann daz sie in irs herczen tal / senket liebe gein irem getruͤwen
fruͤnde MinneR 410
349
MWB 1 1888,30; Bearbeiter: Tao
ergetzlich
Adj.
‘erfreulich’
do im mit disen ergezzlichen gedenken neiswi meng wuchen gar
wol was gewesen, do geschach eins males, daz [...]
Seuse
55,16
MWB 1 1888,34; Bearbeiter: Tao
ergetzunge
stF.
1
‘Entschädigung, Ausgleich, Ersatz’
2
‘Belohnung’
1
‘Entschädigung, Ausgleich, Ersatz’
vnd wanne der selbe Gotfried [...] vnd frowe Margaret
sein wirtinne, ze einer ergetzung vnd zue einem wechssel der selben vnserer guet
Sikkenpach vnd Hohenstat, haben vns [...] eingeben vnd
eingeanttwurt ir dorf Kapffsperch UrkHohenz
2,404
(a. 1327);
haben wir den selben unsern burgern und der stat ze Augspurg ze einer
ergetzung ires schadens geben und verschaffet [...] tusent
mark silbers UrkLudw
194
(a. 1340);
UrkWittelsb
2,252
(a. 1317);
den viern sulen abelegen die chorherren [...], ob si
nemmen wellent beschaiden [angemessene] ergetzvnge
UrkCorp (WMU)
3224AB,40.
–
~ tuon:
so sol man Pæblin [...] die vorgenanten ergetzvnge
tuͤn nach der vier rat UrkCorp (WMU)
1355,37;
nû waz ergetzung moht er / im grœzer getuon?
Ottok
80527
2
‘Belohnung’
ditz tuot allez unser herre der sêle ze einer ergetzunge der müe, der sie sich
genietet hât hie ûf ertrîche mit dem irdenischen lîbe PrBerth
1:99,12;
und ze aeiner ergetzung derselben dienst und besunderleichen des willigen und
fuͤrderleichen dienstes, den si uͤnz ze disen zeiten auf dem vaelt tuͦnt und
laeistent sint, haben wir in die besunder genad getan, daz
[...]
StRMünch
87,29;
daz si dar zim kæmen / und ergetzunge næmen / mit kurzwîl
irer arbeit Ottok
9787
MWB 1 1888,38; Bearbeiter: Tao
ergëʒʒen
stV.
‘etw./jmdn. vergessen’
1 allgemein (mit Gen.) 2 formelhaft im Prät. (statt im Präs.) mit Gott als Subj. und Dat.d.P. (meist):
ergaz im got (u.ä.) ‘so wahr Gott ihn vergesse, dass Gott ihn
verderbe; Gott sei ihm gnädig’ (vgl. Grimm, Dt. Gr. 4,205)
1
allgemein (mit Gen.):
swer des einin [von dem einen Wasser] gisuppha, daz
der ibilo [
übele
] gihukka, / der ava des anderen gileche, daz der niehtes irgezze
Merig
28,4;
dô der scenche an daz ambahte gesaz sînes troumskeiden er
vergaz. / er irgaz triuwen jouch maniger riuwen / die er in dem charchâre leid
Gen
1989.
1992.
2454.
2981;
er sprach daz got niene ergâzze daz er im gehiezze ebd.
903;
ob wir immir ergezzin [...] unserre
heimode Ierusalem, so vergezze unser got Spec
39,14;
swelhis tagis sich der suntar becheret
[...], des tagis irgizze ich aller sîner sunde ebd.
87,30.
– refl.:
gotes si sich irgazen VMos
52,21
2
formelhaft im Prät. (statt im Präs.) mit Gott als Subj. und Dat.d.P. (meist):
ergaz im got (u.ä.) ‘so wahr Gott ihn vergesse, dass Gott ihn
verderbe; Gott sei ihm gnädig’ (vgl. Grimm, Dt. Gr. 4,205) :
gesach den got der denne sîn wîn ist. der in sînen chelre
geleget wirt gesach in got. ergaz ime got der des tages fur diu suîn geworfin wirt,
sô dc er gehaizen wirt diu treber TrudHL
141,2;
als im got ergaz, / ob er ez leisten niht enwil
Herb
15669;
wie var ich, sô mir got ergaz! KvWTroj
14083;
ergass ús got, wie sols ergan? SHort
3052;
dc ist, dc si durch got soͤlten geben, dc si dc ferspilont und fertrinchent,
vnd den ergaz got, dc si ie wurden geborn PrSchw (St)
3,253.
3,113;
unser hunt / ûf dînen spor gerennet kunt. / ergaz dir got, begrîft er dich
Boner
28,19.
– mit Gen.d.P.:
der [Gott] in iseninere gerte
rihtet liute unde diete / unde brichet si zesamene, daz ire got ergaz, / die den
unfride machent, also eines havenæres vaz Himmelr
4,23
MWB 1 1889,1; Bearbeiter: Tao
ergiet
stF.
→
ergiht
MWB 1 1889,34;
ergieʒen
stV.
1 intr. 1.1
‘überfließen’
1.2
die luft ergiuzet mit bluote
‘es regnet Blut vom Himmel’
2 tr. 2.1
‘etw. ausgießen’ , übertr. 2.2
‘etw. vollgießen, erfüllen’
2.3
‘etw. (eine Plastik) durch Gießen formen, schaffen’
2.4
‘etw. (Leibesfrucht) abtreiben’
3 refl. 3.1
‘(aus etw., von etw.) stark, schnell fließen, sich ergießen (in etw.)’
3.1.1 von Wasser, Blut, Tränen usw. 3.1.2 übertr. auf das Licht 3.1.3 bildl., v.a. bei Mystikern 3.2
‘überfließen’ (vgl. 1 ) 3.3
‘auseinander fließen, sich separieren’ (?) 3.4
‘sich ausbreiten, stark wachsen’ , von Pflanzen 3.5
‘sich verbreiten’
3.6 (von der Zeit) ‘sich erfüllen, eintreten’
1
intr.
1.1
‘überfließen’
ez [das Land Ägypten] fúhtet
mit dem vluze sin / Nilus der da durh flúzit: / er wahset und irgúzit / so sere
das er dan und dar / das lant ubirvlúzit gar RvEWchr
2013.
Nilus was irgozen / und was do worden alse gros / das er
hohe ob dem wazzer vloz ebd.
10619;
wan geschiht ez iemer / daz der unedel hôher gât / denn
als ez im ze mâze stât, / sô tuot er als ein gieze tuot / der ûz der rehten
wazzers vluot / und ûz dem tîche diuzet / swenn ez von regn ervliuzet. / der
tuot den schadn [...] : / der rehte runs tuot schaden
niht [...], / sô siht man ie die giezen / schedlîch ûz
vliezen. / die giezen gerne ergiezent, / sô sie mit schaden vliezent
RvEAlex
1455
1.2
die luft ergiuzet mit bluote
‘es regnet Blut vom Himmel’
des wart über al Êgypten lant / gotes zorn grôz bekant / mit zehen phlâgen
herten [...]. / man sach die luft mit bluote ergiezen
UvEtzAlex
11410
2
tr.
2.1
‘etw. ausgießen’, übertr.:
der claren sunne [...], / di ir schin erguzet, /
daz er alumme fluzet / mit ir wunneclichen brehen Elis
2851;
[Gott, ] irgîz in râche dînen zorn / ûf dî dît, dî
dich vorlorn / hân und dich nicht betin an [vgl. Jer
10,25]
NvJer
9147
2.2
‘etw. vollgießen, erfüllen’
sit vugete im unser herre daz / von zu nemender arbeit,
/ der er an tugenden was gereit, / daz der genaden vliezen / sin herze wart
irgiezen. / so vol ez im von got vloz / daz er dran vor nie wart so groz
Vät
19116
2.3
‘etw. (eine Plastik) durch Gießen formen, schaffen’
uber al di pfiler obene ergraben und ergozzen / vil
engel [Engelsfiguren] hoch ze lobene, als si von
himel werden dar geschozzen / in vrouden vluge und also lachebære, / daz noch
ein Waleis tumbe gesworen het, daz er bi lachen wære JTit
344,1;
da stuͦnt daz jungst gerichte ergozzen, nicht gemalet ebd.
395,1.
Marlb. 19,3;
alsam ein bilde ergozzen. / nâch wunsche, was ir zarter lîp
Frauentreue
94.
– subst. Part.-Adj.:
dâ got würket in sîn selbes natûre, dâ der werkmeister würket nâch der
edelkeit des gezouwes, daz ist: in sîn selbes natûre, dâ daz werk als edel
ist als der werkmeister und der, der sich ergiuzet, und daz ergozzene alles
ein sint Eckh
3:429,8
2.4
‘etw. (Leibesfrucht) abtreiben’
der [Edelstein orites
] hilft den frawen, daz si swanger werdent. ist aber ain fraw
swanger, sô ergeuzt er ir die purt [
fetum fundit
]
BdN
455,9
3
refl.
3.1
‘(aus etw., von etw.) stark, schnell fließen, sich ergießen (in etw.)’
3.1.1
von Wasser, Blut, Tränen usw.:
er quam in eine veste guot
[...], / diu lît dâ sich der snelle Rîn / wil
sêwen unde ergiezen / und in daz mer kan fliezen KvWSchwanr
193;
sô diu wazzer wilde / sich in dem walde erguzzen / und alsô tobende
fluzzen KvWTroj
6179;
daz man von den zinnen / ûzin unde binnen / sach irgîzin sich daz blût
/ als einis starken reinis [= regenes
] vlût NvJer
19164;
als dî hitze tût daz îs / zusmelzin und zuvlîzin, / sust mûste sich
irgîzin / nâch den sô bittrin smerzin / ûz den irsûfztin herzin / von grôzin
vroidin manic trân / an in allin ebd.
19477.
– vom Regen (vgl. 1.2):
der [Gott] gebiutet den winden / daz
sie scharfen unde linden; / der [...] tuot
ergiezen sich den luft UvEtzAlex
Anh. 1444
– vom Meer ‘sich erheben und tosen’
ergiezen sich daz mer began / und wart als ungehiure, / daz man
mit keiner stiure / geschiffen drûf getorste. /
[...] ir sorge was niht cleine, / wan daz
mer sich vaste ergôz KvWTroj
24102. 24109.
– in der Wendung: jmds. ougen ergiezen sich oder jmdm.
ergiezen sich diu ougen (auch mit herze, dem
Quell der Tränen, als Subj.) ‘jmdm. fließen die Tränen’
sîn herze dolte swære pîn. / sich erguzzen im diu ougen
UvEtzAlex
15355;
ir werdiu liehten ougen / von herzen sich erguzzen, / daz der
zeher rêre fluzzen UvEtzWh
1943.
6889;
ir gedanken ir do schufen / sulche not mit leide, / daz ir ougen
beide / sich erguzzen von der not, / die ir iamerec herze ir bot
Pass III
416,47.
544,10;
in jâmer sprach sie disiu wort; / ir herze mit siufzen sich ergôz,
/ vil wazzers ûz ir ougen flôz UvEtzWh
2759
3.1.2
übertr. auf das Licht:
von dem liechte, daz so groz / sich uz dem kerker ergoz Pass
III
182,9;
sô der luft lûter unde reine ist, sô muoz sich diu sunne ergiezen
Eckh (Pf)
27,28;
als der sunnen schîn, der sich niht enwirfet [La.
irguzit
] ûf daz ertrîche, er enwerde bewunden in dem lufte und
gebreitet ûf anderiu dinc, sô enmöhte ez des menschen ouge nicht gelîden.
alsô ist daz götlîche lieht [...]
Eckh
2:135,1
3.1.3
bildl., v.a. bei Mystikern:
got ist ein lûter guot an ime selben unt dâ von wil er nienen wonen
denne in einer lûtern sêle: in die mac er sich ergiezen unde genzeclîchen in
sî fliezen Eckh (Pf)
601,38;
daz sich got in einen ieglîchen menschen, der sich ze grunde gelâzen
hât, muoz alzemâle ergiezen nâch sîner vermügenheit alsô ganz und gar
Eckh
2:415,6.
2:415,3.
2:597,2;
PrNvStr
305,9
(La.);
wie der heilge geist flússet von in beden, und wie
die heilge drivaltikeit sich ergússet in alle selige geiste und wie sú sich
wieder ergiessent in wunderlicher selikeit Tauler
421,8
3.2
‘überfließen’ (vgl. 1):
der selbe [Fluss] sich
ergiuzet / vierstunt in dem jâr. / dâvon daz lant wirt gar / erviuhtet und
ernezt Ottok
52900.
–
‘überströmen’
ich wird niemer me gesund / e ich getrink von dem goͤtlichen runs, / da
die lebenden brunnen fliessent / und sich alle minende hertzen ergiessent / die
sich im alain gebent: / den git er her froͤd und dert ewig leben Stagel
65,12
3.3
‘auseinander fließen, sich separieren’ (?):
[Verfahren zur Prüfung des Weines, ob er mit Wasser verdünnt
ist:] jst ouch, das du gust wyn in eynen nap, vnd ist czu deme
wyne wassir gemischit, so irgust her sich vnde breytit sich czuhant; ist das her
ist vngemischit, so helt her sich czu samene Pelzb
138,13
3.4
‘sich ausbreiten, stark wachsen’, von Pflanzen:
swa die wurzele ist behaft, / diu hat also groze craft /
daz ir diu ris uz spriezen / und sich so wite irgiezen Vät
4052;
czu dem erstin saltu wissin, ab der wynstok lege in gutir
erdin vnd sich czu sere irgust in dy reme vnd in di loubir, so mus man gar dicke
besnydin Pelzb
130,19;
(bildl.:)
ein here sold sich bergen noch besließen, / so möchte
sich sin adel wit ergießen Mügeln
197,10
3.5
‘sich verbreiten’
von ir ein mere sich ergoz / wie si nu swanger were Pass I/II
314,29;
sin mere witen sich ergoz / von siner grozen heilikeit, / waz got hete an
in geleit / siner schonen wundere Pass III
11,36
3.6
(von der Zeit) ‘sich erfüllen, eintreten’
Danyel, [...]. / schrib ein buch
und tu ez sit / biz die zukumft [das Kommen] dirre zit
/ gentzlichen sich irguzet [vgl. Dn 12,4]
Daniel
7319
MWB 1 1889,35; Bearbeiter: Tao
ergiezunge
stF.
‘Überschwemmung’
si [die Insel] ist ouch vormalis grozer gewest; wen
der nordin wint mit syme sturme unde des meris irgysunge hot des landis vil
ingewaschin MarcoPolo
58,19
MWB 1 1891,39; Bearbeiter: Tao
ergiften
swV.
‘etw. vergiften’
nu was bi Rome der stat / in einem berc ein michel gat, / darinne ein groz
trache lac, / der in den selben ziten pflac, / daz er die luft ergifte Pass
III
90,36
MWB 1 1891,43; Bearbeiter: Tao
ergiht
stF.
‘Beweis’
dat en mach wyssen geyn man, / wiche vroude dar gewan / alle de christen deit,
/ dat sy des hadden eyn ergeyt / ind dit vrkunde
sagen [sahen]
Karlmeinet
404,47
MWB 1 1891,47; Bearbeiter: Tao
ergilwen
swV.
‘jmdn. gël (bleich) machen’
eya, nu sihe in [den Gekreuzigten]
an, zarter vater, [...] wie geroͤtet, ergruͤnet und
ergilwet in dú minne hat! Seuse
214,18
MWB 1 1891,51; Bearbeiter: Tao
erginen
swV.
‘das Maul, den Mund aufsperren’
sinen schaten er dar inne [in dem
Brunnen] sach. / ein michel wunder nie geschach: / daz er hergente
[viell. zu bessern in hergeczte ( →
ergëtzen), vgl. Anm.z.St.] hie, / der mit listen vil
begie. / Reinhart wante sehen sin wip ReinFu
K,837;
dicke zeigtes mir ir ungelimphen: / in dem tûsche sî mich stiez / mit der
viuste gên den brüsten, daz ich wîte ergint Neidh
WL 8:3,6
MWB 1 1891,55; Bearbeiter: Tao
êrgir
stF.
‘Begierde nach êre
’
suâ daz girige herze ist deweder rîhtoumes odir êrgire oder
unrehter friuntschefte, dâ fliuhet der gotis wîstuͦm alse daz lieht den schate
fliuhet TrudHL
58,23
(vgl.
alsô die weltgirigen prinnent nâh rîhtuͦme unde nâch êre
137,9
)
– s.a.
êregirescheit
MWB 1 1892,1; Bearbeiter: Tao
ergischen
swV.
‘(auf)schluchzen’
und du menschenson, irsufcze in quale diner lendin und in
bittirkeit irgysche [
ingemesce
] vor yn Cranc
Ez 21,6;
und wil zubrechin dy arm pharaonis, und vor sinim antlitze
werdin dy getottin weynin irgyschinde [
gement gemitibus
]
ebd.
Ez 30,24.
– subst.:
got claget mit irgischen / dissen jemerlichen mort
Daniel
3332
MWB 1 1892,7; Bearbeiter: Tao
ergitzen
swV.
zu
gigzen
.
‘stammeln, stottern’
kein man der sol ergitzen / mit rede gein siner frawen iht, /
da von ir ere wurde enwicht Minneb
1174;
ich kunde halt niht erdenken, / waz wortez ich solt ergitzen
ebd.
4933.
Prolog 3,13.
– Bedeutung unklar:
sie [d.i. die unstete
] sol auch niht dergitzen / daz sie nymmer tuͤrre gesitzen / zu andern
steten frawen Minneb
4103
MWB 1 1892,14; Bearbeiter: Tao
ergiuden
swV.
‘aufjauchzen’
und auf deyn hayl sere dergäwden [
et super salutare tuum exultabit vehementer Ps 20,2]
PsMb
28(Glossar)
MWB 1 1892,22; Bearbeiter: Tao
erglaffen
swV.
1 intr. ‘sich in staunendem Anschauen verlieren’
2 tr. ‘jmdn. der Besinnung berauben’
1
intr. ‘sich in staunendem Anschauen verlieren’
nieman die roͤte kunde / mit roͤte uͤberguͤden gar / diu von
ir muͤndel rosen var / so lustlichen brehte. / ritter und knehte / an ir schoͤn
erglaften WhvÖst
2657
2
tr. ‘jmdn. der Besinnung berauben’
daz one got nie nicht enwart also gewaltig alz der win, / so win ein man, ein
wyp erglafft Marner (W)
7:29,6
MWB 1 1892,25; Bearbeiter: Tao
erglasen
swV.
‘glasartig, glasig werden, erstarren’
das glasz warff sie vff die flùt, / das es in manig stùck brast, / da von das
wasser erglast / vnd was hertt als ein stein / vber al bisz an Gawein, / von dem,
das usz dem glase ran Krone
14490.
– von Augen:
sine augen waren yme [der Mähre] erglast
Krone
19818;
vnd wenn dann der basilischk plikchet gegen dem liechten spiegel, so erglasent
dem wurm seine augen GestRom
10;
wenne der dot mit dem menschen ringet, so twinget er in so sere, daz ime die
ougen erglasen und ime die oren valent und die zunge geleit und daz ime hende und
fueze und alle sine glider erstarrent PrEls
1,65;
daz diu ougen im erglasen, / der unser bêden vînt sî! Helbl
2,512
MWB 1 1892,33; Bearbeiter: Tao
ergleifen
swV.
‘etw. abschinden’
den vil heiligen man / si [die vier wilden Pferde]
do nach in sleiften / unz si im ergleiften / hut unde vleisch biz uffez bein
Pass III
392,70
MWB 1 1892,48; Bearbeiter: Tao |